TV-Tipps 3sat:


Mittwoch, 08.07. / 01:10 Uhr / Kulturzeit extra: Spiel mir das Lied … Die musikalischen Welten von Ennio Morricone
Film von Lotar Schüler
(Erstsendung: 10.03.2007)

Bereits 2007 erhielt er den Ehrenoscar für sein über 400 Filme umfassendes Werk – damals kannte kaum einer sein Gesicht: Ennio Morricone.

Mit „Kulturzeit“ empfing Il Maestro zum ersten Mal seit den 1970er-Jahren ein deutsches Kamerateam bei sich zu Hause: „Kulturzeit extra: Spiel mir das Lied …“ porträtiert Ennio Morricone und gibt Einblick in sein Leben und seine Arbeit.

Die Dokumentation von Lotar Schüler fragt nach dem Geheimnis von Morricones Musik – dem Versuch der Balance zwischen Sinnlichkeit und Intellekt – und präsentiert Filmausschnitte und historisches Material zu den Dreharbeiten großer Morricone-Filme.

Beleuchtet werden aber auch unbekannte Seiten des Komponisten – wie seine Arbeit an mehr als 500 Schlagern und seine mittlerweile erfolgreich aufgeführte E-Musik. Und es werden Entdeckungen gemacht. Wer hätte schon gedacht, dass ausgerechnet ein Besuch in Darmstadt zu den wichtigen Stationen im Leben des Ennio Morricone gehört?

Berühmt machte den italienischen Filmkomponisten, der für über 400 Spielfilme die Musik komponierte, vor allem die Zusammenarbeit mit Sergio Leone. Dessen erfolgreiche Italowestern, allen voran „Spiel mir das Lied vom Tod“, wurden nach Kritikermeinung zu einem erheblichen Teil durch Morricones Musik geprägt. Morricone war für die Musik von Filmen wie „Days of Heaven“ (1978), „The Mission“ (1986), „The Untouchables“ (1987), „Bugsy“ (1991) und „Malèna“ (2000) insgesamt sechs Mal für einen Oscar nominiert.

Redaktionshinweis: Am 6. Juli starb der italienische Filmkomponist Ennio Morricone im Alter von 91 Jahren. Aus diesem Anlass zeigt 3sat „Kulturzeit extra: Spiel mir das Lied… – Die musikalischen Welten von Ennio Morricone“. Das Porträt aus dem Jahr 2007 entstand anlässlich der Verleihung des Ehrenoscars für sein Lebenswerk.

Webspecial: .3sat.de


Samstag, 11.07. / 19:20 Uhr / Stefan George – Das geheime Deutschland
Film von Ralf Rättig
(Erstsendung: 07.07.2018)
3sat

Der Dichter Stefan George (1868-1933) hat Spuren hinterlassen. Sie reichen bis zum Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944. Wer war Stefan George? Was war seine politische Vision?

Stefan George sah sich als Repräsentant eines „geheimen Deutschlands“. Er hatte die Macht, Menschen an sich zu binden und zu formen. Am Beispiel Stefan Georges entwickelte Max Weber die Theorie der charismatischen Herrschaft, die später den Aufstieg Hitlers erklärte.

Über kaum einen Dichter des 20. Jahrhunderts wurde so gerätselt wie über Stefan George. Noch immer umgibt ihn das Mysterium, das er selbst schuf. Aber wer war er wirklich?

Vor 150 Jahren, am 12. Juli 1868, wurde Stefan George in Büdesheim bei Bingen geboren. Mit seinen zunächst symbolistischen, dann zunehmend prophetischen Gedichten gehört er, neben Rainer Maria Rilke und Hugo von Hofmannsthal, zu den bedeutendsten Dichtern der Jahrhundertwende. Er war auch eine der einflussreichsten kulturellen Persönlichkeiten seiner Zeit.

Unzählige junge Soldaten marschierten mit seinen Gedichten im Tornister in den Ersten Weltkrieg. Er war der unumstrittene charismatische Führer einer Freundesgruppe. Mit seinem Kreis – seinem „Staat“, wie er ihn nannte – wollte George das „geheime Deutschland“ schaffen, ein neues Reich, aufgebaut auf einen „geistigen Adel“, den er und seine Jünger verkörperten.

Seine Anhänger fand Stefan George unter jungen Männern, die er nach griechischem Vorbild mit pädagogischem Eros an sich band. Männer wie die Brüder Stauffenberg. Als 1928 Georges letzter Gedichtband „Das Neue Reich“ erschien, glaubte George schon nicht mehr an eine politische Umsetzung seiner Ideale. Was ihn nicht davor feite, von den Nationalsozialisten vereinnahmt zu werden. Er entzog sich und starb im Dezember 1933 im selbstgewählten schweizerischen Exil.

