TV-Tipps arte

Montag, 17.09. / 05.00 Uhr / Kirill Gerstein spielt Rachmaninows 2. Klavierkonzert
Musik, Deutschland, 2014, MDR        42 Min.
Regie: Ute Feudel
Dirigent: Semyon Bychkov
Komponist: Sergej Rachmaninow
Orchester: Gewandhausorchester Leipzig
Mit: Kirill Gerstein (Klavier)
Online verfügbar von 17/09 bis 16/12

Rachmaninows zweites Klavierkonzert ist das bekannteste seiner symphonischen Werke, so dass es Gefahr läuft, häufig überromantisch interpretiert zu werden. Kirill Gerstein entfaltet jedoch mit seinem klaren Spiel auch die kontrapunktischen Passagen des Meisterwerks. Rachmaninow komponierte es um die Jahrhundertwende, als er sich gerade aus einer schweren, von Depressionen begleiteten persönlichen Krise herausgearbeitet hatte. Das Konzert wurde am 25. September 2014 im Leipziger Gewandhaus für ARTE aufgezeichnet.

Rachmaninows zweites Klavierkonzert ist das bekannteste seiner symphonischen Werke und hat seit seiner Uraufführung einen Siegeszug ohnegleichen durch die Konzertsäle der Welt angetreten. Unzählige Aufnahmen entstanden, die melodische Eleganz und spätromantische Melancholie verschafften ihm sogar Eingang in diverse Hollywoodfilme. Diese Popularisierung birgt jedoch das Risiko einer überromantisierten, ins Seichte gehenden Interpretation. Der Pianist Kirill Gerstein entfaltet jedoch von den ersten dunklen „Glockenschlägen“ an mit seinem klaren und präzisen Spiel auch die kontrapunktischen Passagen des Meisterwerks.

Das Konzert entstand zwischen dem Herbst 1900 und dem Frühjahr 1901, nachdem der Komponist sich mühsam aus einer von Depressionen begleiteten persönlichen Krise herausgearbeitet hatte, die mit dem Misserfolg seiner ersten Symphonie zusammenhing. Nicht zuletzt deshalb widmete Rachmaninow das Werk dem ihn behandelnden Neurologen Nikolai Dahl. Das Konzert wurde am 25. September 2014 im Leipziger Gewandhaus für ARTE aufgezeichnet.

Dienstag, 18.09. / 02.15 Uhr / Paul Celan – Dichter ist, wer menschlich spricht
Dokumentation, Deutschland, 2014, SWR        52 Min.
Regie: Ullrich H. Kasten, Hans-Dieter Schütt
Online verfügbar von 18/09 bis 25/09

Die Dokumentation erzählt das Leben des großen jüdischen Dichters Paul Celan. Gepeinigt von den Erfahrungen des Holocaust, wählt er 1970 in Paris den Freitod in der Seine. Diese Biografie – es ist die Geschichte eines unbedingt Liebenden, eines verzweifelt Suchenden nach Halt und Heimat. Erstmalig spricht der Sohn des Dichters, Eric Celan, vor der Kamera über seinen Vater und das schwierige, von Krisen überschattete Leben der Familie.

Der jüdische Lyriker Paul Celan war zeitlebens auf der verzweifelten Suche nach Heimat und Halt. Sein Weg aus der Bukowina, dem ostjüdischen Buchenland, über Wien nach Paris ist der Weg eines anarchischen und sensiblen Charmeurs in die Dunkelheit eines unheilbaren Traumas: Unter den Erfahrungen des Holocaust leidend, wählt er 1970 mit noch nicht einmal 50 Jahren den Freitod in der Seine. Die Dokumentation erzählt die Geschichte eines unbedingt Liebenden, eines sehnsüchtig nach Verständnis und Verständigung Suchenden. Erstmalig spricht der Sohn des Dichters, Eric Celan, vor einer Kamera über seinen Vater über das schwierige, von Celans psychischen Krisen überschattete Leben der Familie.

Mit der Schriftstellerin Ingeborg Bachmann, Tochter eines Kärntner Nazis, verbindet den jüdischen Dichter eine leidenschaftliche, unglücklich bleibende Liebe. Immer wieder sucht er Deutschland auf, das Land der Mörder, aber doch auch das Land jener Sprache, die er liebt und in der er schreibt. Zum einschneidenden Erlebnis wird ihm, der neugierig ist auf die junge Bundesrepublik, eine Lesung vor jungen Schriftstellern der „Gruppe 47“: Man verhöhnt seinen Vortragston, Vergleiche mit Goebbels und dem „Singsang wie in einer Synagoge“ muss er ertragen. Celan wagt sich dennoch weiter vor in Deutschland, seine „Angstlandschaft“, wo er das Gespräch mit dem nationalsozialistisch belasteten Philosophen Martin Heidegger sucht.

Die Dokumentation von Ullrich H. Kasten und Hans-Dieter Schütt erzählt Celans Biografie als ein packendes Stück deutscher Geschichte im 20. Jahrhundert. Reisebilder von Aufenthaltsorten des Dichters, Archivaufnahmen sowie Interviews mit dem Celan-Forscher Bertrand Badiou und Eric Celan verbinden sich zu einem bewegenden Porträt. Dies ist der bislang erste Film, der die Größe und die Tragik dieses Dichterlebens erfasst und in einem erzählerischen Sog vergegenwärtigt.

Mittwoch, 19.09. / 05.00 Uhr / Turangalîla-Sinfonie – Olivier Messiaen
Musik, Frankreich, 2015, ARTE F        81 Min.
Dirigent: Gustavo Dudamel
Komponist: Olivier Messiaen
Orchester: Orquesta Sinfónica Simón Bolívar de Venezuela
Fernsehregie: Corentin Leconte
Mit: Yuja Wang (Klavier), Cynthia Millar (Ondes Martenot)
Online verfügbar von 19/09 bis 26/09

Nach ihrer Uraufführung 1949 in Boston unter der Leitung von Leonard Bernstein hätte kaum jemand geglaubt, dass die Turangalîla-Sinfonie des französischen Komponisten Olivier Messiaen einmal ein großer Klassiker der Neuen Musik werden würde. Auch heute noch sorgt das Werk bei jeder Aufführung für Begeisterung. Der Venezolaner Gustavo Dudamel interpretiert sie hier zum ersten Mal mit dem Sinfonieorchester Simón Bolívar. Begleitet wird das Orchester von den Solisten Yuja Wang (Klavier) und Cynthia Millar (Ondes Martenot). Das eindrucksvolle Konzert wurde im Januar 2016 in der Philharmonie Luxemburg für ARTE aufgezeichnet.

Messiaen komponierte die Turangalîla-Sinfonie im Auftrag von Serge und Natalie Koussevitzky für das Boston Symphony Orchestra. Die große Premiere fand im Dezember 1949 unter der musikalischen Leitung von Leonard Bernstein statt. Das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Opus besteht aus zehn Sätzen und behandelt die vier Themen Blume, Statue, Liebe und Akkorde. Eine farb- und kontrastreiche Symphonie, deren Titel bereits Großes erwarten lässt: „Turangalîla“ ist ein Wort aus dem Sanskrit und bedeutet „Gesang der Liebe“ – eine Ode an die Freude, die Zeit, die Bewegung, den Rhythmus, das Leben und den Tod.

Ihr inhaltlicher Reichtum und ihre umfangreiche Besetzung machen die Turangalîla-Sinfonie zum aufwendigsten und größten Orchesterwerk von Olivier Messiaen. Auf Gustavo Dudamels Einladung hin ist bei diesem Konzert Yuja Wang am Klavier zu erleben, die das Werk ebenfalls zum ersten Mal gibt. Auch für die ausdrucksstarke junge Pianistin – die bereits mit dem Echo Klassik ausgezeichnet wurde – stellte die Interpretation eine große Aufgabe dar, da die Klavierpartie der Turangalîla-Sinfonie zu den schwierigsten überhaupt zählt.

Zusatzinfo: In der Philharmonie in Luxemburg wurden zwölf Kameras installiert, um die außergewöhnliche musikalische Kraft des Werks auch entsprechend visuell umzusetzen. Das Konzert wurde dort am 9. und 10. Januar 2016 für ARTE aufgezeichnet.

Freitag, 21.09. / 22.40 Uhr / Tracks
Schwerpunkt: ARTE goes Techno
Magazin, Deutschland, 2018, ZDF        43 Min.
Online verfügbar von 21/09 bis 20/12
Erstausstrahlung

(1): Detroit – Berlin: Wie Techno eine Stadt verändert
(2): Block9 – Club-Kunst auf den Festivals
(3): Techno als Aktivismus in Tiflis

(1): Detroit – Berlin: Wie Techno eine Stadt verändert
Warum konnte Techno nur in Detroit entstehen, aber erst in Berlin zum Sound einer ganzen Jugend- und Clubkultur werden? Was hat der Techno-Hype aus Berlin gemacht – und sind Technoclubs die Antwort auf den riesigen Leerstand in Detroits früheren Industriebezirken? „Tracks“ spricht mit dem „Godfather of Techno“ Juan Atkins, Tresor-Gründer Dimitri Hegemann und anderen über die immer wieder beschworene Achse Detroit-Berlin im Techno und über Chancen sowie Risiken der Nighttime Economy. Denn wo ein Stadt-Hype ist, ist die Gentrifizierung nicht weit.

(2): Block9 – Club-Kunst auf den Festivals
Mit seinen legendären Conscious-Clubbing-Kunstinstallationen beeindruckt das britische Partykollektiv Block9 seit einigen Jahren das Glastonbury-Publikum. Einmal im Jahr verwandeln Block9 dann ein einfaches Feld in Somerset in ein chinesisches Rotlichtviertel, verfrachten U-Bahn-Waggons in Pappmaché-Hochhäuser und entwerfen Bühnentürme aus Plastikmüll. Dazwischen tanzen an einem Wochenende 50.000 Besucher zu Underground-DJs. „Tracks“ besucht die Block9-Masterminds Gideon Berger und Steve Gallagher in einem leerstehenden Lagerhaus in den Docklands.

(3): Techno als Aktivismus in Tiflis
Tiflis in Georgien, Mai 2018: Nach einer gewaltsamen Polizeirazzia im Techno-Club Bassiani, dem „Berghain Georgiens”, mit mehr als 60 Festnahmen, formiert sich vor dem Parlament spontan eine Demonstration mit mehr als 10.000 Menschen – in Form eines Raves. Die Initiatoren sind Teil einer Bewegung, die sich für eine liberalere Drogenpolitik in dem konservativen, georgisch-orthodox geprägten Land einsetzt.

Freitag, 21.09. / 23.25 Uhr / 30 Jahre Techno in Berlin
Schwerpunkt: ARTE goes Techno
Musik, Deutschland, 2018, ZDF        60 Min.
Regie: N.N.
Moderation: Hadnet Tesfai
Erstausstrahlung

Berlin gilt als eine der wichtigsten internationalen Techno-Metropolen. Aus diesem Grund findet im Funkhaus Berlin das erste generationsübergreifende Techno-Festival statt und ARTE Concert ist live dabei. Dass Berlin ein Magnet für DJs aus der ganzen Welt ist, zeigt das Line Up: Internationale und Berliner DJ-Größen treffen hier aufeinander, um 30 Jahre Berliner Club-Kultur zu feiern. Zwölf Stunden lang werden die Gründer der Berliner Techno-Szene wie Westbam, DJ Rush und Mijk van Dijk mit jungen internationalen Star-DJs wie Nina Kraviz auf zwei Floors gleichzeitig auflegen und gemeinsam feiern.

Berlin gilt als eine der wichtigsten internationalen Techno-Metropolen. Aus diesem Grund findet am 14. September 2018 im Funkhaus Berlin das erste generationsübergreifende Techno-Festival statt und ARTE Concert ist live dabei. Dass Berlin ein Magnet für DJs aus der ganzen Welt ist, zeigt das Line-up: Internationale und Berliner DJ-Größen treffen hier aufeinander, um 30 Jahre Berliner Club-Kultur zu feiern. Zwölf Stunden lang werden die Gründer der Berliner Techno-Szene wie Westbam, DJ Rush, Mijk van Dijk und Tanith mit den jungen internationalen Star-DJs wie Nina Kraviz, Antigone und Mor Elian auf zwei Floors gleichzeitig auflegen, sich teilweise erstmals austauschen und gemeinsam feiern. In der Nacht des 14. September zeigt ARTE Concert die DJ Sets im Livestream auf concert.arte.tv Am 21. September 2018 zeigt ARTE im TV die Höhepunkte dieser einzigartigen Nacht mit DJ-Sets und einmaligen Begegnungen und Interviews zwischen den Generationen der Techno-Szene. Moderiert wird die Sendung von Hadnet Tesfai. Unter anderem mit: Nina Kraviz, Westbam, Steffi, DJ Rush, Nene H, Radio Slave, Mathew Jonson, Electric Indigo, Mor Elian, Underground Resistance (UR), Miss Kittin, DJ Hell, Jennifer Cardini, Cassegrain, Tanith, Acid Maria, Lakuti, Gudrun Gut, Mijk van Djik, Thomas Fehlmann und viele mehr.

Zusatzinfo:
In der Nacht des 14. September ist dieses einmalige Festival im Livestream auf concert.arte.tv zu erleben.

Freitag, 21.09. / 00.30 Uhr / Denk ich an Deutschland in der Nacht
Schwerpunkt: ARTE goes Techno
Ein Film von Romuald Karmakar
Dokumentarfilm, Deutschland, 2017, ZDF        97 Min.
Regie: Romuald Karmakar
Online verfügbar von 21/09 bis 28/09
Erstausstrahlung

„Denk ich an Deutschland in der Nacht / Dann bin ich um den Schlaf gebracht“, so beginnen die „Nachtgedanken“ von Heinrich Heine. Und so hat auch Romuald Karmakar seinen Film über die Technoszene in Deutschland genannt, weil Schlaflosigkeit ein Kennzeichen der durchtanzten und durchfeierten Nächte und der Clubkultur ist. Der Filmemacher hat mit den DJs und Musikern Sonja Moonear, Ricardo Villalobos, Roman Flügel, Move D und Ata Macias ganz besondere Protagonisten vor die Kamera geholt, die einen größeren musikalischen Ansatz verfolgen, als nur den nächsten Dancetrack auf den Markt zu werfen. Der Heidelberger David Moufang, in der Szene als Move D bekannt, entwickelt spontan aus seinen Kindheitserinnerungen eine ganze Kosmologie der Musik. Die Genferin Sonja Moonear erklärt mit Hilfe ihrer eigenen Erfahrungen als Clubgängerin die Länder und Generationen verbindende Kraft elektronischer Tanzmusik – und wie der Calvinismus die musikalische Entwicklung in ihrer Heimat behindert hat. Der Frankfurter Ata Macias erinnert sich daran, wie ihn die Musik von Kraftwerk und die Platten eines schwarzen GIs aus der Nachbarschaft geprägt haben und wie sich die Entwicklung der Clubmusik in Deutschland und den USA gegenseitig beeinflusst hat. Alle Protagonisten sind seit den 1990er Jahren im Geschäft, mit entsprechend weitem Horizont sprechen sie über sich, ihre Subkultur und die Entwicklung der elektronischen Musik in Deutschland.

Zusatzinfo: Der Ton spielt in diesem Dokumentarfilm von Romuald Karmakar eine besondere Rolle: Wenn die DJs in Aktion sind, wechselt der Filmemacher zwischen dem Sound der Tanzfläche und dem Ton auf den Kopfhörern der DJs – und gibt damit einen ungewöhnlichen Einblick in die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Musiker.

Freitag, 21.09. / 02.30 Uhr / Unterwegs mit Gérard Depardieu – Japan (5/5)
Okayama – Die Tradition des Handwerks
Dokumentationsreihe, Frankreich, 2017, ARTE F        26 Min.
Regie: Sébastien Fallourd
Wiederholung vom 07.09.


Samstag, 22.09. / 03.05 Uhr / Kunst für alle ~ 200 Jahre Städel Museum Frankfurt
Dokumentation, Deutschland, 2015, HR        52 Min.
Regie: Natascha Pflaumbaum
Online verfügbar von 22/09 bis 22/10

Als Johann Friedrich Städel in Frankfurt starb, hinterließ er eine beachtliche Kunstsammlung: Ganze 500 Gemälde aus dem 17. und 18. Jahrhundert und etwa 2.000 Druckgrafiken umfasste sie. Mit seinem Testament gründete er 1815 die Städelsche Kulturstiftung als weltweit erste Bürgerstiftung in Sachen Kunst. Heute gehört das Städelsche Kunstinstitut zu den bedeutendsten deutschen Museen und den renommiertesten Kunsthochschulen weltweit. Der Film erzählt die Geschichte dieser fabelhaften Idee, die vor 200 Jahren ihren Anfang nahm.

Der Frankfurter Gewürzhändler und Bankier Johann Friedrich Städel war ein Visionär. Mit seinem Testament von 1815 gründete er die Städelsche Kulturstiftung als weltweit erste Bürgerstiftung in Sachen Kunst. Er hinterließ der Welt damit ein Erbe, das groß, beispiellos und zukunftsweisend war: eine prächtige Gemäldesammlung von über 500 Kunstwerken und ein immenses Vermögen von 1,4 Million Gulden. Noch heute bilden sie den Grundstock des Frankfurter Städel Museums, das mittlerweile zu den bedeutendsten Kunstmuseen Europas zählt. 2015 feierte das Städel Museum Frankfurt seinen Gründer und dessen einzigartiges Testament.
 
Über Monate hinweg hat das Filmteam im Frankfurter Städel Museum gedreht: In den drei Galerien des Museums, aber auch in den Depots, der Jubiläumsausstellung „Monet und die Geburt des Impressionismus“ und in den Werkstätten, wo auf höchstem wissenschaftlichen Niveau begutachtet und restauriert wird. Die Dokumentation zeigt zudem die Ateliers, in denen Kinder und Jugendliche in Malkursen experimentieren, und eine Computerspiel-Entwicklerfirma im Frankfurter Bahnhofsviertel, die ein witzig-intelligentes „Städel Game“ für den großen Geburtstag entwickelt.
 
Max Hollein, Direktor des Städel Museums, Neil MacGregor, Direktor des British Museum und Kenner der internationalen Museumsszene, Corina Meyer, Museumshistorikerin, Sylvia und Friedrich von Metzler, moderne Mäzenaten des Städel Museums: Sie alle erzählen die Geschichte dieser einmaligen Vision Johann Friedrich Städels, die auch nach 200-jähriger Geschichte lebendig und zukunftsweisend ist.

Sonntag, 23.09. / 05.20 Uhr / Konzert des Gewandhausorchesters mit Werken von Tschaikowsky und Mahler
Musik, Deutschland, 2015, MDR        100 Min.
Regie: Ute Feudel
Dirigent: Riccardo Chailly
Komponist: Peter Tschaikowsky, Gustav Mahler
Orchester: Gewandhausorchester Leipzig
Mit: Julian Rachlin (Violine)
Online verfügbar von 23/09 bis 22/12

Riccardo Chailly, der unbestritten einer der großen Dirigenten der Gegenwart ist, dirigiert Mahler und Tschaikowsky im Gewandhaus in Leipzig. Bei der Auswahl handelt es sich um Tschaikowskys Violinkonzert D-Dur op.61 und Mahlers 1. Symphonie in D-Dur. Prominente Unterstützung erhält er dabei vom Violinisten Julian Rachlin.

Innerhalb weniger Wochen komponierte Peter Iljitsch Tschaikowsky in beglücktem Schaffensrausch zu Beginn des Jahres 1878 sein Violinkonzert, das bis heute zu den meistgespielten weltweit gehört. Doch bei der Uraufführung 1881 in Wien fielen die Reaktionen gemischt aus: So fragte der Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick, „ob es Musikstücke gäbe, die man stinken hört“. Tschaikowsky ließ sich von derlei Missgunst jedoch nicht beeindrucken und brachte bereits im Folgejahr den ersten Satz in Leipzig zu Gehör. Kurze Zeit später war sich die Musikwelt einig, dass das Werk zu den großen Violinkonzerten des Jahrhunderts zählt.

Im Frühjahr 1888 entstand die 1. Symphonie des 28-jährigen Gustav Mahler. Die Erstfassung umfasste nicht nur vier, sondern fünf Sätze. Mahler, der seit 1880 eine Doppelexistenz als Dirigent und Komponist führte und bis zur Jahrhundertwende in der Öffentlichkeit eher als „komponierender Dirigent“ denn als Tonsetzer wahrgenommen wurde, wirkte zu dieser Zeit als Kapellmeister am Stadttheater Leipzig. 1893 präsentierte er sein Werk erstmals in Hamburg.

Mit dem Posten des Gewandhauskapellmeisters trat Riccardo Chailly 2005 in die Fußstapfen großer Dirigenten wie Felix Mendelssohn Bartholdy, Arthur Nikisch und Kurt Masur. Wie seine Vorgänger hat er dazu beigetragen, dass das Orchester heute zu den profiliertesten Klangkörpern der Welt gehört. Der in Litauen geborene Violinist Julian Rachlin ist eine der charismatischen Musikerpersönlichkeiten seiner Generation. Inzwischen hat er das Kammermusikfestival „Julian Rachlin & Friends“ in Dubrovnik gegründet, das international große Aufmerksamkeit erhält.

Sonntag, 23.09. / 17.25 Uhr / Metropolis ~ Monaco
Magazin, Deutschland, 2018, ZDF        43 Min.
Online verfügbar von 23/09 bis 22/12
Erstausstrahlung

(1): Metropolenreport: Monaco – Kunst im Milliardärsparadies
(2): Andreas Schmid – Meister der chinesischen Kalligraphie


(1): Metropolenreport: Monaco – Kunst im Milliardärsparadies
Monaco gilt als der teuerste Wohnort der Welt. Der Stadtstaat an der Côte d’Azur bietet attraktive Steuerkonditionen, und Kunst wird hier auf höchstem finanziellen Niveau gehandelt. Doch kann in einer von sozialen Spannungen befreiten Zone auch Kunst entstehen? Ist das Steuerparadies auch ein Paradies für Künstler? „Metropolis“ reist in das kapitalistische Wunderland, trifft den Ballett-Chef Jean-Christophe Maillot, die Operndiva Cecilia Bartoli und die Künstlerin Agnès Roux, die unter anderem Monacos alternativen Kulturclub „Le Logoscope“ gegründet hat.

(2): Andreas Schmid – Meister der chinesischen Kalligraphie
Der Künstler und Kurator Andreas Schmid ist ein Experte für chinesische Kalligraphie und Kunst. Er lebte schon in den 80er Jahren in Peking und kennt das Reich der Mitte wie nur wenige. Daneben zelebriert er die Philosophie der Linie auch mit großflächigen Lichtinstallationen – wie zuletzt in Chemnitz. „Metropolis“ begleitet ihn bei seiner Arbeit.

Sonntag, 23.09. / 17.25 Uhr / Piotr Anderszewski und das Klavier
Musik, Deutschland, 2018, NDR        43 Min.
Regie: Andreas Morell
Dirigent: Thomas Hengelbrock
Komponist: Wolfgang Amadeus Mozart
Interpret: „Piotr Anderszewski“
Orchester: NDR Elbphilharmonie Orchester
Online verfügbar von 23/09 bis 30/09
Erstausstrahlung

Piotr Anderszewski ist einer der besten Pianisten unserer Zeit. Er ist ein Perfektionist, der stets auf der Suche nach dem idealen Klang ist. Dieses Spiel ohne Netz und doppelten Boden macht seine Konzerte für das Publikum zu unvergesslichen Erlebnissen. In der Hamburger Elbphilharmonie bei einem Konzert mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester und Thomas Hengelbrock spielt er Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 in c-Moll. Sowohl im Konzert als auch in der Probe fordert Piotr Anderszewski jeden einzelnen Ton neu heraus.

Piotr Anderszewski ist einer der besten Pianisten unserer Zeit. Er ist ein Perfektionist, der stets auf der Suche nach dem idealen Klang ist und zugleich hofft, ihn nie zu finden. Dieses Spiel ohne Netz und doppelten Boden macht seine Konzerte für das Publikum zu unvergesslichen Erlebnissen.

In seinem musikalischen Alltag muss er damit zurechtkommen, dass er als Pianist nicht immer das perfekte Instrument am Spielort vorfindet. „Es ist eine komplizierte Beziehung. Manchmal fände ich es besser, es würde das Instrument gar nicht geben“, sagt Piotr Anderszewski. „Am liebsten würde ich Musik telepathisch übermitteln – ohne physische Töne.“
   
Bei einem Konzert mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester und Thomas Hengelbrock spielt er Mozarts Klavierkonzert Nr. 24 in c-Moll. Sowohl im Konzert als auch in der Probe fordert Piotr Anderszewski jeden einzelnen Ton neu heraus. Er ringt dabei dem Klavier die unterschiedlichsten Klangfarben ab. „Wissen Sie, das Klavier ist ein Schlaginstrument, das vorgibt, singen zu können. Aber das bleibt eine Behauptung. Auch wenn man sich insgeheim wünscht, es könne wirklich singen.“

In der Steinway-Fabrik besichtigt Piotr Anderszewski die Perfektion in der Herstellung seines Instruments. Für ihn ist ganz klar: „Klaviere sind unterschiedlich. Aber ganz ehrlich: Mir ist das im Grunde egal. Natürlich bevorzuge ich ein Klavier, mit dem ich mich wohlfühle. Aber am Ende ist die Partitur viel wichtiger für mich.“

Sonntag, 23.09. / 22.45 Uhr / Prélude für Debussy
Dokumentarfilm, Frankreich, 2017, ARTE F        52 Min.
Regie: Manuela Dalle
Online verfügbar von 23/09 bis 22/11
Erstausstrahlung

Zwischen Romantik und Moderne: Vor hundert Jahren, am 25. März 1918, starb Claude Debussy in Paris. Es hat lange gedauert, bis Debussy die Anerkennung zuteilwurde, die ihm gebührt. Heute gilt die musikalische Größe des französischen Impressionisten als unbestritten. Er selbst offenbart sich in seinen Schriften als unangepasster, oft auch exzessiver Mensch. Der Film zeichnet anhand von Briefen, Aussagen heutiger Künstler, Archivmaterial und zahlreichen Ausschnitten aus Kompositionen die Stationen seines Lebens nach und bringt dem Zuschauer Debussys wegweisende Kompositionskunst nahe.

Am 25. März 1918 starb Claude Debussy in Paris. Anlässlich des 100. Todestags des Komponisten erläutern zeitgenössische Künstler wie der Dirigent Philippe Jordan, die Sängerin Barbara Hannigan, der Pianist Alexandre Tharaud, der Choreograph Nicolas Le Riche, die Sopranistin Julie Fuchs und der Pianist Simon Ghraichy, was sie mit Debussy verbindet.

hre Schilderungen machen deutlich, inwiefern der Komponist mit seiner Musik Neuland betrat, und liefern wertvolle Hinweise zum besseren Verständnis seines Werks. Die Dokumentation zeigt Debussy als Menschen und als Künstler im Paris des frühen 20. Jahrhunderts. Sie zeichnet die Stationen seines Lebens nach, schildert seine Schaffenskrisen und analysiert die Kontroversen, die er durch seine Musik und seine Schriften auslöste.

Bislang unveröffentlichte Interviews, beispielsweise mit der Pianistin Marguerite Long, Archivaufnahmen mit großen Debussy-Interpreten wie Samson François, Leonard Bernstein oder Pierre Boulez sowie Konzertmitschnitte („Pelléas et Mélisande“, „Prélude à l’après-midi d’un faune“) machen Lust darauf, noch tiefer in die Welt des großen Komponisten einzutauchen. Die Dokumentation bringt dem Zuschauer Claude Debussys Leben und Werk anhand von Auszügen aus seinen Kompositionen, aber auch aus seinen Briefen und kritischen Schriften nahe. Außerdem zeigt die Sendung in diesem Jubiläumsjahr auch, dass Debussy beträchtlichen Einfluss auf die Avantgarde des 20. Jahrhunderts hatte und zeitgenössische Künstler bis heute prägt.

Sonntag, 23.09. / 23.40 Uhr /  Pelléas et Mélisande
Oper, Frankreich, 2016, ARTE F        174 Min.
Regie: Corentin Leconte
Dirigent: Esa-Pekka Salonen
Chorleitung: Marvin Kernelle
Kostüme: Chloé Lamford
Chor: Cape Town Opera Chorus
Choreographie: Joseph W. Alford
Komponist: Claude Debussy
Bühnenbild / Ausstattung / Bauten: Lizzie Clachan
Dramaturgie: Martin Crimp
Licht: James Farncombe
Inszenierung: Katie Mitchell
Orchester: Philharmonia Orchestra

Mit: Stéphane Degout (Pelléas), Barbara Hannigan (Mélisande), Laurent Naouri (Golaud), Franz Josef Selig (Arkel), Sylvie Brunet-Grupposo (Geneviève), Chloé Briot (Yniold), Thomas Dear (Der Arzt)

Online verfügbar von 23/09 bis 30/09
Erstausstrahlung

Seit 2012 ist die britische Opernregisseurin Katie Mitchell Stammgast bei den Opernfestspielen von Aix-en-Provence. 2016 brachte sie die einzige Oper von Claude Debussy hier auf die Bühne: „Pelléas et Mélisande“. In ihrer Produktion betont Katie Mitchell den traumhaften Realismus dieses Meisterwerks und wird dabei vom Philharmonia Orchestra unter der Leitung von Esa-Pekka Salonen unterstützt. Barbara Hannigan fesselt in ihrem Rollendebüt als Mélisande. Die Inszenierung zeigt ARTE anlässlich des 100. Todestags von Claude Debussy, der in diesem Jahr begangen wird.

Golaud verläuft sich in einem Wald und trifft dort auf Mélisande. Er heiratet sie und bringt sie in seine Heimat, in das Schloss seiner Familie. Hier lernt Mélisande den Halbbruder von Golaud kennen: Pelléas. Etwas entsteht zwischen den beiden. „Etwas, das stärker ist als ich“, murmelt Mélisande. Etwas, das für Golaud rätselhaft bleibt und schließlich zur Tragödie führt. Vor dieser Rahmenhandlung, die so alt ist wie der Okzident, webte der symbolistische Schriftsteller Maurice Maeterlinck ein Schauspiel aus Licht und Schatten.

Claude Debussy verwandelte den Text in eine mythische Oper der leisen Töne. In ihrer Produktion betont Katie Mitchell den traumhaften Realismus dieses Meisterwerks und wird dabei vom Philharmonia Orchestra unter der Leitung von Esa-Pekka Salonen unterstützt. So erstrahlt das Werk in seiner ganzen atemberaubenden Schönheit.

Nach „Written on Skin“ (2012) und „Alcina“ (2015) bedient sich Katie Mitchell auch dieses Mal bei einer ihrer Lieblingsgattungen, dem Eifersuchtsdrama: Nachdem Pelléas durch das Schwert von Golaud umkommt, stirbt auch Mélisande. Mitchells Bühnenwelten bestechen durch unklare Zeitlichkeiten, traumähnliche Bilder und eine Grundstimmung von einer beunruhigenden Befremdlichkeit.

Die Sänger unter der Leitung von Esa-Pekka Salonen, einem der renommiertesten Dirigenten der heutigen Zeit, begeistern ein internationales Publikum: Laurent Naouri als Golaud, Stéphane Degout als Pelléas und Barbara Hannigan, die für das Festival d‘Aix-en-Provence bereits die Agnès in „Written on Skin“ verkörperte, in einem grandiosen Rollendebüt als Mélisande.

Montag, 24.09. / 17:40 Uhr / Jinju – Wandertheater in China
Dokumentation, Frankreich, 2018, SWR        52 Min.
Regie: Thibault Férié
Online verfügbar von 24/09 bis 01/10

Die Dokumentation begleitet ein Wandertheater, das mit einem klapprigen Reisebus durch das ländliche China tourt. In den abgelegenen, strukturschwachen Regionen ist es für die bäuerliche Bevölkerung oft das einzige Kultur- beziehungsweise Unterhaltungsangebot. Trotz artistischer Meisterleistungen und hervorragender Bühnenkunst führen die Schauspieler ein entbehrungsreiches Leben.

