Neuigkeiten von den Bregenzer Festspielen (2. Juli)

Julia Jones (© Daniel Häker)

Fünf Fragen an die Rigoletto-Dirigentin Julia Jones
Stetes Feilen an der Technik
Werkstattgespräch zur Oper im Festspielhaus
Eine Stadt im Festspielzauber
Festival-Potpourri


Fünf Fragen an die Rigoletto-Dirigentin Julia Jones

Wenn Cello und Kontrabass ein Duett singen

Bregenz, 2.7.21. Julia Jones ist Expertin für Mozart und Verdi. Als musikalische Leiterin des Spiels auf dem

See kommt die Britin erstmals nach Bregenz. In fließendem Deutsch spricht sie über Privilegien, die Rolle einer Dirigentin und Verdis revolutionäres Werk.

Sie haben einmal gesagt: „Ein Dirigent ist nichts ohne Musiker. Er ist bei weitem nicht so wichtig, wie manche denken.“ Worin sehen Sie Ihre Aufgabe?

Vor allem geht es um die Interpretation der Partitur, um das richtige Tempo, um Lautstärke und Phrasierung. Meine Hauptaufgabe ist es, die Partitur zu vermitteln und dabei den Wünschen des Komponisten treu zu bleiben. Ich kann nicht einfach dirigieren und Änderungen vornehmen, wie ich will. Ein anderer Aspekt ist es, die vielen Elemente bei einer Oper zusammenzusetzen: Orchester, Chor und die Solisten auf der Bühne. So entstehen wunderbare Momente im Team.

Worauf kommt es bei Rigoletto an?

Verdi hat mit Rigoletto ein revolutionäres Stück geschrieben. Es hat stärker den Charakter eines Schauspiels. Verdi verzichtet auf das bis dahin übliche große Finale. Statt vieler Arien gibt es hauptsächlich Duette. Neu ist dabei auch, dass an manchen Stellen nicht Solisten, sondern Instrumente wie Kontrabass und Cello als Duett auftreten und die Melodie spielen. Die Sänger bleiben in solchen Szenen im Hintergrund, kommentieren nur mit kürzeren Phrasen. Umgekehrt setzt Verdi bei der Sturmmusik im dritten Akt den summenden Chor als Windmaschine ein.

Bei Verdi-Opern wie Aida und La Traviata bringen Sie eine Menge Erfahrung mit …

Rigoletto habe ich bereits vor einigen Jahren gemacht. Ein besonderes Stück für mich. Ich hätte es Anfang dieses Jahres in Prag dirigieren sollen. Dann kam leider die Pandemie dazwischen, die Produktion wurde abgesagt.

Sie feiern heuer ihr Debüt bei den Bregenzer Festspielen. Was wird für Sie die größte Herausforderung sein?

Hier ist natürlich die Situation eine ganz besondere. Die Sängerinnen und Sänger stehen nicht direkt vor mir. Stattdessen sehen sie mich nur über Monitore. Das ist eine Umstellung, auf die ich selbst gespannt bin. Aber es sollte funktionieren. Das haben meine Vorgänger ja immer wieder bewiesen. Ich hoffe einfach, dass jemand singt, wenn ich den Einsatz in die Kamera gebe (lacht).

Am Ende dieser Saison hören Sie nach fünf Jahren als Generalmusikdirektorin in Wuppertal auf. Wie geht es für Sie weiter?

Ich werde mich wieder auf meine Projekte als Freischaffende konzentrieren. Immer wieder neue Eindrücke zu sammeln und mit neuen Menschen zusammenzuarbeiten, finde ich wichtig. Dreißig Jahre bin ich durch die Welt gereist: Europa, Australien, China, Japan, Kanada. Das ist ein unglaubliches Privileg. Aber nun möchte ich mehr in meinem Zuhause sein, in Portugal.

