Vorläufige Bilanz der Ruhrtriennale 2022

Jahrhunderthalle Bochum © Jörg Brüggemann/Ostkreuz

Die Regisseurin und Intendantin der Ruhrtriennale Barbara Frey – gerade erst mit dem höchsten Theaterpreis der Schweiz gewürdigt – blickt gemeinsam mit ihrem Team positiv auf ihre zweite Festivalausgabe.

Kurz vor Ende des jährlichen Festivals der Künste in der Metropole Ruhr am 18. September, zeigt sich Barbara Frey trotz der gesellschaftlich fordernden Krisen in aller Welt zufrieden. „Nichts sehnlicher haben wir uns gewünscht, als Ort der Begegnung und pluralistischen künstlerischen Auseinandersetzung gleichermaßen von Publikum und allen am Festival Beteiligten angenommen zu werden. Dies haben wir genauso erlebt,“ so eine erste Bilanz von Barbara Frey, Intendantin der Ruhrtriennale 2021–23.

„Trotz Pandemie, Klimakrise, Krieg in der Ukraine und den damit verbundenen Folgen für uns alle konnten wir ein intensives Festival mit Kunstschaffenden aus vielen Teilen der Welt als auch der Region realisieren. Es war uns eine Freude und wir verbeugen uns vor unseren Besucher:innen, den Künstler:innen sowie dem gesamten Team.“

Zu den Veranstaltungen der letzten Festivalwoche, für die es noch Karten gibt, zählen die Tanz-Vorstellungen „to come (extended)“ der Choreografin Mette Ingvartsen am 14. September in Duisburg als auch für die deutsche Erstaufführung des Schauspiels „Una imagen interior – Ein Bild aus dem Inneren“ von El Conde de Torrefiel vom 15. bis 17. September in Essen. Karten sollte man sich auch für die weiteren Vorstellungen von „Respublika“ vom 15. bis 17. September in der Jahrhunderthalle Bochum sichern: Angesiedelt zwischen Techno, Film, Performance, Schauspiel und Installation versteht sich der vierstündige Abend mit anschließendem zweistündigen Rave als ein sowohl komplexes als auch kraftvoll-sinnliches Gegenwartsbild. Am 17. September geht „Respublika“ in eine lange Rave-Nacht unter dem Titel „The Third Room X Respublika“ über. Zum internationalen Line-up zählen Marcel Dettmann, Ryan Elliot, Dr. Rubinstein, Luke Slater aka Planetary Assault Systems und Juliana Huxtable.

Karten sollte man sich auch für das Konzert „Harawi“ am 17. September in Duisburg sichern, bei dem die Sopranistin Rachael Wilson und die Pianistin Virginie Déjos den gleichnamigen Liederzyklus des Komponisten Olivier Messiaen und dessen transzendente Idee des Liebestods als höchste Erfüllung der Liebe interpretieren.

Den Schlussakkord stimmt – nach einem die Nacht andauernden Rave – der Akkordeonist Thomas Hojsa am frühen 18. September an. Das Konzert beginnt bei freiem Eintritt um 8 Uhr in der Pappelwaldkantine an der Jahrhunderthalle Bochum.

Darüber hinaus sind folgende Arbeiten noch bis Festivalende erlebbar – allesamt verstehen sie sich als Einladung sowohl zum Verweilen und als auch zu Neu-Entdeckungen wie die Pappelwaldkantine oder die Installation „THE HUDDLE“ an der Bochumer Jahrhunderthalle: Kostenfrei, rund um die Uhr, per Straßenbahn, Fahrrad oder zu Fuß, allein oder gemeinschaftlich, die Ruhrtriennale setzt die Erkundung von Wegen außerhalb der Welt der Spielorte fort. Die „Wege“ vermitteln uns via Smartphone, Kopfhörer und Booklet eine Vielzahl von neuen Perspektiven und Geschichten auf und über die Region. In der kostenfreien Video-Installation „4. Halbzeit“ hingegen beschäftigt sich das Künstlerduo Wermke/Leinkauf mit dem Phänomen organisierter Fußballfans und Ultras im Zusammenhang gesellschaftspolitischer Aufstände, noch vom 14. bis 16. September, von 16 bis 20 Uhr, am 17. September, von 12 bis 20 Uhr im Schalthaus Ost im Landschaftspark Duisburg-Nord zu sehen.

Digitale Angebote, darunter Konzert-Mitschnitte und Podcasts in Zusammenarbeit mit Medienpartnerschaften sowie Audio-Einführungen zu vielen Produktionen, flankierten die Veranstaltungen. Sechs Hörfunk-Aufzeichnungen in Zusammenarbeit mit dem Kulturradio WDR 3, u.a. im Rahmen der WDR 3 Kulturpartnerschaft, konnten realisiert werden: Die Sendetermine der Konzert-Mitschnitte von „Schwerkraft und Gnade“, weiterhin von „Broken Spirit xx“ und „Vergessene Opfer“ stehen noch nicht fest. Wer die Dialogreihe zur „Natur des Menschen“ verpasst hat, der kann den klugen Gästen – leichtgängig moderiert durch den Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss – bei „WDR 3 Forum“ noch am 25. September und 2. Oktober, jeweils um 18.04 Uhr oder im Podcast unter wdr3.de lauschen.