Regisseur Thibault Férié hat über mehrere Wochen hinweg eine Theatertruppe, die im ländlichen China durch die Dörfer zieht, zusammen mit seinem Kamerateam begleitet. Die Truppe des Herrn Liu hat populäre Werke der klassischen chinesischen Oper in ihrem Repertoire – Stücke, die Gesang und Tanz mit akrobatischen Künsten kombinieren. Wenn die Darsteller mit ihrem Bus und ihrem Bühnen-Lkw für ein paar Tage in den Dörfern gastieren, ist dies für die bäuerliche Bevölkerung der Höhepunkt des Jahres. Die Dokumentation bewegt sich vor allem hinter den Kulissen, die Kamera ist dabei, wenn die Schauspieler in improvisierten Masken- und Umkleideräumen fantastische Kostüme anlegen und ihre Gesichter mit greller Schminke bemalen. Er beobachtet sie aber auch in ihrem Alltag, wenn sie von den stundenlangen Aufführungen erschöpft sind, wenn sie proben oder in Kontakt mit den Dorfbewohnern kommen. Ob in der Begegnung mit dem Direktor Herrn Liu, der weiblichen Hauptdarstellerin Ping, die immer die Rollen von adeligen Damen oder Kaiserinnen übernimmt, oder mit dem Nachwuchstalent Li – wir erfahren, wie diszipliniert und zugleich entbehrungsreich der Alltag dieser Artisten ist. In ihrem Beruf verdienen sie gerade so viel wie ein Wanderarbeiter. Und so wie diese führen sie ein Leben mit stets gepackten Koffern, ohne Gewissheit, ob sie nach der laufenden Saison ein weiteres Engagement erhalten. Demgegenüber stehen die Bewunderung, die das Publikum den Bühnenstars entgegenbringt, sowie die Freude und Ergriffenheit, die die meist komödiantischen Opern bei ihm auslösen. Stets geht es in den Stücken um Liebe, Eifersucht, Intrigen und Ungerechtigkeit, natürlich verlagert in das alte China. Doch auf sublime Weise wird mit den alten Texten auch Kritik an Ungerechtigkeit und Korruption im heutigen China geübt.

Freitag, 28.09. / ab 22.05 Uhr / Schwerpunkt: Fashion Weekend 2018
Schwerpunkt, ARTE53 Min.

Im Herbst pulsiert die Modehauptstadt Paris wieder im Rhythmus der Fashionweek – und auch ARTE begleitet das Mode-Event wieder an einem Wochenende mit einem Programmschwerpunkt, der sich großen Namen wie Christian Dior und Balmain widmet.

Pünktlich zur Fashionweek bietet ARTE eine Sonderprogrammierung „Fashion“ – den Auftakt macht am Freitag „Der Stil Balmain“ von Loïc Prigent. Die Dokumentation zeigt, wie der hochbegabte Olivier Rousteing, 33 Jahre alt, die Grundsätze des Stils des Hauses Balmain immer wieder neu interpretiert. Im Anschluss folgt „Jean-Charles de Castelbajac – Verliere nie das Kind in dir!“. Der französische Designer wurde damit bekannt, Popkunst in seine Mode übertragen zu haben. ARTE begibt sich auf die Spuren eines unermüdlichen Modeschöpfers, der Iggy Pop und Lady Gaga zu seinen Kunden zählt. Der Sonntag steht unter britischer Flagge: In „British Style“ nimmt der französische Regisseur Loïc Prigent die britische Kultur und Modewelt genau unter die Lupe. Anhand von Archivaufnahmen aus den 50er Jahren bis heute wird veranschaulicht, was England so reizvoll und einzigartig macht. Weiter geht es mit einem Kostümfilm, „Love & Friendship“, der ins England des 19. Jahrhundert führt. Lady Susan Vernon ist eine junge Witwe, deren Schönheit und Charme die High Society verführt und verwirrt. Als ihr Ruf und ihre finanzielle Sicherheit in Gefahr geraten, sucht sie für sich und ihre Tochter ausschließlich Männer aus wohlhabenden Kreisen. Zurück nach Paris, der Hauptstadt der Mode, in eines der prestigeträchtigsten Modehäuser der Welt: zu Christian Dior. Der weltberühmte Designer war ein genialer Zeichner. Seine Kleider entwarf er stets selbst. Heute erzählen seine Zeichnungen die Geschichte des Mannes, der Anfang 1947 mit seiner allerersten Kollektion „The New Look“ die Welt eroberte. Die Dokumentation lässt ehemalige Mitarbeiter, Freunde, Modehistoriker, aber auch Schneiderinnen zu Wort kommen, die heute für ihn arbeiten. „Die Zeichnungen des Christian Dior“ ist eine Hommage an eine Stil-Ikone, deren Grundsätze bis heute gültig und erfolgreich sind.

Freitag, 28.09. / 22.05 Uhr / Der Stil Balmain
Schwerpunkt: Fashion Weekend 2018
Dokumentation, Frankreich, 2014, ARTE        53 Min.
Regie: Loïc Prigent
Online verfügbar von 28/09 bis 05/10

Wie kann es gelingen, das Erbe eines der großen legendären Modehäuser zu wahren und zugleich jede Kollektion von Grund auf neu zu erfinden? Loïc Prigent nimmt uns mit in das renommierte Modehaus, das 1945 von Pierre Balmain gegründet wurde. Heute prägt der junge Creative Director Olivier Rousteing das Balmain-Design. Mit seinen verrückten, fantasievollen, erotischen und provokanten Kollektionen definiert er die neue „Femme Balmain“.

Seit dem zum Mythos gewordenen Aufstieg von Yves Saint Laurent mit 21 Jahren an die Spitze des Hauses Dior steht die Modeszene auf Wunderknaben, die mit unverfälschtem Instinkt und einer außergewöhnlichen Persönlichkeit frischen Wind in verstaubte Luxus-Labels bringen. Olivier Rousteing passt in dieses Bild. Aber er tritt kein leichtes Erbe an in dem legendären französischen Modehaus, das 1945 von Pierre Balmain gegründet wurde.

Seine Kollektionen sind ausgeflippt, fantasievoll, provokant, erotisch und extrem. Der Designer setzt sich keine Grenzen, lässt sich beispielsweise von Fabergé-Eiern und ihren Vitrinen für perlmuttene Jacken mit riesigen Schulterpolstern inspirieren. Rattansessel, die er auf Kuba gesehen hat, inspirieren ihn zu bunten Flechtkleidern – echten technischen Wunderwerken, die sogar die gefürchtete Modekritikerin Suzy Menkes zutiefst bewunderte. Natürlich hat Rousteing nicht nur Bewunderer. Man wirft ihm vor, er überbetone die weibliche Silhouette und verleihe Balmain-Trägerinnen ein extravagantes, unnahbares und unanständig reiches Image. Aber genau das funktioniert, denn zu seinen Kundinnen gehören Filmstars und Diven wie Beyoncé und Rihanna. Letztere erklärte sogar öffentlich, sie wolle Olivier Rousteing heiraten – für ihn ein spontaner Bekanntheits-Booster.

Olivier Rousteing bei Balmain zu filmen ist faszinierend: Wie geht er mit dem Stress vor einer Show um? Wie hält er seine Teams zusammen? Wie gelingt es ihm, seine Modeschöpfungen so meisterhaft zu entwerfen und anschließend maßgetreu umzusetzen? Er beherrscht sein Handwerk, steht jedoch unter riesigem Leistungsdruck. Er muss seine Marke voranbringen, Prominente bezirzen, vor unerbittlichen, erfahrenen Kritikern klare Ansagen machen – wie schafft dieser so diskret wirkende junge Mann das alles?

Von den unablässig brainstormenden kreativen Köpfen im Atelier des Modeschöpfers bis hin zu den fleißigen Schneiderinnen, welche die Entwürfe mit viel Passion umsetzen, dokumentiert Loïc Prigent sämtliche Etappen des Kreativ-Marathons im Hause Balmain. So vermittelt er dem Zuschauer hautnah das hektisch-elektrische Ambiente hinter den Kulissen der Haute Couture.

Freitag, 28.09. / 23.00 Uhr / Jean-Charles de Castelbajac ~ Verliere nie das Kind in dir!
Schwerpunkt: Fashion Weekend 2018
Dokumentation, Frankreich, 2015, ARTE F        52 Min.
Regie: Mathieu César, Fabien Henrion, Stéphanie Trastour
Online verfügbar von 28/09 bis 17/10
Erstausstrahlung

Er hat den Papst eingekleidet und Katy Perry, er war mit den Sex Pistols befreundet und mit Keith Haring: Jean-Charles de Castelbajac – französischer Modeschöpfer, Maler und Designer. Er ließ sich von der Pop-Art zu unverwechselbaren, farbenfrohen Looks inspirieren, mit denen er in den 80er Jahren die internationale Modeszene eroberte. Mit seinen ausgefallenen Outfits für Größen der Popwelt wie Lady Gaga sorgte er für Furore. Ein Rückblick auf das Leben und die Karriere eines unermüdlichen Querdenkers und Mode-Rebellen.

Er galt in den 70ern als König der Anti-Mode und gilt heute wieder als zeitgenössisch: Jean-Charles de Castelbajac. Bei seinen Kollektionen lässt er sich von der Kunst- und Filmgeschichte, aber auch von politischen und gesellschaftlichen Strömungen beeeinflussen. In den 60ern war seine experimentelle Mode davon inspiriert, was ihn als Jugendlichen fasziniert hatte – Arbeitskleidung, Militär-Uniformen, dazu eine gehörige Prise Beatnik.

Sein eigenes Label gründete Jean-Charles de Castelbajac im Jahr 1979. In den 80er Jahren, die er selbst als seine kreativsten Jahre bezeichnet, entwarf er unter anderem Trikots für die amerikanische Olympia-Mannschaft und landete einen Coup mit einem Snoopy-Pullover, der den Schriftzug “To be or not to be” trug. Castelbajac bat auch bedeutende Künstler, Kleider aus Plastikplanen zu bemalen. 1987 beauftragte ihn Keith Haring in New York mit einem Teddybär-Mantel für Madonna. In den 90ern entwarf er Roben für den Papst und 5.500 Geistliche zum Weltjugendtag in Paris. Für Superstars wie Lady Gaga, Katy Perry, Beyoncé, Rihanna oder auch M.I.A. hat er ausgefallene Bühnen-Outfits kreiert.

Castelbajacs Mode- und Designkreationen werden regelmäßig in großen Museen gezeigt. Er liebt Kulturschocks zwischen Poesie und Pogo, Philosophie und Prêt-à-porter, Hip-Hop und Pop-Art, mittelalterlichen Wappen und Cartoon-Motiven. Ähnlich wie Vivian Westwood versuchte Castelbajac ein Leben lang, immer wieder Grenzen einzureißen.

Seine farbenfrohe und poppige Mode wird oft als verrückt bezeichnet, doch er arbeitete für zahlreiche internationale Modehäuser und verkaufte seinen Namen an koreanische, britische, italienische und amerikanische Konzerne. Er trägt einen Namen, der für französische Exzellenz und Savoir-Faire steht, für Design „à la française“. Sein spielerischer Stil sprüht nur so vor Extravaganz und lässt sich in vier Initialen zusammenfassen, die in Frankreich jeder kennt: JCDC. Einblicke in das Schaffen eines Modemachers, für den der Humor unerlässlich ist – in der Mode wie im Leben.

Freitag, 28.09. / 23.50 Uhr / Tracks
Magazin, Frankreich, 2017, ARTE F        43 Min.
Journalist: David Combe, Jean-Marc Barbieux
Online verfügbar von 28/09 bis 27/11
Erstausstrahlung

Freitag, 28.09. / 00.40 Uhr / Ibeyi & Julien Doré – Reeperbahn Festival 2018
Musik, Deutschland, 2018, ZDF        60 Min.
Regie: N.N.
Erstausstrahlung

Zum 13. Mal holt das Reeperbahn Festival die Zukunft der internationalen Popmusik auf den legendären Hamburger Kiez. Das größte Clubfestival Europas ist der Gradmesser für die Musik von morgen. In diesem Jahr ist Frankreich das offizielle Partnerland. ARTE präsentiert den französischen Superstar Julien Doré und den grenzüberschreitenden Globetrotter-Soul von Ibeyi. ARTE Concert präsentiert viele Konzerte von Stars und Newcomern vom 19. bis 22. September im Livestream und abrufbar als VOD. Unter anderem mit Julien Doré, Ayo, Ibeyi und Her auf: concert.arte.tv

Zum 13. Mal holt das Reeperbahn Festival die Zukunft der internationalen Popmusik auf den legendären Hamburger Kiez. Das größte Clubfestival Europas ist der Gradmesser für die Musik von morgen. In diesem Jahr ist Frankreich das offizielle Partnerland und präsentiert die Highlights der aufregenden französischen Musiklandschaft. ARTE zeigt den französischen Superstar Julien Doré und den grenzüberschreitenden Globetrotter-Soul von Ibeyi.

Im legendären St. Pauli Theater mitten auf der Hamburger Reeperbahn wird sich der französische Singer-Songwriter Julien Doré dem deutschen Publikum vorstellen. Der Gewinner der französischen Castingshow „Nouvelle Star“ hat seit 2007 bereits vier Studioalben veröffentlicht und spielt in seiner Heimat ausverkaufte Stadion-Tourneen. Mit gefühlvollen Rock-Popsongs hat sich der 36-jährige Chansonnier in die Herzen der französischen Popwelt gespielt und nimmt nun auch Kurs auf die internationalen Bühnen.

In der Elbphilharmonie, dem neuen Wahrzeichens Hamburgs, stellen Ibeyi ihr Können unter Beweis. Die beiden Schwestern Naomi und Lisa-Kaindé von Ibeyi vereinen in ihren selbst ernannten „Contemporary Negro Spirituals“ nicht nur musikalisch, sondern auch sprachlich karibische, westafrikanische und europäische Einflüsse. Sie singen auf Englisch, Französisch, Spanisch und Yoruba, einer nigerianische Sprache, die im 19. Jahrhundert auf den Sklavenschiffen nach Kuba gekommen ist und heute nur noch von einigen Priestern gesprochen wird. Schon als Kinder lernten die beiden Töchter des Perkussionisten des Buena Vista Social Club Anga Díaz die traditionellen Gesänge der Yoruba und mischen sie nun unter moderne Downtempo-Beats und Soulsamples.

ARTE Concert präsentiert viele Konzerte von Stars und Newcomern vom 19. bis 22. September im Livestream und abrufbar als VOD. Unter anderem mit Julien Doré, Ayo, Ibeyi und Her auf: concert.arte.tv

Zusatzinfo:
Zum 13. Mal holt das Reeperbahn Festival die Zukunft der internationalen Popmusik auf den legendären Hamburger Kiez. Das größte Clubfestival Europas ist der Gradmesser für die Musik von Morgen. In diesem Jahr ist Frankreich das offizielle Partnerland und präsentiert an drei Tagen die Highlights der aufregenden französischen Musiklandschaft. ARTE zeigt den französischen Superstar Julien Doré und den grenzüberschreitenden Globetrotter-Soul von Ibeyi.Im legendären St. Pauli Theater mitten auf der Hamburger Reeperbahn wird sich der französische Singer-Songwriter Julien Doré dem deutschen Publikum vorstellen. Der Gewinner der französischen Castingshow „Nouvelle Star“ hat seit 2007 bereits vier Studioalben veröffentlicht und spielt in seiner Heimat ausverkaufte Stadien-Tourneen. Mit gefühlvollen Rock-Popsongs hat sich der 36-jährige Chansonnier in die Herzen der französischen Popwelt gespielt und nimmt nun auch Kurs auf die internationalen Bühnen.In der Elbphilharmonie, dem neuen Wahrzeichens Hamburgs, stellen Ibeyi ihr Können unter Beweis. Die beiden Schwestern Naomi und Lisa-Kaindé von Ibeyi vereinen in ihren selbst ernannten „Contemporary Negro Spirituals“ nicht nur musikalisch, sondern auch sprachlich karibische, westafrikanische und europäische Einflüsse. Sie singen auf Englisch, Französisch, Spanisch und Yoruba, eine nigerianische Sprache, die im 19. Jahrhundert auf den Sklavenschiffen nach Kuba gekommen ist und heute nur noch von einigen Priestern gesprochen wird. Schon als Kinder lernten die beiden Töchter des Buena Vista Social Club Perkussionisten Anga Diaz die traditionellen Gesänge der Yoruba und mischen sie nun unter moderne Downtempo Beats und Soulsamples.ARTE Concert präsentiert viele Konzerte von Stars und Newcomern vom 19. bis 22. September im Livestream und abrufbar als VOD. Unter anderem mit Julien Doré, Ayo, Ibeyi und Her auf: concert.arte.tv


Samstag, 29.09. / 00.00 Uhr / Square für Künstler ~ Carte Blanche für  Anastasia Postnikova, Sängerin
Magazin, Frankreich, 2018, ARTE        26 Min.
Erstausstrahlung
Sonntag, 30.09. / 15.35 Uhr / British Style
Schwerpunkt: Fashion Weekend 2018
Dokumentation, Frankreich, 2017, ARTE        51 Min.
Regie: Loïc Prigent
Online verfügbar von 30/09 bis 30/10

Was kennzeichnet den britischen Stil? In London schießen neue Trends und Moden wie Pilze aus dem Boden. Die britische Hauptstadt ist mit Abstand die stilvollste europäische Metropole, und es ist kein Zufall, dass die Punkbewegung, die den Anstoß zur größten Stilrevolte des letzten Jahrhunderts gab, gerade hier begann. Die Dokumentation zeichnet ein lebendiges, humorvolles und buntes Porträt des britischen Stils. Anhand von Archivaufnahmen aus den 50er Jahren bis heute veranschaulicht Loïc Prigent mit Kennerblick, was England so reizvoll und einzigartig macht: Uniformen, Aristokratie, aber auch Lad Culture, Exzentrik, Anglizismen, Modeindustrie und typisch britischer Luxus.

London ist mit Abstand die stilvollste europäische Metropole. Hier schießen neue Trends und Moden wie Pilze aus dem Boden, und es ist kein Zufall, dass die Punkbewegung, die den Anstoß zur größten Stilrevolte des 20. Jahrhunderts gab, gerade in der britischen Hauptstadt ihren Ausgang nahm. Was den britischen Stil kennzeichnet, ist seine einzigartige Mischung aus konservativen und avantgardistischen, aristokratischen und exzentrischen Einflüssen. Anhand von journalistischen und privaten Archivaufnahmen zeichnet die Dokumentation von Modekenner Loïc Prigent ein lebendiges, humorvolles und buntes Porträt des britischen Stils, der einen Hang zur Uniformierung nicht verleugnen kann: Uniformen von Bobbys und Palastwachen, Dresscodes der Bourgeoisie und Schuluniformen, aber auch die Outfits, die von den Ravern aus Manchester, den Mods und den Lads salonfähig gemacht wurden, zeigen dies. Der Film bringt dem Zuschauer die verschiedenen Facetten dieses Stil-Repertoires unterhaltsam nahe und beleuchtet, wie die Briten auf diese Art ihr Selbstverständnis zur Schau tragen. Alles, was England ausmacht, spiegelt sich auch im britischen Stil wider.

Sonntag, 30.09. / 16.55 Uhr / Metropolis ~ Izmir
Magazin, Deutschland, 2018, WDR        43 Min.
Online verfügbar von 30/09 bis 29/12
Erstausstrahlung

(1): Metropolenreport Izmir
(2): Phoebe Boswell – Atelierbesuch bei der in London lebenden Multimedia-Künstlerin

(1): Metropolenreport Izmir
Säkular, weltoffen, dynamisch und viel Luft zum Atmen: Das ist Izmir, die „Ungläubige“, das frühere Smyrna, das auf die Tradition kultureller Toleranz zurückblicken kann. Die an der Ägais gelegene und mit heute vier Millionen Einwohnern drittgrößte Stadt der Türkei ist so etwas wie ein Gegenentwurf zu Erdogans „neuer Türkei“, dem Umbau einer Gesellschaft im Zeichen der Islamisierung und auf Kosten einer freien Presse und einer unabhängigen Justiz. Für Erdogan ist Izmir eine Festung des Widerstands. Hier wird Atatürk hochgehalten, die oppositionelle sozialdemokratische CHP gewählt und der neuen Prüderie getrotzt: Wer hierher kommt, sehnt sich nach Freiheit. „Metropolis“ spürt dem Spirit dieser Stadt nach und spricht mit Kulturschaffenden darüber, was Izmir so besonders macht.

(2): Phoebe Boswell – Atelierbesuch bei der in London lebenden Multimedia-Künstlerin
Was ist Heimat? Was bedeutet „Zuhause“? Die 36-jährige Multimedia-Künstlerin Phoebe Boswell, in Nairobi als Tochter einer Kikuyu und eines britischen Kenianers geboren, aufgewachsen in Bahrain und heute in London lebend, hatte immer ein sehr gebrochenes Verhältnis zu dem was „Zuhause“ bedeutet. Ihre Arbeiten, in denen sie traditionelle Zeichentechniken und digitale Technologien, wie etwa Animationsfilme kombiniert, erzählen vom Dasein in der Diaspora, von der Suche nach den kulturellen Wurzeln und nach der eigenen Identität. In ihrer Kunst reflektiert sie das Verhältnis zwischen sich selbst, anderen Individuen und der Welt und erkennt im Persönlichen das Allgemeine, im Individuellen das Universelle.

Sonntag, 30.09. / 17.45 Uhr / Einführungskonzert von Andris Nelsons als Gewandhauskapellmeister 2018
Andris Nelsons dirigiert Felix Mendelssohn Bartholdy – Symphonie Nr. 3
Musik, Deutschland, 2018, MDR        44 Min.
Regie: Ute Feudel
Dirigent: Andris Nelsons
Orchester: Gewandhausorchester
Mit: Baiba Skride (Geige)
Online verfügbar von 30/09 bis 07/10
Erstausstrahlung

Das Gewandhausorchester präsentiert sich seit seiner Gründung 1743 als das „Uraufführungsorchester aus Tradition“: Werke von Beethoven, Schubert, Schumann, Mendelssohn, Brahms und Bruckner erlebten durch den Klangkörper ihre Erstaufführungen. Mit dem knapp 40-jährigen Andris Nelsons bekommt Leipzig einen Shootingstar der Kapellmeisterzunft. In seinem Antrittskonzert dirigierte der Lette die „Schottische Symphonie“ seines Amtsvorgängers Felix Mendelssohn Bartholdy.

Das Gewandhausorchester präsentiert sich seit seiner Gründung 1743 als das „Uraufführungsorchester aus Tradition“: Werke von Beethoven, Schubert, Schumann, Mendelssohn, Brahms und Bruckner ebenso wie von Schnittke, Henze oder Rihm erlebten durch das Orchester ihre Erstaufführungen. Mit dem knapp 40-jährigen Andris Nelsons, der international stark umworben ist und schon auf der Wunschliste der Berliner Philharmoniker stand, bekommt Leipzig einen Shootingstar der Kapellmeisterzunft. In seinem Antrittskonzert dirigierte der Lette die „Schottische Symphonie“ seines Amtsvorgängers Felix Mendelssohn Bartholdy.Die ersten Takte der Symphonie notierte der reislustige Mendelssohn im Juli 1829 während einer Reise auf die britischen Inseln, die ihn auch nach Schottland – das Sehnsuchtsland der europäischen Romantik – führte. Inspiriert von sturmumtosten Klippen, pittoresken Kirch- und Burgruinen sowie den nebelverhangenen Gebirgstälern, brachte der Komponist die ersten Ideen zu Papier. Doch erst 13 Jahre später vollendete er die der englischen Königin Victoria gewidmete Symphonie und führte sie 1842 im Leipziger Gewandhaus auf. Seitdem gehört sie zu den beliebtesten und meistgespielten Werken Felix Mendelssohn Bartholdys.

Sonntag, 30.09. / 20.15 Uhr / Love & Friendship
Schwerpunkt: Fashion Weekend 2018
Spielfilm, Frankreich, Irland, Niederlande, 2016, ARTE F        88 Min.
Regie: Whit Stillman
Autor: Jane Austen
Kamera: Richard Van Oosterhout
Schnitt: Sophie Corra
Musik: Benjamin Esdraffo
Produktion: Chic Films, Blinder Films, Revolver Amsterdam, ARTE France Cinéma
Produzent: Lauranne Bourrachot, Katie Holly, Whit Stillman
Drehbuch: Whit Stillman

Mit: Kate Beckinsale (Lady Susan Vernon), Emma Greenwell (Catherine Vernon), Xavier Samuel (Reginald DeCourcy), Morfydd Clark (Frederica Vernon), Tom Bennett (Sir James Martin), Chloë Sevigny (Alicia Johnson), Justin Edwards (Charles Vernon)
Online verfügbar von 30/09 bis 08/10
Erstausstrahlung

England Ende des 18. Jahrhunderts: Die verwitwete Lady Susan Vernon beschließt, nachdem ihr die Gerüchte über ihre angeblichen Affären zunehmend lästig geworden sind, sich auf das Anwesen ihres Schwagers Charles Vernon und seiner Frau Catherine zurückzuziehen. In Churchill angekommen, lernt sie auch deren Bruder, den gut aussehenden Reginald DeCourcy kennen, den sie sogleich um ihren Finger zu wickeln beginnt. Denn Susan Vernon hat einen Plan: Um ihr und ihrer Tochter schnellstmöglich wieder einen festen Platz in der gehobenen Gesellschaft zu sichern, gilt es für sie beide einen passenden, das heißt vermögenden Ehemann zu finden. Reginald DeCourcy erscheint ihr da wie gerufen. Trotz seines anfänglichen Zögerns verfällt er der schönen Witwe zusehends.

Eines Tages taucht dann Susans Tochter Frederica auf dem Anwesen auf, deren Zukunft in den Augen ihrer Mutter zu diesem Zeitpunkt bereits gesichert ist: Sir James Martin, der der jungen Frau nach Churchill nachgereist kommt, hat bereits um ihre Hand angehalten. Doch dieser ist ebenso reich wie dumm, und die junge Frau will den dringlichen Heiratsplänen der Mutter unter keinen Umständen nachkommen. Aus Verzweiflung vertraut sie sich DeCourcy an, der Verständnis hat und versucht, seine Angebetete umzustimmen. Doch Susan zeigt sich bestürzt über seine Zweifel an ihren Absichten. Sie lässt DeCourcy glauben, bei ihr in Ungnade gefallen zu sein, heckt jedoch bereits den nächsten Plan aus. Denn was immer auch geschieht, als Meisterin der Indoktrination weiß Susan Vernon immer, was zu tun ist, um ihr Ziel zu erreichen …

Zusatzinfo:
Nicht selten wird „Love & Friendship“ als eine der, wenn nicht die gelungenste aller Jane-Austen-Verfilmungen bezeichnet. Besonders der trockene, nahezu bissige Humor sowie die intelligenten, pointierten Dialoge machen sie zu einem äußerst amüsanten Filmvergnügen. Es handelt sich um die „delikate Adaption eines Briefromanfragments von Jane Austen, die Regisseur Whit Stillman und sein Schauspieler-Ensemble als spitzzüngige und temporeiche Gesellschaftskomödie rund um ein vorrangig verbal ausgetragenes Spiel um Status, Zugehörigkeit, Lust und Liebe anlegen“ (Filmdienst).

Sonntag, 30.09. / 21.45 Uhr / Die Zeichnungen des Christian Dior
Schwerpunkt: Fashion Weekend 2018
Dokumentation, Frankreich, 2018, ARTE        53 Min.
Regie: Loïc Prigent
Online verfügbar von 30/09 bis 29/11
Erstausstrahlung

Christian Dior war ein genialer Zeichner. Seine Kleider entwarf er stets selbst; die Skizzen dazu verwahrte er an einem sicheren Ort in Paris. Heute erzählen sie die Geschichte eines Mannes, der Anfang 1947 mit seiner allerersten Kollektion die Welt eroberte. So etwas hatte die Modebranche noch nie gesehen. Es war die Geburtsstunde des berühmten „New Look“. Die Dokumentation lässt ehemalige Mitarbeiter, Freunde, Modehistoriker, aber auch die Schneiderinnen zu Wort kommen, die heute für Christian Dior arbeiten.

Christian Dior hob 1947 in Paris den berühmten „New Look“ aus der Taufe: betonte Hüften, schmale Taille und ein Kleid, das bis zu 20 Meter Stoff erforderte. Paradoxerweise steht die neue Mode in krassem Gegensatz zur damaligen Realität: Der Zweite Weltkrieg ist gerade vorbei, die Frauen haben sich eben erst vom Korsett emanzipiert, und Stoffe sind echte Mangelware.

Die Dokumentation lässt ehemalige Mitarbeiter, Freunde, Modehistoriker, aber auch die Schneiderinnen zu Wort kommen, die heute für Christian Dior arbeiten. Sie alle schildern die unglaublichen Entstehungsgeschichten dieser Kleider, an deren Anfang eine einfache Zeichnung stand.

Die Dokumentation erzählt auch den Lebensweg des Christian Dior vom genialen Zeichner zum gefürchteten Geschäftsmann, der schließlich völlig ausgelaugt im Alter von nur 52 Jahren verstirbt. 1947 präsentiert der Modeschöpfer seine erste Kollektion; doch bereits 1956 hat er sich ganz verausgabt. Seine Geschäftsstrategie ist pfiffig und effizient: Er erfindet die legendäre Dior-Silhouette einfach jede Saison neu. Dior wird zum regelrechten Modediktator: Er bestimmt das gesamte Design der Kleider – ihre Länge, die Schulterbreite, die Farbgebung und die Form. Sein Team wächst schnell, er investiert und erwirbt die Gebäude rund um sein erstes Geschäft in der Avenue Montaigne. Doch schon damals weiß er, dass er dieses Tempo nicht lange durchhalten wird …

In weiser Voraussicht stellt er selbst seinen Nachfolger ein: Es ist kein anderer als der junge Yves Saint Laurent, kaum 21 Jahre alt. 1957 erliegt Christian Dior einem Herzinfarkt. Seine Zeit im Rampenlicht dauerte nur zehn Jahre, doch sein Modeimperium besteht bis heute – und seine Zeichnungen faszinieren wie eh und je.

Sonntag, 30.09. / 22.40 Uhr / Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten! Das Balenciaga-Abendkleid
Schwerpunkt: Fashion Weekend 2018
Dokumentationsreihe, Frankreich, 2015, ARTE F        24 Min.
Regie: Antoine Coursat
Online verfügbar von 30/09 bis 08/10

Jedes Jahr werden in Auktionshäusern Tausende Kunstgegenstände und Kunstwerke versteigert. Einige Objekte heben sich durch ihre Machart, ihre Nutzung, ihre früheren Besitzer oder ihre Umwidmung – also durch ihr „Vorleben“ – von den übrigen ab und wecken dadurch das Interesse und zuweilen auch die Gier der Auktionatoren. Mit Unterstützung von Auktionatoren und Experten wurden auffällige, seltene und faszinierende Gegenstände ausgewählt. Ein echter Kunstkrimi, der mit der Versteigerung im Auktionshaus seinen Anfang nimmt und weit in die Geschichte zurückführt.

In dieser Folge geht es um die erste Haute-Couture-Versteigerung im US-Auktionshaus Sotheby’s. „Star“ der Veranstaltung ist ein Abendkleid aus rosa Federn, entworfen vom berühmten spanischen Designer und Couturier Cristóbal Balenciaga im Jahr 1965. Mit seinem breiten Ausschnitt, die mit einem Zierband betonte Taille und seinem reichen Federschmuck ist das Balenciaga-Kleid von überwältigender Sinnlichkeit. Es verkörpert wie sonst kaum ein anderes Kleid das goldene Zeitalter der Pariser Haute Couture. Francine Weisweiller – Frau von Welt, Mäzenin und enge Freundin von Jean Cocteau – erwarb das Balenciaga-Kleid 1965 bei einer Modenschau. Doch einige Zeit später verschwand es aus ihrem Kleiderschrank und tauchte erst Ende der 90er Jahre in einem Pariser Auktionshaus wieder auf. Der ebenso hofierte wie beneidete Sammler Didier Ludot erwarb es. Seit über 30 Jahren sammelt er Kleider und Kostüme großer Modeschöpfer, einige davon aus den 30er, 40er und 50er Jahren. Ludot stellt sie in seiner Boutique im Pariser Palais Royal aus, wo man sie auch kaufen kann. Diese Folge der Dokumentationsreihe deckt die Geschichte des Balenciaga-Kleides auf, dessen Designer, Stoff, Federn, Geschichte und ehemalige Besitzer die Gebote bei der Auktion überschlagen lassen.

Zusatzinfo:
Die Dokumentationsreihe „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten!“ beschäftigt sich mit Kunst- und Kulturgeschichte, Arbeitstechniken und künstlerischen Herstellungsverfahren. Dabei veranschaulichen die Veränderungen in Nutzung und Wertigkeit einzelner Objekte auch den Wandel unserer Gesellschaft. Es geht allerdings nicht nur um die Gegenstände, sondern auch um die Geschichte der Männer und Frauen, die sie einst herstellten oder besaßen. Sie macht deutlich, wie wichtig die Objekte für ihre Schöpfer und Besitzer waren – diese persönliche Bedeutung steht im Mittelpunkt der Reihe. Die damit verbundenen Geschichten geben einen Einblick in die geheimnisvolle Welt der Kunstsammler, über die oft nur wenig bekannt ist.