Vieles aus Georges Welt hat weiter gewirkt bis in unsere jüngste Gegenwart – von der Odenwaldschule zur gerade wieder aufflammenden Diskussion um die Bedeutung Deutschlands bis zur Frage, welche Rolle das Charisma heute in der Politik spielen soll.

Die Dokumentation stellt diese Verbindungen Georges zur Gegenwart her, unter anderem mit der Philosophin Svenja Flaßpöhler, der Pädagogin Meike Sophia Baader und dem Schriftsteller Simon Strauß. Der George-Biograf Thomas Karlauf begleitet das Filmteam an wichtige Stationen von Georges Leben, vom Elternhaus bis zum Lago Maggiore, wo George gestorben ist.

Samstag, 11.07. / 20:15 Uhr / Das Rheingau-Konzert
Benefizkonzert des hr-Sinfonieorchesters
Geige: Lisa Batiashvili
Orchester: hr-Sinfonieorchester
Musikalische Leitung: Andrés Orozco-Estrada
Das hr-Sinfonieorchester, das das Rheingau Musik Festival traditionell in der Basilika des Kloster Eberbach eröffnet, wandelt das ausgefallene Ereignis nun zum Benefizkonzert um.

„Damit setzen wir ein Zeichen der Verbundenheit mit dem Festival“, sagt Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada. Er hat Stücke zu den Themen Licht, Freiheit und Hoffnung zusammengestellt, von der Bach-Arie bis zu Mendelssohns „Sommernachtstraum“.

Als Reminiszenz an das Beethoven-Jahr stehen die Ouvertüren aus „Egmont“, „Fidelio“ und den „Geschöpfen des Prometheus“ auf dem Programm. Solistin des Abends ist die Stargeigerin Lisa Batiashvili, die Neuarrangements klassischer Werke unter dem Titel „City Lights“ auf die Bühne bringt. Präsentiert wird das Konzert von Andrés Orozco-Estrada, der die Zuschauer zugleich auf eine kleine Entdeckungstour durch die Klosteranlage einlädt.

Das Benefizkonzert, das diesmal ohne Publikum vor Ort auskommen muss, ist verbunden mit dem Aufruf an die Zuschauer, die Stiftung Rheingau Musik Festival zu unterstützen. Die gemeinnützige Stiftung Rheingau Musik Festival wird einen Großteil der Spenden an Musikerinnen und Musiker weiterleiten, die durch die Absage des Festivals in finanzielle Nöte geraten sind. „Es geht uns dabei besonders um jene Künstler, die nicht zu den Spitzenverdienern gehören“, betont Festival-Intendant Michael Herrmann.

Samstag, 11.07. / 21:45 Uhr / Sonderkonzert des Münchner Rundfunkorchesters
Zur Stabsübergabe in der EU-Präsidentschaft von Kroatien auf Deutschland

Mit Emmanuel Pahud (Flöte), Monika Leskovar
(Violoncello) und Tomislav Muzek (Tenor)
Programm:
Marc-Antoine Charpentier „Te Deum: Prélude“,
Johann Sebastian Bach „Suite Nr. 3 D-Dur,
BWV 1068: Ouvertüre“, Johann Sebastian Bach
„Suite Nr. 2 h-Moll, BWV 1067: Menuet, Polonaise,
Badinerie“, Luka Sorkoèeviæ „Symphonie Nr. 3“,
Felix Mendelssohn Bartholdy „Symphonie für
Streichorchester Nr. 10 h-Moll“, Max Bruch
„Kol Nidrei für Violoncello und Orchester“,
Wolfgang Amadé Mozart „Flötenkonzert G-Dur,
KV 313: 1. Satz“, Richard Strauss
„Serenade Es-Dur, op. 7 für 13 Bläser“,
Richard Wagner „Lohengrin: „In fernem Land“, 3. Akt“
Boris Papandopulo „Sinfonietta für
Streichorchester: Perpetuum mobile“,
Jakov Gotovac „Ero der Schelm: Finale (Kolo)“,
Ludwig van Beethoven „Symphonie Nr. 9 d-Moll: 4. Satz“
(Ausschnitt)
Orchester: Münchner Rundfunkorchester, HRT Sinfonieorchester
Musikalische Leitung: Ivan Repušic
Moderation: Maximilian Maier
(Erstsendung: 06.07.2020)
Am 1. Juli geht die EU-Ratspräsidentschaft turnusgemäß von Kroatien auf Deutschland über. Ein Konzert anlässlich der Übergabe der EU-Ratspräsidentschaft von Kroatien an Deutschland.

Aus diesem Anlass präsentieren das Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung seines kroatischen Chefdirigenten Ivan Repušiæ sowie der HRT-Chor und das HRT-Symphonieorchester unter Tomislav Faèini einen Streifzug durch die Musikgeschichte Kroatiens.

