Freier Eintritt für alle Menschen, die sich das Wunderland nicht leisten können

Frederik Braun ~ Miniatur Wunderland Hamburg (© Miniatur Wunderland Hamburg)

Ein neues Jahr beginnt, und wie immer wünsche ich Euch von Herzen ein gutes, ein freundliches, ein menschliches Jahr. Ich bin Optimist, wirklich. Ich glaube an das Gute. Aber ich merke auch: Jahr für Jahr reißt mir diese Zeit im Januar das Herz auf. Und Jahr für Jahr füllt sie es gleichzeitig wieder.

Morgen startet erneut unsere Aktion im Miniatur Wunderland, bei der alle Menschen kostenlos hereinkommen dürfen, die sich den Eintritt normalerweise nicht leisten können. Wir machen das nun seit vielen Jahren. Und obwohl ich weiß, was kommt – obwohl ich es schon so oft erlebt habe – trifft es mich jedes Mal wieder mit voller Wucht.

Alle Fakten zur Aktion stehen wie immer hier: miniatur-wunderland.de/

Das Prinzip ist unverändert einfach. Vielleicht gerade deshalb so kraftvoll. Jeder Mensch entscheidet für sich selbst, ob er oder sie sich den Eintritt leisten kann. Wir verlangen keinen Nachweis. Keine Erklärung. Keine Rechtfertigung. Wer an einem der ausgewählten Januartage an der Kasse sagt – oder schreibt, oder andeutet – „Ich kann mir das nicht leisten“, bekommt ohne Nachfrage ein Ticket.

Und dann passiert etwas, das man nicht planen kann.
Menschen beginnen zu erzählen. Fast immer.
Manchmal leise, manchmal hastig, manchmal unter Tränen.
Es ist, als würde an dieser Kasse für einen kurzen Moment alles herausbrechen, was sonst keinen Platz hat:

Dankbarkeit, Scham, Wut, Traurigkeit, Erschöpfung, Hoffnung.
Da ist die Alleinerziehende, die jeden Euro dreimal umdreht.
Der Rentner, der sagt, dass er früher viel gearbeitet hat – und sich heute kaum noch etwas gönnt.
Die Familie, die gerade eine schwere Krankheit hinter sich hat.
Menschen, die ihren Job verloren haben.
Menschen, die sich vom Staat allein gelassen fühlen.
Menschen, die einfach nur müde sind.
Es ist das Leben. Ungeschönt. Direkt. Pur.

Eine Szene werde ich nie vergessen – und sie steht stellvertretend für hunderte, tausende andere.

Vor ein paar Jahren half ich zufällig selbst an der Kasse aus. Eine Mutter kam mit ihrem kleinen Sohn zu mir. Ganz vorsichtig fragte sie, ob es wirklich stimme, dass sie kostenlos hinein dürften. Als ich „na klar“ sagte und ihnen die Tickets reichte, fingen beide an zu weinen. Einfach so. Die Mutter erzählte mir, dass ihr Sohn zu Weihnachten nur einen einzigen Wunsch gehabt hatte: einmal ins Miniatur Wunderland. Sie konnte ihn ihm nicht erfüllen. Dann hörte sie von unserer Aktion und kam – ohne zu wissen, ob es wirklich klappt. In dem Moment, in dem sie die Tickets in der Hand hielt, fiel alles von ihr ab.

Wir standen da zu dritt. Mit feuchten Augen. So schön. So traurig. So menschlich. Solche Momente erleben wir seit Jahren immer wieder. Und sie hören nicht auf. Im Gegenteil.

Weit über 100.000 Menschen haben wir allein über diese Aktion eingeladen. Und trotzdem begegnet uns jedes Jahr auch das andere Gesicht dieser Zeit: Misstrauen. Ablehnung. Manchmal sogar offener Hass. Besonders schlimm war es 2017. Damals, während der Hochphase der Flüchtlingsbewegung, wurden wir massiv angefeindet, weil wir selbstverständlich auch Geflüchtete eingeladen haben, wenn sie sich den Eintritt nicht leisten konnten. Es gab wüste Beschimpfungen. Drohungen. Briefe, die man nicht vergisst.

Und doch passierte auch damals etwas Ermutigendes: Auf den Hass folgte eine Welle der Solidarität. Stillere Stimmen, aber viele. Es zeigte sich erneut, was wir leider immer wieder beobachten: Angst und Wut sind laut. Menschlichkeit ist oft leise.

Auch dieses Jahr lesen wir wieder Kommentare, die sagen: „Man kann den Menschen doch nicht vertrauen.“ Und jedes Jahr frage ich mich: Stimmt das wirklich? Unsere klare Antwort nach all diesen Jahren lautet: Nein.

Unsere Einschätzung ist, dass sich rund zwei Drittel der Menschen, die das Angebot nutzen, den Eintritt wirklich nicht leisten können. Weitere viele leben so knapp, dass jeder Kinobesuch, jedes Museum, jede Cola eine bewusste Entscheidung ist. Und ja – es gibt auch einen sehr kleinen Anteil, der die Aktion vielleicht ausnutzt. Aber er ist verschwindend gering. Deutlich unter fünf Prozent.

Wir wissen das nicht nur aus Gesprächen an der Kasse, sondern auch aus Zahlen. An diesen Tagen bricht unser Pro-Kopf-Umsatz im Bistro massiv ein. Nicht ein bisschen – sondern deutlich. Das bedeutet: Viele dieser Menschen können sich nicht einmal ein Getränk leisten. Das ist keine Theorie. Das ist Realität.

Und genau deshalb zerreißt es mir jedes Jahr wieder das Herz.
Und genau deshalb erfüllt es mich jedes Jahr wieder mit tiefer Dankbarkeit.
Weil Vertrauen sich lohnt.
Weil Menschlichkeit funktioniert.
Weil Glück wirklich mehr wird, wenn man es teilt.

Ich wünsche mir so sehr, dass diese Aktion nicht etwas Besonderes bleibt. Dass Museen, Theater, Kinos, Tierparks, Freizeitparks – all die Orte, die in ruhigen Zeiten ohnehin Kapazitäten haben – den Mut finden, ähnliche Wege zu gehen. Es kostet weniger, als man denkt. Und es gibt unendlich viel zurück.

Vielleicht ist dieses Jahr wieder ein guter Moment, darüber zu sprechen. Darüber zu schreiben. Es weiterzutragen. Denn auch wenn ich nichts Neues erzähle: Es ist leider immer noch nötig.

Von Herzen
Frederik Braun
Miniatur Wunderland Hamburg GmbH, Kehrwieder 2-4, 20457 Hamburg

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