Zweiteilige ARTE-Dokumentation “Lost Women Art” am Mittwoch auf arte

"Lost Women Art" ergründet die Mechanismen des systematischen Vergessens hochtalentierter weiblicher Schaffender. In zwei Teilen entdeckt die Dokumentation vergessene Künstlerinnen der europäischen Kunstgeschichte neu und schreibt die Kunstgeschichte um. © Koberstein Film

Seit jeher schreiben Frauen Kunstgeschichte und arbeiten auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen. Trotzdem spielen sie in der Kunstgeschichte bis heute höchstens eine Nebenrolle. Die zweiteilige Dokumentation “Lost Women Art” von Susanne Radelhof ergründet die Mechanismen dieses systematischen Vergessens hochtalentierter Künstlerinnen.

Frauen stehen Männern in nichts nach, auch nicht in der Kunst. Und doch ist die Kunst, so wie viele andere Branchen, heute wie damals ein von Männern dominiertes Feld. Vergessen von der Kunstgeschichtsschreibung, bekommen viele weibliche Schaffende nicht die Anerkennung, die ihnen zusteht. Der Blick auf den europäischen Kunstkanon des 19. und 20. Jahrhunderts ist erschütternd, denn bis heute treten Frauen als stilprägende Ikonen der Kunstgeschichte kaum in Erscheinung, sind unterrepräsentiert in den Sammlungen der Museen und unterbezahlt auf dem Kunstmarkt.
Längst überfällig ist ein anderer Blick auf vermeintlich bekannte Kunstepochen, die mit den immer gleichen Künstlernamen assoziiert werden und dabei viele Künstlerinnen verkennen.

Die Berliner Künstlerin Sibylle Zeh übermalt im “Reclams Künstlerlexikon” sämtliche Artikel zu männlichen Künstlern und lässt nur die Künstlerinnen stehen: Von ursprünglich 5.000 Einträgen bleiben am Ende 168 übrig – ein Anteil von nicht mal 3,5 Prozent.
© Thomas Eirich-Schneider/Koberstein Film

„Lost Women Art“ fragt nach den Mechanismen des Erinnerns sowie des systematischen Vergessens und erzählt in zwei Teilen von visionären Frauen, die kühn und kompromisslos die Kunst ihrer Zeit entscheidend gestaltet haben. Gemeinsam mit KunsthistorikerInnen, KuratorInnen und wegweisenden Institutionen, die für mehr Wahrnehmung der Künstlerinnen kämpfen, erzählt „Lost Women Art“ berührende Frauenporträts und damit die Kunstgeschichte neu.
Der erste Teil erzählt vom weiblichen Aufbruch in der Kunstgeschichte. Von den Kunsthochschulen ausgeschlossen, erobern Künstlerinnen eigensinnig die Pariser Malsalons, organisieren sich in Künstlerinnenverbänden und emanzipieren sich gar vom Modell zur Künstlerin selbst. Über inspirierende Künstlerinnen wie Berthe Morisot, Suzanne Valadon, Julie Wolfthorn, Helene Funke, Natalija Gontscharowa und Hilma af Klint wird die Kunstgeschichte vom Impressionismus bis zur Abstraktion neu erzählt.

ARTE zeigt am Mittwoch, 9. Juni 2021, ab 21.55 Uhr die zweiteilige Dokumentation 
“Lost Women Art” (ARTE / MDR,  2021, 2 x 52 Minuten) 

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