Hessische Theatertage am Staatstheater Wiesbaden endeten mit der Preisverleihung

Preisverleihung der Hessischen Theatertage am Staatstheater Wiesbaden ~ Auf dem Foto zu sehen sind: vordere Reihe v. l. n. r. Mikheil Charkviani (Theaterregisseur, Jurymitglied), Pia Eppig (Regisseurin, Gewinnerin Publikumspreis), Bella Enderlein  (Vertreterin HTA für die Nachwuchspreisgewinner Aleksandra Nowakowska und Andrzej Józefczyk), Bea Banca (Produktionsassistenz Hessische Theatertage); zweite Reihe v. l. n. r. Shirin Sojitrawalla (freie Journalistin, Jurymitglied), Dorothea Hartmann (Intendantin Staatstheater WIesbaden), Andreas Jahnke (Künstlerische Produktionsleitung Hessische Theatertage); hintere Reihe v. l. n. r. Hannah Stollmayer (leitende Schauspieldramaturgin, Jurymitglied), Paul Ansmann (Regisseur/Regieassistent, Jurymitglied), Theresa Willeke (Künstlerische Betriebsdirektorin), Uwe Arsand (Technische Produktionsleitung Hessische Theatertage) ~ Foto: Lukas Anton

Mit einer Preisverleihung endeten am Samstag, den 27. Juni 2026 die diesjährigen Hessischen Theatertage am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Zehn Tage lang waren Produktionen der Theater Kassel, Frankfurt, Darmstadt, Gießen, Marburg und Wiesbaden sowie Produktionen der Freien Szene Hessens – im Rahmen des MADE.Festivals – und Arbeiten Studierender der Hessischen Theaterakademie in Wiesbaden zu erleben.

Zwei Preise wurden verliehen: Eine Fachjury bestehend aus Shirin Sojitrawalla (freie Journalistin), Rebecca Heiler (Festivalleitung goEast-Filmfestival), Mikheil Charkviani (Theaterregisseur und Bühnenbildner), Hannah Stollmayer (leitende Schauspieldramaturgin Hessisches Staatstheater Wiesbaden) und Paul Ansmann (Regisseur und Regieassistent Hessisches Staatstheater Wiesbaden) vergab den Nachwuchspreis der Hessischen Theatertage an eine Produktion unter den sechs präsentierten Arbeiten Studierender der zum Verbund der Hessischen Theaterakademie gehörigen Hochschulen.

Gewonnen hat den Preis, der mit 3000 Euro dotiert ist, die Produktion „Speechless“, eine Tanzperformance mit Live-Sampling, von Aleksandra Nowakowska und Andrzej Józefczyk.

Folgende Begründung fand die Jury: „‚Speechless‘ hat uns mit seiner einzigartigen Erkundung des Körpers, der Stimme und des Raumes beeindruckt. In der engen Zusammenarbeit zwischen Aleksandra Nowakowska und Andrzej Józefczyk entsteht eine nuancierte und vielschichtige Performance. Gleich zu Beginn nimmt die Performerin ohne ein Wort zu sprechen Kontakt zum Publikum auf. Immer wieder versucht sie sich zu äußern, bricht ab, scheitert. Sie setzt neu an, wiederholt sich und erzeugt damit eine Spannung, aber auch ein Unbehagen beim Publikum. Er nimmt auf, was sie macht. Ihre Schritte, ihren Gesang, ihren Atem, ihren Tanz.

Die Aufnahmen werde live gesamplet, worauf die Performerin reagiert. Heraus kommt ein loophafter Dialog, der sich nicht nur zwischen den beiden Performer*innen sondern auch mit uns abspielt. Die Beziehung der beiden balanciert selbstbewusst und feinfühlig auf dem Grat zwischen Symbiose und Eigenständigkeit. Ihre Performance, entstanden im internationalen Master-Studiengang „Choreography and Performance“ am Institut für Angewandte Theaterwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen, ist mal komisch, mal andächtig, immer aber präzise.“

Für den mit 2000 Euro dotierten Publikumspreis durften die Zuschauer*innen unter allen im Rahmen des Festivals gezeigten Stücken abstimmen. Die Stimmen wurden hinsichtlich der variierenden Größe der Spielstätten (vom Kleinen Haus bis zum Studio) prozentual ausgewertet. Auch beim Publikumspreis setzte sich eine Produktion Studierender der Hessischen Theaterakademie durch: Es gewann das Stück „Hertopia“ von Pia Epping, die Regie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt a. M. studierte sowie an der Hochschule für Gestaltung Offenbach ihren Master of Fine Arts absolviert.

Im Stück begegnen die Performerinnen Sandra Domnick, Camilla Fiumara und Nora Solcher den Geschichten von elf Frauen in Führungspositionen. Deren Körper, Stimmen und Erzählungen werden zum Ausgangspunkt einer performativen Recherche über Macht in Führungsrollen und deren Spielregeln. Die Performance verwebt persönliche Erfahrungen mit choreografischer Forschung und fragt, wie stark Macht noch immer männlich konnotiert ist und wie Frauen zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und eigenen Ausdrucksformen von Selbstbehauptung und Weiblichkeit navigieren.

Zum Preis gratulierten Dorothea Hartmann, Intendantin des Staatstheaters Wiesbaden und Vizepräsidentin der Hessischen Theaterakademie, und die Jurymitglieder im Foyer des Großen Hauses. Pia Eppig konnte ihren Preis persönlich entgegennehmen. Für „Speechless“ war die Aleksandra Nowakowska live am Telefon dazugeschaltet, die sich überrascht und hocherfreut angesichts der Qualität aller Produktionen im Wettbewerb zeigte und humorvoll sagte, sie sei „speechless“. Stellvertretend nahm für sie den Preis Bella Enderlein als Vertreterin der Hessischen Theaterakademie entgegen.

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