Konstantin Küspert und Cilli Drexel erhalten den Reinhold Otto Mayer Preis 2027

Schauspielhaus Stuttgart (Foto: Björn Klein)

Der mit 50.000 Euro dotierte Reinhold Otto Mayer Preis 2027 geht an den Autor Konstantin
Küspert
und die Regisseurin Cilli Drexel für ihr gemeinsames Konzept (Text und Regie) für
die Komödie Die Reklamation. Dies entschied heute die sechsköpfige Jury. Der Preis wird
im Herbst 2027 verliehen, zugleich kommt das prämierte Stück im Kammertheater mit Schauspieler*innen des Stuttgarter Ensembles zur Uraufführung.

Alle zwei Jahre verleiht die Reinhold Otto Mayer Stiftung den Reinhold Otto Mayer Preis für ein herausragendes Werk im Bereich der performativen Künste, insbesondere Musiktheater und Schauspiel. Dabei setzt die Stiftung jedes Mal unterschiedliche Schwerpunkte und kooperiert mit wechselnden Partnern, mit denen sie jeweils die Ausschreibung und Preisverleihung gestaltet und das Preisträgerstück zur Uraufführung bringt.

Für die vierte Preisverleihung 2027 ging es um eine „Komödie im Schauspiel“, Kooperationspartner ist das Schauspiel Stuttgart, das der zeitgenössischen Dramatik schon seit vielen Jahren große Bedeutung beimisst. Das Preisgeld wird indirekt über einen Werk- und einen Inszenierungsauftrag über das Schauspiel Stuttgart vergeben.

Ausgezeichnet wird die herausragende Konzeption für eine neue deutschsprachige Komödie und deren Inszenierung. Bewerben konnten sich Teams aus Autor*innen und Regisseur*innen, die bereits in der Vergangenheit erfolgreich zusammengearbeitet haben.

40 Teams hatten Konzepte eingereicht. Zu den Finalisten gehörten unter anderem Anna Gschnitzer und Pina Bergemann mit ihrem Konzept Waldheim, sowie Rebekka Kricheldorf und Schirin Khodadadian mit Das Kollektiv (AT).

Die Jury bestand aus der Kulturjournalistin und Autorin Adrienne Braun, der Geschäftsführerin der Reinhold Otto Mayer Stiftung Dr. Uta Daur, der Chefdramaturgin Gwendolyne Melchinger (Schauspiel Stuttgart), dem Regisseur und Bühnenbildner Andreas Kriegenburg sowie aus den Schauspielern und Regisseuren Bastian Reiber und Max Simonischek (Burgtheater Wien).

Jurybegründung: „Mit Die Reklamation ist dem Dramatiker Konstantin Küspert ein bestechender, origineller und höchst vergnüglicher Komödienentwurf gelungen, den die Regisseurin Cilli Drexel mit ihrem Sinn für Situationskomik, Fantasie, Spielfreude und handwerklichem Geschick auf die Bühne bringen wird.“

Zum Inhalt von Die Reklamation schreibt die Regisseurin Cilli Drexel:

„Was wäre wenn? Eine Zuschauerin ist mit einer Inszenierung nicht zufrieden. Sie entschließt sich zur Reklamation. Das Stück gefällt nicht, passt nicht, ist nicht so wie versprochen, nicht wie abgebildet, dauert zu lang oder zu kurz, das Produkt ist fehlerhaft! Sie möchte ihren Theaterbesuch zurückgeben. In Konstantin Küsperts gedachter Zukunft ist es möglich. Eine neue EU-Verordnung öffnet die Tür zu einer Gesellschaft, in der nicht nur Produkte, sondern auch Dienstleistungen drei Jahrzehnte lang rückgabefähig sind. Mit unserem Beitrag möchten wir antreten, um gemeinsam mit dem Stuttgarter Publikum ein Gedankenexperiment zu wagen.“

Das Preisträger*innenteam

Konstantin Küspert studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin sowie Deutsche Philologie, Politikwissenschaft und Philosophie in Wien und Regensburg. Seine Stücke wurden an zahlreichen deutschsprachigen Theatern uraufgeführt, darunter am Schauspiel Frankfurt (u. a. sklaven leben), am Badischen Staatstheater Karlsruhe, am Staatsschauspiel Dresden, am Berliner Ensemble, am Theater Münster, am Theater Heidelberg sowie am E.T.A.- Hoffmann-Theater Bamberg. Für europa verteidigen wurde er mit dem Publikumspreis des Mülheimer Dramatikerpreises ausgezeichnet; weitere Stücke waren u. a. zum Heidelberger Stückemarkt eingeladen, in Theater heute abgedruckt und werden häufig nachgespielt. Mit Cilli Drexel verbindet ihn eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit. Neben seiner Autorentätigkeit, der er teilweise auch mit seiner Frau Annalena nachgeht, arbeitete Konstantin Küspert als Schauspieldramaturg am Badischen Staatstheater Karlsruhe, am Schauspiel Frankfurt (u. a. bei Der alte Schinken, Das siebte Kreuz und Am Königsweg) sowie am Staatstheater Nürnberg. Er ist Gründungs- und Vorstandsmitglied von PEN Berlin.

Cilli Drexel studierte von 2002 bis 2006 an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg Regie. Engagements führten sie unter anderem an das Deutsche Theater Berlin, das Schauspiel Leipzig, das Schauspiel Essen, das Theater Basel, das E.T.A.-Hoffmann-Theater Bamberg, das Theater und Orchester Heidelberg und das Theater Oberhausen. Am Nationaltheater Mannheim war sie von 2009 bis 2012 Hausregisseurin. Cilli Drexel besitzt langjährige Erfahrung im Umgang mit neuer Dramatik. Ihre Inszenierungen supernova (wie gold entsteht) von Philipp Löhle und Wunderland von Gesine Danckwart wurden zu den Autorentheatertagen in Berlin eingeladen. europa verteidigen von Konstantin Küspert gewann den Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen. Außerdem ist sie seit 2021 an der Theaterakademie Hamburg als Mentorin tätig. Am Schauspiel Stuttgart inszenierte sie in der Spielzeit 2021/22 Die Physiker von Friedrich Dürrenmatt.

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