TV-Tipps 3sat:


Samstag, 04.04. / 19:20 Uhr / Notre-Dame: Schöner als zuvor? – Die Debatte um den Wiederaufbau
Film von Simone Hoffmann
Erstausstrahlung
3sat

Ein Jahr nach dem Brand von Notre-Dame ist noch nicht entschieden, wie das zerstörte Dach der Kathedrale wieder aufgebaut werden soll: originalgetreu oder modern? Die Entscheidung drängt.

„Wir werden die Kathedrale wieder aufbauen, und zwar schöner als zuvor“, verkündete Präsident Macron am Brandabend. Architekten aus aller Welt posteten kühne Vorschläge für den Wiederaufbau. Aber sollte man das 800 Jahre alte Bauwerk zeitgenössisch modernisieren?

Chefarchitekt Philippe Villeneuve kämpft mit seinem Team immer noch um die Sicherung der Kathedrale. Weiterhin könnten Teile des Gewölbes einstürzen. Als Leiter der Bauarbeiten sieht sich Villeneuve in der Tradition der mittelalterlichen Bauherren von Notre-Dame. „Vor einem solchen Monument muss man sein Ego einfach wegstecken. Es geht nicht um den Architekten, man stellt sich in den Dienst eines Werkes“, sagt Villeneuve. In beinah totaler Selbstaufgabe ist er mit der Sicherung „seiner“ Kathedrale beschäftigt. Ein zeitgenössischer Wiederaufbau ist für ihn absolut indiskutabel.

Ganz anders sieht das Stararchitekt Jean-Michel Wilmotte. Er ist in Frankreich bekannt für moderne Erneuerungen an historischen Gebäuden. Dabei verwendet er vor allem Materialien wie Titan oder Glas. Das könnte er sich auch für Notre-Dame vorstellen: „Wir müssen mit unserer Zeit gehen. Es gibt ein Davor und Danach, der Brand gehört zur Geschichte der Kathedrale und muss sich in der Architektur widerspiegeln.“

Es geht nicht nur um einen Architekturstreit, sondern um die Frage: Was ist eine Kathedrale im 21. Jahrhundert? Ist sie ein Museum für Touristen aus aller Welt, das möglichst so aussehen soll, wie es immer aussah? Ist sie ein nationales Symbol – oder eine Kirche mit einer Gemeinde, die hier ihr spirituelles Zentrum finden? Und was wäre da zu berücksichtigen?

Notre-Dame und ihre direkte Umgebung gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die Charta von Venedig besagt, dass Denkmäler in den letzten bekannten Zustand zurückversetzt werden müssen. Aber ist der zerstörte Spitzturm aus dem 19. Jahrhundert wirklich ein integraler Bestandteil der mittelalterlichen Kathedrale? War er nicht seinerzeit auch eine moderne Geste? Und gehört es nicht zum Wesen einer Kathedrale, dass sie nie wirklich fertig ist, sondern dass jedes Jahrhundert in ihr seine Spuren hinterlässt?

Für Emmanuel Macron wäre eine zeitgenössische Geste ein starkes Symbol für seine Präsidentschaft, ein Stempel, den er Paris aufdrücken könnte – wie damals François Mitterrand, unter dessen Regierung die Glaspyramide des Louvre entstand. Sie ist ein gelungenes Beispiel für moderne Architektur in altem Ambiente und ist sehr schnell zu einem geliebten Wahrzeichen geworden.

Die Dokumentation von Simone Hoffmann beleuchtet die Debatte rund um die Zukunft der Kathedrale und gewährt einen ausführlichen Blick hinter die Kulissen der kulturell wichtigsten Baustelle Europas. Sie zeigt, wie stark die Frage nach der Zukunft von Notre-Dame eine Identitätsfrage für Frankreich ist, und wie sehr das Symbol der Kirche bereits jetzt politisch genutzt wird.

Samstag, 04.04. / 20:15 Uhr / Iván Fischer dirigiert Tschaikowskys 4. Symphonie
(VPS 20.14)
Münchner Herkulessaal, Januar 2020

Orchester: Symphonieorchester des, Bayerischen Rundfunks
Musikalische Leitung: Iván Fischer
Erstausstrahlung

Iván Fischer dirigiert Tschaikowskys 4. Symphonie in einem Konzert mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Januar 2020 im Münchner Herkulessaal der Residenz.

Peter Tschaikowsky komponierte dieses Werk im Jahr 1877 – im Jahr der tiefsten Persönlichkeitskrise des Komponisten. Ein mitreißendes Seelenbild, dessen Abgründe hinter einer glanzvollen symphonischen Fassade lauern.

Es spiegelt sein Ringen um ein Selbstverständnis in einem kulturellen Umfeld wider, in dem ihm ein Bekenntnis zur eigenen Homosexualität in der Öffentlichkeit vollkommen unmöglich schien.

Es war das Jahr, in dem er die Ehe mit einer ihm bis dahin gänzlich unbekannten Frau einging, der Beginn eines Doppellebens, unter dem er so litt, dass er sich nach drei Monaten wieder trennte – wobei die Ehe zeitlebens nicht offiziell aufgelöst wurde. Tschaikowsky fiel in eine tiefe Depression.

Es existiert aus seiner Hand eine Art erklärendes Programm, das er zur Vierten Symphonie schrieb und das zeigt, wie bewusst Tschaikowsky hier sein Erleben und seine Situation in Musik ausdrückt. So schreibt er zum wirbelnd-furiosen Finalsatz: „Wenn du in dir selbst keinen Grund zur Freude findest, schau‘ auf andere Menschen. Geh‘ ins Volk.“

Samstag, 04.04. / 21:05 Uhr / Teodor Currentzis dirigiert Tschaikowskys Symphonie Nr.5 e-Moll op. 64/ 3sat
Liederhalle Stuttgart, Dezember 2018

Orchester: SWR Symphonieorchester
Im Dezember 2018 steht die Symphonie Nr. 5 e-Moll op. 64 von Peter Tschaikowsky mit Teodor Currentzis und dem SWR Symphonieorchester in der Liederhalle Stuttgart auf dem Programm.

Teodor Currentzis ist seit Beginn der Spielzeit 2018/19 der erste Chefdirigent des neuen SWR Symphonieorchesters. Er zählt zu den vielseitigsten Dirigenten seiner Generation. Sein Repertoire umfasst mit Werken von der Barockzeit bis zur Avantgarde sämtliche Epochen.

Tschaikowsky versah seine drei letzten Sinfonien mit persönlichen Kommentaren. Wie bereits bei der Vierten stellt er auch seiner Fünften Sinfonie ein tönendes Signum des Schicksals voran, das alle vier Sätze durchzieht.

Gleich zu Beginn intonieren die Klarinetten das fahle Schicksalsmotiv, das in immer neuen Gestalten daran erinnert, dass die Geschicke des Individuums im Buch des Lebens und des Todes längst festgeschrieben sind. Ein unausweichliches Schicksal, vor dem es kein Entrinnen gibt.

Und wenn der Komponist im Finale nicht von der Stelle kommt, was Kritiker ihm gelegentlich ankreiden, dann ist das kein Unvermögen, sondern der kongeniale Ausdruck dieses fatalistischen Gefangenseins, von dem diese Sinfonie erzählt.

Samstag, 04.04. / 21.55 Uhr / Mythos in Gold – 150 Jahre Musikverein Wien
Film von Felix Breisach

Sprecher: Mercedes Echerer
(Erstsendung: 01.01.2020)

Am 6. Januar 1870 wurde das Musikvereinsgebäude in Wien feierlich eröffnet. Es erlangte durch die Fernsehübertragungen des Neujahrskonzerts der Wiener Philharmoniker weltweite Berühmtheit.

Thomas Angyan, langjähriger Intendant der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, führt durch „sein Haus“ und erinnert – neben der spannenden Geschichte – an Musiker wie Johannes Brahms, Anton Bruckner, Gustav Mahler, Herbert von Karajan und Leonard Bernstein.

Prominente Künstler wie Cecilia Bartoli, Piotr Beczala, Anne-Sophie Mutter, Anna Netrebko sowie die Dirigenten Mariss Jansons und Zubin Mehta sind bei Proben unter anderem mit den Wiener Philharmonikern zu erleben und erzählen über den Zauber des Hauses und seine phänomenale Akustik.

Daneben wirft der Film einen Blick in das hauseigene, zu den bedeutendsten Sammlungen der Welt zählende Archiv, in dem Archivchef und Musikwissenschaftler Dr. Otto Biba über Noten-Schätze von Mozart, Beethoven, Brahms und Bruckner genauso wacht wie über ein eher unheimliches Artefakt – den Totenschädel von Joseph Haydn.

Mit der Errichtung des Musikvereinsgebäudes hatte die 1812 gegründete Gesellschaft der Musikfreunde in Wien ihre „Wanderjahre“ durch die Wiener Konzertsäle zwischen „Rotem Igel“ und „Spanischer Hofreitschule“ endgültig hinter sich gelassen.

Die finanzielle Lage der Gesellschaft war durch die Erbschaften wie die von Carl Czerny oder diverse Zuwendungen wie die von Nikolaus Dumba und Gustav Epstein gut abgesichert. Nach achtjähriger Planungs- und Bauzeit durch den Architekten Theophil Hansen konnte der Wiener Musikverein am 6. Januar 1870 feierlich eröffnet werden. 

Samstag, 04.04. / 23:25 Uhr / The Artist
Spielfilm, Frankreich 2011
3sat

George Valentin: Jean Dujardin
Al Zimmer: John Goodman
Peppy Miller: Bérénice Bejo
Clifton: James Cromwell
Doris: Penelope Ann Miller

Regie: Michel Hazanavicius
Länge: 97 Minuten

George Valentin ist der Superstar des Hollywoodkinos der Stummfilmzeit in den 1920er-Jahren. Ihm fliegen die Herzen des Publikums zu, doch die Einführung des Tonfilms beendet seinen Höhenflug.

Das in Schwarz-Weiß gehaltene Melodrama in Stummfilm-Manier gewann fünf Oscars: als bester Film, für die beste Regie, den besten Hauptdarsteller, die beste Filmmusik sowie das beste Kostümdesign.

Der weltmännische Schauspieler und Tänzer George Valentin genießt seinen Ruhm, den er stilgereicht zu zelebrieren weiß, und entdeckt wie im Vorbeigehen das Talent der jungen Statistin Peppy Miller. Doch der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm kehrt die Rollen schnell um.
Denn der Tonfilm erfordert von beiden Künstlern einen immensen Tribut und vor allem Flexibilität. Während die neue Technik der anpassungsfähigen Peppy zum absoluten Durchbruch verhilft und aus dem Sternchen einen gefeierten Kinostar macht, verkennt George die Zeichen der Zeit und gerät in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale.

Sonntag, 05.04. / 10:55 Uhr / Die Seele der Geige
(VPS 10.54)
Film von Benedikt Schulte
(Erstsendung: 18.11.2018)
ARD/BR

Die Liebe seines Lebens ist aus Holz und über 300 Jahre alt: Die Stradivari „Lady Inchiquin“ ist die Stimme des Stargeigers Frank Peter Zimmermann.

Doch zwei Jahre musste er auf das Sechs-Millionen-Instrument durch die Insolvenz der Eigentümerin, der WestLB, verzichten. Der Dokumentarfilm begleitet den Geiger bei der Wiederannäherung an seine verloren geglaubte Liebe, seine ureigene Stimme.

Wie aber entsteht eine solche Stimme, wie erschafft man den perfekten Klang? Der Geigenbauer Martin Schleske, ein „Stradivari des 21. Jahrhunderts“, bezeichnet seine Werke als „Klangskulptur“. Für ihn ist es eine existenzielle Erfahrung, wenn aus einem Baum eine Geige, aus Material schließlich Musik werden darf. Was ist die Seele der Geige? Liegt sie im Holz? Ist es das Handwerk? Oder lässt sie der Geiger im Konzertsaal immer wieder neu entstehen?

Eng verwoben erzählen beide Geschichten vom Suchen und Finden des perfekten Klangs.

Sonntag, 05.04. / 11:45 Uhr / Kathedralen der Kultur (3/3): Die Berliner Philharmonie
(VPS: 11:55 Uhr)
Film von Wim Wenders
(Erstsendung: 05.06.2016)
ARD/RBB

Anfang der 1960er-Jahre standen sich am Potsdamer Platz zwei Bauwerke als konkurrierende Visionen für die Zukunft gegenüber: die Berliner Philharmonie und die Berliner Mauer.

Die Philharmonie galt als Zeichen der Offenheit und des Aufbruchs, die Berliner Mauer als Symbol der Angst und Unterdrückung. Ein halbes Jahrhundert später steht dort nur noch Hans Scharouns legendäre Philharmonie, eine atemberaubende Ikone der Moderne.

In Wim Wenders‘ Filmporträt „Die Berliner Philharmonie“ erlebt der Zuschauer das Gebäude durch die Augen etlicher Besucher und Mitarbeiter, die alle auf ihre Art tief mit ihm verbunden sind, und lauscht den Orchesterproben im Konzertsaal, wo Scharoun die Bühne radikal neu erfand, indem er es wagte, sie mitten im Publikum zu platzieren.

Die Dokumentation erlaubt Blicke und Einblicke in das Innenleben des legendären Hauses. Debussys letztes großes Orchesterwerk „Jeux“ bildet den Soundtrack für die bis heute wegweisende Architektur der Philharmonie.

Sonntag, 05.04. / 12:30 Uhr / Druckfrisch ~ Neue Bücher mit Denis Scheck
(Erstsendung: 29.03.2020)
ARD/NDR

Orientierung im Bücherdschungel verspricht Denis Scheck. Scheck besucht Schriftsteller, stellt Neuerscheinungen vor und spart dabei weder an Lob, noch an Kritik.

Seine bissigen und humorvollen Kommentare zu den Büchern der Spiegelbestenliste aus der Kölner Bücherhalle sind beliebt und gefürchtet. Im persönlichen Gespräch entlockt er Autoren aktueller Bestseller interessante Hintergründe zu ihren Werken.

Sonntag, 05.04. / 18:30 Uhr / Museums-Check mit Markus Brock: Gemäldegalerie Alte Meister, Dresden
Gast: Ingo Schulze
Erstausstrahlung
ARD/SWR/3sat

Nach mehrjähriger Sanierung erstrahlt die Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden in neuem Glanz. Hier hängen Raffaels „Sixtinische Madonna“, Werke von Rubens, Rembrandt und Vermeer.

Zum „Museums-Check“ begrüßt Markus Brock den Schriftsteller Ingo Schulze. Geboren in Dresden, kennt Ingo Schulze die Gemäldegalerie gut. Welche Inspirationen der bekennende Kunstliebhaber in Museen für seine Bücher findet, verrät er Markus Brock beim Rundgang.

Begonnen hat Ingo Schulze seine Karriere als Dramaturg und Journalist. Nach der Wende ließ er sich in Berlin als freier Autor nieder. Gleich sein Debütroman „Simple Storys“ (1998) über das wiedervereinigte Deutschland wurde ein Bestseller. Heute ist er einer der bekanntesten deutschen Schriftsteller.

In den prunkvollen Ausstellungsräumen erwarten Ingo Schulze und Markus Brock zahlreiche Ikonen der Kunstgeschichte: etwa Rubens‘ „Leda mit dem Schwan“, Giorgiones „Schlummernde Venus“ und Liotards „Schokoladenmädchen“. Insgesamt rund 3800 Werke umfasst die herausragende Sammlung, deren Anfänge bis in die Kunstkammer der sächsischen Kurfürsten im 16. Jahrhundert zurückreichen.

Öffentlich präsentiert wurde sie ab 1747, zunächst im kurfürstlichen Stallgebäude. Goethe schrieb nach seinem Besuch hier begeistert: „Ich trat in dieses Heiligtum, und meine Verwunderung überstieg jeden Begriff, den ich mir gemacht hatte.“ Im 19. Jahrhundert wurde der Architekt Gottfried Semper mit einem eigenen Museumsbau beauftragt. 1855 eröffnete dann die Galerie am Zwinger als damals hochmodernes Museum.

Für die Wiedereröffnung im Februar 2020 wurden die Wände mit farbigen Stoffbahnen neu bespannt und die Dauerausstellung komplett neu konzipiert. Sie rückt die Wechselwirkung zwischen Malerei und Plastik stärker in den Fokus. Bronzen und Skulpturen aus Renaissance und Barock werden den Gemälden gegenübergestellt. Ein weiteres Highlight ist die bedeutende Antikensammlung in der großen Osthalle des Museums.

Sonntag, 05.04. / 19:10 Uhr / Graffiti: Von der Mauer ins Museum
Film von Katharina Deuber
(aus der Reihe „NZZ Format“)
(Erstsendung: 06.06.2019)
SRF

Graffiti: Was für die einen Vandalismus ist, sehen andere als Kunstform, mit der viel Geld verdient wird. „NZZ Format“ über Vandalismus, Kunst und eine Subkultur auf dem Weg zum Mainstream.

Ende der 1960er-Jahre begannen Jugendliche, New Yorks Hauswände und U-Bahnen flächendeckend mit ihren Tags zu überziehen. Heute sind die Wandmalereien ein gutes Geschäft. Berühmtestes Beispiel ist das bis heute unerkannte Sprayer-Phantom Banksy.

