Hermann Hesses »Siddhartha« reduziert und mit starker Jana Schulz am Schauspiel Frankfurt

Siddhartha ~ Schauspiel Frankfurt ~ Torsten Flassig, Jana Schulz, Anna Kubin ~ Foto: Robert Schittko

Hermann Hesses indische Dichtung Siddhartha aus dem Jahr 1922 zählt mit Übersetzungen in 23 Sprachen und einer Auflage von über 10 Millionen verkaufter Exemplare zu den erfolgreichsten Büchern. Insbesondere in den 1960er Jahren galt die Erzählung als Kultbuch. Mit ihrem Thema Sinnsuche ist sie auch heute noch aktuell. Auch das Interesse des Publikums ist ungebrochen groß. Sämtliche angesetzten Aufführungen des Schauspiel Frankfurt waren bereits vor der Premiere ausverkauft. Dabei lässt sich über Vor- und Nachteile von Romanadaptionen für die Bühne gut diskutiert. Hermann Hesses »Siddhartha«, hier in einer Bearbeitung von Lisa Nielebock gegeben, bietet dafür durchaus Diskussionsstoff. Denn die Ernkenntnissuche des Brahmanen Siddhartha ist nur bedingt für die Bühne geeignet, bietet sie doch wenig dramatisches Potential. So gleicht die Umsetzung von Lisa Nielebock auch eher einer szenischen Lesung (die allerdings sehr gut gelungen ist). Der Text wird, stark gekürzt, von fünf DarstellerInnnen im Originalwortlaut vorgetragen und gespielt. Nielebock verzichtete dabei auf jeglichen indischen Bezug, konzentriert sich ganz auf die rastlose Suche Siddharthas.


Siddhartha
Schauspiel Frankfurt
Ensemble
Foto: Robert Schittko

Heutige Freizeitkleidung (Kostüme: Ute Lindenberg) untermauert die Verankerung im Hier und Heute, wie dies auch die eingespielten Geräusche vorbeirasender Autos suggerieren. Neben diesen Geräuschen gibt es bei manchen Szenenwechseln auch kurze dezente Musikeinspielungen (Musik: Thomas Osterhoff). Die karge Bühne von Oliver Helf zeigt ein leeres, spitz zulaufendes schwarzes Dreieck mit abgehängter Decke. Ein klaustrophobisch anmutender Raum als Bild für das menschliche Dasein, aus dem es kein Entrinnen gibt. Die ersten 80 Minuten der insgesamt 110 Minuten, ist das Licht im Zuschauerraum an. Aus diesem betreten zu Beginn auch die fünf die Bühne, um sodann über Siddharthas wissendurstige Reise, das Verlassen des Vaters, der engen Bindung an den Freund Govinda, dem Gang zu den asketischen Samanas, den Begegnungen mit dem erhabenen Gotama und der berühmten Kurtisane Kamala, von den Erfahrungen von Reichtum und Wollust, über den Erlebnissen mit dem Fährmann Vasudeva und seinem Sohn, bis hin zum vollkommenen Lächeln eines wahrhaft Erleuchteten, zu berichten.

Als der junge Falke und schöne Brahmane ist in der Titelrolle die 2016 mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring ausgezeichnete Jana Schulz zu erleben, die nach ihrer Beteiligung bei Rose Bernd und Woyzeck erneut zu Gast am Schauspiel Frankfurt ist und den Abend, trotz seiner formal reduzierten Form, zum Erlebnis werden lässt. Ob sie Siddhartha nun jugendlich stürmend, unerfahren oder unerschrocken und kämpferisch zeigt, ständig wartet sie mit neuen Facetten auf. An ihrer Seite spielen intensiv (in Mehrfachbesetzungen) auf: Torsten Flassig (als widerspenstiger Sohn), Anna Kubin (als sinnliche Kamala), Wolfgang Vogler (als treuer Govinda) und Uwe Zerwer (als Vater, Gotama und Fährmann).
Am Ende sehr viel freundlicher Applaus.

Markus Gründig, Juni 19


Siddhartha
Eine indische Dichtung
Von: Hermann Hesse
Für die Bühne bearbeitet von: Lisa Nielebock
Premiere am Schauspiele Frankfurt: 6. Juni 19 (Kammerspiele)

Regie: Lisa Nielebock
Bühne: Oliver Helf
Kostüme: Ute Lindenberg
Musik: Thomas Osterhoff
Dramaturgie: Ursula Thinnes

Besetzung:

Siddhartha: Jana Schulz
Vater, Gotama, Vasudeva: Uwe Zerwer
Govinda: Wolfgang Vogler
Kamala: Anna Kubin
Sohn: Torsten Flassig

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