Verleihung OPUS KLASSIK mit Corona-Sonderpreis-Abstimmung im ZDF

Thomas Gottschalk ist der Gastgeber der OPUS KLASSIK-Verleihung aus dem Konzerthaus Berlin. (© ZDF und Tobias Schult)

Am Sonntag, 18. Oktober 2020, überträgt das ZDF um 22.15 Uhr die Verleihung des “OPUS KLASSIK 2020” aus dem Konzerthaus Berlin am Gendarmenmarkt. Durch das Programm führt Thomas Gottschalk. Die Sendung findet in diesem Jahr unter besonderen Vorzeichen statt: der Coronakrise und ihren Auswirkungen auf Künstler und Kultur.

Das ZDF hat auf Grundlage der geltenden Verordnungen des Landes Berlin sowie des Konzerthauses ein Hygienekonzept erstellt. So können bei dem Klassik-Event des Jahres rund 250 Gäste im Publikum live dabei sein. “Die Verleihung soll auch als mediales Forum dienen, das den Blick auch auf die Probleme von Musikerinnen und Musikern in Pandemiezeiten lenkt”, erklärt Tobias Feilen, Leiter der ZDF-Redaktion Musik und Theater. “Dies spiegelt sich besonders in einem Sonderpreis wider, der in diesem Jahr als Publikumspreis vergeben wird.”

Unter dem Motto “Klassik verbindet” wird eine herausragende Kreativleistung während der Coronakrise gewürdigt. Der Preisträger geht aus einer von der Jury kuratierten Liste von sechs vorgeschlagenen Projekten hervor: die täglichen Social-Media-Konzerte und Open-Air-Auftritte des französischen Cellisten Gautier Capuçon, die Geisterkonzerte der Berliner Philharmoniker, die mobile Bühne der Staatsoper Stuttgart, der Bodypercussion-Workshop für zu Hause von Martin Grubinger, der Livestream mit der Johannes-Passion vom Bachfest Leipzig in mehr als 70 Länder sowie der größte virtuelle Chor Deutschlands #zusammenSINGENwirSTÄRKER. Die Entscheidung über den Sonderpreisträger fällt im Rahmen einer Online-Abstimmung unter opusklassik.zdf.de von Freitag, 25. September 2020, 10.00 Uhr, bis Sonntag, 4. Oktober 2020, 0.00 Uhr.

Bereits zum dritten Mal werden bei der Verleihung außerordentliche musikalische Leistungen mit dem begehrten Klassikpreis ausgezeichnet: Anne-Sophie Mutter erhält die Trophäe als “Instrumentalistin des Jahres”, Jonas Kaufmann in der Kategorie “Klassik ohne Grenzen” und Diana Damrau für die “solistische Einspielung des Jahres im Fach Gesang”. Daniel Behle wird zum “Sänger des Jahres” gekürt. Gleich zwei Künstlerinnen erhalten den OPUS KLASSIK als “Sängerin des Jahres”: Elīna Garanča und Marlis Petersen. Es spielt das Konzerthausorchester Berlin unter der Leitung von Karina Canellakis.

Weitere Preisträger sind bereits am Samstag, 17. Oktober 2020, via Livestream ab 19.00 Uhr über zdfkultur.de oder opusklassik.zdf.de bei einem Kammerkonzert aus der Villa Elisabeth in Berlin zu erleben.


Mitwirkende/Preisträger:

Anne-Sophie Mutter
Elīna Garanča
Marlis Petersen
Daniel Behle
Jonas Kaufmann
Diana Damrau
Víkingur Ólafsson
Hildur Guðnadóttir
Jakub Józef Orliński
Dorothee Oberlinger
Annelien Van Wauwe
vision string quartet

Es spielt das Konzerthausorchester Berlin
Musikalische Leitung: Karina Canellakis

Moderation: Thomas Gottschalk


(Kurzfristige Änderungen vorbehalten.)

