Neuigkeiten von den Bregenzer Festspielen

Inbetriebnahme Seebühne © Bregenzer Festspiele / Tim Pusnik

Wer rastet, der rostet: Gymnastik für einen Clown
Virtuose Vielseitigkeit ~ Zum Tod von Bariton Adrian Clarke
Neuer Vorsitz
Venice TV Award für Rigoletto-Aufnahme
Opernraritäten aufs Programm


Wer rastet, der rostet: Gymnastik für einen Clown

Bregenz, 2.10.20. Wer einen Sommer lang durchschläft, der muss sich irgendwann bewegen. Um für die Festspielspiel-Saison 2021 fit zu bleiben, haben Festspieltechniker den Rigoletto-Clown nun einem ausgiebigen Gymnastikprogramm unterzogen. Hände und Finger sowie der Kragen der Bühnen-Skulptur wurden deswegen bewegt, ebenso der 35 Tonnen schwere Kopf samt seiner Augen.

Die vergangene Festspielsaison wurde bekanntermaßen Corona-bedingt abgesagt, weshalb Rigoletto im kommenden Sommer gezeigt werden wird und das Bühnenbild ein weiteres Jahr überwintern muss. Mit dem außergewöhnlichen Gymnastikprogramm soll einerseits geprüft werden, ob die empfindliche Bühnentechnik einwandfrei funktioniert und andererseits eine längere Standzeit vermieden werden. Denn wer rastet, der rostet. Dieser Spruch gilt im Besonderen für komplexe Konstruktionen und durch Hydraulik bewegte Mechanik.

Mit dem Resümee ist man „sehr zufrieden“, sagt der verantwortliche Steuerungstechniker Stefan Frischke. Im Großen und Ganzen habe alles problemlos funktioniert. Bei der Überprüfung ist vor allem auf neuralgische Stellen wie Schweißnähte oder Verschraubungen geachtet worden, da mechanische Komponenten im Unterschied zur Steuerungstechnik nicht elektronisch erfasst werden können und somit genauestens überprüft werden müssen.

„Die Inbetriebnahme war wichtig und sinnvoll“, berichtet Stefan Frischke. Denn um sicher gehen zu können, dass auch nächstes Jahr noch alles passt, einwandfrei und funktionstüchtig ist, sind solche Überprüfungen notwendig. „Das sind Erfahrungswerte mit vergangenen Bühnenbildern.“ Die Steuerungstechnik kann dabei erkennen, ob es den Clown in seinen Bewegungsabläufen „vielleicht irgendwo nur zwickt und deshalb nachjustiert werden muss, oder ob aufgrund einer Gicht schon eine komplette Physiotherapie vollzogen werden muss“, so der Steuerungstechniker mit einem zwinkernden Auge.

Clown gerüstet für 2021

Die Inbetriebnahme ist vor ein paar Tagen erfolgreich zum Abschluss gekommen und bis auf wenige Nachjustierungen hat alles „sehr gut funktioniert“. Sichtlich erfreut zeigt sich Stefan Frischke über das Endergebnis und die Aussicht, nächstes Jahr endlich wieder spielen zu können. Bevor es soweit ist und im Frühjahr 2021 alles ein weiteres Mal auf seine Funktionstüchtigkeit überprüft wird, werden im Oktober unter anderem erstmal der Clownskopf sturmgesichert und alle sensiblen Bauteile am Bühnenbild, welche eventuell wetterempfindlich sind, abgebaut oder winterfest eingepackt.


Adrian Clarke in »to the lighthouse«© Bregenzer Festspiele / Anja Köhler / andereart.de)

Virtuose Vielseitigkeit ~ Zum Tod von Bariton Adrian Clarke

Bregenz, 2.10.20. Über die Zeitspanne von zwei Jahrzehnten hinweg brillierte Adrian Clarke bei den Bregenzer Festspielen. Der vielseitige Charakterbariton war einer der meistbeschäftigten Sänger des Festivals. Vor wenigen Tagen ist der aus England stammende Künstler im Alter von 66 Jahren nach langer Krankheit verstorben.

Mit subtilem Spiel, enormer stimmlicher Kontinuität und Leidenschaft verzauberte Adrian Clarke nicht nur das Publikum, sondern war auch bei Regisseuren und Dirigenten gleichermaßen geschätzt. 1999 engagierte ihn der damalige Intendant Alfred Wopmann erstmals bei den Bregenzer Festspielen für die von David Pountney inszenierte Oper im Festspielhaus Die Griechische Passion. Seither kehrte der Sänger viele Sommer an den Bodensee zurück. Seinen letzten Festspielauftritt absolvierte er 2018 bei Carmen. „Die Bregenzer Festspiele sind seit vielen Jahren nicht nur eine kreative Herausforderung für mich, sondern auch Sommerheimat für meine Familie geworden“, sagte er vor einiger Zeit.

