Zukunft Kultur e.V. und Hofspielhaus München präsentieren »West-östlicher Divan« – Literarisches Konzert

WEST-ÖSTLICHER DIVAN ~ Ensemble (Foto Helene Lanz)

Freitag, 18. September 2020 um 20:00 Uhr, Nazarethkirche München
Samstag, 19. September 2020 um 19:30 Uhr, Lutherkirche München

Dauer: 75 Minuten ohne Pause

Divan-Vertonungen von: Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss und Hugo Wolf
Mit: Cornelia Lanz (Mezzosopran), Yukiko Naito-Fendrich (Klavier), Maged Kildan (Kanun und Oud)
Texte: Auszüge aus dem Gilgamesch-Epos, dem Sonnengesang des Echnathon sowie aus dem Briefwechsel von Goethe mit Marianne von Willemer
Regie: Christiane Brammer (Hofspielhaus München)
Rezitation: Walaa Kanaieh, Wissam Kanaieh und Lisa Salman (Geflüchtete, Zukunft Kultur München), Elisabeth Margraf als Marianne Willemer
Musikalische Begleitung: Kildan Maged (Kanun) / Maged Kildan (Oud / Geige) / Asmat Al-Daheen (Percussion)

„Wer sich selbst und andere kennt / Wird auch hier erkennen / Orient und Okzident / Sind nicht mehr zu trennen.“ Welch schönere Begründung für ein europäisch-arabisches Gemeinschaftsprojekt könnte es geben als diese Zeilen aus Goethes West-östlichem Divan? Erschienen im August 1819 in den Tagen um Goethes 70. Geburtstag, wirkt diese Gedichtsammlung heute nicht nur frisch wie am ersten Tag. Die Neugier, Offenheit und Warmherzigkeit, mit der sich der Weltbürger Goethe dem Islam und einer ihm fremden Kultur nähert, sind bis heute beispielhaft.
Schon die Entstehungsgeschichte dieses Werkes ist besonders. Schließlich ist sie eng mit einer späten Liebesgeschichte verbunden. Vom 12. August bis zum 18. September 1815 ist Goethe zu Gast bei dem Frankfurter Ehepaar von Willemer, zumeist auf deren Landgut, der Gerbermühle am Main. Goethe verliebt sich in Marianne von Willemer, die selbst beträchtliches poetisches Talent besitzt. Kaum verschlüsselt huldigt er der 35 Jahre jüngeren Frau in einem der zwölf Divan-„Bücher“ – Suleika. Mehr noch und absolut einzigartig in seinem Werk: Marianne von Willemer ist die eigentliche Autorin mehrerer Divan-Gedichte, wie erst posthum bekannt wird.

Das literarische Konzert West-östlicher Divan erweist Goethes Opus Magnum musikalisch und literarisch seine Reverenz. Cornelia Lanz (Mezzosopran) und Yukiko Naito-Fendrich (Klavier) bringen Divan-Gedichte von Goethe in Vertonungen von Franz Schubert, Robert Schumann, Richard Strauss und Hugo Wolf zum Klingen. Goethes Divan-Partnerin Marianne von Willemer kommt zudem selbst zu Wort – die Liedsängerin und Choreographin Elisabeth Margraf liest Auszüge aus ihrem Briefwechsel mit Goethe. Sie und Cornelia Lanz werden außerdem die deutschen Übersetzungen von Texten lesen, die zuerst auf Arabisch vorgetragen werden, darunter Auszüge aus dem Sonnengesang des Echnaton und dem Gilgamesch-Epos. Die arabischen Fassungen rezitieren die Schwestern Walaa und Wissam Kanaieh sowie Lisa Salman. Live begleitet werden sie von drei Musikern – einem Percussionisten sowie von einem Kanun- und einem Oud-Spieler.

Mit freundlicher Unterstützung des Bezirksausschusses 13 Bogenhausen und 17 Obergiesing
Der Eintritt ist an beiden Abenden frei. Um Spenden wird gebeten.

