Vorfreude auf den Festivalsommer: KUNSTFEST WEIMAR 2022 veröffentlicht Programm

Gemeinsam präsentierten sie das Programm des KUNSTFESTS WEIMAR 2022: v.l.n.r. Frank Motz (ACC Galerie Weimar, »Dirty Talking – Thüringer Verführungen«), Sabine Rühl (Geschäftsführerin DNT Weimar), Oberbürgermeister Peter Kleine, Dr. Elke Harjes-Ecker (Leiterin Abteilung 4 Kultur und Kunst der Thüringer Staatskanzlei), Prof. Manfred Bründl (Künstlerische Leitung & Kontrabass bei dem Konzert »Weimar | Babylon«) und Festivalleiter Rolf C. Hemke. (Foto: Henry Sowinski)

42 Projekte wird das KUNSTFEST WEIMAR 2022 während des Festivalzeitraums vom 24. August bis 10. September umfassen: Interdisziplinäre Aufführungen und Ausstellungen, Screenings und Interventionen, Debatten und Lesungen – siebzehn Ur- und Erstaufführungen, rund 140 Events an 17 Spielorten in Weimar und 16 thüringenweit. Am Freitag, den 1. Juli, stellte Rolf C. Hemke, künstlerischer Leiter des größten Festivals für die zeitgenössischen
Künste im Osten Deutschlands, das Hauptprogramm vor – gleichzeitig begann der Ticketvorverkauf. Unter der Überschrift »Sehnsucht nach morgen« will das KUNSTFEST WEIMAR Mut machen und zur Reflektion einladen – in Anbetracht einer nicht enden wollenden Pandemie, der Klimakrise und von Krieg in Europa.

Rolf C. Hemke erläuterte die Themenwahl so: »Das Motto trägt die Spannung unserer Epoche in sich. Als zeitgenössisches Festival reflektiert das KUNSTFEST immer die Gegenwart, gleichzeitig will es Fest sein. Doch wie lässt sich in dieser Zeit feiern? Wie schafft man es, der Schwere der brisanten Themen gerecht zu werden und trotzdem Unterhaltung zu bieten? Unsere Projekte stellen sich der Reflexion des Heute in Form bildmächtiger und sprachgewaltiger Versuche des Aufrüttelns, um die poetische Annäherung an eine gemeinsame Veränderung.«

An den Eröffnungstagen steht das traditionelle Gedächtnis-Buchenwald-Konzert und eine große, sechsteilige Videoinstallation auf dem Theaterplatz auf dem Programm (24. bis 26. August): Die Zuschauer:innen werden in »Der Olivenhain« der israelischen Starkünstlerin Sigalit Landau auf dem Theaterplatz durch einen heterogenen Olivenhain wandeln und werden damit konfrontiert, wie das faszinierende, biblische Symbol heute den Gesetzen von Effizienz und Ökonomie unterworfen ist. Der international tätige, israelische Choreograf Nir de Volff hat dazu eine performative Choreografie entwickelt. Ebenfalls für Aufmerksamkeit sorgen wird die Ausstellung (25. August bis 11. September, ACC Galerie) von Theaterfiguren des katalanischen Surrealisten Joan Miró in Kombination mit einem Soundstück des weltberühmten Künstlers Robert Wilson, der am Ende des Kunstfests zu einem Gespräch erwartet wird.

Zudem wird im DNT das Tanzprogramm mit dem südafrikanischen Doppelgastspiel von zwei Projekten von Starchoreograf Gregory Maqoma eröffnet (25. und 27. August).

Im Musiktheater steht neben der länger im Vorverkauf befindlichen Uraufführung »Welcome to Paradise Lost« von Jörn Arnecke zu einem Libretto von Falk Richter (3. und 10. September, e-werk weimar), das Arienprojekt »Aria di Potenza« des jungen, polnischen Regisseur Krystian Lada im Mittelpunkt (02. September, DNT): Aktuelle politische Reden werden darin paraphrasiert oder ironisch durchbrochen mit populären Arien des Opernrepertoires, dargeboten von drei an den großen Opernbühnen der Welt gefragten Solist:innen.

Mit der Uraufführung des von Partnern aus vier Kontinenten koproduzierten Augmented Reality-Parcours »Animate« des kanadischen Multimedia-Künstlers Chris Salter setzt das KUNSTFEST WEIMAR seine Auseinandersetzung mit der drohenden Klimakatastrophe fort (26. August bis 04. September, KET-Halle). In Slots zu jeweils zwölf Personen wird das körperimmersive Projekt im wahrsten Sinne des Wortes zu einem virtuellen Ganzkörpererlebnis.

Die Klimakrise ist auch Thema von Thomas Köcks bereits angekündigter Uraufführung „Solastalgia“ in Koproduktion mit dem Schauspiel Frankfurt (07. und 08. September, e-werk weimar).

Mit dem Projekt »Werwolfkommandos« setzt das KUNSTFEST seine Beschäftigung mit Prozessen gegen Rechts und der juristischen Aufarbeitung rechter Gewalt fort. Die Frankfurter Regisseurin Marie Schwesinger und ihr Team haben mehrere Gerichtsprozesse in Frankfurt am Main verfolgt: den Prozess um den Mord an Walter Lübcke, den Prozess gegen den Bundeswehrsoldaten Franco A. sowie den Prozess gegen den Verfasser der Drohschreiben-Serie NSU 2.0 und daraus ein zweiwöchige Diskurs- und Performance-Projekt destilliert, das am KUNSTFEST-Pavillon auf dem Theaterplatz (25. August bis 08. September) und im DNT Studio (10. September) stattfinden wird. Prof. Dr. Volkhard Knigge wird sich erneut illustre, internationale Gäste einladen und in vier Gesprächsrunden Erinnerungskultur angesichts von
Krieg und rechter Gewalt thematisieren.

Die spanische Performance-Legende Angélica Liddell gastiert am 04. September (DNT) mit ihrem neuesten, bildmächtigen Performance-Projekt »Terebrante« erstmals in Deutschland, in dem sie sich mit dem Flamenco, einem der zentralen Kulturgüter ihrer spanischen Heimat auseinandersetzt. Den Schmerz zelebriert sie darin als Ursprung der Schöpfung und des Tanzes – allerdings erklingt an dem Abend kein einziger Ton Flamenco.

Rolf C. Hemke erläutert: »Unsere Experimentierfreude kennt wieder einmal keine Grenzen – wir spielen mit unterschiedlichen Ästhetiken und entwickeln ganz neue Formen: Von Tanz, Schauspiel, Oper über Konzerte zwischen Sinfonik und Moderne, Jazz und Pop, bildende Kunst, Video und Film bis zur ER-Performance. Unsere Gastkünstler:innen und Kompanien kommen aus der ganzen Welt: Aus Südafrika und Uruguay, aus Kanada und den USA, aus Indien, Israel und aus ganz Europa.« Auch sein regionales Engagement nimmt das KUNSTFEST WEIMAR besonders ernst: Das Projekt »Dirty Talking – Thüringer Verführungen« mit zugehörigem Ausstellungsreigen wird bis in die entlegensten Winkel Thüringens reisen und in insgesamt 16 Städten und Dörfern stattfinden: Im Zentrum steht der in Weimar ansässige Schauspielstar Dominique Horwitz.

Weitere Informationen und Tickets sind ab sofort erhältlich unter www.kunstfest-weimar.de;
Kartentelefon 03643/755334.