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arte und 3sat übertragen in ihren umfangreichen Programmen regelmäßig Dokumentationen über Künstler und Kulturereignisse, dazu Konzerte (von Klassik über Pop & Rock bis Heavy Metal), Musicalfilme, Opern-, Tanz- und Theatervorstellungen.
Diese Seite informiert über bevorstehende interessante Ausstrahlungstermine auf arte aus dem Kulturbereich.
Programmwoche 43:
Montag, 19.10. / 22:10 Uhr / Désirée Nosbusch – Den Träumen folgen
Dokumentation, Deutschland, 2024, NDR 52 Min.
Regie: Inga Wolfram
Online verfügbar von 19/10/2026 bis 17/01/2027
Désirée Nosbusch ist ein vielseitiges Ausnahmetalent: Sie ist Schauspielerin, Produzentin, Moderatorin und Regisseurin. Ihre Karriere begann mit 12 im Radio, ihre erste Hauptrolle spielte sie mit 16, und mit 19 Jahren führte sie durch den Eurovision Song Contest. 2018 brillierte die Luxemburgerin in der Serie „Bad Banks“.
Die Luxemburgerin Désirée Nosbusch ist als vielseitiges Ausnahmetalent in ganz Europa bekannt. „Ich habe so viele Umwege gemacht, um dahin zu kommen, wo ich eigentlich hinwollte“, sagt sie selbst über ihren Weg. Dieser nahm 1977 mit 12 Jahren bei Radio Luxemburg seinen Anfang. Ihre erste Hauptrolle spielte sie mit 16, anschließend studierte sie Schauspiel in den HB Studios in New York. Mit 19 Jahren führte sie in fünf Sprachen durch den Eurovision Song Contest. Danach moderierte sie jahrelang große Shows in vielen Ländern und spielte in über 30 Filmen mit. In der Rolle der skrupellosen Investmentbankerin Christelle Leblanc brillierte Désirée Nosbusch 2018 in der Serie „Bad Banks“. In der Dokumentation spricht sie auch über das dunkelste Kapitel ihres Lebens, als sie als Jugendliche in die Fänge eines 30 Jahre älteren Mannes geriet. Nosbusch: „Ich habe sehr lange gebraucht, bis ich merkte: Wenn ich jetzt nicht gehe, ist meine Seele kaputt.“
Montag, 19.10. / 01:55 Uhr / Lino Ventura – Ganove mit Herz
Dokumentation, Frankreich, 2016, ARTE F 52 Min.
Regie: Philippe Kohly
Online verfügbar von 12/10/2026 bis 17/04/2027
Ob in der Rolle knallharter Polizisten oder schwerer Jungs – in den 1960er Jahren war Lino Ventura einer der populärsten französischen Charakterdarsteller. Die Dokumentation zeigt den Menschen hinter der rauen Schale und den harten Figuren, die er verkörperte.
Lino Ventura war als Schauspieler ein Naturtalent. Seine Mimik war sparsam, er wirkte kantig, aber auch melancholisch. Ob knallharte Polizisten oder schwere Jungs, er vermittelte immer den Eindruck, dass hinter seinen Figuren ein Mann mit Prinzipien und ausgeprägtem Moralbegriff steht. Solide und wortkarg, hart und sentimental. Doch warum lehnte er so viele große Rollen ab? Und weshalb schien er sich als Schauspieler manchmal selbst im Weg zu stehen?
Der am 14. Juli 1919 als Angiolino Ventura geborene Italiener kam als Kind nach Paris. Als italienisches Einwandererkind wurde Ventura in Frankreich geschmäht und gedemütigt. Nach einer sehr kurzen Schulzeit schlug er sich als Gelegenheitsarbeiter durch, später wurde er Profiringer. Kurz nach dem Gewinn des Europameistertitels im Jahr 1950 zwang ihn eine Verletzung dazu, seine Karriere aufzugeben. 1953 wurde er als Schauspieler entdeckt. Er spielte in dem Gangsterfilm „Wenn es Nacht wird in Paris“ (1954) an der Seite von Jean Gabin und Jeanne Moreau. Der Film „Der Mörder kam um Mitternacht“ machte Lino Ventura im Jahr 1959 endgültig zum Charakterdarsteller. Es folgten Filme wie „Fahrstuhl zum Schafott“ (1958) und „Der Panther wird gehetzt“ (1960), „Die Abenteurer“ (1967), „Der zweite Atem“ (1966) oder „Armee im Schatten“ (1969). 1969 wurde auch „Der Clan der Sizilianer“ produziert – hier spielte Lino Ventura an der Seite von Alain Delon und Jean Gabin. Später brillierte er in „Der Kommissar und sein Lockvogel“ (1970), „Die Filzlaus“ (1973) und „Das Verhör“ (1981).
Blickt man auf Lino Venturas Kindheit, erscheint der Mann unter der rauen Schale in einem ganz anderen Licht. Lino Ventura überzeugte vor der Kamera durch seine starke Präsenz und Männlichkeit. Im Kreis der Kollegen und Filmemacher aber war er bekannt als sensibler, schweigsamer Mensch, für seine Achtsamkeit und das übertrieben genaue Studieren der Drehbücher, für seine Ängstlichkeit am Set und seine Scheu vor romantischen Szenen.
Die Dokumentation bringt eine sehr intime Seite des Schauspielers zutage. Ob als Agent, Killer oder Kommissar – immer sind in den Figuren auch die Verletzungen seiner Kindheit spürbar. Privat führte Ventura ein solides, bürgerliches Leben und eine skandalfreie Ehe mit Odette Lecomte, die er als 17-Jähriger kennenlernte und mit der er vier Kinder hatte. Am 22. Oktober 1987 starb Lino Ventura mit 68 Jahren in seinem Haus im Pariser Vorort Saint-Cloud an Herzversagen.
Mittwoch, 21.10. / 21:55 Uhr / Catherine Deneuve – Ein Leben auf der Leinwand
Dokumentation, Frankreich, 2023, ARTE F 52 Min.
Regie: Claire Laborey
Online verfügbar von 14/10/2026 bis 20/11/2026
Catherine Deneuve ist eine der bekanntesten Schauspielerinnen Frankreichs. Im Jahr 2023 feierte sie ihren 80. Geburtstag. Im Laufe ihrer Karriere überraschte sie immer wieder mit gewagten Entscheidungen für Regisseure oder Rollen – von „Gefährliche Liebschaften“, „8 Frauen“, über die „Die letzte Metro“ bis „Belle de Jour – Schöne des Tages“.
Catherine Deneuve arbeitete mit den größten Filmemachern und Filmemacherinnen des 20. Jahrhunderts zusammen, darunter Luis Buñuel, Jacques Demy, François Truffaut, André Téchiné, Manoel de Oliveira, Raoul Ruiz, Benoît Jacquot, Hirokazu Koreeda, Arnaud Desplechin, Emmanuelle Bercot, François Ozon und Nicole Garcia. Catherine Deneuve verstand es, jede noch so subtile Regieanweisung umzusetzen und in jedem Film genau die jeweils gewünschte Facette zu zeigen. Wegen ihrer starken Präsenz am Set bezeichnete Arnaud Desplechin sie einmal als Koautorin.
Zu ihren größten Erfolgen zählt ihre Rolle als Heiratsschwindlerin in „Das Geheimnis der falschen Braut“ an der Seite von Jean-Paul Belmondo. „Die letzte Metro“ über eine Theaterleiterin, die während der deutschen Besetzung von Paris ihren jüdischen Mann versteckt, war ihr folgender erfolgreicher Truffaut-Film.
Die gebürtige Pariserin hat in mehr als 100 Filmen mitgewirkt. Dabei hat sie es geschafft, sich auf kein Genre festzulegen. Ihre Filmographie umfasst eine ungeheure Bandbreite; gleich einem Chamäleon schlüpft Deneuve mit spielerischer Leichtigkeit in die Haut jeder Filmfigur. In dem Psychothriller „Ekel“ von Roman Polanski spielte sie eine Schizophrene, für Luis Buñuel eine Hobbyprostituierte in „Belle de Jour – Schöne des Tages“ und in „Begierde“ eine Vampirin. In „Das Schmuckstück“ stellt sie eine Hausfrau dar, die die Unternehmerin in sich entdeckt, in „La tête haute“ („Standing Tall“) eine geradlinige Jugendrichterin, in „Place Vendôme“ die Frau eines Diamantenhändlers und in „Lass es mich sehen“ von Joana Hadjithomas und Khalil Joreige verkörpert sie sich selbst.
Catherine Deneuve führt mit ihrer Stimme selbst durch das Porträt: In exklusiven Radio- und Fernsehinterviews, im Dialog mit Regisseurinnen und Regisseuren von gestern und heute, aber auch mit befreundeten Filmleuten wie dem Kameramann Julien Hirsch, der Toningenieurin Brigitte Taillandier oder der Kostümbildnerin Catherine Leterrier. Catherine Deneuve – die Geschichte eines Lebens für den Film.
Mittwoch, 21.10. / 22:50 Uhr / Peter von Kant
Filmreihe: Filme von François Ozon
Spielfilm, Frankreich, 2022, ARTE F 82 Min.
Regie: François Ozon
Drehbuch: François Ozon
Autor:in: Rainer Werner Fassbinder
Produktion: FOZ, France 2 Cinéma, Playtime, Scope Pictures
Kamera: Manuel Dacosse
Schnitt: Laure Gardette
Musik: Clément Ducol
Mit: Denis Ménochet (Peter von Kant), Isabelle Adjani (Sidonie), Khalil Gharbia (Amir Ben Salem), Hanna Schygulla (Rosemarie von Kant), Stefan Crepon (Karl), Aminthe Audiard (Gabriele von Kant)
Online verfügbar von 06/09/2026 bis 01/12/2026
Der erfolgreiche Regisseur Peter von Kant verliebt sich in den jungen Amir und verhilft ihm zur Leinwandkarriere. Doch aus Begehren wird Abhängigkeit, aus Nähe ein Machtkampf. François Ozon variiert Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ als bissige Geschichte über Liebe, Eifersucht und Selbstzerstörung. Ein Comedy-Drama von 2022.
Köln, Anfang der 1970er Jahre: Der erfolgreiche Regisseur Peter von Kant lebt mit seinem schweigsamen Assistenten Karl zusammen, den er herablassend behandelt und dennoch vollkommen für sich beansprucht. Durch die Schauspielerin Sidonie (Isabelle Adjani), die einst seine Muse war, lernt Peter den jungen Amir kennen. Fasziniert von dessen Schönheit und Selbstbewusstsein, verliebt er sich augenblicklich und verspricht, ihm den Einstieg ins Filmgeschäft zu ermöglichen. Amir zieht bei ihm ein, erhält eine Hauptrolle – und wird schon bald selbst zum Star.
Doch je unabhängiger Amir wird, desto stärker wächst Peters Angst, ihn zu verlieren. Zuneigung schlägt in Besitzdenken, Eifersucht und emotionale Abhängigkeit um. Während Peter verzweifelt versucht, die Kontrolle über die Beziehung zu behalten, wird er zunehmend mit seiner eigenen Einsamkeit konfrontiert.
François Ozon interpretiert Rainer Werner Fassbinders Filmdrama „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ neu und macht aus dem Beziehungsdrama zugleich eine spielerische Hommage an Fassbinder selbst. Denis Ménochet spielt gekonnt sein fiktives Alter Ego des späteren Fassbinders mit Körperfülle und aufgedunsenem Gesicht. Eine besondere Verbindung zur Lebens- und Wirkgeschichte des Originals schafft Fassbinders einstige Muse und häufige Hauptdarstellerin Hanna Schygulla: Sie verkörpert Peters Mutter Rosemarie. Das Drama feierte als Eröffnungsfilm der 72. Internationalen Filmfestspiele Berlin seine Weltpremiere im Februar 2022 im Berlinale Palast.
Donnerstag, 22.10. / 00:30 Uhr / Marco Bellocchios Kino ~ Gegen den Strom und unter die Haut
Dokumentation, Frankreich, 2025, ARTE F 52 Min.
Regie: Sandra Marti
Online verfügbar von 08/10/2026 bis 12/02/2027
Erstausstrahlung
In Gesprächen mit Weggefährten, Freunden und Familienangehörigen blickt der italienische Regisseur Marco Bellocchio auf sein Werk zurück – geprägt von Familie, Religion, Psychoanalyse und Politik. Von „Mit der Faust in der Tasche“ bis „Portobello“ zeigt die Dokumentation, wie er unerbittlich die Abgründe seiner Figuren und seines Heimatlandes Italien erforscht.
Marco Bellocchio zählt zu den einflussreichsten Regisseuren des italienischen und internationalen Films. Die Dokumentation zeichnet sein künstlerisches Universum nach – durch Gespräche, Erinnerungen und Einblicke in sein Leben. Sein Werk ist geprägt von der Auseinandersetzung mit Familie, Religion, Psychoanalyse und Politik. Es erzählt von Figuren, die sich aus gesellschaftlichen Zwängen, den Abgründen des Unbewussten und toxischen Beziehungen befreien wollen.
Noch heute ist Bellocchio voller Energie und Schaffensdrang. Sein Werk scheint unvollendet, denn jeder neue Film ist für ihn eine existenzielle Notwendigkeit. In den 1960er Jahren, als das italienische Kino eine Phase radikaler Erneuerung durchlief, trat Bellocchio mit einer ungewohnt provokanten Stimme auf. Sein Debüt „Mit der Faust in der Tasche“ zeigte bereits die Handschrift eines Regisseurs, der Persönliches mit schonungsloser Gesellschaftskritik verbindet.
Sein filmisches Schaffen ist unangepasst und vielschichtig. Es stellt politische und psychologische Fragen, ohne einfache Antworten zu liefern. Von „Vincere“ über „Il Traditore“ bis „Die Bologna-Entführung“ – Bellocchios Filme sind geprägt von einer einzigartigen Erzählweise, die seine Weltsicht widerspiegelt.
Hinter seinem Werk stehen auch persönliche Tragödien, wie der Suizid seines Zwillingsbruders Camillo 1968. Seine Filme handeln von der Zerbrechlichkeit, dem Tod und moralischen Konflikten. Sie sind immer auch ein Spiegel seiner eigenen Erfahrungen – und eine schonungslose Auseinandersetzung mit dem Menschsein.
Freitag, 23.10. / 21:55 Uhr / John Lennons geheime Liebe: May Pang
Dokumentarfilm, USA, 2021, ZDF 86 Min.
Regie: Eve Brandstein, Richard Kaufman, Stuart Samuels
Online verfügbar von 23/10/2026 bis 22/12/2026
Erstausstrahlung
Die Geschichte von John Lennon und seiner jungen Assistentin May Pang stand lange im Schatten einer der berühmtesten Beziehungen der Popgeschichte. Als die Ehe von John Lennon und Yoko Ono Anfang der 1970er Jahre in eine Krise gerät, beginnt dieses wenig bekannte Kapitel im Leben John Lennons. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte aus der Sicht von May Pang.
Bemerkenswert ist dabei die Rolle Yoko Onos. Sie ermutigt ihre Assistentin May Pang dazu, Zeit mit John Lennon zu verbringen, wodurch sich eine intensive Liebesbeziehung entwickelt, die rund 18 Monate andauert. Später bezeichnet Lennon sie als sein „Lost Weekend“ – obwohl diese Zeit deutlich länger als ein Wochenende währte.
May Pang ist erst als Mitarbeiterin von Apple Records, dann als ihre persönliche Assistentin mit Lennon und Ono verbunden. Ihre persönlichen Erinnerungen, bislang selten gezeigte Fotografien, Archivmaterial und Zeitzeugeninterviews erzählen, welche Dramen sich daraus entwickelten.
Gleichzeitig wirft der Film einen neuen Blick auf John Lennon selbst. Er dokumentiert eine Phase kreativer Erneuerung, in der er an den Alben „Mind Games“, „Walls and Bridges“ und „Rock ’n‘ Roll“ arbeitet. In der Zeit mit May Pang entsteht sein einziger US-Nummer-eins-Hit als Solokünstler, „Whatever Gets You Thru the Night“.
Pangs Erinnerungen zufolge, hilft sie ihm dabei, die Beziehung zu seinem Sohn Julian neu aufzubauen und verlorene familiäre Bindungen wiederzufinden. Dadurch entsteht das Bild eines Mannes, der zwischen Weltruhm und persönlicher Sehnsucht seinen eigenen Weg sucht.
Freitag, 23.10. / 23:25 Uhr / Supertramp
Hammersmith Odeon, 1975
Musik, Großbritannien, 1975, ARTE 75 Min.
Fernsehregie: Tony Smith
Online verfügbar von 30/05/2026 bis 29/08/2027
Zwischen dem Erfolg von „Crime of the Century“ und den Aufnahmen zu „Crisis? What Crisis?“ begeistert die Band im Londoner Konzertsaal Hammersmith Odeon das Publikum mit ihrer einzigartigen Verbindung aus Progressive Rock und melodischem Songwriting. Die Gesangsdualität von Rick Davies (1944–2025) und Roger Hodgson (Jahrgang 1950) macht das Konzert zu einem legendären Moment britischer Rockgeschichte.
