Wolfgang Voigt im Münchner Haus der Kunst

Wolfgang Voigt (Foto: UNLAND)

Auch in diesem Jahr ist Sound wieder ein programmatischer Schwerpunkt im Münchner Haus der Kunst. Als erster Künstler der TUNE Serie präsentiert Wolfgang Voigt, einer der aktivsten Techno-Musiker, der audiovisuell an der Schnittstelle von Kunst und Musik agiert, während seiner Residency am 28. und 29.1. zwei Konzerte und stellt live das neue Album „Der Lange Marsch“ seines Hauptprojekts GAS vor. Sein kreatives Schaffen ist von jeher geprägt von Vielschichtigkeit, Grenzenlosigkeit, Unberechenbarkeit. Die Negation von Genre-, Stil- und Geschmacksgrenzen waren und sind maßgebliche Elemente seines Werks. Vor allem sein audiovisuelles Projekt GAS, basierend auf psychedelisch-verdichteten Klassik-Klangquellen in Kombination mit rauschhaften Waldfotos und Videos, begeistert eine Hörerschaft weit über die Grenzen von Elektronischer Musik und Techno hinaus. „GAS fantasiert über einen audiovisuellen Rausch zwischen Schönberg und Kraftwerk, ist Wagner als Glamrock, Hänsel und Gretel auf Acid.“ Sozialisiert in der Popsubkultur der 1970er und 80er Jahre, kreiert Wolfgang Voigt seinen ganz eigenen Kunst-Musik Kosmos. Im Rahmen der Residency wird Thomas Meinecke, Musiker, DJ und Schriftsteller, der sich intensiv mit Musik und den mit ihr verbundenen Politiken auseinandersetzt, einen Artist Talk mit Voigt führen.

Die Serie TUNE im Haus der Kunst wurde im vergangenen Jahr vorgestellt und befasst sich mit unterschiedlichen Facetten von Sound als Ausdrucksform zeitgenössischer Kunst. Es konnten bereits vier Künstler*innenresidencies realisiert werden die verdeutlichten, wie eng die Geschichte einzelner Menschen und größerer Gemeinschaften mit Klang verwoben sind. In den kurzen Sound Residencies, die zwischen den Bereichen Sound, Musik und visueller Kunst angesiedelt sind, sind die Künstler*innen eingeladen, Performances, Filmvorführungen und Installationen zu präsentieren. Im Dialog mit den aktuellen Ausstellungen geht es 2022 um Textur und Gestalt des Klangs und um verschiedene Arten von Performance. Die Künstler*innen bewegen sich zwischen verschiedenen Genres, Zeitaltern und Einflüssen, ihre Werke untersuchen die feineren Details: Wie verbindet sich Klang mit Zeit, wie entstehen Strukturen und lösen sich auf. Die Klangarbeiten erzeugen flüchtige Momente des Schwebens zwischen Klarheit und Opakheit und eine kollektive Erfahrung von einzigartigen Hörerlebnissen.

Das Programm im Haus der Kunst entfaltet sich im neuen Jahr in Form von Dialogen und setzt sich mit drängenden Diskursen der zeitgenössischen Gesellschaft auseinandersetzen. Innerhalb dieses neuen programmatischen Ansatzes entstehen Partnerschaften und Kollaborationen zwischen Künstler*innen ebenso wie Dialoge zwischen Institutionen. Die Ausstellungen sind eingebettet in ein Programm, in dem alle Künste – bildende Kunst, Performance, Tanz, bewegte Bilder, Musik und diskursive Praktiken – zusammenwirken und die Beziehung des Publikums zur Kunst als immersive, partizipative Erfahrung neu definieren.