Rigoletto ist zwischen dem 22. Juli und 22. August wieder auf der Bregenzer Seebühne zu sehen. Tickets und Informationen unter bregenzerfestspiele.com sowie Telefon 0043 5574 4076. (tb)


Ton und Licht bei den Bregenzer Festspielen
© Bregenzer Festspiele / Screenpix

Stetes Feilen an der Technik

Bregenz, 2.7.21. Die Bregenzer Festspiele bieten dem Publikum des Spiels auf dem See ein weltweit einzigartiges Klangerlebnis. Dahinter steht unter der Abkürzung BOA 2.0 ausgeklügelte Technik. Sie garantiert die akustische Raumsimulation auf höchstem Niveau. Dieses Jahr kommen 270 schlanke Lautsprecher hinzu und verstärken bei den Besucherinnen und Besuchern den Eindruck, mitten im Geschehen zu sein.

Das Spiel auf dem See ist nicht nur für opulente Bühnenbilder und außergewöhnliche Inszenierungen bekannt, auch das Klangerlebnis steht für höchste Qualität. Das Tonsystem Bregenz Open Acoustics (BOA) begeisterte bei seiner Einführung vor bald 20 Jahren gleichermaßen Publikum und Fachwelt. In einem mehrjährigen Projekt wird es zu BOA 2.0 weiterentwickelt. 29 Lautsprecher-Masten in drei unterschiedlichen Höhen rund um die Seetribüne ersetzten bereits 2019 in einem ersten Schritt das bis dahin verwendete Lautsprecher-Band. Das so erzielte ausgewogene räumliche Klangerlebnis wird ab dieser Saison mit 270 zusätzlichen Lautsprechern noch gesteigert. Diese Lautsprecher sind unter 30 Sitzreihen im Zentrum des Besucherbereiches angebracht. Unauffällig. Denn das Publikum soll nicht davon abgelenkt werden, wie und wo die Bregenzer Festspiele die Magie des perfekten Klangs entfalten.

Synchron sehen und hören

Ein enormer technischer Aufwand ist dafür notwendig, mit der hochinnovativen Computertechnologie des neuen Tonmischpults als Herzstück und beeindruckender Rechnerleistung im Server-Hintergrund. Es geht schließlich darum, in den riesigen Dimensionen von Seebühne und Tribüne die akustischen, also physikalischen Gegebenheiten mit den Eigenschaften des menschlichen Gehörs in Einklang zu bringen. Experten könnten sich stundenlang in der Schilderung der entsprechenden Details verlieren. Lassen wir Clemens Wannemacher, Leiter der Tonabteilung, wenigstens kurz zum entscheidenden Gesetz der ersten Wellenfront ausholen. Es besagt: Wir ordnen als Hörende alle, auch zeitverzögerte Schallsignale jener Richtung zu, aus der das erste Signal bei uns eintrifft. »Folglich sollte es bei einer Musiktheateraufführung von dort kommen, wo wir die Sängerin oder den Sänger optisch wahrnehmen. Dieses sogenannte Richtungshören haben die Bregenzer Festspiele bereits seit Jahrzehnten erfolgreich umgesetzt.«

Laienhaft ausgedrückt, entscheiden aber auch die Schallreflexionen über Wohlklang oder Dissonanz – beispielsweise jene, die vom Boden ausgehen. Genau hier kommen die neuen 270 Lautsprecher ins Spiel und zünden die nächste Stufe des qualitativen Hörgenusses. Sie werden über nicht weniger als 96 verschiedene Kanäle angesteuert. »Auch hier geht es um die Synchronisation von Sehen und Hören: Die unterschiedlich langen Wege, die der Schall zwischen den verschiedenen Quellen auf der Seebühne und den weit auseinander liegenden Sitzplätzen auf der Tribüne zurücklegen würde, müssen überbrückt werden«, erklärt Wannemacher. Um diese Herausforderung an einer Zahl festzumachen: 70 Millisekunden beträgt die Verzögerung, mit der ein Ton aus der vorderen Mitte der Seebühne bei der entferntesten Reihe mit darunter verbauten Lautsprechern ankommt, gegenüber jener, die sich am nächsten befindet. 70 Millisekunden klingen nach sehr wenig, sind in Wirklichkeit jedoch deutlich wahrnehmbar.