Grußbotschaften der jeweiligen Kulturminister unterstreichen den besonderen Charakter dieses TV-Konzerts als Zeichen der europäischen Freundschaft, gerade in Corona-Zeiten.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen „3satFestspielsommer“ am Samstag, 18. Juli, um 20.15 Uhr mit „Eine musikalische Reise durch Grafenegg“ fort.

Sonntag, 12.07. / 3satThementag Krimi-Klassiker


Samstag, 18.07. / 19:20 Uhr / „Diesen Kuss der ganzen Welt“ – Beethoven heute
Film von Lisa-Marie Schnell und Alexandra Hardorf
(Erstsendung: 01.01.2020)
3sat

Das meistgespielte, beispiellose Komponisten-Genie: Was bedeutet Ludwig van Beethoven jungen Leuten in aller Welt heute? Eine Abenteuerreise auf den Spuren Beethovens rund um den Globus.

Das Filmteam trifft biertrinkende Beethoven-Fans in Australien, singende Zehntausend in Japan, einen virtuosen Nachwuchs-Pianisten in Indien, einen jungen Geiger in Namibia und begeisterte Tänzer in Kolumbien. Was passiert da, wenn Beethovens Werke erklingen?

Welche Wirkung entfalten sie im digitalen, globalen 21. Jahrhundert? Was machen Millennials in völlig unterschiedlichen Kulturen heute aus dem Titanen der deutschen Klassik: „Lebt“ Beethoven – oder bleibt er auf dem wohletablierten Sockel der Verehrung?

Dass schon der scheinbar unnahbare „Titan“ mit seiner Musik die ganze Welt umarmen wollte, hört man im mächtigen Chorklang seiner 9. Sinfonie: „Diesen Kuss der ganzen Welt!“ – ein Welthit der musikalischen Völkerverständigung.

Die filmische Reise beginnt in Australien, wo Beethoven gerade in einer großen Umfrage zum nationalen Lieblingskomponisten gewählt wurde. In Brisbane trifft das Filmteam Alondra de la Parra, die Chefdirigentin des Queensland Symphony Orchestra. Geboren wurde sie 1980 in New York, aufgewachsen ist sie in Mexico City. In der Männerdomäne des Dirigierens hat sie sich schon jung einen Namen gemacht. Ihr Orchester in Brisbane spielt im Film die 6. Sinfonie, die „Pastorale“. Über Beethoven sagt Alondra de la Parra, dass er in der DNA jedes Musikers sei – auch in ihrer eigenen. Musikalisch gesehen sei er so etwas wie ihr bester Freund, wenn sie auch mit seiner Persönlichkeit hadert: „Ich stehe mit diesem Mann in solch einem Konflikt, dass ich ihn nicht hätte kennenlernen wollen. Es reicht mir, ihn durch seine Musik zu treffen.“

Vom großen Meister schwärmen auch die junge Sopranistin, die alljährlich im „Chor der 10 000“ im japanischen Naruto die „Ode an die Freude“ schmettert oder der 13-jährige indische Starpianist Lydian Nadhaswaram, der nicht nur die „Mondscheinsonate“ genial und neu interpretiert.

Eine ungeahnte Rolle spielt Beethoven bei einem Kulturprojekt mit kolumbianischen Straßenkindern oder beim jungen Orchestermusiker Ronaldo Kandume in der Namibischen Wüste: jenseits der großen Bühnen, im Alltag der Menschen und in den großen Landschaften, in denen sie leben. In Beethovens Heimat schließlich bringt der Berliner Musikproduzent Moguai Beethoven und Techno zusammen – und Zehntausende zum Jubeln und Feiern. Was verbinden die jungen Elektrofans mit Beethoven? Und was verbindet Beethoven mit Europa? Ein neuer Blick auf die „Ode an die Freude“.

Auf ihrer Weltreise in Sachen Beethoven finden die Filmemacher in jeder Zeitzone, an jedem besuchten Ort eine spannende, ungewöhnliche, anrührende, virtuose oder coole Beethoven-Story. Authentische Geschichten junger Leute, in deren Leben Beethoven und sein Werk aus verschiedenen Gründen eine entscheidende Bedeutung hat. Wie kann das deutsche Komponisten-Genie mit seiner Musik auch 250 Jahre nach seiner Geburt Menschen auf allen Kontinenten berühren, beschäftigen und nachhaltig beeinflussen?

Samstag, 18.07. / 20:15 Uhr / 3satFestspielsommer: Eine musikalische Reise durch Grafenegg
Bildregie: Felix Breisach
(Erstsendung: 19.06.2020)
ORF

Die beliebte Sommernachtsgala aus Grafenegg musste 2020 wegen der Corona-Krise abgesagt werden. Stattdessen findet eine Grafenegger Soiree der besonderen Art statt.

