Zum »Internationalen Musikfest Hamburg« 2020 gehen über 30.000 neue Tickets für die Elbphilharmonie in den Verkauf

Gipfeltreffen der Guten Musik

Internationales Musikfest Hamburg ~ Foto: Claudia Hoehne

Hamburg, den 19. November 2019:Unter dem Motto »Glauben« findet vom 24. April bis 25. Mai 2020 die fünfte Ausgabe des Internationalen Musikfests Hamburg statt. Hochrangige Gäste wie Sir John Eliot Gardiners English Baroque Soloists, Riccardo Chailly und die Filarmonica della Scala, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Yannick Nézet-Séguin, die St. Petersburger Philharmoniker, der walisische Bassbariton Bryn Terfel, zahlreiche weitere internationale Solisten sowie die vier großen Hamburger Klangkörper bieten bedeutende Bekenntniswerke quer durch die Musikgeschichte sowie Kompositionen abseits des »Glaubens«-Mottos dar. Das Herzstück des Musikfests liefert die Staatsoper Hamburg mit drei von Kent Nagano geleiteten Aufführungen von »St. François d’Assise«, der einzigen Oper von Olivier Messiaen. In sechs Konzerten wird das Schaffen der russischen Komponistin Sofia Gubaidulina beleuchtet, die in der Nähe von Hamburg lebt. Die beiden Eröffnungskonzerte gestaltet das NDR Elbphilharmonie Orchester unter seinem Chefdirigenten Alan Gilbert. Insgesamt gibt es 42 Konzerte mit 35 unterschiedlichen Programmen. Der Großteil davon findet in der Elbphilharmonie statt. Karten für alle Konzerte sind ab sofort online und an den bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich. Insgesamt gehen zu diesem Zeitpunkt etwa 33.000 Tickets für das Internationale Musikfest Hamburg in den Verkauf.

Kaum zu glauben, was und woran wir Menschen so alles glauben. Die Mondlandung 1969; Alles fake. Bielefeld? Hat es nie gegeben. Die Erde ist eine Scheibe. ln der Elbphilharmonie wird nur Klassik gespielt. Gott ist allmächtig. Gott ist eine Frau. Gott ist tot. Der Glaube liegt in stetem Streit mit dem Wissen, er hat den Zweifel als mögliches Korrektiv. Aber mächtig stark ist er. Matthäus maß ihm die Kraft zu, Berge zu versetzen. Angeregt von der Allgegenwart des Glaubens auch im Diskurs der Moderne präsentiert das internationale Musikfest Hamburg in seiner fünften Ausgabe [24. April bis 25. Mai 2020] unter dem Motto ››Glauben<< ein breites und vielfarbig schillerndes Spektrum an musikalischen Ausdrucksformen des Glaubens im Wandel der Zeiten und der Kulturen.

lm Mittelpunkt steht dabei »Saint François d’Assise«. die einzige Oper des französischen Komponisten Olivier Messiaen M908-1992]. Sie ist in drei Aufführungen (16., 21., 23.5.] im Großen Saal der Elbphilharmonie zu erleben. Das fünfstündige Werk gilt als Opus summum Messiaens, der zu den bedeutendsten und einflussreichsten Musikschöpfern des 20. Jahrhunderts zählt. Ungeachtet seines Weltruhms zu Lebzeiten und seiner Tätigkeit als Kompositionslehrer wirkte Messiaen, der schon früh die »Wahrheit des katholischen Glaubens« für sich erfuhr, sechs Jahrzehnte lang als Organist an der Kirche La Trinité in Paris. Dem heiligen Franz von Assisi, Namensgeber und Hauptfigur der Oper, fühlte Messiaen sich allein schon aufgrund der beiden gemeinsamen tiefen spirituellen Beziehung zu den Vögeln nah verbunden. Einstudierung und musikalische Leitung der Musikfest-Aufführungen liegen in den Händen des Hamburgischen Generalmusikdirektors Kent Nagano, der als Vertrauter Messiaens bereits bei der Erarbeitung der Uraufführung in Paris 1983 dem Dirigenten Seiji Ozawa assistierte und das Werk seither wiederholt selbst auf die Bühne gebracht hat – 1988 in Lyon lkonzertantl, 2011 an der Bayerischen Staatsoper München.