Im März 1975 steht Supertramp an einem entscheidenden Punkt ihrer Karriere. Das 1974 veröffentlichte Album Crime of the Century hat die Band aus der britischen Progressive-Rock-Szene herauskatapultiert – nicht nur wegen ihres Erfolges bei Kritik und Publikum, sondern auch wegen ihrer Fähigkeit, komplexe Arrangements mit eingängigen Melodien zu verbinden. Doch der Weg dorthin war kein geradliniger: Supertramp balancierte stets zwischen künstlerischem Ehrgeiz und dem Wunsch, ein Massenpublikum zu erreichen.
Das Konzert im Hammersmith Odeon – aufgezeichnet kurz vor der Nordamerika-Tournee, die die Band endgültig als globale Größe etablieren sollte – ist ein Dokument dieser Spannung. Es zeigt eine Band, die ihre Wurzeln im Progressive Rock nie verleugnet, aber gleichzeitig den Mut hat, sich weiterzuentwickeln. Die Setlist, eine Mischung aus Highlights von „Crime of the Century“ und neuen Stücken, die später auf „Crisis? What Crisis?“ (1975) erscheinen werden, spiegelt diesen Übergang wider: düster, poetisch, aber auch voller popkultureller Momente.
Dieses Konzert wurde 1975 aufgezeichnet und wird in der ursprünglichen Bildqualität gezeigt, um seine Authentizität zu bewahren.
Aufzeichnung vom 9. März 1975 im Hammersmith Odeon, London.
Programmwoche 44:
Samstag, 24.10. / 16:35 Uhr / 43. Weltfestival des Zirkus von Morgen
Zirkus, Frankreich, 2024, ARTE F 92 Min.
Regie: Guillaume Klein
Moderation: Calixte de Nigremont
Online verfügbar von 27/09/2026 bis 24/10/2026
Wiederholung vom 04.10.2026
Samstag, 24.10. / 22:35 Uhr / Die Mütter von Cherson (Doku)
Dokumentation über die Entstehung einer einzigartigen Oper
Dokumentation, Deutschland, 2026, ZDF 30 Min.
Regie: Jobst Knigge
Erstausstrahlung
Rund 20.000 ukrainische Kinder wurden seit Beginn des Krieges nach Russland verschleppt. Und die Welt droht zu vergessen. „Die Mütter von Cherson“ – eine neue Oper der New Yorker MET und der Polnischen Nationaloper – macht dieses Verbrechen sichtbar. Doch für die Macher ist es mehr als ein Opernstoff: Es ist ihre eigene Geschichte, die von Verlust, aber auch von Hoffnung erzählt.
Viele der rund 20.000 nach Russland verschleppten ukrainischen Kinder sind bis heute nicht zu ihren Familien zurückgekehrt. Der Film „Die Mütter von Cherson – Dokumentation über die Entstehung einer einzigartigen Oper“ erzählt von den Schicksalen dieser Kinder und ihrer Familien. Und von einer außergewöhnlichen künstlerischen Auseinandersetzung mit ihrem Leid in Form einer Oper, die in Zusammenarbeit mit der Metropolitan Opera in New York und der Polnischen Nationaloper entstanden ist.
Dabei begleitet die Dokumentation Menschen, deren Leben vom Krieg geprägt wurde und die mit der Entstehung der Oper verbunden sind: die ukrainische Dokumentaristin Sasha Andrusyk, den in Leipzig im Exil lebenden Komponisten Maxim Kolomiiets und die Sängerin Mariia Udovenko, die Teile ihrer Familie nach Polen in Sicherheit bringen musste.
Und die Dokumentation zeigt die wahren Geschichten, auf denen das Libretto der Oper basiert. Zum Beispiel die von Yulia Radzevilova: Als beinahe täglich ihre Heimatstadt Cherson von russischen Angriffen getroffen wurde, wollte sie ihren Sohn Maxim schützen. Man versprach ihr, der damals Zwölfjährige könne sich in einem Feriencamp auf der nahegelegenen Krim erholen und sie stimmte zu. Doch nach wenigen Wochen wurde klar: Die Russen ließen ihn nicht zurückkehren. Nach einer abenteuerlichen Reise gelang es ihr, Maxim zurückzuholen. Bei einer Voraufführung in Kiew erleben die beiden ihre eigene Geschichte auf der großen Bühne.
Samstag, 24.10. / 23:10 Uhr / Die Mütter von Cherson
Eine Oper über die verschleppten Kinder der Ukraine
Oper, Deutschland, 2026, ZDF 135 Min.
Regie: Barbara Wysocka, Andreas Morell
Inszenierung: Barbara Wysocka
Orchester: Orchestre de l’Opéra national, Keri-Lynn Wilson
Chor: Artos Kinderchor
Libretto: George Brant
Dramaturgie: Paul Cremo
Komponist und Autor: Maxim Kolomiiets
Mit: Izabela Matula (Kateryna), Hanna Sosnowska-Bill (Lilia), Kamila Dutkowska (Dasza), Weronika Wojtkowska (Olena), Elissa Pfaender (Tetyana), Małgorzata Walewska (Olha)
Erstausstrahlung
Mehr als 20.000 ukrainische Kinder wurden seit Beginn des Krieges nach Russland verschleppt. Dieses vom Internationalen Strafgerichtshof geahndete Kriegsverbrechen wird nun zur Oper. „Die Mütter von Cherson“ erzählt von einer Gruppe mutiger Frauen, die ihr Leben riskieren, um ihre entführten Kinder zu befreien. Die Welturaufführung in Warschau macht ihr Schicksal sicht- und hörbar.
Die Oper „Die Mütter von Cherson“ basiert auf einer wahren Geschichte – die der Mütter und Großmütter, die sich aus dem Süden der Ukraine auf den Weg machten, um ihre verschleppten Kinder nach Hause zu holen. Fast 5.000 Kilometer legten sie zurück, um über Polen, Weißrussland und Russland das Lager auf der Krim zu erreichen, in dem ihre Kinder in so genannten „Summercamps“ festgehalten wurden. Nicht für alle ging diese Reise glücklich aus.
Der amerikanische Librettist George Brand hat den Operntext auf Grundlage von etlichen Interviews mit betroffenen Müttern, Großmüttern und zurückgekehrten Jugendlichen geschrieben. Die Musik zu der Oper, die von der New Yorker Metropolitan Opera und dem Teatr Wielki in Warschau in Auftrag gegeben wurde, komponierte der Ukrainer Maxim Kolomiiets, einer der erfolgreichsten jungen Komponisten des Landes. In „Die Mütter von Cherson“ verzichtet er auf übermäßig komplexe Musik, um den Hauptfiguren der Geschichte, die keine mythologischen Helden, sondern gewöhnliche Frauen aus Cherson sind, gerecht zu werden. Die Musik ist zeitgemäß, aber nicht avantgardistisch und verwendet musikalische Themen aus der Ukraine.
Seit Beginn der russischen Invasion wurden laut offiziellen ukrainischen Angaben und internationalen Berichten mehr als 20.000 ukrainische Kinder systematisch nach Russland sowie in russisch besetzte Gebiete verschleppt. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat wegen dieser rechtswidrigen Deportationen offizielle Haftbefehle gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin sowie seine Kinderrechtsbeauftragte Marija Lwowa-Belowa erlassen.
Samstag, 24.10. / 01:25 Uhr / Wiener Klassik mit Sophie Dervaux am Fagott
Musik, Deutschland, 2025, NDR 63 Min.
Regie: Andreas Morell
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart, Franciszek Lessel, Joseph Haydn
Dirigent: Sophie Devraux
Orchester: Schlesische Philharmonie
Online verfügbar von 19/09/2026 bis 18/03/2027
Wiederholung vom 19.09.2026
Sonntag, 25.10. / 06:20 Uhr / Franco Zeffirellis „La Bohème“ – Dokufilm
Sternstunden der Musik
Dokumentation, Deutschland, 2023, ZDF 43 Min.
Regie: Anaïs Spiro
Online verfügbar von 24/10/2026 bis 24/11/2026
„La Bohème“ (1965), die Verfilmung von Puccinis gleichnamiger Oper, hält mehrere Rekorde: als erster im Studio gedrehter Opernfilm, als erster Musikfilm unter Leitung von Herbert von Karajan und als erste große Filmproduktion des jungen Regisseurs Franco Zeffirelli. Die Sternstunde lässt die filmische Pioniertat mit kritischem Blick Revue passieren.
An vielen Opernhäusern weltweit gehören Produktionen von Franco Zeffirelli bis heute zum Repertoire. Seine Inszenierung von „La Bohème“, die 1963 auf die Bühne kam und 1965 auf Film aufgezeichnet wurde, ist zu einem solchen Klassiker geworden, dass die Wiener Staatsoper im Januar 2022 ihre 444. Aufführung gab. Für Zeffirelli, der sich schon zu seiner Homosexualität bekannte, war der Erfolg dieser Inszenierung ungeheuer wichtig, bedeutete er doch endlich auch in seinem Heimatland Italien die Anerkennung, die ihm in London und New York längst zuteilwurde.
Hört man seinen Namen, denkt man an Opern- und Filmkulissen von fast betäubender Opulenz. Spektakuläre Sets und erzählerische Lesbarkeit machen „La Bohème“ zeitlos und sprechen immer noch sowohl Musik- wie auch Filmliebhaber an. Zeffirellis Inszenierung dieser musikalischen wie filmischen Sternstunde fängt die zarte und melancholische Intimität der unglücklichen Liebesgeschichte im Pariser Künstlerleben des Fin de Siècle kongenial ein.
Die Dokumentation zeigt Ausschnitte der Filminszenierung und macht in kurzen dokumentarischen Passagen die Geschehnisse dahinter fühlbar. Dabei stehen die emotionale und künstlerische Bedeutung des Moments im Mittelpunkt. Zu den Interviewpartnern gehören viele Stars heutiger Aufführungen der Inszenierung Zeffirellis, der im Jahr 2023 100 Jahre alt geworden wäre. Die in jüngerer Vergangenheit gegen den Regisseur laut gewordenen Missbrauchsvorwürfe werden eingeordnet.
Sonntag, 25.10. / 08:35 Uhr / Gene Tierney – Hollywoods vergessener Star
Dokumentation, Frankreich, 2016, ARTE F 52 Min.
Regie: Clara Kuperberg, Julia Kuperberg
Online verfügbar von 18/10/2026 bis 31/12/2026
In 34 Filmen spielte sie alle erdenklichen Charaktere: Die Schauspielerin Gene Tierney ließ sich nie auf eine Rolle festlegen, wie es in Hollywood eigentlich üblich war. Für Martin Scorsese ist sie eine der meistunterschätzten Schauspielerinnen aus der Blütezeit des US-Kinos. Die Dokumentation zeigt die bewegte Lebensgeschichte der Darstellerin.
Für Martin Scorsese ist Gene Tierney eine der meistunterschätzten Schauspielerinnen aus der Blütezeit des US-Kinos. Die Darstellerin ließ sich nie auf eine Rolle festlegen, wie es in Hollywood üblich war, sondern spielte in 34 Filmen alle erdenklichen Charaktere, von Joseph L. Mankiewicz‘ „Ein Gespenst auf Freiersfüßen“ bis zu Ernst Lubitschs Spielfilm „Ein himmlischer Sünder“, der 1943 zu einem Meilenstein ihrer Karriere wurde. Ihre wohl bekannteste Rolle übernahm sie 1944 in „Laura“ von Otto Preminger, mit dem sie in der Folge noch mehrfach zusammenarbeitete. 1946 wurde Tierney für ihre Rolle als Psychopathin in „Todsünde“ (1945) für einen Oscar nominiert.
Bereits als Jugendliche erhielt Gene Tierney bei einem Filmstudiobesuch von Anatole Litvak den Rat, Schauspielerin zu werden. Die Darstellerin, die Regisseure wie Josef von Sternberg, Joseph L. Mankiewicz und John Ford inspirierte, hatte eine bewegte Lebensgeschichte. In der Dokumentation liest Gene Tierney Auszüge aus ihren Memoiren. Ergänzt wird das Bild durch Schilderungen von Tierneys Enkelkindern sowie von Martin Scorsese und dem Filmwissenschaftler Joseph McBride.
Sonntag, 25.10. / 16:50 Uhr / Fondation Beyeler – Museum anders gedacht
Dokumentation, Deutschland, 2026, ZDF 52 Min.
Regie: Corinna Belz
Online verfügbar von 25/10/2026 bis 23/01/2027
Erstausstrahlung
Die Fondation Beyeler, bekannt für ihre ungewöhnliche Verbindung von Kunst, Architektur und Natur, besitzt eine der schönsten Kunstsammlungen der Moderne. Nun eröffnet sie eine Erweiterung mit Gebäuden des Schweizer Architekten Peter Zumthor. Zudem bereichert ein bislang privater, denkmalgeschützter Park das Ensemble der Bauten nach dem Vorbild englischer Landschaftsgärten.
Die 1997 eröffnete Fondation Beyeler, in Riehen an der Grenze zu Deutschland gelegen, besitzt eine der schönsten Kunstsammlungen der Moderne und der zeitgenössischen Kunst. Angefangen bei der klassischen Moderne mit Meisterwerken von Henri Rousseau, Claude Monet, Paul Cézanne, Pablo Picasso, Henri Matisse, Mark Rothko bis hin zu Roni Horn, Marlene Dumas, Otobong Nkanga, Wolfgang Tillmans.
Bekannt für einen legendären Museumsbau von Renzo Piano und die gelungene Verbindung von Kunst und Natur, wird nun eine Erweiterung mit Bauten des Schweizer Architekten Peter Zumthor eröffnet. Über vier Jahre hat die Regisseurin Corinna Belz die Planung und Entstehung des Gebäudeensembles filmisch begleitet.
Der Film taucht in die Welt des Museums ein und entdeckt einen alten, bislang privaten Park, der der nun als Teil der Fondation Beyeler der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Er geht der Frage nach, was diesen Ort so anziehend für Künstlerinnen und Künstler macht und blickt zurück auf die Ursprünge des Museums mit Ernst Beyeler und Renzo Piano. Gespräche mit Peter Zumthor sowie dem Planungsteam um Sam Keller, Theodora Vischer und Ulrike Erbslöh geben Einblicke in die Entscheidungsprozesse rund um die Museumserweiterung.
Und ganz nebenbei erzählt der Film auch von Schweizer Understatement, von großem Teamgeist, beeindruckender Architektur, tiefer Liebe zur Kunst und der Pflege von Landschaft und Natur, die die Fondation Beyeler zu einem der attraktivsten Museen weit über die Grenzen der Schweiz hinaus macht.
Sonntag, 25.10. / 17:45 Uhr / Die Filmmusik von John Williams
Sternstunden der Musik
Dokumentation, Deutschland, 2026, ZDF 43 Min.
Regie: Sophia Wischmann, Wilma Pradetto
Dirigent: Gustavo Dudamel
Online verfügbar von 24/10/2026 bis 23/04/2027
Erstausstrahlung
Kaum ein Komponist hat die Filmgeschichte so nachhaltig geprägt wie John Williams. Seine Kompositionen zu „Star Wars“ und „Schindlers Liste“ sind Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Die Dokumentation blickt zurück auf das Gala-Konzert zu Ehren von John Williams, das 2014 in der Walt Disney Concert Hall stattfand – mit Anne-Sophie Mutter und dirigiert von Gustavo Dudamel.
Diese „Sternstunde der Musik“ lädt ein zu einer Begegnung mit einem der bedeutendsten Filmkomponisten unserer Zeit. Im Mittelpunkt steht das Gala-Konzert „A John Williams Celebration“ in der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles am 30. September 2014. Der junge Gustavo Dudamel, Bewunderer und Freund von Williams, dirigiert die Los Angeles Philharmonic durch ein Programm, das die ganze Spannweite von dessen Schaffen entfaltet – von den großen sinfonischen Klangwelten bis zu seinen leisen, zutiefst menschlichen Kompositionen.
Zwischen den musikalischen Höhepunkten öffnen Erinnerungen und Gespräche den Blick auf den Menschen hinter den weltberühmten Melodien. Musikerinnen und Musiker wie Anne-Sophie Mutter, Itzhak Perlman oder die Filmmusikkomponisten Ramin Djawadi („Game of Thrones“) und Alex Komlew sprechen über einen Künstler, dessen Bescheidenheit ebenso beeindruckt wie seine schöpferische Kraft. Williams‘ Musik verleiht den Geschichten Hollywoods einen Funken Magie – und begeistert auch, wenn sie einmal nicht für das bewegte Bild komponiert wurde.
Den emotionalen Höhepunkt des Konzertabends bildet John Williams selbst, wenn er den ikonischen „Imperial March“ aus „Star Wars“ dirigiert. Als schließlich Darth Vader die Bühne betritt, begegnen sich Popkultur und Konzerttradition in einem augenzwinkernden Moment, der den Saal begeistert.
