
Über 40 Jahre ist es her, seitdem der Film „Zurück in die Zukunft“ in den Kinos das Publikum begeisterte (Regie: Robert Zemeckis, Buch: Bob Gale). Die Geschichte über den Sportwagen DeLorean DMC-12 mit dem Zeitreisen möglich sind, war ein großer kommerzieller Erfolg. Daraus folgten zwei Fortsetzungen (1989 und 1999). Doch weitere Jahre mussten vergehen, bis erstmals ein Musical von „Zurück in die Zukunft“ das Licht der Welt erblickte.
Es enthält Songs aus dem Film („The Power of Love“, „Earth Angel“, „Johnny B. Goode“ und „Back in Time“), aber auch neu geschriebene. Im Hamburger Stage Operettenhaus feierte jetzt die erste deutschsprachige Produktion des Musicals Premiere. Mit seiner Energie und seinen guten Vibes knüpft es nahtlos an das Vorgängerstück &Julia an und hat wie der Film Kultpotential. Denn es ist weit mehr als ein Musical über eine Zeitreise. Es geht auch darum, zu sich selbst zu stehen und seinen Träumen zu folgen. Und nicht zuletzt geht es darum, dass ein junges Paar zueinanderfindet.
Wow-Effekte gibt es zuhauf
Für das Musical wurde die Bühne spektakulär bis in den Zuschauerraum verlängert. Große LED-Panels wirken wie riesige Platinen. Sie reichen weit in den Raum hinein. Bei entscheidenden Szenen wie den Zeitsprüngen, ist das Publikum dann quasi mitten im Geschehen. Wow-Effekte ob des Einsatzes von ausgefallenen Sound- und Pyro-Effekten gibt es zuhauf. Wie wenn Marty McFly in Doc Browns skurrilem Wohnlabor einen großen Lautsprecher durch zu viel Verstärker-Power zerstört und dabei durch den Raum fliegt. Andererseits gibt es aber auch traumhafte, poetische Momente. So fällt u. a. zum lang ersehnten Kuss auf dem Tanzball ein Meer von Seifenblasen von der Bühnendecke herab. Unter der Regie von John Rando entstand eine rasante Musicalshow, die Alt und Jung gleichermaßen anspricht.

Stage Operettenhaus Hamburg
Marty McFly (Raphael Groß), Doc Brown (Jan Kersjes)
© Johan Persson
Auf eine große Leinwand im Bühnenhintergrund werden ortsbezogene Bilder von Hill Valley projiziert (Illusionen: Chris Fisher). Zusammen mit eingeschobenen Requisiten wechseln dadurch die Handlungsorte innerhalb von Sekunden (wie das Zuhause von Doc Brown und das der McFlys, der Platz vor dem Rathaus-/Gerichtsgebäude (mit der legendären Uhr), Tankstelle, Burger-Imbiss, High School, Tanzsaal; Bühne: Tim Hatley).
Apropos Requisiten: Im Foyer des Stage Operettentheaters haben Besucher:innen die Möglichkeit, in einer Nachbildung des DeLorean (im EG) oder vor der Rathausuhr kurz vor dem Blitzeinschlag (im 1. OG) ein schönes Erinnerungsfoto zu machen.
Änderungen zum Film
Die Musicalfassung folgt der Handlung des ersten Films in weiten Teilen. Teilweise wurden sogar die Originaldialoge übernommen. Erfolgte Änderungen haben eher dramaturgische Gründe. Zwei Unterschiede gibt es gleich am Anfang. Die erste Zeitreise macht nicht der Hund Einstein, sondern Doc Brown selbst. Und er stirbt nicht durch Beschuss von libyschen Terroristen, sondern an einer Strahlenvergiftung. Marty McFly wird nicht von Sam Baines angefahren, sondern fällt von einem Baum in dessen Garten. Am Ende vom Musical ist Vater George McFly ein erfolgreicher Science-Fiction-Autor, der gerade dabei ist, „Zurück in die Zukunft 4“ zu veröffentlichen. Zwischendurch gibt es Anspielungen auf Smartphones, die es 1985 noch gar nicht gegeben hat.
Raphael Groß als Marty McFly und Jan Kersjes als Doc Brown
Die Rolle des 17-jährigen Marty McFly im Film machte den US-Schauspieler Michael J. Fox weltberühmt. In Hamburg gibt diese Partie charmant, mit viel Elan und körperlicher Agilität Raphael Groß (Marty McFly Alternate: Lino Kalich). Jan Kersjes begeistert als Wissenschaftler Doc Brown mit seinem urkomischen Spiel und seinen Träumen von der Zukunft (wie mit den Songs „21. Jahrhundert“ und „Für die Träumer“). Sandra Leitner gefällt als attraktive Lorraine Baines (und spätere McFly).

Stage Operettenhaus Hamburg
Marty McFly (Raphael Groß)
© Johan Persson
Den unter mangelndem Selbstbewusstsein leidenden George McFly lässt Terence van der Loo trotz alledem groß strahlen. Mit passendem Machogehabe ist Florian Sigmund ein trefflicher Rabauke Biff Tannen. Siegmar Tonk gibt den eindimensionalen Schulllehrer Strickland. Bei vielen kleineren Rollen und vor allem bei den fantastischen Tanznummern bringt sich das Ensemble bestens in Szene (Choreografie: Chris Bailey). Bestechend sind zudem die vielen unterschiedlichen Kostüme, die oftmals super schnell gewechselt werden müssen (Kostüme: auch Tim Hatley).
