Zum Saison-Auftakt lädt das Schauspielhaus Zürich im September zu vier Premieren ein

Am 9. September feiert Das Haus von Bernarda Alba in der Inszenierung und Choreografie von Trajal Harrell Zürich-Premiere im Pfauen. Die Inszenierung basiert auf Federico Garcia Lorcas Theaterstück, das er 1936, wenige Monate vor seiner Ermordung, schrieb und in dem es um eine Familie trauernder Frauen geht, die ihren unterdrückten Sehnsüchten rettungslos ausgeliefert sind. Harrell öffnet den Frauen, dargestellt vom Schauspielhaus Zürich Dance Ensemble und Gästen, die Tür zu zwei weiteren «Häusern»: einerseits zu den Pariser Modehäusern, den «Maisons» von Christian Dior (dessen Showroom aus den 1940er-Jahren auf der Bühne komplett nachgebildet wird) und weiteren grossen Couturiers/ères; zum anderen zu den schillernden Häusern des Voguing, wo seit den 1970er-Jahren meist queere und häufig latein- und afroamerikanische Tänzer*innen mit Stil und Stolz gegen Ungerechtigkeit kämpfen.

Am 11. September, ebenfalls im Pfauen, findet die Premiere von Ödipus Tyrann in der Regie von Nicolas Stemann statt. Im Klassiker von Sophokles geht es um einen Menschen, der König sein will, auf der Suche nach Schuldigen für die epochale Krise sich selbst ausnimmt und so zum Tyrannen wird. Theben und seinen Töchtern Ismene und Antigone hinterlässt er Zerstörung, Leid, Schmerz – und Wut. Mit den beiden Schauspielerinnen Alicia Aumüller und Patrycia Ziólkowska inszeniert Nicolas Stemann den Originaltext, den er selbst neu übersetzt hat, als düstere Farce über eine Menschheit, die erkennt, dass an ihrem Untergang niemand anders schuld ist als sie selbst.

Am 16. September geht es weiter im Programm mit der Uraufführung von Border, der neuesten Arbeit von Christopher Rüping. Die Inszenierung in der Schiffbau-Halle, inspiriert von Ali Abbasis Film Gräns (2018), geht der Frage nach, was möglich wäre, wenn es jenseits der für uns wahrnehmbaren Welt noch andere, perfektere, als unsere menschlichen Sinne gäbe. Ein hypersensibler Geruchssinn beispielsweise, eine messerscharfe Intuition – und die durchrationalisierte Welt fällt in sich zusammen. Unter den Oberflächen des öffentlichen Raums, hinter der Sachlichkeit der administrierten Welt walten Gerüche, Lüste und Empfindsamkeiten, deren archaische Kraft vermeintlich zivilisierte Menschen gehörig aus der Bahn werfen kann.

Und am 17. September schliesslich geht der neue Reigen in der Regie von Yana Ross als Zürich-Premiere über die Pfauenbühne. Arthur Schnitzler sezierte in seiner Fassung von 1920 skandalträchtig die Masken einer Gesellschaft. Für Yana Ross’ Inszenierung, die Ende Juli an den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde, treiben zehn international renommierte Autor*innen den Stoff ins Heute: Lydia Haider, Sofi Oksanen, Leïla Slimani, Sharon Dodua Otoo, Leif Randt, Mikhail Durnenkov, Hengameh Yaghoobifarah, Kata Wéber, Jonas Hassen Khemiri und Lukas Bärfuss haben je eine der Szenen von Schnitzlers Stück neu geschrieben. Mit ihren sehr verschiedenen Texten ist Yana Ross dem Zeitgeist auf der Spur, den heutigen Tabus und täuschenden Maskierungen, um sie in einer polyphonen Inszenierung spür- und sichtbar zu machen.

SPIELZEITERÖFFNUNG 22/23: Ab 9. September!

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