Der Bariton Johannes Martin Kränzle, »Sänger des Jahres 2018« in der jährlichen Kritikerumfrage der Zeitschrift >>Opernwelt<<, singt den heiligen Franziskus, die Sopranistin Anna Prohaska den Engel Es spielt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg. den Chor stellt die Audi Jugendchorakademie unter Martin Steidler. Die Visualisierung liegt in der Hand von Georges Delnon, lntendant der Staatsoper Hamburg.

Den Komponisten-Schwerpunkt widmet das Musikfest diesmal Sofia Gubaidulina |*1931], der international gefeierten, tief religiösen russischen Komponistin, die sich 1992 vor den Toren der Stadt Hamburg in Appen niederließ. Bereits beim Eröffnungskonzert des Musikfests mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester [24./25.4., Großer Saal] unter seinem Chefdirigenten Alan Gilbert erklingt mit ››Der Reiter auf dem weißen Pferd« [2002] für großes Orchester und Orgel ein hochdrarnatisches Werk Gubaidulinas, das auf zehn Minuten komprimiert die Herabkunft Gottes auf die Erde und die Menschwerdung mit der Verklärung und Himmelfahrt Christi fusioniert. Wenige Tage später führt das Ensemble Resonanz ihr ››lntroitus« qenanntes Klavierkonzert [Solist: Joonas Ahonen] auf und die Meditation über den Bach-Choral ››Vor deinen Thron tret‘ ich hiermit« [28.4., Kleiner Saal]. Das sonic.art Saxophonquartett, das bereits vor elf Jahren in Hamburg die Uraufführung des Stücks aus der Taufe hob, kommt mit weiteren Solisten und Gubaidulinas ››Verwandlung<< in den Kleinen Saal der Elbphilharmonie [7.5.]. Das Symphonieorchester der Hochschule für Musik und Theater [Leitung: Ulrich Windfuhrl rückt Gubaidulinas Violinkonzert Nr.2 ››in tempus präsens« [Solistin: Sun Shinl ins Zentrum seines Matineekonzerts 117.5., Großer Saall. In ihrem ››Sonnengesang«, quasi ein Cellokonzert mit Chor, bezieht sich die Komponistin explizit auch auf den heiligen Franz von Assisi. Das Werk steuert der NDR Chor lLeitung: Klaas Stok] mit dem Cellisten Ivan Munighetti bei, seinerseits einer der letzten Schüler des Widmungsträgers Mstislav Rostropowitsch 123.5., Hauptkirche St. Katharinenl. Das erst vor wenigen Jahren uraufgeführte große Oratorium »Über Liebe und Hass« bildet zugleich den Höhepunkt und den Abschluss des Gubaidulina-Schwerpunkts. Die Symphoniker Hamburg, die Europa Chor Akademie Görlitz [Leitung: Joshard Dausl sowie ein Solistenquartett gestalten die Aufführung unter der Leitung von Peter Tilling.

Nach seinem furiosen Debüt mit dem Orchestre Révolutionnaire et Romantique zu Beginn der Saison 2018/19 kehrt der Originalklang-Experte Sir John Eliot Gardiner ietzt mit seinen English Baroque Soloists und dem legendären, ebenfalls von ihm gegründeten Monteverdi Choir in die Elbphilharmonie zurück. lm Großen Saal stellt er weltliche und geistliche Werke von Monteverdi einander gegenüber 126.41. Die Filarmonica della Scala kommt unter der Leitung ihres Chefdirigenten Riccardo Chailly zu einem zweitägigen Gastspiel: am ersten Abend gibt es ein reines Beethoven-Programm, u.a. mit den Sinfonien 8 und 5, am zweiten Musik von Pärt und Schostakowitsch sowie Rachmaninows als brutal schwer bekanntes drittes Klavierkonzert, vieldeutig »Rach 3« qenannt, mit Denis Matsuev als Solist (27./28.4., Großer Saal).

Ebenfalls in die erste Musikfest-Woche fällt ein zweifaches Gastspiel aus Stockholm: Am Vormittag des »Tags der Arbeit« gestaltet der Swedish Radio Choir, der als einer der besten der Welt gilt, unter der Leitung des Arvo-Part-Experten und ›freundes Tônu Kaljuste eine Matinee mit geistlichen Werken Pärts und dem Concerto for Choir von Alfred Schnittke. Abends dann tritt das Swedish Radio Symphony Orchestra zu den Chor-Kollegen aus dem örtlichen Funkhaus und musiziert mit ihnen unter der Leitung von Daniel Harding die selten aufgeführte ››Cantata profana« von Béla Bartók, außerdem eine sinfonische Dichtung von Dvorák und Strauss‘ von Nietzsche inspiriertes Werk »Also sprach Zarathustra« 11.5., Großer Saal).