Das Divan-Team

Seit 2014 ist Cornelia Lanz die Seele von Zuflucht Kultur – heute Zukunft Kultur. Als Produzentin, Leiterin, Initiatorin und Sängerin engagiert sie sich für die auch medial stark beachteten Opernproduktionen und musikalisch-literarischen Programme mit sozialpolitischer Note. Die international gefragte Mezzosopranistin tritt mit Orchestern wie dem Zürcher Kammerorchester, dem Kammerorchester der Münchner Philharmoniker oder den Berliner Symphoniker auf. Sie war unter anderem zu hören in der Tonhalle Zürich, dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg, dem Prinzregententheater München und in der Liederhalle Stuttgart. Sie sang beim Lucerne-Festival, bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen und beim Europäischen Kirchenmusikfestival Schwäbisch Gmünd. Beim Klassiklabel Animato sang sie die Titelrolle in Händels Oper Oreste ein. Ihr Lied-Debutalbum Carattere di Donne. Frauenrollen und Frauengestalten bei Schubert, Rossini und Verdi erschien bei Hänssler-Classic. 2018 folgte das Album Sie liebten sich beide mit Liedern von Robert und Clara Schumann sowie Johannes Brahms. Im Herbst des gleichen Jahres drehte Cornelia Lanz auf Gran Canaria. Dort wirkte sie in der Hauptrolle der Brünnhilde mit bei einer Verfilmung der Walküre unter der Regie von Katharina Wagner für ein Gastspiel der Bayreuther Festspiele in Abu Dhabi.
Mehr Informationen: cornelia-lanz.com & zukunft-kultur.de

Yukiko Naito-Fendrich
(Klavier), geboren in Nagoya/Japan, studierte nach dem Studium der Musikwissenschaft in Tokyo Klavier bei Jürgen Uhde und Liedbegleitung bei Konrad Richter in Stuttgart. Seitdem gibt sie Solo- und Kammermusikkonzerte in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Japan. Sie trat als Mitglied der Stuttgarter Philharmoniker und als Duo-Partnerin von Hansheinz Schneeberger (Violine), Guillermo Anzorena (Bariton) und Markus Stange (Klavier) in Erscheinung.

Elisabeth Margraf (Sprecherin der Marianne von Willemer) hat sich nicht nur einer Kunst verschrieben: Als Liedsängerin, Musicaldarstellerin und Choreographin verbindet sie ihre Leidenschaften Musik und Tanz. Nach einem Studium der Musikwissenschaft an der Sorbonne absolvierte die Südtirolerin eine Musicalausbildung an zwei Top-Adressen in New York – der American Musical and Dramatic Academy und dem Broadway Dance Center. Als Darstellerin tritt sie international in Musik- und Filmproduktionen in Erscheinung, von den USA und Frankreich bis in die Schweiz und Italien. Als Musical-Choreographin arbeitete sie unter anderem für die Crazy Musical Company, Opera Incognita sowie das Mainfrankentheater Würzburg.
Mehr Informationen: elisabethmargraf.com

Christiane Brammer (Regie & Intendantin Hofspielhaus München) studierte Gesang in Augsburg und München. Hineingeboren in eine Schauspielerfamilie, die mit einem eigenen Ensemble um die Welt reiste, ließ sie die Idee nie los, selbst ein Theater zu gründen. Im Jahre 2015 eröffnete Christiane Brammer das Hofspielhaus – das neue Theater im Herzen von München. Bekannt wurde die Theaterintendantin, Regisseurin und Schauspielerin durch ihre Fernsehrollen, unter anderem im Tatort und in der Serie Die Fallers im SWR.

Wissam Kanaieh (Rezitation arabisch) kam direkt nach ihrem Abitur nach Deutschland, zusammen mit ihrem Vater und ihrer Schwester Walaa. Sie spricht fließend Arabisch, Französisch und Englisch und liebt andere Sprachen und andere Kulturen. Mit ihrer wunderbaren Stimme tritt sie bei Konzerten von Zukunft Kultur mit arabischen Solos auf und gibt Workshops in Schulen, Flüchtlingsheimen und Universitäten. Sie betont stets das große Glück, ihre Gedanken in Deutschland frei äußern zu können und appelliert für Frieden, Völkerverständigung und Frauenrechte. Außer als Amor in Orfeo war sie in zwei Zukunft Kultur-Produktionen zu erleben: In Carmen sang sie die Rolle der Maria; im Februar 2019 stand sie im Hubertussaal von Schloss Nymphenburg auf der Bühne, als Solistin in dem Projekt Sehnsucht.Musik.Ankunft. Ein Konzert der Kulturen, einer Koproduktion mit dem Department Kunstwissenschaften der Ludwig-Maximilian-Universität München sowie dem Deutschen Forum für Musik- und Theaterkultur. Zur Zeit macht Wissam eine Ausbildung zur Erzieherin.

