Highlights im Spielplan der Oper Frankfurt im November

Keith Warner, Opernregisseur (© Wolfgang Runkel)


Premiere: Boris Godunow

1825 verfasste der als russischer Nationaldichter geltende Alexander S. Puschkin mit Boris Godunow ein Politdrama, das die inneren Unruhen im Russland des frühen 17. Jahrhunderts aufgreift. Der Komponist Modest P. Mussorgski (1839-1881) wurde von einem Freund auf den Stoff aufmerksam gemacht, kürzte Puschkins Bilderfolge und verlieh den lose miteinander verknüpften Massen- und Kammerspielszenen durch ihre Nähe zur russischen Volks- und Kirchenmusik ein nationales Klangkolorit.

Nachdem das Komitee der Kaiserlichen Oper in St. Petersburg Mussorgskis Werk abgelehnt hatte (u.a. weil es darin keine größere Frauenfigur gab), machte sich der Komponist fieberhaft an eine Umarbeitung. Dabei veränderte er die Szenenfolge und fügte mit dem „Polen-Akt“ die wichtigen Partien der Marina und des Rangoni hinzu. 1882 verhinderte die Zensurbehörde allerdings eine Etablierung dieser 1874 uraufgeführten Fassung.

Nach Mussorgskis Tod legten Nikolai A. Rimski-Korsakow und Dmitri D. Schostakowitsch je eine eigene Orchestrierung der Oper vor. Bei der zuletzt in Frankfurt gezeigten Version aus dem Jahre 1996 unter der musikalischen Leitung von Sylvain Cambreling und in der Regie von Lluis Pasqual handelte es sich um die „Urfassung“. 2025 dient nun die Schostakowitsch-Bearbeitung als Grundlage der aktuellen Frankfurter Neuinszenierung.

Zum Inhalt:

Nach der vermeintlichen Ermordung des legitimen Thronfolgers Dimitri gelangt Boris Godunow an die Zarenmacht. In seiner Chronik der russischen Geschichte benennt der Mönch Pimen den Machthaber als Dimitris Mörder. Pimens Ausführungen animieren den Novizen Grigori dazu, sich als dem Attentat entkommener Dimitri auszugeben und Anspruch auf den Thron zu erheben.

Die machthungrige polnische Wojwodentochter Marina Mnischek stachelt seinen Ehrgeiz weiter an. Während Boris mit den Schatten der Vergangenheit ringt, beraten die Bojaren über Maßnahmen gegen den neuen Usurpator. Doch schließlich geht Boris an seinen Schuldgefühlen zugrunde und der „falsche Dimitri“ wird zum Zaren gekrönt.

Zur Besetzung:

Generalmusikdirektor Thomas Guggeis legt, nachdem er die aktuelle Saison mit Mozarts Così fan tutte eröffnet hat, mit Boris Godunow ein völlig anderes Werk des Repertoires vor. Mit der Oper Frankfurt verbindet Regisseur Keith Warner eine besonders enge Zusammenarbeit; hier inszenierte er zahlreiche Opern, zuletzt Peter Grimes und den Doppelabend Der Zar lässt sich fotografieren / Die Kluge, der am Ende dieser Saison wiederaufgenommen werden wird.

Der ukrainische Bass Alexander Tsymbalyuk, verkörpert die Titelpartie, die ihn auch an die Staatsopern von München und Hamburg – sein ehemaliges Stammhaus – geführt hat. Auch weitere Partien sind mit Gästen besetzt, ergänzt durch Mitglieder des Ensembles und des Opernstudios sowie des Chores der Oper Frankfurt.