Den Reigen der ersten großen Gastspielserie vollendet tags darauf Yannick Nézet-Séguin als Gastdirigent des Symphonieorchesters und Chors des Bayerischen Rundfunks mit Carolyn Sampson [Sopran] als Solistin in Francis Poulencs ››Stabat mater<< und Rachmaninows Sinfonie Nr. 3. Wie Messiaen war auch Poulenc ein zutiefst im Katholizismus wurzelnder Komponist; ungeachtet stilistischer Differenzen erkannte er früh Messiaens singulären Rang.

Überhaupt könnte man bei ausreichend Veranlagung zur Metaphysik glauben, Messiaens monumentales Spätwerk »Saint Francois d’Assise<< habe wie ein starker, Französisches anziehender Magnet auf die Programmzusammenstellung des diesjährigen Musikfests gewirkt. So bringen die Symphoniker Hamburg unter ihrem Chefdirigenten Sylvain Cambreling mit der konzertanten Aufführung von Hector Berlioz‘ ››La damnation de Faust« das Werk linksrheinischer Provenienz zur Aufführung, das Goethes ››Faust<< musikalisch aufgreift und weiterschreibt – im Jahr des Glaubensmottos allerdings ohnehin eine gute Wahl [10.5., Laeiszhallel]. Mit der Jungen Deutschen Philharmonie realisiert Cambreling zuvor Gérard Griseys ››Espaces acoustiques« und setzt damit aufs Neue und gewiss auf seine Art das groß angelegte Schlüsselwerk für Liebhaber der Spektralmusik in Szene, das in der Saison 2017/18 erstmals in der Elbphilharmonie erklang [29.4, Großer Saal]. Dass der geniale Frankokanadier Claude Vivier mit 34 Jahren in Paris von einem Prostituierten in demselben Jahr 1983 ermordet wurde, in dem dort »Saint François d’Assise<< uraufqefuhrt wurde, ist gewiss nur ein makabrer Zufall. Dass er ausgerechnet zu der Zeit zu Tode kam, als er gerade an einem Stück namens »Glaubst du an die Unsterblichkeit der Seele« arbeitete, wird zumindest die Spökenkieker unter den Freunden der Musik nicht kalt lassen. Dieses Werk bildet zusammen mit Viviers »Musik für das Ende« den Rahmen für eine spannende musikalische lnszenierung des kanadischen Ensemble Soundstreams, deren Schauplatz an zwei Abenden der Kleine Saal der Elbphilharmonie ist [21 ./22.5.].

Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 8, auch »Sinfonie der Tausend« genannt, nimmt sich Daniel Harding mit dem Gustav Mahler Jugendorchester, drei Chören und acht namhaften Solisten um Sarah Wegener [Sopran] Andrew Staples |Tenor] und Adrian Eröd [Bariton] vor (18./19.5., Großer Saal).

Das NDR Elbphilharmonie Orchester unter Alan Gilbert sorgt zunächst für die dramaturgisch präzis aufs Musikfest abgestimmte Eröffnung: Nach Gubaidulinas bereits erwähntem Werk »Der Reiter auf dem weißen Pferd« folgen Dvoráks Violinkonzert [Solistin Lisa Batiashvili] und im zweiten Teil Janášeks ››Glagolitische Messe« mit dem Prager Philharmonischen Chor und Elbphilharmonie-Titularorganistin lveta Apkalna an der Klais-Orgel [2l›./25.4., Großer Saal].

Eine Woche später rundet der Chefdirigent des Residenzorchesters der Elbphilharmonie die Serie mit Aufführungen der Sinfonie Nr. 9 von Mahler in der laufenden Saison ab [30.4., 3.5., Großer Saal] Schließlich bringt Altmeister Herbert Blomstedt Mitte Mai in drei Konzerten seine Lesart von Mozarts Großer Messe c-Moll sowie Arthur Honeggers selten gespielter Sinfonie Nr. 3 ››Liturgique« [14., 15., 17.5., Großer Saal]. Dem Orchester zur Seite stehen der NDR Chor, der Chor des Lettischen Rundfunks sowie ein vorzügliches Solistenquartett aus Christina Landshamer [Sopran], Anna Lucia Richter [Sopran], Tilman Lichdi [Tenor] und Jóhann Kristinsson [Bariton].

