„Ein neues Lied, ein besseres Lied, O Freunde, will ich euch dichten! Wir wollen hier auf Erden schon Das Himmelreich errichten.“
Das schreibt der berühmte Dichter Heinrich Heine in seinem Versepos „Deutschland. Ein Wintermärchen“, als er 1843 in sein geliebtes, sein gehasstes Deutschland reist, um seine Mutter zu besuchen. Schon seit zwölf Jahren lebt er im französischen Exil und hat Sehnsucht nach der Heimat: Heine, der Jude, der Christ, der Deutsche, der Franzose, der Romantiker, der Erotiker, der ironische Überwinder der Romantik – und der politische Schriftsteller. Unter der Regie von Alexander Eisenach begibt sich das Schauspielensemble ab 27. März auf eine poetisch-politische Erforschung der deutschen Seele zwischen Gestern und Heute.
Heine, Freund von Marx und Engels, erhofft sich eine emanzipatorische Revolution für Deutschland und kann doch nicht die Augen verschließen vor allem, was dem im Wege steht und was er kunstvoll-spöttisch in seiner Dichtung besingt: den deutschen Korpsgeist, die Spießigkeit, die Schwermütigkeit, die Ordnungsliebe und die gar nicht so liebe Ordnung, die durch Gewalt und Zensur in seinem Geburtsland herrscht.

Und heute? Wo stehen wir in Bezug auf Heines Deutschlandkritik und seinen Ruf nach Veränderung angesichts der globalen Polykrisen, des allgemeinen Vertrauensverlustes in die Demokratie, der Rückkehr des Konservatismus, Autoritarismus, Chauvinismus, Populismus, Nationalismus, des universalen „Me First“, „Nation First“? Was ist aus Heines neuem Lied geworden? Singen wir wieder das alte?
Autor und Regisseur Alexander Eisenach lässt sich in dieser Stückentwicklung von Heines lyrischem Werk inspirieren, um nach „Zonenrandgebiet“ und „Anthropos Antigone“ seine poetisch-politische Erforschung deutscher Geschichte in Kassel fortzuschreiben und die Frage nach unserem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis, unseren Zukunftsängsten und reaktionären Sehnsüchten – der GERMAN ANGST – zu stellen. Und doch, trotz alledem:
„Gib dich zufrieden, Vater Rhein, Denk nicht an schlechte Lieder, Ein besseres Lied vernimmst du bald – Leb wohl, wir sehen uns wieder.“
Premiere ist am Freitag, 27. März, 19.30 Uhr, im Schauspielhaus. Gelegenheit für erste Einblicke bietet ein Sneak In, eine öffentliche Bühnenprobe, am Mittwoch, 25. März, um 19 Uhr. Karten für die Premiere, das Sneak In sowie weitere Vorstellungstermine sind an der Theaterkasse, Tel. (0561) 1094-222, und online unter staatstheater-kassel.de erhältlich.
Raststätte Jammertal
Eine poetisch-politische Erforschung nach Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“
Stückentwicklung von: Alexander Eisenach
Premiere / Uraufführung am Staatstheater Kassel: Freitag, 27. März 26 (Schauspielhaus)
Regie: Alexander Eisenach
Bühne: Sibylle Pfeiffer, Carsten Rüger
Lichtdesign: Carsten Rüger
Kostüme: Bettina Werner
Sounddesign: Sven Michelson
Video: Oliver Rossol
Projektidee: Patricia Nickel-Dönicke
Animation: Sarah Franke
Dramaturgie: Alexander Olbrich
Mit: Hagen Oechel, Daniel Friedl, Lisa Natalie Arnold, Annett Kruschke, Zazie Cayla, Felix Thewanger, Emma Bahlmann
In Kooperation mit dem Institut für Germanistik der Universität Kassel und dem Sara Nussbaum Zentrum für Jüdisches Leben.
Sneak In: Mittwoch, 25. März, 19 Uhr, Schauspielhaus
Nächste Termine: Mi 1. Apr., 19:30 Uhr, Fr 10. Apr., 19:30 Uhr, Fr 17. Apr., 19.30 Uhr
staatstheater-kassel.de