Kurz vor Ende des sechswöchigen Festivals wird eine Gesamtauslastung von rund 75 Prozent erwartet. Bei rund 26.000 ausgegebenen Tickets und weiteren rund 37.000 Nutzer:innen der Veranstaltungen bei freiem Eintritt an verschiedenen Spielorten besuchten rund 63.000 Menschen die diesjährige Ruhrtriennale.

Eine erfolgreiche Bilanz zieht auch Dr. Vera Battis-Reese, Geschäftsführerin der Kultur Ruhr GmbH, für die diesjährige Ruhrtriennale, die 2022 ihr 20-Jähriges feierte. „Die Ruhrtriennale 2022 konnte trotz der gesamtgesellschaftlich herausfordernden Situation rund 63.000 Menschen für sich begeistern. Hierüber sind wir sehr glücklich. Dass dies in einem erneut besonderen Jahr möglich wurde, verdanken wir unseren zahlreichen Förderern, Partnern und dem gesamten Team des Festivals.“ Das vorausschauend geplante Programmangebot konnte seit seiner Veröffentlichung im April 2022 ohne wesentliche corona-bedingten Veränderungen durchgeführt werden.

Noch bis Sonntag, 18. September präsentiert die Ruhrtriennale Kunst in einer Vielzahl von ehemaligen Industriehallen der Städte Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck. Vielstimmige internationale Positionen aus den Bereichen Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Konzert, Installationen, Literatur und Dialog verhandeln über knapp sechs Festivalwochen hinweg gegenwärtige Themen, suchen nach der Kraft des Blickwechsels, von Wandel, Übergang, Transzendenz und Entgrenzung. Das jährliche Festival der Metropole Ruhr ist die zweite Ausgabe unter der auf drei Jahre angelegten Intendanz der Schweizer Theaterregisseurin Barbara Frey.

Die Ruhrtriennale 2022 umfasste 36 Produktionen und Projekte, darunter sieben Eigen- und Koproduktionen, fünf Uraufführungen, eine europäische und fünf deutsche Erstaufführungen. Das Festival, das an acht verschiedenen Orten in den Städten Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck stattfand, beteiligte in 107 Veranstaltungen mehr als 500 Kunstschaffende aus über 30 Ländern.

Der Festivalkatalog der Ruhrtriennale lädt auf mehr als 240 Seiten zu einer bild- und textstarken ergänzenden Erkundung des Festivalprogramms ein. Zentral platziert ist die eigens für das Magazin entwickelte Bildstrecke des Berliner Künstlers Mischa Leinkauf und dessen Blick auf das „Revier“, verschränkt mit den „Blackouts“ der Duisburger Dichterin Lütfiye Güzel. Ein Magazinteil mit 17 Gesprächen, Interviews und Essays aus Kunst, Programmgestaltung, Dramaturgie und Wissenschaft bietet eine Fülle von Anregungen. Als PDF unter ruhrtriennale.de sowie als Print-Version weiterhin kostenfrei erhältlich.


Die Ruhrtriennale 2022 umfasst

  • 36 Produktionen und Projekte, darunter 7 Eigen- und Koproduktionen,
  • 5 Uraufführungen, 1 europäische, 5 deutsche Erstaufführungen,
  • 107 Veranstaltungen
  • an 8 Spielorten in den Städten Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck
  • und mehr als 500 Kunstschaffende aus rund 30 Ländern.
  • Mit rund 26.000 ausgegebenen Karten sowie weiteren rund 37.000 Besucher:innen der kostenfreien Formate wird eine Gesamtauslastung von rund 75 Prozent prognostiziert.

Ruhrtriennale 2022: Do 11. August – So 18. September

  • 8 verschiedene Spielstätten in 4 Städten: Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck
  • 107 Veranstaltungen
  • 36 Produktionen und Projekte
  • 7 Eigen- und Koproduktionen
  • 5 Uraufführungen
  • 1 Europäische Erstaufführung
  • 5 Deutsche Erstaufführungen
  • 8 Projekte mit freiem Eintritt
  • und mit mehr als 500 Kunstschaffende aus über 30 Ländern

EIGEN- UND KOPRODUKTIONEN (chronologisch)

  • „Ich geh unter lauter Schatten“ Gérard Grisey, Claude Vivier, Iannis Xenakis, Gia-
  • cinto Scelsi, Elisabeth Stöppler, Peter Rundel, Klangforum Wien, Chorwerk Ruhr /
  • Musiktheater
  • „Intime Revolution“ Anna Papst & Mats Staub / Eine Audio-Vinothek
  • „A Plot / A Scandal“ Ligia Lewis / Tanz
  • „Das weite Land“ Arthur Schnitzler, Barbara Frey, Martin Zehetgruber / Schauspiel
  • „Euphoria“ Julian Rosefeldt / multidisziplinäre Installation „HAUS“ Sarah Nemtsov,
  • Heinrich Horwitz, Rosa Wernecke / Musiktheater
  • „Wege“ / u.a. Audiowalks, Fahrradtouren, literarische Durchsagen im Öffentlichen
  • Raum / während des Festivals

