Uraufführung an der Neuköllner Oper Berlin: ELFIE

ELFIE ~ Neuköllner Oper Berlin ~ Vorabbild (© Neuköllner Oper Berlin)

Im Gedanken an den großen Dramatiker und Freund der Neuköllner Oper Berlin Tankred Dorst entsteht als erste Uraufführung nach dessen Tod aus seinem „vergessenen“ Drehbuch „Eine Mordgeschichte“ das Musiktheater ELFIE von Wolfgang Böhmer (Musik) und Martin G. Berger (Textfassung und Regie).

Eine ganze Stadt spricht über Elfie.
Nur: der ist das egal.
Weil es eh nicht stimmt, weil es keiner versteht, weil es niemanden interessiert, was sie antreibt und was sie ersticken lässt an diesen Leuten und dieser Stadt.
Wie schnell ist ein Urteil gefasst über eine, die sich nicht »an die Spielregeln hält«!


Elfie, Musiktheater von Wolfgang Böhmer und Martin G. Berger, entstand auf der Grundlage eines Stoffes, den Tankred Dorst unter Mitarbeit von Ursula Ehler bereits in den 80er Jahren gefasst hatte. In dem nie realisierten und daher weitestgehend unbekannt gebliebenen Drehbuch „Eine Mordgeschichte“ spielt das Autorenpaar auf Georg Büchners Woyzeck an, rückt aber die Frau ins Zentrum der Verwicklungen, Zuschreibungen und Zuspitzung.

Uraufführung post mortem
Als Bernhard Glocksin, künstlerischer Leiter der Neuköllner Oper, das Skript von seinem Freund Tankred Dorst in die Hand gedrückt bekam mit den Worten: „Magst du es lesen? Ich wusste gar nicht mehr, dass wir das mal geschrieben haben…“, stand schnell fest: Ein solcher Stoff mit diesen Figuren und Dialogen gehört auf die Bühne, besser noch ins Musiktheater.
Und in die Hände eines Erfolgsteams, wie dem von Stella. Martin G. Berger richtete aus dem Drehbuch ein dichtes, auf acht Figuren fokussiertes Libretto ein, das Wolfgang Böhmer in eine facettenreiche, atmosphärische und bildhafte Musik übersetzte. Mit Elfie gedenken wir dem im Sommer 2018 gestorbenen Dramatiker, der uns so lange Freund, treuer Besucher und – ja sagen wir es ruhig: Fan – der Neuköllner Oper war und präsentieren die erste Uraufführung Tankred Dorsts post mortem.

Tankred Dorst/Ursula Ehler Welch’ ein Werk: fast 50 Stücke, Prosa, Drehbücher, Libretti (an der NO Yolimba, Musik: Killmayer), über Jahrzehnte eine der führenden Stimmen in der Deutschen Dramatik, in Deutschland und weltweit, inszeniert von den Großen des Fachs (Zadek, Chereau, Wilson u. v. a. m.). Sie erweiterten die genannten Genres vielfältig mit Prosa, Surrealem, Gedichten, Songs, inszenierten selbst – u. a. den Bayreuther RING 2006–2010 – und waren als Autorenpaar immer auch Förderer und Lehrende für die Nachfolgenden. Martin G. Berger Regisseur der preisgekrönten Stella und gefragter Gast an vielen deutschen Bühnen, u. a. mit einer Nominierung für den Faust-Preis.
Wolfgang Böhmer Für NichtBerliner*innen: einer der führenden und vielfältigsten Komponisten der Neuköllner Oper mit Erfolgen wie Das Wunder von Neukölln, Leben ohne Chris, dem »Besten Musical 2016« Stella. War zuvor schon einmal mit einem Dorst-Stoff befasst.

Wie kann sie ihm das antun, dem Steinheuer? Wo der doch so eine gute Seele ist und als Lehrer eine Autorität. Ist doch Mutter und Ehefrau! Mit diesem Dechant, dem Musikkritiker soll sie was haben, in seiner Wohnung mit den blau verhängten Fenstern. Und mit dem Elektrogroßhändler, dem Griebel. Und die Hallwachs, die Frau vom Chirurgen, sagt…

Eine ganze Stadt spricht über Elfie. Nur: der ist das egal. Weil es eh nicht stimmt, weil es keiner versteht, weil es niemanden interessiert, was sie antreibt und was sie ersticken lässt an diesen Leuten und dieser Stadt. Wie schnell ist ein Urteil gefasst über eine, die sich nicht »an die Spielregeln hält«, die Nähe sucht, wo Abstand erwartet und Mittelmaß zur Norm wird.

Wie schnell ist so jemand »durch«, ganz weit unten (oder gar tot)? Mit ihrem Eigenwillen, ihren Launen und Provokationen stellt die Lehrersgattin Elfie Steinheuer die Frage, wieviel Freiheit wir vertragen, als Einzelne und als Gesellschaft.


ELFIE
Musiktheater von Wolfgang Böhmer und Martin G. Berger nach „Eine Mordgeschichte“ von Tankred Dorst/Mitarbeit Ursula Ehler

Komposition: Wolfgang Böhmer
Textfassung, Inszenierung: Martin G. Berger
Musikalische Leitung: Oliver Imig
Dramaturgie: Bernhard Glocksin
Ausstattung: Sarah-Katharina Karl
Video: Roman Rehor

Besetzung:

Elfriede Steinheuer: Inka Löwendorf
Ernst Steinheuer: Clemens Gnad
Hermann Dechant: Guido Kleineidam
Dr. Harry Hallwachs: David Schroeder
Elmar Griebel: Victor Petitjean
Anette Hallwachs: Jana Degebrodt
Elfies Mutter u. a.: Regine Gebhardt
Beatrix Steinheuer: Isabella Köpke

Orchester:

Reeds: Matthias Badczong
Schlagwerk: Franz Bauer
Harfe: Eva Curth
Akkordeon: Christine Paté
Viola: Sabrina Briscik
Violoncello I und II: Lea Rachel Bader, Eva Freitag, Cosima Gerhardt, Emmanuelle Verger
Kontrabass: Matthias Bauer

Spieltermine: 31. Januar, 2./3., 7.-10., 14.-17., 24., 26. und 28. Februar sowie 1.-3. März 2019, jeweils 20 Uhr

www.neukoellneroper.de