Fünf Oscars, 27 Grammys und viele weitere Auszeichnungen markieren eine einzigartige Karriere. John Williams wurde nicht über Nacht zur Legende. Seine Musik ist über Jahrzehnte gewachsen – und mit ihr ein Klang, der Generationen verbindet.
Sonntag, 25.10. / 22:00 Uhr / Legendäre Liebespaare des Kinos: Ingrid Bergman und Roberto Rossellini
Dokumentation, Frankreich, 2018, ARTE F 52 Min.
Regie: Bertrand Tessier
Die Ehe zwischen der schwedischen Schauspielerin Ingrid Bergman und dem italienischen Regisseur Roberto Rossellini zählt zu den legendärsten und gleichzeitig skandalösesten Liebesbeziehungen der Filmgeschichte. Gemeinsam drehten sie Filme wie „Stromboli“, „Europa 51“ und „Angst“ – Werke, die Bergmans schauspielerisches Talent und Rossellinis besonderen Stil vereinten.
Ein Skandal in den USA: 1950 heiratet Ingrid Bergman – der Hollywood-Star, dessen Name mit Klassikern wie „Casablanca“, „Wem die Stunde schlägt“ oder „Berüchtigt“ untrennbar verbunden ist – den italienischen Regisseur Roberto Rossellini, Vorbild einer ganzen Generation von Filmemachern, insbesondere der Nouvelle Vague. Die gefeierte Schauspielerin, Mutter einer Tochter und in erster Ehe verheiratet, lässt alles hinter sich und zieht nach Rom. Ausgelöst wurde diese radikale Wende durch ihre Faszination für Rossellinis neorealistisches Meisterwerk „Rom, offene Stadt“. Auf der Suche nach tiefgründigeren Rollen abseits von Hollywoods Studio- und Starsystems nahm sie Kontakt zu Rossellini auf, um mit ihm zu arbeiten.
Die beiden verlieben sich und in nur sieben Jahren entstehen fünf gemeinsame Filme – darunter „Stromboli“ (1950), „Europa 51“ (1952), „Angst“ und „Liebe ist stärker“ (beide 1954). Aus der Beziehung gehen drei Kinder hervor: Roberto und die Zwillinge Isabella und Isotta Rossellini. Aus erster Ehe hatte Ingrid Bergman bereits eine Tochter, Pia Lindström, die jedoch bei ihrem Vater aufwuchs, während Ingrid Bergman drehte.
Die Eheschließung von Bergman und Rossellini wird in den USA verurteilt, außerdem verübelt man dem Star, dass sie Hollywood den Rücken kehrt. Doch Bergman setzt sich über all das hinweg – und lebt ihr selbstbestimmtes freies Leben. Später setzt sie ihren Willen auch gegen Rossellini durch, dem es nicht gefällt, dass sie 1956 für „Anastasia“ nach Hollywood zurückkehrt. 1957 endet die Ehe, doch das Vermächtnis des glamourösen Paars lebt in den künstlerisch anspruchsvollen Filmen, die durch ihre Begegnung entstanden sind.
Sonntag, 25.10. / 22:55 Uhr / Roberto Rossellini – Leben ohne Drehbuch
Dokumentarfilm, Frankreich, Italien, Litauen, 2025, ZDF 59 Min.
Regie: Ilaria De Laurentiis
Online verfügbar von 25/10/2026 bis 23/01/2027
Erstausstrahlung
Seine Ehe mit Ingrid Bergman steht vor dem Aus, seine Karriere an einem Tiefpunkt: Der Regisseur Roberto Rossellini wagt mit 50 Jahren einen Neuanfang und reist nach Indien. Enttäuscht vom Kino, getrieben von Neugier und fasziniert vom jungen Medium Fernsehen, beginnt für ihn ein überraschendes Kapitel der künstlerischen Wiedergeburt.
Der Dokumentarfilm beleuchtet eine entscheidende Phase im Leben des großen italienischen Regisseurs Roberto Rossellini: 1956, mit 50 Jahren, scheint Rossellinis Karriere an einem Tiefpunkt angelangt. Die einst gefeierten Meisterwerke des Neorealismus liegen zurück, die späteren Filme mit Ingrid Bergman werden von Publikum und Kritik abgelehnt, die Ehe steht vor dem Aus.
In dieser Situation wagt Rossellini einen beispiellosen Neuanfang. Er reist nach Indien, um ein Land im Umbruch zu dokumentieren – wissend, dass er vielleicht nicht zurückkehren wird. Aus dieser Erfahrung entstehen nicht nur der Kinofilm India Matri Bhumi, sondern auch wegweisende Fernsehproduktionen. Rossellinis Indien-Aufenthalt markiert seine künstlerische Wiedergeburt und öffnet ihm den Blick auf neue Formen des Wissens, der Bildung und der filmischen Sprache.
Der Film zeichnet Rossellinis zunehmende Abkehr vom klassischen Kino nach und zeigt ihn als Visionär, der früh an das Potenzial des Fernsehens glaubt – zum Unverständnis vieler Zeitgenossen. Unterstützt von Stimmen der Nouvelle Vague, darunter François Truffaut, wird Rossellini neu entdeckt und als Mentor gewürdigt. Mit seltenem Archivmaterial, Zitaten und Zeitzeugnissen entfaltet der Dokumentarfilm das Bild eines kompromisslosen Geistes, der stets mehr suchte als bloßen Erfolg: Erkenntnis, Wahrheit und eine neue Art, die Welt zu erzählen.
Sonntag, 25.10. / 23:55 Uhr / Endspiele: Die Musik Ungarns zwischen Repression und Aufbruch
Dokumentation, Deutschland, 2026, SWR 57 Min.
Regie: Thomas von Steinaecker
Online verfügbar von 25/10/2026 bis 23/04/2027
Erstausstrahlung
Ungarn hat eine erstaunliche Anzahl von Komponisten hervorgebracht: Béla Bartók, György Ligeti, György Kurtág. Gleichzeitig ist Ungarn Rätsel und Faszinosum, ein Land zwischen Diktatur und Demokratie. Die Dokumentation erzählt diese Geschichte Ungarns vor dem Hintergrund der Zeitgeschichte. Im Mittelpunkt steht eine Begegnung mit dem 100-jährigen György Kurtág in Budapest.
Ungarn nimmt innerhalb Europas eine besondere Stellung ein – insbesondere, wenn man die Musikgeschichte des Landes seit 1945 betrachtet. In kaum einem anderen europäischen Land gibt es so viele einflussreiche Komponisten, deren Werke die Entwicklung der Musik maßgeblich geprägt haben. Namen wie Béla Bartók, György Ligeti und György Kurtág stehen dabei exemplarisch für diese herausragende kulturelle Leistung.
Doch Ungarn ist nicht nur für seine Musik bekannt, sondern auch für seine ambivalente und widersprüchliche Geschichte. Die Dokumentation erzählt diese bewegte Geschichte Ungarns im 20. Jahrhundert anhand der Biografien seiner großen Komponisten. Im Mittelpunkt steht dabei eine Begegnung des Pianisten Pierre-Laurent Aimard mit dem inzwischen 100-jährigen György Kurtág im Budapest Music Center.
Daneben kommen viele bedeutende Persönlichkeiten des ungarischen Kulturlebens zu Wort, unter anderem Vera Ligeti, die Witwe des Komponisten, der Schriftsteller und Historiker György Dalos und Péter Nádas, der als Schriftsteller und Fotograf das Leben in Ungarn dokumentierte.
Montag, 26.10. / 21:50 Uhr / Irresistible Gary Cooper
Dokumentation, Frankreich, 2019, ARTE F 54 Min.
Regie: Clara Kuperberg, Julia Kuperberg
Online verfügbar von 19/10/2026 bis 24/05/2027
Gary Cooper, einer der größten Leinwandhelden laut dem American Film Institute, spielte in Western-Filmen wie „High Noon“ (1952) und in „Sergeant York“ (1941). Für diese Rollen erhielt er zwei Oscars. Das Porträt zeigt unveröffentlichte Archivbilder und Interviews mit Menschen, die ihn sehr gut kannten, darunter seine Tochter Maria Cooper Janis.
Gary Cooper, mit bürgerlichem Namen Frank James Cooper, verbrachte seine Kindheit auf einer Farm im ländlichen Montana. Seine Eltern stammten ursprünglich aus England. Der Vater war sowohl Richter als auch Rancher und konnte sich ein beachtliches Vermögen aufbauen. Dank seiner Reitkünste versuchte Cooper in den 1920er Jahren in Hollywood als Stuntman Fuß zu fassen.
Seinen Durchbruch feierte er 1930 im Liebesfilm ʺMarokkoʺ, in dem er unter der Regie von Josef von Sternberg an der Seite von Marlene Dietrich spielte. Zwei Jahre später übernahm er die Hauptrolle in der Hemingway-Verfilmung ʺIn einem anderen Landʺ (1932). Cooper war persönlich mit dem Schriftsteller befreundet und trat 1943 erneut in einem Hemingway-Stoff auf, diesmal in ʺWem die Stunde schlägtʺ mit Ingrid Bergman.
Seine erste Oscar-Nominierung erhielt er 1936 für die Komödie ʺMr. Deeds geht in die Stadtʺ von Regisseur Frank Capra. Besonders bekannt wurde er jedoch durch seine Rollen in Westernfilmen. Regielegende Cecil B. DeMille besetzte ihn unter anderem in ʺDer Held der Prärieʺ und ʺDie scharlachroten Reiterʺ.
Privat kursierten Gerüchte über Beziehungen zu Marlene Dietrich, Carole Lombard, Ingrid Bergman und Grace Kelly. Cooper war jedoch ab 1933 mit der Schauspielerin Veronica Balfe verheiratet. Das Paar bekam 1937 eine Tochter namens Maria Cooper.
Coopers Schauspielstil war zurückhaltend und minimalistisch – ein Kontrast zum expressiven Ansatz des Actors Studio. Er verkörperte den klassischen amerikanischen Helden: stark, moralisch und ohne innere Konflikte. Erst in den 1970er Jahren wurde dieser Typus vom komplexeren Antihelden des New Hollywood abgelöst, den emotionale Tiefen und persönliche Krisen ausmachten.
Montag, 26.10. / 00:45 Uhr / Legendäre Liebespaare des Kinos: Steve McQueen und Ali MacGraw
Dokumentation, Frankreich, 2018, ARTE F 53 Min.
Regie: Bertrand Tessier
Online verfügbar von 30/11/2025 bis 03/10/2026
Wiederholung vom 11.10.2026
Montag, 26.10. / 01:40 Uhr / Die Berliner Philharmoniker interpretieren Händel
Mit Emmanuelle Haïm
Musik, Deutschland, 2023, SWR 75 Min.
Dirigent: Emmanuelle Haïm, Elsa Benoit
Komponist: Georg Friedrich Händel
Orchester: Berliner Philharmoniker
Mit: Julia Lezhneva (Piacere), Carlo Vistoli (Disinganno), Anicio Zorzi Giustiniani (Tempo), Elsa Benoit (Dirigentin)
Online verfügbar von 26/10/2026 bis 31/12/2026
G. F. Händels „Il Trionfo“ – ein prall-sinnliches Oratorium, das vergnüglich von einem Gesangsensemble und den Berliner Philharmonikern im Baden-Badener Festspielhaus dargeboten wird. Bei den Osterfestspielen 2023 wird es von den Berliner Philharmonikern unter der Leitung der französischen Barock-Spezialistin Emmanuelle Haïm präsentiert.
Der berühmte Komponist Georg Friedrich Händel fand im sonnigen Italien im Jahr 1706 seine musikalische Inspiration. Bereits ein Jahr später schuf er ein Meisterwerk, das bis heute als eines seiner schönsten Oratorien gilt. Händel war von einer tiefen Frage fasziniert: Was geschieht, wenn die Anmut (Bellezza) zwischen den Fronten des sinnlichen Vergnügens (Piacere) einerseits und der unaufhaltsamen Zeit (Tempo) und der Erkenntnis (Disinganno) andererseits gefangen ist? Dies ist eine Frage nach dem Sinn des Lebens und Händel fand seine Antwort zwischen flüchtigem Vergnügen im Hier und Jetzt und der Realität, die auf das Ewige zielt. Um dem Tod und der Vergänglichkeit zu entrinnen, muss die Anmut einen Pfad finden, der sie zur wahren Erkenntnis führt.
In diesem fesselnden Oratorium, das Händel 1707 in Rom komponierte und aufführte, gelang es dem jungen Meister, ein ergreifendes Werk über die Schönheit und ihre Vergänglichkeit sowie über die grundlegenden Fragen des Lebens zu erschaffen. Diese Komposition ist mit virtuosen Arien und vielen bewegenden Momenten erfüllt von inspirierter und inspirierender Musik. Hier zeigt sich der „italienische Händel“ von seiner besten Seite. Dieses Oratorium ist ein zeitloses Meisterstück, das die Seelen der Zuhörer auch heute noch berührt und verzaubert.
Aufzeichnung vom 08. April 2023 im Festspielhaus Baden-Baden.
Dienstag, 27.10. / 05:20 Uhr / Glanz und Pracht – Die Pariser Oper Garnier
Dokumentarfilm, Frankreich, 2020, ARTE F 89 Min.
Regie: Patrick Cabouat
Online verfügbar von 19/09/2026 bis 03/11/2026
Wiederholung vom 26.09.2026
Mittwoch, 28.10. / 01:50 Uhr / Carole King and James Taylor ~ Live at the Troubadour
Musik, USA, 2010, ARTE F 73 Min.
Regie: Martyn Atkins
Online verfügbar von 21/10/2026 bis 31/10/2026
Die „Troubadour Reunion“ vereint die amerikanischen Musiklegenden Carole King und James Taylor zu einem denkwürdigen Auftritt in der Kult-Location am Sunset Strip in Los Angeles, wo sie 1970 ihr erstes gemeinsames Konzert gaben. Auf das bewegende Wiedersehen folgte eine spontane, restlos ausverkaufte Tournee.
Carole King und James Taylor gehören zu den einflussreichsten Singer/Songwritern ihrer Generation. Seit mehr als 50 Jahren sind sie befreundet und arbeiten zusammen. 2007 trafen sich die beiden Stars zu einem außergewöhnlichen Konzert im berühmten Troubadour Club in Los Angeles, um ihr gemeinsames Bühnendebüt von 1970 zu feiern. Damals hatte James Taylor die junge Sängerin, Songwriterin und Pianistin Carole King gebeten, sich seiner Band anzuschließen und gemeinsam seine größten Hits auf der Bühne zu interpretieren.
Was 2007 als einfaches Wiedersehenskonzert geplant war, entwickelte sich zu einer Tournee mit rund 50 Konzerten in den USA, Australien und Japan – die geplante Europatournee kam leider nicht zustande.
Die bewegende „Troubadour Reunion“ von Carole King und James Taylor bleibt ein magischer und unvergesslicher Moment, der ihre Künstlerfreundschaft neu entfachte. Schon mit den ersten Klängen schwappte eine Welle der Emotionen durch den Saal. Das Publikum ließ sich von den zeitlosen Liedern verzaubern, in denen die warme Stimme von King und das unnachahmliche Timbre von Taylor harmonisch verschmolzen.
Aufzeichnung vom November 2007 im Troubadour in Los Angeles, USA.
Donnerstag, 29.10. / 05:05 Uhr / Rhythmus im Blut – Sind Tiere musikalisch?
Dokumentation, Großbritannien, 2022, ARTE F 46 Min.
Regie: Connie Edwards
Online verfügbar von 20/02/2026 bis 05/11/2026
Wiederholung vom 26.09.2026
Donnerstag, 29.10. / 08:55 Uhr / Auf den Spuren prähistorischer Künstler – Die Chauvet-Höhle
Dokumentarfilm, Frankreich, 2024, ARTE F 89 Min.
Regie: Alexis de Favitski
Online verfügbar von 19/01/2026 bis 18/03/2027
Wiederholung vom 10.10.2026
Freitag, 30.10. / 20:15 Uhr / The Rocky Horror Picture Show
Schwerpunkt: Grenzenlos gruselig: Halloween bei ARTE
Spielfilm, Großbritannien, USA, 1975, ZDF 95 Min.
Regie: Jim Sharman
Drehbuch: Jim Sharman, Richard O’Brien
Autor:in: Richard O’Brien
Produktion: Michael White Productions
Produzent: Michael White
Kamera: Peter Suschitzky
Schnitt: Graeme Clifford
Musik: Richard O’Brien
Mit: Tim Curry (Dr. Frank-N-Furter), Susan Sarandon (Janet Weiss), Barry Bostwick (Brad Majors), Richard O’Brien (Riff Raff), Patricia Quinn (Magenta), Little Nell (Columbia), Jonathan Adams (Dr. Everett V. Scott), Peter Hinwood (Rocky Horror), Meat Loaf (Eddie)
In dieser zum Kultfilm gewordenen Musical-Verfilmung verirrt sich ein frisch verlobtes junges Paar in ein geheimnisvolles Schloss und trifft dort auf eine Versammlung skurriler Charaktere. So wird die Unwetternacht zum unterhaltsamen Horrortrip voller Tanz und Gesang. – Mit Stars wie Tim Curry, Susan Sarandon und Meat Loaf und unter der Regie von Jim Sharman.