TUNE Wolfgang Voigt
Fr. 28.1.22 | 20 Uhr Wolfgang Voigt – GAS „Der Lange Marsch“
Sa. 29.1.22 | 18 Uhr Wolfgang Voigt – Artist Talk mit Thomas Meinecke
Sa. 29.1.11 | 20 Uhr Wolfgang Voigt – GAS „Rückverzauberung – Abstract Essentials“


Die nächsten TUNE Sound Residencies und Installationen:

Beatrice Dillon
11.–12.2.22
Installation: 11.2.–15.2.22

Abdullah Miniawy
3.–4.3.22

William Basinski
6.3.22

Christelle Oyiri
5.–11.3.22

Stephen O’Malley
29.–30.4.22


Die nächsten Veranstaltungen und Ausstellungen im Haus der Kunst:

Heidi Bucher Online-Symposium mit Talks, Screenings und Musik
5.2.22

Anlässlich der Retrospektive „Heidi Bucher. Metamorphosen“ widmen das Haus der Kunst und The Estate of Heidi Bucher dem Lebenswerk der Künstlerin erstmalig ein ganztägiges digitales Symposium, das Heidi Buchers performativer Entdeckung und Emanzipation des sensuellen, empfindsamen Körpers im 20. Jahrhundert nachspürt.

Echoes
3.–13.3.22

„Echoes“ versammelt künstlerische Praktiken, die mit einer Poetik des Nachhalls auf kulturelle Formen der Amnesie reagieren. Durch imperialistische Politik und gewaltsame Geschichten der Vertreibung entstehen Lücken im Gedächtnis. Aus historischen Quellen, Riten und Mythologien der Vorfahren erzeugen die beteiligten Künstler*innen fiktive Archive, die sie mit Geschichten ihrer eigenen Herkunft und Identität verknüpfen. Gemeinsam sind ihnen die Stilmittel von nichtlinearen Erzählformen, Klang und Bewegung.
„Echoes“ ist eine neue Ausstellungsreihe mit den Schwerpunkten Performance und zeitbasierte Medien, die die übergreifenden Themenschwerpunkte des Haus der Kunst während des ganzen Jahres widerspiegeln. Daher treten auch einige Künstler*innen aus der Reihe „Tune“ im Rahmen von „Echoes“ auf. Das Programm erstreckt sich über zehn Tage und lädt das Publikum zu verschiedenen Tageszeiten zu Filmvorführungen, Künstler*innengesprächen und Performances ein. Auf diese Weise entfaltet sich die Ausstellung „live“, und kein Tag wird wie der andere sein.
Mit Ain Bailey, William Basinski, Hylozoic/Desires (Himali Singh Soin & David Soin Tappeser), Lamin Fofana, Onyeka Igwe, Lafawndah & friends, Tarek Lakhrissi, Abdullah Miniawy, Christelle Oyiri, caner teker.

Fujiko Nakaya. Nebel Leben
7.4.–31.7.22

Die Nebelskulpturen von Fujiko Nakaya bestehen vollständig aus reinem Wasser. Sie fordern traditionelle Vorstellungen von Skulptur heraus, denn je nach Temperatur, Wind und Atmosphäre verändern sie sich in jedem Augenblick.
Die Ausstellung im Haus der Kunst ist die erste umfassende Werkschau der Künstlerin und Bildhauerin Fujiko Nakaya (*1933 in Sapporo, Japan) außerhalb Japans. Inspiriert vom in den 1970er-Jahren aufkeimenden ökologischen Bewusstsein arbeitet Nakaya seit jeher und bis heute mit Luft und Wasser. Fujiko Nakaya wurde im Rahmen des „Pepsi Pavillons“ auf der Weltausstellung in Osaka 1970 Teil der von Rauschenberg und Klüver gegründeten Gruppe Experiments in Arts and Technology (E.A.T.). Sie leitete viele Jahre lang das Japan International Video Television Festival. Die frühen Gemälde, Nebelskulpturen, Einkanal-Videos, Installationen und Dokumentationen werden in direkte Beziehung zu dem sozialen und kulturellen Netzwerk der Künstlerin gesetzt.
Nakayas besonderer Zugang zu Themen wie Natur, Wissenschaft und Zufall hat das japanische Künstler*innenkollektiv Dumb Type und den Musiker Carsten Nicolai auf unterschiedliche Weise entscheidend geprägt. Sie treten in eigenen Ausstellungen mit den Werken von Fujiko Nakaya in den Dialog.

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