Boris Godunow

Oper in vier Akten mit Prolog
Von: Modest P. Mussorgski (1839 – 1881)
Uraufführung: 8. Februar 1874 (Moskau, Mariinski Theater)

Premiere an der Oper Frankfurt: Sonntag, 2. November 25 (17 Uhr; Opernhaus)

Musikalische Leitung: Thomas Guggeis
Inszenierung: Keith Warner
Regiemitarbeit: Katharina Kastening
Bühnenbild, Kostüme: Kaspar Glarner
Video: Jorge Cousineau
Licht: John Bishop
Chor, Kinderchor: Álvaro Corral Matute
Dramaturgie: Mareike Wink

Besetzung:

Boris Godunow: Alexander Tsymbalyuk
Fjodor: Karolina Makuła
Xenia: Anna Nekhames
Xenias Amme: Judita Nagyová
Fürst Schuiski / Bojar Chruschtschow: AJ Glueckert
Andrei Schtschelkalow: Mikołaj Trąbka
Pimen: Andreas Bauer Kanabas
Grigori Otrepjew: Dmitry Golovnin
Marina Mnischek: Sofija Petrović
Rangoni: Thomas Faulkner
Warlaam: Inho Jeong
Missail: Peter Marsh
Schankwirtin: Claudia Mahnke
Gottesnarr / Leibbojar: Michael McCown
Mikititsch / Tschernikowski: Morgan-Andrew King°
Mitjucha / Lawitzki: Frederic Jost
Frauen aus dem Volk: Magdalena Tomczuk / Chloe Robbins / Grace Eunchoung Choi / Tiina Lönnmark

Chor und Kinderchor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester


°Mitglied des Opernstudios

Weitere Vorstellungen: 6., 8., 14., 21., 23., 26. November 2025
Alle diese Vorstellungen beginnen um 17 Uhr.
Preise: € 16 bis 155 zzgl. 12,5% Vorverkaufsgebühr
Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper


Erste Wiederaufnahme: Die Banditen

Mit seiner figurenreichen, opulenten Operette im Räuber-Milieu zeigt sich Jacques Offenbach (1819-1880), der Meister des satirisch-scharfen Witzes und der virtuosen Situationskomik, auf der absoluten Höhe seines Könnens. Innerhalb von nur drei Monaten komponierte er mit Die Banditen eine dreiaktige Opéra bouffe, für deren Text seine Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy verantwortlich zeichneten.

Die Banditen
Oper Frankfurt
v. l. n. r. Graf von Gloria-Cassis (mit Schärpe, umringt vom Ensemble), Der Hofmeister (fallend) und Adolfo von Valladolid (liegend) sowie Die Prinzessin von Granada; rechts)
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Das 1869 am Pariser Théâtre des Variétés uraufgeführte Werk wurde am 28. Januar 2024 erstmals in der Regie von Katharina Thoma in Frankfurt gezeigt und erfährt nun seine erste Wiederaufnahme. Publikum und Presse waren begeistert, und manch Skeptikerin und Skeptiker konnte überzeugt werden.

„Sollte noch jemand Zweifel (…) gehabt haben, so sind sie mit den schmissig getanzten Räuberballaden, den prustenden Selbstenthüllungen und auftrumpfenden Tarantellen der grandiosen, solistisch agierenden Charakterköpfe des Frankfurter Opernchors ausgeräumt“, war in der Frankfurter Neuen Presse zu lesen. Und die Frankfurter Rundschau konstatierte: „Die Spielfreude ist groß, die Begeisterung des Publikums zum Schlussapplaus ebenfalls.“

Zum Inhalt:

Die Banditen um Räuberhauptmann Falsacappa sind unzufrieden mit der Beute ihrer jüngsten Raubzüge. Beim letzten Überfall auf den Bauern Fragoletto hat dieser sich in Falsacappas Tochter Fiorella verliebt und umgekehrt. Nun will er selbst Bandit werden und entführt einen Kabinettskurier. Den Papieren, die dieser bei sich trägt, ist zu entnehmen, dass die Prinzessin von Granada im Anmarsch ist. Sie soll den Prinzen von Mantua heiraten. Ihre Mitgift besteht zum großen Teil aus den Schulden, die die Mantuaner bei den Spaniern haben. Die restliche Summe – drei Millionen – sollen der Delegation aus Granada bei ihrem Eintreffen übergeben werden. Falsacappa fasst einen Plan…

Zur Besetzung:

Die musikalische Leitung liegt erneut bei Karsten Januschke, welcher der Oper Frankfurt bis 2015 – zuletzt als Kapellmeister – verbunden war. Hier dirigierte er jüngst Reimanns Melusine im Bockenheimer Depot sowie Wagners Der fliegende Holländer an der Staatsoper Prag. Die Besetzungsliste weißt einige neue Namen vornehmlich aus dem Ensemble und dem Opernstudio der Oper Frankfurt auf. So übernimmt die Partie des Räuberhauptmanns Falsacappa nun der amerikanische Tenor Michael Porter, der aktuell in der Partie des Ken in Vito Žurajs Blühen im Bockenheimer Depot zu erleben ist.

