Uraufführungen von ANIMA OBSCURA und CRY BABY am Theater Bielefeld

Theater Bielefeld: Stadttheater (© Sarah Jonek)

ANIMA OBSCURA

Am 23. Oktober bringt TANZ Bielefeld, das Tanzensemble des Theaters Bielefeld um den Künstlerischen Leiter Simone Sandroni, seine neueste Produktion an der Schnittstelle von zeitgenössischem Tanz und digitalen Medien zur Uraufführung.
Unter dem Titel ANIMA OBSCURA inszeniert dieses Mal die international renommierte Choreografin Nanine Linning und bringt ein hochkarätiges Expert*innenTeam mit nach Bielefeld. Für die Videoszenografie konnte die Künstlerin und Professorin Claudia Rohrmoser gewonnen werden, die seit 2019 die neue Studienrichtung Digital Media and Experiment an der Fachhochschule Bielefeld mit leitet.

In ANIMA OBSCURA beschäftigt sich Linning mit einer Frage, die die Menschheit durch die Geschichte hinweg nachhaltig beschäftigt hat: der Frage nach dem ewigen Leben. Die niederländische Choreografin spannt den Bogen weit zurück bis in die Geschichte, als die Alchemisten nach dem mysteriösen »Stein der Weisen« suchten, der nicht nur die Herstellung von Gold aus unedlen Metallen versprach, sondern auch die innere Läuterung, die Heilung von körperlichen Leiden, ja sogar die Verlängerung des Lebens. Von der mystisch aufgeladenen Stofflehre der Alchemie zieht die Choreografin eine direkte Verbindungslinie in die Gegenwart, in der wir durch Biohacking Organismen manipulieren und so unserem Traum von der Unsterblichkeit immer näherkommen. Welchen Preis hat das beständige Effizienz- und Perfektionsstreben? Wenn es uns gelingt, unsere Körper immer länger am
Leben zu halten, was geschieht dann mit unserer Seele? Können wir das Geheimnis unserer »anima obscura« (anima: Seele, obscura: dunkel, verborgen) je lüften?

Linning lässt sich vielfach von der Renaissance inspirieren, einer Zeit, in der Glaubenssätze erstmals hinterfragt wurden, wissenschaftliche Entdeckungen die Welt verständlicher machten und der Mensch sich mehr und mehr imstande sah, den Lauf der Dinge zu beeinflussen. In der Kunst spiegelte sich diese Selbstermächtigung wieder, private Auftraggeber traten auf den Plan, neben religiösen Motiven spielten vermehrt auch weltliche eine Rolle und Künstler*innen begannen, eine eigene, auf ihr irdisches Leben gerichtete Perspektive einzunehmen. Reminiszenzen an die Renaissancekunst und die damit verbundene, sich neuformierende Geisteshaltung tauchen in ANIMA OBSCURA auf verschiedenen Ebenen der Inszenierung auf und werden unmerklich verwoben mit Bildern der von digitalen Technologien geprägten Realität heute.

Zehn Tänzer*innen und die Harfenistin der Bielefelder Philharmoniker, Sylvia Gottstein, gestalten den Abend, der sich im Spannungsfeld zwischen der physischen Kunstform Tanz und dem gesamten Spektrum der Videoanimation entfaltet.
Musikalisch alternieren Johannes Brahms‘ großes Chorwerk Ein Deutsches Requiem und dessen zeitgenössische Rekomposition Ein Schemen von Yannis Kyriakides, die ursprünglich für den Nederlands Kamerkoor und Remy van Kesteren in Auftrag gegeben und 2017 am Muziekgebouw in Eindhoven uraufgeführt wurde. Für das künstlerische Produktionsteam rekrutierte Linning die europaweit tätige Dramaturgin und Beraterin Peggy Olislaegers, den Tänzer und choreografischen Assistenten Kyle Patrick, die Modedesignerin Irina Shaposhnikova, den international und insbesondere in den USA tätigen Lichtdesigner Thomas C. Hase, den Leiter des Nederlands Kamerkoor Tido Visser sowie den Philosophen und Hochschulprofessor Jappe Groenendijk.

»Ich bin überaus stolz, dass wir die zweite Ausgabe unseres interdisziplinären Ausnahmeprojekts D³ – Dance Discovers Digital so herausragend besetzen konnten«, sagt der Künstlerische Leiter und Chefchoreograf von TANZ Bielefeld Simone Sandroni. »Unsere auf drei Jahre angelegte und vom Land NRW sowie dem NRW Kultursekretariat geförderte Projektreihe erlaubt es uns, in der Auseinandersetzung mit digitalen Technologien die gewohnten Produktionsweisen im zeitgenössischen Tanz zu hinterfragen und innovative Aufführungsformate zu entwickeln. Nanine Linning, die für ihre multidisziplinäre Arbeitsweise bekannt ist, ist für dieses Projekt die ideale Partnerin. Zusammen mit der renommierten, inzwischen in Bielefeld ansässigen, Videokünstlerin Claudia Rohrmoser entwickelt sie ein wahrhaftiges Gesamtkunstwerk, auf dessen Uraufführung wir nach einer langen Tanzpause am Bielefelder Theater gespannt vorausblicken.«

ANIMA OBSCURA wird durch eine umfangreiche Videodokumentation begleitet, die auf den Social Media-Kanälen des Theaters (facebook, instagram und youtube) sukzessive Einblicke in die Hintergründe und die Stückentwicklung gewährt.