Sonntag, 30.09. / 23.05 / Sasha Waltz & Guests: Kreatur
Schwerpunkt: Fashion Weekend 2018
Tanz, Deutschland, 2018, ZDF        89 Min.
Regie: Sasha Waltz
Kostüme: Iris van Herpen

Choreographie: Liza Alpízar Aguilar, Jirí Bartovanec, Davide Camplani, Clémentine Deluy, Peggy Grelat-Dupont, Hwanhee Hwang, Annapaola Leso, Nicola Mascia, Thusnelda Mercy, Virgis Puodziunas, Zaratiana Randrianantenaina, Yael Schnell, Corey Scott-Gilbert, Claudia de Serpa Soares, Sasha Waltz
Bühnenbild / Ausstattung / Bauten: Thomas Schenk
Licht: Urs Schönebaum
Musik: Soundwalk Collective
Fernsehregie: Bettina Borgfeld, Jochen Sandig
Mit: N.N.
Online verfügbar von 30/09 bis 30/10
Erstausstrahlung

„Kreatur“ ist das neue Stück von Sasha Waltz & Guests, des in wechselnden Konstellationen mit der Choreographin Sasha Waltz arbeitenden Ensembles. Waltz, die ab 2019 das Berliner Staatsballett leiten wird, knüpft in „Kreatur“ an Elemente ihrer bildstarken und bewegungsintensiven früheren Arbeiten an. Die Tänzer und Tänzerinnen bewegen sich in den fantastischen Kostümen der Modedesignerin Iris van Herpen wie Wesen aus einer anderen Welt auf der Bühne, meistens in Gruppenkonstellationen, die sich gelegentlich zu gemeinsamen Bewegungen zusammenschließen.

Vereinzelt suchen sie immer wieder die Nähe der anderen, hin- und hergerissen zwischen Anziehung und Ablehnung, zwischen emotionaler Wucht und kühler Gleichgültigkeit. Die elektronische Musik des Soundwalk Collective treibt die Tänzer an und schafft gleichzeitig eine zeitlos-futuristische Atmosphäre. Sasha Waltz schafft in ihrem neuen Stück starke Bilder, die dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben. Sasha Waltz & Guests waren mit „Kreatur“ in diesem Jahr auch zu Gast beim Festival d’Avignon.

Sonntag, 30.09. / 00.35 Uhr / Debussy mit D. Barenboim, M. Crebassa, E. Pahud
Musik, Frankreich, 2018, ARTE F        60 Min.
Regie: Frederic Delesques
Online verfügbar von 30/09 bis 29/03
Erstausstrahlung
Aus Anlass des 100. Todestags von Claude Debussy im März dieses Jahres interpretieren namhafte Musiker unter der Leitung von Daniel Barenboim eine Auswahl von Kammermusikwerken und Liedern des großen Komponisten. Auf dem Programm steht neben Soli, Duetten und Trios auch das Flötenstück „Syrinx“, gespielt von Emmanuel Pahud, der gemeinsam mit Yulia Deyneka und Aline Khouri auch die Sonate für Flöte, Bratsche und Harfe interpretiert.

Begleitet von Daniel Barenboim am Klavier singt die Mezzosopranistin Marianne Crebassa die „Chansons de Bilitis“ und „Trois Mélodies de Verlaine“. Den Cellopart in der Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll übernimmt Kian Soltani. Die Künstler präsentieren eine Auswahl sehr persönlicher Werke des Komponisten an einem Ort, der zum Zuhören und zum Miteinander einlädt: dem auf Anregung von Daniel Barenboim entstandenen Pierre Boulez Saal in Berlin. Der Dirigent empfängt hier Musikschüler und Talente aus der ganzen Welt, lädt zur Völkerverständigung ein und stellt so die Universalität der Musik unter Beweis.

Regisseur Frédéric Delesques und Friedemann Engelbrecht gehen mit den Künstlern auf Tuchfühlung, um sämtliche Emotionen, die in Debussys Musik liegen, herauszuarbeiten. Ein französischer Abend aus Berlin zu Ehren des großen Komponisten Claude Debussy, dem Erfinder der modernen Musik – eines Künstlers zwischen Romantik und Moderne, der seine Inspiration aus den Werken großer zeitgenössischer Dichter wie Mallarmé und Verlaine schöpfte.

Mittwoch, 03.10. / 21.45 Uhr / Beuys
Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, SWR        104 Min.
Regie: Andres Veiel
Online verfügbar von 03/10 bis 10/10
Erstausstrahlung

Mitreißend, provozierend und verblüffend gegenwärtig: Joseph Beuys – der Mann mit dem Hut, dem Filz und der Fettecke. 30 Jahre nach seinem Tod erscheint er uns als Visionär, der seiner Zeit voraus war. Geduldig versuchte er schon damals zu erklären, dass „Geld keine Ware sein darf“. Doch mehr als das. Beuys boxt, parliert, doziert. Er erklärt dem toten Hasen die Kunst, sperrt sich in den USA mit einem Kojoten in einen Käfig. Sein erweiterter Kunstbegriff war Sprengstoff, führte ihn mitten ins Zentrum auch heute noch relevanter gesellschaftlicher Debatten. Aus einer montierten Collage unzähliger, bisher unerschlossener Bild- und Tondokumente stellten Regisseur Andres Veiel und der Schnittmeister Stephan Krumbiegel aus Hunderten Stunden Material ein einzigartiges Zeitdokument zusammen.

Joseph Beuys – der Mann mit dem Hut, dem Filz und der Fettecke. 30 Jahre nach seinem Tod erscheint er uns als Visionär, der seiner Zeit voraus war. Mit Geduld versuchte er schon damals zu erklären, das „Geld keine Ware sein darf“. Beuys wusste, dass der Geldhandel die Demokratie unterwandern würde. „Nur noch 2.388 Tage bis zum Ende des Kapitalismus“ schrieb er auf die Tafel.

Doch mehr als das. Beuys boxt, parliert, doziert, telefoniert, lässt zur documenta in Kassel Tausende Eichen pflanzen. Er erklärt dem toten Hasen die Kunst, sperrt sich in den USA mit einem Kojoten in einen Käfig. „Wollen wir eine Revolution ohne Lachen machen?“, fragt er grinsend. Sein erweiterter Kunstbegriff führte ihn mitten ins Zentrum auch heute noch relevanter gesellschaftlicher Debatten.

Für den jugendlichen Andres Veiel, der in einer schwäbischen Vorstadt aufwuchs, war Beuys und sein Kunstbegriff Sprengstoff und Horizonterweiterung. Dass er nichts von seiner Bedeutung eingebüßt hat, wurde ihm klar, als er sich seit 2013 intensiv mit dem Künstler beschäftigte. Beuys, so Veiel, habe sich immer in Widersprüchen und Rätseln offenbart und entzogen, nicht zuletzt durch seinen schlagfertigen Humor. Keiner konnte ahnen, dass der Film in einer Zeit fertiggestellt werden würde, in der sich immer mehr Menschen nach einer Vergangenheit sehnen, die es nie gegeben hat.

Aus einer montierten Collage unzähliger, bisher unerschlossener Bild-und Tondokumente stellen Regisseur Andres Veiel und der Schnittmeister Stephan Krumbiegel aus Hunderten Stunden Material ein einzigartiges Zeitdokument zusammen, das zu 95 Prozent aus Archivmaterial besteht. „Beuys“ ist kein klassisches Porträt über einen prägenden Künstler mit Brüchen und Verwerfungen, sondern eine vielschichtige Betrachtung des Menschen, seiner komplexen Kunst und seiner neuartigen Ideenräume.

Zusatzinfo:
„Jeder Beuys-Biograf findet seine eigene Wahrheit, doch Andres Veiel verweigert eine konventionelle Künstler-Biografie, die Beuys mit seinem Tod abhakt und wieder ins Museum zurückschickt. Der Film lässt fast ausschließlich Beuys selbst zu uns sprechen, als wäre er unter uns. (…) Andres Veiels Film ist ein subtiles Künstlerporträt. Und zugleich ein aufmunternder Angriff gegen den Kleinmut in der Kunst und in der Gesellschaft von heute.“ (ARD „ttt – titel, thesen, temperamente“)

Freitag, 05.10. / 21.55 Uhr / The Beatles: Eight Days A Week – The Touring Years
Dokumentarfilm, USA, 2016, ARTE F        106 Min.
Regie: Ron Howard
Online verfügbar von 05/10 bis 12/10
Erstausstrahlung

Ron Howards Dokumentarfilm schildert die Zeit von 1962 bis 1966, als die Beatles unaufhörlich durch die Welt tourten. Die Beatles leisteten Schwerstarbeit: Hunderte Konzerte in unterschiedlichen Ländern auf fünf Erdteilen, zwei Filme, 120 Songs, von denen zwölf die Verkaufszahlen in Großbritannien sprengten – die eindrucksvolle Bilanz von mehr als tausend Hard Day’s Nights.

Jeder kennt die Beatles, doch nicht immer ihre Geschichte. Oscar-Preisträger Ron Howard – Regisseur von Filmen wie „A Beautiful Mind“ und dem Formel-1-Drama „Rush – Alles für den Sieg“ – wirft einen Blick auf die frühen Jahre der Band, als das Leben der vier Jungs aus Liverpool noch einfach war, denn sie wollten nur eines: auf der Bühne stehen und spielen. Er begleitet sie auf ihren bewegten Tourneen vor Erscheinen des Albums „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“. Ein Jahr später hatte die Band das Swinging London erobert. Seltene Archivaufnahmen schildern die Zeit von 1962 bis 1966, als die Beatles unaufhörlich durch die Welt tourten. Hunderte Auftritte, Zehntausende Fans und viele Stunden Livemusik bahnten ihr den Weg zur Legende.

Auf diesen Konzertreisen kamen sich die Jungs näher, sie loteten ihren künstlerischen Anspruch aus und fanden sich selbst. Viele Titel, mit denen die Gruppe Musikgeschichte schrieb, entstanden unterwegs. Ron Howards Dokumentarfilm ist der erste, den die Band seit ihrer Auflösung 1970 autorisierte.

Livemitschnitte und unveröffentlichte Archivaufnahmen aus den Jahren zwischen dem Debüt im Liverpooler Cavern Club und dem Abschiedskonzert im „Candlestick Park“-Stadion zeigen die Beatles, wie sie bisher selten zu sehen waren. Sie dokumentieren ihren unverkennbaren Sound und ihre Entwicklung. Interviews mit Paul McCartney und Ringo Starr sowie zahlreichen Mitarbeitern und Beatles-Kennern beleuchten die Zeit aus heutiger Sicht.

Freitag, 05.10. / 23.40 Uhr / Tracks (Remix)
Magazin, Deutschland, 2018, ZDF        43 Min.
Online verfügbar von 05/10 bis 03/01
Erstausstrahlung

Diese Woche serviert die „Tracks“-Themenpalette ein internationales Best-of der letzten Jahre: mit M. I. A., Girlpower-Rap aus Rio, Urban Skiing in Norwegen, der DIY-Musikszene in St. Petersburg, dem Performance-Duo FAKA aus Johannesburg und gecasteten Schulmädchen-Bands in Tokio.

(1): Pop & Politics mit Superstar M.I.A.
Mathangi „Maya“ Arulpragasam aka M. I. A. ist Tochter eines tamilischen Untergrundkämpfers, transkulturelle Stilikone und unangepasster Pop-Megastar. Beim Superbowl 2012 zeigte sie Amerika den Mittelfinger und in ihren Videos macht sie schon mal auf die Abschottung der Reichen und das Schicksal von Bürgerkriegsflüchtlingen aufmerksam. Klar, dass „Tracks“ diese Frau treffen musste!

(2): Berge waren gestern – heute kommt Urban Skiing!
Die jungen Wilden der norwegischen Ski- und Boarder-Szene suchen sich ihre Sprungschanzen oder Rails mittlerweile direkt vor der eigenen städtischen Haustür. Treppengeländer, Hausdächer, Wände, Zäune – die Stadt wird zum Snow-Fun-Park.

(3): Kassetten-Szene St. Petersburg
Auch das ist Russland: In den letzten Jahren entstand in der zweitgrößten Stadt des Landes eine unvergleichliche DIY-Musikszene. Ohne Budget – dafür aber auch ohne künstlerische Beschränkungen. „Tracks“ auf Besuch in Sankt Petersburg.

(4): ABRONCA – Girlpower-Rap aus Rio de Janeiro
Die drei Rapperinnen von ABRONCA aus einer Favela in Rio haben sich den Feminismus auf die wehenden Fahnen geschrieben und sagen der Ungleichheit den Kampf an.

(5): Tokyo Idols – Schulmädchen-Casting-Pop-Galore
In Japan boomt eine Popkultur-Bewegung der besonderen Art: die Idols, gecastetete Schulmädchenbands im Teenager-Alter. Ihre Fanbase besteht jedoch nicht aus Teenagern, sondern aus älteren Männern, die ihre Idols quasi religiös verehren.

(6): Live: FAKA – Queer Johannesburg Hype Queens
FAKA ist Zulu für „penetrieren“ oder „besetzen“. Den Namen versteht das Performance-Duo aus Johannesburg als Mission: Mit seiner Musik und Kunst setzt es sich für die Sichtbarkeit der gesamten Bandbreite queerer Identität ein und wurde in Südafrika Kult.

Freitag, 05.10. / 00.25 Uhr / Jamiroquai – Konzert in Paris 2017
Musik, Frankreich, 2017, ARTE F        75 Min.
Regie: Alexandre Buisson
Online verfügbar von 05/10 bis 04/11
Erstausstrahlung

Lebendiger Funk, Acid Jazz und Disco-Beats – mit über 35 Millionen verkauften Alben hat die britische Band Jamiroquai um Frontmann Jay Kay die Musikwelt mit ihrem eigenen Stil geprägt. In ihrer knapp 25-jährigen Karriere schuf sie Erfolgshits wie „Cosmic Girl“, „You Give Me Something“ und „Virtual Insanity“. Am 29. November 2017 brachte die Band bei ihrem Konzert in der Pariser AccorHotels Arena das Publikum ordentlich zum Grooven.

Lebendiger Funk, Acid Jazz und Disco-Beats – mit über 35 Millionen verkauften Alben hat die britische Formation Jamiroquai um Frontmann Jay Kay die Musikwelt mit ihrem eigenen Stil geprägt. „You Give Me Something“, „Cosmic Girl“, „Little L“, „Emergency on Planet Earth“ – zu diesen Erfolgshits von Jamiroquai tanzte in den 90er Jahren die halbe Welt. In den 2000er Jahren hatte die Gruppe Anhänger verloren, weil sie von ihrem ursprünglichen Acid-Funk Abstand nahm und eher auf glattere Dancefloor-Rhythmen setzte. 2017 feierten die Briten mit ihrer neuen Platte „Automaton“ ihr Comeback. Auf ihrer Europatournee spielten sie am 29. November 2017 in der AccorHotels Arena in Paris.

Ihr frischer Disco-Funk zeichnet sich nicht nur durch den an Stevie Wonder erinnernden Gesang von Jay Kay und umweltpolitische Statements aus – er ist vor allem sehr tanzbar, wie Jay Kay dem begeisterten Publikum auch selbst demonstriert.

Der Name Jamiroquai ist eine Verbindung aus „Jam“ und „Iroquois“ – für nordamerikanische Irokesen. Die Band wurde 1992 gegründet. Kurz darauf veröffentlichten sie ihre erste Single „When You Gonna Learn?“ beim Independent-Label „Acid Jazz“ und landeten damit einen Riesenerfolg beim Londoner Underground-Publikum.


Sonntag, 07.10. / 15.05 Uhr / Hundert Meisterwerke und ihre Geheimnisse: Die Gaukler (Saltimbanchi, Colombina e Pulcinella), 1793, Giovanni D. Tiepolo
Dokumentationsreihe, Frankreich, 2017, ARTE F        26 Min.
Regie: Carlos Franklin, Jivko Darakchiev
Online verfügbar von 07/10 bis 06/12
Erstausstrahlung

„Die Gaukler“ gehört zu den letzten Fresken, die Domenico Tiepolo in seiner Familienvilla bei Venedig fertigstellte. Das Bild wirkt wie eine lebendige Metapher für das Schicksal, das die freie Republik mit dem Einmarsch Napoleon Bonapartes ereilen sollte. Als der Karneval verboten wurde, wurde es still und ernst in der Lagunenstadt, die ihren nahenden Untergang zu lange geleugnet und sich sorglos Laster und Ausschweifung hingegeben hatte.

Rund vierzig Jahre lang malte Domenico Tiepolo in seiner Familienvilla in Zianigo bei Venedig in völliger Freiheit an einer erstaunlichen Freskenserie. Seine letzten Bilder aus der Zeit kurz vor der Ankunft Napoleons zeigen Pulcinella, die berühmte Figur des süditalienischen Volkstheaters und der  Commedia dell’arte. Venedig galt damals als „Stadt der Sünde“; Besucher strömten aus dem ganzen Land herbei, um die köstlich freie Atmosphäre zu genießen und sich fleischlichen Gelüsten hinzugeben. Der sechsmonatige Karneval gab Gelegenheit zu Maskenspielen, bei denen jeder inkognito blieb … Für die Venezianer war das auch eine Art und Weise, die langen Kriegsjahre zu vergessen und sich darüber hinwegzutäuschen, dass Venedig längst keine florierende Handelsmacht mehr war. Statt fremde Häfen zu erobern, schmiegte sich die Republik nun in die vermeintliche Sicherheit ihrer Lagune, in der tausende Pfahlbauten sie vor der Invasion der Barbaren schützen sollte. Während Spanier und Portugiesen zur neuen Welt aufbrachen, betrieb Venedig konzentriert Nabelschau und verschloss sich gegen Fortschritt und Modernität. Man vergaß den Kommerz und frönte der Kunst; die ganze Stadt schwelgte in Musik und Tanz, drehte sich zu den Gesängen der Gondoliere und der göttlichen Geige des Antonio Vivaldi. Dann holte Napoleon Bonaparte die Republik abrupt in die Realität zurück. In seinem Binnenexil porträtierte Domenico Tiepolo das tägliche Leben mit Zärtlichkeit und Ironie. Wie Pulcinella tröstete er sich durchs Schwelgen in Sorglosigkeit und vergangenem Glück über die allgegenwärtige Existenzangst hinweg. Seine Akrobaten halten, wie Venedig, die Balance zwischen dem alten Europe und der noch unbekannten Moderne. Ein kurzer Moment der Schwerelosigkeit …

Sonntag, 07.10. / 16:55 Uhr / Metropolis ~ Derry-Londonderry
Magazin, Deutschland, 2018, ZDF        43 Min.
Online verfügbar von 07/10 bis 05/01
Erstausstrahlung

(1): Metropole: Derry oder Londonderry? Nordirlands Grenzstadt vor dem Brexit
(2): Verrückt nach Simon Jacquemus – Der 28-jährige Modedesigner wühlt die Pariser Modeszene auf

(1): Metropole: Derry oder Londonderry? Nordirlands Grenzstadt vor dem Brexit
Kurz vor dem Brexit herrscht in Nordirlands Grenzstadt Derry Verunsicherung. Künstler vor Ort ergreifen Position. 2013 wurde das nordirische Derry, von Briten und Unionisten „Londonderry“ genannt, erste Kulturhauptstadt Großbritanniens. Künstler und Architekten sorgten für ein neues Gemeinschaftsgefühl unter den einst verfeindeten katholischen und protestantischen Stadtteilen. Kurz vor dem Brexit und nur fünf Kilometer von der neuen EU-Außengrenze entfernt aber steigen die Spannungen. „Metropolis“ trifft Künstler, die nach konstruktiven Wegen in die Zukunft suchen.

(2): Verrückt nach Simon Jacquemus – Der 28-jährige Modedesigner wühlt die Pariser Modeszene auf
Simon Jacquemus ist das vielversprechende Talent der Pariser Modeszene. Im Alter von 19 Jahren gründete der Autodidakt sein eigenes Label. Zur Leichtigkeit seines Stils lässt er sich von der Landbevölkerung seiner Heimat, der Provence, inspirieren. Anlässlich der Pariser Fashion Week trifft „Metropolis“ den Designer, spricht über seine Lebenswelt, seine erste Männerkollektion und seine neuen Entwürfe für Frauen.

Sonntag, 07.10. / 17.40 Uhr / Carnevale 1729, ein Konzert in Venedig
Musik, Frankreich, 2018, ARTE F        43 Min.
Regie: Andy Sommer
Dirigent: Zefira Valova
Orchester: II Pomo d’Oro
Mit: Ann Hallenberg (Mezzosopran)
Online verfügbar von 07/10 bis 05/04
Erstausstrahlung

Krimiautorin und Venedig-Kennerin Donna Leon führt durch die musikalische Karnevalsaison 1729 der Lagunenstadt: Sieben neue Opern gelangten zur Aufführung, und der berühmte Kastrat Farinelli gastierte in jener Saison. Auf einem Privatkonzert im Palazzo Zenobio in Venedig interpretiert die Mezzosopranistin Ann Hallenberg in Begleitung des Orchesters Il Pomo d’Oro unter der musikalischen Leitung von Zefira Valova die großen Arien des Karnevals von 1729.

Die Krimiautorin Donna Leon lädt ein ins Venedig von 1729: Der Karneval ist zur Institution geworden. Sein Ruf geht weit über die Lagunenstadt hinaus. Hinter Masken verborgen, stürzen sich Venezianer und Zugereiste aus ganz Europa ins Vergnügen. Sie singen, tanzen und lauschen allerorts der Musik. Lust, Zerstreuung und Freizügigkeit beherrschen das Geschehen.

In der Opernsaison 1729 werden in Venedig sieben Opern uraufgeführt. Der berühmte Kastrat Farinelli ist auf dem Höhepunkt seiner Kunst, und in unzähligen Opernhäusern und Stadtpalais erklingen die glanzvollen Werke von Starkomponisten wie Porpora, Giacomelli und Vinci. Ein Privatkonzert im venezianischen Palazzo Zenobio lässt die Karnevalstimmung von Februar 1729 und die Vielfalt des damaligen musikalischen Schaffens wieder lebendig werden.

Die Mezzosopranistin Ann Hallenberg interpretiert in Begleitung des Orchesters Il Pomo d’Oro unter der musikalischen Leitung von Zefira Valova herausragende Arien jener Zeit. Ihre warme, volle Stimme, ihre eindrucksvolle Technik und ihre dramatische Ausdruckskraft machen sie zu einer der überzeugendsten Interpretinnen des barocken Repertoires. Fast 30 Morde hat Comissario Guido Brunetti, Donna Leons Held ihrer Venedig-Krimis, inzwischen schon aufgeklärt. Ihre Recherchen zu ihren Kriminalromanen hat Donna Leon zu einer Spezialistin von Geographie und Geschichte der Serenissima gemacht. Sie erzählt das Venedig anno 1729 und was es denn so mit dem Carnevale auf sich hat.

Sonntag, 07.10. / 22.45 Uhr / Hommage an die großen Diven des Orients
Musik, Frankreich, 2018, ARTE F        90 Min.
Regie: Olivier Simonnet
Mit: Dalal Abu Amneh, Mai Faruk
Erstausstrahlung

Fairus, Umm Kulthum, Leila Murad, Warda al-Dschasairan, Asmahan, Majada Alhenawi – die Namen dieser Diven lassen die Herzen in der arabischen Welt höherschlagen. Im Westen sind diese in ihrer Heimat durchweg berühmten Künstlerinnen dagegen kaum bekannt. Dem wollte die Pariser Philharmonie abhelfen und hat drei junge arabische Sängerinnen eingeladen, dem Publikum die Lieder ihrer großen Vorbilder bei einem außergewöhnlichen Konzert näherzubringen. ARTE zeigt die Aufzeichnung dieses Konzerts vom 12. Mai 2018.

Im Rahmen der Ausstellung „Al Musiqa“, die den Stimmen und der Musik der arabischen Welt gewidmet ist, lädt die Pariser Philharmonie drei junge Künstlerinnen aus diesem Kulturraum ein, die schönsten Lieder so legendärer Diven wie Umm Kulthum und Fairus neu zu interpretieren.

Begleitet werden Aburedwan Abeer Nehme – libanesische Sängerin, Musikwissenschaftlerin und ebenso bewandert im religiösen wie im populären Register –, Dalal Abu Amneh aus Palästina, die seit ihrem sechzehnten Lebensjahr von ihren Musikerkollegen gefeiert wird, und Mai Faruk, eine der schönsten Stimmen Ägyptens, vom Arab World Orchestra und dem Dirigenten Ramsi Aburedwan. Die Lieder handeln von Liebe, Poesie und vom Leben der Frauen und bringen den arabischen Ländern seit den 40er Jahren einen Hauch von Modernität und Freiheit.

Sonntag, 07.10. / 00.20 Uhr / Amy Macdonald ~ Konzert vom Rudolstadt Festival 2017
Musik, Deutschland, 2017, MDR        87 Min.
Regie: Axel Ludewig
Mit: Amy Macdonald & Band
Online verfügbar von 07/10 bis 14/10
Erstausstrahlung

Gold- und Platin-Auszeichnungen für Millionen verkaufter CDs sowie ausverkaufte Konzerthallen ändern nichts an der Grundhaltung von Amy Macdonald: „Ich möchte einfach nur, dass die Leute glücklich sind, wenn sie meine Lieder hören.“ Das Publikum im völlig überfüllten Heinepark in Rudolstadt war hingerissen, als die Sängerin aus Schottland mit ihren Folk- und Rock-Sounds das Rudolstadt-Festival 2017 eröffnete.

„Normal“ ist eine Lieblingsvokabel der 31-jährigen Singer/Songwriterin aus Glasgow. Mit zwölf Jahren begann Amy MacDonald Akustikgitarre zu spielen, mit 20 debütierte sie auf dem Plattenmarkt und eroberte Platz 1 der britischen Charts. Einige Jahre später begleitete sie Paul Weller auf eine Deutschlandtournee. Sie selbst sei so normal, ihr Leben sowieso, und eine Botschaft sei in ihren Liedern auch nicht zu finden: „Die Leute wollen einfach immer diese tiefen Bedeutungen hören, dabei schreibe ich oft einfach Songs aus einem Gefühl heraus.“ Das tut sie schon seit ihrem 15. Lebensjahr und mit immer größerer Gefolgschaft. Gold- und Platin-Auszeichnungen für Millionen verkaufter CDs sowie ausverkaufte Konzerthallen bezeugen, dass sie mit ihrer Absicht wohl erfolgreich war: „Ich möchte einfach nur, dass die Leute glücklich sind, wenn sie meine Lieder hören.“ Das war das Publikum im völlig überfüllten Heinepark von Rudolstadt ganz sicher, als Amy Macdonald das 27. Rudolstadt-Festival mit ihrem Konzert eröffnete. Neben Hits ihrer älteren Platten promotet sie vor allem ihr jüngst erschienenes Album „Under Stars“, das in der Gesamtschau eher dem Pop als dem Folk zuzuordnen ist. Zu Gehör brachte sie jedenfalls Stücke, die Lust auf Sommernächte, Tanzen und Mitsingen machten.

Zusatzinfo:
Alljährlich im Sommer wird das beschauliche Thüringer Städtchen Rudolstadt mit dem mittelalterlichen Kolorit zum Mekka für Fans von Folk- und Weltmusik. Auch im Jahr 2017 kamen wieder Musiker aus aller Welt.

Dienstag, 09.10 / 02.50 Uhr / 02:50 Hundert Meisterwerke und ihre Geheimnisse: „Die Hochzeit zu Kana“, 1563 – Paolo Veronese
Dokumentationsreihe, Frankreich, 2013, ARTE F        26 Min.
Regie: Carlos Franklin
Online verfügbar von 09/10 bis 08/12

Kunstwerke sind wichtige historische Zeugnisse ihrer Zeit. Die Dokumentationsreihe „Hundert Meisterwerke und ihre Geheimnisse“ stellt herausragende Werke der Kunstgeschichte auf eine ganz andere Art vor und versucht damit eine technisch hochmoderne Version des großen Klassikers „Hundert Meisterwerke“. Die genauen, bis ins kleinste Detail gehenden Bildanalysen führen dabei die großen zeitgeschichtlichen Zusammenhänge vor Augen. Zudem werden die Gemälde dreidimensional animiert und hauchen so dem jeweiligen Zeitalter neues Leben ein. Der Zuschauer hat dabei das Gefühl, sich tatsächlich selbst mit im Bild zu befinden. Außerdem vermittelt die Reihe einen umfassenden Eindruck von der Stellung des jeweiligen Künstlers in der Gesellschaft seiner Epoche.

Das monumentale Gemälde „Die Hochzeit zu Kana“ (1563) des venezianischen Malers Paolo Veronese zeigt das erste Wunder Christi, die Verwandlung von Wasser in Wein während eines Hochzeitsmahls.

„Die Hochzeit zu Kana“ (1563) von Paolo Veronese bildet die biblische Erzählung vom ersten Wunder Christi ab. Die Szene spielt bei einem Hochzeitsmahl in der Kleinstadt Kana in Galiläa. Da der Wein zur Neige geht, bittet Jesu Mutter ihren Sohn um Hilfe. Dieser ordnet daraufhin an, Krüge mit Wasser zu füllen, das er dann in Wein verwandelt.

Veroneses Gemälde fängt die ganze Geschichte in einem einzigen Moment ein, gemalt mit den damals besten und kostbarsten Farben und großer Hingabe zu Details: Die prächtigen Gewänder, das glänzende Geschirr, die reich gedeckten Tische, das Kommen und Gehen der Diener, die exotischen Gäste. Insgesamt 133 Personen sind auf dem monumentalen Werk zu sehen – all das und seine schiere Größe, fast 70 Quadratmeter, ziehen den Blick des Betrachters magisch an.

Im Jahr 1563 lebte und arbeitete Paolo Veronese in Venedig. Für das dortige Benediktinerkloster San Giorgio Maggiore malte er dieses eindrucksvolle Werk, welches die gesamte Rückwand des Refektoriums einnahm. Das als optische Täuschung konzipierte Gemälde verlängerte die Rückwand des Refektoriums in einen prachtvollen Palast: Der obere Teil des Bildes öffnet sich dem Himmel, während der untere Teil die Hochzeit als ein reiches Bankett in venezianischem Stil in Szene setzt.

Die farbenfrohen und für eine biblische Szene anachronistischen Kostüme deuten auf die große Freiheit hin, die Künstler in der Republik Venedig im 16. Jahrhundert genossen. Die sogenannte Serenissima Repubblica, die „erlauchteste Republik“, behauptete in jener Zeit mehr denn je seine Unabhängigkeit gegenüber dem Heiligen Stuhl und dies lässt sich auch in Veroneses Gemälde ablesen.

Mittwoch, 10.10. / 06.55 Uhr / Klimpern mit Anna ~ Die Notenlinien
Kindersendung, Frankreich, 2013, ARTE        14 Min.
Regie: Philippe Le Dem
Online verfügbar von 10/10 bis 17/10

Eddy liebt Musik, hat aber im Prinzip keine Ahnung, wie man Musik macht, geschweige denn, was Musik überhaupt ist. Deshalb beschließt er, Musikunterricht zu nehmen – und zwar bei der erfahrenen Klavierlehrerin Anna. Die Serie eröffnet Kindern spielerisch die nicht immer leicht zugängliche Welt der Musik: Welche Instrumente gibt es? Welche Rolle spielten sie in der Geschichte? Und welche Berufe und Musikrichtungen gibt es? Die amüsante Kindersendung führt die Zuschauer in kleinen Schritten und mit viel Humor an die Musiklehre heran.

Die zwei sympathischen Hauptfiguren – die erfahrene Musiklehrerin Anna und ihr völlig unbedarfter Schüler Eddy – vermitteln Kindern mit viel Leichtigkeit und Humor erste musikalische Grundkenntnisse. Darüber hinaus unternimmt die Sendung einen spielerischen Streifzug durch das weite Feld der Musik, so dass die Zuschauer verschiedene Instrumente und Berufe in der Musik kennenlernen.

Zusatzinfo:
Nach einer klassischen Klavierausbildung am Pariser Konservatorium studierte Anna-Zofia Borowiec Musikpädagogik und erforscht seitdem immer wieder neue Wege der Musikvermittlung. Auf ihrer 2012 von der Académie Charles Cros ausgezeichneten Doppel-CD „Pianotine“ spielte sie selbst komponierte Neuinterpretationen bekannter Kinderstücke ein. Seit mehr als 15 Jahren unterrichtet Anna-Zofia Borowiec Kinder und Erwachsene im Fach Klavier.

Mittwoch, 10.10. / ab 22.05 Uhr / Schwerpunkt: Georgien bei der Frankfurter Buchmesse 2018
Schwerpunkt, ARTE52 Min.

In diesem Jahr ist Georgien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.Vom 10. bis 14. Oktober werden unter dem Motto „Georgia – Made by Caracters“ rund 70 Autoren aus dem Land zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer erwartet. ARTE wandelt auf den Spuren der georgischen Künstlern der heutigen Zeit, wie etwa Nino Haratischwili. Salomé Alexi zeichnet im anschließenden Spielfilm die Geschichte der Geschäftsfrau Nino. ARTE folgt der Star-Pianistin Kathia Buniatishvili in „48 Stunden in Georgien“. Zum Abschluss tritt die Stargeigerin Lisa Batiashvili unter den Solisten des ARTE-Konzertes zur Frankfurter Buchmesse, einem Crossover aus Klassik und Pop, auf.

