Very british ~ Das City of Birmingham Symphony Orchestra im Festspielhaus Baden-Baden

Sheku Kanneh-Mason (© Lars Borges)

Royales Cello und British music at its best: Das City of Birmingham Symphony Orchestra mit Chefdirigentin Mirga Graäinytè-Tyla und dem Cellisten Sheku Kanneh-Mason im Festspielhaus Baden-Baden

Mit Werken von Henry Purcell, Edward Elgar und weiteren britischen Komponisten gastiert das City of Birmingham Symphony Orchestra mit seiner Chefdirigentin Mirga Grašinytè-Tyla im Festspielhaus Baden-Baden.
Am Freitag, 11. Oktober 2019,20 Uhr ebenfalls auf der Bühne: der Cellist Sheku Kanneh-Mason, ein internationaler Star – nicht erst seit seinem Auftritt bei der Hochzeit von Harry und Meghan.

Die musikalische Englandreise wird vom „britischen Orpheus“ eröffnet, dem exzentrischen Barockgenie Henry Purcell. Als Purcell 1695 sechsunddreíßígjährig starb, wurde bei seiner Beerdigung die von ihm komponierte und im selben Jahr uraufgeführte „Funeral Music for Queen Mary“ gespielt. Im Festspielhaus wird die Fassung für Orchesterbläser des britischen Komponisten Steve Stucky erklingen. Neben Purcell wird die reiche Renaissance-Tradition der lnsel im Konzert gewürdigt -indirekt zwar, dafür aber überdeutlich: mit der „Fantasie über ein Thema von Thomas Tallis“ für Streichquartett und Streichorchester des Ravel-Schülers Ralph Vaughan-Williams. Die stimmungsvolle Fantasie von 1910 ist wie „Die Moldau“ einer dieser typischen „Klassik-Hits“, die im Radio regelmäßig gespielt werden, während man sie in Konzerten nur selten zu hören bekommt.

England ist das Land der – auch musikalischen – Naturidyllen. Es hat etwas gedauert, bis ein Edward Elgar das Tor zum Hochdramatischen durchstoßen hat. Das dann aber gründlich: seinen Zeitgenossen erschien der Komponist wie ein zweiter, ein „englischer“ Beethoven. Voller Wehmut schaut in dem Cellokonzert die Musik auf eine untergegangene Welt zurück v und das Hauptthema des 1919 uraufgeführten Werks hat echte Ohrwurmqualitäten. Eine Reise durch die Musikgeschichte bliebe unvollständig ohne einen Vertreter zeitgenössischer Musik. Der britische Komponist George Benjamin hat in dem 1980 uraufgeführten „ringed by the flat horizon“ ~ gemäß britischer Tradition – eine Landschaft portraitiert. Wenn auch eher unbritisch: ein Gewitter in der Wüste.

Als Kind einer Musikerfamilie im litauischen Vilnius geboren, verspürte Mirga Graíinytè-Tvla schon früh den Wunsch aufzutreten. „Musizieren war in meiner Kindheit allgegenwärtig“, sagt sie. „Mit 11 Jahren erklärte ich, ich könne mir keinen anderen Beruf vorstellen als die Musik. Ich bekam Angst, dass es zu spät sein würde, wenn ich nicht sofort begänne, alles zu lernen.“ Sie studierte Chor- und Orchesterdirigieren an der Grazer Universität für Musik und darstellende Kunst, dem Konservatorium in Bologna, an der Musikhochschule Leipzig und an der Zürcher Hochschule der Künste. 2009 wurde sie in das Dirigentenforum des Deutschen Musikrates aufgenommen und gab im darauf folgenden Jahr ihr Operndebüt mit „La traviata“ in Osnabrück. Mit dem Gewinn des begehrten Salzburg Young Conductors Award 2012 und ihrem Debüt bei den Salzburger Festspielen erfolgte ihr internationaler Durchbruch. Von 2012 bis 2017 war sie, erst als Gustavo Dudamel Fellow, dann als Assistant Conductor und Associate Conductor dem Los Angeles Philharmonic Orchestra eng verbunden. Von 2015 bis 2017 war sie Musikdirektorin am Salzburger Landestheater. Seit der Saison 2016/17 ist Mirga Grazinytè-Tvla Musikdirektorin des City of Birmingham Svmphony Orchestra, wo sie in der Nachfolge von Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Sakari Oramo und Andris Nelsons steht.
Daneben hat die Junge Litauerin mit renommierten Klangkörpern wie dem Chamber Orchestra of Europe, dem Philadelphia Orchestra und dem Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia musiziert; sie debütierte 2017 in der Carnegie Hall und hat zahlreiche Opern in Bern, Heidelberg, Salzburg und an der Komischen Oper Berlin geleitet.