Unter freiem Himmel, inmitten des weitläufigen Schlossparks, gibt sich der Pianist und Intendant Rudolf Buchbinder gemeinsam mit verschiedenen Stimmführern aus dem Tonkünstler Orchester Niederösterreich ein musikalisches Stelldichein.

An verschiedenen Orten am Festivalgelände, zwischen Wolkenturm, Schloss, Auditorium, Gartenpavillon und idyllischem Park-Biotop erklingen bekannte Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Frédéric Chopin, Joseph Haydn und dem Jahresregenten Ludwig van Beethoven.

Samstag, 18.07. / 21:15 Uhr / 3satFestspielsommer: Die drei Tenöre – Ihre verschollenen Konzerte
Mit Luciano Pavarotti, Plácido Domingo und José Carreras
(Erstsendung: 02.09.2017)
ORF

7. Juli 1990: Anlässlich der Fußball-WM standen in Rom die drei Tenöre Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras auf der Bühne – eine Art „Urknall“ der klassischen Musik.

Über eine Milliarde Menschen weltweit verfolgte diesen TV-Auftritt. Weitere sechs Konzerte wurden aufgezeichnet, doch diese Aufnahmen verschwanden für viele Jahre in einem Archiv in London. Nun ist es gelungen, die schönsten Momente dieser Konzerte zusammenzutragen.

Mit ihrem Konzert in den Caracalla-Thermen verhalfen Plácido Domingo, Luciano Pavarotti und José Carreras der klassischen Musik zu einer ungeahnten neuen Blüte, einem wahren Klassik-Boom. Die Aufnahme des Konzerts wurde zum meistverkauften Klassik-Album aller Zeiten.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen „3satFestspielsommer“ am Samstag, 25. Juli, um 20.15 Uhr fort.

Sonntag, 19.07. / 09:10 Uhr / Die Befreite: Was Simone de Beauvoir wirklich wollte (VPS 9.05)
(aus der SRF-Gesprächsreihe „Sternstunde Philosophie“)
(Erstsendung: 10.11.2019)
SRF

Feministische Vordenkerin, Ikone des Existenzialismus: Simone de Beauvoir ist die wohl einflussreichste Intellektuelle des 20. Jahrhunderts. Doch ihr Werk und Leben wurde missverstanden.

Das sagt die Philosophin Kate Kirkpatrick in der Gesprächsreihe „Sternstunde Philosophie“ und legt dar, warum es Simone de Beauvoir neu zu entdecken gilt.

„Man wird nicht als Frau geboren, man wird zu ihr gemacht“, so lautet einer der Kernsätze aus Simone de Beauvoirs Werk „Das andere Geschlecht“. 1949 erschienen, markiert dieses Buch einen Meilenstein in der Geschichte des Feminismus und machte seine Autorin endgültig zu einer globalen Kultgestalt.

Doch bereits zuvor war Simone de Beauvoir als Lebens- und Denkgefährtin von Jean-Paul Sartre zur Ikone eines neuen, freiheitssehnenden Lebensentwurfes geworden, der in der Denkströmung des Existenzialismus seine gedankliche Rechtfertigung fand.

In ihrem jüngst erschienenen Buch „Becoming Beauvoir“ legt die britische Philosophin Kate Kirkpatrick nun Aspekte in de Beauvoirs Biografie frei, die zu einem neuen Verständnis des Existenzialismus führen – wie auch zur Neubewertung von Simone de Beauvoirs Lebensweg, der im 20. Jahrhundert unser Bild einer öffentlichen Intellektuellen maßgeblich geprägt hat.

Sonntag, 19.07. / 10:05 Uhr / lesenswert Quartett
Denis Scheck im Gespräch mit Insa Wilke, Ijoma Mangold und dem Gast Julia Schröder
(Erstsendung: 09.07.2020)
ARD/SWR

Mit Gastgeber Denis Scheck diskutieren im „lesenswert Quartett“ die Literaturkritiker Insa Wilke und Ijoma Mangold und ihr Gast Julia Schröder über vier Bücher.

Folgende Bücher werden besprochen: „Allegro Pastell“ von Leif Randt, „Die rechtschaffenen Mörder“ von Ingo Schulze, „Spiegel und Licht“ von Hilary Mantel und „Sarah.“ von Scott McClanahan. Nicht immer sind sich die „Quartett“-Teilnehmer einig in ihrer Bewertung.

Es gibt Lob und Tadel, mal lebhaft und impulsiv, mal sachlich und analytisch. Immer stehen die Bücher im Mittelpunkt, denn am Ende soll der Leser eine klare Vorstellung vom Inhalt haben und wissen, was ihn bei der Lektüre erwartet.

