WDR Rundfunkchor eröffnet das Festival „ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln“ am 1. Mai

WDR Rundfunkchor (© WDR / Christian Palm)

Gespielter Ernst: Eröffnungskonzert mit dem WDR Rundfunkchor // Uraufführung Chorwerk „Gespenster und Fahnen“ von Gordon Kampe // Werke von David Lang, Lera Auerbach, Gordon Kampe

(Köln, 22.04.2021) Spiel- und Ernst=Zeug: Der Titel des Eröffnungskonzerts des WDR Rundfunkchores im Livestream am Samstag, 1. Mai um 16 Uhr beim diesjährigen Festival „ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln“ ordnet programmatischen Spieltrieb an. Und den darf der WDR Rundfunkchor hier – endlich wieder – ausleben.

Eröffnet wird das Konzert von dem atemberaubenden Chorwerk “The Little Match Girl Passion“ (2007) für Kammerchor und vier Solisten des amerikanischen Komponisten David Lang, für das er 2008 den Pulitzer Prizes für Musik erhielt. Aus mysteriösen Klangflächen entwickelt sich mit kleinen rhythmischen Figuren und Pulsen allmählich ein fesselndes Klanggebilde – ein bewusster Brückenschlag von Hans Christian Andersens „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ zu Bachs Matthäus-Passion, die Lang auch auf der Textebene zitiert.

Im Mittelpunkt des Programms steht die Urauffürhung der Auftragskomposition von Gordon Kampe. Das gesamte Werk des 1976 in Herne geborenen, scharfsichtigen (nicht nur) musikalischen Kolumnisten ist von humoristischen Klangspielereien durchzogen. Dafür stehen auch Kampes „Zehn Symphonien“ (2011) für Saxophonquartett mit einer Rekord-Aufführungsdauer von je 10 Sekunden bei einer Überfülle von Bezügen und majestätischer Betitelung. Anders jedoch Kampes neues Werk »Gespenster und Fahnen« (2021) für achtstimmigen Chor und Zuspielungen mit einem Libretto, das mit Auszügen aus Macchiavellis „Principe“, Tucholsky, Goethe und Lequinio („Täuscht Eure Zuhörer so gut ihr könnt“) zu beherzten Denkanstößen führen dürfte. Gordon Kampe: „Die Texte (…) geben Tipps für gelingenden Populismus, der Zauberlehrling bekommt den rechtsdrehenden Besen nicht mehr los und dann gibt es noch Zaubersprüche aus Merseburg: Ob man die AfD aus dem Bundestag wegzaubern kann? Vielleicht nicht, aber ich versuche es trotzdem!“

Christian Morgensterns skurril-sprachspielerischen „Galgenliedern“ ist der Konzerttitel „Spiel und Ernst=Zeug“ entlehnt. Lera Auerbach hat sie 2013 zu einem Liederzyklus für Frauenchor und Saxofonquartett verarbeitet. 2013 vom WDR Rundfunkchor in der Kölner Trinitatskirche uraufgeführt, kehren Auerbachs makabren, drastischen und sarkastischen „Galgenlieder“ in einer Auswahl am Schluss des Programms zurück nach Köln – eine ordentliche Portion Galgenhumor kann nicht schaden.

Seinen Einstand gibt beim Acht Brücken-Festival der neue Chefdirigent des WDR Rundfunkchores, Nicolas Fink. Mit seinem Profil als innovativer Stimm- und Klangbildner mit ungewöhnlichen Programmkombinationen und aktuellen Themen ist Nicolas Fink eine Idealbesetzung für Vokalmusik der Gegenwart als zentralem Profilbaustein des WDR Rundfunkchores.

Das Konzert wird live gestreamt auf wdr-rundfunkchor.de und ist zeitversetzt auf youtube.com/wdrklassik und facebook.com/wdrrundfunkchor zu sehen und sind außerdem nach der Erstausstrahlung noch 30 Tage in der ACHT BRÜCKEN-Mediathek (achtbruecken.de/mediathek) abrufbar. Das Konzert wird vom WDR für den Hörfunk aufgezeichnet und auf WDR3 in der Sendung „Das Konzert“ am 19. Mai 2021, 20.04 Uhr gesendet. Weitere Informationen unter https://www1.wdr.de/orchester-und-chor/rundfunkchor .

