Der Kunstverein Friedrichshafen zeigt eine Einzelausstellung der Malerin Lin Olschowka

Lin Olschowka: Jailed First 1 und Jailed First 2, 2026, acrylic on canvas ~ © Lin Olschowka/Kunstverein Friedrichshafen: 2026, Fotograf: Cim Jubke

Die Ausstellung Copy of a Wall der Malerin Lin Olschowka widmet sich dem Moment des Übergangs. Im Fokus stehen dabei Zustände des Dazwischen, in denen Bilder, Bedeutungen und Zuschreibungen noch offen sind oder sich verschieben. Die Malerin Lin Olschowka beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Original und Kopie, mit Wiederholung als produktiver Strategie sowie mit der Frage, wann und unter welchen Bedingungen Bilder und Bedeutung entstehen.

Im Zentrum der Ausstellung Copy of a Wall stehen zwei nahezu identische Selbstporträts vor den Kreidefelsen auf Rügen mit den Titeln Jailed First 1 und Jailed First 2. Die dargestellte Szene wirkt auf den ersten Blick ruhig und vertraut. Durch die Bildwiederholung verschiebt sich diese Wahrnehmung allerdings: Das Selbstporträt verliert seine Position als singulärer Ausdruck und wird Teil einer seriellen Ordnung. Die Aura des Originals erscheint als veränderlich und prozesshaft, sie verändert sich im Akt der Reproduktion. Originalität entsteht im Vergleich der Bilder, in ihren minimalen Unterschieden und im Abstand, der sie voneinander trennt und zugleich verbindet.

Lin Olschowka: Mäuseloch 1, 2026, acrylic on chalk on Wood
© Lin Olschowka/Kunstverein Friedrichshafen: 2026, Fotograf: Cim Jubke

Diese Herangehensweise setzt sich in weiteren Arbeiten fort. In Mäuseloch 1Mäuseloch 2 und Get-together verschiebt Lin Olschowka Maßstäbe und Hierarchien. Zeiten, Stile und Bildtraditionen überlagern sich. Sakrale Bildwelten treffen auf popkulturelle Referenzen und kunsthistorische Zitate begegnen alltäglichen Motiven. Wahrnehmung erweist sich als abhängig von Kontext, Maßstab und Blickrichtung.

Auch das Werk S 285/1 greift diese Fragestellungen auf. Die Leinwand übernimmt exakt die Maße eines real existierenden Tisches von Marcel Breuer, im Ausstellungsraum ist zusätzlich der originale Tisch präsent. Er erscheint als Gebrauchsgegenstand, sodass Bild und Objekt gleichberechtigt nebeneinander stehen und die Grenze zwischen Repräsentation und Realität durchlässig werden.

Die Ausstellung folgt keiner linearen Erzählung. Wiederholung, Verschiebung, Zitat und Übertragung bilden zentrale Strategien in Lin Olschowkas Praxis. Copy of a Wall versteht sich als offenes Ausstellungsgefüge, in dem Bedeutungen zirkulieren und sich kontinuierlich verändern. 

Lin Olschowka wurde 1995 in Münsterlingen in der Schweiz geboren. Sie lebt und arbeitet in Karlsruhe. Ihr Masterstudium absolvierte sie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Zu ihren jüngsten Ausstellungen zählen unter anderem die Liste Art Fair Basel 2025 mit Windhager von Kaenel, Meyer Riegger in Karlsruhe, das Rosgartenmuseum Konstanz, Hamlet in Zürich sowie das Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen.


Ausstellung „Copy of a Wall“ ~ Lin Olschowka

13. Februar bis 29. März 2026

Öffnungszeiten:
Mittwoch–Freitag, 15–18 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertage, 11–17 Uhr
Eintritt frei

Kunstverein Friedrichshafen e. V.
Buchhornplatz 6
88045 Friedrichshafen
T +49 (0)7541 21950
info@kunstverein-friedrichshafen.de
kunstverein-friedrichshafen.de