Seit dem 21. Februar2026 ist Prof. Boiana Kunst, Leiterin des Masterstudiengangs für „Choreographie und Performance“ am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen, neue Präsidentin der Hessischen Theaterakademie. Damit tritt Bofana Kunst die Nachfolqe von Prof. Inga Diehl an, der die HTA acht Jahre als Präsident geleitet hat. Das Amt der Vizepräsidentin hat seit dem 21. Februar Dorothea Hartmann inne, Intendantin des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, die damit auf den Intendanten des Staatstheaters Darmstadt, Karsten Wiegand, folgt.
Boiana Kunst
Mit Boiana Kunst steht zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der Akademie. Sie promovierte in Philosophie an der Universität Liubliana und habilitierte sich 2003 an der Universität Primorska (Slowenien). Ihre Forschung konzentriert sich auf zeitgenössische Performance, Theater und Tanz, insbesondere auf Entwicklungen seit dem späten 20. Jahrhundert. In den vergangenen Jahren beschäftigte sie sich intensiv mit künstlerischer Arbeit und den sich wandelnden Rollen von Künstler:innen in der heutigen Gesellschaft. Ihre Forschung untersucht kollaborative künstlerische Prozesse, institutionelle Bedingungen der Kunstproduktion sowie die Rolle von Kunstinstitutionen.
Dabei fragt sie, wie Künstler:innen selbst Institutionen prägen und aufrechterhalten und wie sie sich innerhalb kulturpolitischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen positionieren. Ihre Perspektive ist in einer feministischen politischen Analyse, der politischen Philosophie sowie im Schnittfeld von Ästhetik und Politik verankert. Seit 2012 leitet sie das internationale Masterprogramm Choreographie und Performance.
Dorothea Hartmann
Dorothea Hartmann ist seit der Spielzeit 2024/25 Intendantin des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden. Sie studierte Musik und Germanistik in Freiburg und Wien und schloss an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der FernUniversität Hagen mit einem Master in Management ab. Ihre Theaterlaufbahn begann Dorothea Hartmann mit Engagements als Dramaturgin am Nationaltheater Mannheim und am Landestheater Linz, von 2006 bis 2012 war sie Opern- und Konzertdramaturgin an der Staatsoper Hannover.
Von 2012 bis 2024 gehörte sie zum Leitungsteam der Deutschen Oper Berlin. wo sie als Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der zweiten Spielstätte „Tischlerei“ eine der wichtigsten Plattformen für neue Formen und die Öffnung des Musiktheaters etablierte. Regelmäßig unterrichtet sie an verschiedenen Kunst- und Musikhochschulen. 2016 bis 2023 wurde Dorothea Hartmann in das Kuratorium für das Kinder- und Jugendtheaterzentrum Deutschland berufen. Sie war sieben Jahre lang Vorstandsmitglied der Dramaturgischen Gesellschaft und wurde 2021 in die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste gewählt.
Die Hessische Theaterakademie
Die Hessische Theaterakademie ist eine Einrichtung des Landes Hessen und bildet als solche ein Netzwerk zwischen den Stadt- und Staatstheatern in Hessen und darüber hinaus sowie den Studiengängen für darstellende Künste an fünf hessischen Hochschulen (der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt/M., der Hochschule für Gestaltung Offenbach, der Frankfurter J. W. Goethe-Universität und der Frankfurt University of Applied Sciences, sowie der JLU Gießen).
Ziel ist die bessere Verzahnung zwischen interdisziplinär angelegter Ausbildung und professionellem Schaffen in Theater. Musiktheater. Tanz und Performance. Als „Akademie von unten“‚ basiert die HTA nicht nur auf der offenen und immer intensiveren Zusammenarbeit der Lehrenden, Intendantiınnen und Dramaturg:innen, sondern vor allem auch auf den vielen spartenübergreifenden Initiativen der Studierenden.
Unter der Präsidentschaft von Ingo Diehl wurde die HTA u. a. im Bereich assoziierter Partnerschaften mit Einrichtungen der frei produzierenden darstellenden Künste sowie des Kinder- und Jugendtheaters in Hessen und der Gründung eines Weiterbildungsprogramms „Kunst als soziale Praxis“ (ermöglicht durch die Crespo Foundation) ausgebaut, um die Diversität der hessischen Theaterlandschaft im europaweit einzigartigen Studien- und Ausbildungsverbund der HTA abzubilden.
Darüber hinaus setzte er mit konkreten Förderprogrammen einen Schwerpunkt auf Themen wie Barrieresensibilität und künstlerische Forschung. Mit der Beteiligung der HTA am Frankfurt LAB wurde ein zentraler und in seiner zeitgenössischen Ausrichtung wegweisender Aufführungs- und Probenort weiterentwickelt.
Boiana Kunst und Dorothea Hartmann haben sich vorgenommen, diese Entwicklungen fortzuführen und den institutionsübergreifenden Austausch und die gemeinsame Gestaltung von Strukturen der Ausbildung und Forschung zu stärken. Die Unabdingbarkeit der Förderung der Vielfalt der darstellenden Künste für eine freie und demokratische Gesellschaft bildet dabei die Grundlage für die geteilte Überzeugung. die Studierenden und ihre Arbeit an einem Theater der Zukunft auch weiterhin im Fokus zu halten.