Der WDR Rundfunkchor

Der WDR Rundfunkchor ist ein Profi-Ensemble mit 43 Sängerinnen und Sängern. Seine Heimat ist das WDR Funkhaus in Köln. Das Profil ist Repertoire-Vielfalt in Perfektion und Spezialisierung auf innovative und anspruchsvolle Werke, sowohl im A cappella als auch instrumentalen Bereich.

Das Spektrum reicht dabei von der Musik des Mittelalters bis zu zeitgenössischen Kompositionen. Der Chor wirkt in Zusammenarbeit mit den WDR Orchestern, präsentiert sich in seiner eigenen A cappella-Reihe in Köln und wird regelmäßig von nationalen und internationalen Orchestern für große und besondere Konzerte angefragt.

Mehr als 170 Ur- und Erstaufführungen zeichnen das bisherige Programm des WDR Rundfunkchores aus. Der Rundfunkchor ist in steter Bewegung, dringt in neue Räume vor, sucht engagiert nach Herausforderungen und bringt Partituren größter Schwierigkeitsgrade zum Klingen. Die Freude an Chormusik und die Einladung an alle Menschen zum Singen ist dem Chor ein Anliegen und gehört gleichermaßen zum Aufgabenspektrum wie auch die Kinder- und Familienkonzerte.

In den letzten sieben Jahrzehnten begleiteten Bernhard Zimmermann, Herbert Schernus, Helmuth Froschauer, Anton Marik und Rupert Huber und Stefan Parkman den WDR Rundfunkchor als Chefdirigenten. Nicolas Fink wurde mit Beginn der Spielzeit 2020/2021 neuer Chefdirigent des WDR Rundfunkchores. Zusätzlich wurde Simon Halsey als Kreativdirektor für Chormusik und außergewöhnliche Projekte gewonnen.

Das Sonic-Art Saxofonquartett

Das 2005 gegründete sonic.art Saxophonquartett ist ein Kammermusikensemble mit internationalem Flair, das seinen ganz eigenen Stil gefunden hat. Die sensible und sorgfältige Auswahl der Projekte, Programme und Kooperationen sowie Bühnenpräsenz, Charme und Feinsinnigkeit der vier Saxophonisten haben sonic.art den Ruf eines hochkarätigen Ensembles eingebracht.

Im Zentrum des Repertoires stehen die reiche Original-Literatur aus der jüngeren Vergangenheit sowie Arrangements bekannter Werke aus allen Epochen. Höhepunkte zuletzt waren die Aufführungen des „Concerto grosso“ für Saxophonquartett & Orchester von William Bolcom mit den Nürnberger Symphonikern und dem Sinfonieorchester Aachen. 2019 waren die Musiker als „artist in residence“ beim Canberra International Music Festival in Australien zu Gast, sie treten regelmäßig auf renommierten nationalen und internationalen Podien auf.

In Kooperation mit zeitgenössischen Komponisten hat das Ensemble auch neue Werke initiiert. Eine Auswahl des Repertoires, u.a. Werke von Ligeti, Glass, Schostakowitsch und Glasunow sind bisher auf drei CDs in Zusammenarbeit mit dem Deutschlandfunk beim Leipziger Label GENUIN classics erschienen. Die letzte Veröffentlichung ‚Transformation‘ enthält die Ersteinspielung des gleichnamigen Werkes von Sofia Gubaidulina in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Posaunisten Christian Lindberg sowie der Sopranistin Evelina Dobračeva.

Informationen:

ACHT BRÜCKEN FESTIVAL
Konzert „Spiel- und Ernst=Zeug“

1. Mai, 16 Uhr, Funkhaus Wallraffplatz

Livestream: wdr-rundfunkchor.de

Festival „ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln“
Zeitversetzt auf YouTube: (youtube.com/wdrklassik) und Facebook (facebook.com/wdrrundfunkchor)

WDR3 Hörfunk // Das Konzert | 19. Mai 2021, 20.04 Uhr | WDR 3

Weitere Konzerte des WDR Rundfunkchores unter wdr.de