Uraufführung von Lucia Ronchettis »Inferno« in Frankfurt

Lucia Ronchetti (© Stefano Corso)

Lucia Ronchetti (*1963) gehört zu den profiliertesten Komponist*innen Italiens. Musiktheater-uraufführungen der letzten Jahre an der Semperoper Dresden (Mise en abyme), der Staatsoper Berlin (Rivale) und am Nationaltheater Mannheim (Esame di mezzanotte) sowie in Paris, Rom und Venedig belegen ihren Rang. An ein Kompositionsstudium in Rom schlossen sich weitere Studien in Paris bei Gérard Grisey und François Lesure sowie an der Columbia University in New York bei Tristan Murail an. Lucia Ronchetti ist Professorin am Konservatorium von Salerno und unterrichtet regelmäßig an Institutionen wie den Darmstädter Ferienkursen. Derzeit nimmt sie eine Stiftungsgastprofessur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main wahr.

Die Komponistin nennt ihr Werk, das Gesangs- und Sprechrollen vereint, eine Oper. Es fußt auf Inferno, dem ersten Teil der Göttlichen Komödie (ca. 1307-1321) von Dante Alighieri (1265-1321). Darin geht es um einen Mann, der als Künstler, Politiker und Mensch gescheitert ist. Der aus seiner Heimatstadt Florenz verbannte Dichter macht sich in seinem epochalen Werk selbst zum Protagonisten und lässt uns an seinem Weg der Läuterung teilnehmen. In ungeheuer bildkräftiger Sprache entwirft er eine Jenseitsvision und schildert die Qualen der Verdammten – darunter viele seiner Zeitgenossen, denen er teils mit Zorn und Abscheu, teils mit tiefem Mitleid begegnet. Aber auch mythische Figuren wie Francesca da Rimini oder Odysseus kreuzen seinen Weg. Ein faszinierender Höllentrip, in dem das Publikum sich vielfach wiedererkennen kann.

Die musikalische Leitung dieser Koproduktion mit dem Schauspiel Frankfurt hat der Italiener Tito Ceccherini, der an der Oper Frankfurt zuletzt Bellinis I puritani und Janáčeks Aus einem Totenhaus dirigiert hat. Die beiden Regisseure Kay Voges und Marcus Lobbes sind vor allem für ihren experimentellen Umgang mit virtuellen Medien im Theater bekannt. Kürzlich nahm die von Voges gegründete Akademie für Theater und Digitalität ihre Tätigkeit auf; ihr künstlerischer Leiter ist Marcus Lobbes. Kay Voges wechselt nach zehn Jahren an der Spitze des Theaters Dortmund 2020/21 als Intendant an das Volkstheater Wien und hat in letzter Zeit u.a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Wiener Burgtheater sowie am Schauspiel Frankfurt gastiert. Die Rolle des Dante übernimmt Sebastian Kuschmann aus dem Frankfurter Schauspielensemble. Er hat an der Staatsoper Berlin bereits Erfahrung mit zeitgenössischem Musiktheater gesammelt. Karolina Makuła (Francesca) ist seit 2019/20 neu im Opernstudio und hat sich kürzlich als Desdemona in Rossinis Otello vorgestellt. Den Ulisse singt der ukrainische Tenor Alexander Kravets, der bisher u.a. an der Pariser Bastille-Oper, der Mailänder Scala und am Teatro Real Madrid aufgetreten ist. Die Partie des Lucifero ist aufgeteilt auf einen Bass – diese Aufgabe übernimmt Alfred Reiter aus dem Ensemble – sowie zwei Sprecher: Matthew Swensen und Frederic Mörth; sie sind auch Teil des Gesangsterzetts, das als „Dantes innere Stimme“ fungiert. Zum Frankfurter Opern- und Museumsorchester kommt als Gast das international erfolgreiche Schumann Quartett hinzu.


Inferno

Oper

Von: Lucia Ronchetti (*1963)
Text von: Lucia Ronchetti nach Dante Alighieri, mit einem Epilog von Tiziano Scarpa
Auftragswerk der Oper und des Schauspiel Frankfurt

Premiere/Uraufführung von Oper Frankfurt und Schauspiel Frankfurt im Bockenheimer Depot: Juni 2021
(Ursprünglich geplant: 18. April 20 (Bockenheimer Depot)

Musikalische Leitung: Tito Ceccherini
Inszenierung: Kay Voges, Marcus Lobbes
Video Art: Robi Voigt
Bühnenbild: Pia Maria Mackert
Kostüme: Mona Ulrich
Light Design / Director of Photography Filmdreh: Voxi Bärenklau
Licht: Marcel Heyde
Dramaturgie: Konrad Kuhn, Ursula Thinnes

Besetzung:

Dante: Sebastian Kuschmann
Dantes innere Stimme: Jan Jakub Monowid, Matthew Swensen, Frederic Mörth, Eric Ander
Francesca: Karolina Makuła °
Ulisse: Alexander Kravets
Lucifero: Alfred Reiter, Frederic Mörth, Matthew Swensen
Charon, Ugolino della Gheradesca: Frank Albrecht
Minos, Brunetto Latini: Ralf Drexler
Filippo Argenti, Alessio Interminei: Florian Mania
Calavcante de Calavcanti, Vanni Fucci: Andreas Vögler
Pier delle Vigne: Anna Kubin

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Vokalensemble
Schumann Quartett


° Mitglied des Opernstudios

Weitere Vorstellungen: 22., 24., 26., 29. April, 1., 3., 5., 7., 9. Mai 2020
Alle diese Vorstellungen beginnen um 19.30 Uhr
Preise: € 20 bis 80 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Koproduktion der Oper Frankfurt und des Schauspiel Frankfurt
Mit freundlicher Unterstützung der Aventis Foundation
Kompositionsauftrag finanziert durch die Ernst von Siemens Musikstiftung

oper-frankfurt.de / schauspiel-frankfurt.de