Sonntag, 19.07. / 11:05 Uhr / Die Kunst findet nicht im Saale statt ~ Der Plakatkünstler Klaus Staeck
Film von Andreas Ammer
(Erstsendung: 16.04.2020)
ARD/SWR

Klaus Staeck gilt als bedeutendster politischer Grafiker und Plakatkünstler, der seit Ende der 1960er-Jahre pointiert und provokant Missstände in Politik und Gesellschaft anprangert.

Staeck, Jahrgang 1938, gehört zu jener Generation von deutschen Intellektuellen, deren Leben mit der Geschichte der Bundesrepublik zusammenfällt. Der Autor Andreas Ammer zeigt ein eindrucksvolles, inspirierendes Bild des Künstlers, Aktivisten und Menschen Klaus Staeck.

Bekannt wurde Klaus Staeck mit politischen Fotomontagen und Plakaten, deren bekanntestes „Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen“ hohe fünfstellige Auflagen erzielte. Der Spruch wurde zum geflügelten Wort. Staeck ist ein populärer Künstler, der verstanden werden will. Mehr als 3000 Einzelausstellungen sind ihm gewidmet worden.

Der in Bitterfeld aufgewachsene, stets streitbare Jurist wohnt seit seinem Abitur in Heidelberg. Dort gründete er den Produzentenverlag „Edition Staeck“, der bis heute Kunst von großen Künstlern für kleines Geld vertreibt. Mehr als 40 Mal wurde er für seine Plakatkunst verklagt. Stets gewann er in der juristischen Auseinandersetzung, die nicht selten zum Spektakel geriet.

Als enger Freund von Joseph Beuys wurde er Vorsitzender von dessen „Free International University“ (FIU). Als Präsident der Berliner Akademie der Künste gestaltete er maßgeblich die ästhetische Wiedervereinigung der Republik Deutschland mit.

Andreas Ammer begibt sich gemeinsam mit Klaus Staeck auf die Spuren von dessen Kindheit in Bitterfeld, begleitet ihn zu wichtigen Stationen seines künstlerischen Schaffens in Heidelberg und Berlin und lässt Weggefährten aus Kunst und Politik zu Wort kommen – darunter den weltweit gefragten Drucker und Verleger Gerhard Steidl sowie Martin Schulz und Monika Grütters. Dabei springt Ammer immer wieder zwischen den Zeiten hin und her – zwischen dem jungen und dem nun über 80-jährigen Klaus Staeck.

Private Filmaufnahmen Staecks geben Einblicke in die frühe Zeit seiner Aktionskunst mit Christo und die Künstlerfreundschaft mit Joseph Beuys. Der Film erzählt spannend, informativ und einfühlsam. Klaus Staeck hat den Dokumentarfilm künstlerisch begleitet und politisch kommentiert – und ist gestaltend Teil der Geschichte geworden.

Sonntag, 19.07. / 12:05 Uhr / Vincent van Gogh Superstar
Film von Stefanie Appel
(Erstsendung: 27.10.2019)
ARD/HR

Vincent van Gogh (1853-1890) ist auf der ganzen Welt ein Star. Nicht nur wegen seiner farbenfrohen Bilder, auch sein tragisches Leben liefert genug Stoff für eine konstante Euphorie.

Vincent van Gogh lebt in der Imagination, ist ein Mythos in Europas kollektivem kulturellem Gedächtnis. Was ist sein Geheimnis? Oder ist van Gogh nicht doch eher ein Fall systematischer Legendenbildung, die längst den Blick auf die Fakten verstellt hat?

Der Film erzählt vom „Making of“ dieses universell funktionierenden Malers und ist eine Entdeckungsreise zum echten van Gogh. Sie führt von Auvers-sur-Oise über Paris und Holland auch in die Seele der asiatischen Kunstfans, die zu den größten Verehrern van Goghs gehören.

In Begegnungen mit den führenden Van-Gogh-Experten Europas, aber auch mit seinen Groupies und mit zeitgenössischen Künstlern wie Ai Weiwei untersucht der Film van Gogh als Fallstudie im Kontext der Frage nach nationalen Identitäten, Leitkulturen und der Suche nach Authentizität, gerade weil sein Werk in Asien genauso fanatisch rezipiert wird wie in den USA und in Europa.

In seinen Briefen formuliert van Gogh selbst, dass er den Menschen die Augen und die Herzen öffnen wolle – und dass er hoffe, dass die Menschen nicht seine Bilder nur ansehen, sondern die Lebenskraft in ihnen sehen werden. Es scheint ihm gelungen, denn Millionen auf der Welt wollen ihn sehen. Doch sehen sie wirklich den wahren Vincent van Gogh?