In einem abgelegenen Schloss feiert Dr. Frank-N-Furter, ein exzentrischer Wissenschaftler, mit Anhängern seine neueste Schöpfung. Er hat einen künstlichen jungen Mann von strahlender Attraktivität erschaffen: Rocky Horror. Doch als das prüde Liebespaar Brad und Janet während eines Unwetters zufällig in die sonderbare Veranstaltung platzt, bricht in Franks sündigem Schloss der Teufel los. Was folgt, ist eine für alle erlebnisreiche, bizarre Nacht voller sexueller Ausschweifung, skurriler Gestalten und Musik. Während sich die Ereignisse überschlagen, werden Brad und Janet zunehmend in die dekadente Welt des Schlosses hineingezogen.
Das verrückte Bühnenstück „The Rocky Horror Show“, das dem Film als Vorlage diente, ist ein Dauerbrenner auf den Bühnen der Welt. Die kongeniale Filmversion des schrillen britischen Rock-Musicals ist seit 1975 zum Kultfilm und Klassiker geworden. Mit Elementen aus Horror, Science-Fiction und Glam-Rock setzt sich die respektlos-freche Persiflage auf Genreregeln und -motive mit gesellschaftlichen Normen auseinander und ist ein Plädoyer für queere Sichtbarkeit, Vielfalt und Kreativität.
Freitag, 30.10. / 21:50 Uhr / Die „Rocky Horror Show“: Eine wilde Geschichte
Schwerpunkt: Grenzenlos gruselig: Halloween bei ARTE
Dokumentarfilm, Großbritannien, 2025, ZDF 74 Min.
Regie: Linus O’Brien
Online verfügbar von 23/10/2026 bis 28/01/2027
Erstausstrahlung
Der Dokumentarfilm ist eine liebevolle Hommage an ein Stück Popkultur, das bis heute Menschen auf der ganzen Welt begeistert. Er lädt zu einer Reise zu den Anfängen von „The Rocky Horror Show“ ein und erzählt, wie aus einer kleinen, ungewöhnlichen Theaterproduktion in London ein weltweites Kultphänomen wurde.
Regisseur Linus O’Brien ist der Sohn von Richard O’Brien, dem kreativen Kopf hinter „Rocky Horror“. Seine Dokumentation wirft so einen sehr persönlichen Blick auf die Entstehungsgeschichte des Musicals und die spätere Verfilmung „The Rocky Horror Picture Show“. Mit spürbarer Leidenschaft zeichnet der Film die Höhen und Tiefen dieses Werks nach, das zunächst kaum beachtet wurde und schließlich Filmgeschichte schrieb.
Stars wie Tim Curry, Susan Sarandon, Barry Bostwick und Patricia Quinn erinnern sich an eine Zeit, in der niemand ahnen konnte, welchen Einfluss ihre Arbeit einmal haben würde. Ergänzt werden ihre Geschichten durch prominente Fans wie Jack Black und Trixie Mattel, die erzählen, warum „Rocky Horror“ für sie weit mehr als ein Film und Musical ist.
Im Mittelpunkt stehen Themen wie Selbstbestimmung, Toleranz und die Freiheit, anders zu sein.
Der Film zeigt, warum sich über Generationen hinweg eine leidenschaftliche Fangemeinde gebildet hat und weshalb die legendären Mitternachtsvorführungen bis heute Menschen zusammenbringen. „Die ‚Rocky Horror Show‘: Eine wilde Geschichte“ erzählt von einer kreativen Revolution, einer einzigartigen Gemeinschaft und einem Werk, das seinen Schöpfern längst entwachsen ist.
Programmwoche 45:
Samstag, 31.10. (Reformationstag) / 20:15 Uhr / Dracula – Die wahre Geschichte
Schwerpunkt: Grenzenlos gruselig: Halloween bei ARTE
Dokumentarfilm, Frankreich, 2026, ARTE F 90 Min.
Regie: Jacques Plaisant, Mattéo Caranta
Online verfügbar von 24/10/2026 bis 29/01/2027
Erstausstrahlung
Jeder kennt Dracula, aber nur wenige wissen, dass sich hinter dem Vampir und Romanhelden ein echter Fürst aus dem 15. Jahrhundert verbirgt. Der blutrünstige Herrscher verbreitete zur damaligen Zeit in der Walachei Angst und Schrecken. Seit mehreren Jahren beschäftigen sich Forschende mit dem zwischen dem islamischen Orient und dem christlichen Okzident gefangenen Vlad III.
Im Juni 1456 überflog der Komet Halley den Himmel über dem Balkan. In fast ganz Europa deutete man dies als Vorboten der bevorstehenden Apokalypse. Mit einer Ausnahme: Der aus der Walachei stammende Vlad III., auch Dracula genannt, sah darin ein gutes Omen. Nach einer gewaltsamen Machtübernahme als Anführer einer kleinen Armee ließ er den Kometen auf seine Münzen prägen.
Seine Herrschaft war gnadenlos. Seine bevorzugte Hinrichtungsmethode versetzte die Menschen in Angst und Schrecken und brachte ihm den Beinamen „der Pfähler“ ein. So steht es jedenfalls in den Texten jener Zeit, die dank des Buchdrucks verbreitet wurden.
1890 stieß der irische Schriftsteller Bram Stoker im Zuge seiner Recherchen auf den Namen Dracula und verwendete ihn für seinen Roman. In den 1970er Jahren machte der rumänische Diktator Nicolae Ceaușescu aus Vlad dem Pfähler einen Nationalhelden.
Wahrheit oder Mythos? Seit mehreren Jahren beschäftigen sich Forschende mit der Quellensammlung Corpus Draculanium und hinterfragen die Geschichte von Vlad III. Sie analysieren private, diplomatische und zu Handelszwecken verfasste Korrespondenz, Verhandlungsprotokolle, verwaltungstechnische Dokumente, Erzählungen und Bilder sowie Münzen und Siegel aus der damaligen Zeit. Die Quellen stammen aus ganz Europa und erzählen die Geschichte eines shakespeareschen Herrschers, der zwischen dem christlichen Westen und dem seit dem Fall Konstantinopels im Jahr 1453 immer mächtiger werdenden Osmanischen Reich gefangen war. Das damalige Europa befand sich im Umbruch, und die Walachei lag an der Grenze zweier gegensätzlicher Gesellschaften.
Samstag, 31.10. (Reformationstag) / 22:30 Uhr / Warum lieben wir Horror? – Die Antwort auf fast alles
Schwerpunkt: Grenzenlos gruselig: Halloween bei ARTE
Dokumentationsreihe, Deutschland, 2025, BR 30 Min.
Regie: Beate Brehm, Florian Heinhold
Online verfügbar von 05/12/2025 bis 03/07/2029
Warum lieben wir Horror und wie funktioniert „Angstlust“? Beim Anschauen von Horrorfilmen durchlebt der Mensch eine intensive Achterbahn der Gefühle – es geht um die Balance zwischen Schreck und Sicherheit, den „Sweet Spot“ zwischen harmlos und schockierend. Erste Studien in Aarhus zeigen sogar auf: Wer regelmäßig Horror genießt, entwickelt eine bessere Stressresistenz.
Angst ist eine der stärksten menschlichen Emotionen, soll uns schützen – und doch genießen viele von uns genau dieses Gefühl beim Anschauen von Horrorfilmen. Die körperlichen Reaktionen beim Blick auf Monster, Zombies oder erfundene Massenmörder sind messbar und die gleichen wie bei echter Gefahr: Schwitzen, beschleunigter Herzschlag, schnelle Atmung.
Aber warum tun wir uns das an? Die Psychologie spricht von sogenannter Angstlust: Wir erleben eine intensive emotionale Achterbahnfahrt, nach dem Schrecken folgt die wohltuende Erleichterung – ein Endorphinrausch, der Körper und Geist entspannt. Kein Wunder, dass Grusel seit Jahrhunderten fester Bestandteil unserer Kultur ist. Forschende gehen davon aus, dass wir, wenn wir uns in Sicherheit ängstigen, unseren Umgang mit dem Gefühl der Angst trainieren können. Wie in einer Mini-Expositionstherapie lernen wir, mit dem unangenehmen Gefühl umzugehen, während wir in Sicherheit auf dem Sofa sitzen. Erste Studien des ʺRecreational Fear Labʺ im dänischen Aarhus legen sogar nahe: Wer regelmäßig Horror genießt, entwickelt eine bessere Stressresistenz. Doch auch das Maß ist entscheidend: Wer es übertreibt, riskiert Schlaflosigkeit und Alpträume.
Samstag, 31.10. (Reformationstag) / 23:05 Uhr / Zombies: Faszination der Untoten
Schwerpunkt: Grenzenlos gruselig: Halloween bei ARTE
Dokumentation, Deutschland, 2025, ZDF 51 Min.
Regie: Isabel Hahn, Alexandra Hardorf
Online verfügbar von 24/10/2026 bis 22/01/2027
Erstausstrahlung
Zombies erwecken Angst und Grauen und zählen doch zu den beliebtesten Monstern der Popkultur. Woher kommt diese Faszination für die Untoten? Vermutlich, weil sie Menschen den Spiegel vorhalten, Dinge offenbaren, vor denen sie Angst haben. Sogar in sich selbst. Eine Reise durch die Geschichte des Zombie-Films: von George A. Romeros Ur-Zombie bis zum rasenden Blockbuster-Schrecken.
Zombies erschrecken und faszinieren uns zugleich – Zombiefilme boomen. Woher kommt unsere Faszination für die Untoten? Die Dokumentation reist vom westafrikanischen Totengeist und den Voodoo-Legenden Haitis zum Umbruch im Kino der 1960er Jahre, als George A. Romero mit „Die Nacht der lebenden Toten“ den modernen Zombie erschuf. Seitdem wandelt sich die Figur vom schlurfenden Menschenfresser zum rasenden Blockbuster-Monster, das ganze Zivilisationen bedroht – und manchmal wieder fast menschlich erscheint.
Mit Filmklassikern, Behind-the-scenes-Material und persönlichen Geschichten aus Hollywood und der Independent-Szene zeigt die Dokumentation, warum der Zombie zeitlos ist: Er spiegelt unsere Ängste, Krisen und Wünsche. Der Horror der Gegenwart bietet Filmemachern ein unerschöpfliches Spielfeld.
Der amerikanische Maskenbildner und Regisseur Greg Nicotero („The Walking Dead“) gewährt beim „The Living Dead Weekend“ in Pittsburgh Einblicke in seine Arbeit. In Berlin lädt die deutsche Filmemacherin Shamila Lengsfeld einen Zombie-Darsteller zum Testdreh und bearbeitet das Material mit KI.
Das Genre reicht weit über Horror hinaus. In „Resident Evil“ (2002) wird Milla Jovovich zur Action-Ikone und folgt damit Lori Cardille, die in Romeros „Day of the Dead“ (1985) eine frühe starke Frauenrolle verkörperte. Romero sowie die Filmexperten Marcus Stiglegger und Benjamin Rubin erläutern, wie sich der Zombie vom kolonialen Opfer zum Symbol für Konsum, Identität und gesellschaftliche Konflikte wandelte. Zombies sind zwar untot – aber sie erzählen mehr über die Lebenden als über die Toten.
Samstag, 31.10. (Reformationstag) / 00:40 Uhr / Helloween – Summer Breeze Open Air 2026
Schwerpunkt: Grenzenlos gruselig: Halloween bei ARTE
Musik, Deutschland, 2026, ZDF 60 Min.
Regie: Yves Zosso
Online verfügbar von 31/10/2026 bis 29/01/2027
Erstausstrahlung
„Helloween“ sind eine Metal-Ausnahmeerscheinung: Mit drei Sängern und drei Gitarristen im Line-up machen die Hamburger live gewaltigen Druck und begeistern mit starken Melodien. Die „Keeper of the Seven Keys“-Alben sind längst Kult prägende Werke des Genres. 2026 feierte die Band beim Summer Breeze Open Air mit einem aufsehenerregenden Headliner-Auftritt ihre Festival-Premiere.
„Helloween“ haben den Power Metal geprägt wie kaum eine andere Band. Als sich Ende der 80er ihre Kult-Alben „Keeper of the Seven Keys Part I“ und „Part II“ ihren Weg durch die Metal-Szene bahnten, war schnell klar, dass hier etwas Größeres entsteht: schnelle Gitarren, große Melodien, hohe Gesangslinien und Songs, die bis heute zum festen Bestand des Genres gehören.
Die beiden „Keeper“-Alben wurden zu musikalischen Blaupausen und machten „Helloween“ international bekannt.
Dass die Band auch nach vier Jahrzehnten zur Speerspitze des Genres gehört, liegt nicht zuletzt an ihrer außergewöhnlichen Besetzung: mit Michael Kiske, Andi Deris und Kai Hansen stehen inzwischen drei Sänger am Mikrophon, dazu kommen mit Hansen, Michael Weikath und Sascha Gerstner drei Gitarristen. Diese Konstellation bringt nicht nur die verschiedenen Epochen der Band zusammen, sondern macht „Helloween“ live zu einer regelrechten Metal-Maschine. Klassiker treffen auf Songs aus der späteren Bandgeschichte und einer leidenschaftlichen und vielschichtigen Live-Performance.
Helloween“ sind auf den größten Bühnen der weltweiten Metal-Szene unterwegs. 2026 spielte die Formation nun endlich auch ihre lang ersehnte Premiere vor 50.000 Fans auf der Main Stage des Summer Breeze Open Airs. In einer warmen Sommernacht wurde erneut Gitarren-lastige Musikgeschichte geschrieben.
Sonntag, 01.11. (Allerheiligen) / 07:40 Uhr / Legendäre Liebespaare des Kinos: Ingrid Bergman und Roberto Rossellini
Dokumentation, Frankreich, 2018, ARTE F 52 Min.
Regie: Bertrand Tessier
Wiederholung vom 25.10.2026
Sonntag, 01.11. (Allerheiligen) / 09:25 Uhr / Universitäten der Welt: Die Sorbonne
Dokumentationsreihe, Deutschland, Frankreich, 2026, NDR 26 Min.
Regie: Sabine Carbon, Felix Oehler
Online verfügbar von 30/10/2026 bis 28/01/2027
Erstausstrahlung
Die Sorbonne zählt zu den ältesten Universitäten der Welt. Bis heute verteidigt sie das Konzept der klassischen Bildung. Sie ist ein Mythos, zu dem auch das Quartier Latin zählt. Die Dokumentation macht Lust, an der Sorbonne zu studieren und durch das Quartier Latin zu flanieren, auf den Spuren von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir.
Wer an die Sorbonne denkt, denkt an Victor Hugo, Marie Curie, Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre – und die historischen Gebäude im Pariser Quartier Latin. Doch auch in deren Umfeld gibt es studentisches Leben: Manche Seminare werden im Jardin du Luxembourg abgehalten; eine Doktorarbeit wird auch mal in einem der nahe gelegenen Cafés besprochen. Eine Zeremonie zur Verleihung von Ehrendoktorwürden wird allerdings in den prächtigen Hallen und Sälen des Hauptgebäudes begangen. Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie hebt in ihrer Ansprache auch die französischen Spezialitäten hervor.
Amerikanische Studierende sind begeistert von dem kulturellen Angebot, das ihnen die Stadt Paris bietet. Und davon, dass das Studium hier trotz aller Exzellenzen fast nichts kostet. Nur eine Wohnung zu finden, das ist ein Kunststück in Paris. Studierendenproteste gibt es schon allein aus diesem Grund immer wieder.
Die Studentenbewegung der 1960er Jahre brachte Frankreich an den Rand des Ausnahmezustands. Danach brach die Sorbonne sprichwörtlich auseinander, verschiedene Einzelinstitutionen entstanden, von denen einige heute wieder „Sorbonne“ im Namen tragen: unter anderem die Université Sorbonne Nouvelle von Stararchitekt Christian de Portzamparc.
Sonntag, 01.11. (Allerheiligen) / 17:00 Uhr / Giuseppe Verdi: Requiem
Mailänder Scala 2026
Musik, Italien, Frankreich, 2026, ARTERAI 90 Min.