Seine Bilder erzielen Höchstpreise und ziehen die mediale Aufmerksamkeit auf sich, wie zuletzt das „Girl with Balloon“, das sich öffentlichkeitswirksam nach seiner Versteigerung selbst schredderte. Mittlerweile hängt das Werk in einem Museum. Graffiti oder Street Art, gesprayte Namen oder aufwendige Wandbilder sind in den meisten Städten längst Teil des urbanen Lebensgefühls.

Immer mehr Metropolen stellen den Sprayern daher auch legale Flächen zur Verfügung. Denn ein Kampf gegen die Sprayer erwies sich vielfach als Kampf gegen Windmühlen. Eine Erfahrung, die auch Reykjavik gemacht hat, das zur ersten „graffitifreien“ Stadt werden wollte und damit grandios gescheitert ist.

Montag, 06.04. / 06:00 Uhr / Can Can und Champagner – Das Moulin Rouge
Film von Susanne Freitag
(Erstsendung: 18.05.2015)
3sat

Das „Moulin Rouge“ ist das wohl bekannteste Revuetheater der Welt. 1889 gegründet, galt es zunächst als frivole und unschickliche Lasterhöhle, in der sich die Pariser Bohème traf.

Heute ist es ein knallhart durchstrukturiertes Unternehmen: 400 Mitarbeiter bereiten täglich das Amüsierprogramm vor, 1700 Gäste kommen jeden Abend, das Theater gilt als größter Champagner-Konsument ganz Frankreichs.

In eigenen Werkstätten werden Schuhe gefertigt, die Federräder und Kostüme genäht. Größe und Gewicht der Tänzerinnen sind vorgeschrieben – nur so lässt sich der perfekte Can Can tanzen, der das „Moulin Rouge“ weltberühmt machte.

Freitag, 10.04. (Karfreitag) / 09:05 Uhr / Johann Sebastian Bach: Messe in h-Moll / 3sat
Konzert in der Nürnberger St. Lorenzkirche
Chor: Chor des Bayerischen Rundfunks
Orchester: Originalklangensemble Concerto Köln
Musikalische Leitung: Peter Dijkstra
(Erstsendung: 02.04.2017)
ARD/BR

3sat zeigt Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe in einer besonderen, farbenreichen, virtuosen und spannend ins Bild gesetzten Interpretation.

Peter Dijkstra leitet die Aufführung in der Nürnberger St. Lorenzkirche mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks, dem Originalklangensemble Concerto Köln und den Solisten Christina Landshamer, Anke Vondung, Maximilian Schmitt und Andreas Wolf.

Obwohl Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe für den lutherischen Gottesdienst nicht vorgesehen war und vom Komponisten aus Werken verschiedener Schaffensperioden zusammengestellt wurde, ist sie doch eines der größten Meisterwerke der Musikgeschichte. Auf besonders berührende Weise drückt sie den ewig-menschlichen Zukunftswunsch aus, der in jeder Messe formuliert wird: dass Himmel und Erde, Gott und die Menschen in Einklang kommen.

Der Chor des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Peter Dijkstra hat die h-Moll-Messe zusammen mit dem Originalklangensemble Concerto Köln in der gotischen St. Lorenzkirche Nürnberg aufgeführt. Die Solisten sind Christina Landshamer, Sopran, Anke Vondung, Alt, Maximilian Schmitt, Tenor, und Andreas Wolf, Bass. Mit einer differenzierten Lichtregie, der Einbeziehung von Detailaufnahmen markanter Kunstwerke aus der Lorenzkirche sowie einer wechselnden räumlichen Anordnung der Mitwirkenden – für die szenische Gestaltung zeichnet Folkert Uhde, für die Fernsehregie Elisabeth Malzer verantwortlich – geht diese Produktion über hergebrachte Konzertdarbietungen weit hinaus.

So erstrahlt der Kirchenraum im „Credo“ erstmals in voller Höhe und in vollem Glanz, während das Licht im folgenden Teil nach und nach schwindet: Das „Cruzifixus“ wirkt irdisch und schwer. Mit jedem Paukeneinsatz des Schlusschores „Dona nobis Pacem“ kehrt das Licht zurück, bis die Kirche am Ende wieder in aller Schönheit und Feierlichkeit erstrahlt.


Samstag, 11.04. / 10:10 Uhr / Fidelio
Spielfilm, Österreich 1955
ORF
Leonore/Fidelio: Claude Nollier
Florestan: Richard Holm
Rocco: Georg Wieter
Marcelline: Sonja Schöner
Pizarro: Hannes Schiel
Regie: Walter Felsenstein
Länge: 85 Minuten

Florestan, spanischer Edelmann, schmachtet seit Jahren im Kerker des Staatsgefängnisses, in das er durch seinen politischen Gegner, Gouverneur Pizarro, heimlich verschleppt wurde.

Für das Volk ist Florestan tot, aber seine treue Gemahlin Leonore ahnt die Wahrheit. Sie schleicht sich in Männerkleidern in das Gefängnis ein und gewinnt das Vertrauen des Kerkermeisters Rocco, der sie unter dem Namen „Fidelio“ als Gehilfen beschäftigt.

Walter Felsenstein, der langjährige Intendant der Ostberliner Komischen Oper und Reformer des internationalen Musiktheaters, legte mit „Fidelio“ seinen ersten großen Opernfilm vor. Ihm gelang eine intelligente und opulente und zugleich sozialkritische Verfilmung von Ludwig van Beethovens einziger Oper.

Samstag, 11.04. / 11:35 Uhr / Don Juan
Opernfilm, Österreich 1955
ORF

Don Juan: Cesare Danova
Leporello: Josef Meinrad
Donna Anna: Marianne Schönauer
Donna Elvira: Lotte Tobisch
Masetto: Hans von Borsody

Literarische Vorlage: W. A. Mozarts „Don Giovanni“
Orchester: Wiener Symphoniker
Musikalische Leitung: Bernhard Paumgartner
Regie: Walter Kolm-Veltée
Länge: 82 Minuten

Don Juan kommt in eine spanische Stadt und wird sofort in amouröse Abenteuer verwickelt. Während er nach Liebesaffären sucht, begegnet er der schönen Donna Anna, der Tochter des Kommandanten.

Sie hält den maskierten Kavalier aufgrund dessen Körpergröße und Kleidung für Don Octavio. – Der österreichische Regisseur Walter Kolm-Veltée verwandelte Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Don Giovanni“ 1955 in den grandiosen Opernfilm „Don Juan“.

Der Hauptdarsteller Cesare Danova machte später in Amerika Karriere und spielte in Reihen wie „Bonanza“ und „Drei Engel für Charly“. Seinen Diener Leporello stellte der unvergessene Josef Meinrad dar.

Samstag, 11.04. / 19:20 Uhr / Effi Briest oder die Elastizität des Herzens
Film von Norbert Busè
(Erstsendung: 07.12.2019)
3sat

2019 war Fontane-Jahr. Am 30. Dezember wurde der 200. Geburtstag des Dichters gefeiert, der den realistischen Roman in Deutschland etablierte. Sein wohl bekanntestes Werk ist „Effi Briest“.

Es wurde fünfmal verfilmt, so oft wie kein anderer deutschsprachiger Roman. Die Dokumentation zeigt, wie Fontane mit Effi eine emblematische Frauenfigur erschaffen hat, die wohl auch in Zukunft keine Generation ganz unberührt lassen wird.

Mehrere Generationen haben Effi durch die unterschiedlichen Verfilmungen kennengelernt. Was erzählen diese Verfilmungen über das jeweilige historische Frauenbild?

Längst ist „Effi Briest“ Teil unseres kulturellen Erbes geworden. Wie ist Fontanes eigene Haltung zu ihr, warum beschäftigte sie ihn so? Kann man den Dichter mit der Liebe zu den ausdifferenzierten Frauenfiguren vielleicht sogar als einen frühen Wegbereiter weiblicher Emanzipationsbemühungen verstehen?

Die erste „Effi Briest“-Verfilmung fiel in die Zeit des Nationalsozialismus: Gustav Gründgens inszenierte den Stoff 1939 in seinem Privatschloss in Zeesen mit seiner Frau Marianne Hoppe in der Hauptrolle. Die nächste „Leinwand-Effi“ ist eine der Wirtschaftswunderzeit. Auf dem Rittergut Besenhausen setzte Regisseur Rudolf Jugert 1955 die junge Ruth Leuwerik in „Rosen im Herbst“ in Szene. Ende der 1960er-Jahre widmeten sich in der DDR die DEFA-Studios dem Stoff, in der Hauptrolle Angelika Domröse. 1974 spielte Hanna Schygulla Effi, Regie führte Rainer Werner Fassbinder. Drehort war Schloss Bredeneek in Norddeutschland. Schließlich die jüngste Verfilmung: Hermine Huntgeburth inszeniert Effi Briest auf Schloss Marquardt bei Potsdam. Die Effi von 2009, dargestellt von Julia Jentsch, erlebt auf der Leinwand sowohl Vergewaltigung als auch sexuelle Erfüllung.

Fünfmal „Effi Briest“ – und eine spannende Zeitreise zu den ehemaligen Drehorten, mit Filmausschnitten und Dokumenten, die das jeweilige Frauenbild widerspiegeln. Expertinnen begleiten diese filmische Reise. Darunter die Leiterin des Potsdamer Filmmuseums Ursula von Keitz, die sich intensiv mit den Effi-Filmen beschäftigt hat. Die junge Dresdner Historikerin Jessica Bock erklärt, warum die spezifischen Rollenbesetzungen so viel über das jeweils herrschende Frauenbild preisgeben. Die Lyrikerin Nora Gomringer schwärmt von ihrer Lieblingsverfilmung des Effi-Stoffes, und in der noch unglaublich gut erhaltenen Fontane-Apotheke erklärt Regina Dieterle, die Zürcher Biografin Fontanes, warum der Dichter immer schon einen besonderen Zugang zu Frauen hatte.

Nach dem Fontane-Jahr mit seinen unzähligen Veranstaltungen wird es wieder ruhiger um den Schriftsteller werden. Ganz sicher aber wird es in der nächsten Generation eine sechste Effi-Verfilmung geben. Die Dokumentation verrät, warum.

Samstag, 11.04. / 20:15 Uhr / Der Messias
Mozartwoche 2020
Im Haus für Mozart, Salzburg

Mit Elena Tsallagova (Sopran), Wiebke Lehmkuhl (Alt), Richard Croft (Tenor), José Coca Loza (Bass), Alexis Fousekis (Tänzer) u.a.

Kostüme: Carlos Soto
Chor: Philharmonia Chor Wien
Orchester: Les Musiciens du Louvre
Musikalische Leitung: Marc Minkowski
Regie: Robert Wilson

Erstausstrahlung
ORF/3sat

2020 eröffnete die Mozartwoche der Stiftung Mozarteum in Salzburg mit der Premiere von Händels „Der Messias“ in der Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozart.

Mozart hat dafür vor allem die Bläserstimmen bearbeitet und zum Teil neu komponiert. Bildermagier Robert Wilson führte Regie im Haus für Mozart in Salzburg, die musikalische Umsetzung lag bei Marc Minkowski und seinen „Les Musiciens du Louvre“.

Für den künstlerischen Leiter, Rolando Villazón, ist es die dritte Mozartwoche, die er geplant hat. Mit dem Wunsch, ausschließlich Musik von Wolfgang Amadeus Mozart zu spielen, ist Villazón im Jahr 2017 als Intendant der Mozartwoche Salzburg angetreten. Das beinhaltet für ihn aber auch Bearbeitungen Mozarts, die im Original von anderen Komponisten stammen, wie zum Beispiel Georg Friedrich Händels „Messias“.

Sonntag, 12.04. (Ostersonntag) / 07:00 Uhr / Klingende Oster-Glocken
Geschichten aus Berlin und Brandenburg
Film von Margarethe Steinhausen
(Erstsendung: 30.03.2013)
ARD/RBB

Das älteste Musikinstrument der Welt erklingt zwischen Himmel und Erde: die Glocke. Seit Jahrhunderten hat ihr Läuten den Tag vom Morgen bis zum Abend strukturiert.

Der Film unternimmt eine klingende Rundreise: von der traditionsreichen Arbeit der Glockengießer über die Rekonstruktion eines Pilgerwegs anhand von Glockenzeichen bis zum bedeutenden Berliner Großgeläut im Dom.

Glocken mahnen zum Innehalten, rufen die Gläubigen zum Gottesdienst und tragen Gebete zum Himmel. An Ostern verkünden die Glocken nach zweitägigem Schweigen die Auferstehung Christi. Aber auch kirchenferne Menschen lassen sich vom Glockenspiel anrühren: zum Beispiel vom Klang der Berliner Freiheitsglocke oder dem Carillon im Berliner Tiergarten.

Sonntag, 12.04. (Ostersonntag) / 09:05 Uhr / Daniel Harding dirigiert Mahlers Auferstehungssymphonie

Mit Okka von der Damerau (Mezzosopran) und Katharina Konradi (Sopran)

Orchester: Symphonieorchester des, Bayerischen Rundfunks
Musikalische Leitung: Daniel Harding
Erstausstrahlung
ARD/BR/3sat

Zum Auftakt der Saison 2019/20 spielte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO) ein monumentales Werk: die Symphonie Nr. 2 von Gustav Mahler, die „Auferstehungssymphonie“.

Zusammen mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks boten die Musiker des BRSO alle vokalsymphonischen Kräfte auf, um Mahlers Werk zu einem überwältigenden Klangerlebnis zu machen. Der Brite Daniel Harding dirigierte die vereinten Kollektive durch Mahlers Klangkosmos.

In seiner 2. Symphonie von 1895 spannt Mahler einen fünfsätzigen Bogen von der Totenfeier bis zur Auferstehung. Erstmals bezieht er im vierten Satz die menschliche Stimme in sein symphonisches Konzept ein – mit dem magischen „Urlicht“ aus „Des Knaben Wunderhorn“. Hier tritt die Mezzosopranistin Okka von der Damerau auf den Plan, zu der im großen Chor-Finale noch die Sopranistin Katharina Konradi stößt. In grandioser Steigerung intonieren alle gemeinsam die erlösende Schluss-Apotheose nach der Klopstock-Ode „Aufersteh’n, ja aufersteh’n wirst du, mein Staub, nach kurzer Ruh!“

Montag, 13.04. (Ostermontag) / 09:15 Uhr / Cavalleria rusticana
Melodram in einem Akt von Pietro Mascagni
Großes Festspielhaus, Osterfestspiele Salzburg 2015
ORF

Santuzza: Liudmyla Monastyrska
Turiddu: Jonas Kaufmann
Lucia: Stefania Toczyska
Alfio: Ambrogio Maestri
Lola: Annalisa Stroppa

Libretto: Giovanni Targioni-Tozzetti, Guido Menasci
Bühnenbild: Philipp Stölzl
Kostüme: Ursula Kudrna
Chor: Sächsischer Staatsopernchor, Salzburger Bachchor, Theater Kinderchor
Orchester: Sächsische Staatskapelle, Dresden
Musikalische Leitung: Christian Thielemann
Inszenierung: Philipp Stölzl

Zum ersten Mal stand bei den Osterfestspielen Salzburg 2015 die veristische Oper „Cavalleria rusticana“ von Pietro Mascagni mit Startenor Jonas Kaufmann auf dem Spielplan.

Der bekannte Tenor kehrt – nach seinem Don José in „Carmen“ 2012 – als Turiddu in „Cavalleria rusticana“ zu den Osterfestspielen Salzburg zurück. Verdichtet auf 75 hoch emotionale und dramatische Minuten, entwickelt Pietro Mascagnis Musik einen mitreißenden Sog.

Unverstellte, rustikale Leidenschaft wollte Pietro Mascagni auf der Bühne sehen, weshalb er die Ränke seiner „Cavalleria“ nicht bei einer adligen Elite, sondern in einem einfachen Milieu spielen lässt. Damit prägte er die italienische Stilrichtung „Verismo“, die die Gefühle des einfachen Volkes ins Theater brachte.

Die Inszenierung und die Gestaltung des Bühnenbilds hat der Regisseur Philipp Stölzl übernommen. Er wählt eine filmische Erzählweise mit emotionalen Nahaufnahmen und Parallelmontagen für seine Inszenierung der „Cavalleria rusticana“ und siedelt die Oper in der Welt der Arbeiter im Italien der 1920er-Jahre an.

Die künstlerische Bandbreite von Regisseur Philipp Stölzl ist enorm: Sie reicht von Musikvideos für Rammstein, Madonna und Luciano Pavarotti bis zu Kino-Blockbustern wie der Noah-Gordon-Verfilmung „Der Medicus“ (2013).

Die Osterfestspiele Salzburg wurden 1967 von Herbert von Karajan gegründet. Seit 2013 leitet Christian Thielemann mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden das Festival.


Samstag, 18.04. / 19:20 Uhr / Mythos Suhrkamp (1/2): Die Republik – ihre Diskurse – ihr Verlag
Film von Sigfried Ressel
(Erstsendung: 31.08.2019)
3sat

Suhrkamp-Autoren begleiten seit der Verlagsgründung 1950 die Geschicke beider deutscher Republiken. Verlagsgeschichte und deutsche Geschichte sind eng verwoben.

Suhrkamp versammelt unter seinem Dach die wichtigsten Intellektuellen aus West und Ost. Sie stoßen wichtige Debatten an und prägen das geistig-kulturelle Leben. Vor allem die Diskurse zur geistigen Erneuerung Nachkriegsdeutschlands gehen von Suhrkamp aus.