Regie: Frank Hof
Kamera: Volker Schmidt
Bühnenbild: Rainer Otto
Produktionsleitung: Britta Lindermann
Redaktion: Jörg Hitzemann, Birgit Lorbeer-Claussen, Timo Rieth
Leitung der Sendung: Tobias Feilen


Der Corona-Sonderpreis “Klassik verbindet”

Unter dem Motto “Klassik verbindet” soll eine herausragende Kreativleistung während der Coronakrise gewürdigt werden. Der Preisträger geht aus einer von der Jury kuratierten Liste von sechs vorgeschlagenen Projekten hervor: die täglichen Social-Media-Konzerte und Open-Air-Auftritte des französischen Cellisten Gautier Capuçon, die Geisterkonzerte der Berliner Philharmoniker, die mobile Bühne der Staatsoper Stuttgart, der Bodypercussion-Workshop für zu Hause von Martin Grubinger, der Livestream mit der Johannes-Passion vom Bachfest Leipzig in 70 Länder sowie der größte virtuelle Chor Deutschlands (#zusammenSINGENwirSTÄRKER”). Die Entscheidung über den Sonderpreisträger fällen die Teilnehmer an einer Online-Abstimmung. Von Freitag, 25. September, 10.00 Uhr, bis Sonntag, 4. Oktober, 0.00 Uhr, können sie unter opusklassik.zdf.de darüber abstimmen.

Die sechs zur Auswahl stehenden Projekte im Detail:

Gautier Capuçon – Live@Home und in Frankreich
Während des 56-tägigen Lockdowns in Paris begeisterte Gautier Capuçon seine Zuschauerinnen und Zuschauer zunächst in den sozialen Medien, in denen er jeden Tag von zu Hause aus mit einem neuen klassischen Stück präsent war. Im Sommer startete er einen Aufruf zu einer einzigartigen Tour: “Un été en France”. Städte konnten sich für ein kostenfreies Konzert des Cellisten unter freiem Himmel bewerben. Seit Ende Juni 2020 konzertierte Capuçon in 21 ausgewählten Städten Frankreichs, von Großstädten wie Nizza bis zu kleineren Orten wie Mirecourt. Dabei band er die Einwohner ins Konzertgeschehen ein, gab zum Beispiel Kindern und Jugendlichen Cello-Unterricht, bevor sie gemeinsam mit ihm auftraten, oder spielte auf einem Instrument, das von ortsansässigen Geigenbau-Studenten der École nationale de lutherie hergestellt worden war. Mit seinen Konzerten im ganzen Land zeigte er, wie sehr es ihm in diesen Tagen am Herzen lag, auch in kleinen Gemeinden den Einwohnern mit Musik neue Hoffnung zu geben.

“Geisterkonzerte” der Berliner Philharmoniker – Digital Concert Hall Berlin
Eigentlich war die Berliner Philharmonie – wie die meisten Konzertsäle weltweit – ab Mitte März 2020 für das Publikum geschlossen. Aber ihr Orchester spielte trotzdem! Sir Simon Rattle, der frühere Chefdirigent der Berliner, hatte mit den Musikerinnen und Musikern bereits ein Programm zusammengestellt und geprobt. Mit der Digital Concert Hall verfügt das Haus über ein eigenes Medium, das Aufführungen in großer Bild- und Tonqualität liefert und auf nahezu jedem Endgerät abspielbar ist. Und so traten die Berliner Philharmoniker auf, ohne Publikum und Presse im Saal. Ein ungewohnter Anblick, der noch Schule machen sollte. Als kostenloser Live-Stream war das Konzert für jeden frei zugänglich. “Wir wollen ein Zeichen setzen”, erklärte Sir Simon Rattle zuvor. Und fügte hinzu: “In diesen Zeiten brauchen wir viel Liebe und besonders viel Musik.” Es war das erste “Geisterkonzert” in der Geschichte des Orchesters und ein starkes Zeichen der Solidarität mit allen von Covid-19-Betroffenen und vor allem für die zum Stillstand verurteilte Musikszene.

Mobile Bühne – Staatsoper Stuttgart
Not macht erfinderisch. Weil die großen Theater geschlossen waren, schrieb Igor Strawinsky während des Ersten Weltkriegs 1917/18 in seinem Schweizer Exil “Die Geschichte vom Soldaten” für eine mobile Bühne: Ein Soldat verkauft dem Teufel seine alte Geige für ein Buch, das die Zukunft voraussagt. Damit wird er zwar ein reicher Mann, entfremdet sich aber von anderen Menschen und letztlich auch von sich selbst. Die Staatsoper Stuttgart brachte “Die Geschichte vom Soldaten” nun in Kooperation mit dem Schauspiel Stuttgart auf einer mobilen Bühne, dem Operntruck, zur Aufführung. Und damit zu den Menschen, für die die Theater über Wochen und Monate geschlossen bleiben mussten. Seit der Premiere am 8. Juni 2020 steuerte der Operntruck verschiedene Orte in Stuttgart an: den Parkplatz am GAZi-Stadion, die Phoenixhalle im Römerkastell, den Vorplatz am Kunstverein Wagenhalle, den Museumshügel und den Opernvorplatz.