ANIMA OBSCURA

D3 – Dance Discovers Digital / Chapter II
Ein Abend von TANZ Bielefeld zu Johannes Brahms’ Ein Deutsches Requiem und Yannis Kyriakides’ Ein Schemen

Premiere/Uraufführung am Theater Bielefeld: 23. Oktober 21 (Stadttheater)

Konzept, Inszenierung, Choreografie: Nanine Linning
Videoszenografie: Claudia Rohrmoser
Künstlerische Mitarbeit: Peggy Olislaegers, Kyle Patrick
Kostüme: Irina Shaposhnikova
Licht: Thomas C. Hase
Bühne: Nanine Linning, Christa Beland
Dramaturgie: Peggy Olislaegers, Janett Metzger
Choreografische Mitarbeit: Kyle Patrick, Sarah Deltenre
Musikalische und konzeptuelle Beratung: Tido Visser
Philosoph: Jappe Groenendijk

Mit: Tommaso Balbo / Cola Ho / Hampus Larsson / Andrea Martín / Noriko Nishidate / Alexandre Nodari / Ana Torre / Adrien Ursulet / Andrea Zinnato / Elvira Zúñiga Porras / Harfe Sylvia Gottstein (Bielefelder Philharmoniker)


CRY BABY

Janis Joplin – Leben am äußeren Rand der Wahrscheinlichkeit

Mit ihrer unverkennbaren rauen Stimme und ihrem exzessiven Gesangsstil gehört sie zu den Musiklegenden, die in den 1960ern das Lebensgefühl einer ganzen Generation prägten. Sie kam aus der texanischen Provinz, in der sie die verletzende Erfahrung machte, dass sie weder dem weiblichen Schönheitsideal noch dem herrschenden Verhaltenskodex entsprach. Die Musik von schwarzen Frauen wie Bessie Smith oder Odetta beeinflusste sie und ließ sie ihre eigene Stimme entdecken. Sie fand Zuflucht in der Hippiehochburg San Francisco, gab sich der Musik hin, nahm Drogen, trank Unmengen Alkohol, suchte Liebe bei Männern und Frauen und fand ihre größte Erfüllung auf der Bühne im Konzert. Spätestens seit dem Auftritt mit ihrer Band Big Brother and The Holding Company beim Montery Pop Festival 1967 war klar: An dieser Frau kam man nicht vorbei. Sie löste Begeisterungsstürme aus, berührte, provozierte, wurde von der Presse bejubelt und verrissen. Sie ließ sich feiern und fühlte sich dennoch einsam, stolperte von einer unglücklichen Beziehung in die nächste und ging ihren Weg als Musikerin konsequent weiter. Höhepunkt und
Ende ihrer Karriere lagen nah beieinander. Sie war 27 als sie an einer Überdosis Heroin starb und reiht sich mit Jimi Hendrix, Jim Morrison und Kurt Cobain in den Klub 27 ein: Janis Joplin.

Cry Baby feiert ihre Musik und begibt sich auf Spurensuche nach einem »Leben am äußeren Rand der Wahrscheinlichkeit«, wie sie es selbst nannte. Janis Joplins Musik und ihre Rebellion, ihr Überschreiten physischer und psychischer Grenzen waren wegweisend und sind nach wie vor gleichermaßen herausfordernd und faszinierend.

CRY BABY

Janis Joplin – Leben am äußeren Rand der Wahrscheinlichkeit

Von: Christof Wahlefeld, Ensemble

Premiere/Uraufführung am Theater Bielefeld: 14. Oktober 21 (Theater am Alten Markt)

Inszenierung und Bühne: Michael Heicks
Arrangement und Musikalische Leitung: Laurenz Wannenmacher
Kostüme: Anna Sörensen
Video: Sascha Vredenburg
Choreografie: Gianni Cuccaro
Dramaturgie: Katrin Enders
Dramaturgieassistenz: Irene Wildberger

Mit: Lukas Graser, Christina Huckle, Stefan Imholz, Noriko Nishidate, Carmen Priego, Patrick Reerink, Thomas Wehling, Laurenz Wannenmacher, Reinhold Westerheide

theater-bielefeld.de