ZDF erinnert an Marcel Reich-Ranicki, dem Gründer des „Literarischen Quartetts“

Dokumentation zum 100. Geburtstag

Marcel Reich-Ranicki in Hamburg, Anfang der 60er Jahre. (© ZDF/Privatarchiv)

Am 2. Juni 2020 wäre Marcel Reich-Ranicki (1920 bis 2013) 100 Jahre alt geworden. Das ZDF erinnert am Sonntag, 31. Mai 2020, 0.20 Uhr, an den Literaturkritiker und Chef des „Literarischen Quartetts“ mit dem Dokumentarfilm „Ich, Reich-Ranicki“ von Lutz Hachmeister und Gert Scobel. Die ausführliche und sehr persönliche Lebensbeschreibung, die 2006 erstmals im ZDF ausgestrahlt wurde, und ist bereits am Samstag, 30. Mai 2020, 22.50 Uhr, in 3sat zu sehen.

Die beiden Grimme-Preisträger Hachmeister und Scobel entwerfen in über 100 Minuten das Porträt eines Mannes, dessen Lebenslinien seit seinen Jugendtagen zwischen Einsamkeit und Sehnsucht nach öffentlicher Anerkennung verliefen. Seine Anhänger schätzten Reich-Ranickis Lust, lauthals zu rühmen und zu tadeln. Seine Gegner warfen ihm Egomanie und grobschlächtige Kategorien bei der Beurteilung moderner Literatur vor. So kam es zu berühmt gewordenen Kontroversen Reich-Ranickis mit Günter Grass, Martin Walser, Peter Handke, Sigrid Löffler und, in Sachen der NS-Größe Albert Speer, mit Joachim Fest – seinem Förderer, der ihn einst als Literaturchef zur „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ geholt hatte. Mit selten gezeigtem Archivmaterial und sehr persönlichen, ausführlichen Erzählstrecken von Marcel Reich-Ranicki werden die Höhepunkte eines Jahrhundert-Lebens ebenso dargestellt wie die Jahre, als die Nationalsozialisten beabsichtigten, den jungen Marceli Reich zu vernichten.

„Ich, Reich-Ranicki“ ist die Charakterstudie eines fleißigen, begabten und durchsetzungsfähigen Mannes, der um seinen Aufstieg kämpfen musste. Zugleich ist der Film ein Panorama deutscher Kultur- und Fernsehgeschichte. Er verzichtet auf jeden Kommentar. Zu Wort kommen zahlreiche Zeitzeugen, wie Quartett-Mitstreiter Hellmuth Karasek, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher oder Reich-Ranickis Sohn Andrew.