Das Morgenland Festival Osnabrück 2026

© Jean Dominique POUPEL auf Pixabay
  • Im Fokus: Die Stimmen der Diaspora
  • Zukunftslabor der Klänge

Nach über zwei Jahrzehnten internationaler Pionierarbeit im interkulturellen Dialog leitet das Morgenland Festival Osnabrück 2026 einen bedeutenden inhaltlichen Generationswechsel ein. Unter der neuen künstlerischen Leitung der iranischen Klarinettistin und Kuratorin Shabnam Parvaresh rückt das Festival vom 29.05. bis 06.06.2026 das Thema „Stimmen der Diaspora“ ins Zentrum und setzt damit neue thematische Impulse für eines der weltweit bedeutendsten Foren des interkulturellen musikalischen Dialogs.

Tradition und Neuausrichtung

Seit seiner Gründung hat sich das Morgenland Festival Osnabrück als feste Größe im internationalen Musikleben und als Leuchtturm des kulturellen Austauschs etabliert. Mit Kooperationen, die von der New Yorker Carnegie Hall bis zur Hamburger Elbphilharmonie reichen, sowie einer medialen Resonanz von der New York Times bis zur BBC, setzte das Format Maßstäbe in der Vermittlung außereuropäischer Kunst.

Dieser Weg wird 2026 mit einer programmatischen Neuausrichtung fortgesetzt, die den Begriff „Morgenland“ als Symbol für das Kommende und als Ort der künstlerischen Freiheit begreift. Im Fokus stehen dabei Kunstschaffende, deren Biografien durch Migrationserfahrung und das Leben zwischen verschiedenen Kulturen geprägt sind.

Eine Leitung mit authentischer Stimme

Diese Neuausrichtung findet in Shabnam Parvaresh ihre authentische Entsprechung. Die 1983 in Teheran geborene Klarinettistin und bildende Künstlerin wechselte 2013 vom Teheraner Symphonieorchester nach Osnabrück, um sich nach politisch motivierten Repressionen der Jazz-Klarinette und der experimentellen Szene zu widmen. Ihre eng mit dem Festival verwobene Biografie bildet das Fundament für den Fokus auf Kunstschaffende, deren Werke von Migrationserfahrung und kultureller Transformation erzählen.

Erste Programmakzente 2026

Diese künstlerische Leitlinie spiegelt sich bereits in den ersten Programmpunkten wider. So gestaltet die Künstlerin Ganavya das Eröffnungskonzert mit einer meditativen Verbindung aus südindischer Klassik, Jazz und Ambient. Die Trompeterin Yazz Ahmed verbindet zeitgenössischen Jazz mit Einflüssen aus der arabischen Musiktradition, während der ägyptische Poet und Vokalist Abdullah Miniawy eine klanglich eindringliche Vision präsentiert.

In einen experimentellen Dialog zwischen Elektronik und Jazz treten der Pianist Kit Downes und die Turntablistin Shiva Feshareki. Mahan Mirarab und Bernhard Schimpelsberger fusionieren gemeinsam mit der Posaunistin Shannon Barnett iranische Melodien mit präziser Rhythmik. Ergänzt wird dieses Spektrum durch die kurdische Sängerin Sakîna: Sie versteht ihr internationales Ensemble als Kollektiv, in dem gleichberechtigte Stimmen spirituelle und nahöstliche Einflüsse zu einer offenen, zeitgenössischen Klangsprache verweben.

Interdisziplinärer Dialog und lokale Vernetzung

Ein zentrales Merkmal der kommenden Ausgabe ist die interdisziplinäre Erweiterung des Konzepts. In Kooperation mit dem Kunstraum hase29 zeigt die Ausstellung „Topografien des Widerstands“ zeitgenössische Kunst als Ausdruck poetischen und intellektuellen Widerstands gegen politische Umbrüche. Zudem vertieft das Festival seine lokale Verankerung: Workshops mit dem Institut für Musik der Hochschule Osnabrück ermöglichen Studierenden den direkten Austausch mit internationalen Stars. Gemeinsam mit dem Literaturbüro Niedersachsen sind zudem Lesungen und Diskursformate geplant, die das Festival als gesellschaftliches Zukunftslabor für ein breites Publikum öffnen.

Ein Raum für das Morgen

Das Morgenland Festival Osnabrück 2026 versteht sich somit als ein offenes Labor für die Musik der Zukunft. Es schafft Räume, in denen kulturelle Unterschiede nicht nivelliert, sondern als kreative Ressource für einen echten gesellschaftlichen Dialog hörbar gemacht werden. Das vollständige Programm soll in Kürze veröffentlicht werden.

morgenland-festival.com