Stefan Pucher inszeniert »Leonce und Lena« in Wiesbaden

Rückansicht des Staatstheaters Wiesbaden mit dem Schillerdenkmal, hinter dem der Kompost entsteht. (Foto: Maximilian Borchardt)

Am Freitag, den 30. Januar 2026 um 19:30 Uhr setzt Stefan Pucher seine Inszenierungen von Büchner-Stücken im Kleinen Haus des Staatstheaters Wiesbaden fort. Nach der von Presse und Publikum gefeierten Produktion „Woyzeck“, die in dieser Spielzeit erfolgreich wiederaufgenommen wurde, nimmt sich Pucher, der zu den prägendsten Regisseuren seiner Generation gehört, nun Georg Büchners einzigem Lustspiel „Leonce und Lena“ an.

Als Gesellschaftssatire persifliert es den Absolutismus, die Kleinstaaterei und den Alltag am Hof – zwischen Dekadenz, Müßiggang und Sinnleere – und parodiert mittels Absurdität der Handlung und dem Pathos seiner Dialoge gleichzeitig die romantische Liebeskomödie. Wie bereits bei „Woyzeck“ verbindet Pucher den Dramenklassiker, dessen Sprache er in die Gegenwart holt, mit einer Popästhetik und Video zu einem stimmigen zeitgenössischen Gesamtkunstwerk.

Zum Inhalt:

König Peter möchte die Macht an seinen Sohn Leonce übergeben. Doch Leonce, von einer melancholischen Langeweile gelähmt, lehnt jedes gesellschaftliche Amt ab. Als seine Hochzeit mit der unbekannten Prinzessin Lena ansteht, flieht Leonce nach Italien. Auch Lena will ihr Leben selbst bestimmen und flieht ebenfalls vor der arrangierten Ehe. Auf der Reise begegnen sich die beiden Königskinder zufällig und verlieben sich ineinander – ohne die wahre Identität des jeweils anderen zu kennen – und erfüllen das Schicksal, dem sie zu entfliehen suchten…

Zum Autor und zur Inszenierung:

„Leonce und Lena“ entsteht 1836 für einen Wettbewerb der Cotta’schen Verlagsbuchhandlung. Geboren im hessischen Goddelau, aufgewachsen in Darmstadt, verfasst Georg Büchner seine Werke in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs zwischen den Idealen der Französischen Revolution und den restaurativen Beschlüssen des Wiener Kongresses. Als politischer Aktivist gründet er u. a. die geheime „Gesellschaft der Menschenrechte“, die sich für eine republikanische Verfassung und soziale Gerechtigkeit einsetzt und verfasst die Flugschrift „Der Hessische Landbote“, die sich gegen die sozialen Missstände seiner Zeit richtet, und muss schließlich fliehen.

Themen seiner Schriften und Werke sind soziale Ungerechtigkeit, die Kritik an Machtstrukturen und Unterdrückung, der Determinismus von Mensch und Milieu sowie die Zerrissenheit des Individuums, oft im Kontext der gescheiterten Revolutionen und der Sinnlosigkeit menschlichen Strebens.

Stefan Pucher inszenierte u. a. am Deutschen Theater und an der Volksbühne Berlin, am Schauspielhaus Hamburg, Schauspiel Frankfurt, Schauspiel Stuttgart, Schauspiel Hannover, am Thalia Theater, am Wiener Burgtheater und am Schauspielhaus Zürich. Siebenmal wurden seine Arbeiten zum Berliner Theatertreffen eingeladen.

„Leonce und Lena“ bringt Pucher in bewährter Zusammenarbeit mit Bühnenbildnerin Nina Peller als bissig-unterhaltsamen Ensembleabend im frischen Gewand, mit einem Bühnenbild und Kostümen (Annabelle Witt) zwischen historischen Referenzen und starken modernen Akzenten mit Video (Ute Schall) und Live-Musik (Benjamin Kolloch) auf die Bühne. Bis Ende Juni 2026 ist das Stück, das auch für Schulklassen buchbar ist, im Kleinen Haus zu erleben.


Leonce und Lena

Lustspiel
Von: Georg Büchner (1813 – 1837)
Uraufführung: 31. Mai 1895 (München; Freilichtaufführung des Münchner Theatervereins Intimes Theater)

Premiere am Staatstheater Wiesbaden: Freitag, 30. Januar 26 (Kleines Haus)

Inszenierung: Stefan Pucher
Bühne: Nina Peller
Kostüme: Annabelle Witt
Musik: Christopher Uhe
Video: Ute Schall
Dramaturgie: Hannah Stollmayer
Vermittlung: Valentina Eimer
Abendspielleitung / Regieassistenz: Paul Ansmann
Kostümassistenz: Ivet Duran Murillo

Mit: Lennart Preining, Tabea Buser, Christian Klischat, Jonas Grundner-Culemann, Felix Strüven, Trang Dông, Hannah Lindner, Abdul Aziz Al Khayat
Live-Musik: Benjamin Kolloch

Gruppenbuchungen erfolgen telefonisch über 0611-132 300 oder per Mail an gruppenticket@staatstheater-wiesbaden.de. Ergänzende Vor- und Nachbereitungs- workshops sowie Materialien können unter vermittlung@staatstheater-wiesbaden.de angefragt werden.

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