Premiere „Carmen“ an der Semperoper

Kronleuchter im Zuschauerraum der Semperoper Dresden © Semperoper Dresden/Matthias Creutziger

Für die Semperoper Dresden entfaltet Regisseurin Nadja Loschky mit einer neuen „Carmen“-Inszenierung ein packendes Psychodrama über Freiheit, Begehren und gesellschaftliche Grenzen. Am 1. Mai 2026 feiert die Opernneuproduktion mit zahlreichen Hausdebüts ihre mit Spannung erwartete Premiere.

Mit Nadja Loschkys Semperoper-Regiedebüt kommt am Freitag, den 1. Mai 2026 eine vielschichtige Deutung von Bizets Carmen zur Opernpremiere. Die Inszenierung Loschkys hinterfragt den „Carmen“-Mythos und macht zugleich die Mechanismen sichtbar, die aus Freiheitsdrang, erotischem Begehren und männlicher Kränkung in die tragische Eskalation führen.

Auch musikalisch und sängerisch ist die Produktion von neuen Impulsen geprägt. Die exzellent besetzte Premiere am Maifeiertag geht mit einer Reihe bedeutender Hausdebüts einher, wenn Eve-Maud Hubeaux in der Titelpartie und Galina Cheplakova als Micaëla sowie der italienische Dirigent Lorenzo Passerini am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden erstmals an der Semperoper zu erleben sind.

Der Tenor Attilio Glaser interpretiert die Partie des Don José, als dessen Alter Ego der Schauspieler Lasse Myhr ebenfalls in einem Hausdebüt die dramatische Spannung mitgestaltet. Als Escamillo kehrt der Bass Krzysztof Bączyk an die Semperoper zurück, wo er 2024 in der Titelrolle der Neuproduktion Mefistofele sein Hausdebüt gab.

Ausgehend von Prosper Mérimées Novelle hinterfragt die Regie die sinnliche Gefährlichkeit der Titelfigur: Carmen wird als Projektionsfläche für den Mythos von der „unabhängigen Frau“ gelesen, deren radikaler Freiheitswille und unbedingte Lebenslust gesellschaftliche Übereinkünfte infrage stellen. Sie ist weniger Täterin als Auslöserin, eine Systemsprengerin, die durch ihre Unabhängigkeit die Reaktionen ihrer Umwelt provoziert und in ihrer Verführung zur Bedrohung der viril geprägten Welt stilisiert wird.

Im Kontrast dazu steht das gekränkte Männlichkeit Don Josés. Seine zunehmende innere Verunsicherung und sein verletzter Stolz führen ihn Schritt für Schritt in die Eskalation bis hin zum Mord. In einer besonderen Dialogfassung wird diese Entwicklung in der neuen Dresdner Carmen sichtbar gemacht, wenn Don José in doppelter Gestalt als singende und als sprechende Figur auftritt.

Diese Verdopplung eröffnet einen unmittelbaren Einblick in seine inneren Konflikte und verstärkt die psychologische Dimension des Geschehens: Carmens „dämonische“ Wirkung entfaltet sich erst im Zusammenspiel mit Don José. Seine Wahrnehmung, seine Obsession und sein Begehren tragen entscheidend dazu bei, dass die ungehemmte Weiblichkeit als herausfordernd und unberechenbar erscheint und schließlich zur Projektionsfigur männlicher Ängste wird.

Das kontrastreiche Bühnenbild von Etienne Pluss in seiner markant maskulinen, an franko-spanische Ästhetik erinnernden Gestaltung sowie die zum Teil surrealen Kostüme und (alb-)traumhaften Masken von Irina Spreckelmeyer unterstützen eindringlich diese Lesart. Dominierende Farbwelten in Schwarz, Weiß und Rot setzen starke visuelle Akzente und spiegeln die Spannungen zwischen Leidenschaft, Gewalt und gesellschaftlicher Ordnung wider.

Wie Johan Ingers gleichnamige Choreografie für das Semperoper Ballett aus dem Jahr 2019, die ab Januar 2027 wieder auf dem Spielplan steht, bietet diese aktuelle Dresdner Opernneuproduktion von Carmen ebenfalls eine neue eingeständige Sicht auf Bizets Meisterwerk.


Carmen

Von: George Bizet

Premiere in der Semperoper Dresden: Freitag, 1. Mai 2026

Mit: Eve-Maud Hubeaux, Galina Cheplakova, Nicole Chirca, Jasmin Delfs, Attilio Glaser, Krzysztof Bączyk, Anton Beliaev, Vladislav Buialskyi, Simeon Esper, Jin Yu und dem Schauspieler Lasse Myhr sowie dem Sächsischen Staatsopernchor Dresden und dem Kinderchor der Semperoper Dresden

Die Sächsische Staatskapelle Dresden spielt unter der Musikalischen Leitung von Lorenzo Passerini.

Weitere Vorstellungen im Mai und Juni 2026

Karten für die Veranstaltungen der Semperoper Dresden sind in der Schinkelwache am Theaterplatz (T +49 (0)351 4911 705) erhältlich. Für die Online-Karten- und Platzreservierung steht der 3D-Saalplan der Semperoper im Online-Ticket-Shop zur Verfügung.

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