Liederabend der Raritäten mit Patrick Grahl an der Oper Frankfurt

Liederabend Patrick Grahl (Tenor) und Klara Hornig (Klavier) ~ Oper Frankfurt (24.02.2026) ~ Klara Hornig, Patrick Grahl ~ © Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de
kulturfreak Bewertung: 4 von 5

Für viele Opernsänger:innen bildet ein Ausflug zum Kunstlied eine willkommene Abwechslung. Nicht wenige haben sich mit einem Liedrepertoire ein zweites Standbein aufgebaut. Bei dem aus Leipzig stammenden Tenor Patrick Grahl verhält es sich umgekehrt. Er ist ein ausgewiesener Lied- und Oratoriensänger mit gelegentlichen Ausflügen in die Welt der Oper.

Bei seinem Debüt an der Oper Frankfurt wählte er keine Lieder bekannter Kunstliedkomponisten wie Schubert, Schumann oder Wolf. Er bereicherte die Kenntnisse des Publikums mit hier nur sehr selten, wahrscheinlich eher noch nie gehörten Raritäten. Sie stammten von Hanns Eisler (1898 – 1962), Wilhelm Weismann (1900 – 1980) und Johannes Weyrauch (1897 – 1977). Ihnen gemeinsam ist nicht nur der zeitliche Rahmen (20. Jahrhundert). Sie alle haben einen Bezug zur Heimatstadt von Patrick Grahl (wo sie geboren wurden oder gewirkt haben).

Unter ihnen ist Hanns Eisler der bekannteste Liedkomponist. Dies weniger vom Kunstlied her, als von Liedern für die Arbeiterbewegung und die Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht (zudem komponierte er auch die Nationalhymne der DDR). Seine Lieder standen zu Beginn und Ende des umfangreichen Liedprogramms von Patrick Grahl. Es waren, wie auch bei den anderen beiden Komponisten, meist sehr kurze Lieder. Insgesamt 37 an Zahl, ein neuer Rekord bei dieser Liederabendreihe (dafür nutzte er in sehr geringem Umfang auch vor ihm ausliegende Notenblätter).

Liederabend Patrick Grahl (Tenor) und Klara Hornig (Klavier)
Oper Frankfurt (24.02.2026)
Klara Hornig, Patrick Grahl
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Anders als bei einem Liederabend mit Komponisten der Romantik und Klassik, ging es bei Patrick Grahls Abend weniger um eine große Gefühlstiefe durch Liebesleid und -glück. Waren es auch keine politischen Lieder, handelten sie doch mehr von allgemeinen Lebenseindrücken und -situationen. Die Auswahl war sehr vielschichtig und nuancenreich. Für einen bleibenden Eindruck muss man sie wahrscheinlich öfters hören, denn einige Perlen gab es darin durchaus.

Die Bandbreite schwankte zwischen besinnlichen bis schweren, wie Eislers „Schwerer Traum“ oder „Der müde Soldat“ und bewegten bis vehementeren Liedern, wie Weyrauchs „Ein Maienlob“. Ausgefallen Weyrauchs „Der Eichwald“

Patrick Grahl nahm mit seiner außerordentlich kultivierten Stimmführung, mit hervorragender Diktion, traumhaftem Legato und warmtönenden Klängen sehr für sich ein.

Am Klavier wurde er von Klara Hornig subtil begleitet. Sie war schon vor zwei Jahren zu Gast an der Oper Frankfurt. Damals begleitete sie die Mezzosopranistin Corinna Scheurle im Holzfoyer. Bei dem besonderen Programm von Patrick Grahl konnte sie besonders mit expressiven Vor- und Nachspielen auf sich aufmerksam machen.

Eislers „Und endlich“ beendete ganz sanft den Abend. Es folgte intensiver Beifall und eine Zugabe.

Markus Gründig, Februar 26


Wer den Liederabend von Patrick Grahl an der Oper Frankfurt verpasst hat oder ihn erneut erleben möchte: Am 27. März ist er in Johann Sebastian Bachs „h-moll Messe“ mit der Gaechinger Cantorey unter Hans-Christoph Rademann in der Alten Oper Frankfurt zu erleben (sowie nachfolgend in Stuttgart, Paris und Luzern).


Die Zugabe:

Hanns Eisler (1898-1962) / Bertolt Brecht (1898-1956): „Kinderhymne“ (1950)