URAUFFÜHRUNGEN (chronologisch)

  • „Intime Revolution“ Anna Papst & Mats Staub / Eine Audio-Vinothek
  • „Pavlopetri“ Michael Petzel / in dem Konzert „Organicum“
  • „Euphoria“ Julian Rosefeldt / multidisziplinäre Installation
  • „HAUS“ Sarah Nemtsov, Heinrich Horwitz, Rosa Wernecke / Musiktheater
  • „In Resonance with Elsewhere“ Komposition von Charlotte Hug / Reihe MaschinenHausMusik

1 EUROPÄISCHE ERSTAUFFÜHRUNG

„Clock Dies“ Sarah Hennies / im Konzert „Clock Dies“

5 DEUTSCHE ERSTAUFFÜHRUNGEN (chronologisch)

  • „MOOS“ Komposition von Sarah Nemtsov / im Konzert „Organicum“
  • „Seek Bromance“ Samira Elagoz / Performance, Film
  • „Follow Me“ Be Flat / Performance
  • „Coffin Bubbles Blue“ Komposition von Raphaël Cendo / im Konzert
  • „Coffin Bubbles“
  • „Una imagen interior“ El Conde de Torrefiel / Schauspiel

8 PROJEKTE MIT FREIEM EINTRITT (chronologisch)

  • „THE HUDDLE“ Katja Aufleger / Installation
  • „4. Halbzeit“ Wermke/Leinkauf / Installation
  • „Aparición“ von Regina José Galindo / Plakat-Aktion
  • TEENS IN THE HOUSE II Teilhabe-Projekt im Rahmen der Jungen Triennale
  • „Farewell“ Thomas Hojsa / Konzert / Festivalausklang
  • „Wege“ / u.a. Audiowalks, literarische Durchsagen im öffentlichen Raum / während des Festivals
  • Pappelwaldkantine an der Jahrhunderthalle Bochum / während des Festivals
  • Festivalbibliothek an der Jahrhunderthalle Bochum / während des Festivals

WEITERE ANGEBOTE

Die Sendetermine der WDR-Konzert-Aufzeichnungen von „Schwerkraft und Gnade“ mit Chorwerk Ruhr und den Bochumer Symphonikern, weiterhin von der Band-Premiere „Broken Spirit xx“ um den Wuppertaler E-Gitarristen Caspar Brötzmann sowie von „Vergessene Opfer“ der Duisburger Philharmoniker stehen noch nicht fest. wdr3.de
Die dreiteilige Dialogreihe zur „Natur des Menschen“ unter Leitung von Lukas Bärfuss wurde aufgezeichnet für „WDR 3 Forum“ in Zusammenarbeit mit dem Kulturradio WDR 3 im Rahmen der WDR 3 Kulturpartnerschaften. Sendetermine: 11. September, 25. September und 2. Oktober 2022, jew. 18.04 Uhr, anschließend verfügbar in der Audiothek unter www.wdr3.de
Stück-Einführungen der Ruhrtriennale sind als Audio auf ruhr3 abrufbar.

ORTE UND SPIELSTÄTTEN

BOCHUM Jahrhunderthalle, Turbinenhalle und Pappelwaldkantine, STÜH33; DUISBURG Gebläsehalle und Schalthaus Ost, Landschaftspark Duisburg-Nord; ESSEN
Salzlager und Halle 5 UNESCO-Welterbe Zollverein, PACT Zollverein, Maschinenhaus Essen; GLADBECK Maschinenhalle Zweckel

TICKETING

Online ruhrtriennale.de, tel. unter 0221 280-210, Mo – Fr 8– 20 Uhr, Sa 9 –18 Uhr, So 10 – 16 Uhr, persönlich an allen Vorverkaufsstellen ruhr3
KombiTicket: Die Eintrittskarten (nicht übertragbar) gelten am Tag der Veranstaltung im gesamten Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in allen Bussen und Nahverkehrszügen (2. Klasse) für Hin- und Rückfahrt zum und vom Veranstaltungsort. Kinder / Schüler:innen / Studierende (bis einschl. 30 Jahre), Bundesfreiwilligendienstleistende, Auszubildende und Erwerbslose sind ermäßigungsberechtigt und erhalten gegen Vorlage eines entsprechenden Nachweises 50 % Ermäßigung. Professionals erhalten 50 % Ermäßigung. Last-Minute-Tickets können Ermäßigungsberechtigte ab 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn nach Verfügbarkeit für 10 € erwerben. Ticketpatenschaften für geflüchtete Menschen: Ermöglicht durch den Verein der Freunde und Förderer der Ruhrtriennale, versteht sich die Patenschaft als solidarische Gesteund bietet geflüchteten Menschen die Möglichkeit, Veranstaltungen der Ruhrtriennale 2022 bei freiem Eintritt zu besuchen. Alle Informationen dazu finden sich in Englisch und Ukrainisch unter ruhrtriennale.de.