Mit Ausnahme des premierenbewährten belgischen Tenors Yves Saelens (Pietro) sind fast alle übrigen Partien mit (ehemaligen) Mitgliedern des Ensembles und Opernstudios der Oper Frankfurt besetzt.

Aus dem Ensemble ist die amerikanische Sopranistin Elizabeth Reiter (Fiorella) und ihr Landsmann, der Tenor Peter Marsh (Der Prinz von Mantua), wieder mit von der Partie. Neu besetzt ist der Theater-, Film und TV-Schauspieler Matthias Matschke (u.a. Polizeiruf 110) als Schatzmeister.

Die Banditen

(Les brigands)
Opéra-bouffe in drei Akten

Von: Jacques Offenbach (1819–1880)
Text: Henri Meilhac und Ludovic Halévy

Uraufführung: 10. Dezember 1869, (Paris, Théâtre des Variétés)

Premiere an der Oper Frankfurt / Frankfurter Erstaufführung: 28. Januar 24
Erste Wiederaufnahme: Freitag, 7. November 25 (Opernhaus)

Musikalische Leitung: Karsten Januschke
Inszenierung: Katharina Thoma
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Max Koch
Bühnenbild: Etienne Pluss
Kostüme: Irina Bartels
Choreografie: Katharina Wiedenhofer
Licht: Olaf Winter
Chor: Álvaro Corral Matute
Dramaturgie: Konrad Kuhn

Besetzung:

Falsacappa: Michael Porter
Pietro: Yves Saelens
Carmagnola: Jonathan Abernethy
Domino: Michael McCown
Barbavano: Aleksander Myrling
Fiorella: Elizabeth Reiter
Fragoletto: Karolina Makuła
Pipo: Kudaibergen Abildin
Pipa / Die Marquise: Helene Feldbauer
Pipetta / Die Herzogin: Karolina Bengtsson
Prinz von Mantua: Peter Marsh
Baron von Campotasso: Theo Lebow
Kapitän der Carabinieri: Dietrich Volle
Schatzmeister: Matthias Matschke
Graf von Gloria-Cassis: Andrew Bidlack
Die Prinzessin von Granada: Juanita Lascarro
Adolfo de Valladolid: Tianji Lin

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester


Weitere Vorstellungen: 15., 22., 30. (19 Uhr) November, 6. (18 Uhr), 18., 26. (18 Uhr) Dezember 2025
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr.
Preise: € 16 bis 132 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)


Erste Wiederaufnahme: Die ersten Menschen

Rudi Stephan (1887-1915) vollendete seine Oper Die ersten Menschen 1914. Die Uraufführung fand jedoch erst 1920 in Frankfurt statt; bereits fünf Jahre zuvor war der Komponist als Soldat an der Front gefallen. Eine eigenwillige Stimme war verstummt, noch ehe sich ganz entfalten konnte, was bereits wenige Werke versprachen. Ähnlich wie Franz Schreker, dessen Opern zum Teil noch vor dem Weltkrieg ebenfalls in Frankfurt uraufgeführt worden waren, bleibt Rudi Stephan der Tonalität verpflichtet und lotet die Klangfarben eines großdimensionierten Orchesters auf bis dahin ungehörte Weise aus.

Die erstenMenschen
Oper Frankfurt
v. l. n. r. Kajin (Iain MacNeil) und Adahm (Andreas Bauer Kanabas; mit dem Rücken zum Betrachter)
© Matthias Baus

In immer neuen Aufschwüngen gewinnt seine sinfonisch geprägte Musik ungeheure Expressivität und hebt den mit erotischem Überdruck aufgeladenen Text – er fußt auf einem Drama Otto Borngräbers, das 1912 schon kurz nach der Uraufführung verboten wurde – auf eine neue Stufe, die den genuinen Opernkomponisten erkennen lässt. Es gilt, ein beinahe vergessenes, aufregendes Werk zu entdecken.