Gleich zu Beginn steht die schwierige und konfliktvolle Frage nach der Aufarbeitung des Zivilisationsbruchs durch Nazideutschland, verbunden mit der Suche nach einer neuen Positionierung. Die intellektuellen Reflektionen über die deutsche Teilung, den Kalten Krieg oder die Wiederbewaffnung. Der Generationskonflikt um „68“, der die Frage nach der Schuld der Väter stellt und in Gewalt eskaliert. Immer wieder sind es Suhrkamp-Autoren, die politische und gesellschaftliche Fragen aufwerfen und diskutieren. Konstante des Verlagsprogramms ist auch die Bewahrung jüdisch-deutschen Geisteslebens. Und der Blick über die Mauer durch die Herausgabe der Texte vieler wichtiger DDR-Autoren.

Wie kein anderer Verlag prägte Suhrkamp die deutsche Nachkriegskultur. Der Gründer Peter Suhrkamp und sein Nachfolger Siegfried Unseld bauten eine Institution auf, die ihresgleichen sucht: die ideale personelle Konstellation aus engagierten, kenntnisreichen Lektoren und den wichtigsten deutschsprachigen Autoren, die zu Teilen auch als Herausgeber und Berater für den Verlag tätig waren, schuf die „Suhrkamp Kultur“. Kernstück dieser Kultur war die Taschenbuchreihe „edition suhrkamp“, die Unseld gemeinsam mit dem Designer Willy Fleckhaus „erfand“. Hier kamen auf einzigartige Weise Inhalt und Ästhetik zusammen: In der regenbogenfarbigen Taschenbuchreihe wurden Texte aus Literatur, Geisteswissenschaft, Theorie, Philosophie und Theaterstücke unter einem Dach herausgegeben.

Herausragend für dieses Crossover stehen Namen wie Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas, Hans Magnus Enzensberger, Max Frisch, Martin Walser, Friederike Mayröcker, Thomas Bernhard, Volker Braun, Ulrich Plenzdorf, Hans Mayer, Uwe Johnson, Ralf Rothmann, Thomas Hettche, Rainald Goetz, Angela Krauß, Durs Grünbein, Ingeborg Bachmann, Peter Bichsel und Ulla Berkéwicz – um nur einige wenige zu nennen. Die Gesamtausgaben von Bertolt Brecht, Theodor W. Adorno, Georg Wilhelm Friedrich Hegel oder Walter Benjamin sind beispiellose editorische Leistungen. Diese intellektuelle Wucht bildet naturgemäß die Entwicklung der deutschen Nachkriegskultur spiegelbildlich ab, mehr noch: Der Verlag prägte diese in seinen besten Zeiten argumentativ und meinungsbildend.

Die Verlagsgeschichte ist durchwoben von Legenden und Diskursen, die Aufsehen erregten und/oder gesellschaftliche Umbrüche versinnbildlichten. Da gibt es zum Beispiel den sogenannten Lektorenaufstand von 1968 in dem – ganz Zeitgeist – vom Patriarchen Unseld die Vergesellschaftung des Verlages gefordert wurde, die Einladung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt an Siegfried Unseld und Max Frisch zum Meinungsaustausch auf dem zeitlichen Höhepunkt des Deutschen Herbstes von 1978, den auf publizistischer Ebene ausgefochtenen Historikerstreit zwischen Nolte und Habermas, die prophetische und gleichwohl umstrittene Hinterfragung der deutschen Teilung durch Martin Walser in den 1980er-Jahren sowie dessen öffentliche Selbstbefragung zu Auschwitz in seiner Rede in der Paulskirche 1998, die in seiner Umstrittenheit
wiederum verdeutlichte, dass sich der Ungeheuerlichkeit des Holocausts immer wieder neu zu stellen ist.

In idealer Weise bot der Suhrkamp Verlag eine kommunikative analoge Plattform, auf der Autoren, Theoretiker, Literaten, Stückeschreiber, Lyriker, Wissenschaftler und Publizisten mit den Lesern in Dialog getreten sind. Dieses Zwiegespräch ebbt mit dem Schwinden der Funktion des Intellektuellen in der Gesellschaft ab; die öffentlichen tiefgreifenden intellektuellen Diskurse bleiben zunehmend aus. Kurzatmiges Twittern ist heute angesagt. Interessanterweise wird dieser Prozess relativ zeitnah mit dem Tod von Siegfried Unseld 2002 zunehmend spürbar.

Auf alle Fälle bleibt der „Mythos Suhrkamp“. Um ihn neu zu entdecken, sammelt die zweiteilige Dokumentation Reflektionen, Stimmen und Geschichten von ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, die aus verschiedensten Perspektiven etwas zu Suhrkamp zu sagen haben: die Autoren Angela Krauß, Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Ralf Rothmann, Peter Bichsel, Volker Braun und Durs Grünbein, die Lektoren Rudolf Rach, Karlheinz Braun und Thorsten Ahrend sowie die Literaturwissenschaftler Thedel von Wallmoden, Jan Bürger und Jörg Magenau. Komplettiert wird diese filmische Suche nach dem „Mythos Suhrkamp“ durch Fernseh-Archivschätze aus vier Jahrzehnten.

Redaktionshinweis: Die Dokumentation „Mythos Suhrkamp“ zeigt 3sat zum 70-jährigen Bestehen des Verlages. Den zweiten Teil strahlt 3sat am Samstag, 25. April, um 19.20 Uhr aus.

Samstag, 18.04. / 20:15 Uhr / Klassik am See – A Tribute to John Williams
Open Air Konzert der Deutschen Radio Philharmonie unter der Leitung von Pietari Inkinen

Mit Asya Fateyeva (Saxofon), Stefanie Mirwald (Akkordeon), Ermir Abeshi (Violine) und Mario Blaumer (Violoncello)

(Erstsendung: 13.10.2019)
ARD/SR

Die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) widmet diesmal dem begnadeten Komponisten John Williams das Klassik-Open-Air-Konzert vor der beeindruckenden Kulisse des Losheimer Stausees im Saarland.

Unter der Leitung von Chefdirigent Pietari Inkinen spielt die DRP unter anderem Filmmusiken aus „Schindlers Liste“, „Der Duft der Frauen“, „Superman“ und „Jurassic Park“ und nimmt das Publikum mit auf eine Reise durch die Welt der großen Kinofilme und großen Emotionen.

Vom „Weißen Hai“ bis zu „Harry Potter“, von „Star Wars“ bis zu „Indiana Jones“ – die populärsten Filmmusiken der Welt stammen aus der Feder von John Williams.

Beim Publikum ist die Veranstaltung Kult und seit vielen Jahren ein beliebter Abschluss der DRP-Konzertsaison: „SR Klassik am See“. Das Klassik-Open-Air-Konzert am Losheimer Stausee fand 2019 bereits zum 23. Mal statt.

Samstag, 18.04. / 21:45 Uhr / Die Geträumten
Dokumentarfilm von Ruth Beckermann, Österreich 2016
Länge: 89 Minuten
ORF

Liebe und Hass, richtige und falsche Worte: Im Zentrum des Dokumentarfilmes steht der Briefwechsel Ingeborg Bachmanns und Paul Celans, die sich im Nachkriegs-Wien kennengelernt haben.

Zwei junge Schauspieler treffen einander in einem Tonstudio, um daraus zu lesen. Die dramatisch schwankenden Gefühle der Briefe – zwischen Rausch und Verlustangst, Entzücken und Erschrecken, Nähe und Fremdheit – gehen auf sie über.

Aber sie amüsieren sich auch, streiten, rauchen, reden über Tattoos und Musik. Ob die Liebe damals oder die Liebe heute, ob Inszenierung oder historische Realität: Wo diese Ebenen verschwimmen, da schlägt das Herz dieses Films.

Redaktionshinweis: Mit „Die Geträumten“ erinnert 3sat an den Lyriker Paul Celan, einer der prominentesten Vertreter der deutschen Holocaust-Literatur, dessen Todestag sich am 20. April zum 50. Mal jährt.

Sonntag, 19.04. / 09:05 Uhr / Die Befreite: Was Simone de Beauvoir wirklich wollte
(aus der SRF-Gesprächsreihe „Sternstunde Philosophie“)
(Erstsendung: 10.11.2019)
SRF

Feministische Vordenkerin, Ikone des Existentialismus: Simone de Beauvoir ist die wohl einflussreichste Intellektuelle des 20. Jahrhunderts. Doch ihr Werk und Leben wurde missverstanden.

Das sagt die Philosophin Kate Kirkpatrick und legt dar, warum es Simone de Beauvoir neu zu entdecken gilt. „Man wird nicht als Frau geboren, man wird zu ihr gemacht“, so lautet einer der Kernsätze aus Simone de Beauvoirs Werk „Das andere Geschlecht“.

1949 erschienen, markiert dieses Buch einen Meilenstein in der Geschichte des Feminismus und machte seine Autorin endgültig zu einer globalen Kultgestalt.

Doch bereits zuvor war Simone de Beauvoir als Lebens- und Denkgefährtin von Jean-Paul Sartre zur Ikone eines neuen, freiheitssehnenden Lebensentwurfes geworden, der in der Denkströmung des Existentialismus seine gedankliche Rechtfertigung fand.

In ihrem jüngst erschienenen Buch „Becoming Beauvoir“ legt die britische Philosophin Kate Kirkpatrick nun Aspekte in de Beauvoirs Biografie frei, die zu einem neuen Verständnis des Existentialismus führen – wie auch zur Neubewertung von Simone de Beauvoirs Lebensweg, der im 20. Jahrhundert unser Bild einer öffentlichen Intellektuellen maßgeblich geprägt hat.

Im Gespräch mit Wolfram Eilenberger erklärt Kate Kirkpatrick, weshalb Simone de Beauvoir insbesondere als Philosophin bis heute eigentlich erst entdeckt werden muss.

Sonntag, 19.04. / 10:00 Uhr / Romy 2020 – Der österreichische Film- und Fernsehpreis
(Erstsendung: 18.04.2020)
ORF

Jährlich versammeln sich Publikumslieblinge, Stars, Glanz und Glamour in der Wiener Hofburg zur Verleihung des österreichischen Film- und Fernsehpreises Romy.

Die begehrten Trophäen, deren Gestalt der Schauspiel-Schönheit Romy Schneider nachempfunden sind, werden im Jahr 2020 zum 31. Mal vergeben. 30 Nominierte in sechs Kategorien stehen zur Abstimmung – sie wurden im „Grand Hotel Wien“ der Öffentlichkeit präsentiert.

Die sechs Kategorien sind: „Beliebteste Schauspielerin/Beliebtester Schauspieler Kino/TV-Film“, „Beliebteste Schauspielerin/Beliebtester Schauspieler Serie/Reihe“ sowie „Information“ und „Show/ Unterhaltung“. Daneben vergibt die Jury zahlreiche Sonderpreise und die Romy-Akademie-Preise. Wer am Ende des glanzvollen Abends mit einer der begehrten Romy-Statuetten nach Hause gehen darf, bestimmt das Publikum.

Auch 2020 sind wieder einige Nominierte zum ersten Mal auf der begehrten Liste zu finden. Dazu gehören Heike Makatsch, Désirée Nosbusch, Lisa Maria Potthoff, Jasna Fritzi Bauer, August Diehl, Karl Fischer, Jakob Seeböck, Brigitte Hobmeier, Valerie Pachner, Stefanie Reinsperger und Harald Windisch. Zum wiederholten Mal nominiert sind: Verena Altenberger, Nina Proll, Ursula Strauss, Harald Krassnitzer, Karl Markovics, Cornelius Obonya, Fritz Karl, Simon Schwarz, Elyas M’Barek, Corinna Milborn, Martin Thür, Ingrid Thurnher und Meinrad Knapp.

In der Kategorie „Information“ stellt sich Tobias Pötzelsberger erstmals der Publikumswahl. Auch in der Kategorie „Show/Unterhaltung“ sind Publikumslieblinge erstmals nominiert: Andreas Moravec, Birgit Denk, Bruce Darnell und Gerald Fleischhacker. Ebenfalls nominiert ist Barbara Karlich, die auf eine weitere Romy hoffen darf.

Redaktionshinweis: 3sat zeigt die glanzvolle Gala live-zeitversetzt am Sonntagvormittag.

Sonntag, 19.04. / 12:15 Uhr / Die Dirigentin Marin Alsop
Film von Bernadette Wegenstein
(Erstsendung: 03.11.2019)
ORF

Die US-Dirigentin Marin Alsop ist seit 2019 die erste Frau, die dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien als Chefdirigentin und musikalische Leiterin vorsteht. – Ein Porträt.

Der Film begleitet die Ausnahmekünstlerin während verschiedener musikalischer Aufführungen und zeigt unter anderem privates Videomaterial von der jungen Dirigentin mit ihrem Mentor Leonard Bernstein, dessen Assistentin sie später wurde.

Zu Wort kommen Musiker des ORF Radio-Symphonieorchesters und weiterer Orchester, außerdem die Dirigentin Sylvia Caduff, das große und beflügelnde Vorbild der „Frau am Pult“. Schließlich ist Marin Alsop auch im Gespräch mit jungen Dirigierstudentinnen zu erleben.

Montag, 20.04. / 00:50 Uhr / Rockpalast Crossroads (1/8): The Godfathers
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Sie waren immer laut, hart, dreckig und transferierten seit Ende der 1980er-Jahre unnostalgisch den Geist des Rock ’n‘ Roll der 1960er-Jahre in die Gegenwart: The Godfathers.

Ihr größter Hit „Birth, School, Work, Death“ zeigt exemplarisch die typische Mixtur aus aggressiver, an Punk, Rhythm ’n‘ Blues und Garage Rock geschulter Rockmusik mit scharfzüngigen Texten.

The Godfathers scheuten sich nicht, seinerzeit Margaret Thatcher mit Hitlerbärtchen auf ihrem Plattencover zu zeigen und machten aus ihrer politischen Gesinnung nie einen Hehl.

Die Rock ’n‘ Roller mit Punk-Attitüde stänkern nun schon mehr als drei Jahrzehnte mit ihrem rohen Gitarrensound gegen das Establishment. Aus der Ur-Besetzung ist lediglich der stets wütende und latent mit der Welt hadernde Sänger Peter Coyne noch dabei – was aber die rüpelige, unaffektierte Wucht der Band auf der Bühne nicht schmälert.

David Bowie war ausgesprochener Fan ihres rüden Rock ’n‘ Rolls, der sich außer durch Coynes schnoddrigen Gesang und die unmissverständlichen Texte – „I want everything, and I want it now“ – im großmäuligen Cockney-Akzent über alle Band-Epochen durch einprägsame Gitarrenleads und hymnisches Songwriting auszeichnet.

Montag, 20.04. / 01:35 Uhr / Rockpalast Crossroads (2/8): Hodja
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Hodja machen bis auf die Knochen reduzierten Rock ’n‘ Roll, der in Gospel, Soul, Rhythm ’n‘ Blues und Voodoo wurzelt und ohne Bass auskommt.

Ihr perkussiver Sound aus Gitarre, Schlagzeug und Gesang ist die pure Essenz der Rock-’n‘-Roll-Ursuppe. Claudius Pratt alias Gamiel Stone ist der Frontmann der Band. Er zog aus New York nach Kopenhagen, um dort zunächst Reverend Shine Snake Oil Co. zu gründen.

Unter anderen war Matthias Arbo Klein alias f. w. smolls – ein charismatischer Trommler mit eigenem Stil – dabei. Aus Snake Oil Co. erwuchs Hodja, mit Boi Holm alias Tenboi Levinson an der Gitarre, der auch Filmmusik schreibt, TV-Serien vertont, Funk, Punk, Jazz, New Wave, Blues, Rock und vieles mehr spielt.

Die Konzentration auf das Wesentliche bei maximal ungezügelter Vortragsweise ist das Markenzeichen von Hodja. Das Trio versteht es, mit den grundlegenden Mitteln des schwarzen Rock ’n‘ Roll ungezügelte Kraft und tanzbare Energie zu entwickeln, Gamiel Stone wirkt wie ein durchgeknallter Voodoo-Priester, dessen mitreißende Performance magische Momente auslöst.

Montag, 20.04. / 02:20 Uhr / Rockpalast Crossroads (3/8): MaidaVale
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

MaidaVale, gegründet 2012 in Schweden, machen Heavy Psychedelic Rock. Die vier Frauen bedienen sich damit zwangsläufig an musikalischen Einflüssen aus den 1960er- und 1970er-Jahren.

Die Band beherrscht somit einen originellen, psychedelischen Groove, der auch mal breitbeinigen Hellacopters-Rock oder dicke Stoner-Riffs streift – oder klingt, „als wenn Ace Frehley und Siouxsie Sioux mit The Doors jammen würden“ (Roppongi Rocks).

Hier und da ein experimenteller Einschub, ein unerwarteter Move oder auch ein stures, stoisches Beharren auf einer dem Krautrock entlehnten Wiederholungsexzess – und schon nimmt ihre Musik eine Eigendynamik an, die sich unterscheidet von den unzähligen Acts des Genres, deren Musikalität sich in korrekter Ausführung von psychedelischen „Malen nach Zahlen“-Mandalas erschöpft.

Da kracht es an allen Ecken und Enden, und auch textlich werden Themen verhandelt, die man im häufig etwas verschwurbelten, sich in überhöhter Bildsprache verlaufendem Psychedelic Rock selten vernimmt: der Krieg als Geschäft, allgegenwärtiger Rassismus oder auch die Unbill, die durch Zwischenmenschliches gestiftet wird.