Georgien als Bindeglied zwischen Orient und Okzident. Ein Land in spannenden Umbruchszeiten mit großer literarischer Tradition. Mit der in Deutschland lebenden georgischen Schriftstellerin Nino Haratischwili entdeckt der Film „Georgien erzählt“ das Gastland der Frankfurter Buchmesse und präsentiert eine äußerst lebendige Literaturszene und ihre wichtigsten Schriftsteller. Die Autorin reist in die georgische Hauptstadt Tiflis sowie an andere Orte des Landes.In Tiflis lebt auch Nino, die Heldin des Filmes „Kreditlinie“. Salomé Alexis tragikomisches Spielfilmdebüt verleiht der georgischen Finanzkrise ein Gesicht.Arte begleitet die berühmte georgische Pianistin Kahtja Buniatishvili bei der Erarbeitung des Klavierkonzertes von Robert Schumann. Buniatishvili absolvierte wie die Stargeigerin Lisa Batiashvili ihre Musikausbildung an der Paliashvili-Musikschule für hochbegabte Kinder in Tiflis. Marita Stocker dokumentierte den Unterricht dieser ehrwürdigen Institution über ein Schuljahr hinweg.Zum Ausklang liefert ARTE ein Crossover aus Klassik und Pop. Auf dem Programm zu „The Sound of Georgia“ – dem Konzert zur Frankfurter Buchmesse – stehen Schubert, Debussy und ein gemischtes Doppel mit Lisa Batiashvili, dem Jazz-Pianisten Beka Gochiashvili, der Sängerin Natia Todua, Kordz am Synthesizer und dem Geiger Giorgi Zagareli.

Mittwoch, 10.10. / 22.05 Uhr / Georgien erzählt ~ Streifzüge mit Nino Haratischwili
Schwerpunkt: Georgien bei der Frankfurter Buchmesse 2018
Dokumentation, Deutschland, 2018, NDR        52 Min.
Regie: Eva Gerberding
Online verfügbar von 10/10 bis 08/01
Erstausstrahlung

Die georgische Autorin und Dramatikerin Nino Haratischwili hat mit ihrem preisgekrönten Roman „Das achte Leben“ ein international vielbeachtetes Abbild ihrer Heimat im Umbruch geschaffen. 2018 ist Georgien Ehrengastland auf der Frankfurter Buchmesse. Zusammen mit Nino Haratischwili entdeckt die Dokumentation Georgien und seine Literaturszene und begegnet den Autoren Lasha Bugadze, Archil Kikodze, Nana Ekvtimishvili, Dato Turaschwili und Zaza Burchuladze, die alle auf der Frankfurter Buchmesse 2018 vertreten sein werden.

Georgien ist ein Land zwischen Orient und Okzident, zwischen Ost und West, ein Land der Feste und Freude, der bilderreichen Sprache und der melancholischen Stille. Es ist ein Land, das geografisch so fern, aber geistig so nah ist, und ein Land in einer spannenden Umbruchzeit. Das alles hat Nino Haratischwili in ihrem 1275 seitigen Epos „Das achte Leben (Für Brilka)“ eingefangen. Dafür wurde die 35-Jährige vielfach preisgekrönt und geehrt. Der opulente Roman erzählt eine Familiengeschichte durch die letzten 100 Jahre der Geschichte des Kaukasus-Staates; ein weltpolitischer Stoff, der über fünf Generationen erzählt wird. Es geht um den Aufstieg und Fall des Kommunismus, um Liebe und Hass: „Ich verdanke diese Zeilen einem Jahrhundert, das alle betrogen und hintergangen hat, alle die, die hofften.“ Nino Haratischwili lebt als Autorin, Dramatikerin und Regisseurin in Hamburg. Sie wurde 1983 in Tiflis geboren, kam aber schon als Kind nach Deutschland. Sie steht im Zentrum der Dokumentation, in der noch andere hochkarätige Schriftsteller Georgiens vorgestellt werden, wie Lasha Bugadze und Dato Turaschwili, außerdem der Schriftsteller und Schauspieler Archil Kikodze und die Autorin und Regisseurin Nana Ekvtimishvili. Im Berliner Exil kommt auch Zaza Burchuladze, das „Enfant terrible“ der georgischen Literaturszene, zu Wort. 2018 wird Georgien das offizielle Ehrengastland auf der Frankfurter Buchmesse sein – ein weiter Grund, in die Literaturszene dieses außergewöhnlichen Landes einzutauchen.

Mittwoch, 10.10. / 22.55 Uhr / Kreditlinie
(Kreditis limiti)
Schwerpunkt: Georgien bei der Frankfurter Buchmesse 2018
Spielfilm, Georgien, Frankreich, Deutschland, 2014, ZDF        85 Min.
Regie: Salomé Alexi
Kamera: Jean-Louis Padis
Schnitt: Salomé Alexi
Musik: Gio Tsintsadze, Reso Kiknadze
Produktion: 3003 Film Production, Impossible Filmproductions
Produzent: Koka Togonidze
Drehbuch: Salomé Alexi

Mit: Nino Kasradze (Nino), Zanda Ioseliani (Natela), Ana Kacheishvili (Irma), Bacho Chkheidze (Merab), Nino Arsenishvili (Keti), Tamar Mamulashvili (Lali), David Darchia (Paata)

Online verfügbar von 10/10 bis 09/11
Erstausstrahlung

In dieser elegant inszenierten Tragikomödie verliert eine junge Geschäftsfrau aus gutem Hause ihr Vermögen aufgrund waghalsiger Kreditgeschäfte. Mit ihrem Spielfilmdebüt vermittelt die georgische Regisseurin Salomé Alexi einen ungeschönten, gleichwohl sympathischen Blick auf die Lebensverhältnisse in ihrem Heimatland. ARTE widmet dem diesjährigen Gastland der Frankfurter Buchmesse einen Programmschwerpunkt.

Nino, eine attraktive Frau Mitte 40, hatte in Tiflis zu Sowjetzeiten eine schöne Kindheit. Aufgewachsen in privilegierten Verhältnissen, musste sie sich keine Sorgen um ihre Zukunft machen. Den Lebensverhältnissen im heutigen Georgien ist sie aber kaum gewachsen. Ihr kleiner Laden läuft nicht mehr, und die Lebenshaltungskosten sind dramatisch gestiegen. Unerfahren im Umgang mit Geld, nimmt sie einen viel zu hoch verzinsten Kredit auf, gerät immer tiefer in die Schuldenfalle und bleibt in diesem Teufelskreis gefangen. Wehmütige Gesänge und Wodka kaschieren nur notdürftig eine finanzielle Abwärtsspirale. Ninos Geschichte ist kein Einzelschicksal; zwischen 2009 und 2013 haben 14 Prozent der georgischen Familien ihre Wohnungen und Häuser verloren, weil sie die Kredite nicht zurückzahlen konnten. Salomé Alexis tragikomisches Spielfilmdebüt verleiht der georgischen Finanzkrise ein Gesicht.

Die Regisseurin zu ihrem Film: „Ich wollte die Atmosphäre im heutigen Tiflis zeigen, einer Stadt, die ganz in der Hand von Kredithaien und Pfandleihanstalten zu sein scheint. Die heutige Bevölkerung ist mit Finanzdingen weitgehend überfordert, weil sie in der Sowjetzeit nicht gelernt hat, mit Geld umzugehen. Die meisten sind schlicht naiv, andere gierig, manche realitätsfern. ‚Kreditis limiti‘ zeichnet den Lauf eines solchen postsowjetischen Schicksals nach.“

Der Film hatte seine große Festivalpremiere 2014 in der Reihe Orizzonti des Filmfestivals von Venedig; 2015 wurde er beim portugiesischen Festival New Directors/New Films in Espinho als bester Film ausgezeichnet.

Zusatzinfo:
Salomé Alexi (geboren als Alexi-Meskhishvili 1966 in Tiflis) ist als Drehbuchautorin und Regisseurin von Kurz- und Langfilmen erfolgreich. Aufgewachsen in einer Cineasten-Familie (ihre Mutter ist die Regisseurin Lana Gogoberidze), begann Salomé Alexi 1988 ihre berufliche Tätigkeit als Ausstatterin im staatlichen Filmstudio von Tiflis. Von 1992 bis 1996 war sie an der Filmhochschule Fémis in Paris, wo ihre ersten Kurzfilme „Une Nuit“ und „Si on allait à la mer“ entstanden. Ihr erster Langfilm „Kreditlinie“ ist eine französisch-deutsch-georgische Koproduktion.

Freitag, 12.10. / 21:55 Uhr / Super Duper Alice Cooper
Dokumentarfilm, Kanada, 2014, ARTE F        98 Min.
Regie: Reginald Harkema, Sam Dunn, Scot McFadyen
Erstausstrahlung

Schauriges Make-up, Kunstblut und geköpfte Baby-Puppen – seine Bühnenshows seien wie eine Fahrt mit der Geisterbahn, sagte Alice Cooper einmal. Die Dokumentation zeichnet die Karriere des Erfinders des Schockrocks nach: von den Anfängen in der Band The Spiders bis hin zu Coopers späteren Solokarriere ab Mitte der 70er Jahre. Anhand von zahlreichen Archivbildern und den Aussagen prominenter Wegbegleiter entsteht ein fesselndes Porträt des Künstlers, der sich liebend gerne in Szene setzte und typischerweise mit einer Boa constrictor ablichten ließ. Welcome to Alice Cooper’s Nightmare!

Er erfand den Schockrock mit Grusel-Make-up und Horrorshow: Alice Cooper. Als Sohn eines Priesters wurde Vincent Damon Furnier in Detroit im US-Bundesstaat Michigan geboren und zog später mit seiner Familie nach Arizona. Mit Freunden aus dem Langlauf-Team nahm Cooper aus Spaß an Talentwettbewerben teil, zunächst noch als Beatles verkleidet. Nach einigen Umbesetzungen, Umbenennungen und einem Umzug nach Los Angeles bekam die Truppe dann einen Platten-Vertrag. Ein magisches Hexenbrett soll der Legende nach den endgültigen Bandnamen „Alice Cooper“ ausgespuckt haben.

Frühe Alben verkauften sich nicht schlecht, aber erst die Rock-Hymne „School’s Out“ brachte 1972 den internationalen Durchbruch. Weitere Charts-Bestseller wie „No More Mr. Nice Guy“ folgten. Die Band war ständig auf Tournee. Der viele Stress und Alkohol führte die Band jedoch in einen Dauer-Streit.

Schließlich reklamierte Cooper den Bandnamen für sich alleine und startete solo. „Welcome To My Nightmare“ hieß das erste Solo-Album des Rockers 1975. Cooper hatte weiterhin Erfolg, aber der Alkohol ließ ihn nicht los. Der Grusel-Rocker, der heute jeden Tag nach dem Frühstück 20 Minuten in der Bibel liest, ist auch ein Familienmensch und hat gemeinsam mit der Tänzerin Sheryl Goddard drei Kinder großgezogen. Aktuell veröffentlichte er mit „Paranormal“ sein 27. Studioalbum, für 2018 hat der inzwischen 70-Jährige zahlreiche Tourdaten für die USA und Kanada angekündigt.

Die Dokumentation zeigt umfassendes Archivmaterial, darunter Bilder wie die berühmt gewordene Szene, in der Alice Cooper das von einem Konzertbesucher auf die Bühne geworfene lebendige Huhn zurück in die Menge wirft, die es in Stücke reißt.

Außerdem kommen Wegbegleiter wie Pamela Des Barres, Bob Ezrin, Elton John, Wayne Kramer, John Lydon, Iggy Pop, Dee Snider und Bernie Taupin zu Wort; ferner zeigt die Dokumentation Auszüge aus Interviews mit Vincent Furnier oder seinem Agenten Shep Gordon. „Super Duper Alice Cooper“ untermauert die Legende von Alice Cooper – noch zu Lebzeiten.

Zusatzinfo:
Der Film, der einer Rock-Opera gleicht, wurde bei den Canadian Screen Awards 2015 mit dem Preis für die beste Dokumentation ausgezeichnet.

Freitag, 12.10. / 23.35 Uhr / Tracks
Magazin, Frankreich, 2017, ARTE F        43 Min.
Regie: Realisateurs Differents
Journalist: David Combe, Jean-Marc Barbieux
Online verfügbar von 12/10 bis 11/12
Erstausstrahlung

Freitag, 12.10. / 00.20 Uhr / Deep Purple – Hellfest 2017
Musik, Frankreich, 2017, ARTE F        61 Min.
Regie: Thierry Villeneuve
Mit: Deep Purple
Online verfügbar von 12/10 bis 19/10

Fast 50 Jahre nach ihrer Gründung bringen Deep Purple mit „Infinite“ ihr 20. Studioalbum heraus. Obwohl die Hard-Rock-Legenden noch immer nichts von ihrer Energie verloren haben, gehen Ian Gillan, Roger Glover, Ian Paice, Steve Morse und Don Airey ein letztes Mal auf Tour. 2017 treten sie beim Hellfest auf, dem größten französischen Metal-Treff. Mat Bastard moderiert dieses besondere, letzte Konzert.

Beim Namen „Deep Purple“ erklingt in den Ohren eines jeden Rockfans sofort das eingängige, wahrscheinlich berühmteste Riff der Rockgeschichte: „Smoke on the Water“ ─ wohl einer der herausragendsten Rocksongs aller Zeiten. Bands aus Großbritannien waren Ende der 1960er Jahre maßgeblich an der Erfindung des Hard Rock beteiligt: Black Sabbath, Uriah Heep, Judas Priest und Deep Purple prägten einen neuen, gitarrenlastigen und verzerrten Sound.

Nach beinahe 50 Jahren Streitereien, Dramen, Kultalben („In Rock“, „Machine Head“, „Perfect Strangers“), legendärer Rock-Hymnen („Child In Time“, „Highway Star“, „Speed King“) und triumphaler Tourneen bereiten sich die Dunkelvioletten auf ihren letzten Auftritt vor. Allerdings gehen die britischen Gentlemen nicht leise und auf Zehenspitzen von der Bühne, sondern getreu dem Motto „geteiltes Leid ist doppelte Freude“.

So teilen sie ihre letzten Auftritte mit einer Fangemeinde, die ihnen immer treu blieb und jedes Jahrzehnt neue Mitglieder dazu gewann (wie viele Hellfest-Besucher waren schon geboren, als die Band noch ihre ersten Riffs spielte?). Und sie nehmen sich die Zeit, ihren Abschied angemessen zu feiern. Eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte: „Are you fucking ready?“


Samstag, 13.10. / 18.25 Uhr / 360° Geo Reportage: Gitarren und Flamenco in Granada
Reportage, Deutschland, 2018, ARTE 43 Min.
Regie: Stefan Richts
Online verfügbar von 13/10 bis 12/11

Gitarrenmusik, Instrumentenbau und Flamenco sind bedeutende Bestandteile der andalusischen Kultur. So wie die 12-jährige Claudia Calle, möchten viele junge Menschen im Süden Spaniens durch die Musik berühmt werden: Als Tänzer, Musiker oder Instrumentenbauer. Das Zentrum des handwerklichen Gitarrenbaus weltweit ist Granada. Und der dienstälteste von rund 40 Gitarrenbauern in der Stadt ist Francisco Manuel Díaz. In seiner Werkstatt unterhalb der Alhambra baut und repariert der 76-Jährige die wertvollen Instrumente.

Àlvaro Pérez, genannt El Martinete, lebt in Granada. Der 23-Jährige spielt seit seinem sechsten Lebensjahr Gitarre – er hat bereits einige Nachwuchs-Wettbewerbe gewonnen und plant gerade die nächsten Karriereschritte: ein Konzert im ältesten Flamenco-Verein Spaniens und den Kauf einer neuen Flamenco-Gitarre. Die bestellt er bei Francisco Manuel Díaz, der in einer kleinen Straße unterhalb der Alhambra seit 1976 Gitarren baut, repariert und verkauft. Von der Musik der Stadt begeistert ist auch die 12-jährige Claudia Calle. Besonders der Flamenco, der in ganz Andalusien noch immer ein lebendiger Teil der Kultur ist, hat es ihr angetan. Claudia tanzt seit ihrem vierten Lebensjahr. Unter Anleitung ihrer Lehrerin Lucía Guarnido, die jahrelang in weltberühmten Ensembles aufgetreten ist, und zum Gitarrenspiel von Àlvaro Pérez, lernt sie die verschiedenen Flamenco-Stile. Weil sie so ehrgeizig und begabt ist, hat die 12-Jährige in ihrer Tanzschule schon einige Altersstufen übersprungen. Sie trainiert mindestens viermal pro Woche, zusätzlich übt sie derzeit nebenher zusammen mit Àlvaro das Repertoire für den Auftritt im Flamenco-Verein ein, bei dem sie tanzen wird. Dass sich Granada zu einem Zentrum des Gitarrenbaus und der Gitarrenmusik entwickelte, ist kein Zufall: Die Mauren, die mehr als 700 Jahre hier herrschten, brachten im 8. Jahrhundert den Vorläufer der Gitarre, die arabische Oud, mit auf die iberische Halbinsel. 360°-GEO Reportage begleitet Claudia Calle und Àlvaro Pérez auf ihrem Weg zum Auftritt in der „Peña La Platería“ – im ältesten Flamenco-Verein Spaniens.

Samstag, 13.10. / 00.15 Uhr / Square für Künstler: Carte Blanche für Yvan Le Bolloc’h
Magazin, Frankreich, 2018, ARTE 26 Min.
Erstausstrahlung

Sonntag, 14.10. / ab 15.35 Uhr / Filmreihe: Genies der Malerei – Eine Filmreihe auf ARTE
Filmreihe, ARTE52 Min.

„Genies der Malerei“, mit anderen Augen, unter einem neuen Blickwinkel gesehen: ARTE widmet so unterschiedlichen Maler-Persönlichkeiten wie Joan Miró und Neo Rauch, Hieronymus Bosch, Jan Vermeer, Van Gogh, William Turner und Jean-Michel Basquiat einen Schwerpunkt. Eintauchen in Meisterwerke der europäischen Malerei? „ARTE Trips“ ermöglicht, Kunst immersiv zu erleben – erhältlich in der ARTE360 VR-App.

„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ von Peter Webber erzählt nach dem Roman von Tracy Chevalier die Geschichte der 17-jährigen Griet, die als Magd in das Haus der Familie Vermeer einzieht. Der Maler Johannes Vermeer fühlt sich trotz religiöser und sozialer Differenzen zu ihr hingezogen – und er ist nicht der Einzige.

Maurice Pialat widmet sich den letzten zwei Monaten im Leben von Vincent van Gogh: Im Spannungsfeld der Idylle impressionistischer Malerei und der Zerrissenheit eines von Selbstzweifeln geprägten Individuums.Mike Leigh erzählt 25 Lebensjahre des britischen Malers William Turner – ohne jedwede Verklärung des Künstlers als Mythos und Genie. Der hart arbeitende Künstler wird von Timothy Spall verkörpert.Der Dokumentarfilm „Hieronymus Bosch“ verwendet das berühmte Werk „Garten der Lüste“ als Basis der künstlerischen Analyse. Auch 500 Jahre nach seinem Tod fasziniert Bosch mit einem komplexen und überaus deutungsreichen, geheimnisvollen Werk.Auch die Dokumentationsreihe „Hundert Meisterwerke und ihre Geheimnisse“ widmet Hieronymus Bosch eine Folge. Das allegorische Triptychon „Die Versuchungen des heiligen Antonius“ von 1501 steht im Mittelpunkt der Analyse, die sich nicht nur auf Boschs Maltechnik begrenzt. Filmemacherin Nicola Graef besucht Neo Rauch in seinem Atelier: die Bilder und Worte eines nachdenklichen, sensitiven Malers erklingen – Rauch als führende Figur der Leipziger Schule.Albert Sole Brusets Dokumentation über den katalanischen Künstler und Franco-Gegner Joan Miró zeigt dessen Kinderträume und ungebändigte Phantasie verbunden mit radikaler Klarsicht.Der Star der Kunstszene in den frühen 80er Jahren: Jean-Michel Basquiat. Eine Dokumentation über das schnelle Leben des einflussreichen amerikanischen Künstlers des 20. Jahrhunderts, der viel zu jung starb. Basquiat schuf Tausende von Zeichnungen und Malereien, die heute für bis zu 50 Millionen Dollar pro Werk verkauft werden. Meisterwerke der europäischen Kunst immersiv erleben mit „ARTE Trips“: Dank 360°-Perspektive und Virtual Reality-Technologie eröffnet sich so ein neuer Zugang zu Kunst und Künstlern wie Gauguin, Bosch, Munch, Bruegel, Manet, Velasquez – erhältlich in der ARTE360 VR-App.

Sonntag, 14.10. / 15.35 Uhr / Joan Miró ~ Farben, Feuer, Freiheit
Filmreihe: Genies der Malerei – Eine Filmreihe auf ARTE
Dokumentation, Frankreich, Spanien, 2016, ARTE F 52 Min.
Regie: Albert Solé Bruset
Online verfügbar von 14/10 bis 21/10
Erstausstrahlung

Palma de Mallorca: Im Atelier des berühmten Künstlers Joan Miró steht die Zeit still. Überall tummeln sich unvollendete Gemälde, Zeichnungen, Teppiche, Keramiken und Skulpturen in allen Formaten. Der katalanische Maler, Dichter und erklärte Franco-Gegner Joan Miró gilt als Wegbegleiter der Surrealisten, so wurde er Künstlern wie Rothko und Newman zum Vorbild. Sein Werk, das Kinderträume und ungebändigte Phantasie mit radikaler Klarsicht verbindet, überschreitet Grenzen und Genres und verdient die Bezeichnung universal. Auch 35 Jahre nach seinem Tod findet man den Einfluss dieses ebenso unermüdlich wie erfindungsreich Wirkenden in den verschiedensten – zuweilen unerwarteten – Bereichen, nicht zuletzt in Design und Architektur.

Fantasievolle Bildmotive, leuchtende Farben: All das ist Joan Miró. Doch weniger bekannt ist seine unermüdliche Tätigkeit in sämtlichen Bereichen des künstlerischen Schaffens. Die Dokumentation „Joan Miró – Farben, Feuer, Freiheit“ beleuchtet die zahlreichen Facetten des sympathischen Vollblutkünstlers, dessen Werke auch 35 Jahre nach seinem Tod unverändert nachleben. Heute verwaltet sein Enkel, Joan Punyet Miró, das imposante Erbe des Malers. Er führt durch das Atelier Mirós und eröffnet die Sicht auf einen avantgardistischen, schaffenswütigen Künstler, der die kreative Freiheit zum lebensnotwendigen Gut erhoben hatte. Joan Miró war seiner katalanischen Heimat sehr verbunden und engagierte sich gegen den Diktator Franco; Werke wie „El Segador“ (1937) oder die Serie „Barcelona“ (1944) sind bis heute stille Zeugen. Nie hörte er auf, sich selbst neu zu erfinden oder unkonventionell zu handeln – nicht ohne die Öffentlichkeit zu entsetzen, wie etwa als Achtzigjähriger, als er seine jüngsten Bilder verbrannte, obwohl diese auf dem Kunstmarkt Unsummen erzielt hätten. Die Dokumentation lässt Künstler und Wegbegleiter sprechen, darunter der katalanische Keramiker Josep Lluis Artigas, der Theaterregisseur John Baixas und der französische Bildhauer Gilbert Clémenti. Seltenes Filmmaterial zeigt den Künstler Miró bei der Arbeit sowie unveröffentlichte Serien des Fotografen Catala Rocca und des Filmemachers Pere Portabella. Ein Porträt, so hautnah, dass es reut, wenn die Zeit mit diesem faszinierenden Menschen wieder vorbei ist.

Sonntag, 14.10. / 16.55 Uhr / Metropolis ~ Tiflis
Magazin, Deutschland, 2018, HR 43 Min.
Online verfügbar von 14/10 bis 12/01
Erstausstrahlung

(1): Metropolenreport: Tiflis – Nahtstelle zwischen Ost und West
(2): Musik: Lenny Kravitz

(1): Metropolenreport: Tiflis – Nahtstelle zwischen Ost und West Georgien, das Land zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer, ist Ehrengast auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse 2018. Doch was wird heute in Tiflis geschrieben? Welche Freuden, welche Ängsten treiben Georgiens Schriftsteller voran? Und wie steht es um die Literaturszene der Hauptstadt? „Metropolis“ erkundet mit Bestsellerautor Archil Kikodze die Hauptstadt, trifft die Autorin und Filmemacherin Nana Ekvtimishvili und lernt von Schriftsteller Davit Gabunia das kleine ABC einer großen Unbekannten: Tiflis.

(2): Musik: Lenny Kravitz „Raise Vibration“ – Lenny Kravitz über die Liebe, Paris und Politik. Lenny Kravitz ist zurück auf der Bühne und will jetzt die Welt retten. Der amerikanische Rockstar mit Zweitwohnsitz in Paris hat mit „Raise Vibration“ nach vier Jahren Pause ein neues Album vorgelegt und fordert darauf viel: mehr Liebe, mehr Spiritualität, weniger Korruption und Krieg. Zum Ende seiner Frankreich-Tournee hat „Metropolis“ den Musiker in Colmar getroffen.

Sonntag, 14.10. / ab 17.40 Uhr / Schwerpunkt: Georgien bei der Frankfurter Buchmesse 2018
Schwerpunkt, ARTE43 Min.

In diesem Jahr ist Georgien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.Vom 10. bis 14. Oktober werden unter dem Motto „Georgia – Made by Caracters“ rund 70 Autoren aus dem Land zwischen Kaukasus und Schwarzem Meer erwartet. ARTE wandelt auf den Spuren der georgischen Künstlern der heutigen Zeit, wie etwa Nino Haratischwili. Salomé Alexi zeichnet im anschließenden Spielfilm die Geschichte der Geschäftsfrau Nino. ARTE folgt der Star-Pianistin Kathia Buniatishvili in „48 Stunden in Georgien“. Zum Abschluss tritt die Stargeigerin Lisa Batiashvili unter den Solisten des ARTE-Konzertes zur Frankfurter Buchmesse, einem Crossover aus Klassik und Pop, auf.

Georgien als Bindeglied zwischen Orient und Okzident. Ein Land in spannenden Umbruchszeiten mit großer literarischer Tradition. Mit der in Deutschland lebenden georgischen Schriftstellerin Nino Haratischwili entdeckt der Film „Georgien erzählt“ das Gastland der Frankfurter Buchmesse und präsentiert eine äußerst lebendige Literaturszene und ihre wichtigsten Schriftsteller. Die Autorin reist in die georgische Hauptstadt Tiflis sowie an andere Orte des Landes.In Tiflis lebt auch Nino, die Heldin des Filmes „Kreditlinie“. Salomé Alexis tragikomisches Spielfilmdebüt verleiht der georgischen Finanzkrise ein Gesicht.Arte begleitet die berühmte georgische Pianistin Kahtja Buniatishvili bei der Erarbeitung des Klavierkonzertes von Robert Schumann. Buniatishvili absolvierte wie die Stargeigerin Lisa Batiashvili ihre Musikausbildung an der Paliashvili-Musikschule für hochbegabte Kinder in Tiflis. Marita Stocker dokumentierte den Unterricht dieser ehrwürdigen Institution über ein Schuljahr hinweg.Zum Ausklang liefert ARTE ein Crossover aus Klassik und Pop. Auf dem Programm zu „The Sound of Georgia“ – dem Konzert zur Frankfurter Buchmesse – stehen Schubert, Debussy und ein gemischtes Doppel mit Lisa Batiashvili, dem Jazz-Pianisten Beka Gochiashvili, der Sängerin Natia Todua, Kordz am Synthesizer und dem Geiger Giorgi Zagareli.

Sonntag, 14.10. / 17.40 Uhr / 48 Stunden in Georgien: Mit Khatia Buniatishvili und Zubin Mehta
Schwerpunkt: Georgien bei der Frankfurter Buchmesse 2018
Dokumentation, Deutschland, 2017, WDR 43 Min.
Regie: Holger Preusse
Dirigent: Zubin Mehta
Komponist: Robert Schumann
Orchester: Israel Philharmonic Orchestra
Mit: Khatia Buniatishvili
Online verfügbar von 14/10 bis 12/01
Erstausstrahlung

Die Pianistin Khatia Buniatishvili und der Dirigent Zubin Mehta – zwei weltweit bekannte Stars der klassischen Musik – reisen zur Eröffnung eines neuen internationalen Musikfestivals in Tsinandali nach Georgien, Buniatishvilis Heimat. In zwei Tagen wollen sie Robert Schumanns Klavierkonzert zusammen mit dem Israel Philharmonic Orchestra aufführen. Doch noch ist das Amphitheater nicht fertiggestellt. Und auch bezüglich der Interpretation haben sie unterschiedliche Auffassungen. Wie der Titel der Dokumentation verrät: „48 Stunden in Georgien – Mit Khatia Buniatishvili und Zubin Mehta“.[Lang]: Die Pianistin Khatia Buniatishvili und der Dirigent Zubin Mehta sind schon lange miteinander bekannt und haben auf zahlreichen Konzerten gemeinsam musiziert. Ihre Eigenheiten sorgen dafür, dass aus Harmonie nicht Langeweile, aus der Lust an der Perfektion nicht Leblosigkeit wird. Das feine Abstimmen von Klang und Rhythmus bei Einzelproben und gemeinsam mit dem Orchester als Mittel zum Erfolg. Anlässlich des Eröffnungskonzertes für ein internationales Musikfestival in Tsinandali treten die beiden zum ersten Mal in Georgien, Buniatishvilis Heimatland, auf. Die Dokumentation begleitet die beiden Musiker und das Israel Philharmonic Orchestra 48 Stunden lang bei den Proben und der Aufführung von Robert Schumanns Klavierkonzert in a-Moll. Proben und Konzert finden an unterschiedlichen Orten statt. In der großen Konzerthalle der Hauptstadt Tiflis wird geprobt, das Konzert ist dagegen in Tsinandali unter freiem Himmel geplant, auf dem Gelände einer ehemaligen Weinkellerei. Hier soll nach der Eröffnung ein Zentrum für klassische Musik entstehen, um alle zwei Jahre ein Festival mit renommierte Künstlern und Orchestern zu zelebrieren. Das Problem: Noch sind die Bauarbeiten nicht abgeschlossen, die Handwerker schrauben und verfugen bis zur letzten Minute. Die Dokumentation ermöglicht einen so ungewöhnlichen wie unterhaltsamen und spannenden Einblick in die Kunst der Interpretation und in eines der großartigsten Konzerte der Musikgeschichte.

Sonntag, 14.10. / 20.15 Uhr / Das Mädchen mit dem Perlenohrring
(Girl with a Pearl Earing)
Filmreihe: Genies der Malerei – Eine Filmreihe auf ARTE
Spielfilm, Großbritannien, Luxemburg, 2003, ARTE F, ARD 96 Min.
Regie: Peter Webber
Autor: Tracy Chevalier
Kamera: Eduardo Serra
Schnitt: Kate Evans
Musik: Alexandre Desplat
Produktion: Archer Street, Delux, Film Fund Luxembourg, Pathé, UK Film Council, Wild Bear
Produzent: Andy Paterson, Anand Tucker
Drehbuch: Olivia Hetreed

Mit: Colin Firth (Jan Vermeer), Scarlett Johansson (Griet), Tom Wilkinson (Pieter van Ruijven), Cillian Murphy (Pieter), Essie Davis (Catharina Bolnes Vermeer), Judy Parfitt (Maria Thins)

Delft 1665: Die 17-jährige Griet stammt aus einfachen Verhältnissen. Seitdem ihr Vater bei einem Arbeitsunfall erblindet ist, sind ihre Eltern auf Griets Zuverdienst angewiesen. Nun soll sie bei dem bekannten niederländischen Maler Johannes Vermeer als Dienstmädchen arbeiten. Sie zieht in das prunkvolle Haus des überschuldeten und kinderreichen Künstlers und seiner Frau Catharina ein, die erneut schwanger ist. Bald wird der Mäzen ihres Herrn, Pieter van Ruijven, auf die schöne Griet aufmerksam. Seine Auftragsarbeiten sind es, mit dem sich die Familie über Wasser halten kann. Als bei der Feier zu Ehren des neugeborenen Sohns bekanntwird, dass Van Ruijven keinen weiteren Auftrag für Vermeer hat, sucht Maria Thins, Catharinas Mutter und Schatzmeisterin der Familie, verzweifelt nach einer Lösung. Griet, die für das Saubermachen des Ateliers zuständig ist, entwickelt mit der Zeit ein Gespür für die Farben und Lichtverhältnisse, mit denen Vermeer arbeitet. Der sensible Künstler wiederum bemerkt das Interesse der jungen Magd und fördert es – zum Leidwesen seiner Töchter und der eifersüchtigen Catharina. Doch Griet erregt nicht nur die Aufmerksamkeit von Vermeer; auch Metzgerssohn Pieter sowie Gönner Van Ruijven finden Gefallen an ihr. Während Griet zögerlich mit Pieter anbandelt, weiß Maria Thins das Interesse Van Ruijvens zu nutzen: Jan Vermeer soll Griet im Auftrag von Van Ruijven porträtieren. Mit seinem Regiedebüt nutzt Peter Webber das Medium Film, um der Malerei des Künstlers Vermeer, seinem Spiel mit Licht und Farben eine virtuose Interpretation zu geben.

Zusatzinfo: Peter Webbers Kinodebüt ist die Adaption einer Romanvorlage von Tracy Chevalier. Der Regisseur nutzt die vielseitigen ästhetischen Möglichkeiten der Filmsprache, um den künstlerischen Schaffensprozess in Szene zu setzen. Der Film wurde mit zahlreichen internationalen Preisen (unter anderem Beste Kamera für Eduardo Serra, San Sebastián Filmfestival 2003) ausgezeichnet und war 2004 in den Kategorien Beste Kamera, Beste Ausstattung und Bestes Kostümdesign für den Oscar nominiert.

