Neuigkeiten von den Bregenzer Festspielen

Bregenzer Schwemmholz © Bregenzer Festspiele / Kathrin Grabher

Reges Treiben auf dem See ~ Zirkushaftes Treiben auf der Bühne, hölzernes ringsherum

Bregenz, 21.6.19. Das angeschwemmte Treibholz der letzten Tage ist in aller Munde. Beinahe könnte auch „Giuseppe“, der Clownskopf der Bregenzer Seebühne, sich an einem Ast verschlucken. Im Gegensatz zur täuschend echten Holzoptik des Bühnenbildes hat das Holz in der Bucht allerdings reale Konsequenzen.

Dem Clown geht es an den Kragen

Obwohl sich die Hölzer rein optisch gut in das Bühnenkonzept einreihen, verursachen sie rein praktisch einige Probleme: Bei den Rigoletto-Proben kann beispielsweise der Clownskragen nicht geöffnet werden, wenn sich darunter zu viel Schwemmholz sammelt. „Für den Fall, dass der Wasserspiegel weiter ansteigt, wurden auch zwei darunterliegende Elektro-Motoren vorsorglich ausgebaut“, erklärt Bühnenmeister Manfred Achberger. Denn bei starkem Wind schlage der See hohe Wellen und das Holz gegen Motoren, Hydraulik, Licht- und Tonanlagen. Um potentiellen Schäden vorzubeugen, wurde zu Wochenbeginn eine Wand aus Palisadenpflöcken um die Seebühne gelegt. „Das funktioniert bei schwachem Wellengang sehr gut. Bei hohen Wellen schwappen die Holzteile allerdings über die Absperrung herein“, so Achberger.

Holz zur freien Entnahme

Deshalb hält sich die Firma Salzmann, zuständig für Hafenbau und Pfahlanbringung, momentan auf Abruf bereit, um in der Bucht klar Schiff zu machen. Situationsbedingt wird sie zur Seebühne bestellt, wo sie vor Probenbeginn um 10.30 Uhr mit schwerer Maschinerie anrückt: Mittels Holzzange und Kran werden große Holzteile von zwei Schiffen aus herausgefischt und anschließend zu Abnahmestellen der Stadt Bregenz transportiert. Das Material kann im Kloster Mehrerau und überall, wo entsprechende Zugänge zum See vorhanden sind, kostenlos abgeholt werden. Das Gute daran: Interessierte können sich mit dem frisch gelieferten Feuerholz gleich gegen das nächste Unwetter wappnen.

Trotz Ausnahmesituation zuversichtlich

Treibholzteppiche um die Seebühne kommen laut Bühnenmeister regelmäßig vor, heuer sei es allerdings außergewöhnlich viel. Solche Mengen an Schwemmholz gebe es vielleicht alle zehn Jahre mal, stimmt auch Jürgen Salzmann zu. Im Extremfall bleibt er den ganzen Tag vor Ort, denn wenn der Wind mittags dreht, wird das Bruchholz von den hochwasserführenden Flüssen erneut hereingeschwemmt.
In Hinblick auf die Premiere zeigt sich Joachim Hering von der technischen Planung jedoch zuversichtlich: „Wenn das Wetter so bleibt, sollte es zu keinen gröberen Komplikationen kommen. Momentan haben wir alles im Griff“, meint Hering – und klopft auf Holz.


Wendy Hesketh-Ogilvie
© Wired Aerial Theatre

„Ich probe jeden Stunt persönlich“ Sechs Fragen an … Wendy Hesketh-Ogilvie

Bregenz, 21.6.19. Mit ihrem Mann Jamie gründete Wendy Hesketh-Ogilvie vor zwanzig Jahren die Kompanie „Wired Aerial Theatre“, die bei Rigoletto für Akrobatik und Stunt-Auftritte zuständig ist. Als „Movement Director“ und „Artistic Stunt Director“ arbeitet sie mit insgesamt 22 „stunt performers“ und „climbers“ zusammen – und vor allem mit den anderen Künstlern.

Wie gestaltet sich Ihre Arbeit in Bregenz?

Ich bin bereits Ende Mai vor Probenbeginn hier angekommen. Bis dahin gab es für uns alles nur auf Papier, erst auf der Seebühne wurde es für uns real. Wir sind alle am Lernen. Wired Aerial Theatre macht auch eigene Produktionen, doch hier arbeiten wir mit einem Regieteam zusammen. Wir folgen seinem Rhythmus und Ideen. In diesem Fall habe ich viele andere organisatorische Aufgaben, sodass ich selbst nicht auf der Bühne stehen kann – was ich am liebsten täte (lacht). Doch bevor die Mitglieder meiner Kompanie loslegen, probe ich jeden Stunt persönlich.