Einzelne Figuren wurden für die Musicalversion groß aufgewertet. So bekommt beispielsweise Goldie Wilson (Hope Maine, später auch Bandleader), der schwarze Angestellte im Burger-Imbiss und spätere Bürgermeister, eine energiegeladene große Show-Nummer mit Tanzensemble („Man muss irgendwo anfangen“). Viele Szenen begeistern mit schmissigen Tanznummern und vermitteln dabei Broadway-Flair (Choreografie: Chris Bailey).
Die unter Tobias Vogt / Philipp Gras spielende Live-Band ist während der Aufführung leider nicht zu sehen. Ihr ergreifender und dynamischer Sound ist dafür aber ein umso intensiverer Hörgenuss.
Bei der besuchten Medienpremiere war die Publikumsreaktion schon während der laufenden Vorstellung außerordentlich: Geklatscht, mitgefiebert und gelacht wurde bei vielen Szenen.
Das Schlussbild bestimmt, wie im Film, der DeLorean. Wenn er die Schwerkraft überwindet und über die ersten Publikumsreihen fliegt und sich dabei auch noch dreht, trumpft der Wagen, der rund 450.000 € gekostet haben soll, noch einmal spektakulär auf (s. a. Meldung vom 10.03.26).
Tosender Applaus und Standing Ovations folgten umgehend. Dann gab es noch einen ganz besonderen Moment: Bob Gale, der das Buch für den Film geschrieben hatte, trat persönlich vor und teilte seine Begeisterung für diese Aufführung mit. 1985, als der Film in die Kinos kam, hätte er niemals damit gerechnet, dass der Stoff über 40 Jahre später als Musical in Hamburg zu sehen sein wird. Und dass das Filmprojekt in Hollywood 14-mal abgelehnt wurde und nur durch sein Beharren verwirklicht wurde. Die Gelegenheit, das Musical in Hamburg zu sehen, sollte sich seiner Meinung nach niemand entgehen lassen. Und selbst wenn man es einmal gesehen hat, lohnt sich ein Wiederkommen auf jeden Fall!
Markus Gründig, März 26
Zurück in die Zukunft – Das Musical
Book, Co-Creator & Producer: Bob Gale (*1951)
Co-Creator & Producer: Robert Zemeckis (*1952)
Music & Lyrics: Alan Salvestri (* 1950) / Glen Ballard (* 1953)
Uraufführung: 11. März 2020 (Manchester, Opera House; Voraufführungen ab 20. Februar 2020)
Londoner West-End-Premiere: 13. September 2021 (Adelphi Theatre)
New Yorker Broadway-Premiere: 3. August 2023 (Winter Garden Theatre)
Premiere am Stage Operettenhaus Hamburg: 22. März 26
Besuchte Vorstellung: 21. März 26 (Medienpremiere)
Director: John Rando
Set & Costume Designer: Tim Hatley
Choreographer: Chris Bailey
Musical Supervisor, Vocal & Music Arrangements: Nick Finlow
Co-Lighting Designer: Tim Lutkin
Co-Lighting Consultant: Hugh Vanstone
Video Designer: Finn Ross
Sound Designer: Gareth Owen
Illusion Designer: Chris Fisher
Orchestrations: Ethan Popp, Bryan Cook
Dance Arrangements: David Chase
Wigs, Hair & Make-up: Campell Young Associates
Visual Special Effects: The Twin FX
Übersetzung: Heiko Wohlgemuth
Besetzung:
Marty McFly: Raphael Groß
Marty McFly Alternate: Lino Kalich
Doc Brown: Jan Kersjes
Lorraine Baines: Sandra Leitner
George McFly: Terence van der Loo
Biff Tannen: Florian Sigmund
Goldie Wilson / Marvin Berry: Hope Maine
Strickland: Siegmar Tonk
In weiteren Rollen: Marko Formanek, Teresa Krall, Indy Correa, Camilla Esposito, Julia Fechter, Sonya Lachmann, Nicole Reeves, Samuel Chung, Sacha Setubun, Benjamin Igens, Paolo Ciferri, Flavio Marullo, Michiel Janssens, Charles Mitchell, Denys Magda, Matteo Vigna, Eiko Keller, Louise Newson, Lisa Neitzke, Brooke Ramsay, Grace Simmons
Das Orchester:
Musikalischer Leiter / Dirigent: Tobias Vogt / Philipp Gras
Keyboard 2 / 3. Dirigent: Art Brauer
Probenpianist / 3. Dirigent: Benjamin Fenker
Gitarre: Claus Hofrichter / Matthias Strass
Bass: Frerk Schulz-Klein
Drums: Helge Teschner
Trompete: Philipp Kacza / Michael Leuschner
Posaune: Erik Konertz / Andreas Deichmann
Reed 1: Yuriy Nepomnyaschyy / Noah Fischer
Reed 2: David Lee Krohn / Achim Schröter
Weitere Informationen und Tickets: musicals.de