Sonntag, 14.10. / 21.50 Uhr / Das Hieronymus Bosch Mysterium
Filmreihe: Genies der Malerei – Eine Filmreihe auf ARTE
Dokumentarfilm, Spanien, 2016, ARTE F 84 Min.
Regie: José Luis López-Linares
Online verfügbar von 14/10 bis 21/10
Erstausstrahlung

Vor rund 500 Jahren starb der Maler Hieronymus Bosch im Süden der Niederlande, in seiner Geburtsstadt ‘s-Hertogenbosch, von der auch der Künstlername des geborenen Jheronimus van Aken abgeleitet ist. In dieser kleinen Stadt entstanden fast alle Zeichnungen und Gemälde des Künstlers, über dessen Leben und Persönlichkeit noch immer sehr wenig bekannt ist. Die überbordende Fantasie seiner Werke mit ihren gequälten Figuren und den ebenso burlesken wie furchterregenden Ungeheuern hat in der Kunstgeschichte nicht ihres Gleichen. Die von der Kirche so stark unterdrückten und bestraften Themen Sünde, Verlangen und Versuchung ließen Bosch nicht los. Mit Menschengnomen, luziferischen Gestalten und närrischen Schimären stellte er die Laster seiner Epoche sehr eingehend dar. Im Gegensatz zu anderen Malern dieser Zeit weiß man über das Leben des Hieronymus Bosch nur wenig. Er war eine mysteriöse Gestalt: Belege für sein Leben finden sich in den Aufzeichnungen der Bruderschaft Unserer Lieben Frau, der ältesten Bruderschaft in den Niederlanden, in der Bosch Mitglied wurde. Es gibt jedoch nicht einmal ein verlässliches Porträt von ihm, mit Sicherheit überliefert ist nur sein Todestag. Bosch bleibt ein Mysterium – als Maler, aber auch als Mensch. Mit dem „Garten der Lüste“ widmet sich der Dokumentarfilm einem ganz besonderen Gemälde, einem der wichtigsten des Malers. Er will dem Bild auf den Grund gehen, mehr über Bosch und seinen Wissensdrang erfahren und Schlüssel zum Verständnis seines Geheimnisses liefern. Denn zu seinen Werken gibt es viele Interpretationen und Deutungen, einige bleiben jedoch trotzdem rätselhaft. Denn wie Kunsthistoriker Reindert Falkenburg sagt: „Der Autor will nicht, dass wir das Geheimnis lüften. Er will, dass wir im Geheimnis verweilen.“

Sonntag, 14.10. / 23.15 Uhr / Hundert Meisterwerke und ihre Geheimnisse: „Die Versuchungen des heiligen Antonius“, 1501 – Hieronymus Bosch
Filmreihe: Genies der Malerei – Eine Filmreihe auf ARTE
Dokumentationsreihe, Frankreich, 2015, ARTE F 26 Min.
Regie: Carlos Franklin
Online verfügbar von 14/10 bis 13/12

Kunstwerke sind wichtige historische Zeugnisse ihrer Zeit. Die Dokumentationsreihe „Hundert Meisterwerke und ihre Geheimnisse“ stellt herausragende Werke der Kunstgeschichte auf eine ganz andere Art vor und versucht damit eine technisch hochmoderne Version des großen Klassikers „Hundert Meisterwerke“. Die genauen, bis ins kleinste Detail gehenden Bildanalysen führen dabei die großen zeitgeschichtlichen Zusammenhänge vor Augen. Zudem werden die Gemälde dreidimensional animiert und hauchen so dem jeweiligen Zeitalter neues Leben ein. Der Zuschauer hat dabei das Gefühl, sich tatsächlich selbst mit im Bild zu befinden. Außerdem vermittelt die Reihe einen umfassenden Eindruck von der Stellung des jeweiligen Künstlers in der Gesellschaft seiner Epoche. Hieronymus Boschs „Die Versuchung des heiligen Antonius“ (1501) als Versuch, Dämonen mit dem Pinsel zu bändigen.

Mit dem allegorischen Triptychon „Die Versuchung des heiligen Antonius” erreicht die fantastische Bildwelt des niederländischen Malers Hieronymus Bosch ihren Höhepunkt. Im ausgehenden Mittelalter erlitt die Bevölkerung der Niederlande Hungersnöte und Epidemien, auch von schrecklichen Überschwemmungen wurde sie heimgesucht. Die in hohem Maße korrupte Kirche beherrschte das Volk, indem sie es mit Strafen ängstigte und eine Vergeltungsjustiz walten ließ. Das aufkommende rationale, wissenschaftliche Denken hatte noch große Mühe sich durchzusetzen. Bosch stellt seine glänzende Maltechnik in den Dienst einer Symbolwelt voller grotesker, fantastischer Geschöpfe. Das Altarbild zeigt drei Momente aus dem Leben eines Einsiedlers, der 105 Jahre lang den Versuchungen, Täuschungen und Gewalttaten des Teufels widerstanden hat. Der linke Bildteil zeigt seinen Kampf; er will sich nicht unterjochen lassen in seinem Glauben an Gott. Im Mittelpunkt des Bildes wird Gott befragt, der dem erschöpften Einsiedler nicht zu Hilfe gekommen ist. Auch im rechten Bildteil der den Einsiedler bei der Lektüre der Bibel zeigt, will ihn der Teufel noch verführen mit kulinarischen Versuchungen und Unzucht. Bosch stellt auf seinem Gemälde auch die Folgen der Mutterkornvergiftung dar, so die Bezeichnung für eine Krankheit, die unter anderem furchtbare Halluzinationen hervorruft. Sie entstand durch den Verzehr von Getreide, das von einem Pflanzenparasiten befallen war. Boschs vieldeutiges Gemälde soll auf den Betrachter wie ein Mittel zur Heilung dieses sogenannten Antoniusfeuers wirken – so der Name der im Mittelalter in Europa weit verbreiteten Krankheit, die vor allem die arme Bevölkerung in Hungerzeiten dezimierte. Darüber hinaus spielt Bosch in seinem Werk auch auf das moderne Hospitalwesen an, das der Antoniterorden zur speziellen Behandlung dieser Krankheit gegründet hatte.

Sonntag, 14.10. / 23.45 Uhr / Von der Liebe zur Musik in Georgien ~ Die Paliashvili-Musikschule Tiflis
Schwerpunkt: Georgien bei der Frankfurter Buchmesse 2018
Dokumentation, Deutschland, 2018, MDR 52 Min.
Regie: Marita Stocker & Mitja Hagelüken
Mit: Lisa Batiashvili, Giya Kancheli, Frauenchor Gori
Erstausstrahlung
Georgien: Vielvölkerstaat im Kaukasus, Land zwischen Orient und Okzident, zwischen Gestern und Morgen. Auf einer Anhöhe hoch über der Hauptstadt Tiflis steht die Paliashvili-Musikschule für hochbegabte Kinder. Die Wände des in die Jahre gekommenen Gebäudes haben Risse. Kaum ein Instrument ist noch zu stimmen, und viele Lehrer sind schon weit über das Rentenalter hinaus. Trotz alledem: Wer nach der strengen Aufnahmeprüfung durch die zerschrammte Eingangstür treten darf, tut dies voller Stolz, denn regelmäßig erobern ehemalige Paliashvili-Schüler die Bühnen der Welt. So wurde hier sowohl die Geigerin Lisa Batiashvili als auch die Pianistin Khatia Buniatishvili unterrichtet. Von diesem Erfolg träumen die Kinder – doch ihre Eltern oft noch mehr. Nicht selten ziehen ganze Familien aus entlegenen Regionen in die Hauptstadt, um ihrem Kind den Unterricht zu ermöglichen. Die Dokumentation begleitet die Schüler der Paliashvili-Musikschule und ihre Lehrer über den Zeitraum eines Schuljahres. Wer schafft es, dem Druck standzuhalten? Was lässt sie hadern, woran verzweifeln sie? Und was treibt die Schüler und Lehrer immer wieder aufs Neue an? „Von der Liebe zur Musik in Georgien“ ist eine beobachtende Dokumentation über einen magischen Ort. Eine Dokumentation vom Erwachsenwerden und Altern, von Abschieden und Anfängen, von großen Träumen und der Kunst der Improvisation.

Sonntag, 14.10. / 00.40 Uhr / The Sound of Georgia ~ Das ARTE-Konzert zur Frankfurter Buchmesse 2018
Schwerpunkt: Georgien bei der Frankfurter Buchmesse 2018
Musik, Deutschland, 2018, ZDF 75 Min.
Regie: Axel Ludewig
Autor: Lisa Batiashvili
Komponist: Georg F. Händel/Johan Halvorsen, Beka Gochiashvili, Sulchan Tsintsadze, Giya Kancheli, Richard Wagner/Franz Liszt, Dmitri Schostakowitsch
Mit: Maximilian Hornung (Cello), Beka Gochiashvili (Jazz Piano), Dudana Mazmanishvili (Klavier), Natia Todua (Vocals)
Erstausstrahlung

Georgien ist bekannt für seine reiche Musikkultur und seinen auffallend hohen Anteil international renommierter Konzertmusiker. Im Rahmen der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, auf der Georgien Ehrengast ist, findet ein Konzert mit Stars des georgischen Musiklebens statt. Geboten wird ein hochkarätiges Crossover unterschiedlicher Musikgenres. Dank der Mitwirkung weiterer Vertreterinnen und Vertreter der georgischen Kulturszene vermittelt die Veranstaltung einen vitalen Eindruck der kulturellen Produktivität Georgiens. Die Veranstaltung wird live am 11. Oktober 2018 auf arte.concert übertragen.

Das Programm schlägt einen großen Bogen von der Klassik zur Pop-Musik, von der georgischen Folklore zum Jazz. Das „gelebte Cross-Over“ ist ein Markenzeichen der großen georgischen Musikszene. Es gibt keine Berührungsängste und starre Klassifikationen, das Club Concert lässt diese Offenheit und Durchlässigkeit hautnah miterleben. Im Konzert werden auch prominente Vertreterinnen und Vertreter des georgischen Kulturlebens zugegen sein und kurz vorgestellt, darunter die Autorin und Filmregisseurin Nana Ekvtimishvili. Das Konzert präsentiert neben Klassikern wie Schostakowitschs Klaviertrio Nr. 1 oder „Isoldes Liebestod“ (in der Bearbeitung von Franz Liszt für Solo-Klavier) auch Stücke von georgischen Komponisten der E- und U-Musik. Dazu gehören Sulchan Tsintsadze, von dem zwei Miniaturen für Cello und Klavier gespielt werden, oder Giya Kancheli, der die Musik für den Film „Mimino“ von Giorgi Danelia geschrieben hat. Neben klassischen Duos und Trios (Klavier, Violine, Cello) sind auch „gemischte Doppel“ zu hören, wenn die Star-Violinistin Lisa Batiashvili mit dem Jazz-Pianisten Beka Gochiashvili spielt, und diese dann eine Sängerin wie Natia Todua in ihren Kreis holen. Natia Todua hat in den letzten vier Jahren eine einzigartige Karriere gemacht und gewann 2017 die siebte Staffel des „The Voice of Germany Contest“. Natia Todua ist ein Stimm-Phänomen und hat hochgelobte Cover-Versionen von Songs internationaler Größen des Popgeschäfts wie Adele oder Annie Lennox veröffentlicht. Sie wird den Gewinner-Song „My own way“ singen, sowie eine Cover-Version von Adeles „Someone like you“.

Zusatzinfo: Violinistin Lisa Batiashvili (*1979) lebt seit 1991 in Deutschland. Sie ist mit dem französischen Oboisten François Leleux verheiratet und tritt mit ihm in vielen gefeierten Konzerten international auf. Pianistin Dudana Mazmanishvili (*1980 in Tiflis) lebt seit 1998 lebt sie in Deutschland; sie ist das „Gesicht“ des Klavierbauers Bechstein und hat zahlreiche internationale Klavierwettbewerbe gewonnen. Pianist Beka Gochiashvili (*1996) gilt als Jazz-Wunderkind und hat in seiner noch jungen Karriere bereits mit Chick Corea, Stanley Clarke und anderen amerikanischen Jazzgrößen zusammengearbeitet.

Montag, 15.10 / 05.00 Uhr / Hommage Einojuhani Rautavaara ~Vigilia Teil 1: Vesper
Musik, Finnland, 2013, ARTE, YLE 41 Min.
Regie: Tiina Siniketo
Chorleitung: Nils Schweckendiek
Chor: Helsingin Kamarikuoro
Komponist: Einojuhani Rautavaara

Geflüsterte Passagen, Glissandi und Stimmcluster prägen das wichtigste Chorwerk der finnisch-orthodoxen Kirche, der „Vigilia“ zu Ehren von Johannes dem Täufer. Geschrieben wurde sie von einem Lutheraner: Einojuhani Rautavaara ist einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen finnischen Musik. ARTE zeigt den ersten Teil der Aufführung des Kammerchors Helsinki unter Leitung von Nils Schweckendiek. Aufgezeichnet wurde die „Vigilia“ in der Uspenski-Kathedrale Helsinki, am Ort der Uraufführung.

Die orthodoxe Kirche Finnlands ist nach der lutheranischen die zweitgrößte Religionsgemeinschaft des Landes. Ihr Zentrum ist die Uspenski-Kathedrale in Helsinki, die mit ihrer Fassade aus roten Klinkersteinen das Bild der Stadt prägt. Dort wurde das wichtigste liturgische Chorwerk der finnisch-orthodoxen Kirche uraufgeführt, die „Vigilia“ zu Ehren von Johannes dem Täufer von Einojuhani Rautavaara. Im September 2013 wurde die „Vigilia“ am Ort der Uraufführung zu Ehren und im Beisein des Komponisten wieder aufgeführt. Einojuhani Rautavaara ist einer der wichtigsten Figuren der zeitgenössischen finnischen Musik und feierte am 9. Oktober 2013 seinen 85. Geburtstag. Er war zwar Lutheraner, wurde aber bereits in seiner Kindheit von den orthodoxen Kirchen mit ihren Ikonen geprägt. Ursprünglich waren es zwei Messen, die Rautavaara für die Konzertbühne zu einem Werk zusammenführte. ARTE zeigt den ersten Teil der „Vigilia“, das Abendgebet. Sie ist für gemischten Chor ohne Begleitung angelegt. In der orthodoxen Kirchenmusik sind Musikinstrumente nicht erlaubt. Rautavaara hält sich auch an das Gebot der Verständlichkeit des Textes, legt das Werk aber viel dramatischer an, als es in der orthodoxen Tradition üblich ist. Die harmonischen Stimmcluster, geflüsterte Passagen und Glissandi tragen dazu bei. Die Musik folgt dem Rhythmus der finnischen Sprache mit ihren doppelten Vokalen und Konsonanten. Die „Vigilia“ war ursprünglich ein Auftragswerk des Helsinki-Festivals und der finnisch-orthodoxen Kirche

Zusatzinfo: Nils Schweckendiek, der musikalische Leiter, zur „Vigilia“: „Die ‚Vigilia‘ wurde als Auftragswerk für die Festspielwochen Helsinki geschrieben und bestand ursprünglich aus zwei Teilen, einem Abendgottesdienst und einem Morgengottesdienst.
Die Musik der finnisch-orthodoxen Kirche ist meines Wissens einfach. Der Text steht im Vordergrund und soll nicht besonders interpretiert, sondern nur gehört und verstanden werden. Rautavaaras Komposition hingegen ist eine sehr dramatische Interpretation der Texte.
Sie hat von Anfang an nicht wirklich in das orthodoxe Kirchenmusik-Verständnis gepasst. Zum anderen fiel die Uraufführung – die beiden Teile wurden übrigens 1971 bzw. 1972 in derselben Kathedrale uraufgeführt, wo auch die jetzige Aufführung stattfand – auf einen ganz besonderen Feiertag: Der Festtag Johannes des Täufers war ein Sonntag, an dem die vierte liturgische Melodie verwendet wurde. Diese Konstellation gibt es nur alle 40 bis 50 Jahre. Außerhalb dieses besonderen Zeitpunktes durfte Rautavaaras Musik im kirchlichen Kontext gar nicht verwendet werden. Nach der Uraufführung wäre das nächste mögliche Datum für eine liturgische Aufführung 2004 gewesen. So hat diese Musik einerseits nicht so gut in das Bild einer orthodoxen Kirchenmusik gepasst, andererseits war sie eben auch nicht ‚nutzerfreundlich‘, wie man es heutzutage ausdrücken würde. Aus diesem Grund hat sich Rautavaara entschieden, aus seinen Gottesdiensten ein Konzertstück zu machen. Diese sogenannte Konzertfassung ist auch die einzige, die er heutzutage zur Aufführung zulässt. In dieser Fassung hat er die wichtigsten gesungenen Teile aus den beiden Gottesdiensten noch einmal überarbeitet und zu einem rein musikalischen Gebilde zusammengefügt. Die meisten Priestergesänge und alles, was zwischen der Musik passiert, fällt weg und das Ganze wird zu einer Art symphonischen Dichtung für Chor über diese orthodoxen Texte, die ja wirklich inhaltlich sehr dramatisch sind und die der Komponist auch wirkungsvoll umsetzt. Der Text ist immer noch sehr verständlich, aber Rautavaara schafft eindrucksvolle musikalische Klanggebilde, um die Wirkung zu unterstreichen. Man darf nicht vergessen, dass er auch ein erfolgreicher Opernkomponist ist. Sein Sinn für Dramatik ist auch in der ‚Vigilia‘ wiederzufinden.

Als Rautavaara den Kompositionsauftrag angenommen hatte und sich mit der orthodoxen Kirchenmusik auseinanderzusetzen begann, hat er sehr schnell entdeckt, dass die Traditionen, die wir aus der russisch-orthodoxen Kirchenmusik kennen, eigentlich zum Großteil aus dem 19. Jahrhundert stammen. Er wollte aber weiter in die Vergangenheit gehen. So zitiert er mit dem Teil ‚Antiphon‘ eine byzantinische Melodie und setzt sich mit einem ursprünglichen Aspekt der orthodoxen Kirchenmusik auseinander. Auch hält er sich an das Verbot von Musikinstrumenten in der orthodoxen Kirche, also an das Gebot, ausschließlich die menschliche Stimme einzusetzen. Trotz dieser Begrenzungen schafft er etwas, das nach Rautavaara klingt. Das will heißen: an erster Stelle seine sehr persönliche, ausdrucksvolle harmonische Sprache, dann auch eine bestimmte Melodiebildung, sowie sein Sinn für langfristige dramatische Spannung und Entwicklung. Letzteres ist vor allem mit der Konzertfassung entstanden, die ja verschiedene Stadien durchlief, bis Rautavaara 1996 bei der Fassung ankam, die er als endgültig betrachtet.

1971 wurden von den Festspielwochen Helsinki ein katholisches, ein lutheranisches und ein orthodoxes Werk in Auftrag gegeben. Rautavaara hatte damals den Wunsch ausgesprochen, das orthodoxe Werk zu komponieren. 2011 hat er noch eine katholische Messe komponiert. Auch für die lutheranische Kirche, die größte Kirche Finnlands, der er selbst angehört, hat er zahlreiche kürzere Stücke komponiert. Die katholische Messe und die meisten der lutheranischen Werke haben ebenfalls keine instrumentale Begleitung.“ Nils Schweckendiek stammt aus Deutschland und ist seit 2007 der künstlerische Leiter des Kammerchors Helsinki, das ist aber nur ein Aspekt seiner musikalischen Tätigkeit in Finnland und in Europa.

Montag, 15.10 / 20.15 Uhr / Mr. Turner – Meister des Lichts
(Mr. Turner)
Spielfilm, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, 2014, ARD 144 Min.
Regie: Mike Leigh
Kamera: Dick Pope
Schnitt: Jon Gregory
Musik: Gary Yershon
Produktion: Film4, Focus Features International (FFI), France 3 Cinéma, Lipsync Productions, Thin Man Films, Untitled 13, Xofa Productions
Produzent: Georgina Lowe
Drehbuch: Mike Leigh

Mit: Timothy Spall (J.M.W. Turner), Paul Jesson (William Turner Sen.), Dorothy Atkinson (Hannah Danby), Marion Bailey (Sophia Booth), Karl Johnson (Mr. Booth), Ruth Sheen (Sarah Danby), Joshua McGuire (John Ruskin)

Das bildgewaltige Epos „Mr. Turner – Meister des Lichts“ zeigt Englands Aufbruch in die Moderne anhand der letzten 25 Lebensjahre eines seiner radikalsten Künstler: Joseph Mallord William Turner (1775–1851). Zielstrebig und kompromisslos, außerordentlich produktiv, revolutionär in seinem Ansatz, vollendet in seinem Handwerk – ein Visionär. Dem gegenüber steht der Mensch Turner: exzentrisch, anarchisch, verletzend und unberechenbar.

Von Kindheit an gab es nur eines im Leben des William Turner: die Malerei. Unterstützung fand er dabei immer bei seinem Vater, einem Friseur und Perückenmacher. 1826 hat er es schon lange geschafft. Er ist ein ebenso renommiertes wie exzentrisches Mitglied der Royal Academy. Mit seinem Vater, den er zutiefst liebt, und der Haushälterin Hannah, die ihm auch sexuell zu Diensten ist, wohnt er in London. Er ist ein Bilderbuch-Genie: egoman, aufbrausend, kompromisslos, wortkarg – kann aber auch äußerst feinfühlig sein. Er ist ein gerngesehener Gast auf den Landsitzen des Adels, gleichzeitig zieht es ihn in die Bordelle. Er ist immer unterwegs, immer mehr bemüht, nach der Realität des Eindrucks den Moment einzufangen. So lässt er sich an einen Schiffsmast binden, um ein Unwetter so authentisch wie möglich malen zu können. Von der neuen Technik, allem voran der Eisenbahn, ist er fasziniert. Doch letztlich verschreibt er sich dem Licht mit all seinen Spielvarianten, die er vor allem im Küstenstädtchen Margate findet. Quartier nimmt er unter anderem Namen bei Sophia Booth und beginnt mit ihr eine heimliche, innige Liebesbeziehung. Mehr und mehr scheiden sich an dem ruhelosen und anarchischen Künstler die Geister: Leidenschaftlich verteidigt ihn Kunstkritiker John Ruskin gegen Kritiker, die Turners abstrakter werdende Bilder als Klecksereien verspotten. Als ihm 100.000 Pfund für sein Gesamtwerk geboten werden, schlägt Turner das Angebot aus. Künstlerisch wie privat bleibt Turner bis ins hohe Alter radikal. Denn Haushälterin Hannah erfährt erst spät von Turners anderem Leben, das er an der Seite von Sophia Booth führt.

Zusatzinfo: Das Biopic von Mike Leigh über den britischen Maler William Turner (1775-1851) erzählt 25 Lebensjahre eines hart arbeitenden Künstlers, der von Timothy Spall eindringlich verkörpert wird. Das nach Realismus strebende Porträt verzichtet dabei bewusst auf die Verklärung des Künstlers als Mythos und Genie. „Dass ‚Mr. Turner – Meister des Lichts‘ ein Künstlerdrama im besten Sinn geworden ist und kein Bilderbogen in Ehrfurcht erstarrter Tableaus, macht ihn zum Ausnahmewerk in der bisherigen Geschichte des Künstlerfilms“ (Filmdienst).

Freitag, 19.10. / 05.00 Uhr / Toto in Concert – Baloise Session 2015
Musik, Deutschland, 2015, ZDF 70 Min.
Regie: Roli Bärlocher
Online verfügbar von 19/10 bis 18/11

1977 gegründet und 2008 nach zwölf veröffentlichten Studioalben aufgelöst, meldeten sich Toto 2015 mit ihrem ersten Studioalbum in neun Jahren zurück – „Toto XIV“. Am Touren hingegen haben sie schon länger wieder Gefallen gefunden. Bei der Baloise Session 2015 präsentieren sich die Herren um Gitarrist und Gründungsmitglied Steve Lukather in bester Spiellaune und performen sowohl ihre großen Hits wie „Hold the Line“, „Rosanna“ oder „Africa“ als auch Lieder ihres neuen Albums.

Was passiert, wenn sich einige der besten Studiomusiker der 70er und 80er Jahre zusammentun und eine Supergroup gründen? Die Erfolgsgeschichte von Toto wird geschrieben. 1977 gegründet und 2008 nach zwölf veröffentlichten Studioalben aufgelöst, meldeten sie sich 2015 mit ihrem Album „Toto XIV“ zurück. Am Touren hingegen haben sie schon länger wieder Gefallen gefunden. Toto haben mit ihren Erfolgsalben „Toto“ und „Toto IV“ sowie der Single „Rosanna“ insgesamt sechs Grammy Awards gewonnen. 1982 ist das erfolgreichste Jahr von Toto. „Rosanna“ landet auf Platz zwei der Billboard Charts, „Africa“ sogar auf Platz eins. Ihre Hits werden nach wie vor regelmäßig im Radio gespielt und haben an Beliebtheit nichts eingebüßt. Insgesamt waren bisher 14 Musiker als feste Mitglieder und 31 reine Tourmusiker unter dem Namen Toto tätig. Einziges konstantes Bandmitglied seit der Gründung ist Gitarrist und Sänger Steve Lukather. Bei der Baloise Session 2015 präsentieren sich Toto in bester Spiellaune und performen sowohl ihre großen Hits wie „Hold the Line“, „Rosanna“ oder „Africa“ als auch Songs ihres neuen Albums.

Freitag, 19.10. / 21.50 Uhr / Françoise Hardy ~ Die Diskrete
Dokumentation, Frankreich, 2016, ARTE F 54 Min.
Regie: Matthieu Jaubert, Emilie Valentin
Online verfügbar von 19/10 bis 26/10

Von der Ikone der 60er zur Grande Dame des französischen Chansons: Bereits im zarten Alter von 18 Jahren wurde Françoise Hardy mit ihrem ersten großen Hit „Tous les garçons et les filles” (1962) zum Idol des Yéyé. Die Einzigartigkeit ihrer melancholischen Chansons und ihre sanfte Stimme ließen sie zu einer der bekanntesten Pop- und Chansonsängerin Frankreichs werden. Nach einer Pause in den 90er Jahren kehrte sie wieder zur Musik zurück, im gleichen einfühlsamen Stil. Hardy ist so zeitlos geblieben wie ihre Lieder und trifft auch heute noch den Geschmack mehrerer Generationen.

Françoise Hardy war das Idol des Yéyé, der Popmusik der 60er Jahre. Ihr erster großer Hit „Tous les garçons et les filles” (1962) eröffnete der Sängerin schon im zarten Alter von 18 Jahren den Weg zu einer Karriere als eine der bekanntesten Pop- und Chansonsängerinnen Frankreichs. Auch wenn die Pariserin in der französischen Musikszene anfangs völlig aus dem Rahmen fiel und sich ab den 80er Jahren ins Privatleben zurückzog, sorgte sie regelmäßig mit Platten wie „Décalages” (1988) für Schlagzeilen. Viele Künstler zählen zu ihren Bewunderern: Sex-Pistols-Legende Malcolm McLaren nahm mit ihr einen Song auf, Mick Jagger bezeichnete sie als „ideale Frau”, und Bob Dylan widmete ihr ein Gedicht. Die stilbewusste Künstlerin ist sich über ihre musikalische Laufbahn mit ihren nostalgischen und romantischen Liedern hinweg selbst treu geblieben – aus der Ikone der 60er ist eine Grande Dame geworden. Doch wie gelang es der eleganten Französin – die blonde Mähne ist mittlerweile schneeweiß – auch 25 veröffentlichte Alben später nicht an Ausstrahlung zu verlieren? Die Dokumentation beleuchtet die Persönlichkeit hinter dem Star und ergründet das visionäre Talent der Künstlerin. Es kommen europäische Musiker, Produzenten, Modeschöpfer und Sänger zu Wort, die ihre Sicht auf Françoise Hardy, ihre Einzigartigkeit und ihren Beitrag zur Popmusik äußern.

Freitag, 19.10. / 22.50 Uhr / Basquiat – Popstar der Kunstwelt
Filmreihe: Genies der Malerei – Eine Filmreihe auf ARTE
Dokumentation, Großbritannien, 2017, ZDF 53 Min.
Regie: David Shulman
Online verfügbar von 19/10 bis 18/11

Jean-Michel Basquiat, der mit Warhol befreundet war und Madonna datete, war der Star in der Kunstszene der frühen 1980er Jahre in New York. Er lebte schnell, starb jung und schuf Tausende von Zeichnungen und Malereien, die heute für bis zu 50 Millionen Dollar pro Werk verkauft werden. In nicht mal einem Jahrzehnt stieg der Sohn eines Buchhalters aus Brooklyn vom unbekannten Graffitikünstler zu einem bahnbrechenden Kunststar auf. Nach seinem Tod wurde er zu einem der wichtigsten Künstler seiner Generation und zählt heute zu den einflussreichsten amerikanischen Künstlern des 20. Jahrhunderts.

Jean-Michel Basquiat war die Personifikation der ultra-hippen Subkultur der Post-Punk-Ära Manhattans. Er hing mit Warhol ab, ging mit Madonna aus und veröffentlichte bahnbrechende Kunstwerke. Basquiat mischte die New Yorker Kunstwelt mit Arbeiten auf, die das Leben der Straße in die Hochkunst brachte. Rau, provokativ, schön, kindlich, spontan und voller Anspielungen: Seine Malereien und Zeichnungen – eine Kombination aus gekritzelten Formen und durchgestrichenen Wörtern – erschienen chaotisch, waren aber äußerst zweckorientiert. Kunst war sein Mittel, seine Erlebnisse als schwarzer Mann in einer weißen Welt zu verarbeiten. Das Porträt zeigt seine ambivalente Freundschaft mit Andy Warhol, taucht unter die Oberfläche und geht einigen Mythen auf den Grund. War Basquiat das gepeinigte, selbstverletzende Genie, ähnlich wie Vincent van Gogh? Oder war sein Schicksal ähnlicher dem eines Stars, der sich in einem Strudel aus Ruhm und Drogen verliert? Oder war er einfach das Opfer habgieriger Dealer, der Wall-Street-Gier und des Kunstmarkt-Hypes?

Freitag, 19.10. / 23.45 Uhr / Tracks

Magazin, Frankreich, 2017, ARTE F 43 Min.
Regie: Realisateurs Differents
Journalist: David Combe, Jean-Marc Barbieux
Erstausstrahlung

(1): Anupong Chantorn
(2): Shuffling

(1): Anupong ChantornEr ist einer der umstrittensten Künstler Thailands, seitdem er es nach mehreren Skandalen um korrumpierte Bonzen wagte, buddhistische Mönche als schnabeltragende Höllenfiguren zu malen – in einem Land, in dem 95 % der Bevölkerung buddhistisch ist.

(2): ShufflingShuffling entstand in den 80er Jahren in Melbourne. Heute erlebt der Fersen-und-Zehen-Tanz dank einiger viraler Clips einen zweiten Frühling. Ein Treffen mit jungen Barcelonern, die diesen Tanz professionalisieren wollen.

Freitag, 19.10. / 00.25 Uhr / Her
Musik, Deutschland, 2018, NDR 60 Min.
Regie: Silke Stubenvoll
Erstausstrahlung

Am 22. September 2018 bringen die fingerschnipsenden Franzosen von Her ihren elegant-melancholischen Neo-Soul in die Hamburger Elbphilharmonie. Selten ist der fehlende Part eines Duos künstlerisch so präsent wie bei Her. Der mit nur 27 Jahren verstorbene Simon Carpentier hinterlässt eine Lücke, die für seinen Kindheitsfreund Victor Solf alles andere ist als eine Leerstelle. ARTE präsentiert das Highlight des Reeperbahn Festivals im TV und live auf ARTE Concert.

Simon Carpentier und Victor Solf überließen von Beginn an nichts dem Zufall. Beide genossen eine klassische Ausbildung am Konservatorium, entdeckten fast zeitgleich Soul-, Jazz- und Bluesmusik – Simon an der Gitarre und Victor am Klavier. Mit ihrer ersten Band bespielten sie zunächst den für Frankreich so typischen Indie-Synth-Pop. Doch Victor und Simon wollten mehr, verlagerten für Her ihren kulturellen Einfluss komplett: Sie lasen amerikanische Literatur, schauten amerikanische Filme und entdeckten den amerikanischen Hip-Hop für sich. Für Her entwickelten sie einen einzigartigen Sound, der genauso gut in den Club wie auch vor den Kamin passt: Otis Redding trifft Kanye West, mit einer Prise French Touch, sozusagen. Bereits mit ihrer ersten EP gelang ihnen der Durchbruch. Ausschlaggebend war der Welthit „Five Minutes“, den sich eine große Firma für eine Werbekampagne lieh und der daraufhin millionenfach gestreamt wurde. Dem elektronischen Clubhit setzten sie zeitgleich ein sanftes Cover von Sam Cookes „A Change Is Gonna Come“ entgegen und bewiesen damit endgültig die musikalische Spannweite, auf der Her sich bewegt. Dieser musikalische Höhenflug bekommt durch den Tod Simon Carpentiers schließlich einen tragischen Ikarus-Moment. „You made your path to see, but I’m on the other side“, singt Victor Solf im Song mit dem passenden Titel „Icarus“. Kein Fingerschnips, der nicht an Simon erinnert.