Walaa Kanaieh (Rezitation arabisch) kam im März 2016 von Syrien nach Deutschland. Sie wuchs mit den Sprachen Französisch und Arabisch auf und spricht sehr gut Englisch. Ihr großes Sprachtalent möchte sie beruflich einsetzen und in einem Studium in Deutschland weiterbilden. Sie traf Cornelia Lanz beim Welcome Café der Münchner Kammerspiele und ist seitdem bei Projekten von Zukunft Kultur in tragenden Rollen auf der Bühne – in Carmen als Manuelita, in Orfeo als Al-Mitra und ebenfalls zuletzt als Solistin in Sehnsucht.Musik.Ankunft.. Ihre Motivation: Indem sie ihre Geschichte auf der Bühne und in einem freien, friedlichen Land erzählt, lernt sie, besser mit ihrer Vergangenheit umzugehen.

Lisa Salman
(Rezitation arabisch) ist in Bagdad geboren und studierte dort Informatik. Vor 17 Jahren flüchtete die IT-Entwicklerin nach Deutschland. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Bei Zukunft Kultur München kann sie ihren alten Traum verwirklichen, selbst auf der Bühne zu stehen – zusammen mit Gleichgesinnten, die wie sie den Brückenschlag zwischen den Kulturen suchen.

Die irakische Kildan Band verbindet traditionelle irakische Känge mit modernen Arrangements. Sie treten oft in München auf, unter anderem im Gasteig, und machen Konzertreisen in die Heimat nach Bagdad. Bei unserem Divan-Projekt wirken drei Mitglieder der Band mit: Kildan Auda, ein echtes Münchner Kindl, brachte sich autodidaktisch mehrere arabische Instrumente bei, darunter auch das Kanun (Hackbrett), welches er besonders liebt. Maged Kildan Almandawi floh aus Bagdad nach Deutschland. Er lernte das Oud-Spiel bei einem großen irakischen Meister und ist froh, diese Liebe zur Musik in den Divan transportieren zu können. Asmat Al-Daheen, geboren in Bagdad, flüchtete bereits 1997 nach München, wo er als Subdiakon in einer Kirche arbeitet. Musik hatte für seine Familie und ihn immer einen hohen Stellenwert.

Über Zukunft Kultur e.V.

Così fan tutte (Oktober 2014), ZAIDE.EINE FLUCHT. (August 2015), Idomeneo (Juli 2016), Carmen (September 2017) und zuletzt Orfeo (März 2018): Mit beinahe unheimlichem Timing halten die Opernproduktionen von – damals noch Zuflucht Kultur genannt – der Entwicklung der Flüchtlingspolitik in Deutschland und Europa den Spiegel vor.
Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, mit und durch Kultur Brücken zwischen Geflüchteten und der einheimischen Bevölkerung zu bauen. Er arbeitet zuallererst künstlerisch im Bereich Oper, organisiert aber auch eine Vielzahl von politisch-sozialen Auftritten mit Projektchören und -Ensembles. Anfang September 2015, kurz nach Öffnung der deutschen Grenzen für in Südosteuropa festsitzende Flüchtlinge, gastierte der Chor Zuflucht beim Bürgerfest des Bundespräsidenten auf Schloss Bellevue; außerdem war er im ZDF bei Markus Lanz und Johannes B. Kerner zu erleben. In diesen bewegten Zeiten erreichten und erreichen die Macher laufend weitere Einladungen von Institutionen, die sich für Menschenrechte einsetzen: Unter anderem stand der Chor beim europäischen Konsultationstreffen des World Humanitarian Summit der Vereinten Nationen und bei der Eröffnung der Generalversammlung der International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies auf der Bühne, beides in Genf. Mit Auftritten wie diesen gelingt es Zukunft Kultur und seinem Chor so auch auf internationaler Ebene, das viel diskutierte Thema „Flüchtlinge“ mit starken, hoffnungsvollen Projekten zu verbinden. Der bislang schönste Erfolg der Arbeit: Das ZDF-Format Die Anstalt erhielt für die Sendung mit dem syrischen Flüchtlingschor Zuflucht den Grimmepreis 2015 „für den Moment der Echtheit und Wichtigkeit“. Eben diese Ausgabe wurde noch ein zweites Mal geehrt. Die deutsche Sektion von Amnesty International zeichnete sie mit dem Marler Medienpreis für Menschenrechte 2015 aus. Der Verein wurde aber auch direkt ausgezeichnet – mit dem Förderpreis der Pill Mayer Stiftung für interkulturellen Dialog 2016.
Im Mai 2018 vollzog Zuflucht Kultur die Namensänderung in Zukunft Kultur, um den veränderten Lebensumständen der ehemals Geflüchteten, nun aber zunehmend Angekommenen gerecht zu werden und den Blick auch auf andere gesellschaftspolitische Themen zu richten.
Mehr Informationen: zukunft-kultur.de