Montag, 20.07. / 12:45 Uhr / Bregenz, da will ich hin!
Mit Simin Sadeghi
Film von Ute Werner
(Erstsendung: 12.10.2019)
ARD/SR

Bregenz ist die Hauptstadt des österreichischen Bundeslandes Vorarlberg. Sie liegt eingeklemmt zwischen Schweiz, Deutschland, dem 1064 Meter hohen Hausberg Pfänder und dem Bodensee.

Bregenz liegt wenige Kilometer von der Rheinmündung entfernt. Das Zentrum ist nicht groß, aber sehenswert, vor allem die Oberstadt. Sehr schön auch der Kornmarkt, ein neu gestalteter Platz mit dem Kunsthaus Bregenz des Schweizer Star-Architekten Peter Zumthor.

Für Moderatorin Simin Sadeghi bietet die Stadt viele Möglichkeiten, aktiv zu sein: Sie fährt mit dem E-Boot auf den Bodensee hinaus und mit dem Fahrrad am Seeufer entlang, sie wandert zusammen mit Bregenzerinnen auf den Pfänder und erfrischt sich hinterher im See, und sie ist mit dem „Rheinbähnle“ auf der sogenannten Rheinvorstreckung bis mitten in den Bodensee unterwegs. Durch die Rheinvorstreckung wurde der Flusslauf mit über vier Kilometer langen Dämmen künstlich in die Mitte des Sees verlängert, um eine drohende Verlandung vorerst zu verhindern.

Nicht zuletzt ist Bregenz für die im Sommer stattfindenden Festspiele und für die spektakulären Bühnenbilder auf der Seebühne bekannt. 2019 hatte die Verdi-Oper „Rigoletto“ Premiere, auch im Jahr 2021 steht sie noch auf dem Programm. Simin Sadeghi macht sich hinter der Bühne mit der aufwendigen Technik vertraut und ist beeindruckt vom Zusammenspiel von Sängern und Bühnenbild.

Montag, 20.07. / 01:05 Uhr / Rockpalast Crossroads: Sate
Mit Sate (Gesang), Geoff Torm (Gitarre), Wade Brown (Keyboards), Alex St. Kitts (Bass) und Tony Rabalao (Schlagzeug)
(Erstsendung: 29.05.2017)
ARD/WDR

Die kanadische Sängerin Sate kombiniert mit ihrer Band Hardrock und groovenden Funk – und das nicht nur mit größter handwerklicher Akkuratesse, sondern mit enorm einnehmender Ausstrahlung.

Sie spielt auf der Klaviatur aller menschlichen Emotionen, thematisiert Wut, Freude, Miteinander. In apokalyptischem, an „Mad Max“ gemahnenden Endzeit-Outfits wirbelt sie über die Bühne, dass das Publikum erst staunt und sich dann in Sates Welt fallen lässt.

Als Tochter der kanadischen Jazz-, Blues- und Gospel-Pionierin Salome Bey hat sie, während sie in Toronto aufwuchs, von allen musikalischen Größen gelernt, fügte dann die Inhalte und Haltungen ihrer eigenen musikalischen Sozialisationseinflüsse – namentlich Punk und Hardrock – hinzu und hat so ihre eigene musikalische Welt geschaffen. Das „Now Magazine“ beschrieb sie als einen „Tornado an Bühnenpräsenz“.

Montag, 20.07. / 02:20 Uhr / Rockpalast Crossroads: Lisa & The Lips
Mit Lisa Kekaula (Gesang), Bob Vennum (Gitarre, Bass, Synthesizer, Gesang), Pablo Pérez (Gitarre), Henrik Widen (Keyboards, Vibraphone), Maxi Resnicosky (Schlagzeug), Pablo Rodas (Bass), David Carrasco (Saxofon) und Alex Serrano (Trompete)
(Erstsendung: 15.12.2014)
ARD/WDR

Tina? Aretha? Sharon Jones? Nein, es ist die 1967 in Los Angeles geborene Lisa Kekaula, deren Organ von Funk, Soul und gutem, alten R ’n ‚B befeuert wird.

Kekaula und ihr Mann Bob Vennum, die mit The Bellrays seit Langem an der glücklichen Vermählung von Rock und Soul arbeiten, scharten Musiker aus aller Welt um sich, um mit Lisa & The Lips der Essenz aus heißem Soul und sexy Funk zu huldigen.