Sonntag, 21.10. / 15.30 Uhr / Egon Schiele
Dokumentation, Deutschland, 2017, ARTE, ORF, 55 Min.
Regie: Herbert Eisenschenk
Online verfügbar von 21/10 bis 20/11
Erstausstrahlung

Seit 100 Jahren versucht die kunstinteressierte Gesellschaft, sich mit dem verstörenden Werk des österreichischen Malers Egon Schiele auseinanderzusetzen. Heute zählt Schieles Werk zum Teuersten, was am internationalen Kunstmarkt gehandelt wird. Aber das von ihm Dargestellte vermag noch immer zu verunsichern und zu polarisieren. Die Dokumentation „Egon Schiele“ beleuchtet aus seinem kurzen Leben verborgene Hintergründe und oft wenig bekannte Ereignisse, die Anlass und Quelle für seine Kunst gewesen sein mögen. Ereignisse, die zwischen berührender Innigkeit und nur schwer erträglicher Wahrhaftigkeit ihren unverrückbaren Platz eingenommen haben.

Einsamkeit, Neugierde am Okkulten, Ablehnung, Verehrung. Lust und Laster, Verdammung, Bestrafung. Nicht zu vergessen der kurze und kometenhafte Aufstieg in die strahlenden Höhen des Künstlerolymps, der sinnlos erscheinende frühe Tod, schließlich die Gegenwart mit Verehrungs- und Heiligsprechungstendenzen. Dies sind die Bausteine des kurzen Lebens von Egon Schiele. Sie und seine bis heute schwer zu entschlüsselnde Kunst bilden bis heute, 100 Jahre nach seinem Tod, jenes Material, aus dem die Legenden der Unerreichbaren gefertigt sind.

Aber wer sich die Mühe macht, sich nicht von dieser affektbeladenen Fassade einschüchtern zu lassen, sondern hinter diese zu blicken, dem sollte es auch gelingen, in seiner Kunst die Seele des Menschen Schiele zu erkennen. Diese Begegnung mag verstören: Das, was sie uns mitzuteilen hat, wurde oft mit brutaler Ehrlichkeit auf Leinwände und Papier gebannt. Es ist weit entfernt von Schönheit und Harmlosigkeit angesiedelt.

Egon Schiele entkleidet die Gesellschaft und sich selbst nachhaltig und im doppelten Sinne. Wie Sigmund Freud drang auch er in jene Zonen des Menschseins vor, wo ästhetisches Empfinden eine untergeordnete Rolle spielt. Sein Blick legte die aus dem Verborgenen heraus wirkenden menschlichen Triebe genauso schonungslos frei, wie er menschliches Sein als Leidensweg des physischen und seelischen Schmerzes entzifferte.

100 Jahre nach Schieles Tod versucht die Dokumentation nicht das Genie zu huldigen, sondern die inneren Zusammenhänge aufzudecken, die Schieles unvergleichliches Werk erst ermöglichten.

Sonntag, 21.10. / 16.5 Uhr / Metropolis ~ Beirut
Magazin, Deutschland, 2018, ZDF 43 Min.
Online verfügbar von 21/10 bis 19/01
Erstausstrahlung

(1): Metropole Beirut: Zwischen Krieg, Versöhnung und Kunst
(2): Atelier: Wie arbeitet eigentlich Jean-Michel Jarre?

(1): Metropole Beirut: Zwischen Krieg, Versöhnung und Kunst
Die kriegerischen Konflikte im Nahen Osten sind chronisch. Aber es gibt Hoffnung: Beirut, die Hauptstadt des Libanon, hat sich nach dem Ende des Bürgerkriegs neu erfunden und gilt heute als liberalste Stadt der arabischen Welt. Trotz vieler Probleme scheinen Sunniten, Schiiten und Christen hier miteinander auszukommen. Zudem hat der Libanon über eine Million Flüchtlinge aus dem benachbarten Syrien aufgenommen. Kann Beirut mit seiner hippen Kunst- und Kulturszene inzwischen als Modell für eine langfristige Versöhnung gelten? Rechtzeitig zur Beirut Art Fair besucht „Metropolis“ die Stadt an der Levanteküste.

(2): Atelier: Wie arbeitet eigentlich Jean-Michel Jarre?
Jean-Michel Jarre ist der große alte Mann der französischen Elektro-Musik. Ohne ihn gäbe es weder Air noch Daft Punk, und auch international hat er mit seinem Sound Generationen von Künstlern entscheidend geprägt. Dieses Jahr feiert er sein 50-jähriges Jubiläum als Musiker mit einer Best-of-Platte und bringt dazu noch ein neues Album heraus. Aber wie entsteht eigentlich Jarres Sound? „Metropolis“ besucht den Meister in seinem Studio in der Nähe von Paris und lässt sich zeigen, wie er seine Songs baut.

Sonntag, 21.10. / 17.40 Uhr / Die letzten Sonaten von Beethoven mit Alexandre Tharaud

Musik, Frankreich, 2018, ARTE F, 45 Min.
Regie: Mariano Nante
Komponist: Ludwig van Beethoven
Mit: Alexandre Tharaud (Klavier)
Online verfügbar von 21/10 bis 20/03
Erstausstrahlung

Ludwig van Beethoven wirft in seinen letzten beiden Sonaten einen Blick in die Tiefen der menschlichen Seele. Er führt aus der Verzweiflung in eine hoffnungsvolle Glückseligkeit. Unter diesen „psychologischen“ Gesichtspunkten inszenierte Regisseur Mariano Nante die beiden Musikstücke filmisch so, dass der Einfluss des sowjetischen Regisseurs Andrej Tarkowski deutlich spürbar wird. Der Pianist Alexander Tharaud spielt in verlassenen Schlössern – magischen Orten, die zu einer besinnlichen Reise in Bildern und Musik einladen.

Ein Mann irrt durch ein verlassenes Haus. Der Ort wirkt wie ein Labyrinth. Auf Dielen und Wänden hat die Zeit ihre Spuren hinterlassen. Wasser sickert durch die Wände, die Pflanzen haben das Mauerwerk für sich gewonnen. Zerbrochene Fenster, Staubflocken, zerrissene Vorhänge und bröckelnder Putz zeugen davon, dass hier schon lange niemand mehr wohnt. In einem Raum stößt der Mann plötzlich auf ein altes, mit einem Laken verhangenes Klavier. Das Instrument erscheint wie ein Schlüssel zu einer anderen Zeit …

An diesem Ort stimmt er die letzten Sonaten von Beethoven an. Die Kamera streift weiter langsam weiter durch den Raum, sich in aller Ruhe den Formen und Texturen, dem Spiel von Licht und Schatten widmend. Die letzten beiden Sonaten Beethovens, op. 110 und 111, erforschen die Tiefen der menschlichen Seele und führen aus der Verzweiflung in eine hoffnungsvolle Glückseligkeit. Als er sie niederschrieb, hatte der Komponist bereits das Gehör verloren, was sein Verhältnis zur Außenwelt entscheidend beeinflusste. Unter diesen psychologischen Gesichtspunkten inszenierte Regisseur Mariano Nante auf eine Art und Weise, die an den sowjetischen Filmemacher Andrej Tarkowski erinnert. Die Aufnahmen aus verlassenen Schlössern, festgehalten von Kameramann Giorgos Arvanitis, und das Spiel des Pianisten Alexandre Tharaud evozieren Isolierung und Innenschau. Sie bieten eine besinnliche Reise in Bildern und Musik.

Sonntag, 21.10. / 22.30 Uhr / Gershwin, der amerikanische Klassiker
Musik, Frankreich, 2018, ARTE F , 52 Min.
Regie: Jean-Frédéric Thibault
Online verfügbar von 21/10 bis 09/11
Erstausstrahlung

George Gershwin brach im frühen 20. Jahrhundert mit den Codes der klassischen Musik. Er brachte die soziale Realität in die amerikanischen Konzerthäuser. Seine Melodien aus „Rhapsody in Blue“, „Concerto in F“, „Ein Amerikaner in Paris“ oder der Oper „Porgy & Bess“ inspirieren bis heute Musiker aus Klassik, Blues und Jazz. Gershwin war ein Mann der Widersprüche: Schüchtern und prahlerisch zugleich, ein an der Klassik orientierter „Jazzman“ oder ein klassischer Komponist gezeichnet von Jazz und Blues? 1937 dann der viel zu frühe Tod durch einen Gehirntumor. Kurz darauf, so scheint es, endete auch in Amerika die Zeit der Sorglosigkeit.

George Gershwin ist die Verkörperung des amerikanischen Traums. Im Juli 1925 erschien Gershwin erstmals auf der Titelseite des „Time Magazine“ – und erhielt im dazugehörigen Porträt die schmeichelnde Auszeichnung als „bedeutendster lebendender Komponist der USA“. Der Einwanderersohn mit russisch-jüdischen Wurzeln, der früh die Schule schmiss und dann mit Talent und Disziplin zu Ruhm und Reichtum kam, hatte es vollbracht. Seine Musik berührte das Publikum mehr als die Kritiker: Die avantgardistische „Rhapsody in Blue“ wurde weltberühmt. Musiker aus Europa und Amerika inspirieren sich bis heute an seinen Melodien. Gershwin gehörte auch zu den ersten Broadway-Komponisten, die Ausflüge in die Klassikwelt nicht scheuten und diese mit Klängen aus Jazz und Blues aufmischten.

Stücke wie „Rhapsody in Blue“, „Concerto in F“ und „Ein Amerikaner in Paris“ brachen mit den strengen Genrecodes und brachten die soziale Realität in die amerikanischen Konzertsäle. „Porgy & Bess“ war die erste Folk-Oper der Welt und inszenierte erstmals das Leben von Afroamerikanern mit ausschließlich schwarzen Darstellern. Gershwin starb 1937 mit nur 38 Jahren an einem Gehirntumor. Er blieb bis zuletzt ein Mann der Widersprüche: schüchtern und großmäulig zugleich, Einwanderer und amerikanische Symbolfigur, vom Publikum verehrt und von Kollegen verachtet – ein „Jazzman“ in der Klassikwelt und ein klassischer Komponist auf der Suche nach den Wurzeln von Jazz und Blues. Und so ist auch seine Musik: nicht klassifizierbar, multikulturell, aber immer wieder faszinierend.

Sonntag, 21.10. / 23.20 Uhr / Pier Paolo Pasolinis Reisen durch Italien
Dokumentation, Deutschland, 2018, WDR, 52 Min.
Regie: Claus Bredenbrock
Online verfügbar von 21/10 bis 19/01
Erstausstrahlung

Zwischen 1959 und 1971 kommt Pier Paolo Pasolini auf drei großen Reisen durch Italien zu der Überzeugung, dass sich sein Heimatland dramatisch zu seinem Nachteil verändert; auch für die Zukunft ist Pasolinis Prognose düster. Im Auftrag der italienischen Illustrierten „Successo“ bereiste er schon im Sommer 1959 die gesamte italienische Küste mit dem Auto, „La lunga strada di sabbia“ heißt seine Artikelreihe. Die Fahrt ging von Ventimiglia an der französisch-italienischen Grenze um den Stiefel herum bis nach Triest, insgesamt über 3.000 Kilometer.

Zeit seines Lebens unternahm Pier Paolo Pasolini mehrfach umfangreiche Reisen durch ganz Italien, immer in der Absicht, das Land und seine Einwohner genauer kennenzulernen. Für die Illustrierte „Successo“ beging er 1959 eine Reise entlang der italienischen Küste, von Ventimiglia bis Triest, begleitet wurde er von dem Fotografen Paolo Di Paolo. Von März bis November 1963 reiste Pasolini erneut quer durch Italien, vom industrialisierten Norden bis in den archaischen Süden, um die Menschen an ihrem Arbeitsplatz oder in der Freizeit über die Liebe und ihre sexuellen Vorlieben zu befragen. Gemeinsam mit der linken Bewegung Lotta Continua realisiert er 1971 den Dokumentarfilm „12 dicembre“ über den Bombenanschlag auf der Mailänder Piazza Fontana im Jahr 1969. Der Film enthält dazu auch ausführliche Interviews mit Arbeitslosen in Neapel, Arbeitern in den Marmorbrüchen von Carrara und mit Menschen in Reggio di Calabria, die sich damals über Wochen Schlachten mit der Polizei lieferten. Er zeigt Italien als Land im Ausnahmezustand. Die Leichtigkeit und der Optimismus der 60er Jahre wichen der „bleiernen Zeit“ des folgenden Jahrzehnts. Pasolinis Kritik an der Konsumgesellschaft, den Medien, dem öffentlichen Leben fiel gnadenlos aus. „In wenigen Jahren sind die Italiener zu einem heruntergekommenen, lachhaften, monströsen, kriminellen Volk geworden“ – eine Überzeugung, die er nach seinen Reisen durch das Land Ende der 60er Jahre formulierte.

Sonntag, 21.10. / 00.15 Uhr / Miranda, frei nach Shakespeare & Purcell
Katie Mitchell, Raphaël Pichon, Cordelia Lynn
Oper, Frankreich, 2017, ARTE F, 98 Min.
Regie: Corentin Leconte
Dirigent: Raphaël Pichon
Kostüme: Sussie Juhlin-Wallen
Chor: Pygmalion
Choreographie: Joseph Alford
Komponist: Henry Purcell
Bühnenbild / Ausstattung / Bauten: Chloé Lamford
Dramaturgie: Sam Pritchard
Libretto: Cordelia Lynn
Licht: James Farncombe
Inszenierung: Katie Mitchell
Orchester: Pygmalion

Mit: Kate Lindsey (Miranda), Katherine Watson (Anna), Henry Waddington (Prospero), Allan Clayton (Ferdinand), Marc Maullion (Pfarrer), Aksel Rykkvin (Anthony)
Online verfügbar von 21/10 bis 20/11
Erstausstrahlung

Die britische Regisseurin Katie Mitchell hat sich mit ihren Opernkreationen binnen weniger Jahre in ganz Europa einen Namen gemacht. Nicht zuletzt auch dank ihrer Zusammenarbeit mit dem französischen Musiker Raphaël Pichon. Nach der Inszenierung von „Pelléas et Mélisande“, die ebenfalls von ARTE ausgestrahlt wurde, brachte das Künstlerduo im September 2017 „Miranda“ auf die Bühne der Pariser Opéra Comique: eine Art Barockoper nach Musik von Purcell, mit Charakteren aus Shakespeares letztem Stück „Der Sturm“. Zu den Interpreten gehören Kate Lindsey, Katherine Watson und Allan Clayton. Begleitet werden sie von Musikern und Sängern des Ensembles Pygmalion unter der Leitung von Raphaël Pichon.

In einer Dorfkirche in England hat sich die Familie zum Totengottesdienst für die verstorbene Miranda versammelt. Für ihre Kinder und ihren Ehemann scheint die Zeit außer Kraft gesetzt. Wer war Miranda wirklich? Erinnerungen und Gefühle werden wach, Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen.

Nach einer ersten gemeinsamen Inszenierung von Bach-Kantaten erkunden Katie Mitchell und Raphaël Pichon ein weiteres Repertoire des Barock, das sie mit zeitgenössischen Inhalten füllen. „Miranda“ verarbeitet Elemente der heutigen Wirklichkeit und setzt sich – inspiriert von der zeitlosen Musik Henry Purcells – zugleich mit der existenziellen Erfahrung des Todes auseinander. Purcell schuf Sakralmusik, Instrumentalwerke und Kompositionen für die Londoner Theaterbühnen des 17. Jahrhunderts. Aus diesen Klängen schöpfend, entfaltet die Opernkreation vor dem Bühnenbild eines schlichten Kirchenraums eine meditative und tröstende Kraft.

Die Oper wurde am 29. September 2017 für ARTE aufgezeichnet.

Mittwoch, 24.10. / 05.00 Uhr / 05:00 Berlin Live: Kitty, Daisy & Lewis
Musik, Deutschland, 2015, ZDF, 55 Min.
Regie: Hannes Rossacher
Online verfügbar von 24/10 bis 23/11

Mit Kitty, Daisy & Lewis bringt „Berlin Live“ erneut einen internationalen Top-Act auf die Bühne. Die Londoner Geschwister im zarten Alter von Anfang 20 lassen mit Leidenschaft und authentischer Originaltreue die Musik der 40er und 50er Jahre wieder aufleben, als hätte es die vergangenen fünf Jahrzehnte Rockmusik nie gegeben.

Mit Kitty, Daisy & Lewis bringt „Berlin Live“ erneut einen internationalen Top-Act auf die Bühne. Die Londoner Geschwister mit dem Nachnamen Durham lassen im zarten Alter von Anfang 20 mit Leidenschaft und authentischer Originaltreue die Musik der 40er und 50er Jahre wieder aufleben, als hätte es die vergangenen fünf Jahrzehnte Rockmusik nie gegeben.

Ob verschmitzte Coverversionen der Originale oder selbstkomponierte Songs – das Trio hängt wie schwerelos zwischen den Epochen und begeistert mit dieser Authentizität mittlerweile die ganze Welt. Ihren Sound beschreiben die drei Musiker selbst als „ … dirty R ’n‘ B, whiskey soaked country, haunting Hawaiian jungle drums and Gospel fever, with a punch in the face by Daisy’s hard beatboxing!“

Dass sie damit nicht untertreiben, zeigen unzählige ausverkaufte Konzerte quer über den Globus genauso wie bekennende Fans wie Eagles of Death Metal oder David Lynch. Mit im Gepäck haben sie ihr drittes Album: „The Third“. Man darf auf einiges gespannt sein – also schon mal die Tanzschuhe aus dem Schrank holen!

Zusatzinfo: Die Sendung ist auch auf ARTE Concert zu sehen: concert.arte.tv

Freitag, 26.10. / 05.00 Uhr / Baloise Session 2016: Norah Jones
Musik, Deutschland, 2016, ZDF, 71 Min.
Regie: Roli Bärlocher
Online verfügbar von 26/10 bis 24/01

Norah Jones‘ ganz eigener Mix aus Jazz, Soul, Country, Folk und Rock hat die Sängerin und Pianistin bereits 2002 mit ihrem Debütalbum „Come Away with Me“ an die Spitze der internationalen Charts gebracht. Seither ist sie bei Publikum, Kritik und Kollegen gleichermaßen beliebt. ARTE zeigt einen Konzertmitschnitt von der Baloise Session 2016, bei der Norah Jones eine wunderbare Mischung aus neuen Songs und Klassikern präsentierte.

Norah Jones komponiert und spielt ihren ganz eigenen Mix aus Jazz, Soul, Country, Folk und Rock. Die Sängerin und Pianistin erreichte bereits im Jahr 2002 mit ihrem Debütalbum „Come Away with Me“ die Spitze der internationalen Charts. Bei Publikum, Kritik und auch Kollegen ist sie seither gleichermaßen beliebt, wie ihre kontinuierlichen Charterfolge und die wiederkehrende Zusammenarbeit mit anderen Künstlern zeigen. So ist es keine Überraschung, dass auch der Longplayer „Day Breaks“ ganz vorne mitmischt. Mit diesem Album kehrt sie zu ihren Wurzeln und dem Klavier zurück, und das beweist sie bei ihrem Konzert auf der Baloise Session 2016 eindrucksvoll. ARTE zeigt einen Konzertmitschnitt aus Basel vom 7. November 2016, bei dem Norah Jones eine wunderbare Mischung aus neuen Songs und Klassikern zum Besten gibt.

Zusatzinfo: Die Sendung ist auch im Internet auf ARTE Concert zu sehen unter: concert.arte.tv

Freitag, 26.10. / 21.45 Uhr / Elvis: ’68 Comeback Special
Musik, USA, 1968, BR, 75 Min.
Regie: Steve Binder
Online verfügbar von 26/10 bis 02/11

Nachdem Elvis Presley in den 60er Jahren überwiegend harmlose Unterhaltungsfilme gedreht hatte, läutete er mit diesem TV-Special von 1968 sein Comeback auf der Bühne ein. Der King, ganz in schwarzes Leder gekleidet, singt seine größten Hits und zeigt sich in dieser legendär gewordenen NBC-Sendung auf der Höhe seines Erfolgs.

In den 50er Jahren war Elvis Presley der Anführer der Rock-’n’-Roll-Revolution in der Popmusik und -kultur. In den 60ern widmete er sich vor allem seiner Filmkarriere. 1968 feierte er nach über siebenjähriger Bühnenabstinenz sein Konzert-Comeback. In dieser für das Fernsehen aufgezeichneten Show singt Elvis in seinem legendären schwarzen Lederanzug allein auf der Bühne seine berühmtesten Hits und erscheint in Auftritten, die als Vorläufer der heutigen Unplugged-Sessions gelten. Zwischen zwei Songs scherzt er in vertrautem Ton mit seinen Musikerkollegen aus alten Tagen und erzählt Anekdoten. Mal sanft-verführerisch, mal wild-rockig, allein oder seinem Fanpublikum nahe zieht er seine Show ab. Musicalartig inszenierte Sequenzen zeigen ihn bei reinem Gospelgesang, als einsamen Salooncowboy und zusammen mit Gangstern in einem Chicagoer Club. All das in orientalisch anmutendem, glitzerndem 70er-Jahre-Ambiente. Elvis Presley singt viele der Titel, die ihn berühmt machten: „That’s All Right“, „Heartbreak Hotel“, „One Night“, „Blue Suede Shoes”, „Are You Lonesome Tonight?“ und „Love Me Tender“. Außerdem interpretiert er Jimmy Reeds Song „Baby What You Want Me to Do“ sowie unbekanntere Stücke wie „Tryin’ to Get to You“ und „When My Blue Moon Turns to Gold Again“.

Freitag, 26.10. / 23.00 Uhr / Tracks: Fashion Designer Duran Lantink / Queere Comedy / Parquet Courts im Live
Magazin, Deutschland, 2018, ZDF, 43 Min.
Online verfügbar von 26/10 bis 24/01
Erstausstrahlung

Diese Woche unter anderem in „Tracks“: niederländische Avantgarde-Fashion von Duran Lantink, queere Comedy von Talk Hole und die Band Parquet Courts aus Brooklyn.

(1): Avantgarde-Fashion von Duran Lantink
Der Niederländer Duran Lantink vermischt in seinen Designs Pop- und Internetkultur, Flohmarkt-Looks und Fetisch-Materialien. Das beeindruckte US-Superstar Janelle Monáe so sehr, dass sie sich von ihm ein inzwischen legendäres „Poochie Pants“-Outfit entwerfen ließ.

(2): Queere Comedy von Talk Hole
Zugegeben: New York hat viele angesagte Clubs. Aber am schwersten kommt man derzeit wohl an Tickets für „Talk Hole“ – eine subversive Queer-Avantgarde-Comedy-Veranstaltung im Keller eines abgerockten Asia-Restaurants in Chinatown. Hier predigen die Performer Eric Schwartau und Steven Phillips-Horst Monat für Monat ihren Post-Millennial-Nonsens-Gospel und definieren dabei den Begriff Stand-up-Comedy neu. Politisch unkorrekt und mit Hang zum konsequenten Chaos unterhalten und verführen sie ihr Publikum mit der längst überfälligen Portion Gay-Energy.

(3): Live: Parquet Courts
Parquet Courts aus Brooklyn sind mit ihrem Album „Wide Awake“ Anwärter auf die Gitarrenband des Sommers, mindestens. Das liegt an ihrem leicht verpeilten Slacker-Punk, der so grandios beiläufig daherkommt, als wären die Songs zwischen Morgenzigarette und erstem Kaffee entstanden. Und an subtil-cleveren Texten über Kollektivismus, Fußball und mittlere Managementebenen, die zwar irgendwie latent politisch sind, das aber nicht raushängen lassen. Dass diese Mischung live auch ganz hervorragend funktioniert, beweisen die Parquet Courts auf ihrer aktuellen Europatour.

Freitag, 26.10. / 23.45 Uhr / Berlin Live: Mogwai
Musik, Deutschland, 2017, ZDF, 60 Min.
Regie: Stefan Mathieu, Hannes Rossacher
Online verfügbar von 26/10 bis 25/11
Erstausstrahlung

Die Glasgower Postrock-Helden von Mogwai sind mit ihrem neunten Studioalbum „Every Country’s Sun“ zurück auf der Bühne. Experten beschreiben die Platte als „Konzentration von Mogwais Sound der letzten zwei Jahrzehnte“: eine Mischung von Synthrock-Minimalismus, intensiven Gitarren-Tracks und einem Sound, der bis in die Knochen geht. Im Zuge ihrer letzten Welttournee machten sie auch Stopp bei „Berlin Live“.

Wenn es um eine Postrock-Band geht, die gleichermaßen mit melancholischen Synth-Sounds und frechen Sprüchen besticht, kann es nur um Mogwai gehen. Die Helden des Postrock fanden sich 1995 erstmals in Glasgow zusammen, zwei Jahre später brachten sie ihr Debütalbum „Mogwai Young Team“ raus – der Beginn einer grandiosen, manchmal auch skandalösen Erfolgsstory. Die Postrocker veröffentlichten fleißig ein Album nach dem anderen mit Songs wie „Take Me Somewhere Nice“, „After the Flood“ oder „Like Herod“.

Die neue Platte „Every Country’s Sun“ setzt mal wieder ein starkes musikalisches Ausrufezeichen. Experten halten das Album für die „Konzentration von Mogwais Sound der letzten zwei Jahrzehnte“: eine Mischung von Synthrock-Minimalismus, intensiven Gitarren-Tracks und einem Sound, der bis in die Knochen geht. Im Zuge ihrer letzten Welttournee machten sie auch Stopp bei „Berlin Live“.

Freitag, 26.10. / 00.45 Uhr / Berlin Live: Enter Shikari
Musik, Deutschland, 2017, ZDF, 58 Min.
Regie: Stefan Mathieu, Hannes Rossacher
Online verfügbar von 26/10 bis 25/11
Erstausstrahlung

Der Sound der britischen Band Enter Shikari ist bekannt als eine Mischung aus wütend-getriebenem Post-Hardcore und raumgreifender Trancemusik – Stile, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Ihr Album „The Spark“, mit dem sie in Großbritannien in die Top Ten aufstiegen, ist hier grundlegend anders: eine musikalische Weiterentwicklung und wird als das bis dato „melodischste und persönlichste Werk“ der vier Jungs aus St Albans gesehen. Im Winter letzten Jahres waren sie mit ihrer aktuellen Platte auf Tour und begeisterten bei „Berlin Live“ im Kulturclub SchwuZ ihr Publikum.

Der Sound der britischen Band Enter Shikari ist bekannt als eine Mischung aus wütend-getriebenem Post-Hardcore und raumgreifender Trancemusik – Stile, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Ihr Album „The Spark“, mit dem sie in Großbritannien in die Top Ten aufstiegen, ist hier grundlegend anders, eine musikalische Weiterentwicklung und wird als das bis dato „melodischste und persönlichste Werk“ der vier Jungs aus St Albans gesehen.

„The Spark“ ist – ohne die brodelnde politische Wut zu unterdrücken – ein Soundtrack über unsere turbulente Welt für jeden, der frustriert ist, aber dennoch die Hoffnung nicht verloren hat. Das hat auch mit der Persönlichkeit des Frontmanns Roughton ‚Rou‘ Reynolds zu tun.

Im Winter letzten Jahres waren sie mit ihrer aktuellen Platte auf Tour und begeisterten bei „Berlin Live“ im Kulturclub SchwuZ ihr Publikum.

Samstag, 27.10. / 06.40 Uhr / Astrid Lindgren
Dokumentation, Deutschland, 2015, NDR, 52 Min.
Regie: Kristina Lindström
Online verfügbar von 27/10 bis 26/11

Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter – Astrid Lindgren (1907-2002) schuf Figuren, die zu den fröhlichen Kindheitserinnerungen von Millionen Menschen gehören und die Kinder weltweit begeistern. Dabei war das Leben der berühmten Kinderbuchautorin bestimmt von Brüchen und Schicksalsschlägen, was sich auch in ihren Geschichten niederschlägt. ARTE zeigt das Leben von Astrid Lindgren – auch mit Hilfe von eindrucksvollen Fundstücken aus historischen Filmarchiven, bisher unveröffentlichten Privataufnahmen sowie Tagebucheinträgen. Verwandte und Wegbegleiter schildern in sehr persönlichen Worten ihre Sicht auf die Kinderbuchautorin.

Ihr größtes und jahrzehntelang gehütetes Geheimnis: Mit gerade mal 18 Jahren wurde Astrid Lindgren schwanger, von ihrem ersten Arbeitgeber, dem Chefredakteur der Lokalzeitung ihrer Heimatstadt Vimmerby – ein gesellschaftlicher Skandal in den 20er Jahren. Ihren unehelichen Sohn Lasse lässt sie bei einer Pflegemutter zurück. Diese Verlusterfahrung und das jähe Ende ihrer eigenen Kindheit sollten sie und ihr Werk maßgeblich prägen, selbst als sie längst eine einflussreiche Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ist.

Während des Zweiten Weltkriegs führt Lindgren Tagebuch, sie nennt es ihr „Kriegstagebuch“. Die Dokumentation wertet zahlreiche Einträge des in Deutschland bisher unveröffentlichten Materials aus. „Es ist ein Jammer, dass niemand diesen Hitler erschießt“, schreibt Astrid Lindgren beispielsweise. Die Dokumentation zeigt auch, warum es kein Zufall ist, dass „Pippi Langstrumpf“ ausgerechnet 1945 erscheint und ein Welterfolg wird. Mit dem Erfolg von „Pippi Langstrumpf“ wird aus der Hausfrau und Sekretärin die gefeierte Schriftstellerin Astrid Lindgren.

Mit wachsender Beliebtheit wächst auch ihr politischer Einfluss. Sie engagiert sich gegen Atomkraft und Rassismus. Zentrale Themen bleiben für Astrid Lindgren jedoch die Rechte der Kinder und eine gewaltfreie Erziehung. Ihre viel beachtete Dankesrede beim Friedenspreis des deutschen Buchhandels 1978 ist nur ein Beleg dafür. Nach Jahrzehnten des Schweigens spricht Astrid Lindgren im Alter von 70 Jahren erstmals über die Umstände der Geburt ihres unehelichen Sohns Lasse, der 1986 mit 59 Jahren an einem Hirntumor verstarb. Der Dokumentation gelingt es, Astrid Lindgrens Leben und Werk neu zu erzählen und auf erstaunliche Art und Weise miteinander zu verknüpfen.

Samstag, 27.10. / 00.00 Uhr / Square für Künstler ~ Carte Blanche für Marie-Claude Pietragalla
Magazin, Frankreich, 2018, ARTE, 26 Min.
Erstausstrahlung
Samstag, 27.10. / 00.30 Uhr / Kurzschluss – Das Magazin
Magazin, Deutschland, 2018, WDR, 52 Min.
Erstausstrahlung

„Kurzschluss – Das Magazin“ zeigt die neuesten Kurzfilme aus aller Welt – und wirft einen Blick hinter die Kulissen: mit Porträts, Drehberichten, aktuellen Festival- und Filmtipps und vielen spannenden Interviews. Mehr Infos unter: arte.tv/kurzschluss

(1): Das Hochzeitsgeschenk
Kurzfilm von Aron Thor Leifsson, Island 2016, Erstausstrahlung
Thelma will ihrer Schwiegertochter in spe eine alte Nähmaschine schenken. Am Tag der Hochzeit holen ihr zweiter Sohn und seine Frau sie ab. Im Auto kommt es zu einem folgenschweren Streit um das Hochzeitsgeschenk.

(2): Begegnungen – Islands Kurzfilmszene
Island ist bekannt dafür, erstaunlich viel kreatives Talent hervorzubringen – sei es im Bereich der Musik, der Kunst oder auch des Films. Zehn Jahre nach der Finanzkrise, die die Insel heftig erschütterte, haben sich die Produktionsbedingungen verändert. Während der Staat großen Hollywood-Produktionen den Teppich ausrollt, kämpfen kleinere, unabhängige Produktionen um stetig schrumpfende Budgets. Der Kreativität der Künstler scheint dies keinen Abbruch zu tun. „Kurzschluss – Das Magazin“ hat sich in Reykjavík mit jungen Nachwuchsregisseuren getroffen, um einen Blick auf die aktuelle Filmszene der Insel zu werfen.

(3): Grýla – Begegnung mit einer Troll-Mutter
Kurzfilm von Tómas Heidar Johannesson, Island 2016, Erstausstrahlung
Was für ein Tag! Erst wird ein Mann verwechselt und von einem Geldeintreiber in die Berge entführt. Dann taucht auch noch Islands berühmteste Troll-Frau auf: Grýla. Wie gut, dass sie einen ganz besonderen Geschmack hat.