Im Psych-Rock-Genre ist vieles komplett Retro. Kein Wunder, dass eher diejenigen Bands langfristig im Gedächtnis bleiben, die sich künstlerisch weiterentwickeln, sich öffnen, der Verklärung des Vergangenen einen guten Schuss Originalität – und manchmal auch Moderne – zur Seite stellen. So auch MaidaVale.

Montag, 20.04. / 03:05 Uhr / Rockpalast Crossroads (4/8): Laura Cox
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Laura Cox ist das, was sie verspricht zu sein: eine „Badass Rock-’n‘-Roll-Lady“, die mit ihrer Gitarre Sounds produziert, die in der Welt des Rock bereits für Aufsehen gesorgt haben.

Mit 14 Jahren entdeckte die gebürtige Französin Laura Cox die Gitarre für sich. Drei Jahre später startet die junge Musikerin bereits auf YouTube durch – ihre Soli gehen viral und verschaffen ihr die Aufmerksamkeit eines breiten Publikums.

Mittels Social Media generiert sie seit 2008 Klicks in zweistelliger Millionenhöhe. Ihre Follower verfolgen gebannt ihre musikalische Vita, die anfangs stark vom Musikgeschmack ihres englischen Vaters geprägt ist: The Band, ZZ Top, Johnny Cash und die Dire Straits.

Mittlerweile ist der High-Voltage-Rock-’n‘-Roll von Laura Cox und ihrer Band eher im Stil von AC/DC und Danko Jones angelegt und lässt Southern Rock und Blues-Grundierung ineinanderfließen. Wenn es eine Rangliste der größten weiblichen Gitarristinnen gäbe, so würde sie vermutlich von vielen Freunden des groß buchstabierten und mit Ausrufezeichen versehenen ROCK! in einem Atemzug mit Nancy Wilson (Heart), Nita Strauss (Alice Cooper), The Runaways, Girlschool oder Joan Jett genannt werden.

Redaktionshinweis: Die weiteren vier Folgen der achtteiligen „Rockpalast Crossroads“-Reihe sendet 3sat am Montag, 4. Mai, ab 2.05 Uhr.


Samstag, 25.04. / 10:45 Uhr / Musikalisch Kulinarisch – Vivaldi und Venedig
Film von Georg Madeja
Mit Donna Leon, dem Ensemble Barucco u.a.
(Erstsendung: 25.12.2004)
ORF

Die italienische Lagunenstadt Venedig hat viele große Künstler hervorgebracht. Einer von ihnen, Antonio Vivaldi (1678-1741), war einer der bedeutendsten Geigenvirtuosen seiner Zeit.

Er war Schöpfer zahlreicher geistlicher und weltlicher Kompositionen, zugleich Priester und Lebemann. Doch vor allem war Vivaldi Venezianer, Bürger einer Stadt des 18. Jahrhunderts, die den politischen Machtverlust durch Luxus und rauschende Feste verdrängen wollte.

Die Dokumentation „Musikalisch Kulinarisch – Vivaldi und Venedig“ spürt nicht nur Leben und Wirken des Musikers Antonio Vivaldi in dessen Heimatstadt nach, sondern auch den kulinarischen Genüssen, die schon im 18. Jahrhundert in der Lagunenmetropole geschätzt wurden. Zu Wort kommen unter anderen die Krimiautorin Donna Leon und der Leiter des Istituto di Musica Antonio Vivaldi, Francesco Fanna.

Samstag, 25.04. / 19:20 Uhr / Mythos Suhrkamp (2/2): Die Republik – ihre Diskurse – ihr Verlag
Film von Sigfried Ressel
(Erstsendung: 07.09.2019)
3sat

Suhrkamp-Autoren begleiten seit der Verlagsgründung 1950 die Geschicke beider deutscher Republiken. Verlagsgeschichte und deutsche Geschichte sind eng verwoben.

Suhrkamp versammelt unter seinem Dach die wichtigsten Intellektuellen aus West und Ost. Sie stoßen wichtige Debatten an und prägen das geistig-kulturelle Leben. Vor allem die Diskurse zur geistigen Erneuerung Nachkriegsdeutschlands gehen von Suhrkamp aus.

Gleich zu Beginn steht die schwierige und konfliktvolle Frage nach der Aufarbeitung des Zivilisationsbruchs durch Nazideutschland, verbunden mit der Suche nach einer neuen Positionierung. Die intellektuellen Reflektionen über die deutsche Teilung, den Kalten Krieg oder die Wiederbewaffnung. Der Generationskonflikt um „68“, der die Frage nach der Schuld der Väter stellt und in Gewalt eskaliert. Immer wieder sind es Suhrkamp-Autoren, die politische und gesellschaftliche Fragen aufwerfen und diskutieren. Konstante des Verlagsprogramms ist auch die Bewahrung jüdisch-deutschen Geisteslebens. Und der Blick über die Mauer durch die Herausgabe der Texte vieler wichtiger DDR-Autoren.

Wie kein anderer Verlag prägte Suhrkamp die deutsche Nachkriegskultur. Der Gründer Peter Suhrkamp und sein Nachfolger Siegfried Unseld bauten eine Institution auf, die ihresgleichen sucht: die ideale personelle Konstellation aus engagierten, kenntnisreichen Lektoren und den wichtigsten deutschsprachigen Autoren, die zu Teilen auch als Herausgeber und Berater für den Verlag tätig waren, schuf die „Suhrkamp Kultur“. Kernstück dieser Kultur war die Taschenbuchreihe „edition suhrkamp“, die Unseld gemeinsam mit dem Designer Willy Fleckhaus „erfand“. Hier kamen auf einzigartige Weise Inhalt und Ästhetik zusammen: In der regenbogenfarbigen Taschenbuchreihe wurden Texte aus Literatur, Geisteswissenschaft, Theorie, Philosophie und Theaterstücke unter einem Dach herausgegeben.

Herausragend für dieses Crossover stehen Namen wie Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas, Hans Magnus Enzensberger, Max Frisch, Martin Walser, Friederike Mayröcker, Thomas Bernhard, Volker Braun, Ulrich Plenzdorf, Hans Mayer, Uwe Johnson, Ralf Rothmann, Thomas Hettche, Rainald Goetz, Angela Krauß, Durs Grünbein, Ingeborg Bachmann, Peter Bichsel und Ulla Berkéwicz – um nur einige wenige zu nennen. Die Gesamtausgaben von Bertolt Brecht, Theodor W. Adorno, Georg Wilhelm Friedrich Hegel oder Walter Benjamin sind beispiellose editorische Leistungen. Diese intellektuelle Wucht bildet naturgemäß die Entwicklung der deutschen Nachkriegskultur spiegelbildlich ab, mehr noch: Der Verlag prägte diese in seinen besten Zeiten argumentativ und meinungsbildend.

Die Verlagsgeschichte ist durchwoben von Legenden und Diskursen, die Aufsehen erregten und/oder gesellschaftliche Umbrüche versinnbildlichten. Da gibt es zum Beispiel den sogenannten Lektorenaufstand von 1968 in dem – ganz Zeitgeist – vom Patriarchen Unseld die Vergesellschaftung des Verlages gefordert wurde, die Einladung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt an Siegfried Unseld und Max Frisch zum Meinungsaustausch auf dem zeitlichen Höhepunkt des Deutschen Herbstes von 1978, den auf publizistischer Ebene ausgefochtenen Historikerstreit zwischen Nolte und Habermas, die prophetische und gleichwohl umstrittene Hinterfragung der deutschen Teilung durch Martin Walser in den 1980er-Jahren sowie dessen öffentliche Selbstbefragung zu Auschwitz in seiner Rede in der Paulskirche 1998, die in seiner Umstrittenheit wiederum verdeutlichte, dass sich der Ungeheuerlichkeit des Holocausts immer wieder neu zu stellen ist.

In idealer Weise bot der Suhrkamp Verlag eine kommunikative analoge Plattform, auf der Autoren, Theoretiker, Literaten, Stückeschreiber, Lyriker, Wissenschaftler und Publizisten mit den Lesern in Dialog getreten sind. Dieses Zwiegespräch ebbt mit dem Schwinden der Funktion des Intellektuellen in der Gesellschaft ab; die öffentlichen tiefgreifenden intellektuellen Diskurse bleiben zunehmend aus. Kurzatmiges Twittern ist heute angesagt. Interessanterweise wird dieser Prozess relativ zeitnah mit dem Tod von Siegfried Unseld 2002 zunehmend spürbar.

Auf alle Fälle bleibt der „Mythos Suhrkamp“. Um ihn neu zu entdecken, sammelt die zweiteilige Dokumentation Reflektionen, Stimmen und Geschichten von ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, die aus verschiedensten Perspektiven etwas zu Suhrkamp zu sagen haben: die Autoren Angela Krauß, Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Ralf Rothmann, Peter Bichsel, Volker Braun und Durs Grünbein, die Lektoren Rudolf Rach, Karlheinz Braun und Thorsten Ahrend sowie die Literaturwissenschaftler Thedel von Wallmoden, Jan Bürger und Jörg Magenau. Komplettiert wird diese filmische Suche nach dem „Mythos Suhrkamp“ durch Fernseh-Archivschätze aus vier Jahrzehnten.

Redaktionshinweis: Die Dokumentation „Mythos Suhrkamp“ zeigt 3sat zum 70-jährigen Bestehen des Verlages.

Samstag, 25.04. / 20:15 Uhr / Maria by Callas
Dokumentarfilm von Tom Volf, Frankreich 2017′
Länge: 114 Minuten
Erstausstrahlung
3sat

Zwei Menschen, sagte sie, gebe es in ihr: Maria und die Callas. Die Frau, deren Schicksal es war, sich der Kunst zu opfern. Und die Sopranistin auf der Suche nach absoluter Vollkommenheit.

Maria Callas spricht in dem Dokumentarfilm von Tom Volf offen über sich selbst. Kern ist ein bislang unveröffentlichtes Fernsehinterview der griechisch-amerikanischen Sängerin, begleitet von zahlreichen privaten Aufnahmen und viel Musik aus ihren Opern.

In dem Interview aus dem Jahr 1970 ruft die Operndiva sehr persönlich auch ihre Anfänge als Wunderkind in Erinnerung. Anhand von privaten Foto- und Super-8-Aufnahmen, Aufzeichnungen ihrer großen Auftritte von „Madame Butterfly“ über „Tosca“ bis „Norma“, wie auch ihrer Briefe, die von Eva Mattes gelesen werden, setzt sich das Mosaik eines Lebens im Dienste der hohen Kunst des Belcanto zusammen.

Doch auch die private Liebestragödie mit dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis, der sie für die Kennedy-Witwe Jackie verlassen hatte, wird nicht ausgespart. Dabei geht es dem Dokumentarfilmer Tom Volf weniger um die Huldigung des Weltstars Callas und deren Spiegelung in der Presse, als vielmehr um ein authentisches Porträt der so unerreichbaren „Primadonna assoluta“ des 20. Jahrhunderts.

Opernfans kommen auf ihre Kosten: Mit insgesamt zehn komplett ausgesungenen Arien nimmt sich die französische Fernsehproduktion die nötige Zeit, die musikalische Strahlkraft der Ausnahmesängerin Callas wirken zu lassen.

Samstag, 25.04. / 22:10 Uhr / Al Pacino – Star wider Willen
Film von Lukas Hoffmann
Erstausstrahlung
3sat

Al Pacino ist eine Ikone Hollywoods. Er gilt als einer der besten Schauspieler unserer Zeit. Herausragend als Charakterdarsteller und unvergessen als Mafioso in „Scarface“ und in „Der Pate“.

„Al Pacino – Star wider Willen“ ist eine Reise zu den Stationen in Pacinos Leben: die South Bronx, wo er aufwächst, das Actors Studio, wo er die hohe Kunst des „Method Acting“ erlernt, und schließlich Hollywood, wo er den Sprung auf die Leinwand schafft.

Am 25. April 2020 feiert Pacino seinen 80. Geburtstag. New York, seiner Heimatstadt, ist er bis heute treu geblieben. Dort wird er 1940, als Alfredo James Pacino, Sohn italienischer Einwanderer, geboren. Der Vater Salvatore verlässt die Familie, als Al gerade mal zwei Jahre alt ist. Er wächst bei seiner Mutter Rose und den sizilianischen Großeltern auf, in der rauen South Bronx. In der Schule ist er ein Außenseiter. Das Schauspielen wird für ihn zu seiner Überlebensstrategie, die Bühne und das Theater ziehen ihn magisch an. Als Al Pacino am Broadway erste Erfolge feiert, zeigen auch die ersten Filmregisseure Interesse an seinem außergewöhnlichen Schauspieltalent.

Im fernen Hollywood ist Al Pacino jedoch Anfang der 1970er-Jahre noch ein Underdog, unbekannt und auch ungewollt. Bei der Besetzung für die Rolle des Michael Corleone für „Der Pate“ (1972) ist die Studioleitung entschieden gegen Al Pacino. Er sei zu schüchtern, Robert Redford und Jack Nicholson, das seien echte Männer. Doch Regisseur Francis Ford Coppola hält an ihm fest – und Al Pacino wird über Nacht zum Weltstar. Der Ruhm bricht völlig unerwartet über ihn herein.

In den 1980er-Jahren folgt der erste Rückschlag. Der Historienfilm „Revolution“ (1985) gerät zum Flop – samt Nominierung für die Goldene Himbeere. Al Pacino zieht sich für fast fünf Jahre aus Hollywood zurück und widmet sich wieder seinen Wurzeln, dem Theater. Der Film „Sea of Love“ (1989) läutet sein fulminantes Comeback ein. Für seine Rolle als erblindeter Ex-Lieutenant Colonel Frank Slade in „Der Duft der Frauen“ (1992) wird er 1993 bei der siebten Nominierung endlich mit dem Oscar ausgezeichnet.

Scheinbar widersprüchlich, auf jeden Fall unberechenbar ist er in der Wahl seiner Rollen: Korruption in der Polizei, Aids-„Krise“, Tabaklobby oder Sterbehilfe: Das Repertoire scheint unerschöpflich und Al Pacino ungemein wandelbar.

Al Pacino hat den Hollywood-Olymp früh bestiegen, doch in den 50 Jahren seiner Karriere ist er trotz Aufs und Abs nie wirklich ins Bodenlose gefallen. In seiner Hingabe war er immer bedingungslos – seine Rollen füllte er mit unglaublicher Tiefe. Und im heute 80-jährigen Al Pacino steckt immer noch viel vom Feuer und Wahnsinn des jungen Meisterschülers am Theater. Seiner rauen Kindheit, den Verlockungen Hollywoods und allen Widerständen und Konkurrenten zum Trotz ist Al Pacino bereits zu Lebzeiten eine Legende.

Pacinos Freund und Biograf Larry Grobel, seine ehemalige Lebensgefährtin und Schauspielkollegin Marthe Keller, Regisseur und Fotograf Jerry Schatzberg sowie Filmkritikerin Mónica Castillo beleuchten die unterschiedlichen Facetten des Menschen Al Pacino und seiner Schauspielkunst: seinen Aufstieg und Erfolg trotz widriger Bedingungen, die Krisen, Ängste und die Einsamkeit, die ihn stets begleitet haben und die ihn letztendlich zu einem der größten Schauspieler des 20. Jahrhunderts machten.

Redaktionshinweis: 3sat zeigt „Al Pacino – Star wider Willen“ zum 80. Geburtstag des US-amerikanischen Schauspielers, Filmregisseurs und Filmproduzenten am 25. April.

Sonntag, 26.04. / 3satThementag: „Wilde Paradiese“

Montag, 27.04. / 02:05 Uhr / Kulturpiloten
ZDF
Das digitale Kulturangebot des ZDF präsentiert ein Best-of seiner Formate – von Musik und Theater über Kino, Gaming, Design und Literatur bis hin zu aktuellen Debatten.

Künstler führen durch ihre Städte und lassen neue Kunstwerke entstehen. Musiker bieten einen Einblick hinter die Kulissen, und Schauspieler inszenieren bekannte Stücke in radikaler Kurzform. Was die Gesellschaft bewegt, wird auf Augenhöhe diskutiert.

Die „Kulturpiloten“ bringen Kultur spielerisch in den Alltag – ohne zu belehren.

Freitag, 01.05. (Maifeiertag): 3satThementag „Auf Schienen um die Welt“


Samstag, 02.05. / 10:40 Uhr / Jugend liebt Musik – eine musikalische Reise durch Niederösterreich
Film von Karina Fibich
(Erstsendung: 15.04.2017)
ORF

Schlagzeug und Saxofon, Gesang und Tanz – dazu „klassische“ Instrumente wie Klavier, Gitarre oder Geige: Das Angebot der 128 Musikschulen in Niederösterreich ist breit gefächert.

Vor 60 Jahren sind sie aus den Blasmusikvereinen des Landes hervorgegangen – heute finden umgekehrt oft die Musikkapellen ihren Nachwuchs genau hier. Der Film zeichnet die Geschichte der Musikschulen nach. Er zeigt, wie zeitgemäße Musikvermittlung aussieht.

Er zeigt aber auch, welche Möglichkeiten sie jungen Menschen durch eine unkomplizierte musikalische Früherziehung für die Kleinsten sowie später im Einzel- und Gruppenunterricht für Ensembles in allen nur denkbaren Zusammensetzungen eröffnet.