Ein derartiger, schweißtreibender Groove wird sonst vielleicht nur noch von Daptone-Produktionen erreicht. Einflüsse und Vorbilder wie Sly And The Family Stone, Parliament oder die Temptations mag es viele geben – Lisa & The Lips finden jedoch stets eigene Wege, Soul und Funk auf ihre Weise zu interpretieren. Es ist spürbar, mit welchem Eifer und mit welcher Hingabe sie dies tun. Das Herz auf dem rechten Fleck haben sie ohnehin, geben sie doch als ihr Ziel an, „to make a lot of money and buy a national radio station. And then burn it down“.

Montag, 20.07. / 03:36 Uhr / Rockpalast Crossroads: Nik West
(VPS 3.35)
Mit Nik West (Bass, Gesang), Hubie Wang (Gitarre), Dave Schulz (Keyboards), Brittany Maccarello (Schlagzeug) und Nichelle Korto (Gesang)
(Erstsendung: 11.05.2015)
ARD/WDR

Nik West gilt – nicht erst seit sie für Prince Bass spielt – als talentierteste Nachwuchsbassistin der Gegenwart. Talent und Charisma gehen bei ihr Hand in Hand.

Hatte ihr erstes Album „Just in The Nik of Time“ noch viele Anleihen im Soul und Jazz gemacht, so wandte sich Nik West zuletzt mehr und mehr einem funky Rock zu. Ihre extravaganten Outfits tragen obendrein zu ihrer außergewöhnlichen Ausstrahlung bei.

Hinzu kommt Nik Wests Talent als Sängerin und Songwriterin, was die „Seattle Times“ zu dem Vergleich „Prince trifft Erykah Badu mit funky Basslinien“ veranlasst. Bootsy Collins gerät geradezu ins Schwärmen: „Nik West bringt definitiv das Funk-Groovement zurück – ich liebe alles, wofür sie steht!“ Dave Stewart, mit dem Nik an diversen Projekten arbeitete, nennt sie „die weibliche Lenny Kravitz“, und das „billboard“-Magazin ergründet ihre musikalischen Wurzeln: „… sie ist eine junge Bassistin, die ihr Instrument wirklich versteht und die spielt, als sei sie inspiriert von den Funk-Größen wie Larry Graham, Louis Johnson und Marcus Miller.“

Montag, 20.07. / 04:35 Uhr / Rockpalast Crossroads: Felin
Mit Elin Blom (Gesang, Gitarre), Erik Moberg (Gitarre, Gesang), Oskar Södermann (Bass, Gesang) und Jacki Löfmark (Schlagzeug, Backing Tracks)
(Erstsendung: 21.11.2016)
ARD/WDR

Felin ist ein schwedisches Duo – eigentlich. Sängerin Elin Blom tat sich mit dem in Schweden bekannten Fotografen Fredrik Etoall zusammen, um ein multimediales Kunstprojekt zu schaffen.

Auf der Bühne tritt Etoall allerdings nicht in Erscheinung. Musikalisch sind Felin beeinflusst von Patti Smith, Joan Jett, Garbage und Blondie. Ihre Auftritte sind geprägt von selbstbewusster Rotzigkeit und dem Willen zum großen Pop-Wurf.

Kunst und Pop – häufig eine eher unheilige Allianz – gehen bei Felin eine mitreißende Liaison ein.

Montag, 20.07. / 05:15 Uhr / Rockpalast Crossroads: The Buttshakers
Mit Ciara Thompson (Gesang), Sylvain Lorens (Gitarre), Jocelyn Soutrenon (Schlagzeug), Vincent Girard (Bass), Guillaume Nuss (Posaune) und Frederic Gardette (Saxofon)
(Erstsendung: 30.11.2015)
ARD/WDR

Angeführt von dem wild-energetischen Riot-Girl Ciara Thompson liefern The Buttshakers einen Mix aus Rhythm ’n‘ Blues und ungezähmten Northern Soul mit einer Prise Garage und viel Sex-Appeal.

Beeinflusst von Sly & the Family Stone, Charles Bradley und Sharon Jones gibt es auch Anlehnungen an den Motown-Sound der 1960er-Jahre. Die Franzosen mit der Sängerin US-amerikanischer Herkunft versprühen bei aller Nähe zum Soul die Energie des Rock ’n‘ Roll.

The Buttshakers sind in der Lage, jedes Publikum zu einer tanzenden, schwitzenden, glückseligen Menge zu verwandeln. Dabei begeistern sie gleichermaßen die Jazzkenner als auch die Rocker, die Mods oder einfach jeden Liebhaber der schmutzigen und verschwitzten Soul-Musik.

Dienstag, 21.07. / 06:05 Uhr / Jewgeni Kissin – Das Comeback einer Pianisten-Legende
Film von Hannah Kristina Friedrich
(Erstsendung: 21.04.2018)
3sat

Jewgeni Kissin – ein Solitär unter den Pianisten. Filmemacherin Hannah Kristina Friedrich hat ihn in seiner neuen Heimat Prag zu einem seiner seltenen Interviews getroffen.