(4): Zoom – Geschichten aus Legenden
Island ist das Land der Legenden, der Elfen und Trolle. Der Volksglaube ist ein wichtiger Bestandteil der isländischen Kultur. Grýla, die Trollfrau und Mutter der 13 Jólasveinar – der isländischen Weihnachtsmänner –, ist in Island jedem Kind ein Begriff. Vielleicht auch deshalb, weil sie vorzugsweise Kinder frisst. In isländischen Filmen tauchen Grýla und andere Trolle immer wieder auf. Ihre Brutalität und ihr verdorbener Charakter scheint die Filmemacher zu inspirieren. „Kurzschluss – Das Magazin“ hat Regisseure und Autoren getroffen, um über ihr Faible für mythologische Figuren zu sprechen.

(5): Artún
Kurzfilm von Gudmundur Arnar Gudmundsson, Island 2014, Erstausstrahlung
Artún, ein Junge vom Land, ist in der Pubertät und möchte unbedingt seinen ersten Kuss erleben. In der Stadt seien die Mädchen dazu gerne bereit, erzählen ihm seine Freunde – aber nur im Austausch gegen Zigaretten. Artún macht sich auf die Reise, um es selbst herauszufinden.

Sonntag, 28.10. / 05.10 Uhr / Ateliergespräche ~ Mit Kasper König in der Schweiz
Dokumentationsreihe, Deutschland, 2014, RBB, 26 Min.
Regie: Corinna Belz
Online verfügbar von 28/10 bis 26/01

Kasper König ist einer der einflussreichsten und unkonventionellsten Ausstellungsmacher und Kuratoren der europäischen Nachkriegsgeschichte. Bis vor einigen Jahren war er der Chef des Kölner Museums Ludwig. 2009 wurde er vom New Yorker Guggenheim Museum für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 2014 kuratierte er die vieldiskutierte Manifesta in St. Petersburg.

In dieser vierteiligen Reihe geht König auf Reisen und trifft unterschiedliche Künstler in deren Atelier: in New York, Paris, Berlin, Zürich und St. Gallen. Mit Königs geschultem Blick sehen wir manche Werke neu, im Detail und in größerem Zusammenhang – auch unveröffentlichte Arbeiten, Skizzenbücher und Modelle. Im Dialog mit den Künstlern erkundet König das Atelier als Raum für Ideen. Und manchmal entsteht unerwartet etwas Neues, ein Experiment, eine Zeichnung aus der Gunst der Stunde.

In Zürich besucht Kasper König Peter Fischli. Das Atelier ist groß und Fischli muss sich nach dem Tod seines Kollegen David Weiss, mit dem er über 30 Jahre als Duo gearbeitet hat, neu zurechtfinden. Zunächst aber Erinnerungsarbeit: Ein Haus, das Fischli/Weiss für Königs Ausstellung „Skulptur Projekte Münster“ 1987 konzipierten, wird im Atelier gerade wieder aufgebaut. Wie schon in der berühmten Videoarbeit „Der Lauf der Dinge“ geht es um Objekte im Raum, um vertraute und neue Perspektiven.

Im nicht weit entfernten St. Gallen trifft König den Künstler Roman Signer. Signers Arbeiten ereignen sich oft im Zusammenspiel mit der Natur und erkunden die vierte Dimension – die der Zeit: Brennende Tische segeln durch die Luft, Stühle fliegen aus Fenstern, Regenschirme stehen allein im Wald, oder Gummistiefel sausen an die Decke. Im Atelier oder der freien Natur? Signer hat schon eigens etwas für den Besuch von Kasper König vorbereitet.

Sonntag, 28.10. / 05.35 Uhr / Ateliergespräche ~ Mit Kasper König in Paris
Dokumentationsreihe, Deutschland, 2014, RBB, 26 Min.
Regie: Corinna Belz
Online verfügbar von 28/10 bis 26/01

Kasper König ist einer der einflussreichsten und unkonventionellsten Ausstellungsmacher und Kuratoren der europäischen Nachkriegsgeschichte. Bis vor einigen Jahren war er der Chef des Kölner Museums Ludwig. 2009 bekam er vom New Yorker Guggenheim Museum für sein Lebenswerk ausgezeichnet. 2014 kuratierte er die vieldiskutierte Manifesta in St. Petersburg.

In dieser vierteiligen Reihe geht König auf Reisen und trifft unterschiedliche Künstler in ihren Ateliers: in New York, Paris, Berlin, Zürich und St. Gallen. Mit Königs geschultem Blick sehen wir manche Werke neu, im Detail und in größerem Zusammenhang – auch unveröffentlichte Arbeiten, Skizzenbücher und Modelle. Im Dialog mit den Künstlern erkundet König das Atelier als Raum für Ideen. Und manchmal entsteht unerwartet etwas Neues, ein Experiment, eine Zeichnung aus der Gunst der Stunde.

In dieser Folge reist König nach Paris. Am Gare du Nord angekommen, fährt er zum Montmartre in das Atelier eines Freundes, den er schon seit den 60er Jahren kennt: Niele Toroni. Der Maler ist einer der wenigen erfolgreichen Künstler, die sich der Profitmaximierung des Kunstmarktes seit Jahrzehnten widersetzen. Im Werk von Toroni spielt der Pinsel Nr. 50 eine zentrale Rolle, und König erklärt, wie Toronis Pinselabdrücke mit den Idealen der Französischen Revolution zusammenhängen.

Außerdem trifft König die Künstlerin Sophie Calle. Es ist sein erster Besuch in ihrem Atelier. Calle ist mitten in der Vorbereitung für eine große Show im Museum Castello di Rivoli bei Turin. Es entspinnt sich ein Gespräch über Familienbande, Giraffen und die Kunst Nein zu sagen.

Sonntag, 28.10. / 13.45 Uhr / The Beatles: eight days a week – The touring years
Dokumentarfilm, USA, 2016, ARTE F, 106 Min.
Regie: Ron Howard
Wiederholung vom 05.10.

Sonntag, 28.10. / 15.35 Uhr / Picasso, Braque & Cie ~ Die kubistische Revolution
Dokumentation, Frankreich, 2018, ARTE F, 52 Min.
Regie: Frédéric Ramade
Online verfügbar von 28/10 bis 27/11
Erstausstrahlung

Picasso, Braque, Apollinaire und Kahnweiler – zwei Künstler, ein Dichter und ein Kaufmann – waren Zeitgenossen. Noch vor ihrem 30. Geburtstag veränderten diese vier jungen Männer die Kunstwelt von Grund auf – von der Gestaltung über die Verbreitung bis hin zum Handel. Ein ungewöhnliches Bündnis, in dem sich die visuelle Revolution der Maler Pablo Picasso und Georges Braque auf das literarisch-kritische Genie Guillaume Apollinaires und den hervorragenden Geschäftssinn des deutsch-französischen Galeristen Daniel-Henry Kahnweiler stützte.

Zum Zeitpunkt der Braque-Ausstellung, die Kahnweiler im November 1908 in seiner frisch eröffneten Kunstgalerie nahe der Place de La Madeleine in Paris organisierte, war der Kubismus noch nicht einmal ein Konzept, geschweige denn eine Bewegung. Der Name wurde von einer schmähenden Äußerung von Matisse gegen die „petits cubes“, die „kleinen Würfel“, in Braques Gemälde „Häuser in L’Estaque“ übernommen.

Doch bereits damals waren Braque und Picasso die Taktgeber eines tiefgreifenden Wandels in der Kunst. Unter dem Einfluss der vier Visionäre entfaltete der Kubismus eine unverkennbare Identität, entfachte Begeisterung und faszinierte die Elite der Pariser Kunstszene. Zwischen 1907 und 1914 schworen die vier jungen Wilden dem traditionellen Kunstschaffen ab. Der Rest ist Geschichte: Dank der Erwerbungen europäischer, russischer und amerikanischer Sammler verbreitete sich der Kubismus sehr rasch auch international und Kahnweiler wurde 1920 durch sein legendäres Buch „Der Weg zum Kubismus“ quasi unsterblich.

Sonntag, 28.10. / 16.55 Uhr / Metropolis ~ Metropole Genua
Magazin, Deutschland, 2018, NDR, 43 Min.
Erstausstrahlung

(1): Metropolenreport Genua – Die verwundete Stadt
(2): Lust der Täuschung – Ausstellung in der Kunsthalle München

(1): Metropolenreport Genua – Die verwundete Stadt
Der tragische Brückeneinsturz hat Genua jäh in den Ausnahmezustand versetzt. Wie kann die Stadt genesen?Ilja Leonard Pfeijffer, preisgekrönter niederländischer Autor, lebt seit zehn Jahren in Genua und führt „Metropolis“ an die neuralgischen Stellen einer Stadt im Umbruch.

(2): Lust der Täuschung – Ausstellung in der Kunsthalle München
Es ist eine Illusion anzunehmen, dass man seiner optischen Wahrnehmung trauen kann – mit malerischer Virtuosität und technischer Raffinesse überzeugen Künstler in der Ausstellung „Lust der Täuschung“. Die Schau ist in der Münchner Kunsthalle bis 13. Januar 2019 zu sehen.

Sonntag, 28.10. / 17.40 Uhr / Sound-Treck Europa ~ Österreich – Tradition im Wandel
Musik, Deutschland, 2018, BR, 45 Min.
Regie: Michael Giehmann
Moderation: Joy Denalane
Online verfügbar von 28/10 bis 04/11
Erstausstrahlung

In dieser Dokumentation zum musikalischen Erbe Europas begibt sich die Soulmusikerin Joy Denalane auf eine Reise durch Österreich, um die Welt der Volksmusik zu erkunden. Dieses Musikgenre war jahrhundertelang ein Ausdrucksmittel für Liebe und Romantik, Kampf und Auflehnung, Leid und Sehnsucht.Volksmusik ist tief in der jeweiligen Region verwurzelt, schlägt aber gleichzeitig Brücken zu anderen Kulturen und politischen Systemen. Ohne in Klischees von nostalgischen Volksliedern zu verfallen, bringt die Sendung den Zuschauern nahe, dass Volksmusik im Grunde lokale Weltmusik ist. Joy Denalane trifft auf Musikgruppen wie Alma, Federspiel, Franui und viele mehr.

Sonntag, 28.10. / 23.35 Uhr / Ballet Jeunesse ~ Von Ballett, Beats & Regelbrechern
Dokumentation, Deutschland, 2018, NDR, 53 Min.
Regie: Lena Kupatz
Online verfügbar von 28/10 bis 26/01
Erstausstrahlung

Wenn Künstler die scheinbar unantastbaren Meisterwerke des klassischen Balletts verändern, dann gehen Skandale und Begeisterung oft Hand in Hand. Der Film „Ballet Jeunesse“ zeigt zwei vollkommen verschiedene Künstlerpersönlichkeiten, die das klassische Ballett neu denken wollen: Vor rund 100 Jahren revolutionierte der Impresario der legendären „Ballet Russes“ Sergej Djagilew das Ballett. Heute sucht der Hip-Hop-Produzent Matthias Arfmann mit dem Kollektiv „Ballet Jeunesse“ nach neuen Arrangements, um Debussy, Prokofjew und Tschaikowsky ins 21. Jahrhundert zu holen.

Ein bisschen Verwegenheit gehört schon dazu, die Meisterwerke des Balletts neu zu arrangieren. „Schwanensee recomposed“ und „Nussknacker“ im Remix? Ist das Frevel oder Avantgarde? Der Film „Ballet Jeunesse“ zeigt zwei spannende musikalische Neu-Denker im Spiegel der letzten 100 Jahre: Die berühmten „Ballets Russes“ des Sergej Djagilew, die das klassische Ballett Anfang des 20. Jahrhundert grundlegend veränderten. Unerhört modern war es, voller Erotik und Skandale. Djagilew versammelte die „jungen Wilden“ der Pariser Kunstszene um sich – von Waslaw Nijinsky über Igor Strawinsky bis zu Pablo Picasso.

Heute konfrontiert das Künstlerkollektiv „Ballet Jeunesse“ um den Hip-Hop-Produzenten Matthias Arfmann („Absolute Beginner“) die legendären Stücke mit elektronischen Beats, holt Tschaikowsky, Debussy oder Prokofjew ins 21. Jahrhundert. Doch was denken Dirigenten, Kritiker und die Erben der ursprünglichen Komponisten über das Recomposing?

Mit führenden Künstlern und Klassikexperten wie Kristjan Järvi (Dirigent und Pianist), Gabriel Prokofjew (Komponist und Enkel von Sergej Prokofjew), Lynn Garafola (Djagilew-Biografin), Otto und Jiri Bubenicek (Tänzer) oder Julia Benz (Künstlerin) wirft der Film einen Blick auf die Zukunft der künstlerischen Neuinterpretation, die Rezeptur der Avantgarde und ihren streitbaren Geist. Dimitrij Schaad spürt in der Rolle des Sergej Djagilew in Originalzitaten der Zeit der legendären „Ballets Russes“ im Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts nach.

Sonntag, 28.10. / 00.30 Uhr / Ballet Jeunesse und die NDR Radiophilharmonie
Musik, Deutschland, 2018, NDR, 56 Min.
Regie: Herbert Bayer
Dirigent: Clark Rundell
Komponist: Sergej Prokofjew, Aram Chatschaturjan, Peter Tschaikowsky, Gustav Holst, George Bizet, Igor Strawinsky, Claude Debussy
Orchester: NDR Radiophilharmionie
Online verfügbar von 28/10 bis 27/11
Erstausstrahlung

Der Musikproduzent Matthias Arfmann hat sich der ambitionierten Mission verschrieben, die Klassiker der europäischen Ballettmusik ins Hier und Jetzt zu holen. Sein Ziel: Die Klassiker der europäischen Ballettmusik neu zu arrangieren, sie so zu bearbeiten, dass sie für ein junges Publikum, das bisher wenig oder kaum Berührung mit klassischer Musik hatte, zugänglich und erlebbar werden. Die Idee des „Ballet Jeunesse“ war geboren.

Begleitend an seiner Seite in diesem jahrelangen kreativen Prozess: der Komponist, Musiker und Musikwissenschaftler Peter Imig, Produzent und Breakbeat-Künstler Sebastian Maier, Filmmusikkomponist und Produzent Milan Meyer-Kaya sowie die in Kenia geborene und in Wanne-Eickel aufgewachsene Musikerin, Sängerin, Diplom-Geografin und Aktivistin Onejiru Schindler.

Gemeinsam haben sie Klassiker von Aram Chatschaturjan, George Bizet, Sergej Prokofjew, Gustav Holst, Peter Tschaikowsky, Igor Strawinsky und Claude Debussy ins 21. Jahrhundert geholt, die orchestralen Originale mit aktuellen elektronischen Eigenkompositionen durchwoben, verschiedensten Genres aktueller Popmusik von Dance, Pop, Hip-Hop und Reggae eingeflochten oder Textdichtungen eingestreut.

Aus Klassikern mit zum Teil über 100-jähriger Geschichte sind so Songs entstanden, die ihre Kraft und Stärke in einer faszinierenden Balance zwischen alt und neu, zwischen Konzertsaal und Tanzfläche, zwischen Sonate und Breakbeat entfalten. Zusammen mit der NDR Radiophilharmonie präsentierte Ballet Jeunesse das spannende und ungewöhnliche Projekt im Großen Sendesaal (NDR) in Hannover.

Montag, 29.10 / 05.00 Uhr / The Libertines im Pariser Olympia
Musik, Frankreich, 2016, ARTE F, 78 Min.
Regie: Thierry Villeneuve
Online verfügbar von 29/10 bis 05/11

Die 1997 von Carl Barât und Pete Doherty in London gegründete Band The Libertines avancierte schnell zu einer der tonangebenden Formationen des Revivals des Garage Rock. Ihr im August 2004 erschienenes Album „The Libertines“, produziert von Mick Jones (The Clash), war ein durchschlagender Erfolg. Das britische Musikmagazin NME setzte es auf Platz 47 der besten britischen Musikalben aller Zeiten, und auch international waren vor allem die Singleauskopplungen „Can’t Stand Me Now“ und „What Became of the Likely Lads“ echte Hits. Doch Pete Dohertys Drogenabhängigkeit wurde der Band zum Verhängnis, so dass sie ab Ende 2004 nicht mehr in Erscheinung trat.

Nach mehreren gescheiterten Bühnencomebacks und Reunion-Versuchen gewöhnten sich die Fans allmählich an den Gedanken, dass die charismatischen Musiker wohl endgültig getrennter Wege gehen würden: Pete Doherty trat fortan solo oder mit seinen Babyshambles auf, Carl Barât mit den Dirty Pretty Things.

2015 erschien die erste Platte der Band seit ihrem Studioalbum „The Libertines“. Nach zwölfjährigen Irrungen und Wirrungen begann damit für die Band ein neues Kapitel in Originalbesetzung (Pete Doherty, Carl Barât, John Hassall und Gary Powell). Bei einem Rockkonzert im legendären Pariser Olympia stellten The Libertines im März 2016 ihr neues Album vor. In Topform schmetterte Pete Doherty, wohl der frankophilste aller britischen Rocker, mit Unterstützung seiner begeisterten Fans die Marseillaise. Darüber hinaus trat das vom Leben und seinen Auswüchsen gezeichnete Quartett den Beweis an, dass es sich nach wie vor auf jene fantastischen Rockhymnen versteht, wie sie nur Briten hervorbringen.

Zusatzinfo: Mehr im Internet unter: arte.tv/summer

Mittwoch, 31.10 / 23.15 Uhr 7 Frankenstein Junior
(Young Frankenstein)
Spielfilm, USA, 1974, ZDF , 102 Min.
Regie: Mel Brooks
Autor: Mary Shelley
Kamera: Gerald Hirschfeld
Schnitt: John C. Howard
Musik: John Morris
Produktion: Gruskoff/Venture Films, Crossbow Productions, Jouer Limited
Produzent: Michael Gruskoff
Drehbuch: Mel Brooks, Gene Wilder

Urkomische Parodie von Mel Brooks auf die „Frankenstein“-Filme der 30er Jahre. Dem Enkel von Dr. Frankenstein gelingt die Erschaffung eines künstlichen Menschen, der in seiner unmittelbaren Umgebung reichlich Verwirrung stiftet.

Mel Brooks erzählt in seiner Gruselfilmparodie die Geschichte von Neurochirurg Frederick Frankenstein und seinen Bemühungen, die Experimente des verstorbenen Großvaters Dr. Frankenstein zu einem ruhmreichen Ende zu führen. Frederick stehen der unglückliche, bucklige Diener Igor und die hübsche, nicht sonderlich intelligente Inga zur Seite.

Trotz allerlei Schwierigkeiten gelingt es Frankenstein Junior, tote Materie wiederzubeleben. Dabei erweckt er ein neues Monster zum Leben, das bald mit ungewöhnlichem Verhalten irritiert. So hat es eine Leidenschaft für Stepptanz und gibt vor einer Versammlung skeptischer Wissenschaftler einen hinreißenden Auftritt zum Besten.

„Frankenstein Junior“ ist eine Parodie auf die beliebten „Frankenstein“-Filme und allgemein auf die Horrorfilme der 30er Jahre, zugleich aber auch eine liebevolle Hommage. Der Spielfilm entstand teilweise in den Originalbauten und mit den Requisiten des „Frankenstein“-Films von James Whale aus dem Jahr 1931. Er bleibt mit seiner Schwarz-Weiß-Kamera der Atmosphäre seines berühmten Vorgängers treu.

Zusatzinfo:
Der 1926 in Brooklyn, New York City, als Melvin Kaminsky geborene Mel Brooks hat sich insbesondere durch die bei Kritik und Publikum beliebten filmischen Parodien auf bekannte kommerzielle Filme einen Namen gemacht. Er schrieb, inszenierte und produzierte viele solcher Filme und trat auch selbst als Schauspieler auf. Mel Brooks wurde unter anderem mit dem Grammy, Oscar, Tony Award und Emmy ausgezeichnet und gewann somit für sein Schaffen einige der wichtigsten Auszeichnungen der (US-)Unterhaltungsbranche.

Freitag, 02.11. / 21.35 Uhr / Bruce Springsteen – Born to Run
Dokumentarfilm, Großbritannien, 2016, ARTE, 71 Min.
Regie: Nigel Cole
Online verfügbar von 02/11 bis 02/12

Als Songwriter hat sich Bruce Springsteen in die Riege der großen amerikanischen Erzähler geschrieben. In seinen Liedern, sagt er, schreibe er immer auch über sich selbst. Und im selben Maße kommentiert der charismatische Rockstar in Nigel Coles Dokumentation persönlich den Soundtrack seines Lebens. Er blickt auf seine Kindheit zurück, berichtet von seinen Jahren als „King der Bar-Bands“ in Asbury Park, vom Aufstieg der E Street Band und seinem Durchbruch. Springsteen erzählt von den frühen Einflüssen des Doo-Wop, der in den wonnigen 50ern zu Hause im Radio erklang, bis hin zum Rausch der Elvis-Rockabilly-Rebellion und seiner engen Verbindung zur spirituellen Soulmusik. Springsteen wuchs als einfacher Junge in New Jersey auf, in einer typisch amerikanischen Arbeitersiedlung der 50er Jahre, geprägt vom Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit. Bereits in seinem Heimatstaat erspielte er sich den Ruf eines Local Hero. Der Durchbruch gelang ihm 1984 mit „Born in the U.S.A.“, einem Album, das sich über zweieinhalb Jahre in den britischen und amerikanischen Charts hielt. Nigel Cole beleuchtet auch den kreativen Schaffensprozess des Künstlers und erklärt, wie es Bruce Springsteen gelingen konnte, zeitweise zum größten Rockstar des Planeten zu avancieren, für den Rock ’n‘ Roll jedoch stets weit mehr war als nur Musik. Ergänzt wird der persönliche Kommentar von Springsteen mit unveröffentlichtem Archivmaterial aus verschiedensten Phasen seines Lebens und Schaffens; zur Verfügung gestellt von Thom Zimny, der in 16 Jahren einen repräsentativen Katalog mit Foto-, Film- und Audioaufnahmen von Bruce Springsteen zusammenstellte. Das Porträt von Regisseur Nigel Cole („Kalender Girls“, „We Want Sex“) bietet einzigartige Einblicke in das Leben des Rockstars. Es zeigt, wie Bruce Springsteen mit Entschlossenheit und Hingabe zu einem der fesselndsten Geschichtenerzähler seiner Generation wurde.

Zusatzinfo:
Am 30. Mai 1992 ging ARTE erstmals auf Sendung. Der deutsch-französische Kulturkanal feiert sein 25-jähriges Bestehen eine Woche lang – mit einer Vielzahl an herausragenden Programmen. Im Internet bietet ARTE außerdem ein Best-of der letzten 25 Jahre: arte.tv/25jahre

Freitag, 02.11. / 23.40 Uhr / Tracks
Magazin, Frankreich, 2017, ARTE F, 43 Min.
Regie: Realisateurs Differents
Journalist: David Combe, Jean-Marc Barbieux
Erstausstrahlung

Freitag, 02.11. / 00.25 Uhr / Melanie De Biasio in Concert, Paris Odéon-Theater
Musik, Frankreich, 2018, ARTE F, 75 Min.
Regie: Mathieu Mastin
Online verfügbar von 02/11 bis 01/04
Erstausstrahlung


Melanie De Biasio verzaubert ihr Publikum. Häufig wird sie mit Billie Holiday oder Nina Simone verglichen. Die belgische Soul- und Jazz-Sängerin besticht durch das warme, rauchige Timbre ihrer Stimme. Sie ist in Charleroi aufgewachsen, wo sie erst tanzen und dann Querflötespielen gelernt hat. Aus Liebe zu Nirvana gründete sie schon mit 15 Jahren ihre erste Band. Vielleicht hat die düstere Seite und sinistre Romantik ihrer Musik auch etwas mit der postindustrielle Niedergeschlagenheit ihrer Heimatstadt zu tun.

Melanie De Biasios Musik ist eine vielschichtige und gekonnte Mischung aus Jazz, Soul, Pop, Trip-Hop und Blues. Ihre Lieder handeln meist von der Liebe und doch sind es keine Liebeslieder. Bei Melanie De Biasio ist die Liebe ein Kampf und gleicht einem Aufeinanderprallen von zwei Egos. Bei dem Indie-Label [PIAS] hat Melanie De Biasio 2017 ihr neuestes Album „Lilies“ herausgebracht. Es folgt auf „A Stomach Is Burning“ (2007) und „No Deal“ (2013).

Sie war bereits auf zahlreichen Festivals vertreten, von der Route du Rock bis zum Internationalen Jazzfestival in Montréal. Im Rahmen des Festivals Jazz à Saint-Germain-des-Prés stellte die Belgierin ihr neues Opus vor. Bei diesem Konzert fügt sich Melanie De Biasios samtweiche Stimme perfekt in die glanzvolle Kulisse des Théâtre de l’Odéon. Etliche ihrer Lieder entstanden aus spontanem Flüstern oder Hauchen. Entstanden ist die Idee des leisen Singens aus einer tiefen Krise. Nach verschleppter Lungenerkrankung verlor sie ihre Stimme. Lange Zeit war ungewiss, ob sie je wieder würde singen können.

Bei dem Konzert im Pariser Théâtre de l’Odéon nimmt sie ihr Publikum mit auf eine Reise und lotet in ihrer Musik auch die Langsamkeit und Stille aus. Sie ist eine Meisterin des Weglassens und der Schlichtheit. Eine musikalische Welt, in der man sich geborgen und tief berührt fühlt. Das Konzert wurde am 4. Juni 2018 für ARTE aufgezeichnet.

Samstag, 03.11. / 06.10 Uhr / Peace ’n‘ Pop – 1950-1979 ~ Make Love not War!
Dokumentation, Deutschland, 2015, ZDF, 53 Min.
Regie: Christian Bettges
Online verfügbar von 03/11 bis 03/12

Inmitten des Kalten Krieges löst der Vietnamkrieg eine gewaltige, international wirksame Welle des Protestes aus. Die Initialzündung einer mit Drogen und Lebensstilen experimentierenden, antimilitaristischen Gegenkultur in allen Bereichen der Pop-Produktion. Comics, Antikriegsfilme und Songwriter mit ihrer Folk-Music inspirieren Jugendliche auf der ganzen Welt.

Nonkonformistisch attackieren Hippies und Spontis jede Form des Gleichschritts. Mode und Design, Habitus und der Soundtrack des Alltags erfahren einen tiefgreifenden Wandel. In Deutschland verbindet sich der popkulturelle Pazifismus mit den „Nie wieder Krieg!“-Slogans der Friedensbewegung und nährt die größten Massendemonstrationen der Nachkriegsgeschichte, gerichtet gegen den Nato-Doppelbeschluss, begleitet von den Klavieren und Klampfen der Liedermacherzunft. Denn: Das weiche Wasser bricht den Stein! Petting statt Pershing! Gewaltfreier Widerstand, den Lehren Gandhis folgend, und Slogans vom zivilen Ungehorsam spornen noch die „Promi-Blockierer“ vor dem Atomraketenlager in Mutlangen an.

Literaten wie Ken Follett, Alexis Jenni und Hanif Kureishi lassen diese Zeit mit analytischem Blick Revue passieren, und Plakatkünstler Klaus Staeck berichtet von seinen lebhaften Erinnerungen. Auch Musiker von Joshua Redman über Tryo bis Clueso, von Nneka bis Nitin Sawhney lassen den „Spirit of Love and Peace“ auferstehen. Gerade die Perspektiven der Jüngeren auf die längst versunken scheinende Bewegung schärft den Blick für Aktualität und Relevanz von „Peace ’n’ Pop“.

Samstag, 03.11. / 07.05 Uhr / Peace ’n‘ Pop – 1979-2015 ~ Frieden und Popkultur von den 80ern bis heute
Dokumentation, Deutschland, 2015, ZDF, 53 Min.
Regie: Christian Bettges
Online verfügbar von 03/11 bis 03/12


Zwischen den 1980er und den 2000er Jahren bleibt politisch wie kulturell kein Stein auf dem anderen: Der Falklandkrieg von 1982 eint das von den wirtschaftlichen Umwälzungen zerrüttete Großbritannien. Musiker und Popkultur rebellieren. Dann fällt die Mauer und beendet den Kalten Krieg. Die Loveparade feiert ein letztes Friedensfest, während rund um den Kosovo-Krieg die deutsche Friedensbewegung erlahmt. Nach 9/11 hält der „War on Terror“ die Welt in Atem … Der zweite Teil der Dokumentation „Peace ’n’ Pop“ zeichnet die popkulturellen Reaktionen in einer unübersichtlichen Welt voller Kriege nach.

Der Falklandkrieg von 1982 eint das von wirtschaftlichen Umwälzungen zerrüttete Großbritannien in einer Welle des Nationalismus. Musiker rebellieren wirkungslos. Die Mauer fällt, der Kalte Krieg ist vorbei. Die Loveparade feiert ein letztes Friedensfest – rund um den Kosovo-Krieg erlahmt die deutsche Friedensbewegung. Und nach 9/11 hält der „War on Terror“ die Welt in Atem…

„Peace ’n’ Pop“ zeichnet die popkulturellen Reaktionen in einer immer unübersichtlicher werdenden Welt voller Kriege nach. Skeptisch gegenüber der Politik und dem Wirtschaftssystem setzen Künstler ganz konkret Akzente der Verständigung. Sie lassen das Plakative vergangener Zeiten weit hinter sich und können doch von „Love, Peace and Happiness“ nicht lassen. Musiker wie The Avener und Bands wie La Canaille setzen einer Welt voller Konflikte die Utopie einer Verständigung mittels der Musik entgegen – jenseits von Nation, Religion und Ethnie. New Model Army und Shantel hingegen eint der tief sitzende Skeptizismus gegen vorgefertigte Antworten.

Y’akoto sucht in ihren Songs nach Bildern, die ein Leben zwischen westafrikanischen und deutschen Lebenswelten mittels Musik zum Ausdruck bringen. Wenn Kriege hilfesuchende Menschen direkt an die Ufer Europas spülen, ziehen viele Künstler wieder an einem Strang und fragen, was der Umgang mit dem Flüchtlingssterben im Mittelmeer über uns alle aussagt. Plötzlich wandern wieder plakative Slogans auf die T-Shirts… und das Berliner Hip-Hop-Duo Zugezogen Maskulin verarbeitet eine als zynisch wahrgenommene Politik im Ausruf „Endlich wieder Krieg!“

Samstag, 03.11. / 01.45 Uhr / Weil ich bin wer ich bin ~ Kunst und Homosexualität
Dokumentation, Deutschland, 2015, RBB, 52 Min.
Regie: Benjamin Cantu, Nils Bökamp
Online verfügbar von 03/11 bis 10/11

Die Filmemacher Nils Bökamp und Benjamin Cantu leben als homosexuelle Männer in Berlin. In ihrer Dokumentation gehen sie der Frage nach, wie sich homosexuelle Identität auf künstlerisches Schaffen auswirkt und inwieweit Kunst ein Mittel im Kampf gegen Homophobie sein kann. Dazu begeben sie sich auf eine Reise zu sieben international renommierten Künstlerinnen und Künstlern, die sich ihrer jeweiligen, zum Teil extrem homophoben Umgebung mit der Kraft ihrer Kunst widersetzen und ihre sehr persönlichen Geschichten erzählen.

Während die eine Hälfte der Welt Homosexuellen immer mehr Gleichberechtigung zugesteht, tendiert die andere Hälfte dazu, sie immer schärfer zu attackieren und zu kriminalisieren. In Ländern wie Frankreich, Deutschland oder den USA scheinen queere Lebensentwürfe fast schon zum Mainstream zu gehören. Dennoch gibt es selbst in Deutschland und Frankreich nach wie vor Ausgrenzung und Intoleranz. In 72 Ländern rund um den Globus ist Homosexualität nach wie vor strafbar und in zehn Ländern wird die Todesstrafe verhängt.

In Moskau begegnen die Filmemacher den Regisseuren Askold Kurow und Pawel Loparew, die in ihrem Dokumentarfilm „Children 404“ zeigen, welche Auswirkungen Putins sogenanntes Homo-Propaganda-Gesetz auf Kinder und Jugendliche hat, die sich selbst als homo- oder transsexuell empfinden. Hamed Sinno ist der offen homosexuelle Frontsänger der libanesischen Popband Mashrou’ Leila, die für viele als die Band des Arabischen Frühlings gilt. In Südafrika treffen die Filmemacher auf die international gefeierte Tänzerin Mamela Nyamza. Zusammen mit der Theatermacherin Mojisola Adebayo erzählt sie die Geschichten lesbischer Frauen, die in Südafrika unter dem brutalen Akt des sogenannten Corrective Rape, der „korrigierenden Vergewaltigung“, leiden.

Benyamin Reich, Sohn eines ultraorthodoxen Rabbiners aus Jerusalem, führt mit seinen eindringlichen Bildern einen intensiven Dialog über männliche Schönheit und Religion. Abdellah Taia, marokkanisch-französischer Schriftsteller und Spielfilmregisseur, erzählt, was es heißt, als schwuler Marokkaner im Pariser Exil zu leben.

Ihre Reise führt die beiden Filmregisseure schließlich auch zu dem erfolgreichen Drehbuchautor und LGBT-Aktivisten Dustin Lance Black nach Los Angeles. Black ist in einer mormonischen Familie auf einem Militärstützpunkt in Texas groß geworden und kämpft heute vehement für die Homo-Ehe in allen Bundesstaaten der USA. Für sein Drehbuch zum Film „Milk“ mit Sean Penn in der Hauptrolle erhielt er den Oscar.