Samstag, 02.05. / 11:05 Uhr / Franz Schubert – Ein unvollendetes Leben
Spielfilm, Österreich 1953
ORF

Franz Schubert: Heinrich Schweiger
Therese Grob: Aglaja Schmid
Moritz v. Schwind: Luis Soldan
Franz Theodor Schubert, Vater: Hans Thimig
Heinrich Grob: Carl Bosse

Regie: H. W. Kolm-Veltée
Länge: 111 Minuten

Franz Schubert (1797-1828), Sohn eines armen Dorfschullehrers, findet trotz Begabung keine Anerkennung. Der biografische Spielfilm verfolgt die musikalische Karriere des Komponisten.

Nachdem Schubert seine Anstellung als Lehrer verliert, begleitet er den Sänger Vogl auf einer Konzertreise. Auch die Hoffnung, Vizekapellmeister zu werden, wird ihm durch eine Intrige genommen. Erst kurz vor seinem Tod erlebt er ein Konzert, das ihm Erfolg beschert.

Samstag, 02.05. / 19:20 Uhr / Der Mann, der Nofretete verschenkte – James Simon, der vergessene Mäzen
Film von Carola Wedel
3sat

Jährlich lockt die Nofretete-Büste im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel Tausende von Besuchern an. Die Grabungen, die sie ans Tageslicht holten, wurden von James Simon bezahlt.

Der jüdische Baumwollgroßhändler und Millionär, der von 1851 bis 1932 lebte, gab beträchtliche Teile seines Vermögens für die Museumsinsel aus.

Alle Kunstwerke und Objekte aus Amarna, das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße aus Babylon, über 600 Kunstwerke der italienischen und nordalpinen Renaissance, Gemälde und Skulpturen hat er den Berliner Museen geschenkt. Aber nicht nur der Kunst galt sein Mäzenatentum, sondern auch den Armen und Bedürftigen, allen voran den Arbeiterkindern, die im aufstrebenden Berlin der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert große Not litten. Heute ist James Simon, der mit der Weltwirtschaftskrise selbst verarmte, weitgehend in Vergessenheit geraten.

Zum ersten Mal gibt es nun einen Film über diesen Mann und sein wechselvolles Leben: Die Dokumentation „Der Mann, der Nofretete verschenkte – James Simon, der vergessene Mäzen“ von Carola Wedel zeichnet den Lebensweg des Mannes nach, dem Berlin viele bedeutende Ausstellungsstücke verdankt. Carola Wedel lässt Historiker, Museumsdirektoren und Nachfahren von James Simon zu Wort kommen und präsentiert einige der herausragenden Kunstwerke, die Berlin dem großen Mäzen zu verdanken hat. Außerdem werden in spielfilmähnlichen Sequenzen zentrale Situationen und Begegnungen seines Lebens in Szene gesetzt.

Samstag, 02.05. / 20:15 Uhr / Starke Stücke: Hamlet
von William Shakespeare
Schauspielhaus Bochum
3sat

Hamlet: Sandra Hüller
Claudius: Stefan Hunstein
Gertrud: Mercy Dorcas Otieno
Polonius: Bernd Rademacher
Laertes: Dominik Dos-Reis
Ophelia: Gina Haller
Rosencrantz: Konstantin Bühler
Guildenstern: Ulvi Teke
Fortinbras: Mourad Baaiz
Totengräber 1: Jing Xiang
Totengräber 2: Ann Göbel

Mit Auszügen aus „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller
Deutsch von Angela Schanelec und Jürgen Gosch
Dramaturgie: Jeroen Versteele
Bühnenbild: Johannes Schütz
Kostüme: Johannes Schütz
Regie: Johan Simons
Fernsehregie: Catharina Kleber
Erstausstrahlung

Es ist was faul im Staate Dänemark: Hamlet trauert um seinen Vater. Seine Mutter, Königin Gertrud, bewältigt den Verlust eher pragmatisch und heiratet Claudius, den Bruder des Toten.

Dafür verachtet der junge Prinz seine Mutter. Als ihm sein Vater als Geist erscheint und offenbart, dass er Opfer eines Mordanschlags durch den neuen König wurde, gerät Hamlets Welt aus den Fugen. – 3sat zeigt eine Inszenierung vom Berliner Theatertreffen 2020.

Zwischen Apathie und hilfloser Wut taumelnd, weiß Hamlet nicht recht weiter, will aber irgendwie seinen Vater rächen. Letztlich bringt er eine ganze Dynastie zu Fall – und das Reich fällt in fremde Hände.

Kaum ein Werk wurde so häufig gespielt und dabei so unterschiedlich interpretiert, ob auf der Bühne, der Kinoleinwand oder als Gerüst für einen Serienplot. Manche Zitate gehören wie selbstverständlich zu unserem Wortschatz. „Sein oder nicht sein“ ist das Theaterklischee schlechthin. Allein der Totenschädel in der Hand signalisiert eindeutig, es geht um den Dänenprinzen und sein schweres Schicksal, das nach guter Shakespeare-Manier am Ende allen Hauptfiguren das Leben kostet.

In Johann Simons Bochumer Inszenierung glänzt nun die mehrfach preisgekrönte Film- und Theaterschauspielerin Sandra Hüller als Hamlet. Ein zaudernder, sanftmütiger Hamlet, dessen kindliche Wutanfälle völlig hilflos wirken und nur zeigen, wie unfassbar deprimiert er oder sie von der Welt und den Menschen darin ist. So ist dieser „Hamlet“ auch nicht als Blutbad oder Rachefeldzug inszeniert, vielmehr wird in dem faszinierenden weißen Spielfeld von Johannes Schütz versucht, eine bestmögliche neue Ordnung zu schaffen.

An Sandra Hüllers Seite steht Gina Haller als Ophelia, die in dieser Inszenierung so viel mehr sein darf als nur die berühmteste Wasserleiche der Dramenliteratur. Ihre Figur verschmilzt mit Hamlets bestem Freund Horatio und erfährt dadurch eine enorme Aufwertung, wird nicht nur Gefährtin, sondern fast Alter Ego des Dänenprinzen. „Diesen Hamlet muss man gesehen haben“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. Ein epochemachender „Hamlet“, hinter den es kein Zurück mehr gibt.

Redaktionshinweis: 3sat zeigt mit der Aufzeichnung des „Hamlet“ aus dem Schauspielhaus Bochum eines der insgesamt drei geplanten „Starken Stücke“ aus der Auswahl der zehn bemerkenswerten Inszenierungen, die von einer Jury ausgewählt und zum diesjährigen Berliner Theatertreffen eingeladen wurden.

Redaktionshinweis: Das 57. Berliner Theatertreffen kann 2020 aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung einer weiteren Verbreitung des Coronavirus nicht stattfinden. Daher sind kurzfristige Programmänderungen bei den „Starken Stücken“ vorbehalten.

Samstag, 02.05. / 22:20 Uhr / Wahnsinnswerke: Hamlet
Film von Lisa-Marie Schnell
(Erstsendung: 22.10.2016)
3sat

Die Klassiker des Theaters sind hochaktuell: Die Reihe „Wahnsinnswerke“ zelebriert ihre Zeitlosigkeit. In dieser Folge steht William Shakespeares „Hamlet“ im Fokus.

Kaum ein Werk wurde so häufig gespielt und dabei so unterschiedlich interpretiert, ob auf der Bühne, der Kinoleinwand oder als Gerüst für einen Serienplot. Manche Zitate gehören wie selbstverständlich zu unserem Wortschatz.

„Sein oder nicht sein“ ist das Theaterklischee schlechthin. Allein der Totenschädel in der Hand signalisiert eindeutig, es geht um den Dänenprinzen und sein schweres Schicksal, das nach guter Shakespeare-Manier am Ende allen Hauptfiguren das Leben kostet. Was hat uns das Werk heute noch zu sagen, warum vergeht keine Spielzeit ohne einen „Hamlet“ auf der Bühne? Was sagt ein Psychologe zu dieser Figur, wo findet man sie vielleicht in der heutigen Politik wieder, und wie setzen sich Musiker mit dem traurigen Prinzen, der auf Vergeltung sinnt, auseinander?

„Wahnsinnswerke“ ergründet die Klassiker der Theaterliteratur, vergleicht ihre prägendsten Inszenierungen, spricht mit Schauspielern, Regisseuren, Musikern und zeigt ihren Nachhall in der Popkultur. Sie sind zeitlos, allgemeingültig über Jahrhunderte hinweg und behandeln archaische Konflikte, die sich damals am Königshof ebenso abspielten wie heute in der Konzernzentrale. Manche Dramen verlieren mit der Zeit nicht an Bedeutung, lassen einen nicht los, überraschen immer wieder aufs Neue, sind verhaftet in den Köpfen, im kulturellen Gedächtnis, Allgemein- und Kulturgut: Wahnsinnswerke eben.

Sonntag, 03.05. / 09:05 Uhr / Wie Bestsellerautor Jonathan Safran Foer die Erde retten will
(aus der SRF-Gesprächsreihe „Sternstunde Philosophie“)
(Erstsendung: 09.02.2020)
SRF

Nach seinem Megaseller „Tiere essen“ präsentiert der US-Autor Jonathan Safran Foer nun seine Lösung gegen den Klimakollaps, und die betrifft den Menüplan.

Foers Lösungsansatz lautet: Wir können den Planeten retten, wenn wir bis zum Abend vegan leben und tierische Produkte meiden. Barbara Bleisch fragt, ob es statt Diät nicht Politik bräuchte, und wie man es schafft, trotz der Bedrohung die Hoffnung nicht zu verlieren.

Mit seinem Romandebüt „Alles ist erleuchtet“ wurde Jonathan Safran Foer 2002 zum Shootingstar der amerikanischen Literatur. 2009 bewog er mit seinem Sachbuch „Tiere essen“ Millionen Leser dazu, ihren Fleischkonsum von Grund auf zu überdenken. Nun konstatiert er in „Wir sind das Klima!“, es fehle die gute Story, die die Gesellschaft dazu bewegt, die abstrakte Gewissheit der Klimaerwärmung in eine Herzenssache zu verwandeln, die zum Handeln motiviert.

Kann es funktionieren, nur an das Individuum zu appellieren? Bräuchte es nicht auch politische Maßnahmen? Und wie ließe sich aus der Klimakrise ein süffiger Stoff zaubern, der die heutige Lethargie durchbricht?

Barbara Bleisch im Gespräch mit dem Schriftsteller über Hoffnung und Hoffnungslosigkeit in Zeiten der drohenden Klimakatastrophe.

Sonntag, 03.05. / 10:05 Uhr / Vinocour plays – Frédéric Chopin
Erstausstrahlung
SRF/3sat
Konzert

Sonntag, 03.05. / 10:20 Uhr / Literaturclub
(Erstsendung: 14.04.2020)
SRF

„Literaturclub“ diskutiert die neuesten literarischen Entdeckungen und gibt Orientierungshilfe im Buchmarkt.

In der Gesprächssendung werden jeweils vier bis fünf Neuerscheinungen besprochen.

Sonntag, 03.05. / 11:35 Uhr / Kollwitz ~ Ein Leben in Leidenschaft
Film von Henrike Sandner und Yury Winterberg
(Erstsendung: 05.07.2017)
ARD/RBB

Die Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz (1867-1945) gilt als bedeutendste deutsche Künstlerin aller Zeiten. Ihr Werk ist in den USA, in Russland und auch in China bekannt.

Der Film begibt sich auf Spurensuche nach einer der charismatischsten Frauenpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts – auf Spurensuche in einem Leben, dass vor allem geprägt war von unbändiger, nie nachlassender Leidenschaft.

Ihr „Mahnmal der trauernden Eltern“ auf dem Soldatenfriedhof im belgischen Vladslo gilt als die bedeutendste Grabplastik des 20. Jahrhunderts. Die Botschaft ihrer bekanntesten Zeichnung „Nie wieder Krieg!“ ist heute aktueller denn je.

„Die Kollwitz“ war eine der ersten Frauen, die in München Kunst studieren durfte – und sie wurde schon im deutschen Kaiserreich zu einer anerkannten Künstlerin. Lebensfroh, neugierig und engagiert mischte sich Käthe schon als junge Frau auch als eine politisch starke Stimme in ihre Zeit ein. Bei „der Kollwitz“ ist kein Werk ohne Botschaft.

Schicksalsschläge wie der Verlust ihres Sohnes Peter im Ersten Weltkrieg erschütterten ihr Leben. Themen wie Trauer, Verlust, Armut, Hunger und Krieg beschäftigen sie nun noch stärker. Doch wie viel weiß man wirklich über Käthe Kollwitz? Wer war diese Frau hinter den Kunstwerken, die einen noch immer so ergreifen? In unzähligen Porträts blickt sie uns an. Und man hofft in dieser ständigen Selbstbefragung der Künstlerin eine Antwort zu finden auf die Frage, wer sie wirklich war.

Sonntag, 03.05. / 12:30 Uhr / Druckfrisch ~ Neue Bücher mit Denis Scheck
(Erstsendung: 26.04.2020)
ARD/MDR

Orientierung im Bücherdschungel verspricht Denis Scheck. Scheck besucht Schriftsteller, stellt Neuerscheinungen vor und spart dabei weder an Lob, noch an Kritik.

Seine bissigen und humorvollen Kommentare zu den Büchern der Spiegelbestenliste aus der Kölner Bücherhalle sind beliebt und gefürchtet. Im persönlichen Gespräch entlockt er Autoren aktueller Bestseller interessante Hintergründe zu ihren Werken.

Sonntag, 03.05. / 18:30 Uhr / Museums-Check mit Markus Brock
Gast: Christiane Paul
Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin
(Erstsendung: 14.04.2019)
ARD/SWR

Der Hamburger Bahnhof in Berlin zählt zu den spannendsten Häusern für Gegenwartskunst. In der hochkarätigen Sammlung sind Pioniere wie Joseph Beuys, Andy Warhol und Isa Genzken vertreten.

Markus Brock spricht mit dem Direktor der Nationalgalerie Berlin, Udo Kittelmann, und begrüßt als prominenten Gast die Schauspielerin Christiane Paul. Die promovierte Ärztin wurde für ihre Rolle in „Unterm Rad“ (2015) mit dem US-Fernsehpreis „Emmy“ ausgezeichnet.

Der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart wurde 1996 im spätklassizistischen Kopfbahnhof als Teil der Berliner Nationalgalerie eröffnet. Das Museum zeichnet die vielfältigen Entwicklungen in der Kunst seit 1960 nach: die Umbrüche in der Malerei, die Wandlung der klassischen Skulptur in die Objektkunst und die zunehmende Bedeutung von Fotografie, Video und Film. Ausgangspunkt war die Privatsammlung des Unternehmers Erich Marx, deren Herzstück fünf Pioniere des 20. Jahrhunderts sind: Joseph Beuys, Anselm Kiefer, Robert Rauschenberg, Cy Twombly und Andy Warhol. Das Environment „Das Kapital Raum 1970-1977“, 1980 von Beuys für die Venedig-Biennale geschaffen, ist dort dauerhaft installiert.

2002 wurden die Bestände des Hamburger Bahnhofs durch den Erwerb der Sammlung von Egidio Marzona zur Konzeptkunst und Arte Povera erweitert. Als Dauerleihgabe kam 2004 die Friedrich Christian Flick Collection mit 1500 erstklassigen Werken zeitgenössischer europäischer und nordamerikanischer Kunst hinzu, darunter Hauptwerke von Isa Genzken, Martin Kippenberger und Wolfgang Tillmans.

Wie experimentierfreudig das Museum ist, beweist das Projekt „Bilder einer Ausstellung“, das vom 5. April bis 2. Juni 2019 im Hamburger Bahnhof zu sehen ist. Inszeniert von der Berliner Urban-Dance-Gruppe Flying Steps und dem brasilianischen Künstlerduo OSGEMEOS verbindet es Elemente von Kunst, Musik und Tanz-Performance und erforscht die gegenseitige Inspiration verschiedener Kunstfelder. Wie würden Bilder klingen, wenn sie Musik wären? Wie würden sie aussehen, wenn sie von Tänzern zum Leben erweckt würden? Der „Museums-Check“ ist live dabei, wenn die Flying Steps zur zeitgenössisch interpretierten Musik von Modest Mussorgski durch die Museumsräume tanzen.

Markus Brock wirft auch einen Blick auf die Sonderausstellung, die ab 29. März dem US-Amerikaner Jack Whitten (1939-2018) gewidmet ist. An der Konzeption seiner Retrospektive hat der im vergangenen Jahr verstorbene Künstler noch selbst mitgewirkt. Im Fokus der Schau stehen Whittens Gemälde, mit denen er historischen Ereignissen und prominenten Persönlichkeiten wie John Coltrane, Barack Obama oder Prince ein Denkmal setzen wollte.

Montag, 04.05. / 02:00 Uhr / Rockpalast Crossroads (5/8): Wallis Bird feat. Wyvern Lingo
Mit Wallis Bird (Gitarre und Gesang), Duane Saoirse (Gitarre), Barry Caoimhe (Schlagzeug) und Karen Cowley (Bass & Keyboards)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Wallis Bird ist Irin, ihre musikalische Karriere erblüht allerdings in Deutschland, nachdem sich die Studentin für Musik und Songwriting von Dublin aus zu einem Musiker-Workshop aufmacht.

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das „Crossroads“-Festival. Vom 11. bis zum 14. März war es wieder soweit. Mit dabei: Wallis Bird und Wyvern Lingo.

