Liederabend mit Gordon Bintner und Michael McMahon an der Oper Frankfurt

Liederabend Gordon Bintner (Bass Bariton) und Michael McMahon (Klavier) ~ Oper Frankfurt, 21. Dezember 2021 ~ Michael McMahon, Gordon Bintner © Barbara Aumüller (szenenfoto.de)

Neben spannenden Neuentdeckungen und erfolgreichen Sänger:innen haben bei der Liederabendserie der Oper Frankfurt auch Ensemblemitglieder die Ehre, einen Abend zu gestalten. So wie jetzt der kanadische Bass-Bariton Gordon Bintner, der seit fünf Jahren zum Ensemble der Oper Frankfurt zählt. Im Februar 2018 stellte er sich mit einem Programm unter dem Titel „Love and Loss“ dem Frankfurter Publikum im Holzfoyer als Liedsänger vor.

Seine voluminöse und farbenreiche Stimme und sein großes komödiantisches Talent zeigte er zuletzt eindrucksvoll als überzogen dargestellter Liebhaber Don Polidoro bei Domenico Cimarosas Intermezzo in musica L’italiana in Londra.

Beim jetzigen Liederabend auf der großen Bühne präsentierte er sich konzentriert und besonnen. Sein frei vorgetragenes Programm mit Liedern auf Deutsch, Französisch und Englisch basierte auf dem aus 2018, erweitert um dem Zyklus Sechs Gedichte von Nikolaus Lenau und Requiem op 90 von Robert Schumann und Ausgewählte Lieder aus Deutsche Volkslieder WoO.33 von Johannes Brahms.

Den Liedern der Romantik stellte er die Zyklen Chanson d Don Quichotte des französischen Komponisten Jacques Ibert (1890 – 1962) und Let Us Garlands Bring des britischen Komponisten Gerald Finzi (1901 – 1956) gegenüber.
Die Lieder des Abends handelten mehrheitlich von „dem“ Thema der Romantik: der Liebe. Die in diesen Liedern natürlich oftmals mit viel Leidenschaft, Sehnsucht und Wehmut verbunden ist.

Liederabend Gordon Bintner (Bass Bariton) und Michael McMahon (Klavier)
Oper Frankfurt, 21. Dezember 2021
Michael McMahon, Gordon Bintner
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Im ersten Programmteil versetzte Gordon Bintner das Publikum mit nicht so bekannten Liedern von Franz Schubert und Robert Schumann in romantische Gefilde. Schon beim eröffnenden „An die Leier“ zeigte Bintner bei dem kontrastreichen Wechsel zwischen expressiven und bedächtigen Tönen eine erstaunliche Vielfalt. Sicherheit bewies er in allen Lagen, sei es beim stürmischen „Der Schiffer“ oder bei Robert Schumanns „Requiem“, das den ersten Teil würdig beendete. Mit einem kurzen Blick zur Seite stellte er sich auf jedes Lied kurz ein und bot innige Vorträge.

Von großen Gefühlen handelte auch der Teil nach der Pause, mit Liedern von Ibert, Brahms und Finzi. Mit starker Emphase gefiel besonders „Chanson de départ“ (Ibert), mit dialektischer Färbung „Da unten im Tale“ ( Brahms) und das volksliedhafte „It Was a Lover and His Lass“ (Finzi).

Begleitet wurde Bintner von seinem Landsmann Michael McMahon. Der Pianist, Repetitor und Liedbegleiter ist Associate Professor an der McGill Universität in Montreal und gab an diesem Abend sein Debüt an der Oper Frankfurt. Sich selbst stark zurücknehmend, erwies er sich mit seiner konzentrierten Art als dienender Begleiter.

Am Ende viel Applaus, wofür sich Bintner und McMahon mit drei Zugaben bedankten. Die letzte Zugabe bildete gewissermaßen den Höhepunkt des Abends („Song for the Mira“, voller Sehnsucht nach der Gelassenheit der Mira River Region, ist eine Art Hymne der kanadischen Provinz Novia Scotia). Das Lied hatte eine persönliche Note: Gordons Mutter sang ihm abends als Kind dieses Lied. Hierbei zeigte Gordon die ganze Bandbreite seiner stimmlichen Vielfalt und Ausdrucksmöglichkeiten.

Markus Gründig, Dezember 21


Die Zugaben:

Franz Schubert: „Der Jüngling an der Quelle“ D.300 (ca. 1821) und „Fischerweise“ D.881 (1826).
Allister MacGillivray: „Song for the Mira“ (1973). Das kanadische Volkslied erklang in einem Arrangement von John Greer.