Sonntag, 04.11 / 05.10 Uhr / „Karaoke!“ ~ Singen bis das Mikro glüht
Dokumentation, Frankreich, 2012, ARTE F, 52 Min.
Regie: Thomas Cazals
Online verfügbar von 04/11 bis 12/11

Karaoke gilt oft als spießiger Zeitvertreib, bei dem zu schlechter Musik falsch gesungen wird. Und doch hat der „Gesangssport“ weltweit viele Millionen Anhänger und die Karaoke-Industrie boomt, der allgemeinen Krise im Musikgeschäft zum Trotz. Allein in Japan wird jährlich ein Umsatz von rund 4 Milliarden Euro erzielt. Grund genug, sich mit dem Phänomen Karaoke näher zu beschäftigen.

In den frühen 70er Jahren erfanden der Japaner Daisuke Inoue und der Philippiner Roberto del Rosario in Asien die ersten Karaoke-Anlagen. Seitdem wurden die Systeme ständig weiterentwickelt und an technologische Neuerungen wie Audiokassetten, Laserdisks, Glasfasertechnik, Internet und Smartphones angepasst. Karaoke macht jeden technischen und musikalischen Trend mit und wurde über die Jahre zu einem globalen Kulturphänomen.

Die Dokumentation wirft einen Blick in Karaoke-Bars auf den Philippinen, in Japan, Spanien, England und Finnland, wo 2013 die zehnte Karaoke-WM stattfand. Er erzählt die Geschichte dieses „Gesangssports“ und stellt vier begeisterte Sängerinnen und Sänger vor: die Japanerin Chieko Suzuki, die Spanierin Raquel Pando, ihren Landsmann Kinny Vigu und den Philippiner JV Decena. Sie alle hoffen, eines Tages in ihrem Land ein Star zu werden, aber der Weg zum Ruhm ist oft steinig und hart.

Seit einigen Jahren ist Karaoke also weit mehr als ein einfacher musikalischer Zeitvertreib: Es wird in Filmen und Serien gezeigt, ist Gegenstand von Fernsehshows und Videospielen, und sogar internationale diplomatische Kreise wurden mittlerweile vom Karaoke-Virus infiziert!

Sonntag, 04.11 / 15.35 Uhr / Schatzkammer Berlin (1/2): Die Sammlung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz
Dokumentation, Deutschland, 2017, RBB, 52 Min.
Regie: Dag Freyer
Online verfügbar von 04/11 bis 02/02
Erstausstrahlung

Die TV-Dokumentation führt in die Schatzkammern der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und erzählt anhand ausgewählter Exponate vom schier unerschöpflichen Reichtum und von der Besonderheit der Berliner Sammlungen. Letztlich bilden sie ein großes Ganzes, einen Kosmos der Kultur. Sie sind Beleg, dass die Menschheit aus sehr eng verbundenen Welten und Kulturen besteht.

Berlin hat eine einzigartige Schatzkammer: die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, eine der fünf großen Universalsammlungen der Welt. Zu ihr gehören 19 Museen mit über fünf Millionen Objekten, eine der weltweit größten Bibliotheken sowie herausragende Archive und Forschungsinstitute. Zu den Stars der gigantischen Sammlung, die von der Steinzeit bis zur zeitgenössischen Kunst alle Sparten der kulturellen Überlieferung umfasst, zählen die Büste der Nofretete im Neuen Museum, Hans Holbeins Porträt des Kaufmanns Georg Gisze in der Gemäldegalerie oder die Installation „Das Kapital“ von Joseph Beuys im Hamburger Bahnhof.

Die Berliner Museen stellen nicht nur aus, sie suchen auch nach Antworten auf große Fragen der Menschheit: Wie können wir die Welt und ihre Ressourcen erschließen und doch im Einklang mit ihr leben? Und wie können wir mit Hilfe unseres reichen kulturellen Erbes die Wirklichkeit besser verstehen und gestalten?

Regisseur Dag Freyer enthüllt Geheimnisse spektakulärer Kunstobjekte, zeigt die Arbeit der Museumsmacher und begleitet Archäologen nach China. Mit Hermann Parzinger, dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, geht es nach Mecklenburg-Vorpommern: Im Tollensetal liegt das älteste Schlachtfeld, das bisher in Europa ausgegraben worden ist.

Die Berliner Museen offenbaren sich so nicht nur als Tempel der Schönheit und hochmoderne Forschungszentren, sondern auch als Hort zahlloser spannender Geschichten.

Sonntag, 04.11 / 17.00 Uhr / Metropolis ~ Charkiw
Magazin, Deutschland, 2018, WDR, 43 Min.
Online verfügbar von 04/11 bis 02/02
Erstausstrahlung

(1): Metropolenreport Charkiw – Eine Stadt am Rande eines vergessenen Krieges

(1): Metropolenreport Charkiw – Eine Stadt am Rande eines vergessenen Krieges
Charkiw – am östlichen Rand der Ukraine gelegen und mit knapp 1,5 Millionen Einwohnern zweitgrößte Stadt des Landes – ist trotz seiner 42 Universitäten und Hochschulen, seiner reichen Geschichte und seiner international erfolgreichen Künstlerszene in Westeuropa quasi unbekannt. Geprägt wird diese multikulturelle, europäisch und sowjetisch geprägte Metropole von dem Krieg in der Ostukraine, der sich seit 2014 rund 250 Kilometer vor den Toren der Stadt abspielt.

Nur knapp 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt, überwiegend russischsprachig und mit großen Bevölkerungsanteilen, die dem ehemaligen Bruderland bis heute eher wohlgesonnen sind, grenzt es nahezu an ein Wunder, dass Charkiw 2014 während der Vorstöße prorussischer Separatisten in der Hand der Ukraine blieb und hier heute relativer Friede herrscht. Zu verdanken ist das unter anderem auch einer jungen akademischen Bevölkerungsgruppe, die die Einnahme der Verwaltungsgebäude unerwartet aber kraftvoll abwehrte. Wichtigster intellektueller Kopf der ukrainischen Widerstandsbewegung ist der populäre Schriftsteller und Rockmusiker Serhij Zhadan.

Mit ihm und anderen Künstlern spürt „Metropolis“ nach, wie der von westlichen Medien nahezu unbeachtete Krieg diese multikulturelle Metropole verändert. Wie die andauernden Kämpfe die Bevölkerung in Charkiw immer stärker polarisieren. Wie sich eine Zivilgesellschaft entwickelt, die über 200.000 Binnenflüchtlinge aus dem Donbass und die Soldaten an der Front unterstützt. Und wie eine junge Generation auf der Suche nach einer neuen Identität ist.

Sonntag, 04.11 / 17.45 Uhr / Riccardo Chailly dirigiert den Boléro von Ravel
Musik, Frankreich, Schweiz, 2018, ARTESSR, 43 Min.
Regie: Ute Feudel
Dirigent: Riccardo Chailly
Komponist: Maurice Ravel
Orchester: Lucerne Festival Orchestra
Online verfügbar von 04/11 bis 11/11
Erstausstrahlung

Riccardo Chailly an der Spitze des Lucerne Festival Orchestra: Auf dem Programm des mitreißenden Konzerts aus dem Kultur- und Kongresszentrum Luzern standen Werke von Maurice Ravel: Zu hören sind „Daphnis et Chloé – Suite Nr. 1“, „La Valse“ und der berühmte „Boléro“. Ravel ist ein Klangmagier par excellence, der den Zuhörer in immer neue musikalische Welten führt.

Ball und Bacchanal, Rausch und Raffinesse – all das steckt in diesem Konzert, obwohl nur ein einziger Name draufsteht: Maurice Ravel. Doch Ravel ist ein Klangmagier par excellence, der den Zuhörer in immer neue musikalische Welten entführt, voller verschiedener Farben, Düfte und Aromen.

Im Dreivierteltakt tanzen sich Riccardo Chailly und das Lucerne Festival Orchestra in ihrem zweiten Programm des Sommers 2018 durch eine Walzerfolge, die wohl nostalgisch auf eine untergegangene Welt zurückblickt. Danach erzählen sie mit „Daphnis et Chloé – Suite Nr. 1“ eine antike Liebesgeschichte. Und schließlich führen Orchester und Dirigent mit dem trommelwütigen „Boléro“ zur finalen Ekstase.

Das Konzert wurde am 24. August 2018 im Kultur- und Kongresszentrum Luzern für ARTE aufgezeichnet.

Sonntag, 04.11 / 20.15 Uhr / Elizabeth
Spielfilm, Großbritannien, 1998, ARD, 118 Min.
Regie: Shekhar Kapur
Kamera: Remi Adefarasin
Schnitt: Jill Bilcock
Musik: David Hirschfelder
Produktion: Working Title Films, PolyGram Filmed Entertainment
Produzent: Tim Bevan, Eric Fellner, Alison Owen
Drehbuch: Michael Hirst

England, 1554: Nach dem Tod ihrer grausamen Halbschwester, der fanatischen Katholikin Mary I., wird die Protestantin Elizabeth zur Königin von England gekrönt. Das Volk hofft auf Besserung der Lebensumstände in dem heruntergewirtschafteten, von religiösen Konflikten zerrütteten Land. Doch Elizabeth will zunächst nur ihre große Jugendliebe Robert Dudley wiedersehen. Der treue Berater Sir William Cecil jedoch warnt die junge Königin: Um ihre Position und die Lage des finanziell stark geschwächten Landes zu festigen, sei es unabdingbar, dass sie einen international einflussreichen Ehemann wählt. Denn die Feinde der Königin – sowohl im Ausland als auch in den Reihen des englischen Adels – warten bereits auf eine Gelegenheit, sie zu Fall zu bringen.

Auf den falschen Rat des Dukes of Norfolk hin führt Elizabeth Krieg gegen die französischstämmige „Kriegskönigin“ Mary of Guise – und erlebt eine demütigende Niederlage. Erst jetzt erkennt Elizabeth, dass sie für ihr politisches Überleben und ihr persönliches Schicksal ihre Autorität unnachgiebig festigen muss. So schlägt sie die Heiratsanträge eines französischen Herzogs und des spanischen Königs aus, um ihre Unabhängigkeit mit Nachdruck zu demonstrieren.

Zwar entgeht Elizabeth den blutigen Intrigen ihrer Gegner, doch den brutalsten Schlag versetzt ihr Robert Dudley, als er ihr offenbart, dass er heimlich verheiratet ist. Mit ihrem loyalsten Vertrauten, dem Meisterspion Sir Francis Walsingham, errichtet sie von nun an eine rigorose Politik der harten Hand. Aus der naiven Thronfolgerin wird die heute legendäre, unbezwingbare „jungfräuliche Königin“.

Zusatzinfo:
Der indische Regisseur Shekhar Kapur inszeniert die Figur der Elizabeth als Metamorphose von der nachsichtigen, empathischen Jungkönigin zur eisernen Herrscherin, indem er das historische Drama als spannungsgeladenen Thriller anlegt. Es ist die Geschichte einer Frau, die laut Hauptdarstellerin Cate Blanchett „in Zeiten, als die Frauen nichts zählten, zwischen Liebe und Pflicht segeln musste und die Heirat verweigerte, um niemandem verpflichtet zu sein und allein regieren zu können“ (Quelle: Filmdienst).

Sonntag, 04.11 / 22.15 Uhr / Elizabeth I. – Mörderin auf dem Thron
Dokumentation, Großbritannien, 2010, ZDF, 48 Min.
Regie: Tom Cholmondeley

Amy Robsarts plötzlicher Tod versetzte im Jahr 1560 ganz England in Aufruhr. Nicht einmal einen Monat zuvor hatte es Gerüchte gegeben, dass Queen Elizabeth I. Amy Robsart vergiften wolle, weil die Königin eine Affäre mit Amy Robsarts Ehemann Robert Dudley habe. Kaum jemand glaubte also an einen Zufall, als Amy Robsart eine Treppe herabstürzte und sich dabei tödliche Verletzungen zuzog. Die gerichtliche Untersuchung kam damals zu dem Schluss, es sei ein Unfall gewesen. Dudley und Elizabeth I. wurden von jedem Verdacht freigesprochen. Doch die Gerüchte über einen Selbstmord aus Verzweiflung oder einen Mord im Auftrag von Königin Elizabeth wollten nicht verstummen.

Die Unterlagen, die damals dem Gericht vorlagen, sind widersprüchlich. Sie lassen neben der Unfallvermutung auch die Mordtheorie zu. Filmemacher Tom Cholmondeley erzählt mit seiner Dokumentation einen Kriminalfall, der nie vollständig aufgeklärt wurde. Geleitet werden die Untersuchungen von dem jungen Historiker Chris Skidmore. Er präsentiert neue Quellen und Dokumente, die vielleicht beweisen können, was im Herbst 1560 wirklich geschah. Pathologen, Ärzte und Forensiker begutachten und bewerten die Indizien, die Skidmore in jahrelanger Recherche zusammengetragen hat.

Sonntag, 04.11 / 23.05 Uhr / Gidon Kremer – Die eigene Stimme finden ~ Eine Annäherung
Dokumentation, Deutschland, 2017, ZDF, 56 Min.
Regie: Paul Smaczny
Online verfügbar von 04/11 bis 11/11
Erstausstrahlung

Er ist ein Jahrhundertgeiger, dem Entertainment fremd ist, eine Ausnahmeerscheinung in einer Branche, die immer mehr auf Marktwert, Marketing und Massentauglichkeit zielt: Gidon Kremer gehört zu den spannendsten Künstlerpersönlichkeiten unserer Zeit. „Gidon Kremer – Die eigene Stimme finden“ ist ein ruhiges und nachdenkliches Porträt des großen Geigers und Intellektuellen. Filmemacher Paul Smaczny begleitete Gidon Kremer ein Jahr lang mit der Kamera und lässt zudem wichtige Stationen einer beispiellosen Karriere Revue passieren.

Geigenvirtuose, Orchestergründer, Kunstaktivist: Der lettisch-deutsche Jahrhundertgeiger Gidon Kremer ist eine Ausnahmeerscheinung im Klassikbetrieb. Seit rund einem halben Jahrhundert steht Kremer, der im Oktober 2017 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wurde, auf der Bühne; mehr als 100 CDs hat er aufgenommen. Er spielte mit Leonard Bernstein und Herbert von Karajan, mit Nikolaus Harnoncourt und James Levine. Ob die Tangos von Astor Piazzolla, die Musik der Zeitgenossen Arvo Pärt und Alfred Schnittke – Kremer hat stets auch den Zeitgeist verstanden. Die Dokumentation ist eine Annäherung an einen Künstler, dessen Leben untrennbar mit der Musikgeschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und des frühen 21. Jahrhunderts verbunden ist. Das Porträt eines Musikers, der als große universelle Künstlerpersönlichkeit das Musikleben und den musikalischen Diskurs bis heute entscheidend mitprägt. Filmemacher Paul Smaczny begleitete Gidon Kremer ein Jahr lang mit der Kamera, beobachtete ihn mit dem Kammerorchester Kremerata Baltica in Paris und in seiner Geburtsstadt Riga, als Solisten in Moskau, Tokio und Stuttgart und begegnete auch dem gesellschaftlich und politisch engagierten Menschen. Die Dokumentation lässt zudem wichtige Stationen einer beispiellosen Karriere Revue passieren und erzählt von wichtigen Einflüssen, Begegnungen und Partnerschaften, die den Künstler bis heute prägen: von seinem Lehrer David Oistrach, von großen Dirigenten wie Leonard Bernstein – und von großen Komponisten wie Arvo Pärt, Luigi Nono oder Alfred Schnittke.

Zusatzinfo:
Mit den Mitteln des beobachtenden Dokumentarfilms porträtiert der Film ruhig und unaufdringlich seinen Protagonisten, der darin vor allem selbst zu Wort kommt. Ein ruhiger, bedächtiger Film, der die Erfahrung von größter Interpretationskunst und tiefen musikalischen Inhalten auf den Zuschauer überträgt und mit seinen poetischen Bildern eine bewegende Intensität erzeugt.

Sonntag, 04.11 / 00.00 Uhr / Hommage an Yehudi Menuhin
Mit Daniel Hope, Patricia Kopatchinskaja und Anoushka Shankar
Musik, Deutschland, 2016, RBB, 60 Min.
Regie: Thomas Janze
Komponist und Autor: Maurice Ravel
Dirigent: Iván Fischer
Komponist: Ewdard Elgar
Orchester: Konzerthausorechester Berlin
Online verfügbar von 04/11 bis 04/12

Am 22. April 2016 wäre er 100 Jahre alt geworden: Yehudi Menuhin, der wohl berühmteste Violinvirtuose des 20. Jahrhunderts. ARTE überträgt aus diesem Anlass die musikalische Hommage des Konzerthauses Berlin. Mit dabei: Stargeiger Daniel Hope, der bereits in jungen Jahren von Menuhin unterrichtet wurde, die mehrfach ausgezeichnete Sitarspielerin Anoushka Shankar, Tochter von Menuhins Weggefährten Ravi Shankar, sowie die berühmte Geigerin Patricia Kopatchinskaja.

Yehudi Menuhin verstand Musik nicht nur als Kunst, sondern als Beitrag zu einer besseren Gesellschaft. Unermüdlich versuchte er Brücken zu bauen und glaubte fest an die verbindende Kraft der Musik, mit der er die Welt verändern wollte. Zu seinem 100. Geburtstag erinnern Daniel Hope, das Konzerthausorchester Berlin, Anoushka Shankar & Ensemble sowie Patricia Kopatchinskaja an den Ausnahmekünstler und großen Humanisten.

Daniel Hope verbindet eine besondere Beziehung mit dem berühmten Geiger: Als Sohn von Menuhins Sekretärin lernte er sein großes Vorbild bereits im Kindesalter kennen und wurde schon früh von ihm gefördert und unterrichtet.

Mit dem Violinkonzert von Edward Elgar spielt Hope nun das Werk, das vielleicht am stärksten mit Menuhin identifiziert wird. Der erst 16-jährige Yehudi nahm es 1932 mit Elgar höchstpersönlich auf und behielt es sein Leben lang im Kernrepertoire.

Außerdem widmet sich das Konzerthaus Menuhins Freundschaft zu Ravi Shankar mit einem Abend voll indischer Musik und klassischen Ragas. 1967 nahmen die beiden die Platte „West meets East“ auf, die für 18 Monate die Billboard-Charts der Klassik-LPs anführte. Zum 100. Geburtstag Menuhins lädt nun Ravi Shankars Tochter Anoushka zu einem ihrer seltenen Auftritte in Deutschland ein. Die berühmte Sitar-Spielerin verbindet erfolgreich traditionelle und spirituelle indische Klänge mit Popmusik von heute. Unterstützung erfährt sie dabei von Tanmoy Bose, Pirashanna Thevarajah und Kenji Ota. Und man darf sich auf den Gastauftritt einer weiteren großen Musikerin freuen: der Geigerin Patricia Kopatchinskaja.

Sonntag, 04.11 / 03.40 Uhr / Augenschmaus: Die Konservenmacherinnen von Max Liebermann
Dokumentationsreihe, Frankreich, 2014, ARTE F, 26 Min.
Regie: Franck Gombert
Online verfügbar von 04/11 bis 03/01

Die Dokumentationsreihe „Augenschmaus“ bietet kulinarische Ausflüge in die Welt der Kultur: Ausgehend von Kunstwerken, welche die typische Küche einer bestimmten Epoche in Szene setzen, analysieren Kunsthistoriker und Geschichtswissenschaftler die Gastronomie dieser Zeit. Was aßen die Menschen damals? Welche Essgewohnheiten und Rituale hatten sie? Wie sahen Besteck und Geschirr aus? Auch der historische Kontext und die künstlerische Strömung, der das jeweilige Werk angehört, werden beleuchtet. Andere Zeiten, andere (Tisch-)Sitten – in „Augenschmaus“ untersuchen renommierte Fachleute künstlerische und kulinarische Trends von der Steinzeit bis zur Popkultur der Moderne. Außerdem kochen große Küchenchefs die Gerichte in der Sendung nach.

Max Liebermann wird 1847 in Berlin geboren. Seine Eltern sind wohlhabende jüdische Kaufleute aus der Textilindustrie. Doch der junge Max will nicht in die Fußstapfen seiner Eltern treten, sondern begeistert sich schon früh für die Malerei. Die Familie gibt schließlich nach, und Max Liebermann beginnt sein Studium an der Kunstschule in Weimar. Er lernt den ungarischen Maler Mihaly Munkacsy kennen. Seine Bilder von arbeitenden Frauen bringen ihm die realistische Malerei nahe. Schon Liebermanns erstes Gemälde, „Die Gänserupferinnen“ aus dem Jahr 1872, löst einen Skandal aus. Mit seinem zweiten Gemälde, den „Konservenmacherinnen“ in etwas kleinerem Format, bleibt Max Liebermann seinem Stil treu. Moderner Stil, moderne Essgewohnheiten. Max Liebermann stellt auf seinem Bild eine ganz neuartige Erfindung dar: die Konserve. Die Geschichte der Konserve begann auf dem Schlachtfeld. Weil seine Soldaten vor Hunger sterben, versprach Napoleon 1795 demjenigen eine Belohnung, der ein Verfahren zur Lebensmittelkonservierung erfinden würde. 15 Jahre später, im Jahr 1810, stellt der Pariser Konditormeister Nicolas Appert eine bahnbrechende Methode vor: die Haltbarmachung von Lebensmitteln in luftdicht verschlossenen Behältern. Gegenüber dem bretonischen Fischerhafen Douarnenez liegt die älteste Konservenfabrik der Welt, in der im Jahr 1853 die erste Konserve produziert wurde. Das Kamerateam stattet der Fabrik einen Besuch ab, wo noch heute rund 120 Arbeiterinnen Sardinen handverlesen konservieren, und unternimmt eine kleine Zeitreise, um herauszufinden, wie die Konservendose damals den Alltag der Menschen veränderte. Hinter dem Herd steht in dieser Folge der Sternekoch Thomas Martin. Obwohl er im „Jacobs Restaurant“ am Hamburger Elbufer sonst eher selten Dosenessen verarbeitet, stellt er sich freudig der Herausforderung. Gegessen wird auf der Terrasse des Hotels „Louis C. Jacob“ an der Hamburger Elbchaussee, die Max Liebermann bei einem seiner Besuche um 1902 selbst in einem großartigen Gemälde festhielt.

Dienstag, 06.11 / 05.00 Uhr / John Cale and Guests: The Velvet Underground & Nico
Musik, Frankreich, 2016, ARTE F, 85 Min.
Regie: Alexandre Buisson
Online verfügbar von 06/11 bis 13/11

The Velvet Underground veröffentlichten 1966 ihr Debütalbum „The Velvet Underground & Nico“ mit dem berühmten Bananencover. 50 Jahre später, Anfang April 2016, spielte John Cale, der die Band mitgründete, die legendären Songs des Albums noch einmal in der Philharmonie de Paris. Das Konzert wurde im Rahmen der Ausstellung „The Velvet Underground – New York Extravaganza“ gegeben, die vom 2016 in Paris zu sehen war.

Der revolutionäre Sound von The Velvet Underground schlägt noch heute Wellen, nachdem er jahrelang verschiedenste Musikströmungen wie Punk, New Wave, Grunge oder auch den neuen französischen Pop beeinflusste. In der Philharmonie de Paris ließ John Cale die mythischen Stücke, die die Rockmusik veränderten, neu aufleben. Auf der Bühne begleiteten ihn Gäste wie Etienne Daho, Peter Doherty und Carl Barât von der britischen Band The Libertines, Animal Collective, Mark Lanegan, Saul Williams und Lou Doillon. Der Velvet-Underground-Mitgründer, der sich in den letzten Jahren nicht mehr hatte filmen lassen, gab ARTE das Privileg, diese Begegnung mit seinen musikalischen Erben festzuhalten.

Die von Andy Warhols E.P.I.-Multimediashows (Exploding Plastic Inevitable) inspirierten Bilder, die während des Konzerts auf Musiker und Publikum projiziert wurden, sind ebenfalls in dem Film zu entdecken. Das Konzert und der Musikfilm lassen eine ganze Epoche wieder aufleben und interpretieren sie neu – zusammen mit jenen Künstlern, die von ihr geprägt wurden.

Zusatzinfo:
ARTE ist Medienpartner der Ausstellung und überträgt das Konzert in Erstausstrahlung im Fernsehen und online auf ARTE Concert unter concert.arte.tv. Parallel dazu geht es auch auf der Plattform ARTE Creative um die Band und Bananen – mit einer Webserie, abrufbar unter http://creative.arte.tv/de/velvet.

Mittwoch, 07.11 / 23.45 Uhr/ Jean Renoir, französische Filmlegende
Dokumentation, Frankreich, 2015, ARTE F , 54 Min.
Regie: Alexandre Moix
Online verfügbar von 07/11 bis 06/01

„Die große Illusion“ und „Die Spielregel“ machten ihn zum „größten Regisseur der Welt“, wie Charlie Chaplin ihn bezeichnete: Jean Renoir, geboren am 15. September 1894 in Paris als Sohn des impressionistischen Malers Auguste Renoir, gestorben am 12. Februar 1979 in Beverly Hills. Als Vertreter des Poetischen Realismus wurde er zu einer Legende des französischen Kinos – unterstützt von den großartigen Schauspielern und Freunden Michel Simon und Jean Gabin. 1975 wurde Jean Renoir mit einem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Das Porträt gibt Einblick in das bewegte Leben und die an Wechselfällen reiche Karriere des berühmten Filmemachers, Drehbuchautors und Schauspielers.

Der Sohn des impressionistischen Malers Auguste Renoir stieg nach ersten Stummfilmen in den 30er Jahren zu einem der führenden Regisseure des französischen Kinos auf. Filme wie „Die Spielregel“ (1939) ließen ihn zu einem bedeutenden Vertreter des Poetischen Realismus avancieren, der auch den italienischen Neorealismo entscheidend prägte. Jean Renoir wurde 1894 geboren – ein Jahr vor der ersten öffentlichen Filmvorführung in Paris. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs war Renoir zunächst als Keramiker tätig. 1920 heiratete er die Schauspielerin Andrée Heuschling, die in vielen seiner späteren Stummfilme spielte. 1924 debütierte er mit seinem ersten Film „Die Tochter des Wassers“. Es folgten „Nana“ (1926), „Marquitta“ (1927) und der Märchenfilm „Das kleine Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (1928). Sein erster Tonfilm „On purge Bébé“ verschaffte Renoir 1931 den Durchbruch. Vier Jahre später schuf er mit „Toni“ einen Vorläufer des italienischen Neorealismo. „Die große Illusion“ (1937), ein Plädoyer für Menschlichkeit und Brüderlichkeit, wurde im faschistischen Italien und in Hitlerdeutschland verboten. Mit der Gesellschaftssatire „Die Spielregel“, in der Renoir selbst die Hauptrolle spielte, legte er 1939 eines seiner größten Meisterwerke vor. Während des Zweiten Weltkriegs ging Renoir in die USA und realisierte in Hollywood weitere Filme. Zu seinen bekanntesten Nachkriegswerken zählen „French Can Can“ (1954) oder „Das Frühstück im Grünen“ (1959). 1975 wurde er für sein Lebenswerk mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet. Doch Renoirs Weg zum Erfolg war steinig und voller Rückschläge. Lange stand er im Schatten seines berühmten Vaters. In den frühen 30er Jahren fand er nur schwer Produzenten für seine Vorhaben, und auch das Publikum begegnete seinen Werken zunächst mit Unverständnis. Als er während des Zweiten Weltkriegs nach Hollywood floh und bei den großen Filmstudios auf Ablehnung stieß, glaubte er sogar, das Filmgeschäft an den Nagel hängen zu müssen. Alexandre Moix zeichnet ein nuanciertes und sehr persönliches Porträt des Regisseurs. Er vermittelt eine neue Sicht auf Renoirs Werk, sein bewegtes Leben und seine vielschichtige Persönlichkeit.

Donnerstag, 08.11 / 19.40 Uhr / Re: Achtung Schatzräuber! Bulgariens Kulturgüter in Gefahr
Reportage, Deutschland, 2018, MDR, 30 Min.
Produzent: Mdr
Erstausstrahlung

Freitag, 09.11. / 21.45 Uhr / Freddie Mercury ~ The Great Pretender
Dokumentarfilm, USA, 2012, RBB, 84 Min.
Regie: Rhys Thomas
Online verfügbar von 09/11 bis 09/12

Die Geschichte von Queen ist bereits oft erzählt worden. Doch diesmal steht Leadsänger Freddie Mercury im Mittelpunkt. Er gilt als eine der charismatischsten, facettenreichsten und faszinierendsten Figuren des britischen Rock und verfolgte außerhalb der Band eine erfolgreiche Solokarriere. Umfassende, bisher unveröffentlichte Archivaufnahmen – Interviews, Konzertmitschnitte, Videos und privates Filmmaterial – sowie jüngere Interviews mit Freunden und Künstlerkollegen zeigen den Menschen Mercury hinter dem schillernden Superstar.

Freddie Mercury war mysteriös und rätselhaft, ein Mensch, der über die Grenzen hinausging. Er liebte die Promiskuität, hasste Interviews und Songtexte zu schreiben. Er war „The Great Pretender“: ein fast schüchterner Mann, der auf der Bühne zum Orkan wurde. Vor allem aber war er eine der schillerndsten und facettenreichsten Figuren des britischen Rock. Der Dokumentarfilm zeigt den vielseitigen Künstler, der viel mehr war als der Leadsänger der erfolgreichen Band Queen. Mercury machte nicht einfach Rockmusik. Er tanzte 1979 für ein Wohltätigkeitskonzert mit dem Royal Ballet, sang 1987 das Lied „Barcelona“ mit der spanischen Operndiva Montserrat Caballé und arbeitete an einem Album mit dem zwölf Jahre jüngeren Michael Jackson, das nie veröffentlicht wurde. In München nahm er sein Solo-Album „Mr. Bad Guy“ auf, das sich zu seiner großen Enttäuschung schlecht verkaufte. Seine Fans liebten ihn mit Queen – ohne Queen liebten sie ihn ein bisschen weniger. Doch mit seinen Bandkollegen kämpfte er mehr, als dass er sich ihnen anvertraute. Er hatte nicht viele Freunde und machte viel mit sich alleine aus. Seine Musik war vielleicht einer seiner besten Freunde. In einem Interview sagte er einmal, dass er kein John Lennon sei, der eine Message für die Menschheit habe. Er habe nur ein Gefühl, aus dem heraus er seine Songs schreibe: Liebe.

Freitag, 09.11. / 23.10 Uhr / Arcade Fire – Konzert in Paris 2018
Musik, Frankreich, 2018, ARTE F, 75 Min.
Regie: David Ctiborsky
Online verfügbar von 09/11 bis 08/05
Erstausstrahlung

Sie wurden von zahlreichen Kritikern zur besten Live-Band der Welt gekürt: die kanadische Band Arcade Fire. Die Gruppe um das Ehepaar Win Butler und Régine Chassagne mischt Indie-Rock gekonnt mit Folk-Elementen, streut aber auch gerne mal Kirchenorgel, Akkordeon oder Bläser ein. Im Rahmen der Release Tour ihres fünften Albums „Everything Now“, das 2017 veröffentlicht wurde, machten Arcade Fire Station in der AccorHotels Arena in Paris. Auf der Hauptbühne im Boxring-Design begeisterte die kanadische Indie-Rockband ihr Publikum mit einer spektakulären Show.

Paris: Arcade Fire sind mit ihrem neuen Album auf Welttournee und haben sich klar zum Ziel gesetzt, die internationale Pop-Szene zu erobern. Die Kanadier sind bekannt für ihre spektakulären Live-Shows; ihr Gig in der AccorHotels Arena bildet dazu keine Ausnahme. Die Band wurde Anfang der 2000er in Montréal von den beiden Multi-Instrumentalisten Win Butler und Régine Chassagne gegründet – und ist eigentlich eine amerikanisch-kanadische Formation, denn Win und sein Bruder William Butler kommen aus Kalifornien.

Waschechte Kanadier sind dafür die übrigen Bandmitglieder Richard Parry, Tim Kingsbury und Jeremy Gara. Gemeinsam ist den sechs die Virtuosität im Umgang mit allen möglichen Instrumenten. So wechselt William Butler mühelos vom Klavier zum Bass, um sich anschließend ans Schlagzeug zu setzen, während Richard Parry erst Tomtoms und Tamburin spielt und dann wieder zur E-Gitarre greift. Auch Tim Kingsbury, Bassist und Gitarrist der Gruppe, kann bei Bedarf Klavier spielen.

Das Ergebnis sind frenetische Live-Momente mit meisterhaft arrangiertem Rock. Ihre Kreativität und ihre technische Leistung – sowohl live als auch im Studio – machen den Erfolg von Arcade Fire aus. Nicht umsonst wurden sie bereits von zahlreichen Kritikern zur besten Live-Band der Welt gekürt. Ihr bekanntester Fan war kein geringerer als David Bowie. 2011 räumte die Gruppe einen Grammy ab und wurde von Coldplay-Sänger Chris Martin als „großartigste Band der Geschichte“ geadelt.

Zusatzinfo:
Das Konzert wurde am 28. April 2018 in der AccorHotels Arena in Paris für ARTE aufgezeichnet.