- Brasilianische Tanzcompany mit Balletten von Marco Goecke und Nacho Duato
- 6. und 7. Februar 2026: São Paulo Dance Company am zweiten Takeover -Wochenende
Am zweiten Takeover-Wochenende (6.2., 20 Uhr und 7.2., 18 Uhr) zeigt die São Paulo Dance Company einen Ballettabend mit drei eindrucksvollen Choreographien: „The Eight“ von Stephen Shropshire auf Musik von Anton Bruckner, „Le Chant du Rossignol“ von Marco Goecke, dessen vibrierende Bewegungssprache Strawinskys Nachtigallenmusik in poetische Bilder übersetzt, und Nacho Duatos „Gnawa“, inspiriert von nordafrikanischen Rhythmen.
Bei ihrem ersten Besuch im Festspielhaus vor fünfzehn Jahren war die São Paulo Dance Company (SPDC) noch ein junges, gerade erst gegründetes Start-up-Unternehmen mit der Ambition, die weltweit als Solisten gefeierten brasilianischen Ballettänzer endlich auch in ihrer Heimat glänzen zu lassen. Unter der Leitung ihrer umtriebigen, innovativen Direktorin Inês Bogéa hat sich die SPDC binnen kürzester Zeit als führende Kompanie ihres Landes für modernes Ballett etabliert und kehrt regelmäßig nach Baden-Baden zurück, wo damals ihrer allererstes Europa-Gastspiel stattfand. Man kann die Truppe mit ihren rasanten, faszinierenden Interpreten und ihrem topaktuellen Programm also durchaus als eine Festspielhaus-Entdeckung bezeichnen.
Für ihre Auftritte im Festspielhaus am 6. und 7. Februar bringt Inês Bogéa zum ersten Mal kein Werk eines brasilianischen Choreographen mit, sondern zeigt stattdessen zwei moderne Klassiker und eine Uraufführung, die ein Amerikaner nach der Musik eines österreichischen Symphonikers in São Paulo choreographiert hat. Von Anton Bruckner über Igor Strawinsky bis zu den dunklen Trommeln der Sahara-Völker spannt sich der musikalische Bogen, neben den großen, im Festspielhaus bestens bekannten Choreographennamen Nacho Duato und Marco Goecke steht mit Stephen Shropshire eine Entdeckung der Kompanie aus São Paulo.
Das sinnlich-geheimnisvolle „Gnawa“ ist bereits ein Klassiker der Moderne. In Nacho Duatos nächtlichem Tanz an den murmelnden Küsten des Mittelmeers flammt all die frühe Originalität des spanischen Choreographen auf: seine fließende Eleganz, die außergewöhnlichen Duos, die Liebe zur mediterranen Erde und der Vielfalt ihrer Völker. Die Gnawa sind die Nachkommen marokkanischer Sklaven in der Sahara, ihre rhythmischen Tänze stehen der Sufi-Mystik nahe; Duato spürt in seinem erdverbundenen, wilden Stück diesen dunklen, manchmal fast trance-artigen Rhythmen nach. Kerzen erhellen die Rituale auf der Bühne, die Formen der Körper erinnern an maurische Ornamente und mit weiten, prägnanten Bewegungen tanzt sich das Stück in Ekstase. „Gnawa“ entstand 2005 und wurde von vielen Kompanien übernommen, die São Paulo Dance Company hat den Klassiker seit 2009 im Programm.
Auch Marco Goecke, der große deutsche Choreograph der Gegenwart, ist der SPDC eng verbunden. Der wunderschöne Gesang der Nachtigall und ihre magischen Kräfte über Leben und Tod stehen im Zentrum seines Stückes „Le Chant du Rossignol“. Zu den Orchesterfarben von Igor Strawinskys Tongedicht, inspiriert von Hans Christian Andersens Märchen, sehen wir „das Zerbrechliche, das Auftauchen, das Davonfliegen, die Natur, die lebt und stirbt, das Einfangen der Schönheit“, wie der Choreograph den Inhalt beschreibt. Nebel hängen über der Bühne, das Stück beginnt mit einem Blitz und zeigt die angespannte Zeit bis zum erlösenden Regen. Rufe der Tänzer hallen ins Dunkel, singend wartet die Nachtigall in einem kleinen Kästchen auf ihre Befreiung … Mit sensibler Musikalität löst sich das Flattern und Zucken eines gefangenen Vogels in Lyrik und in der der Schönheit des tanzenden Körpers. „Le Chant du Rossignol“ entstand 2009 kurz nach Pina Bauschs Tod und ist der Tanztheater-Ikone aus Goeckes Heimatstadt Wuppertal gewidmet.

Foto: Charles Lima
Zur erhabenen Musik des deutschen Symphonikers Anton Bruckner wird nur äußerst selten getanzt; vor zwei Jahren schuf Stephen Shropshire ein Ballett zum bewegten, musikalisch grandiosen Finalsatz der achten Symphonie für die São Paulo Dance Company. „The Eighth“, so der passende Titel, wurde 2024 in Linz als Auftragswerk der österreichischen Bruckner-Stadt zum 200. Geburtstag des Komponisten uraufgeführt. Shropshire war mehrere Jahre Haus-Choreograph der SPDC, er schildert in seinem Stück die Resilienz der Tänzer, ihre endlose, geduldige Arbeit, ihr festes Durchhalten bis zum Erreichen ihres Ziels. Das inszeniert er in Form eines Tanzmarathons, in dem sechs Paare gegeneinander antreten. Der amerikanische Choreograph mischt dabei sehr raffiniert athletisches Ballett und die schimmernd-elegante Schnelligkeit des Ballroom; die Paarhaltung des Gesellschaftstanzes prägt das Miteinander und die Konkurrenz. Als Inspiration für seine zeitgenössisch unterwanderten Standardtänze zitiert Shropshire die kurze „Prometheus“-Erzählung Franz Kafkas, wo es um Erdulden und Durchhalten geht. Die brillanten Tänzer aus São Paulo gehören auf jeden Fall zu den Siegern.
Weitere Informationen und Tickets: festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierung: Tel. 07221 / 30 13 101
