Die neue Spielzeit 2026/2027 am Theater Pforzheim

Theater Pforzheim (Foto: Sabine Haymann)

Von Außenseiter:innen und gesellschaftlichen Grenzen

Es ist immer eine spannende Herausforderung, in einem Spielplan, der über sich über vier Sparten und – in diesem Fall – zwanzig völlig unterschiedliche Premieren und Produktionen erstreckt, einen roten Faden zu finden. Aber manchmal zieht er sich magisch glänzend und wie von selbst durch Oper und Musical, Schauspiel und Tanz bis hin zum Märchen. Wie im Fall der neuen Spielzeit 2026/2027 am Theater Pforzheim.

Die Sparten und Ensembles des Theaters Pforzheim erzählen und zeigen Geschichten um Außenseiter:innen, Stücke vom Ringen um Teilhabe und vom Schmerz des Ausgestoßenseins, vom Verbindenden, aber auch vom Ausschließenden der Gesellschaft(en). Davon kann die Nixe „Rusalka“ buchstäblich ein Lied singen (Opernpremiere am 23. April).

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Aber auch das absonderliche Rumpelstilzchen (Deutsche Erstaufführung von „Rumpelstilzchen – Gleich zerreißt es mich!“ am 25. November) und das von allen verabscheute Monster in „Frankenstein“ (Premiere am 19. März) werden von ähnlichen Sehnsüchten und Verletzungen getrieben.

Wie die beiden schrägen Helden, die in „Elling“ (Premiere am 27. November) in die vermeintlich „normale“ Welt entlassen werden. Oder wie Alice, die sich als vermeintlich einzige „Normale“ in einem Wunderland mit ganz eigenen Regeln neu orientieren muss (Uraufführung von „Alice im Wunderland“ als Tanzproduktion am 20. November).

Ob nun das Rosa unter den anderen Farben in „Das schrillste Blau“ (Premiere am 3. Februar) oder Leo mit seiner Lese- und Rechtschreibschwäche im Schulalltag (Deutschsprachige Erstaufführung von „Ich male meinen Himmel orange“ am 30. Juni): Im Jungen Theater werden Grenzen erfahrbar und manchmal überwunden.

Und dann gibt es selbstverständlich auch Menschen, Figuren, die die Grenzen der Gesellschaft ablehnen oder sich vor ihren Zwängen und Konventionen flüchten. Mit Drogen wie Dr. Henry Jekyll (Premiere von „Jekyll & Hyde“ am 22. Januar), in den scheinbaren Wahnsinn wie „Die Physiker“ (Premiere am 7. Mai) oder in die Fremde wie „Leonce und Lena“ (Premiere am 23. Oktober).

Während bei Puccini junge Künstler:innen in der „Bohème“ eine alternative Gemeinschaft bilden (Premiere am 9. Oktober), setzt man sich bei Mozart mit List und Tücke gegen die Dreistigkeit der Machthabenden zur Wehr (Premiere von „Le Nozze di Figaro“ am 19. Februar).

Die beiden Teenager im „Camp Siegfried“ wollen einfach nur dazugehören – mit schrecklichen Konsequenzen (Deutschsprachige Erstaufführung am 13. März), und die beiden Paare in „Nachtland“ kriegen ihre moralischen Werte und den Geldwert einer Erbschaft nicht zusammen (Premiere am 30. Oktober).

Da kann einem das Lachen ab und an im Halse stecken bleiben, aber wir haben in diesen eher düsteren Zeiten auch ihre gute Laune im Auge und wollen Sie glänzend unterhalten: Freuen Sie sich auf die zerstrittene Schauspieltruppe in „Kiss Me Kate“ (Premiere am 6. November), die singenden und tanzenden Schwestern mit ihrem „Non(n)sens“ (Premiere am 16. April), eine turbulente Mörderjagd durch die Zeit in „Doppeltüren“ (Premiere am 5. Februar) und Lilian Huynen mit ihrem neuesten Liederabend (Premiere von „Nächster Halt: Jukebox“ am 18. September).

Daneben verlässt die Tanzkompagnie das Haus – keine Sorge –, um das Gasometer zu erobern (Uraufführung von „Unter dem Dach der Urwaldriesen“ am 20. März). Und wir sind alle schon gespannt, was sich die „Jungen Wilden“ für das Podium ausdenken (Premiere am 4. Juni).

Das neue Spielzeitheft liegt am Theater und an vielen Stellen der Stadt und der Region aus und kann kostenlos von der Homepage des Theaters unter theaterpforzheim.de heruntergeladen werden.