Lieder des Lebens, der Liebe und des Todes mit Bass Anthony Robin Schneider

Anthony Robin Schneider (© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de)

Seit dieser Spielzeit zählt der österreichisch-neuseeländische Bass Anthony Robin Schneider zum Ensemble der Oper Frankfurt. Sein Debüt gab er dort bereits einige Monate zuvor, als Wirt des Gasthauses »Zum Schwan« in Franz Schreckers Der ferne Klang. Als Nächstes wird er bei der Wiederaufnahme von Verdis Rigoletto als Auftragsmörder Sparafucile zu erleben sein.

Für sein Liedmatinee-Programm im Holzfoyer der Oper Frankfurt wählte er Lieder in drei Sprachen: Italienisch, Englisch und Russisch. Ursprünglich war die Reihenfolge andersherum geplant. Doch nun begann er mit Franz Schuberts Drei Gesänge für Bass (D902 op. 83). Hierbei handelt es sich um sehr selten zu hörende Werke Schuberts, der hierfür Texte des italienischen Dichters und Librettisten Pietro Metastasio vertont hat. Sie lassen unverkennbar Schuberts Stil, gleichzeitig aber auch eine lebhafte italienische Note, erkennen. Ungewohnt heiter stach „ll modo di prender moglie“ (Wie man sich eine Frau nimmt), nämlich um des Geldes wegen, hervor.

Selten vorgetragen werden Lieder des britischen Komponisten Gerald Finzi, wie zuletzt von Quinn Kelsey bei seinem Liederabend an der Oper Frankfurt in 2015. Der kleine Zyklus Let us garlands bring (op. 18) ist ein Potpourri unterschiedlicher Stimmungen auf Texte von William Shakespeare.
Der Zyklus beginnt mit Todessehnsucht: „Come away, death“ (“Komm herbei, komm herbei, Tod“). Große Verzweiflung und Not wird hier besungen, der Tod als Erlösung herbeigesehnt. Das klang bei Schneider eine Spur zu freundlich, auch wenn er sich grundsätzlich sehr gut unterschiedlichen Stimmungen hingeben kann. Wie beispielsweise beim letzten Lied, dem vor Liebesglückseligkeit überbordendem „It was a lover and his lass” (“Ein Liebster und sein Mädel schön”).
Anthony Robin Schneider hat zu diesem Zyklus, wie er zwischen seinen beiden Zugaben verriet, ein ganz besonderes Verhältnis. Seine Mitte November letzten Jahres verstorbene Großmutter, die Sängerin und Gesangslehrerin Ursula Bisley, hatte ihm zu seinem 18. Geburtstag eine CD von Bryn Terfel geschenkt, auf der genau dieser Zyklus enthalten war. Ihr, deren Leidenschaft für Musik und Gesang sein Leben geprägt hat, war dieser Abend gewidmet.

Der anspruchsvollste Teil präsentierte er zum Schluss: Modest P. Mussorgskis Zyklus Lieder und Tänze des Todes. In jedem der vier Lieder ist der Tod doppeldeutig anwesend. Durchaus als Bedrohung und Gefahr, letztlich aber als mildtätiger Erlöser. Sei es beim Tod eines betrunkenen Bauern, eines kranken Kinds oder Mädchens oder gar in einer Schlacht. Er führt die Menschen zur Ruhe. Schneider gestaltete diesen Teil differenziert und lotete seine kräftige Stimme in vielen Klangfarben aus. Dies nicht ohne vorherige Warnung an das Publikum („Es wird laut und es stört nicht, wenn sie sich nach hinten setzten“).

Begleitet wurde Schneider von der aus Kanada stammenden Pianistin und Solorepetitorin Anne Larlee. Mit großer äußerer Ruhe spielte sie die anspruchsvollen Zyklen, allen voran den von Mussorgski, mit hoher Fingerfertigkeit.

Am Ende starker Applaus und zwei Zugaben (bei der zweiten Zugabe begleitete Schneider sich selbst!).

Markus Gründig, Januar 20


Lieder im Holzfoyer mit Anthony Robin Schneider (Bass) und Anne Larlee (Klavier)
Oper Frankfurt (Holzfoyer), 21. Januar 2020

oper-frankfurt.de