Gern wird Wallis Bird mit Liedermacherinnen wie Ani DiFranco, Janis Joplin, Eva Cassidy oder KT Tunstall verglichen. Wallis Birds facettenreiche, von der Akustikgitarre getragene Musik ist geprägt von Rock, Pop und Irish Folk, hat aber auch viel dem Soul entlehnt. Ruhige Solo-Akustik-Songs sind ebenso Teil ihres Repertoires wie dicht arrangierte, aufbegehrende Rocknummern, stets vorgetragen mit äußerst kräftiger Stimme und einer Bühnenenergie, die im besten Sinne mitreißend ist.

Schon kurz nach ihrer Geburt 1982 schenkt ihr Vater ihr eine Gitarre. Im Alter von eineinhalb Jahren trennt ein Rasenmäher ihre alle Finger der linken Hand ab. Vier davon können der Linkshänderin wieder angenäht werden. Die kleine Wallis übt von nun an auf einer Rechtshänder-Gitarre, die sie andersherum hält, ohne dabei die Reihenfolge der Saiten anzupassen. Dabei entwickelt sie ganz eigene Grifftechniken, die ihr Gitarrenspiel einzigartig machen.

Die Leidenschaft für das Musikmachen sieht Wallis als Bestimmung an: „Wenn ich nicht Musik machen kann, dann weiß ich nicht, was ich auf dieser Erde sonst machen soll. Ich habe festgestellt, dass jeder genau das machen kann, was er möchte. Man muss eben nur dranbleiben.“

Mittlerweile ist Wallis Bird überhäuft mit Auszeichnungen, war in fast allen Kontinenten auf Tournee und hat trotz aller musikalischer Abwechslung einen Stil und eine Haltung entwickelt, die sie abhebt vom Gros der Liedermacherinnen und Liedermacher weltweit. Die Konzerte des Energiebündels sind ohnehin seit jeher wahre Spektakel.

Montag, 04.05. / 02:45 Uhr / Rockpalast Crossroads (6/8): WellBad
Mit Daniel Welbat (Gesang/Gitarre), Stefan Reich (Bass), Arne Vogeler (Gitarre), Joachim Refardt (Keyboards/Trompete), Jonas vom Orde (Schlagzeug), Volker Bruder (Trompete), Oli Poppe (Saxofon) und Matthias Schinkopf (Saxofon/Flöte)

Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Diese Stimme klingt wie 100 Leben: Daniel Welbat aus Hamburg singt, als hätte er Jahre in den dunkelsten Bars abgehangen.

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das „Crossroads“-Festival. Vom 11. bis zum 14. März war es wieder soweit. Mit dabei: WellBad.

Er ist ein extrovertierter Frontmann, der mit seiner fünfköpfigen Band WellBad einen genreübergreifenden Mix aus Roots-Rock, Jazz, Blues und Hip-Hop auf die Bühne bringt. „Ein Phänomen!“, hat „Classic Rocks“ in WellBad erkannt.

Der „Rolling Stone“ ist nicht weniger begeistert: „Daniel Welbat treibt die Anverwandlung amerikanischer Spielarten zu einer solchen Perfektion, dass man ‚Heartbeast‘ nicht eine Sekunde lang für das Produkt eines deutschen Musikers hält. Tom Waits, Steve Earle und Mark Oliver Everett stehen Pate für diese überbordenden Blues- und Jazz-Rock-Stücke.“

Ob beim legendären „Festival International de Jazz de Montréal“ in Kanada, auf der Beale Street in Memphis oder im europäischen Ausland: WellBads Auftritte werden gefeiert.

„Dieser Tausendsassa lässt ein Universum entstehen, das mit dem von Tom Waits und Nick Cave zu vergleichen ist.“ („Le Devoir“, Montreal)

Montag, 04.05. / 03:30 Uhr / Rockpalast Crossroads (7/8): Suzan Köcher’s Suprafon
Mit Suzan Köcher (Gesang, Gitarre), Julian Müller (Gitarre, Gesang), Alfie Joy (Bass, Gesang) und Jens Vetter (Schlagzeug, Tasteninstrumente)

Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Der psychedelische Folk-Rock von „Suzan Köcher’s Suprafon“ aus Solingen gerät nie effektheischend. Ihre teils spröden, teils zutraulichen Songs haben Tiefe und wirken nachhaltig.

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das „Crossroads“-Festival. Vom 11. bis zum 14. März war es wieder soweit. Mit dabei: Suzan Köcher und ihre Band.

„Ihre melodieverliebten Songs klingen, als hätte man Dusty Springfield, Serge Gainsbourg und Joni Mitchell im französischen Kellerstudio der Rolling Stones zurückgelassen, um den Soundtrack für einen Jahrzehnte später erscheinenden Tarantino-Film zu schreiben. Suzan Köcher klingt wie aus der Zeit gefallen oder besser noch wie in einer eigenen Zeitblase schwebend. Sie verbindet das Abgründige einer Nico mit einer Wärme, die einen bei allem besungenen Unheil nie verzweifelt zurücklässt. Ihr melancholischer Gesang tönt dabei geheimnisvoll und tröstend zugleich, während ihre Songs aus ihrer ganz eigenen versponnenen Gedankenwelt so selbstverständlich emporsteigen, als wären sie schon immer da gewesen, ohne sich dabei blind in Traditionen zu verlaufen“, schreibt „Millerntor Gallery“ ganz verzückt.

Und die stets geschmackssicheren Kollegen von „Nothing But Hope And Passion“ schwärmen in schönen Bildern: „A slow beat and moody tunes create a cinematic, almost sinister feel, perfect to imagine yourself walking away in slow motion from the house you just set on fire.“

Montag, 04.05. / 04:15 Uhr / Rockpalast Crossroads (8/8): The Universe by Ear
Mit Stef Strittmatter (Gesang, Gitarre), Pascal Grünenfelder (Gesang, Bass) und Beni Bürgin (Schlagzeug, Gesang)

Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

The Universe By Ear sind ein Trio aus Basel, dass die Offensive wählt: Sixties-Psychedelik, Stoner- und Garagen-Rock treffen virtuos zusammen.

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das „Crossroads“-Festival. Vom 11. bis zum 14. März war es wieder soweit. Mit dabei: The Universe by Ear.

Das Power-Trio überschreitet bewusst musikalische Grenzen und macht auch vor Kraut- und Bluesrock nicht Halt. Die drei wagemutigen Musiker haben sich zu dieser Mission zusammengefunden, um den Rock dorthin zu führen, wo bislang keiner einen Fuß auf den Boden gesetzt hat: in eine komplexe, farbenfrohe, überraschende, harte, melodiöse Landschaft und in einen Kosmos, in dem improvisierter Freifall neben durchstrukturierten Formen existiert.

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das „Crossroads“-Festival. Vom 11. bis zum 14. März war es wieder soweit. Mit dabei: The Universe By Ear.

Montag, 04.05. / 05:00 Uhr / El Greco und die Moderne
Film von Werner Raeune
(Erstsendung: 20.05.2012)
3sat

Der Maler El Greco zählt zu den bedeutendsten und teuersten Alten Meistern der Kunstgeschichte. 1541 in Griechenland geboren, machte er in Spanien als Hofmaler bei Philipp II. Karriere.

Doch aufgrund seiner eigenwilligen Interpretation religiöser Themen und seines außergewöhnlichen Mal-Stils hatte der Künstler immer wieder Schwierigkeiten mit seinen Auftraggebern und Zeitgenossen.

Seine dünnen, in die Länge gezogenen, verzerrten Darstellungen der Menschen, seine ungewöhnlich grelle Farbgebung – heute sein Markenzeichen – sorgten damals für Skandale, ließen ihn in Ungnade fallen. Als der Künstler 1614 starb, wurde seinem Werk wenig Wertschätzung zuteil. Viele seiner Kirchenbilder wurden ins Ausland verkauft, über die ganze Welt verstreut. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde El Greco von Kunsthistorikern wiederentdeckt, nahmen Avantgarde-Künstler wie Pablo Picasso sowie die Expressionisten August Macke, Franz Marc und Max Beckmann seine „moderne Auffassung von Malerei“ zum Vorbild für ihre Kunst.

Dienstag, 05.05. / 06:05 Uhr / Can Can und Champagner – Das Moulin Rouge
Film von Susanne Freitag
(Erstsendung: 18.05.2015)
3sat

Das „Moulin Rouge“ ist das wohl bekannteste Revuetheater der Welt. 1889 gegründet, galt es zunächst als frivole und unschickliche Lasterhöhle, in der sich die Pariser Bohème traf.

Heute ist es ein knallhart durchstrukturiertes Unternehmen: 400 Mitarbeiter bereiten täglich das Amüsierprogramm vor, 1700 Gäste kommen jeden Abend, das Theater gilt als größter Champagner-Konsument ganz Frankreichs.

In eigenen Werkstätten werden Schuhe gefertigt, die Federräder und Kostüme genäht. Größe und Gewicht der Tänzerinnen sind vorgeschrieben – nur so lässt sich der perfekte Can Can tanzen, der das „Moulin Rouge“ weltberühmt machte.


Samstag, 09.05. / 19:20 Uhr / Geraubte Kunst ~ Jüdische Sammlungen im Nationalsozialismus
von Felix von Boehm und Constantin Lieb
(Erstsendung: 14.12.2019)
3sat

Geraubt, zerlegt und verkauft: Jüdische Kunstsammlungen – oft über Generationen zusammengetragenen – wurden nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland systematisch enteignet.

Anhand ausgewählter Fälle zeigt die Dokumentation, wie der Kunstmarkt nach 1933 von der Zwangslange vieler jüdischer Sammler profitierte und vor welchen Schwierigkeiten die Provenienzforschung bei der Suche nach verlorenen Objekten bis heute steht.

Die Dokumentation „Geraubte Kunst“ erzählt unter anderem das Schicksal der Sammlung von Ernst und Agathe Saulmann, die die jüdischen Textilunternehmer in ihrem Privathaus auf der Schwäbischen Alb, dem Erlenhof bei Reutlingen, einst zusammengetragen hatten. Nach ihrer Flucht ins Exil beauftragten sie ihren langjährigen Kunsthändler Julius Böhler mit dem Verkauf der Sammlung. Während Böhler von diesem und anderen Verkäufen jüdischer Sammlungen profitierte, gingen seine Einlieferer leer aus und wurden 1938 im französischen Konzentrationslager Gurs interniert. Nur wenige Objekte der Sammlung Saulmann konnten bis heute restituiert werden.

Neben zahlreichen renommierten Provenienzforschern kommen in der Dokumentation auch der Saulmann-Erbe Felix de Marez Oyens zu Wort sowie der Enkel Julius Böhlers, der die Kunsthandlung seines Großvaters bis heute leitet und kürzlich das Firmen-Archiv zur Erforschung an das Münchner Zentralinstitut für Kunstgeschichte übergeben hat. Ob sich durch die Digitalisierung dieser wertvollen Quelle weitere Hinweise zum Verbleib verschollener Werke finden lassen, bleibt abzuwarten.

Samstag, 09.05. / 20:15 Uhr / Starke Stücke: Der Menschenfeind
Von: Molière
Deutsches Theater Berlin
3sat

Alceste: Ulrich Matthes
Philinte: Manuel Harder
Célimène: Franziska Machens
Éliante: Lisa Hrdina
Arsinoé: Judith Hofmann
Oronte: Timo Weisschnur
Acaste: Jeremy Mockridge
Clitandre: Elias Arens

Deutsch von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens
Dramaturgie: Sonja Anders
Bühnenbild: Florian Lösche
Kostüme: Sibylle Wallum
Inszenierung: Anne Lenk
Regie: Anne Lenk
Fernsehregie: Peter Schönhofer
Erstausstrahlung

Im Haus der jungen Witwe Célimène gehen die jungen Männer der gehobenen Gesellschaft ein und aus. Sie umschwärmen die gesellige Frau wie die Motten das Licht.

Auch der alte Griesgram Alceste ist Célimènes Charme erlegen, doch bringt er durch seine krankhafte Eifersucht ihre ungewöhnliche Liebe immer wieder in Gefahr. Célimène genießt die Aufmerksamkeit ihrer vielen Verehrer, beteuert aber, dass ihr Herz nur Alceste gehört.

Obwohl selbst adliger Herkunft, missachtet Alceste die oberflächlichen Vergnügen bei Hof und bringt dies auch immer wieder deutlich zum Ausdruck. Durch seine schonungslose und direkte Art macht er sich immer mehr Feinde. Nicht einmal sein einziger enger Vertrauter Philinte schafft es, ihn zu mäßigen. Alceste beansprucht für sich ein Leben ohne Intrigen, Heuchelei und Tratsch zu führen. Er ist sich sicher, dass seine geliebte Célimène eigentlich im Innern genauso empfindet. Umso mehr trifft es ihn, als unerwartet Briefe auftauchen, in denen sie alle Männer, Alceste eingeschlossen, die sie umwerben, verspottet. Ein kleiner Skandal, der Célimène viele Sympathien kostet, doch Alceste hält ihr weiterhin die Treue. Ob ihrer ungleichen Liebe ein Happy End beschert ist, bleibt jedoch offen.

Die Regisseurin Anne Lenk ist mit ihrer Inszenierung von Molières „Der Menschenfeind“ zum ersten Mal zum Berliner Theatertreffen geladen. Ihre geschliffen klare Regiearbeit wird maßgeblich unterstützt durch Florian Lösches Bühnenbild, seine Version einer schwarzen Gummizelle. Die Wände bestehen aus Gummiseilen, die vom Boden bis zur Decke, eng an eng, gespannt sind und in denen sich die Figuren bei ihren Auf- und Abtritten immer wieder verfangen. Bemerkenswert ist, welche Aufwertung die weibliche Hauptrolle der Célimène erfährt, gespielt von Franziska Machens, die neben Ulrich Mathes als Alceste brilliert. Sie agiert als selbstbewusste und selbstbestimmte Frauenfigur. In einem Umfeld geprägt von Eitelkeiten und Unsicherheiten gibt Célimène den Ton an und ist Herrin ihres eigenen Schicksals.

Redaktionshinweis: Das 57. Berliner Theatertreffen kann 2020 aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung einer weiteren Verbreitung des Coronavirus nicht stattfinden. Daher sind kurzfristige Programmänderungen bei den „Starken Stücken“ vorbehalten.

Samstag, 09.05. / 21:45 Uhr / Fest der Freude 2020 – Das Festkonzert
Wiener Heldenplatz, Mai 2020
Mit Werken von Ludwig van Beethoven
Orchester: Wiener Symphoniker
ORF

Das „Fest der Freude“ findet seit 2013 alljährlich zum Jahrestag der Befreiung Österreichs vom NS-Regime am 8. Mai 1945 am Wiener Heldenplatz statt.

Bevölkerung, Zeitzeugen und die Spitzen des Staates feiern mit einem Festkonzert der Wiener Symphoniker die Wiedererrichtung der Republik Österreich. Zentraler Bestandteil des „Festes der Freude“ ist die Rede eines Zeitzeugen. In diesem Jahr spricht Erika Kosnar.

Sie stammt aus einer Wiener Arbeiterfamilie jüdischen Glaubens.

Das 75. Jubiläum der Befreiung vom Nationalsozialismus steht unter dem Motto „Menschlichkeit ohne Grenzen“. 2020 wird gleichzeitig auch des 250. Geburtstags von Ludwig van Beethoven gedacht. Die Wiener Symphoniker führen unter der Leitung von Alexander Liebreich unter anderem Beethovens erste Symphonie auf.

Das Open-Air-Konzert „Fest der Freude“ findet traditionell bei freiem Eintritt statt und zieht regelmäßig rund 15 000 Besucher an. 2015 wurde das Festkonzert erstmals live im Fernsehen übertragen.

Redaktionshinweis: Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung einer weiteren Verbreitung des Coronavirus ist eine kurzfristige Programmänderung für das „Fest der Freude 2020 – Das Festkonzert“ vorbehalten.

festderfreude.at

Sonntag, 10.05. / 10:05 Uhr / Jewgeni Kissin – Das Comeback einer Pianisten-Legende
Film von Hannah Kristina Friedrich
(Erstsendung: 21.04.2018)
3sat

Jewgeni Kissin – ein Solitär unter den Pianisten. Filmemacherin Hannah Kristina Friedrich hat ihn in seiner neuen Heimat Prag zu einem seiner seltenen Interviews getroffen.

Er ist das Gegenteil eines Showtalents wie es etwa Lang Lang ist. Gerade deshalb zieht er das Publikum weltweit in den Bann wie kaum ein anderer Pianist. Einst als Wunderkind aus der damaligen Sowjetunion von Karajan gefördert, versetzte er die Musikwelt in Verzückung.

Einer, der sich für nichts anderes interessierte als für seine 88 Tasten. Inzwischen ist Jewgeni Kissin ein anderer geworden. Er ist nicht mehr nur mit Mutter und Lehrerin unterwegs, sondern hat geheiratet und interessiert sich plötzlich auch für Politik. Vor allem für Israel, das Land seiner Vorväter. Jetzt hat er sich Beethovens Klavier-Sonaten gewidmet. Und die klingen heute genauso eigenwillig wie makellos.

Sonntag, 10.05. / 10:20 Uhr /Alles mit Links ~ Virtuose Wunder am Klavier
Film von Natascha Pflaumbaum
(Erstsendung: 23.06.2019)
ARD/HR

Klavier spielt man mit zwei Händen. Normalerweise. Aber was ist schon normal? Schon im 19. Jahrhundert haben Komponisten mit einhändigem Klavierspiel experimentiert.