Neue Übertitel-Anlagen

Die zusätzlichen Lautsprecher sind nicht die einzige technische Neuerung in diesem Festspielsommer. Eine weitere Verbesserung betrifft die beiden Übertitel-Anlagen links und rechts der Seebühne. Mobilkran und Taucher standen im Mai im Einsatz, um die zwei 4×1 Meter großen Installationen auszutauschen und im Seegrund zu verankern. Wurden bisher die Textzeilen auf Reflexionsflächen projiziert, kommt ab diesem Jahr LED-Technik zum Einsatz. »Damit lässt sich die Lichtstärke exakt steuern und optimal anpassen«, erklärt Adrian Boss von der Lichtabteilung, »der größte Vorteil für unser Publikum aber ist, dass die Übertitel nun auch aus extremen Blickwinkeln ohne Einschränkungen bestens lesbar sind.« (ami)


© Bregenzer Festsoiele / moodley

Werkstattgespräch zur Oper im Festspielhaus

Bregenz, 2.7.21. Wer schon vor der Premiere der Oper im Festspielhaus Nero am 21. Juli mehr über die Produktion wissen will, hat beim Werkstattgespräch am 5. Juli die einzigartige Möglichkeit, Boitos Werk im Entstehungsprozess zu erleben.

Dirigent Dirk Kaftan, Regisseur Olivier Tambosi und Intendantin Elisabeth Sobotka bieten einen außergewöhnlichen Einblick in den laufenden Probenprozess und präsentieren ihren persönlichen Zugang zum Stück.

Für die musikalische Umrahmung des Gesprächs sorgen Sängerinnen und Sänger aus der Inszenierung begleitet von einer Pianistin am Klavier. Die Mitwirkenden präsentieren vier Musikstücke für das Publikum im Saal und die live zugeschalteten Zuhörenden des ORF Radio Vorarlberg.

Das Werkstattgespräch findet am 5. Juli um 20 Uhr im Großen Saal des Festspielhauses statt. Der Besuch ist kostenlos, Gäste benötigen jedoch Corona-bedingt Tickets, die beim Ticketcenter telefonisch, online oder vor Ort erhältlich sind. Es wird um Einhaltung der zum Zeitpunkt des Werkstattgesprächs geltenden Covid-19 Sicherheitsbestimmungen gebeten. (pf)


Bregenzer Wirtschaftsgemeinschaft
© Bregenzer Festspiele / Philip Fröwis

Eine Stadt im Festspielzauber

Bregenz, 2.7.21. Die Mitglieder der Bregenzer Wirtschaftsgemeinschaft folgten nach einem Jahr Pause wieder der Einladung der Bregenzer Festspiele und des Bregenzer Stadtmarketings, um Rigoletto-Plakate, Deko-Würfel und Informationsmaterial entgegen zu nehmen.

Die Verantwortlichen der Wirtschaftsgemeinschaft und der Stadt Bregenz zeigten sich erfreut, dass die Bregenzer Festspiele stattfinden können und wieder ein Erlebnis für Kunden in Bregenz bieten.

Intendantin Elisabeth Sobotka und Wolfgang Urstadt boten einen exklusiven Einblick in die diesjährige Rigoletto-Inszenierung und zeigten sich erfreut über die intensive Beteiligung der Bregenzer Wirtschaftsgemeinschaft. (pf)


Festival-Potpourri

„Er und ich“ – Vladimir Stoyanov zeigt sich glücklich darüber, seinen Freund Rigoletto wieder zu sehen. Der russische Bariton steht von nun an wieder fast täglich auf der Bühne und probt seine Arien auf der Krause und den Ärmeln der riesigen Clownsfigur.
Vladimir Stoyanov auf Instagram: instagram.com

„Eine unerwartete Situation“ – Als sich Hila Fahima entschied, Opernsängerin zu werden, ahnte sie noch nicht, während der Oper in schwindelerregender Höhe in einem Ballon zu fahren. Doch für Hila sind es genau diese Situationen, die ihren Beruf so besonders machen.
Hila Fahima auf Instagram: instagram.com

„A Day Off“ – Alessandra Volpe nutzt ihren freien Tag und begibt sich in die Natur Vorarlbergs. Umgeben von Bäumen, Wiesen und Sträuchern tankt sie die Energie, die sie ür eine anstrengende Probenwoche braucht.
Alessandra Volpe auf Instagram: instagram.com