Weit in die Musikgeschichte zurück weist der Abend mit ››Himmelsmusik«, den Christina Pluhar mit ihrem Ensemble L’Arpeggiata. Céline Scheen [Sopran] und Valer Sabadus ißountertenorl unter Verwendung deutscher Sakralmusik des 17. Jahrhunderts kreiert hat [18.5., Laeiszhallei].
Ähnlich vorfreudig auf das Jenseits stimmt der Name ››Paradies« ein, den der Geiger Daniel Hope und der rezitierende Schauspieler Sebastian Koch ihrem Abend mit Musik von Bach bis Schulhoff und Texten von Rumi bis Jelinek gegeben haben [20.5., Laeiszhalle]. Freunde des tief tönenden Liedgesangs kommen ebenfalls in der Laeiszhalle und gleich doppelt auf ihre Kosten: Sir Bryn Terfel, der walisische Bass-Bariton mit unermesslicher Fanbase auch in Hamburg, lockt mit seinem Namen und noch unbekanntem Programm zu einem Liederabend, bei dem ihn Natalia Katyukova, Assistenzdirigentin an der Met in New York, begleitet [8.5.]. Matthias Goerne [Bariton] und Jan Lisiecki [Klavier] verschreiben sich dort einen Abend lang ganz dem Beethovenschen Liederbuch [3.5.].

Beethoven. dessen 250. Geburtstags im Jahr 2020 allerorten umfanqlich gedacht wird, ist auch der Kristallisationspunkt des Konzerts der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen. Sie setzt seine Sinfonie Nr. 7 aufs Programm und musiziert in der ersten Halfte des Abends sein Klavierkonzert Nr. lt mit der großen Elisabeth Leonskaja, die am selben Ort beim Musikfest 2018 anstelle des erkrankten Maurizio Pollini einen wunderbaren Soloabend gab [20.5., Großer Saal].

Russisch-Finnisches bringen schließlich die St. Petersburger Philharmoniker unter der Leitung von Yuri Temirkanov kurz vorm Musikfest-Finale nach Hamburg; Musik von Tschaikowsky und Schostakowitsch, außerdem Sibelius‘ Violinkonzert mit Emmanuel Tjeknavorian als Solist [22.5., Großer Saal].

»The Lichtenberg Figures« lautet der Titel eines spannenden Kammermusikabends mit dem lctus Ensemble, den Neue-Musik-Spezialisten aus Belgien. Das Stück stammt von der überaus vielseitigen Wienerin Eva Reiter, die als Komponistin, Gambistin, Flötistin und Elektronik-Künstlerin in dieser Saison eine Residenz an der Elbphilharmonie hat. Reiter hat es im Auftrag des Wiener Konzerthauses und der Elbphilharmonie einer Neufassung unterzogen, die an diesem Abend ihre Uraufführung erlebt [26.4., Kleiner Saal].

Die erste Musikfest-Woche hindurch gestaltet das Decoder Ensemble um den Komponisten, Sounddesigner und Bio-informatiker Alexander Schubert eine dynamische, interaktive installation namens ››Genesis«, bei der jeder, der mag, zum Mit-Schöpfer eines virtuellen Universums werden kann – am Ort des Geschehens, der Halle 3 im Oberhafenquartier, oder zuhause bzw. mobil vom eigenen elektronischen Endgerät aus. Schubert und das Decoder Ensemble stellen 168 Stunden lang die Supervision des Kollektiv-Experiments sicher [27.4. bis 3.5.].

Bei der ungewöhnlichen Fassung der Johannes-Passion von Bach, die ein Trio um den Tenor Benedikt Kristjánsson erarbeitet hat, bietet sie dem Publikum Gelegenheit, sein Bekenntnis zum Giauben oder auch nur das zum Singen an sich aktiv kundzutun. Alle Rezitative und Arien bestreitet der Tenor allein, begleitet von Cembalo, Orgel, und Schlagwerk. Die Choräle aber singt der Publikums-Chor [5., Kleiner Saai].