Komponist: Giuseppe Verdi
Dirigent: Riccardo Chailly
Orchester: Orchestra del Teatro alla Scala
Chorleitung: Alberto Malazzi
Chor: Coro del Teatro alla Scala
Mit: Ekaterina Gubanova (Mezzosopran), Fabio Sartori (Tenor), Michele Pertusi (Bass), Anna Netrebko (Sopran)
Erstausstrahlung
Seit 2015 zeichnet Riccardo Chailly verantwortlich für den musikalischen Klang der Mailänder Scala. Gut zehn Jahre später tritt er aus gesundheitlichen Gründen zurück. Für sein letztes Konzert als Chefdirigent des Orchesters des legendären Opernhauses wählt er, ganz symbolisch, das spektakuläre Requiem von Giuseppe Verdi. Unter den Solisten: Anna Netrebko und Ekaterina Gubanova
Riccardo Chailly ist einer der gefragtesten Dirigenten der Welt. Seit fast 50 Jahren steht der ehemalige Assistent von Claudio Abbado den besten Orchestern des europäischen Kontinents vor, vom Royal Concertgebouw Amsterdam bis zum Gewandhausorchester Leipzig und dem Lucerne Festival Orchestra. 2015 kehrte er in seine italienische Heimat zurück und übernahm den Posten des Musikdirektors der Mailänder Scala. Für sein letztes Konzert als Chefdirigent des Mailänder Opernhauses im Dezember 2026 hat der Maestro ganz symbolisch Giuseppe Verdis Requiem auf den Spielplan gesetzt.
Giuseppe Verdis „Messa da Requiem“ stieg insbesondere dank seiner dramatischen Sequenz „Dies irae“ zu einem Klassiker der Konzertliteratur auf. Verdi komponierte die Totenmesse 1873 im Gedenken an Alessandro Manzoni, den großen italienischen Dichter. Wie Verdi selbst war Manzoni eine Persönlichkeit des Risorgimento, der italienischen Einigungs- und Unabhängigkeitsbewegung. Uraufgeführt wurde es am 22. Mai 1874, Manzonis erstem Todestag.
Vier Interpreten von Weltrang, die langjährige Wegbegleiter von Riccardo Chailly sind, übernehmen die Soloparts des Abschiedskonzerts: Anna Netrebko, Ekaterina Gubanova, Fabio Sartori und Michele Pertusi. Anna Netrebko hat unter Chailly gleich vier Mal die Saison der Scala eröffnet, als Giovanna d’Arco (2015), als Tosca (2019), als Lady Macbeth (2021) und als Elisabetta di Valois (in „Don Carlo“, 2023).
Sonntag, 01.11. (Allerheiligen) / 20:15 Uhr / Rebecca
Schwerpunkt: Grenzenlos gruselig: Halloween bei ARTE
Spielfilm, USA, 1940, ARTE F 125 Min.
Regie: Alfred Hitchcock
Drehbuch: Joan Harrison, Robert E. Sherwood
Autor:in: Daphne du Maurier
Produktion: Selznick International Pictures
Produzent: David O. Selznick
Kamera: George Barnes
Schnitt: W. Donn Hayes, Hal C. Kern, James E. Newcom
Musik: Franz Waxman
Mit: Joan Fontaine (Mrs. de Winter), Laurence Olivier (Maxim de Winter), George Sanders (Jack Favell), Judith Anderson (Mrs. Danvers), Reginald Denny (Frank Crawley), Florence Bates (Mrs. Van Hopper), Nigel Bruce (Major Giles Lacy), C. Aubrey Smith (Colonel Julyan), Leo G. Carroll (Dr. Baker)
In Monte Carlo lernt die Amerikanerin Joan Fontaine den Witwer Maxim de Winter kennen. Die beiden verlieben sich ineinander und heiraten spontan. Der britische Adelige zieht mit seiner jungen Ehefrau auf den Familiensitz Manderley an der rauen Küste Cornwalls. Hier führt die Haushälterin Mrs. Danvers das Regiment. Sie lässt die neue Ehefrau deutlich spüren, dass sie in ihren Augen niemals an ihre Vorgängerin, die verstorbene Rebecca de Winter, heranreichen wird. Maxim dagegen verweigert jedes Gespräch über seine erste Frau. Doch als in einer stürmischen Nacht das Wrack einer Jacht gefunden wird, fördert dies schockierende Neuigkeiten über Rebeccas Ableben zutage. Denn auf Manderley ist nichts, wie es scheint …
Hitchcocks erster Hollywoodfilm basiert auf dem gleichnamigen Buch von Daphne du Maurier. Über die wahren Umstände von Rebeccas Tod rätselten selbst Hitchcock-Kenner wie François Truffaut, zumal Film und Romanvorlage hier deutlich voneinander abweichen.
Der Psychothriller brachte Hitchcock 1941 die erste seiner insgesamt fünf Oscarnominierungen als bester Regisseur ein. Mit dem Academy Award ausgezeichnet wurden schließlich Produzent David O. Selznick und der Kameramann George Barnes. 1951 eröffnete „Rebecca“ die allererste Berlinale. Auch außerhalb des Filmgeschäfts war „Rebecca“ einflussreich: Für die zeitlos klassische Strickjacke, wie sie Joan Fontaine am Strand trägt, hat sich im Spanischen das Wort „la rebeca“ eingebürgert. Und auch die Psychologie kennt ein „Rebecca-Syndrom“, das auftritt, wenn eine Partnerin im Schatten ihrer Vorgängerin steht.
Sonntag, 01.11. (Allerheiligen) / 22:20 Uhr / Mr. und Mrs. Hitchcock
Dokumentation, Frankreich, 2018, ARTE F 54 Min.
Regie: Laurent Herbiet
Vom Film bis zum Privatleben haben sie alles geteilt: Alfred Hitchcock und Alma Reville. Die Liebesgeschichte der beiden ist untrennbar mit ihrem gemeinsamen Werk verbunden. Alma ist Mutter von Hitchcocks Tochter, seine Mitarbeiterin und Seelenverwandte. Die Hitchcock-Biografie zeigt, dass der Filmemacher sein Werk in Wirklichkeit nicht alleine geschrieben hat.
Spannung, Nervenkitzel, Serienmörder, Psychopathen aller Art und eine Vorliebe für kühle Blondinen – das ist es, was viele mit Alfred Hitchcock verbinden. Als „Master of Suspense“ hat er die Lust an der Angst zu seinem Markenzeichen gemacht. Hitchcock war ein faszinierender Leinwandmagier und auch ein Fernsehstar, der komische wie furchteinflößende Effekte gleichermaßen beherrschte. Doch was weiß man über den Menschen hinter der berühmten Silhouette? Bei seinem letzten öffentlichen Auftritt dankte Hitchcock der Frau, die für ihn alles war: Ehefrau, Mutter der gemeinsamen Tochter, Ko-Drehbuchautorin, Cutterin und lebenslange Partnerin – Alma Reville.
Hinter dem Namen Hitchcock verbargen sich in Wahrheit zwei Persönlichkeiten: Hitch und Alma. Von ihrer ersten Begegnung an bis zum Ende ihres Lebens arbeiteten sie eng zusammen und schufen in echter Gemeinschaftsarbeit Meisterwerke, die Filmgeschichte schrieben. Zwischen den beiden herrschte von Anfang an großes Vertrauen: Er begann einen Satz, sie vollendete ihn; er hatte eine Idee für einen Plot, sie entwickelte sie weiter. Auch bei der berühmten Duschszene in „Psycho“ war Alma maßgeblich am Schnitt beteiligt.
Neben Alma war Hitchcock als Regisseur vor allem von einer weiteren Frauenfigur fasziniert: der jungen, schönen und oft undurchsichtigen Blondine, beispielhaft verkörpert von Grace Kelly in „Bei Anruf Mord“, „Das Fenster zum Hof“ oder „Über den Dächern von Nizza“. In vielen Filmen scheint Hitchcock auf den ersten Blick das klassische Motiv der schutzbedürftigen Frau zu bedienen. Doch häufig sind seine weiblichen Figuren den Männern überlegen und wenden das Geschehen am Ende zu ihren Gunsten. „Mr. und Mrs. Hitchcock“ rückt den legendären Regisseur durch diesen besonderen Blickwinkel in ein neues Licht.
Sonntag, 01.11. (Allerheiligen) / 23:15 Uhr / Schostakowitsch, Symphonie in Rot
Dokumentation, Frankreich, 2025, ARTE F 57 Min.
Regie: Philippe Picard, Jérôme Lambert
Online verfügbar von 25/10/2026 bis 30/01/2027
Zum 120. Geburtstag von Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) blickt die Dokumentation auf Leben und Werk des großen Komponisten. In seiner 50-jährigen Laufbahn komponierte er 15 Symphonien, erneuerte die Kunst des Quartetts und schuf Filmmusik. Er wurde verehrt und von der Tyrannei seiner Zeit zerrieben. Sein Schicksal ist mit der Geschichte Russlands und der UdSSR eng verbunden.
Dmitri Schostakowitsch war im besten Sinne des Wortes populär – sein „Walzer Nr. 2“ zählt beispielsweise bis heute zu den meistgespielten klassischen Stücken. Zugleich steht er für eine völlig neue musikalische Sprache. Seine im Alter von 19 Jahren komponierte erste Symphonie verschaffte ihm sofort internationale Anerkennung. In seiner rund 50-jährigen Laufbahn komponierte er drei Opern und 15 Symphonien, erneuerte die Kunst des Quartetts und schuf Filmmusiken von einzigartiger Kraft.
Doch um im totalitären Sowjetstaat überleben zu können, musste sich der Ausnahmemusiker mit dem Regime arrangieren. 1936 erregte seine Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ das Missfallen Josef Stalins, woraufhin er in Ungnade fiel. Aus Angst, verhaftet zu werden, führte Schostakowitsch fortan ein musikalisches Doppelleben: Neben offiziellen, den Machthabern genehmen Kompositionen setzte er sein innovatives Werk im Verborgenen fort. Dmitri Schostakowitsch erlebte Triumphe und Niederlagen, Ruhm und Schmach.
Wegbegleiter wie der Dirigent Thomas Sanderling, die Pianistin Ludmila Berlinskaya und die Cellistin, Musikwissenschaftlerin und Schostakowitsch-Biografin Elizabeth Wilson erzählen aus dem Leben des Komponisten, das im zaristischen Russland begann und 1975 unter Leonid Breschnew endete. Sie schildern die Bedrängnis eines Mannes, der allein seiner Kunst verpflichtet war und dafür einen hohen Preis zahlte. Archivmaterial, historische Aufzeichnungen und zeitgenössische Aufnahmen bieten Zugang zu seiner Musik, die von innerer Freiheit beseelt ist – allen Widrigkeiten zum Trotz.
Sonntag, 01.11. (Allerheiligen) / 00:15 Uhr / Schostakowitsch: Symphonie Nr. 7 „Leningrader“
Gewandhaus, Leipzig
Musik, Deutschland, 2025, MDR 84 Min.
Regie: Michael Beyer
Komponist: Dmitri Schostakowitsch
Dirigent: Andris Nelsons
Orchester: Gewandhausorchester Leipzig, Boston Symphony Orchestra
Online verfügbar von 01/11/2026 bis 30/01/2027
2025 gedenkt die Musikwelt des 50. Todestages von Dmitri Schostakowitsch. Das Gewandhausorchester widmet dem großen russischen Komponisten ein ganzes Festival, bei dem fast alle Instrumentalwerke erklingen. Ein Höhepunkt ist die gemeinsame Aufführung der „Leningrader Symphonie“ durch das Gewandhausorchester Leipzig und das Boston Symphony Orchestra, dirigiert von Andris Nelsons.
Dmitri Schostakowitschs 7. Symphonie gehört zu den bekanntesten Beispielen politisch-ideologisch aufgeladener Werke in der Musikgeschichte. „Ich widme meine 7. Symphonie unserem Kampf gegen den Faschismus, unserem unabwendbaren Sieg über den Feind, und Leningrad, meiner Heimatstadt“, wurde Schostakowitsch in der „Prawda“ zitiert. Von einer Glorifizierung von Kampf und Sieg ist in der Musik kaum etwas zu spüren, doch hat Schostakowitsch die Symphonie während der Belagerung Leningrads durch die deutschen Nationalsozialisten komponiert. Für die Propagandisten im Kreml eine Gelegenheit, die Musik für ihre Zwecke zu nutzen: Schnell wurde das Stück zum Symbol des antifaschistischen Widerstands – nicht nur in der Sowjetunion, auch in den USA.
Die sowjetische Propaganda beschrieb das sich immer drängender entfaltende Bolero-Thema im ersten Satz als die herannahende Aggression der deutschen Nazi-Barbaren. Dabei hatte Schostakowitsch das Invasionsthema als Skizze für eine Passacaglia bereits vor dem Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion komponiert.
Aber Schostakowitsch widersprach nicht. Erst in seinen Memoiren schrieb er: „Mit Gedanken an die Siebte beschäftigte ich mich schon vor dem Krieg. Sie war daher nicht das bloße Echo auf Hitlers Überfall. (…) Ich empfinde unstillbaren Schmerz um alle, die Hitler umgebracht hat. Aber nicht weniger Schmerz bereitet mir der Gedanke an die auf Stalins Befehl Ermordeten. Ich trauere um alle Gequälten, Gepeinigten, Erschossenen, Verhungerten.“
Aufzeichnung vom 23. Mai 2025 auf dem Schostakowitsch Festival Leipzig
Sonntag, 01.11. (Allerheiligen) / 01:40 Uhr / Barking in the Dark
Kurzfilm, Frankreich, 2025, ZDF 42 Min.
Regie: Marie Losier
Drehbuch: Marie Losier
Produktion: Barberousse Films
Produzent: Mathilde Delaunay
Kamera: Victor Zébo, Marie Losier
Schnitt: Laure Saint-Marc
Online verfügbar von 13/12/2025 bis 30/06/2027
Marie Losier entführt in die geheimnisvolle und unklassifizierbare Welt der Band The Residents, die seit über 50 Jahren als Symbolfiguren der amerikanischen Avantgarde-Musik gelten. Das Kultkollektiv, das sich hinter ikonischen Kostümen verbirgt, revolutionierte mit klanglichen Experimenten und gewagter visueller Ästhetik die Underground-Szene.
Sonntag, 01.11. (Allerheiligen) / 02:25 Uhr / Louise Bourgeois: Skulptur und Provokation
Dokumentation, Frankreich, 2024, ARTE F 56 Min.
Regie: Marie-Ève de Grave
Online verfügbar von 20/10/2026 bis 30/01/2027
Die französisch-amerikanische Künstlerin Louise Bourgeois ist vor allem für ihre großformatigen Skulpturen und Installationen bekannt. Diese sind von eigenen Erinnerungen und Kindheitstraumen inspiriert. Anhand von persönlichen Aufzeichnungen, Auszügen aus Briefwechseln und Louise Bourgeois‘ eigenen Worten zeichnet die Dokumentation ein nuanciertes Bild von ihrem Werk.
Louise Bourgeois (1911-2010) zählt zu den einflussreichsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. In einer fortwährenden Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien und Techniken schuf sie ein starkes Œuvre. Ob als Künstlerin oder Frau – ihre gesamte Existenz war von einer schier unerschöpflichen Tat- und Schaffenskraft geprägt. Dabei verzichtete Bourgeois auf jegliche Attitüde und offenbarte vielmehr ihre Zerbrechlichkeit wie kaum eine Künstlerpersönlichkeit vor ihr. Dieses dem Schöpferdrang gewidmete Leben erzählt die Dokumentation in den Worten und mit der Stimme der Bildhauerin.
Ihr Werk ist stark autobiografisch geprägt: Unentwegt verarbeitete und sublimierte Bourgeois Kindheitsverletzungen und Traumen der Vergangenheit. Wiederkehrende Motive sind ihr gebrochenes Verhältnis zu Männlichkeit, Sexualität, Mutterschaft und Exil. Zu ihren berühmtesten Kunstwerken zählen „Maman“, „Crouching Spider“ und „The Cells“.
Die Persönlichkeit von Louise Bourgeois, ihr Sinn für Humor und kritischer Geist sorgten immer wieder für Aufsehen. Berühmt wurde Robert Mapplethorpes Foto „Fillette“, das die Künstlerin mit einem riesigen Latex-Phallus zeigt, den sie grinsend unter dem Arm trägt.
Mit Hilfe von Auszügen aus ihrer Korrespondenz und unveröffentlichten Tagebüchern zeichnet der Film das Porträt dieser vom Exil gezeichneten Frau, die zeitlebens die Kunst als Auseinandersetzung mit dem Intimen verstand. Aus ihren Gefühlen, Zweifeln und Ängsten bezog Bourgeois Kraft und Inspiration. 1999 erhielt sie für ihr Lebenswerk den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig.
Montag, 02.11. / 21:40 Uhr / Hildegard Knef – So oder so ist das Leben
Dokumentation, Deutschland, 2025, SWR 55 Min.
Regie: André Schäfer
Online verfügbar von 02/11/2026 bis 31/01/2027
Anlässlich des 100. Geburtstags von Hildegard Knef 2025 blickt die Dokumentation auf ihr bewegtes Leben zwischen Berlin und Hollywood. Mit Interviews, Archivaufnahmen, Konzerten und Filmausschnitten zeichnet die Dokumentation das Porträt einer Künstlerin, die zum Spiegel ihrer Zeit wurde – zwischen Nachkriegsdeutschland, öffentlichen Erwartungen und medialer Inszenierung.