Vielseitigkeit gepaart mit Verlässlichkeit stachen als besondere Merkmale hervor. Seine künstlerische Bandbreite stellte der Cricket-Fan auf praktisch allen Bühnen der Bregenzer Festspiele virtuos unter Beweis. Es gab keinen Spielort, an dem Adrian Clarke nicht zu Hause gewesen wäre. Neben den Seebühnen-Inszenierungen La Bohème, Tosca, André Chénier und Carmen interpretierte er 2011 die Titelpartie von Judith Weirs Oper Der blonde Eckbert im Kornmarkttheater. Im Festspielhaus sang er in Der goldene Hahn (2000) und Der Kaufmann von Venedig (2013) sowie als Solist bei Orchesterkonzerten.

Auch mit zeitgenössischem Musiktheater konnte er überzeugen: Sowohl in der Österreichischen Erstaufführung Playing Away (2007) als auch in der Uraufführung To the Lighthouse (2017) war ihm der Applaus auf der Werkstattbühne sicher. Einziger Wermutstropfen sei gewesen, sagte Adrian Clarke einmal scherzend, dass sein Auftritt in Tosca nicht im James-Bond-Film Ein Quantum Trost verewigt wurde. Wir werden Dich trotzdem nicht vergessen, geschätzter Adrian! Danke und leb’ wohl!

Isidora Zebeljan gestorben ~ Bregenzer Festspiele trauern um Komponistin

Ebenfalls trauern die Bregenzer Festspiele um die serbische Komponistin Isidora Zebeljan, die vergangenen Dienstag nach langer Krankheit im Alter von 53 Jahren gestorben ist. Sie komponierte die 2008 im Auftrag von Genesis Foundation (London) und Bregenzer Festspielen auf der Werkstattbühne uraufgeführte Oper Eine Marathon-Familie. Die Inszenierung des in Koproduktion mit der Neuen Oper Wien und in Kooperation mit Jugokoncert Belgrad realisierten Musiktheaterwerks verantwortete Nicola Raab. Außerdem schrieb Zebeljan das Orchesterwerk Hum away, hum away, strings!, das 2013 anlässlich der Festspieleröffnung uraufgeführt wurde.

Die Komponistin schuf Opern, Bühnen- und Filmmusiken sowie Orchesterwerke. So schrieb sie unter anderem die Orchesterpartitur für Emir Kusturicas vielbeachteten Film Arizona Dream (1993). Seit 2002 bekleidete sie eine Professur für Komposition an der Belgrader Musikakademie.


Neuer Vorsitz

Festspiel-Vizepräsidentin Verena Brunner-Loss wurde vor Kurzem zur Aufsichtsratsvorsitzenden der Österreichischen Nationalbibliothek ernannt. Mit der Vorarlberger Unternehmerin übernimmt erstmals eine Frau den Vorsitz, außerdem ist erstmals eine Expertin aus den Bundesländern in dieser Position tätig.

Verena Brunner-Loss ist seit 2012 als ehrenamtliche Vizepräsidentin im Stiftungsvorstand der Bregenzer Festspiele Privatstiftung aktiv. Die 2002 gegründete Bregenzer Festspiele Privatstiftung ist alleinige Eigentümerin der Bregenzer Festspiele GmbH, die jährlich die in den Sommermonaten stattfindenden Bregenzer Festspiele veranstaltet.


Venice TV Award für Rigoletto-Aufnahme

Die 2019 ausgestrahlte Rigoletto-Aufzeichnung wurde mit dem Venice TV Award ausgezeichnet.

Die Aufzeichnung überzeugte in der Kategorie “Best of Technology and Innovation” Der Venice TV Award ist ein internationaler Fernsehpreis der jährlich im September in Venedig vergeben wird.


Ausgezeichnete Festspielproduktionen auf DVD und Blu-Ray erhältlich

Was haben die Opern Das Jagdgewehr und Don Quichotte gemeinsam? Seit Ende der 1980er Jahre setzen die Bregenzer Festspiele mit Kontinuität im Festspielhaus Uraufführungen und Opernraritäten aufs Programm.

So auch 2018 mit der Uraufführung von Thomas Larchers Das Jagdgewehr und 2019 mit Jules Massenets Don Quichotte.

Außerdem erhielten Mitwirkende beider Produktionen den Österreichischen Musiktheaterpreis: Karl Markovics wurde mit einem Goldenen Schikaneder in der Kategorie „Beste Regie“ ausgezeichnet, Gábor Bretz und die Oper im Festspielhaus 2019 Don Quichotte wurden mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis in den Kategorien Beste männliche Hauptrolle (Don Quichotte in Don Quichotte) und Beste Gesamtproduktion Oper ausgezeichnet.

Und die letzte Gemeinsamkeit: Die ausgezeichneten Festspielproduktionen sind seit Kurzem im Festspiel-Webshop auf DVD (für 25€) und Blu-Ray (für 29€) erhältlich.


Die Bregenzer Festspiele 2021 finden von 21. Juli bis 22. August statt. Infos und Tickets unter bregenzerfestspiele.com.
Das Gesamtprogramm der Saison 2021 präsentieren die Bregenzer Festspiele am 26. November 2020.