Verdis »Falstaff« ab 20. November 21 am Theater Pforzheim

Verhüllungen – damit verbinden wir Geheimnisse, Versteckspiele oder das bewusste Sichtbarmachen von etwas, das sich unter der Hülle befindet. Das berühmte Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude verhüllte zum Beispiel 1995 in diesem Sinne den Berliner Reichstag, und erst jüngst wurde nach ihren Plänen posthum der Arc de Triomphe in Paris umhüllt. In „Die lustigen Weiber von Windsor“ von William Shakespeare sind es gerade diese Täuschungen, Versteckspiele und Ver- und Entkleidungen, die aus dem Stück eine unterhaltsame Komödie machen, die wiederum neben Szenen aus „Heinrich IV.“ Arrigo Boito und Giuseppe Verdi zu ihrer Oper „Falstaff“ anregten.

Der unverschämte, gut beleibte, sich aber für unwiderstehlich haltende Sir John Falstaff ist knapp bei Kasse. Er braucht allerdings Geld, um weiterhin seine Rechnungen im Wirtshaus bezahlen und „La dolce vita“ frönen zu können. Da kommt er auf die Idee, die betuchten Ehefrauen Alice Ford und Meg Page um den Finger zu wickeln, um so an das Vermögen ihrer Männer zu gelangen. Doch er hat die Rechnung ohne die spaßige Frauengemeinschaft der Stadt Windsor gemacht, die beschließt, dem eingebildeten Ritter für seine Anmaßung eine Lektion zu erteilen. Dafür täuschen sie amouröses Interesse vor, schmeißen ihn aus einem Wäschekorb in die dreckige Themse und verkleiden sich, um Falstaff unter dem Schutz der Maskierung zu piesacken.

Boitos Libretto und Verdis Musik führen das Publikum lebhaft durch dieses bunte Durcheinander. Die berühmte Schlussfuge lässt das Stück zwar versöhnlich, aber auch mit offenen Fragen und dem Motto „Alles auf Erden ist Spaß, der Mensch ist als Narr geboren“ enden.

Nun wurde diese Oper im Laufe der Zeit seit ihrer Uraufführung 1893 in Mailand vielfach aufgeführt und neuinszeniert. Wenn wir an Falstaff denken, haben wir deshalb vermutlich bestimmte Bilder von dieser fettleibigen, trinkenden Ritterfigur im Kopf. Viele Lesarten und Rezeptionsweisen haben sich seit Shakespeare wie Hüllen über den Stoff gelegt. Und nicht erst in  Zeiten von „Me too“ kann und wird über das Verhalten der Männerfigur nachgedacht, die sich maßlos selbst überschätzt und Besitzansprüche erhebt.

Regisseur Thomas Münstermann und Ausstatter Thomas Mogendorf nähern sich diesem Stück unter Einbezug genau dieser Thematik: „Wir wollen diese Strukturen einerseits sichtbar machen, sie andererseits offenlegen und zum naiv-komödiantischen Kern zurückführen, sie vom ,Meinungsmüll‘ befreien, ohne die Übergriffigkeiten komödiantisch zu verharmlosen.“

Dafür wird außerdem in Christo’scher Manier das Bühnenbildmodell des Shakespear’schen Globe Theatre eingehüllt, das bereits im Schauspielstück „Shakespeare in Love“ zu sehen war und zudem ab Mai 2022 in Brittens Oper „Ein Sommernachtstraum“ in neuer Gestalt als Bühnenbild dienen wird. Auch viele der Kostüme stehen in „Falstaff“ in Beziehung zu dieser Verhüllungsstruktur. Was sich unter den Hüllen alles verbirgt, ob diese oder doch die Enthüllungen den spielerisch-menschlichen Kern von „Falstaff“ ausmachen und inwiefern die Betrachtung von außen bei alldem eine Rolle spielt, verraten wir natürlich noch nicht. Freuen Sie sich auf Vielschichtigkeiten, Enthüllungen und vor allem den klugen Witz der Frauen von Windsor.


Falstaff

Oper in drei Akten

Von: Giuseppe Verdi
Libretto von: Arrigo Boito nach der Komödie „Die lustigen Weiber von Windsor“ und Szenen aus „Heinrich IV.“ von William Shakespeare

Premiere am Theater Pforzheim: 20. November 21 (Großes Haus)

Einblicke – Öffentliche Probe am Samstag, 13. November um 11.30 Uhr im Großen Haus
Opernfrühstück am Sonntag, 14. November um 11 Uhr im Foyer
Weitere Vorstellungen am 26. November, 2., 7., 11., und 28. Dezember sowie an weiteren Terminen in dieser Spielzeit, jeweils mit Einführung 20 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Foyer

Musikalische Leitung: Robin Davis
Inszenierung: Thomas Münstermann
Bühnenbild und Kostüme: Thomas Mogendorf

Mit: Polina Artsis, Santiago Bürgi, Jina Choi, Stamatia Gerothanasi, Paul Jadach, Rhys Jenkins, Dirk Konnerth, Elisandra Melián. Franziska Rabl, Aleksandar Stefanoski und Philipp Werner

Chor und Extrachor des Theaters Pforzheim
Badische Philharmonie Pforzheim


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