Hildegard Knef war vieles: Schauspielerin, Sängerin, Autorin, sozialliberales Vorbild, Schwulenikone. Zum 100. Geburtstag der Ausnahmekünstlerin blickt der Film zurück auf ihr bewegtes Leben zwischen Berlin, New York und Hollywood – ein Leben, das Spiegel ist für das Nachkriegs- und das geteilte Deutschland, für die Lebendigkeit, Widersprüchlichkeit und Sensationsgier unserer Gesellschaft und die sie anfeuernden Medien.
Gezeigt werden zahlreiche Originalinterviews mit Hildegard Knef, Ausschnitte aus Spielfilmen wie „Die Mörder sind unter uns“ und „Die Sünderin“, Konzertmitschnitte, die ihre bis heute beeindruckende Bühnenpräsenz belegen, sowie Fernsehberichte aus Berlin, New York und anderen Stationen ihrer Karriere.
Neben Hildegard Knef selbst kommen Freunde, Verwandte, Kollegen, Zeitzeugen und Journalisten zu Wort: Knefs Tochter Christina Palastanga-Gardiner, ihr letzter Ehemann Paul von Schell, der „taz“-Journalist Jan Feddersen, Knefs langjähriger Visagist René Koch, die Musikerin Mieze Katz – die ein Duett mit Knef eingesungen hat – und Tim Fischer, der mit ihren Liedern auf Tournee geht. Außerdem: der Filmwissenschaftler Markus Neumann sowie ihr letzter Manager und Nachlassverwalter Thomas Jost.
Die Dokumentation porträtiert keine makellose Ikone, sondern eine ambivalente, vielschichtige Frau, die sich zeitlebens dem Erwartungsdruck widersetzte – und doch zur Projektionsfläche wurde.
Freitag, 06.11. / 22:00 Uhr / „Hallelujah“: Leonard Cohen, ein Leben, ein Lied
Dokumentarfilm, USA, 2021, ZDF 111 Min.
Regie: Dayna Goldfine, Dan Geller
Online verfügbar von 06/11/2026 bis 06/12/2026
Der Film beleuchtet das Leben und Schaffen des Singer-Songwriters Leonard Cohen anhand seines Liedes „Hallelujah“. Erst nach fünf Jahren und 150 Überarbeitungen war er zufrieden damit. Columbia Records wollte sein Opus magnum nicht veröffentlichen. Erst mit Hilfe der Coverversionen von John Cale, Bob Dylan und Jeff Buckley schaffte es der Song in die Charts.
Philosoph und Poet, Suchender und Fragender, Frauenschwarm und Mönch: Leonard Cohen war eine vielseitige Persönlichkeit. Das machte ihn zu einem großartigen Songwriter. Mit „Hallelujah“ verband Cohen viele Jahre spiritueller Sinnsuche. Doch als er nach mehr als 150 Überarbeitungen endlich mit seinem Opus magnum zufrieden war, entschied sein Hauslabel Columbia Records, das Album in Amerika nicht zu veröffentlichen.
Was Cohen zunächst in eine tiefe Schaffenskrise stürzte, entpuppte sich als Beginn seiner großen Songwriter-Karriere. Sein „Hallelujah“ war nicht mehr aufzuhalten und schaffte es mit Hilfe von Coverversionen von John Cale, Bob Dylan und Jeff Buckley bis auf Platz eins der Charts. Als im Film „Shrek – Der tollkühne Held“ eine eigene Version des Songs auftauchte, war sein Erfolg nicht mehr zu bremsen. Inzwischen gilt Leonard Cohens „Hallelujah“ als Hymne, die generationenübergreifend die Herzen der Menschen berührt.
Mit einer großen Fülle von bisher unveröffentlichtem Archiv- und Interviewmaterial zeichnet das US-amerikanische Regie-Duo Dayna Goldfine und Dan Geller ein vielschichtiges Porträt des Schöpfers des weltberühmten Songs.
„‚Hallelujah‘: Leonard Cohen, ein Leben, ein Lied“ verbindet zahlreiche Konzertausschnitte, vom Beginn seiner Karriere bis zu seinem letzten Auftritt, mit Interviews seiner Wegbegleiter. Zu Wort kommen seine langjährige Partnerin Dominique Issermann, sein Produzent John Lissauer und der Rabbi Mordecai Finley. Leonard Cohen selbst reflektiert über seinen Schaffensprozess, Sinnkrisen und das Göttliche.
Freitag, 06.11. / 23:55 Uhr / Leonard Cohen: Live in London
Musik, Großbritannien, 2010, ZDF 59 Min.
Regie: Edward Sanders
Online verfügbar von 05/11/2026 bis 04/02/2027
Seine Stimme ist unverwechselbar. Als der 73-jährige Leonard Cohen 2008 nach langer Konzertabstinenz wieder auf der Bühne steht, begeistert er seine Fans in der Londoner O2 Arena wie eh und je.
Leonard Cohen ist unvergessen, viele seiner wundervoll emotionalen Songs zählen zu den Klassikern der Popgeschichte. Sie gehen unter die Haut und zeugen von seiner spirituellen Suche nach dem Sinn des Menschseins angesichts von Katastrophen und des Leids, das Menschen über Menschen bringen.
Seine Stimme ist unverwechselbar. Als Leonard Cohen am 17. Juli 2008 im Alter von 73 Jahren nach einem mehrjährigen Aufenthalt in einem buddhistischen Kloster und dem Verlust seines Vermögens nach langer Konzertpause wieder auf die Bühne zurückkehrt, begeistert er die Fans in der Londoner O2 Arena mit seinem sanften Charme und leisen Witz. Auch seine größten Hits wie „Suzanne“, „Hallelujah“ oder „Dance Me to the End of Love“ stehen auf dem Programm der einstündigen Konzertfassung.
Freitag, 06.11. / 01:00 Uhr / Gilberto Gil
Pariser Philharmonie, 2023
Musik, Frankreich, 2023, ARTE F 110 Min.
Regie: David Daurier
Online verfügbar von 30/07/2026 bis 28/10/2026
Seit mehr als 60 Jahren prägt Gilberto Gil die brasilianische Musik wie kaum ein anderer. Als Mitbegründer der Tropicalismo-Bewegung revolutionierte er in den 1960er Jahren die Musikszene, indem er Bossa Nova mit Rock ’n’ Roll, Samba mit Soul und traditionelle Klänge mit avantgardistischen Einflüssen verband. Seine Musik ist zeitlos – politisch, poetisch und stets voller Lebensfreude. Mit Stücken wie „Aquele abraço“ oder „Refazenda“ wurde er zur Stimme Brasiliens, die weltweit gehört wird.
Im Oktober 2023 trat Gil in der Pariser Philharmonie auf – ein Konzert, das einmal mehr sein Können unter Beweis stellte. Begleitet von seinen Kindern und Enkelkindern Bem, José, João und Flor schuf er einen Abend voller musikalischer Intensität. Das Programm spannte einen Bogen von frühen Tropicalismo-Hymnen wie „Chiclete com banana“ über das funkige „Expresso 2222“ bis zu melancholischen Stücken wie „Ladeira da preguiça“ und „Viramundo“. Jeder Song zeigte eine andere Facette seines Schaffens: mal rhythmisch mitreißend, mal nachdenklich lyrisch, stets aber mit jener unnachahmlichen Wärme, die Gils Musik auszeichnet.
Das Publikum feierte den über 80-jährigen Musiker, der mit unverminderter Energie auf der Bühne stand. Besonders berührend waren die Momente, in denen die Familie Gil gemeinsam musizierte. Wer live dabei war, erlebte einen der großen Momente der Weltmusik: ein Konzert, das Gilberto Gils Status als lebende Legende einmal mehr bestätigt.
Aufzeichnung vom 25. Oktober 2023 aus der Pariser Philharmonie
Programmwoche 46:
Sonntag, 08.11. / 06:50 Uhr / Leonard Cohen: Live in London
Musik, Großbritannien, 2010, ZDF 59 Min.
Regie: Edward Sanders
Online verfügbar von 05/11/2026 bis 04/02/2027
Wiederholung vom 06.11.2026
Sonntag, 08.11. / 07:55 Uhr / Claude Monets Seerosen ~ Schönheit für die Ewigkeit
Dokumentation, Frankreich, 2025, ARTE F 52 Min.
Regie: Anne-Cécile Genre
Online verfügbar von 29/09/2026 bis 30/01/2027
Wiederholung vom 11.10.2026
Sonntag, 08.11. / 15:25 Uhr / John Lennons geheime Liebe: May Pang
Dokumentarfilm, USA, 2021, ZDF 86 Min.
Regie: Eve Brandstein, Richard Kaufman, Stuart Samuels
Online verfügbar von 23/10/2026 bis 22/12/2026
Wiederholung vom 23.10.2026
Sonntag, 08.11. / 16:55 Uhr / Émile Zola: Fotograf seines Lebens
Dokumentation, Frankreich, 2026, ARTE F 52 Min.
Regie: Daniel Ablin
Online verfügbar von 01/11/2026 bis 08/12/2026
Erstausstrahlung
Émile Zola, auf dem Höhepunkt seines literarischen Ruhms, entdeckte die Fotografie – und schuf fast 2.000 Bilder. Zwischen Privatleben, Dreyfus-Affäre und Exil in London dokumentierte er das moderne Paris und das industrielle London. Seine Aufnahmen, lange unveröffentlicht, zeigen den Schriftsteller als neugierigen Chronisten einer Epoche im Wandel.
Émile Zola war nicht nur einer der bedeutendsten Schriftsteller Frankreichs, sondern auch ein leidenschaftlicher Fotograf. Um 1891, mit 54 Jahren, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, entdeckte er die Kamera für sich – und fand darin eine neue Form der Freiheit. Zwischen der Dreyfus-Affäre und seinem literarischen Erfolg schuf er in nur acht Jahren fast 2.000 Fotografien, die ein einzigartiges Zeugnis seiner Zeit sind.
Zolas Bilder erzählen von einem Leben zwischen zwei Welten: seiner Ehefrau und der Mutter seiner beiden Kinder. Doch sein Blick reichte weit über das Private hinaus. Als Chronist des Wandels hielt er das moderne Paris fest – die pulsierende Metropole, den technischen Fortschritt, das urbane Treiben. Während seines Exils in London fotografierte er die von Industriesmog geprägte Stadt, die ihm als Zuflucht diente.
Für Zola war die Fotografie mehr als ein Hobby – sie war ein Experimentierfeld. Seine Aufnahmen zeigen seine Faszination für Innovation, Ästhetik und die Moderne. Lange blieben seine Bilder der Öffentlichkeit verborgen. Doch sie offenbaren eine unbekannte Seite des Schriftstellers: den neugierigen Beobachter, der mit der Kamera die Welt einfing und so den Blick auf eine Epoche im Umbruch erweiterte. Die Dokumentation zeigt diesen vielschichtigen Menschen – jenseits der Literatur, als Pionier der visuellen Erzählung.
Sonntag, 08.11. / 17:50 Uhr / Augustin Hadelich spielt Tschaikowskys Violinkonzert
Musik, Deutschland, 2026, BR 45 Min.
Regie: Grete Liffers
Komponist: Peter Iljitsch Tschaikowsky
Dirigent: Elim Chan
Orchester: Münchner Philharmoniker
Mit: August Hadelich (Violine)
Online verfügbar von 08/11/2026 bis 08/12/2026
Erstausstrahlung
Unter Streichern gilt Peter Tschaikowskys einziges Violinkonzert als technisch höchst anspruchsvoll. Violinist Augustin Hadelich und die Münchner Philharmoniker spielen Tschaikowskys Werk unter der Leitung der Dirigentin Elim Chan. Die Dokumentation begleitet Probenarbeiten und lässt die Entstehung einer Interpretation spürbar werden, die in einem grandiosen Konzert begeistert.
Etwa 300 Tage im Jahr ist Augustin Hadelich auf Konzertreisen rund um den Globus unterwegs – stets auf der Suche nach musikalischer Perfektion. Für ARTE gewährt der Geiger Einblicke in seine Arbeit und zeigt, wie eine Interpretation entsteht. „Augustin Hadelich spielt Tschaikowskys Violinkonzert“ begleitet den Musiker bei Proben und Aufführungen mit der Dirigentin Elim Chan und den Münchner Philharmonikern. Im Zentrum steht Peter Iljitsch Tschaikowskys einziges Violinkonzert, eines der bedeutendsten Werke der Violinliteratur.
Die Dokumentation verfolgt den Weg von der Probenarbeit bis zur Aufführung und beobachtet den künstlerischen Austausch zwischen Solist, Dirigentin und Orchester. So wird sichtbar, wie musikalische Entscheidungen entstehen und eine gemeinsame Interpretation Gestalt annimmt. Die Verbindung aus Konzertaufzeichnung und dokumentarischer Beobachtung eröffnet einen unmittelbaren Zugang zu einem Werk, das Musiker und Publikum seit Generationen begeistert.
Sonntag, 08.11. / 22:10 Uhr / Clint Eastwood, der Letzte seiner Art
Dokumentarfilm, Frankreich, 2022, ARTE F 77 Min.
Regie: Clélia Cohen
Online verfügbar von 20/04/2026 bis 30/12/2026
Als cooler Cowboy und zynischer Polizist spielte Clint Eastwood sich zunächst in die Herzen der Zuschauer, nicht aber der Kritiker. Mit einfühlsamen Meisterwerken wie „Die Brücken am Fluss“ gelang es ihm schließlich, sie als Schauspieler und Regisseur zu überzeugen. 70 Jahre vor und hinter der Kamera und immer noch aktiv: Clint Eastwood ist der Letzte seiner Art.
1959 beginnt Clint Eastwood, Sohn eines Stahlarbeiters aus San Francisco, seine beispiellose Karriere – als Cowboy in der Westernserie „Rawhide“. Weltbekannt wird er als unbarmherziger Rächer in Sergio Leones Italowestern „Für eine Handvoll Dollar“ (1964), „Für ein paar Dollar mehr“ (1965) und „Zwei glorreiche Halunken“ (1966) – sowie als knallharter Polizist in „Dirty Harry“ (1971).
Nach unzähligen Action-Rollen, meist als wortkarger Macho, zeigt Eastwood in den 1990er Jahren als Darsteller und Regisseur eine einfühlsame, komplexere Seite. In der melancholischen Romanze „Die Brücken am Fluss“ (1995) ist er der Liebhaber einer einsamen Farmersfrau, gespielt von Meryl Streep. Eastwood produziert den Film und führt selbst Regie. Mit dem Westernepos „Erbarmungslos“ (1992) und dem Box- und Sterbehilfedrama „Million Dollar Baby“ (2004) kommt er in Hollywood mit mehr als 60 Jahren schließlich zu den höchsten Ehren. Seine vier Oscars gewinnt er als Produzent und Regisseur mit diesen beiden Werken.
Fast jedes Jahr stellt er seitdem ein neues Regiewerk vor, darunter die Kriegsdramen „Letters From Iwo Jima“ und „Flags of Our Fathers“ (2006), den Politfilm „Invictus – Unbezwungen“ (2009), das Scharfschützendrama „American Sniper“ (2014) oder „Sully“ (2016) mit Tom Hanks als Pilot Chesley Sullenberger, dem 2009 eine spektakuläre Notwasserung gelang. 2021 kam „Cry Macho“ in die Kinos – mit Eastwood in der Hauptrolle und als Regisseur. Der 95-Jährige hat nichts von seiner Leinwandpräsenz eingebüßt: In „Cry Macho“ soll der Cowboy Mike Milo nach Mexiko reisen, um den Sohn seines Chefs zurück in die USA zu bringen – gegen den Willen von dessen alkoholsüchtiger Mutter.
In Hollywood genießt der Alt-Star längst Kultstatus. Sein Spätwerk beeindruckt. Eastwoods Gesicht erzählt eine bewegte Geschichte – und trug schon in jungen Jahren zwei seiner Markenzeichen: charakteristische Falten und ein verächtliches Lächeln im Mundwinkel. Ein Antlitz wie in Stein gemeißelt. Eastwood, so scheint es, war immer da. Er ist Teil der amerikanischen Geschichte – und einer ihrer letzten lebenden Legenden.
Der Dokumentarfilm erzählt Eastwoods Karriere wie einen spannenden Roman – mit allen Hindernissen, Brüchen und Wendungen. Anhand selten gezeigten Archivmaterials und zahlreicher Filmausschnitte zeichnet die Dokumentation sein beeindruckendes Gesamtwerk nach.
Sonntag, 08.11. / 23:30 Uhr / Tanz als Befreiung: Alvin Aileys amerikanisches Erbe
Dokumentarfilm, Frankreich, 2021, ARTE F 88 Min.
Regie: Jamila Wignot
Online verfügbar von 07/10/2026 bis 12/05/2027
Erstausstrahlung
Anhand seltener Archivbilder und bisher unveröffentlichter Tonaufnahmen beleuchtet der Dokumentarfilm den faszinierenden Werdegang von Alvin Ailey (1931–1989), einem Pionier des amerikanischen Modern Dance und einer bedeutenden Figur der afroamerikanischen Kultur.
