Uraufführung von Thorsten Schmid-Kapfenburgs Oper »Galen« am Theater Münster

Kardinal-von-Galen-Denkmal an der Ostseite des Paulus Doms zu Münster (© Michael Lyra)

Zwischen Kardinalsglocke und Löwengebrüll“

Clemens August Graf von Galen (1878 – 1946) ist eine singuläre Erscheinung, weil er sich als einziger katholischer Würdenträger öffentlich gegen den Nationalsozialismus stellte. Er wird darum verehrt, erhielt den Beinamen „Der Löwe von Münster“, und ist 2005 sogar seliggesprochen worden. Allerdings wurden gerade im Zusammenhang mit der Seligsprechung auch kritische Stimmen laut, die mit schweren Vorwürfen gegen Galen aufwarteten. Er sei ein Befürworter des Krieges gewesen, er habe mit den nationalsozialistischen Machthabern den Hass auf den Bolschewismus geteilt, und er habe sich nicht für die verfolgten Juden eingesetzt. Der Zwiespalt zwischen Verehrung und Kritik ist im Fall Galen so groß, dass er zu einer aktuellen künstlerischen Auseinandersetzung mit der historischen Person herausfordert.

GALEN ist eine Oper in zwanzig Szenen für ein großes Ensemble und Chor. Sie zeigt den inneren Konflikt des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen unter dem zunehmenden Druck, dem die katholische Kirche in der Zeit des Nationalsozialismus ausgesetzt war. Dieser veranlasste Galen dazu, die „Flucht in die Öffentlichkeit“ zu wagen und sich in drei Epoche machenden Predigten von der Kanzel aus gegen die nationalsozialistischen Machthaber zu wenden, und zwar insbesondere anlässlich des so genannten „Klostersturms“ und der Euthanasiemaßnahmen. Gezeigt wird aber auch, was Galen – verkörpert von Gregor Dalal – bis heute zur umstrittenen Figur macht, nämlich sein Zögern, als es darum ging, sich öffentlich für die jüdische Bevölkerung einzusetzen. Die Oper belässt es nicht bei dem biografischen Abriss: Die historische Figur muss sich in fiktiven Szenen den kritischen Fragen von Jasmin (gesungen von Kathrin Filip), einer jungen Frau von heute, stellen und schlägt damit den Bogen vom Gestern ins Heute.

Thorsten Schmid-Kapfenburg, 2. Kapellmeister am Theater Münster, schrieb seine Oper zwischen 2019 und 2021. Grundlegend für seine Komposition sind assoziative Klänge wie ein »menschlicher Aufschrei der Entrüstung und des Zorns, in Löwengebrüll übergehend«, Glockenschläge, ein Ganzton-Thema, ein nicht streng zwölftöniges Thema zur Kennzeichnung der Nationalsozialisten sowie zwei Galen zugeordnete Akkorde, die das Kontroverse seiner Person charakterisieren. Diese Zerrissenheit seiner Persönlichkeit steht auch im Fokus des Werkes: sein Handeln wie auch seine unterlassene Hilfe und Unterstützung, und damit die Grenzen seiner Größe.


GALEN

Oper

Von: Thorsten Schmid-Kapfenburg
Auftragswerk des Theater Münster / Uraufführung
Libretto: Stefan Moster

Premiere/Uraufführung am Theater Münster: Samstag, 14. Mai 22 (Großes Haus)

Musikalische Leitung: GMD Golo Berg
Inszenierung: Holger Potocki
Bühne & Kostüme: Andreas Becker
Video: Sven Stratmann
Choreinstudierung: Anton Tremmel
Dramaturgie: Ronny Scholz
Musiktheater / Konzertpädagogik: Sabine Kuhnert

Besetzung:

Kardinal von Galen: Gregor Dalal
Jasmin: Kathrin Filip
Franz von Galen: Youn-Seong Shim
Galens Mutter: Suzanne McLeod
Regens Francken: Mark Coles
Pfarrer Coppenrath / Englischer Offizier: Stephan Klemm
Gauleiter Meyer: Mark Watson Williams
Rabbiner Steinthal: Enrique Bernardo
Galens Sekretär: Christian-Kai Sander
Gestapo-Mann: Frederik Schauhoff

Opernchor des Theater Münster
Extrachor des Theaters Münster
Sinfonieorchester Münster


Matinee So. 1. Mai 2022, 11.30 Uhr, Foyer
Premiere Sa. 14. Mai 2022, 19.30 Uhr, Großes Haus

Weitere Termine:
So 01.05. 11.30 / Sa 14.05. 19.30 / Mi 18.05. 19.30 / Do 26.05. 18.00 / Sa 04.06. 19.30 / Fr 10.06. 19.30 / Sa 18.06. 19.30 / Fr 24.06. 19.30

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