Erlesener Schubert-Liederabend mit Nikola Hillebrand an der Oper Frankfurt

Liederabend Nikola Hillebrand (Sopran) und Simon Lepper (Klavier) ~ Oper Frankfurt, (13.01.2026) ~ Nikola Hillebrand (Simon Lepper; links) ~ © Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de
kulturfreak Bewertung: 4 von 5

Mit dem Hausdebüt der Sopranistin Nikola Hillebrand setzte die Oper Frankfurt jetzt die herausragende Liederabendreihe im Opernhaus fort. Ursprünglich war für diesen Termin die Sopranistin Corinne Winters gebucht. Doch musste diese aufgrund von Terminüberschneidungen absagen. Glück für Nikola Hillebrand und das Frankfurter Publikum.

Die junge Sängerin kann bereits auf Engagements an international führenden Opernhäusern zurückblicken. Bei den Bregenzer Festspielen nahm sie 2024 als um ihr Leben kämpfende Agathe für sich ein (in Philipp Stölzls Inszenierung von Carl Maria von Webers „Der Freischütz“).

Mit ihrem langen Haar und ein reichlich mit rosa- und gelben Blüten besticktes Abendkleid tragend, erinnerte Nikola Hillebrand äußerlich ein wenig an Elisabeth von Österreich (Sisi). Sie präsentierte sich ähnlich selbstbewusst, charmant und mit einer dezenten Zurückhaltung.
Sämtliche Lieder trug sie frei, also ohne ausliegende Noten, vor. Dabei ließ sie sich Zeit, von Lied zu Lied weiterzugehen.

Ihr Liedprogramm beschränkte sich auf einen der größten Liedschöpfer: Franz Schubert (1797 – 1828). Hierbei wählte Hillebrand keinen Liedzyklus wie „Die Winterreise“ oder „Die schöne Müllerin“, die überwiegend von ihren männlichen Kollegen interpretiert werden. Sie wählte aus Schuberts überaus umfangreichem Œuvre ihren ganz eigenen „Flow“. So erklangen bei dieser erlesenen Auswahl viele selten zu hörende und einige bekanntere Lieder.

Eröffnet wurde der im offiziellen Teil 21 Lieder umfassende Abend mit „Im Abendrot“, einem Lob der schönen Welt. Bewegt gestaltete die Sopranistin „Ganymed“ und „Der Musensohn“. Tiefsinn zeigte sie mit „Frühlingsglaube“ und viel Feingefühl bei „Nachtviolen“. Das anspruchsvolle Seelengemälde „Die junge Nonne“ beendete den ersten Programmteil. Die Empfindungen der aus einem Fenster blickenden tiefsinnigen Nonne vermittelte sie eindringlich.

Liederabend Nikola Hillebrand (Sopran) und Simon Lepper (Klavier)
Oper Frankfurt, (13.01.2026)
Nikola Hillebrand, Simon Lepper
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Nach der Pause überraschte Hillebrand mit einer Rarität. „Vedi quanto adoro“ (Schau, wie ich liebe) ist eines der wenigen Stücke, die Schubert auf einen italienischen Text komponierte. Hierbei kostete sie die ariosen Züge zur Freude des Publikums voll aus.
Drei Lieder wählte sie aus „Gesänge aus Wilhelm Meister“. Darunter besonders berührend das populäre „Nur wer die Sehnsucht kennt“.

Hillebrands Gesang zeichnet nicht nur eine hervorragende Textverständlichkeit aus, sondern auch die stimmliche Fülle in den hohen Lagen (so auch bei „Nähe des Geliebten“). Als kleines Drama gab sie „Suleika I“. Als Abschluss „Du bist die Ruh“.

Begleitet wurde Hillebrand von Carsten Lepper, der auch für die verhinderte Corinne Winters vorgesehen war. Die beiden wirkten wie ein gut eingespieltes Team und hatten nur minimale Blickkontakte.

Am Ende viel Applaus und drei Zugaben als Dank an das Publikum (natürlich auch alle von Schubert).

Markus Gründig, Januar 26


Einen weiteren Liederabend mit dieser Auswahl gibt Nikola Hillebrand am 20. Juni 26 bei der Schubertiade in Schwarzenberg (dann begleitet von Malcolm Martineau). Zuvor ist sie u. a. als Sophie in Strauss‘ „Der Rosenkavalier“ an der Berliner Staatsoper (unter Christian Thielemann) und an der Wiener Staatsoper (unter Alexander Soddy) zu erleben.


Die Zugaben:

Franz Schubert (1797-1828):

  • Nacht und Träume“ D.827 (1823)
  • Die Forelle“ D.550 (1816/1821)
  • Ave Maria“ D.839 (1825)

oper-frankfurt.de