Dies wurde auch anlässlich der Frankfurter Neuproduktion der Oper in der Saison 2022/23 deutlich: „Tobias Kratzer inszeniert an der Oper Frankfurt Rudi Stephans Die ersten Menschen und manövriert sich klug durch den hochexpressiven Irrsinn“ (Süddeutsche Zeitung). „Hier kochen die Emotionen über, aber die kluge, den symbolistischen Fettauswuchs strikt abstreifende Kratzer-Inszenierung hält klug den Deckel auf dem Operntopf“ (Die Welt). „Kratzer, der sich nie mit seinen originellen Settings und Grundeinfällen begnügt, der praktisch immer eine erstklassige Personenregie bietet, hat hier noch dazu ein fabelhaftes Quartett zur Verfügung“ (Frankfurter Rundschau).

Die musikalische Leitung oblag in der Premierenserie Frankfurts ehemaligem Generalmusikdirektor Sebastian Weigle. Eigentlich sollte er auch die erste Wiederaufnahme der Produktion dirigieren, musste aber aus persönlichen Gründen von dieser Planung zurücktreten, daher übernimmt diese Aufgabe jetzt Takeshi Moriuchi, Frankfurts Studienleiter.

Die Sängerbesetzung jedoch ist gleich geblieben, was für die Wiederaufnahme spricht: „Großartig, wie die vier Mitwirkenden ihre hoch anspruchsvollen Rollen meistern, die sie [in der Premierenserie] allesamt zum ersten Mal singen: Andreas Bauer Kanabas als Adam, Ambur Braid als Eva, Iain MacNeil als Kain und Ian Koziara als Abel. Sie müssen nicht nur ganz großformatig gegen das Orchester (…) ankommen, sondern auch noch absolut glaubwürdig die wohl bekanntesten biblischen Gestalten verkörpern, und zwar ohne der Versuchung zu erliegen, das Pathos von Monumentalfilmen wie den Zehn Geboten zu imitieren.“ (BR-Klassik / Allegro)

Zum Inhalt:

Die ersten Menschen sind aus dem Paradies vertrieben worden. Sie suchen ihren Weg in einer neuen Welt, in der sie von nun an leben müssen: Chawa erinnert sich sehnsüchtig daran, wie Adahm sie einst, im Frühling ihrer Liebe, begehrt hatte. Doch Adahm ist müde geworden und vollauf mit dem Ringen um das nackte Dasein beschäftigt.

Sein Sohn Kajin verweigert sich diesem Ringen „im Schweiße des Angesichts“; stattdessen gibt er seinem inneren Drang nach und streift durch die Wildnis auf der Suche nach einer Frau. Chabel wiederum sucht das „Heil“ in der Anbetung eines gütigen Gottvaters, dem er ein Opfer darbringt. Beide begehren ihre Mutter auf unterschiedliche Weise. Als Kajin Chawa und Chabel nachts in ekstatischer Vereinigung überrascht, erschlägt er den Bruder. In einer Vision sieht er die Zukunft voraus: Ihr Kennzeichen ist „kommendes Blut kommender Menschheit“.

Die ersten Menschen

Oper in zwei Aufzügen
Von: Rudi Stephan (1887 – 1915)
Libretto: Otto Borngräber (1874 – 1916)
Uraufführung: 1. Juli 1920 (Frankfurt am Main, Oper Frankfurt)
Erste Wiederaufnahme: Sonntag, 16. November 2025, um 19 Uhr im Opernhaus

Musikalische Leitung: Takeshi Moriuchi
Inszenierung: Tobias Kratzer
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Nina Brazier
Bühnenbild, Kostüme: Rainer Sellmaier
Video: Manuel Braun
Licht: Joachim Klein
Dramaturgie: Bettina Bartz / Konrad Kuhn

Besetzung:

Adahm: Andreas Bauer Kanabas
Chawa: Ambur Braid
Kajin: Iain MacNeil
Chabel: Ian Koziara

Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Weitere Vorstellungen: 28. November, 3., 12. Dezember 2025
Alle diese Vorstellungen beginnen um 19.30 Uhr.
Preise: € 16 bis 121 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)


Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, online unter oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.