Sie komponierten Werke für die linke Hand – die vermeintlich „schlechtere“ -, weil motorisch nicht so trainierte Hand. Im Ersten Weltkrieg verlor der Wiener Industriellensohn Paul Wittgenstein seinen rechten Arm. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, Pianist zu werden.

Um jeden Preis. Also gab er bei den großen Komponisten seiner Zeit Werke in Auftrag – für seine linke Hand. Entstanden sind Werke, die klanglich, technisch und musikalisch so brillant sind, dass sie mittlerweile viele Pianisten faszinieren. So außergewöhnlich Wittgensteins Geschichte klingen mag: Sie schreibt sich fort bis heute.

Wittgensteins Schicksal ist kein Einzelfall: Auch Pianisten wie Leon Fleisher und Antoine Rebstein waren gezwungen, einhändig zu spielen. Sie haben das Repertoire populär gemacht. Sie haben die Geschichte des linkshändigen Spiels berühmt gemacht. So auch der Neurophysiologe Prof. Eckart Altenmüller, der auf Musiker spezialisiert ist, denen der Körper versagt. Dass Musik immer dann besonders ist und uns berührt, wenn sie etwas Neuartiges eröffnet, zeigt der französische Pianist Pierre-Laurent Aimard: Er spielt das Klavierkonzert für die linke Hand und schreibt als zweihändiger Pianist die Geschichte Wittgensteins auf brillante Weise fort.

Sonntag, 10.05. / 18:30 Uhr / Eins und Eins = Drei. Musiker werden in Kärnten
Film von Barbara Frank
(Erstsendung: 13.10.2019)
ORF

Im Oktober 2019 wurde in Klagenfurt eine neue Universität für 90 Studierende eröffnet, die ganz der Musik gewidmet ist und den Namen des berühmten Wörthersee-Komponisten Gustav Mahler hat.

Bisher mussten junge Kärntner Musiker für einen Universitätsabschluss in andere österreichische Bundesländer ausweichen. Mit der neuen Universität hofft man, sie im Land zu halten. Inwieweit können Investitionen in Kunst und Musik die Abwanderung stoppen?

Es war ein musikalischer Paukenschlag: Kärnten hat am 1. Oktober 2019 eine zweite Universität bekommen: die Gustav Mahler Privatuniversität für Musik. 90 Studierende haben nach strengen Zulassungsprüfungen ihr Studium am südlichsten deutschsprachigen Hochschulstandort im Alpe-Adria-Raum begonnen.

Mit der Akademisierung soll die Jugend, die bisher für einen Universitätsabschluss in andere Bundesländer ausweichen musste, im Land gehalten werden. Kärnten leidet bekanntlich unter einer massiven Talentabwanderung.

Dass die neue Musikuniversität des Landes nun den Namen „Gustav Mahler“ trägt, kommt nicht von ungefähr: Der Komponist steht „für ein symbolträchtiges, tragfähiges und enorm vielschichtiges künstlerisches Leitbild, für eine musikalische Schaffenskraft, welche orthodoxe künstlerische Schaffenszugänge durchbricht und den Mut zu Neuem zu fördern vermag“, wie es Roland Streiner formuliert. Unter seiner Leitung soll die „GMPU“ eine gewichtige Rolle im Hochschulbereich des Alpen-Adria-Raumes einnehmen. „Groß denken“ ist dabei die Devise.

Gleichzeitig rücken die Musikschulen des Landes enger an den universitären Bereich heran. Für die Musikausbildung von Kindern und Jugendlichen zwischen 14 und 19 Jahren wurde an der neuen Universität ein „Exzellenzcluster Musik“ geschaffen.

Daneben gibt das flächendeckende Kärntner Musikschulwesen begabten Kindern die Möglichkeit, das eigene Talent auszuleben, mit Musik zu experimentieren oder Zusammengehörigkeit und Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, also Musik als lebendigen und wichtigen Teil des Lebens zu begreifen. Die Dokumentation geht deshalb auch der Frage nach, wie Musikunterricht in Kärnten funktioniert und warum dieser für das gesellschaftliche Leben von Bedeutung ist.

Tatsächlich erfüllen Musikschulen vor allem in den Regionen und besonders in der ländlichen Peripherie vielfältige Aufgaben als „Kulturnahversorger, Konzertveranstalter, Nachwuchslieferant für Vereine, Kooperationspartner für Pflichtschulen, Bewahrer von tradiertem musikalischen Erbe, Ausbildungsstätte für Chor- und Blasorchesterleiter“, schreibt Johannes Hirschler, pädagogisch-künstlerischer Leiter der Musikschulen des Landes.

Montag, 11.05. / 02:15 Uhr / Taubertal-Festival 2018 mit Feine Sahne Fischfilet und Gogol Bordello
(Erstsendung: 16.05.2019)
ARD/BR

Im August 2018 war es wieder richtig laut in Rothenburg ob der Tauber. Dank 15 000 Musikfans und dank der vielen großartigen Bands aus dem Line-Up. Eine der Bands war Feine Sahne Fischfilet.

Sie haben mit Bengalos, Shanti-Chor und Pfeffi-Fass die Bühne gestürmt. Gogol Bordello gelten als eine der besten und irrsten Livebands weltweit. Sie kommen aus New York und spielen einen sehr eigenen Mix aus Gypsy-Musik, Dub und Punk.

Montag, 11.05. / 03:15 Uhr / Taubertal-Festival 2018 mit Käptn Peng
(Erstsendung: 09.05.2019)
ARD/BR

Im August 2018 war es wieder richtig laut in Rothenburg ob der Tauber. Dank 15 000 Musikfans und den tollen Bands aus dem Line-Up. Eine der Bands war Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi.

Wenn der Begriff „Multitalent“ bloß nicht so häufig genutzt werden würde! Aber wie könnte man Robert Gwisdek alias Käptn Peng besser beschreiben? Er ist nicht nur Musiker, sondern auch Buchautor und mehrfach prämierter Schauspieler.

Also gut: Das Multitalent Käptn Peng und seine Band „Die Tentakel von Delphi“ sind so etwas wie die Könige des (Langzeit-) Studenten-Raps. Da hat jemand auf jeden Fall schon fünf bis zehn Philosophie-Hauptseminare hinter sich und einige Sommer in der Universitätsbibliothek verbracht.

Heraus kommen: pointierte, clevere und witzige Texte mit Hirnschraube. Damit bewegt sich Käptn Peng abseits aller Hipness- oder Zeitgeist-Diskussionen. Käptn Peng und die Tentakel von Delphi sind definitiv einer der obskursten und sehenswertesten Live-Acts im deutschen Hip-Hop. Da gibt es nicht nur den für Rap ziemlich untypischen Kontrabass zu hören, sondern auch einen Perkussionisten, der neben Trommeln auch Kuchenbleche, Koffer und alte Besen dabei hat.

Montag, 11.05. / 04:15 Uhr / PULS Open Air 2019
mit Giant Rooks
(Erstsendung: 25.07.2019)
ARD/BR

Giant Rooks sind eine der wenigen Bands, die es geschafft haben, den Hype zu konservieren – um nun scheinbar spielerisch in die Reihe der etablierten Künstler hinüberzugleiten.

Sie sind quasi die deutsche Indie-Band der Stunde. Die fünf Jungs kommen aus Hamm, mittlerweile leben sie in Berlin. Im Frühjahr 2019 haben sie ihre dritte EP veröffentlicht und eine lange Tour gespielt – unter anderem als Vorband von AnnenMayKantereit.

Anschließend haben die Giant Rooks auch umjubelte Konzerte in Italien und England gegeben, was für deutsche Bands keinesfalls selbstverständlich ist. Dafür verantwortlich ist letzten Endes ihr besonderer Sound, der in Richtung Indie-Rock geht, aber elegant elektronische und Folk-Elemente integriert, so dass er neu und unverbraucht klingt.

Sie selbst nennen das „Art-Pop“. Auch beim „PULS Open Air 2019“ haben die Giant Rooks vor einigen Tausend Festivalbesuchern gespielt und waren richtiggehend gerührt darüber, wie euphorisch sie abgefeiert wurden. Quasi von der ersten Sekunde an.

Freitag, 15.05. / 22:25 Uhr / Eröffnung der Wiener Festwochen 2020
Live zeitversetzt von der Bonner Hofgartenwiese und dem Wiener Rathausplatz

Brückenkonzert Bonn – Wien

Mit Florian Boesch (Bassbariton), Koehne Quartett, Mira Lu Kovacs, Lukas Lauermann, Helge Schneider und den „Strottern“

Musikalische Leitung: Paul Gallister

ORF

Seit Jahrzehnten ist die Festwochen-Eröffnung auf dem Wiener Rathausplatz ein Event für alle Wiener. Bei freiem Eintritt kann man musikalische Darbietungen auf höchstem Niveau genießen.

2020 steht das Konzert ganz im Zeichen des 250. Geburtstags von Ludwig van Beethoven. Unterschiedlichste Künstler wagen unter dem Titel „Variatio, Improvisatio & Fantasio über Beethovens Werk“ eine musikalische Neudeutung und Neubearbeitung seiner Meisterwerke.

Auf der Bühne stehen unter anderen der Bassbariton Florian Boesch, das Koehne Quartett, Mira Lu Kovacs, Lukas Lauermann, Helge Schneider und die Strottern. Die musikalische Leitung hat Paul Gallister. Das Motto ihrer Darbietungen: Beethoven gehört allen!

Redaktionshinweis: Die Eröffnung der Wiener Festwochen ist im Jubiläumsjahr 2020 Ludwig van Beethoven gewidmet. Am Freitag, 15. Mai, finden in Bonn und Wien zeitgleich zwei Open-Air-Konzerte zum 250. Geburtstag des Komponisten statt. 3sat und der ORF übertragen die Highlights aus beiden Konzerten live zeitversetzt von der Bonner Hofgartenwiese und dem Wiener Rathausplatz. Als fulminantes Finale erklingt die in Bonn und Wien gemeinsam musizierte Europahymne, bei der sich die Menschen vor Ort im Publikum, vor den Fernsehgeräten und via internationalem Internetstream zum größten Chor der Welt formieren, um Beethovens humanistische Ideale von Frieden und Geschwisterlichkeit zu zelebrieren.

Aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung einer weiteren Verbreitung des Coronavirus ist eine kurzfristige Programmänderung für die „Eröffnung der Wiener Festwochen 2020“ vorbehalten.


Samstag, 16. 05. / 19:20 Uhr / Mythos Suhrkamp (½): Die Republik – ihre Diskurse – ihr Verlag
Film von Sigfried Ressel
(Erstsendung: 31.08.2019)
3sat

Suhrkamp-Autoren haben seit der Verlagsgründung 1950 die Geschicke beider deutscher Republiken begleitet. Verlagsgeschichte und deutsche Geschichte sind eng verwoben.

Suhrkamp versammelt unter seinem Dach die wichtigsten Intellektuellen aus West und Ost. Sie stoßen wichtige Debatten an und prägen das geistig-kulturelle Leben. Vor allem die Diskurse zur geistigen Erneuerung Nachkriegsdeutschlands gehen von Suhrkamp aus.

Gleich zu Beginn steht die schwierige und konfliktvolle Frage nach der Aufarbeitung des Zivilisationsbruchs durch Nazideutschland, verbunden mit der Suche nach einer neuen Positionierung. Die intellektuellen Reflektionen über die deutsche Teilung, den Kalten Krieg oder die Wiederbewaffnung, der Generationskonflikt um „68“, der die Frage nach der Schuld der Väter stellt und in Gewalt eskaliert. Immer wieder sind es Suhrkamp-Autoren, die politische und gesellschaftliche Fragen aufwerfen und diskutieren. Konstante des Verlagsprogramms ist auch die Bewahrung jüdisch-deutschen Geisteslebens. Und der Blick über die Mauer durch die Herausgabe der Texte vieler wichtiger DDR-Autoren.

Wie kein anderer Verlag prägte Suhrkamp die deutsche Nachkriegskultur. Der Gründer Peter Suhrkamp und sein Nachfolger Siegfried Unseld bauten eine Institution auf, die ihresgleichen sucht: Die ideale personelle Konstellation aus engagierten, kenntnisreichen Lektoren und den wichtigsten deutschsprachigen Autoren, die zu Teilen auch als Herausgeber und Berater für den Verlag tätig waren, schuf die „Suhrkamp Kultur“. Kernstück dieser Kultur war die Taschenbuchreihe „edition suhrkamp“, die Unseld gemeinsam mit dem Designer Willy Fleckhaus „erfand“. Hier kamen auf einzigartige Weise Inhalt und Ästhetik zusammen: In der regenbogenfarbigen Taschenbuchreihe wurden Texte aus Literatur, Geisteswissenschaft, Theorie, Philosophie und Theaterstücke unter einem Dach herausgegeben.

Herausragend für dieses Crossover stehen Namen wie Theodor W. Adorno, Jürgen Habermas, Hans Magnus Enzensberger, Max Frisch, Martin Walser, Friederike Mayröcker, Thomas Bernhard, Volker Braun, Ulrich Plenzdorf, Hans Mayer, Uwe Johnson, Ralf Rothmann, Thomas Hettche, Rainald Goetz, Angela Krauß, Durs Grünbein, Ingeborg Bachmann, Peter Bichsel und Ulla Berkéwicz – um nur einige wenige zu nennen. Die Gesamtausgaben von Bertolt Brecht, Theodor W. Adorno, Georg Wilhelm Friedrich Hegel oder Walter Benjamin sind beispiellose editorische Leistungen. Diese intellektuelle Wucht bildet naturgemäß die Entwicklung der deutschen Nachkriegskultur spiegelbildlich ab, mehr noch: Der Verlag prägte diese in seinen besten Zeiten argumentativ und meinungsbildend.

Die Verlagsgeschichte ist durchwoben von Legenden und Diskursen, die Aufsehen erregten und/oder gesellschaftliche Umbrüche versinnbildlichten. Da gibt es zum Beispiel den sogenannten Lektorenaufstand von 1968 in dem – ganz Zeitgeist – vom Patriarchen Unseld die Vergesellschaftung des Verlages gefordert wurde, die Einladung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt an Siegfried Unseld und Max Frisch zum Meinungsaustausch auf dem zeitlichen Höhepunkt des Deutschen Herbstes von 1978, den auf publizistischer Ebene ausgefochtenen Historikerstreit zwischen Nolte und Habermas, die prophetische und gleichwohl umstrittene Hinterfragung der deutschen Teilung durch Martin Walser in den 1980er-Jahren sowie dessen öffentliche Selbstbefragung zu Auschwitz in seiner Rede in der Paulskirche 1998, die in seiner Umstrittenheit wiederum verdeutlichte, dass sich der Ungeheuerlichkeit des Holocausts immer wieder neu zu stellen ist.

In idealer Weise bot der Suhrkamp Verlag eine kommunikative analoge Plattform, auf der Autoren, Theoretiker, Literaten, Stückeschreiber, Lyriker, Wissenschaftler und Publizisten mit den Lesern in Dialog getreten sind. Dieses Zwiegespräch ebbt mit dem Schwinden der Funktion des Intellektuellen in der Gesellschaft ab; die öffentlichen tiefgreifenden intellektuellen Diskurse bleiben zunehmend aus. Kurzatmiges Twittern ist heute angesagt. Interessanterweise wird dieser Prozess relativ zeitnah mit dem Tod von Siegfried Unseld 2002 zunehmend spürbar.

Auf alle Fälle bleibt der „Mythos Suhrkamp“. Um ihn neu zu entdecken, sammelt die zweiteilige Dokumentation Reflektionen, Stimmen und Geschichten von ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, die aus verschiedensten Perspektiven etwas zu Suhrkamp zu sagen haben: die Autoren Angela Krauß, Hans Magnus Enzensberger, Martin Walser, Ralf Rothmann, Peter Bichsel, Volker Braun und Durs Grünbein, die Lektoren Rudolf Rach, Karlheinz Braun und Thorsten Ahrend sowie die Literaturwissenschaftler Thedel von Wallmoden, Jan Bürger und Jörg Magenau. Komplettiert wird diese filmische Suche nach dem „Mythos Suhrkamp“ durch Fernseh-Archivschätze aus vier Jahrzehnten.

Redaktionshinweis: Den zweiten Teil der Dokumentation „Mythos Suhrkamp“ zeigt 3sat am Samstag, 23. Mai, um 19.20 Uhr.

Samstag, 16. 05. / 20:15 Uhr / Starke Stücke: Anatomie eines Suizids
von Alice Birch
Deutsches Schauspielhaus Hamburg
3sat

Clara: Julia Wieninger
Anna: Gala Othero Winter
Bonnie: Sandra Gerling
Hans: Paul Herwig
Jakob: Tilman Strauß
Jo/Laura/Lola: Josefine Israel
Dirk/Kay/Felix/Luke: Christoph Jöde
Tim/Toby/Steve/Mark: Michael Weber
Emma/Karen/Flora/Ester/May/Diana: Ruth Marie Kröger
Kinder: Tikki Thjöne/Sonja Weißer

Deutsch von Corinna Brocher
Dramaturgie: Sybille Meier
Bühnenbild: Alex Eales
Kostüme: Clarissa Freiberg
Inszenierung: Katie Mitchell
Regie: Katie Mitchell
Fernsehregie: Andreas Morell
Erstausstrahlung

Drei Frauen, drei Generationen, verbunden durch den Suizid. Die Frage: Ist es unausweichlich, steckt der Wunsch, nicht weiterleben zu wollen, nicht zu können, in der DNA dieser Familie?