Alvin Ailey wurde 1931 in Texas geboren, das damals von der Rassentrennung geprägt war. Doch aus diesen widrigen Umständen heraus schuf er eine der einflussreichsten Tanzkompanien der Welt: 1958 gründete er das Alvin Ailey American Dance Theater, eine Kompanie, die vor allem afroamerikanische Tänzerinnen und Tänzer beschäftigte und die Geschichten, Musik und Emotionen der schwarzen Community in den Mittelpunkt stellte.
Sein Meisterwerk „Revelations“ (1960) ist bis heute eine der meistaufgeführten Choreographien der Welt. Inspiriert von Aileys Kindheit in Texas, vereint es Spirituals, Gospel und Blues. Das Stück ist ein kulturelles Manifest, das Schmerz, Hoffnung und Widerstand in Bewegung übersetzt.
Regisseurin Jamila Wignot zeichnet das Porträt eines Ausnahmekünstlers, der mit seinem Werk nicht nur den amerikanischen Modern Dance beeinflusste, sondern auch gesellschaftliche Barrieren durchbrach. Aileys Leben war geprägt von Kämpfen – gegen Rassismus, für künstlerische Anerkennung und gegen persönliche Dämonen.
Mit Zeitzeugenberichten und Einblicken in Tanzproben unter der Leitung des zeitgenössischen Choreographen Rennie Harris zeigt der Dokumentarfilm, wie lebendig Aileys Erbe bis heute ist. Gefeiert wird einen Visionär, der den Tanz für immer veränderte – und dessen Botschaft von Freiheit, Identität und Menschlichkeit bis heute gültig ist.
Sonntag, 08.11. / 02:55 Uhr / Lino Ventura – Ganove mit Herz
Dokumentation, Frankreich, 2016, ARTE F 52 Min.
Regie: Philippe Kohly
Online verfügbar von 12/10/2026 bis 17/04/2027
Wiederholung vom 19.10.2026
Mittwoch, 11.11. / 23:20 Uhr / Jean Gabin: Filmstar und Mann mit Charakter
Filmreihe: Filme mit Jean Gabin
Dokumentation, Frankreich, 2026, ARTE F 60 Min.
Regie: Patrick Jeudy
Online verfügbar von 04/11/2026 bis 09/02/2027
Erstausstrahlung
1941 ging Jean Gabin ins Exil nach Hollywood, weil er nicht für die deutschen Besatzer drehen wollte. Er schloss sich den Widerstandsstreitkräften an und war Teil der Befreiung Frankreichs. 1945 verließ Gabin die Armee. Mit Archivaufnahmen und Zeitzeugnissen erzählt die Dokumentation die Geschichte des Engagements von Gabin, der vor fast 50 Jahren, am 15. November 1976, starb.
Zum 50. Todestag von Jean Gabin zeigt die Dokumentation ein wenig bekanntes Kapitel aus dem Leben des berühmten französischen Schauspielers, der sich unter seinem Geburtsnamen Jean Moncorgé dem französischen Widerstand anschloss.
1939 steht Gabin mit Filmen wie „Hafen im Nebel“, „Bestie Mensch“ und „Der Tag bricht an“ auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Bei Kriegsausbruch hat er gerade wieder mit Dreharbeiten begonnen. Er weigert sich, für die im besetzten Paris von Joseph Goebbels gegründete Produktionsfirma Continental Films zu arbeiten, und wandert 1941 in die USA aus. Dort begegnet er Marlene Dietrich. Sie werden eines der schillerndsten Liebespaare der Filmgeschichte. Doch das FBI überwacht Dietrich, weil es sie für eine Spionin hält, und auch Gabin wird der Sympathie mit dem Regime in Vichy verdächtigt.
In den USA dreht Gabin „Nacht im Hafen“ für die 20th Century Fox und „The Impostor“, eine Würdigung des gegen die NS-Besatzung kämpfenden Frankreichs. Doch die Leinwand reicht dem Schauspieler nicht mehr: Unter seinem Geburtsnamen Jean Moncorgé tritt er den Widerstandsstreitkräften bei.
Der Krieg prägte Gabin zutiefst. Nie wieder wollte er in einem Kriegsfilm spielen: „Krieg ist kein Kino“. Die Kriegserfahrung beeinflusste auch seine Art zu arbeiten, er blieb fortan demselben Filmstab treu.
Mit Archivaufnahmen, zum Teil unveröffentlichten Briefen und persönlichen Dokumenten aus dem Besitz der Familie Moncorgé zeigt Patrick Jeudy die Zeit des Engagements von Jean Gabin.
Donnerstag, 12.11. / 23:55 Uhr / „Der Widersacher“ von Emmanuel Carrère ~ Der Schriftsteller und der Mörder
Dokumentation, Frankreich, 2024, ARTE F 52 Min.
Regie: Camille Juza
Online verfügbar von 05/11/2026 bis 12/12/2026
Am 9. Januar 1993 ermordet Jean-Claude Romand seine Frau und seine beiden kleinen Kinder, wenig später auch seine Eltern. Der Versuch, seine ehemalige Geliebte und sich selbst zu töten, scheitert. Die polizeilichen Ermittlungen lassen innerhalb weniger Stunden eine auf Lügen und Betrug aufgebaute Fassade einstürzen: Romand war weder Arzt noch Experte der Weltgesundheitsorganisation, wie er jahrelang vorgab, und wenn er behauptete, auf Geschäftsreise oder auf einer Konferenz zu sein, schlug er die Zeit auf Autobahnraststätten oder mit Wanderungen tot.
Was damals durch die Presse ging, beschäftigte den französischen Schriftsteller Emmanuel Carrère so sehr, dass er beschloss, mit Romand Kontakt aufzunehmen. Er nahm an seinem Prozess teil, besuchte ihn. Über mehrere Jahre beschäftigte ihn die Frage, was Jean-Claude Romand wohl durch den Kopf ging, wenn er mit seiner Lebenslüge allein war. Aber kann man einem notorischen Lügner überhaupt die Wahrheit entlocken?
Zugleich fürchtet sich der Schriftsteller davor, sich in dem Manipulator wiederzuerkennen. Auch Carrères Ringen um seinen Platz in der Erzählung des Mordes und seine anfängliche Unfähigkeit, eine angemessene Erzählform zu finden, werden im Film beleuchtet. Er gibt fast auf, findet aber einen neuen Weg und schreibt seinen ersten Tatsachenroman, der zu einem Wendepunkt in seinem Schaffen wird.
„Der Schriftsteller und der Mörder“ erzählt von der ungewöhnlichen Beziehung zwischen Carrère und Romand und von der schwierigen Entstehungsgeschichte von Carrères Buch „Der Widersacher“, von dem über 800.000 Exemplare verkauft wurden.
Donnerstag, 12.11. / 00:50 Uhr / Schostakowitsch, Symphonie in Rot
Dokumentation, Frankreich, 2025, ARTE F 57 Min.
Regie: Philippe Picard, Jérôme Lambert
Online verfügbar von 25/10/2026 bis 10/02/2027
Wiederholung vom 01.11.2026
Freitag, 13.11. / 21:45 Uhr / Klaus Nomi ~ Sänger der dritten Art
Dokumentation, Frankreich, 2025, ARTE F 52 Min.
Regie: Thomas Boujut
Online verfügbar von 06/11/2026 bis 11/02/2027
Erstausstrahlung
Klaus Nomi, der deutsche Countertenor mit außerirdischem Look, revolutionierte in den 1980er Jahren die Popkultur – zwischen Barockoper und New Wave. Als einer der ersten prominenten Aids-Toten 1983 hinterließ er ein einzigartiges Erbe. Die Dokumentation erinnert an den queeren Visionär, dessen Einfluss bis heute nachhallt.
Mehr als 40 Jahre nach seinem Tod ist Klaus Nomi immer noch eine Ikone – ein Künstler, der Grenzen sprengte und die Popkultur für immer veränderte. Mit seiner sphärischen Countertenorstimme, die mühelos zwischen Bassbariton und opernhafter Höhe wechselte, und seinem retrofuturistischen Look aus Kunststoffkostümen und außerirdischem Make-up wurde er zum Pionier einer neuen Ästhetik. Nomi war nicht nur Sänger, sondern ein Gesamtkunstwerk, das Oper und New Wave verschmolz.
Die Dokumentation von Thomas Boujut porträtiert einen kompromisslosen Künstler, der in den Undergroundclubs des New Yorker East Village und an der Seite von David Bowie in „Saturday Night Live“ Geschichte schrieb. Mit seiner androgynen Erscheinung und seiner Musik brach er Geschlechterklischees auf und schuf einen Sound, der bis heute nachwirkt.
Doch Nomis Karriere war so kurz wie intensiv. 1983 starb er als einer der ersten prominenten Opfer an den Folgen von Aids – nur wenige Monate nachdem er mit seiner Interpretation von „The Cold Song“ die Musikwelt begeistert hatte. Der Film nähert sich dem Mythos durch die Erinnerungen seiner engsten Weggefährten: Joey Arias, sein Bühnenpartner, und Kristian Hoffman, sein musikalischer Leiter, erzählen von einem Künstler, der keine Kompromisse kannte.
Auch die Gegenwart holt der Film ein: Flora Fishbach und Christine and the Queens bezeugen, wie Nomis Erbe in ihrer eigenen Kunst weiterlebt. Mit seltenem Archivmaterial und eindringlichen Performances entsteht ein Porträt und eine Feier des Andersseins, der radikalen Kreativität und des Muts, sich nicht zu verstecken.
Freitag, 13.11. / 22:40 Uhr / Talking Heads – Stop Making Sense
Live at Pantages Theatre, 1983
Musik, USA, 1984, ARTE F 85 Min.
Regie: Jonathan Demme
Online verfügbar von 06/11/2026 bis 13/12/2026
Erstausstrahlung
„Stop Making Sense“ ist ein Meisterwerk des Konzertfilms: Die Talking Heads inszenieren 1983 ihr Album „Speaking in Tongues“ in einer einzigartigen Show. Mit minimalistischer Bühne, avantgardistischer Ästhetik und David Byrnes ikonischer Performance schuf Regisseur Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“) ein zeitloses Filmerlebnis.
Dezember 1983, Pantages Theatre in Hollywood: David Byrne betritt allein eine leere Bühne, legt eine Kassette ein und beginnt mit einer hypnotischen Version von „Psycho Killer“. Doch dies ist kein gewöhnliches Konzert. Mit jedem Song gesellt sich ein weiteres Mitglied der Talking Heads dazu – ein genialer Aufbau, der den Film „Stop Making Sense“ zu einem der einflussreichsten Konzertfilme aller Zeiten macht.
Regisseur Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“) verwandelte die Tournee zum Album „Speaking in Tongues“ in ein visuelles und musikalisches Spektakel. Mit acht Kameras, einem mobilen Studio und 24 Tonspuren fing er die Energie dreier ausverkaufter Shows ein. Doch was den Film so besonders macht, ist nicht nur die Technik, sondern die Inszenierung: Byrnes Idee, die Musiker als „Figuren“ zu behandeln, gibt dem Konzert eine narrative Struktur – wie eine Geschichte mit Anfang, Mitte und Ende.
Die Bühne ist minimalistisch, fast karg, doch die avantgardistische Beleuchtung und Byrnes exzentrische Choreographie – berühmt: der übergroße Anzug in „Girlfriend Is Better“ – schaffen eine einzigartige Atmosphäre. Die Band – Tina Weymouth (Bass), Chris Frantz (Schlagzeug) und Jerry Harrison (Gitarre) – liefert präzise, mitreißende Performances, während Byrne als charismatischer Frontmann die Show dominiert.
Die Talking Heads brachen mit Konventionen, und Demme setzte ihre Vision perfekt um. Bis heute gilt der Film als Maßstab und zeigt, wie Musik, Bild und Inszenierung zu einem Gesamtkunstwerk verschmelzen können.
Programmwoche 47:
Samstag, 14.11. / 19:40 Uhr / Tracks East ~ Kunst, Konzerte, Knast – Putins neue Härte
Magazin, Deutschland, 2026, ZDF 30 Min.
Online verfügbar von 08/11/2026 bis 10/10/2030
Erstausstrahlung
Kritische Äußerungen sind in Russland gefährlich. Das gilt sogar für die ausländische Presse. Das hat der US-amerikanische Journalist Evan Gershkovich erfahren müssen. Er erzählt von 491 Tagen Haft. Auch für Künstler ist es gefährlicher geworden, wenn sie öffentlich auffallen. Die Mitglieder der Petersburger Band Stoptime wurden mehrmals verhaftet und leben mittlerweile im Ausland.
In Russland gibt es ein ungeschriebenes Gesetz, nach dem die Repressionen vor den Wahlen nachlassen, um ein möglichst gutes Ergebnis für die Staatsparteien zu erzielen. Nach den Wahlen drohen dann wieder verschärfte Maßnahmen gegen unabhängige Medien sowie weitere Einschränkungen von Meinungs- und Kunstfreiheit. Aber schon vor den Wahlen lag die Zahl politisch motivierter Strafverfolgungen laut Memorial bei rund 500 neuen Fällen pro Quartal. Dabei werden zunehmend schwerwiegendere Vorwürfe wie Terrorismus und Sabotage genutzt.
Wie es sich in Wladimir Putins Gefängnissen anfühlt, hat der US-Amerikaner Evan Gershkovich am eigenen Leib erlebt. Der Journalist des Wall Street Journals wurde 2023 in Russland wegen angeblicher Spionage festgenommen und in einem geheimen Prozess zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Erst nach 491 Tagen Haft, im August 2024, kam er bei einem Gefangenenaustausch frei.
Bei „Tracks East“ spricht er über seine Erfahrungen und über sein neues Buch „Dieses verfluchte wunderschöne Land“. Darin erzählt er von seinem Alltag im Gefängnis, von den Verhören und wie er Russland vor seiner Verhaftung erlebt hat.
Wer mit Musik oder Kunst Kritik an der Regierung übt, riskiert oft, verhaftet zu werden. Davon erzählt die Mitglieder der Petersburger Band Stoptime: Nachdem ihre regimekritischen Straßenauftritte bekannt wurden, nahmen die Behörden die Musiker mehrfach fest. Schließlich verließen Mitglieder der Band Russland.
Samstag, 14.11. / 23:20 Uhr / David Bobée inszeniert Brahms: Ein deutsches Requiem
Mit Laurence Equilbey & Insula orchestra
Musik, Frankreich, 2026, ARTE F 86 Min.
Regie: Isabelle Soulard
Komponist: Johannes Brahms
Inszenierung: David Bobée
Dirigent: Laurence Equilbey
Orchester: Insula orchestra
Chor: accentus
Bühnenbild / Ausstattung / Bauten: David Bobée, Léa Jézéquel
Mit: Eleanor Lyons (Sopran), John Brancy (Bariton), Yingyu Lyu (Tänzerin), Salvatore Cappello (Akrobat), Jules Turlet (französischer Gebärdengesang)
Online verfügbar von 07/11/2026 bis 12/02/2027
Erstausstrahlung
Johannes Brahms‘ „Ein deutsches Requiem“ ist eines der bedeutendsten Chorwerke des 19. Jahrhunderts. Doch was passiert, wenn man es ohne religiösen Filter auf die Bühne bringt? Genau das wagen die Dirigentin Laurence Equilbey und der Regisseur David Bobée mit ihrer Neuinszenierung, in der das Stück als „Requiem für die Menschheit“ neu interpretiert wird.
Equilbey, Gründerin des renommierten Kammerchors accentus und des Insula orchestras, hat das Werk bereits im Jahr 2002 in einer wegweisenden Aufnahme für zwei Klaviere und Chor eingespielt. Jetzt kehrt sie mit der Orchesterversion auf historischen Instrumenten zurück – jedoch nicht als reine Konzertaufführung, sondern fast schon als szenische Oper. Zusammen mit Bobée, einem der profiliertesten Theaterregisseure Frankreichs, verwandelt sie Brahms‘ Musik in ein multidisziplinäres Spektakel aus Gesang, Tanz und Theater.
Das Besondere: Brahms schrieb sein Requiem auf Deutsch, nicht auf Latein, und nicht für die Kirche, sondern direkt für die Menschen. Es geht darin nicht um Erlösung im Jenseits, sondern um Trost im Hier und Jetzt: um Trauer, Verlust und den gesellschaftlichen Umgang mit diesen Themen.
Bobée und Equilbey spitzen diesen Gedanken noch zu: Ihr „Requiem für die Menschheit“ wird zur Momentaufnahme unserer Zeit, zur Reflexion über die Conditio humana. Dabei verzichtet die Inszenierung bewusst auf religiöse Symbolik. Stattdessen setzt sie auf universelle Bilder, die zeigen: Die Welt, die wir gestalten, existiert jetzt – ohne Aufschub und ohne Vertröstung auf jenseitige Heilsversprechen.
Samstag, 14.11. / 00:45 Uhr / Die Tochter des Papstes – Lucrezia Borgia
Dokumentation, Deutschland, 2024, ZDF 52 Min.