Das City of Birmingham Symphony Orchestra (CBSO) ist eines der international führenden Orchester. Die 99-iährige Tradition eines Musizierens auf Weltniveau wurde durch das erste Sinfoniekonzert des Orchesters 1920 unter der Leitung von Edward Elgar begründet. 1980 begann mit Sir Simon Rattle am Chefpult der internationale Aufstieg. Rattles Nachfolger Sakari Oramo und Andris Nelsons festigten das weltweite Ansehen des Orchesters. Seit September 2016 ist Mirga Grazinytè-Tyla Chefdirigentin.

Als junger Cellostudent bei einem Auftritt an die zwei Milliarden Fernsehzuschauer zu haben, ist ein Karriereschub sondergleichen. So geschehen im Mai 2018 bei dem britischen Großereignis des Jahres: der „Royal Wedding“ von Prinz Harry und Meghan Markle. 600 geladene Gäste in der St. George’s Chapel, 18 Millionen Briten und geschätzt rund zwei Milliarden Menschen auf der ganzen Welt schauten und hörten zu, als Sheku Kanneh-Mason zum Ende des Traugottesdienstes drei Stücke auf seinem Cello spielt.
Hoch konzentriert, die Augen meist geschlossen, wirkte er in sich ruhend. Kurz nach seinem Auftritt sagte der 19-Jährige: „Es ist eine Erfahrung, die ich so noch nie gemacht habe. lch würde nicht sagen, dass ich nervös war, sondern im besten Sinne aufgeregt. Es ist eine besondere Ehre und nichts, was man jemals erwartet in seinem Leben.“ Dabei war Sheku Kanneh-Mason mit seinen 19 Jahren als Teil der englischen Musikerfamilie „The Kanneh-Masons“ – bestehend aus sieben Geschwistern – bereits medienerfahren. 2016 wurde er zum BBC Young Musician of the Year gekürt. Bereits mit fünf Jahren setzt er sich zum ersten Mal ans Klavier, mit sechs Jahren greift er erst zur Geige, dann zum Cello und liebt es vom ersten Momentan. Kanneh-Mason studiert an der Royal Academy of Music in London und ist doch schon ein international gefragter Künstler, der weltweit mit renommierten Klangkörpern auftritt: so spielte er bereits zwei Mal bei den BBC Proms, in der Wigmore und Carnegie Hall, der Tonhalle Zürich, im Amsterdamer Concertgebouw mit Orchestern wie dem Orchestre Philharmonique de Radio France, dem Los Angeles Chamber Orchestra, dem Japan Philharmonic und ist Solist im diesjährigen Saisoneröffnungskonzert des London Philharmonic Orchestra.
Mit Mirga Graíinyté-Tyla und dem City of Birmingham Symphony Orchestra verbindet Kanneh Mason eine längere und erfolgreiche Zusammenarbeit: Ihr zusammen eingespieltes Cello-Konzert Nr. 1 von Schostakowitsch landete 2018 auf Anhieb auf Platz eins der Klassikcharts.

Weitere Informationen und Tickets: festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101