Bei Rigoletto sind ja nicht nur die Spezialisten als Stuntmen und -women gefragt …

Das stimmt, vor allem die drei Gilda-Darstellerinnen. Daher achte ich sehr darauf, dass sie keine Angst bekommen. Denn sobald sie Angst hätten, könnten sie nicht mehr richtig atmen und singen.

Also geht es bei Ihrer Arbeit auch um Psychologie.

Absolut. Es geht darum, sie mental auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Zum Glück sind die Gilda-Sängerinnen starke, unabhängige Frauen und dazu einsatzfreudig. Das gefällt mir sehr. Dabei ist diese Figur anfangs naiv, unschuldig angelegt. Im Laufe der Oper wird sie immer mutiger, was man auch an den Stunt-Einsätzen sieht.

In welchen Höhen bewegen sich eigentlich die Stunt-Profis?

Der höchste Punkt des Clownkopfes befindet sich in 28 Metern Höhe, beim Ballon sind es sogar 45 Meter. Dort sind sie im Einsatz.

Gab es ein spezielles Casting für Rigoletto?

Ja, wir hatten drei Castings in Liverpool, London und hier auf der Werkstattbühne. Die Oper spielt in einem Zirkus-Setting. Daher wollten wir eine große Bandbreite von Zirkus-Fähigkeiten, wie Jonglieren oder Feuerspucken, abdecken. Gleichzeitig mussten die Kandidaten in der Lage sein, mit Kletterausrüstung gut umgehen und Stunts ausführen zu können. Philipp Stölzl geht es darum, verschiedene Fertigkeiten zusammenzubringen. So soll etwas entstehen, das man zuvor noch nie gesehen hat. Dieser Anspruch ist das, wofür Jamie und ich leben.

Was zeichnet für Sie die Arbeit bei den Bregenzer Festspielen aus?

Es ist unvergleichlich, hier zu arbeiten – geradezu unwirklich. Die Dimensionen sind so enorm, und dabei funktionieren die Abläufe ungewöhnlich effizient. Das merken wir vor allem immer wieder in der Zusammenarbeit mit Michael Csar (dem Künstlerischen Produktionsleiter, Anm. d. Red.). Er ist unser wichtigster Ansprechpartner, wir nennen ihn „Mr. Wonderful“. Offene Fragen klärt er innerhalb von Stunden – das gibt es nur hier.


Video-Serie Künstlereingang Folge 2: Von Technik und Träumen
© Bregenzer Festspiele / Vera Sonderegger

Video-Serie Künstlereingang Folge 2: Von Technik und Träumen

Bregenz. 21.6.19. Die Bregenzer Festspiele haben es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, auf der Bühne außergewöhnliche Kunst zu präsentieren, sondern auch hinter den Kulissen hochwertige Lehrlings-Ausbildungen anzubieten. Junge Menschen können sich beim Partnerunternehmen Kongresskultur Bregenz zum Veranstaltungstechniker ausbilden lassen.

Im „Künstlereingang“ Folge 2 spricht Lehrling Martina Wachter über ihre Ausbildung, die Freude an der Technik und kleine Zukunftsträume. Übrigens, ab Jänner 2020 können sich technikbegeisterte Frauen und Männer ab 18 Jahren wieder für eine Lehre beim Festspielhaus bewerben – unter bregenzerfestspiele.com/jobs.

Immer freitags: kleine Szenen abseits der großen Bühnen

Für Neugierige und all jene, die schon immer mal durch den Künstlereingang ins Festspielhaus gelangen wollten, öffnen die Bregenzer Festspiele in der gleichnamigen Serie per Video ihre Backstage-Pforten.

Von Probenstart bis Ende der Festspielzeit lässt jeweils freitags ein Kurzfilm auf die kleinen Szenen abseits der großen Bühnen blicken. Mitwirkende vor und hinter den Kulissen erzählen in rund zwei Minuten ihre ganz persönlichen Erlebnisse.

Auf der Homepage des Festivals unter bregenzerfestspiele.com stehen die Videos jeweils ab Freitagnachmittag zum Ansehen bereit.


Neuer Dirigent für Don Quichotte

Daniel Cohen am Pult anstatt Antonino Fogliani

Am 18. Juli feiert Jules Massenets Don Quichotte Premiere als Oper im Festspielhaus. Seit Donnerstag vor einer Woche sind die Proben im Gange. Anstelle von Antonino Fogliani wird der aus Israel stammende Daniel Cohen die musikalische Leitung übernehmen. Regie führt Mariame Clément, es spielen die Wiener Symphoniker. Insgesamt stehen drei Vorstellungen auf dem Spielplan, Tickets sind verfügbar.


Die Bregenzer Festspiele 2019 finden vom 17. Juli bis 18. August statt. Tickets und Infos unter bregenzerfestspiele.com und Telefon 0043 5574 4076.