Regie: Cuini Amelio Ortiz
Online verfügbar von 14/11/2026 bis 12/02/2027
Es ist die unglaubliche, aber wahre Geschichte der Tochter eines skandalumwitterten Papstes, mit dem das Papsttum an einen nie mehr erreichten Tiefpunkt gelangte. Das Image der Lucrezia Borgia ist für viele denkbar schlecht: Als zügellose Sünderin, Beischläferin ihres Vaters und ihrer Brüder, Giftmörderin wird diese außergewöhnliche Schönheit beschrieben. Die Fantasie ihrer Feinde überschlägt sich: Sie soll einen Giftring getragen haben, der ihr dazu diente, sich ihrer Feinde schnellstmöglich zu entledigen. Die Gerüchte, die aus Lucrezia eine dämonische Femme fatale machen, entsprechen allerdings nicht der Wahrheit. Politische Gegner ihres Vaters, des Papstes Alexanders VI., setzen sie in die Welt, mit dem klaren Ziel, Lucrezias Familie, den Borgia zu schaden. Sie suchen sich das schwächste Opfer aus: eine Frau. Lucrezia lebte in einer der abenteuerlichsten, aber auch faszinierendsten Phasen der Renaissance.
Die Herrschaft ihres Vaters Rodrigo Borgias, Papst Alexanders VI., ist eine der spektakulärsten Epochen der Kirchengeschichte. Rodrigo war ein Papst, der sein Amt ausschließlich dazu nutzte, die Macht seiner Familie zu mehren. Er verheiratet seine Tochter nach politischer Opportunität, scheidet sie von dem ersten Ehemann und billigt die Ermordung des zweiten. Erst in ihrer dritten Ehe, weit weg von ihrem Vater, zeigt sie als Herzogin von Ferrara, was alles in ihr steckt. Als sie mit 39 Jahren stirbt, ist ihr Mann nicht zu trösten. Er hat eine Frau verloren, wie sie schöner, klüger, gebildeter und sittlicher kaum denkbar war – wie er seinem Bruder schreibt.
Sonntag, 15.11. / 06:35 Uhr / Hildegard Knef – So oder so ist das Leben
Dokumentation, Deutschland, 2025, SWR 55 Min.
Regie: André Schäfer
Online verfügbar von 02/11/2026 bis 31/01/2027
Wiederholung vom 02.11.2026
Sonntag, 15.11. / 07:35 Uhr / John Coltrane – Der Atem des Jazz
Dokumentarfilm, USA, 2016, ARTE F 95 Min.
Regie: John Scheinfeld
Online verfügbar von 21/09/2026 bis 21/09/2027
Wiederholung vom 09.10.2026
Sonntag, 15.11. / 17:00 Uhr / Paul Cézanne – Der Kampf für die Moderne
Dokumentation, Deutschland, 2025, ZDF 53 Min.
Regie: Grit Lederer
Online verfügbar von 23/09/2026 bis 22/12/2026
In Aix-en-Provence steht das Landhaus der Familie des Malers Paul Cézanne, die Bastide du Jas de Bouffan. Die Dokumentation erzählt, wie Cézanne an diesem Ort nach einem neuen Ausdruck in der Malerei sucht. Allein und ungestört kann er dort und in der Umgebung einen Stil entwickeln, der über den Impressionismus hinausweist und ihn zum „Vater der Moderne“ machen sollte. In der Bastide entstanden einige seiner berühmten Werke.
Lange Zeit musste Cézanne mit der Ablehnung durch Publikum und Kollegen leben. Seine Stillleben galten als lächerlich – sehen so Äpfel und Birnen aus? Bei all der Ablehnung wurde die Bastide als Rückzugsort für Cézanne immer wichtiger. Durch das Haus blieb er auch mit seinem Vater in Verbindung, der ihn zwar finanziell unterstützte, die Malerei als Beruf aber ablehnte. Cézanne nutzte das Landhaus über vier Jahrzehnte, 1859 bis 1899.
Zeit seines Lebens reiste Paul Cézanne zwischen Paris, wo er sich Anerkennung erhoffte, und Aix-en-Provence hin und her. Auch das Fischerdorf L’Estaque am Golf von Marseille wird einer seiner Rückzugsorte sein. Als die Berliner Nationalgalerie im Jahr 1897 noch vor den französischen Museen ein erstes Werk Cézannes ankauft, erfährt er späten Ruhm. 1906 starb der Maler in seiner Geburtsstadt Aix-en-Provence.
Anhand exemplarisch ausgewählter Gemälde sowie zahlreicher originaler Schwarz-Weiß-Fotografien des Künstlers wird das Werk Cézannes verständlich. Obwohl der Künstler einst um Anerkennung rang und von inneren Zweifeln getrieben war, sind die Gemälde Paul Cézannes heute Publikumsmagneten.
Sonntag, 15.11. / 17:55 Uhr / Morricone Night ~ Teatro La Fenice Orchester & Chor in Venedig
Musik, Italien, 2026, WDR 38 Min.
Regie: Claudia De Toma
Komponist: Ennio Morricone
Dirigent: Kevin Rhodes
Orchester: Orchestra del Teatro La Fenice
Chorleitung: Alfonso Caiani
Chor: Coro del Teatro La Fenice
Online verfügbar von 15/11/2026 bis 15/12/2026
Erstausstrahlung
Der italienische Jazzmusiker und Komponist Ennio Morricone hat für mehr als 500 Filme einmalige Musik komponiert und wurde dafür mit zwei Oscars ausgezeichnet. Eine Auswahl von „Der Clan der Sizilianer“ über „Cinema Paradiso“ bis „The Hateful Eight“ präsentieren Orchester und Chor des Teatro La Fenice in einem nächtlichen Open-Air-Konzert in Venedig. Am Pult steht Kevin Rhodes.
Lange hat es gedauert, bis Ennio Morricone (1928–2020), einer der produktivsten Filmkomponisten aller Zeiten, mit einem Oscar für seine schwelgerischen und sofort wiedererkennbaren Soundtracks ausgezeichnet wurde – und zwar gleich zwei Mal: 2007 für das Lebenswerk und noch einmal 2016 für „The Hateful Eight“ von Regisseur Quentin Tarantino. Orchester und Chor des Teatro La Fenice in Venedig werden von Kevin Rhodes geleitet, ein seit rund 30 Jahren weltweit gefragter Dirigent. Er arbeitet an den großen Opernhäusern von der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper und der Bayerischen Staatsoper bis hin zur Pariser Nationaloper.
Der Konzertabend lässt Erinnerungen an große Schauspiel-Stars wachwerden: zum Beispiel Alain Delon und Lino Ventura 1969 in „Der Clan der Sizilianer“ und Claudia Cardinale 1996 in „Nostromo – Der Schatz in den Bergen“, ein Film der viele Jahre nach der gemeinsamen Arbeit für Sergio Leones ikonischen Italowestern „Spiel mir das Lied vom Tod“ entstanden ist.
Große Bilder im Kopf entstehen auch bei der Musik zu „The Mission“ aus dem Jahr 1986 mit Robert de Niro, der einen ehemaligen Sklavenhändler spielt, der sich komplett gewandelt hat. Für diese Filmmusiken gab es neben den Oscars auch einige Golden Globes und BAFTA-Awards für Morricone. Knapp 5.000 Menschen haben das Open-Air-Konzert auf der schönsten Piazza Italiens besucht, dem Markusplatz in Venedig. Bereits Napoleon Bonaparte soll ihn den „schönsten Festsaal Europas“ genannt haben …
Programm:
„Nostromo – Der Schatz in den Bergen“ – „Conradiana“
„Cinema Paradiso“ – „Cinema Paradiso“
„Cinema Paradiso“ – „Love Theme“
„The Hateful Eight“ / „Les Huit Salopards“ – „Suite“
„Der Clan der Sizilianer“ / „Les Clan des Siciliens“ – „Suite“
„The Mission“ – „Suite“
Alle Kompositionen dieses Programms stammen von Ennio Morricone.
Aufzeichnung vom 5. Juli 2026 am Markusplatz in Venedig.
Sonntag, 15.11. / 20:15 Uhr / Fedora
Spielfilm, Deutschland, Frankreich, 1978, ARD 109 Min.
Regie: Billy Wilder
Drehbuch: Billy Wilder, I.A.L. Diamond
Autor:in: Thomas Tryon
Produktion: Geria II, Bavaria, Société Française de Production
Produzent: Billy Wilder, I.A.L. Diamond
Kamera: Gerry Fisher
Schnitt: Fredric Steinkamp
Musik: Miklos Rozsa
Restaurierung: CinePostproduction
Mit: William Holden (Barry Detweiler), Marthe Keller (Fedora/Antonia Sobryanski), Hildegard Knef (Gräfin Sobryanski), José Ferrer (Dr. Vando), Frances Sternhagen (Miss Balfour), Mario Adorf (Hotelmanager), Stephen Collins (junger Barry), Henry Fonda (Präsident der Akademie), Michael York (Michael York)
Online verfügbar von 15/11/2026 bis 15/12/2026
Fedora, einst ein umjubelter Hollywoodstar, hat sich aus dem Filmgeschäft zurückgezogen und auf einer griechischen Insel niedergelassen. Jeglicher Kontakt mit der Außenwelt ist ihr verwehrt. – Billy Wilders tiefgründige Hommage an das goldene Zeitalter Hollywoods ist gleichzeitig ein bitterer Abgesang auf das Kino der alten Schule.
Der ewig mit Liquiditätsproblemen kämpfende Filmproduzent Barry Detweiler besucht die legendäre Filmdiva Fedora in ihrem freiwillig gewählten Exil auf der griechischen Insel Korfu, um sie von seinem neuen Film und einem furiosen Comeback zu überzeugen. Mit einer Frau wie Fedora, einer wahren Filmlegende, steht und fällt sein Projekt. Er will „Anna Karenina“ neu verfilmen. Nach der Überwindung einiger Hindernisse gelingt es ihm schließlich, in die abgelegene Villa vorzudringen. Dort lebt Fedora mit ihrer merkwürdigen Entourage: der herrschsüchtigen alten Gräfin Sobryanski, der argwöhnischen Krankenschwester Balfour und dem dubiosen plastischen Chirurgen Dr. Vando. Sie alle scheinen besessen davon, Fedora um jeden Preis vor der Außenwelt abzuschirmen. Die Gräfin schmettert Barrys Anfrage mit der Begründung ab, die Diva sei zu krank und ihre Karriere definitiv vorüber. Enttäuscht will Produzent Detweiler abreisen. Fedora gelingt es jedoch, ihn kurz vor seiner Abreise in seinem Hotel aufzusuchen. Sie berichtet ihm, dass sie wie eine Gefangene gehalten werde, und hofft, aus ihrem Exil entfliehen zu können …
Fedora“ ist Wilders vorletzter Film. Mit diesem Werk schließt der Regisseur eine Art Kreis, denn in den Anfangsjahren seiner Karriere hat er mit dem weltberühmten „Boulevard der Dämmerung“ („Sunset Boulevard“) ein Meisterwerk geliefert, das ebenfalls zum Nachdenken über die sogenannte Traumfabrik Hollywood anregt. „Fedora“ ist hochkarätig besetzt, gut inszeniert und besticht durch seine interessante Erzählstruktur.
Sonntag, 15.11. / 00:45 Uhr / Im Kopf von Quentin Tarantino
Schwerpunkt: Ein Abend mit Quentin Tarantino
Dokumentation, Frankreich, 2025, ARTE F 52 Min.
Regie: France Swimberge
Online verfügbar von 08/11/2026 bis 13/02/2027
Erstausstrahlung
Quentin Tarantino sagt über seine Filme, sie seien auf eine höchst schmerzhafte Weise persönlich. Tatsächlich erzählt sein Werk immer wieder vor allem eines: sein eigenes Leben. Die Dokumentation kehrt an zentrale Orte in Los Angeles zurück, wo der Lebensweg dieses Autodidakten begann, der später zu einem Schwergewicht des internationalen Kinos werden sollte.
Seit dem Erfolg seines Debüts „Reservoir Dogs – Wilde Hunde“ im Jahr 1992 gilt Quentin Tarantino als Ausnahmeregisseur: als Meister des Tempos, der Action und der Coolness, aber auch als Wegbereiter einer neuen Begeisterung für Kinofilme. Er wird gleichermaßen bewundert wie kritisiert – etwa dafür, dass er in seinen Filmen nicht nur den großen Klassikern, sondern auch den Werken der zweiten Reihe Reverenz erweist. Dabei wird oft übersehen, wie stark sein gesamtes Schaffen von eigenen Jugenderinnerungen durchzogen ist.
Immer wieder erscheinen in seinen Filmen mutige Frauenfiguren, die Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld nachempfunden sind – etwa seiner Mutter Connie, die ihn allein großzog, oder deren bester Freundin Jackie, die deutliche Gemeinsamkeiten mit der Figur der Jackie Brown aufweist. Auch die Atmosphäre des Los Angeles von 1969, die er als Kind auf den Fahrten im Auto seines Stiefvaters aufsog, lebt in Filmen wie „Once Upon a Time in Hollywood“ fort. Immer wieder tauchen Erinnerungen an seine Heimat Tennessee auf: Anspielungen auf seine einsame Kindheit, Songs aus dem Radio, Lieblingssendungen im Fernsehen und seine heißbegehrten Comics.
Im Grunde erzählen Tarantinos Filme stets von seinem eigenen Leben, dessen Fragmente er in abenteuerlichen Geschichten verbirgt. Wie jeder große Filmemacher beweist er damit, dass eine gewöhnliche, beinahe banale Jugend den besten Stoff für ein Werk liefern kann, das im zeitgenössischen Kino seinesgleichen sucht.
Sonntag, 15.11. / 01:40 Uhr / Uma Thurman – Die stille Kämpferin Hollywoods
Dokumentation, Deutschland, 2024, ZDF 51 Min.
Regie: Lukas Hoffmann
Online verfügbar von 15/11/2026 bis 14/01/2027
„Pulp Fiction“ macht Uma Thurman zum Postergirl des Independent-Kinos. Als kämpfende Rächerin wird sie mit „Kill Bill“ zum Sinnbild der emanzipierten Frau. Doch während sie in Hollywood zur strahlenden Heldin aufsteigt, erlebt sie hinter den Kulissen ein toxisches System, in dem Männer das Sagen haben, ihre Macht missbrauchen und sie demütigen.
Schwarzer Pagenkopf, verruchter Blick: Als Gangsterbraut Mia Wallace wurde Uma Thurman in Quentin Tarantinos Kultfilm „Pulp Fiction“ (1994) zur Ikone. Ihr Konterfei zierte WG-Küchen rund um die Welt, der Pagenschnitt erlebte eine Renaissance und ihr legendärer Twist-Tanz mit John Travolta ging in die Filmgeschichte ein. Als schwertschwingende Kämpferin gelang ihr in „Kill Bill“ dann der endgültige Durchbruch.
Es scheint, als wäre Uma Thurman der Erfolg einfach zugeflogen, da ihr alles Nötige dazu in die Wiege gelegt wurde: Intelligenz, Talent, Schönheit. Und doch war ihr Weg zu einer selbstbestimmten Künstlerin lang und begleitet von vielen Enttäuschungen. Bereits als Kind kämpfte sie mit dem Gefühl, anders zu sein als ihre Mitschüler und nicht zu ihrem Kreis dazuzugehören. Ihre Mutter war ein schwedisches Model, ihr Vater ein buddhistischer Geistlicher. Uma Thurmans Kindheit unterschied sich erheblich von der anderer Kinder, die wie sie in einer US-amerikanischen Kleinstadt aufwuchsen. Auf der Suche nach sich selbst entdeckt sie die Schauspielerei. Die Türen öffnen sich schnell, denn die junge Uma Thurman ist talentiert und schön. Doch sie muss schmerzlich erfahren, welche Folgen es hat, wenn man anderen die Kontrolle über das eigene Bild überlässt.
Die Dokumentation „Uma Thurman – Die stille Kämpferin Hollywoods“ erzählt anhand vielfältiger Filmausschnitte und Interviews Leben und Filmkarriere der US-amerikanischen Schauspielerin. Zu Wort kommen dabei zahlreiche Wegbegleiter und auch Uma Thurman selbst.
Sonntag, 15.11. / 03:25 uhr / Paris Paloma – Sounds Like Art
Museum voor Schone Kunsten, Gent
Musik, Deutschland, 2026, ZDF 63 Min.
Regie: Flo Breuer
Online verfügbar von 09/09/2026 bis 08/03/2031
Wiederholung vom 02.10.2026
Regelmäßige Sendungen mit kulturellen Themen auf arte sind zudem:
Stadt, Land, Kunst (Mo. – Fr. 13 Uhr) und TWIST
Diese Übersicht wird stets mehrere Wochen vor den jeweiligen Sendeterminen erstellt.
Aktuelle Programmänderungen sind meist nicht berücksichtigt. Diese finden sich auf arte.tv.