Der Elbphilharmonie-eigene Chor zur Welt, gebildet aus Einheimischen und in Hamburg sesshaft gewordenen Geflüchteten und Einwandern aus vielen Nationen, beteiligt sich am Musikfest mit einem Programm namens ››Father«, bei dem der Titel auch auf hebräisch und arabisch geschrieben steht. Er bezieht sich auf die Zeile aus dem ersten Buch Mose >>Und Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten<<. Die als Tochter iranischer Einwanderer in Deutschland geborene und aufgewachsene Sängerin Cymin Samawatie steuert gemeinsam mit dem indisch-stammigen Percussionisten Ketan Bhatti die Kompositionen bei, die ihr in Berlin ansässiges Trickster Orchestra spielt. Das Libretto des abendfüllenden Werks zwischen lmprovisation, alter und moderner Musik stammt von Senthuran Varatharajah [17.5., Kleiner Saal].

Viele Menschen glauben noch immer, die Elbphilharmonie sei eh nur ein Musentempel für klassische Musik. Das internationale Musikfest Hamburg bietet gleich fünffach Gelegenheit, sich im Kleinen Saal eines Besseren zu belehren. Der kamerunische Singer/Songwriter Blick Bassy erinnert in seinem Programm ››1958« an den Unabhängigkeitskämpfer Ruben Um Nyobé, der im titeigebenden Jahr von französischen Kolonialtruppen erschossen wurde, und reflektiert gleichzeitig über das Kamerun von heute. Begleitet wird er von drei Musikern an Trompete, Posaune, Cello und Keyboards [5.5.].

in einer Solo-Performance bekennt sich der charismatische italienische Jazz-Pianist Stefano Bollani zu einem ››guilty pleasure<<, nämlich der Liebe zu Andrew Lloyd Webbers 70er-Jahre-Musical »Jesus Christ Superstar«. Das Publikum darf sich auf eine gewiss extrem unterhaltsame und virtuos vorgetragene Beichte freuen [9.5.].

Tags darauf machen fünf Hochkaräter des US-amerikanischen Jazz im Kleinen Saal Station; Dave Liebman [Tenor- und Sopransaxophon] und Randy Brecker [Trompete] kennen einander seit Urzeiten und haben beide auf ihre Weise den Jazz seit den 70er-Jahren mitgeprägt. in ihrem Quintett mit Marc Copland iKlavier], Drew Gress [Bass] und Joey Baron iSchlagzeug] unterrichten sie die Jazz-Fans über den aktuellen Stand ihres nach wie vor ungeheuer temporeichen altmeisterlichen improvisierens [10.5.].
Nach ihrem überragenden Debüt in der Reihe »Jazz Piano« in der Laeiszhalle im November 2018 gastiert die US-amerikanische Pianistin Myra Melford mit ihrer Band Snowy Egret nun in der Elbphilharmonie. Zu ihrem Quintett zählt auch der fantastische Kornettist Ron Miles. Der vergangenen Sommer im Quartett mit Joshua Redman das Publikum im Großen Saal zu Begeisterungsstürmen hinriss [13.5., Kleiner Saal].

Wie sehr der Glaube an etwas wider besseres Wissen in den Köpfen vieler Menschen virulent bleibt, bewies erst kürzlich ein Kongress in Amsterdam für Anhänger der nicht mehr ganz frischen Theorie. die Erde sei eine Scheibe. Ob die Brüsseler Band Flat Earth Society dort im Rahmenprogramm aufspielte, ist nicht verbürgt. Dass aber ein Jazz-Orchester dieses Namens bei einem Musikfest unter dem Motto ››Glauben<< nicht fehlen darf, versteht sich eigentlich von selbst [23.5., Kleiner Saal].

Mit dem Musiktheaterprojekt ››Kolik« nach einem Text von Rainald Goetz kommt das internationale Musikfest Hamburg 2020 nach viereinhalb Wochen Laufzeit zu seinem Ende. Begleitet vom Solistenensemble Kaleidoskop brilliert die unvergleichliche Sopranistin Sarah Maria Sun, die das Elbphilharmonie-Publikum zuletzt über Silvester 2019/20 in der Rolle der Eliza Doolittle bei ››My Fair Lady« erlebt haben wird, mit ihrer Stimmperformance, die inhaltlich um die letzten Stunden eines Menschenlebens kreist. Die Regie besorgen Jannik Giger, Leo Hofmann und Benjamin van Bebber [25.5., Kleiner Saal].

Das internationale Musikfest Hamburg wird seit seiner ersten Ausgabe im Jahr 2014 großzügig von der Kühne-Stiftung gefördert. Zudem steht ihm ebenfalls seit seinen Anfängen ein Förderkreis engagierter Hamburger Bürgerinnen und Bürger zur Seite. Beiden lnstitutionen sei an dieser Stelle ausdrücklich gedankt.

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