Martin Grubinger – Bodypercussion-Workshop zum Anschauen und Mitmachen
Einen Bodypercussion-Workshop für zu Hause entwickelte Martin Grubinger in den Tagen des Lockdowns. Wie viele seiner freischaffenden Künstlerkolleginnen und -kollegen stand auch er für unbestimmte Zeit ohne Konzerte und Engagements da. Soziale Kontakte beschränkten sich auf den engsten Familienkreis. Inspiriert durch das legendäre Schulfernsehen und angetrieben von der Motivation, den für Kinder so wichtigen Musikunterricht in dieser Zeit keinesfalls zu vernachlässigen, ließ er sich mit seinem Sohn, seiner Schwester und seinem Vater einen “Groove” einfallen, der Familien zum Ausprobieren und Mitmachen animieren sollte. In kleinen Videos, die Grubinger mit seinem Sohn Noah per Handy produzierte, wurden die Übungen und Rhythmen online vorgestellt. Die Clips lieferten die ideale Anleitung zur eigenen “Percussion-Band” und eine Extraportion positiver Energie für den familiären Zusammenhalt – nicht nur wirksam während der Pandemie.

Bachfest Leipzig – Michael Maul (Intendant) und Steven Walter (Podium Esslingen)
Es sollte die größte Party aller Zeiten der globalen Bach-Familie werden. Von allen fünf Kontinenten wollten Sängerinnen und Sänger um Bachfest nach Leipzig reisen, um gemeinsam zu musizieren. Motto: We are FAMILY. Höhepunkt sollte die Aufführung einer kammermusikalischen Fassung der Johannes-Passion auf dem Marktplatz werden, gespielt vor 5.000 Zuhörern – und mit ihnen! Denn sie alle sollten in Bachs unsterbliche Choräle einstimmen. Die Coronakrise ließ den Traum platzen. In dieser Situation entstand die Idee, allen Chören die Möglichkeit zu geben, per Live-Stream die Johannes Passion, aufgeführt vom Podium Esslingen, mitsingen zu können. Dank einer enormen organisatorischen Leistung konnte die Aufführung am Karfreitag aus der Thomaskirche in mehr als 70 Länder gestreamt werden. Weltweit saßen Menschen mit Noten vor den Bildschirmen und sangen mit. Begeisterte Reaktionen und eine überwältigende Spendenbereitschaft für freischaffende Musiker sind Beleg für den großen Erfolg dieser virtuellen Vereinigung aller Bach-Freunde auf der ganzen Welt.

Deutsche Chorjugend
#zusammenSINGENwirSTÄRKER”

Die Deutsche Chorjugend hat angesichts der krisenbedingten Einschränkungen (gemeinsam mit dem Sächsischen und dem Deutschen Chorverband) alle Singbegeisterten, sich am digitalen Projekt #zusammenSINGENwirSTÄRKER” zu beteiligen. Entstanden ist so der größte virtuelle Chor Deutschlands – ein Beispiel sehens- und hörenswerter Verbandsarbeit in Krisenzeiten. Maximilian Stössel ist Musikvorstand der Deutschen Chorjugend und betont: “Durch Kunst und Kultur erleben wir intensiv unser Wesen und was wesentlich ist. Wir brauchen Fantasie und Zusammenhalt. Immer. Und in Krisenzeiten ganz besonders.” So entstand die Idee, die ausgefallenen Proben und das verschobene Chorfest durch einen virtuellen Chor zu ersetzen. Oliver Gies von der Vocalband “Maybebop” schrieb kurzerhand einen Song für die Aktion und Tausende Menschen machten mit. Sie schickten ihre eigene Aufnahme des Liedes an die Chorjugend, die aus den Clips ein professionelles Musikvideo produzierte – vom größten virtuellen Chor Deutschlands.

Weitere Informationen: opusklassik.zdf.de