Oder kann der Kreislauf durchbrochen werden? Am Ende scheint die Lösung fast noch extremer als der Suizid. – Die britische Regisseurin Katie Mitchell inszeniert dieses Familiendrama im Deutschen Schauspielhaus Hamburg als Parallelmontage.

In den 1970er-Jahren: Clara ist jung, schön, verheiratet und lebt mit ihrem Mann im eigenen Haus ein scheinbar sorgloses Leben. Doch Clara versucht sich immer wieder selbst zu töten. Sie liebt das Leben nicht. Sie steckt in tiefer Verzweiflung, jeder neue Tag kostet sie enorme Kraft. Schließlich bekommt sie ein Kind. Doch auch das verleiht ihr nicht den nötigen Lebensmut. Immerhin verspricht sie ihrer kleinen Tochter Anna, so lange wie nur irgendwie möglich für sie am Leben zu bleiben.

Um die Jahrtausendwende: Anna ist rastlos, lebt exzessiv, feiert, verfällt den Drogen. Das Leben fällt ihr schwer. Auch sie hofft Rettung in der Familie zu finden. Sie bekommt eine Tochter, Bonnie, doch auch ihre Düsternis bleibt. Sie geht denselben Weg wie ihre Mutter Clara.

In naher Zukunft: Bonnie lebt für ihren Beruf, sie ist Ärztin. Ihr Privatleben ist kaum existent, sie ist viel allein, und wenn es zu zwischenmenschlichen Kontakten kommt, enden sie meist im Desaster. Ihre Familiengeschichte empfindet Bonnie als große Last. Wie soll sie mit diesem schweren Erbe der zwei suizidalen Müttergenerationen umgehen? Die Geschichte soll sich nicht wiederholen. Bonnie trifft eine radikale Entscheidung.

Auf der dreigeteilten Bühne entwickeln sich die Leben der drei Frauen simultan, sind ineinander verwoben und ergänzen sich. Szenen aus der Vergangenheit lassen das Publikum das Handeln in der Gegenwart oder gar Zukunft begreifen. Die britische Autorin Alice Birch schafft fast so etwas wie ein naturalistisches Drama, das um die Frage kreist, ob man seinem Erbe, seinem Erbgut entkommen kann – oder ob sich die Depression so tief eingeschrieben hat, dass nichts anderes übrig bleibt, als dem dunklen Ruf nachzugeben. Dem Team aus Autorin, Regisseurin und den drei überragenden Hauptdarstellerinnen Julia Wieninger, Gala Othero Winter und Sandra Gerling gelingt damit ein zugleich nüchterner wie zutiefst erschütternder Blick auf das Thema Depression aus rein weiblicher Sicht.

Redaktionshinweis: Das 57. Berliner Theatertreffen kann 2020 aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung einer weiteren Verbreitung des Coronavirus nicht stattfinden. Daher sind kurzfristige Programmänderungen bei den „Starken Stücken“ vorbehalten.

Samstag, 16. 05. / 22:00 Uhr / Jonas Kaufmann in der Waldbühne
Regie: Henning Kasten
(Erstsendung: 15.07.2018)
ZDF

Jonas Kaufmann ist zu Gast in der Berliner Waldbühne. Wenn der beliebte Tenor im Flair einer Open-Air-Sommernacht italienische Arien und Canzonen singt, sind große Gefühle garantiert.

An der Seite von Italien-Fan Jonas Kaufmann tritt als Gast die Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili auf. Es spielt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, geleitet von Jochen Rieder. Die Sommernachtsmusik in der Waldbühne wird von Désirée Nosbusch präsentiert.

Italien ist das Mutterland der Oper und die Heimat stimmungsvoller Canzonen, von Klassikern wie „Torna a Surriento“ bis hin zu dem Welthit „Volare“. Mit dem breiten Repertoire dieser italienischen Nacht befindet sich Jonas Kaufmann auf den Spuren von Caruso und Pavarotti, setzt aber mit dem Timbre seiner brillanten Stimme ganz eigene Akzente.

Als Gast unterstützt ihn dabei Anita Rachvelishvili. Die in Tiflis geborene Mezzosopranistin feierte 2009 ihren internationalen Durchbruch, als sie an der Seite von Jonas Kaufmann die Carmen an der Mailänder Scala sang. Die Presse schwärmt von ihrer Bühnenpräsenz und schreibt: „Eine Stimme wie ein Vulkan!“

Seine große Liebe zu Italien umschreibt Jonas Kaufmann mit folgenden Worten: „Italien ist für mich gelebte Leidenschaft auf höchstem Niveau! Ob das Liebesbeziehungen oder Dramen sind, ob Kunst, Essen oder das süße Nichtstun am Strand: Man hat plötzlich das Gefühl, man muss ständig lächeln …“

Sonntag, 17.05. / 05:40 Uhr / El Greco und die Moderne
Film von Werner Raeune
(Erstsendung: 20.05.2012)
3sat

Der Maler El Greco zählt zu den bedeutendsten und teuersten Alten Meistern der Kunstgeschichte. 1541 in Griechenland geboren, machte er in Spanien als Hofmaler bei Philipp II. Karriere.

Doch aufgrund seiner eigenwilligen Interpretation religiöser Themen und seines außergewöhnlichen Mal-Stils hatte der Künstler immer wieder Schwierigkeiten mit seinen Auftraggebern und Zeitgenossen.

Seine dünnen, in die Länge gezogenen, verzerrten Darstellungen der Menschen, seine ungewöhnlich grelle Farbgebung – heute sein Markenzeichen – sorgten damals für Skandale, ließen ihn in Ungnade fallen. Als der Künstler 1614 starb, wurde seinem Werk wenig Wertschätzung zuteil. Viele seiner Kirchenbilder wurden ins Ausland verkauft, über die ganze Welt verstreut. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde El Greco von Kunsthistorikern wiederentdeckt, nahmen Avantgarde-Künstler wie Pablo Picasso sowie die Expressionisten August Macke, Franz Marc und Max Beckmann seine „moderne Auffassung von Malerei“ zum Vorbild für ihre Kunst.

Sonntag, 17.05. / 10:05 Uhr / lesenswert
Denis Scheck im Gespräch mit Valerie Fritsch und Monika Grütters (MdB)
(Erstsendung: 23.04.2020)
ARD/SWR

Zu Gast bei Denis Scheck sind diesmal Valerie Fritsch mit ihrem zweiten Roman „Herzklappen von Johnson & Johnson“ sowie die Kulturpolitikerin Monika Grütters bei „Mein Leben in drei Büchern“.

In „Herzklappen von Johnson & Johnson“ geht es um die junge Mutter Alma, deren Sohn mit einer seltenen Krankheit geboren wird: Er kann keine Schmerzen empfinden. Was nach dem Paradies auf Erden klingt, entpuppt sich als Sackgasse der Evolution.

Unaufhörlich kontrolliert Alma ihren Sohn in ständiger Sorge vor unentdeckten inneren und äußeren Verletzungen. Trost findet sie bei ihrer bettlägerigen Großmutter. Diese beginnt nun von den Schmerzen ihres Lebens zu erzählen: vom Aufwachsen im Krieg, von Flucht und von Hunger.

Die 1989 geborene Österreicherin Valerie Fritsch studierte angewandte Fotografie und arbeitet als Fotokünstlerin und Schriftstellerin. „Herzklappen von Johnson & Johnson“ ist ihr zweiter Roman.

Zu Gast bei „Mein Leben in drei Büchern“ ist die Kulturpolitikerin Monika Grütters. Zu ihren wichtigsten Büchern zählt sie die Bibel, das Gesamtwerk des deutschen Schriftstellers Jean Paul sowie den Roman „Weit Gegangen“ von Dave Eggers. Letzterer basiert auf der schockierenden Geschichte eines sudanesischen Flüchtlings in den USA. Monika Grütters erzählt, weshalb sie diese Bücher mitgebracht hat und wie sie von ihnen beeinflusst wurde.

Die CDU-Politikerin Monika Grütters ist Staatsministerin der Bundeskanzlei und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Seit 2005 ist sie Mitglied des Bundestages.

Sonntag, 17.05. / 11:30 Uhr / Belcea Quartet – Beethovens Streichquartett in B-Dur, op. 130
Wiener Konzerthaus, 2013
Mit Corina Belcea (Violine I), Axel Schacher (Violine II), Krzysztof Chorzelski (Bratsche) und Antoine Lederlin (Violoncello)
ORF

Mit Spielfreude auf höchstem Niveau und technischer Virtuosität begeistert das Belcea Quartet. 2013 spielten die Musiker Beethovens Streichquartett in B-Dur, op. 130 im Wiener Konzerthaus.

Die rumänische Violinistin Corina Belcea hat gemeinsam mit dem polnischen Bratschisten Krzysztof Chorzelski das Ensemble 1994 gegründet und mit Axel Schacher (Violine) und Antoine Lederlin (Violoncello) komplettiert. In ihrem Repertoire loten sie neue Grenzen aus.

Der Bogen spannt sich von Uraufführungen über Werke von Henri Dutilleux, Béla Bartók und Benjamin Britten bis hin zu Franz Schubert und Wolfgang Amadeus Mozart. Das Ensemble ist zu Gast in den großen Konzerthäusern der Welt wie dem Concertgebouw Amsterdam, der New Yorker Carnegie Hall, den Salzburger Festspielen sowie dem Stockholm Konserthus.

Am Wiener Konzerthaus ist das Ensemble seit 2010 ebenso „Quartet in Residence“ wie an der „Guildhall School of Music & Drama“ in London. Die gesamten Beethoven-Streichquartette haben die Musiker 2012 und 2013 auf ihrem eigenen Exlusiv-Label „Zig-Zag Territoires“ aufgenommen.

„Was diese Musik antreibt, ist die Sehnsucht des Menschen nach Freiheit sowie das unstillbare Verlangen, seine eigenen Grenzen zu erweitern und dabei die Wahrheit über sich selbst zu erfahren“, steht im Vorwort zur Aufzeichnung der Beethoven-Streichquartette.

Sonntag, 17.05. / 12:15 Uhr / Belcea Quartet – Beethovens Streichquartett in cis-Moll, op. 131
Wiener Konzerthaus, 2013
Mit Corina Belcea (Violine I), Axel Schacher (Violine II), Krzysztof Chorzelski (Bratsche) und Antoine Lederlin (Violoncello)
ORF

Mit Spielfreude auf höchstem Niveau und technischer Virtuosität begeistert das Belcea Quartet. 2013 spielten die Musiker Beethovens Streichquartett in cis-Moll, op. 131 im Wiener Konzerthaus.

Die rumänische Violinistin Corina Belcea hat gemeinsam mit dem polnischen Bratschisten Krzysztof Chorzelski das Ensemble 1994 gegründet und mit Axel Schacher (Violine) und Antoine Lederlin (Violoncello) komplettiert. In ihrem Repertoire loten sie neue Grenzen aus.

Der Bogen spannt sich von Uraufführungen über Werke von Henri Dutilleux, Béla Bartók und Benjamin Britten bis hin zu Franz Schubert und Wolfgang Amadeus Mozart. Das Ensemble ist zu Gast in den großen Konzerthäusern der Welt wie dem Concertgebouw Amsterdam, der New Yorker Carnegie Hall, den Salzburger Festspielen sowie dem Stockholm Konserthus.

Am Wiener Konzerthaus ist das Ensemble seit 2010 ebenso „Quartet in Residence“ wie an der „Guildhall School of Music & Drama“ in London. Die gesamten Beethoven-Streichquartette haben die Musiker 2012 und 2013 auf ihrem eigenen Exlusiv-Label „Zig-Zag Territoires“ aufgenommen.

„Was diese Musik antreibt, ist die Sehnsucht des Menschen nach Freiheit sowie das unstillbare Verlangen, seine eigenen Grenzen zu erweitern und dabei die Wahrheit über sich selbst zu erfahren“, steht im Vorwort zur Aufzeichnung der Beethoven-Streichquartette.

Montag, 18.05. / 02:15 Uhr / The long detour – Paul Carrack and Band
Birmingham Symphony Hall, 2018
ARD/SWR

Paul Carrack im Konzert in der Birmingham Symphony Hall, 2018: 3sat zeigt einen beeindruckenden Konzertfilm mit Carracks siebenköpfiger Band.

Paul Carracks erster Konzertfilm enthält viele seiner Hits: „How Long“, „Over My Shoulder“, „Love Will Keep Us Alive“, „Eyes of Blue“. Carracks einzigartige, gefühlvolle Stimme ist ein Muss für Millionen von Fans rund um die Welt.

Viele Größen im Musikgeschäft haben seine Lieder gesungen, darunter The Eagles, Diana Ross und Tom Jones. Er ist ein viel gefragter Keyboarder, der Elton John, Van Morrison, Roger Waters und BB King auf Tournee begleitet hat und zuletzt an Eric Claptons Welttournee teilnahm.

Von der BBC als „der Mann mit der goldenen Stimme“ bezeichnet, gilt Paul zweifelsohne als Schlüsselfigur in der Geschichte der britischen Popszene und als musikalisches Multitalent. Wie seine treuen Fans wissen, ist eine Show mit Paul Carrack etwas ganz Besonderes.

Montag, 18.05. / 03:15 Uhr / Lights on: Larry Carlton & SWR Bigband
Fernsehstudio des SWR, Stuttgart, Juni 2016
ARD/SWR

Mit seinem warmen Ton und schillernden Melodien ist der legendäre US-amerikanische Jazz- und Blues-Musiker Larry Carlton seit Jahrzehnten einer der einflussreichsten Gitarristen weltweit.

Auf dem Konzertprogramm mit der SWR Big Band stehen Songs, die wichtige Wegstrecken in Carltons Karriere markieren: seine Mitgliedschaft bei den Crusaders, die Studioarbeit für Steely Dan, seine Einflüsse wie der Blues und seine eigenen Hits wie „Room 335“.

Es ist das erste Mal, dass der vierfache Grammy-Gewinner Larry Carlton live mit Big Band auftritt, und dabei fühlt er sich sichtlich wohl. Er genießt es geradezu, wie die geballte Kraft der SWR Big Band mit seinem unverkennbaren Gitarrensound zu einem wunderbareren Klangerlebnis wird. Den größten Teil der Arrangements schrieb Magnus Lindgren, der immer wieder erfolgreich mit der SWR Big Band zusammenarbeitet.

Die SWR Big Band gehört seit Langem zu den besten Big Bands der Welt. Seit 2002 wurde sie vier Mal für den Grammy nominiert: für herausragende Solisten, als bestes Ensemble und für beste Arrangements. Musical Director des Konzerts ist Magnus Lindgren, der den Großteil der Arrangements schrieb. Der schwedische Saxofonist/Flötist ist hierzulande insbesondere durch seine Soloprojekte und die langjährige Zusammenarbeit mit Till Brönner oder Nils Landgren bekannt.

Montag, 18.05. / 04:15 Uhr / SWR Bigband: Shosholoza – der Sound Südafrikas
Livemitschnitt bei der Bundesgartenschau Heilbronn, Juni 2019
ARD/SWR

Im Rahmen der Bundesgartenschau Heilbronn 2019 trat die SWR Big Band gemeinsam mit Sängerinnen und Sängern aus Südafrika und dem Projektchor des Schwäbischen Chorverbands auf.

Mitwirkende sind die SWR Big Band unter der Leitung von Magnus Lindgren, Themba Mkhize, iComplete, Siya Makuzeni, Hlulani Hlangwani, Jürgen Schuld sowie der Projektchor des Schwäbischen Chorverbandes unter der Leitung von Holger Frank Heimsch.

Donnerstag, 21. 05. (Christi Himmelfahrt): 3satThementag „Ab ins Grüne“


Regelmäßige Kultursendungen auf 3sat:

Montags – freitags, 19:20 Uhr: Kulturzeit
Das 3sat Kulturmagazin von ZDF, ORF, SRF und ARD
3sat
„Kulturzeit“ ist das werktägliche Kulturmagazin von 3sat.
„Kulturzeit“ mischt sich in kulturelle und gesellschaftspolitische Fragen ein. Das Magazin bietet Hintergrundinformationen, Porträts und Gespräche zu aktuellen und brisanten Fragen.

Samstags, 09:05 Uhr: Kulturplatz

Das Kulturmagazin von Schweizer Radio und Fernsehen, SRF
Hinein ins pralle Leben: „Kulturplatz“ greift auf, was die Menschen beschäftigt, welche Fragen sie sich stellen. Und zeigt, dass die Kultur Antworten gibt.
„Kulturplatz“ findet mitten im Leben statt: im Supermarkt, am Musikfestival, im Wald. Denn Kultur ist viel mehr als Musik, Literatur und Kunst. Kultur durchdringt unser Leben. Wo jemand nachzudenken beginnt, da entsteht Kultur.
Diesem Credo ist „Kulturplatz“ verpflichtet. Die Sendung will für Kultur begeistern und behält dabei die wichtigsten Akteure und Ereignisse des Kulturbetriebes im Blick. „Kulturplatz“ spürt Trends auf und präsentiert Neuentdeckungen.


Diese Übersicht wird stets mehrere Wochen vor den jeweiligen Sendeterminen erstellt. Aktuelle Programmänderungen sind u. U. nicht berücksichtigt. Diese finden sich auf 3sat.de.