Er ist das Gegenteil eines Showtalents wie es etwa Lang Lang ist. Gerade deshalb zieht er das Publikum weltweit in den Bann wie kaum ein anderer Pianist. Einst als Wunderkind aus der damaligen Sowjetunion von Karajan gefördert, versetzte er die Musikwelt in Verzückung.

Einer, der sich für nichts anderes interessierte als für seine 88 Tasten. Inzwischen ist Jewgeni Kissin ein anderer geworden. Er ist nicht mehr nur mit Mutter und Lehrerin unterwegs, sondern hat geheiratet und interessiert sich plötzlich auch für Politik. Vor allem für Israel, das Land seiner Vorväter. Jetzt hat er sich Beethovens Klaviersonaten gewidmet. Und die klingen heute genauso eigenwillig wie makellos.

Dienstag, 21.07. / 06:20 Uhr / Kreativ durch die Krise ~ Künstler weltweit trotzen dem Virus
Film von Verena Glanos
(Erstsendung: 13.06.2020)
3sat

Geschlossene Konzerthallen, Ateliers, Theater: Künstler erzählen, wie die Corona-Pandemie ihre Arbeit vor riesige Herausforderungen stellt und mit welchen neuen Ideen sie derzeit punkten.

Eines ist allen Akteuren gemeinsam: Sie wollen sich von der Corona-Krise nicht unterkriegen lassen, sondern sie voller Kreativität meistern. Die Dokumentation „Kreativ durch die Krise“ ist ganz nah dran an Künstlerinnen und Künstlern von Nairobi bis Tel Aviv.

In Kenia hilft ein Künstler seinen existenzbedrohten Kollegen mit einer besonderen Aktion. Ein Hut-Designer kreiert in Israel Kopfbedeckungen aus Handschuhen und Rachenstäbchen. In Singapur stellt ein Dirigent ein Beethoven-Konzert virtuell auf die Beine. Geschichten, die Mut machen.

Die Corona-Krise stellt Künstlerinnen und Künstler weltweit vor unterschiedlichste Herausforderungen. Das international bekannte „Alvin Ailey American Dance Theater“ in New York darf nicht auftreten. Schaffen die Künstler es, ihren positiven Spirit auch virtuell zu verströmen? Wie gestalten die Profitänzer ihren Alltag? Wie geht es den zumeist afroamerikanischen Tänzern im US-amerikanischen Epizentrum der Epidemie? Immerhin ist diese Bevölkerungsgruppe mit am schlimmsten von COVID-19 betroffen.

Der 34-jährige Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker ist gebürtiger Singapurer: Kahchun Wong gibt in seiner Heimat jedes Jahr ein großes Beethoven-Konzert im Botanischen Garten, diesmal muss er den großen Meister virtuell in Szene setzen. Wie schafft er das?

Der brasilianische, schwule Filmregisseur Bruno Victor kann zurzeit weder als Dozent unterrichten, noch erhält er für sein aktuelles Filmprojekt staatliche Filmförderung. Präsident Jair Bolsonaro persönlich hat die staatliche Finanzspritze abgelehnt. Und jetzt?


Samstag, 25.07. / 06:20 Uhr / Kino Kanak. Warum der deutsche Film Migranten braucht
Film von Memo Jeftic und David Assmann
3sat
Dokumentation
Kultur Film, Kino, Video
(Erstsendung: 24.07.2020)

Warum hat die deutsche Film- und Fernsehindustrie bisher keinen natürlichen Umgang mit Menschen mit Migrationshintergrund gefunden? Die Dokumentation geht auf vielschichtige Spurensuche.

Die Rollenangebote für Schauspieler mit Migrationshintergrund bedienen meist Stereotype und sind oftmals klischeehaft: Kriminelle, Zuhälter, Gangster, Asylbewerber. Warum ist die Branche heute nicht schon weiter? Und wo könnten die Ursachen dafür liegen?

Schauspieler und Filmemacher mit Migrationshintergrund können in der deutschen Film- und Fernsehindustrie kaum vorurteilsfrei Fuß fassen. Und das, obwohl die meisten von ihnen in Deutschland aufgewachsen sind und leben, teilweise sogar schon in dritter Generation.

Viele Rollen spiegeln nicht die gegenwärtige Realität wider, und auch hinter den Kulissen ist Diversität noch keine Selbstverständlichkeit. Gleichzeitig findet auch dann stereotypisches Denken statt, wenn es um die Besetzung von vermeintlich typisch „weißen“ Figuren geht. Ein Zustand, der eine Unzufriedenheit befördert, nicht nur bei den betroffenen Personen.

Die Dokumentation „Kino Kanak. Warum der deutsche Film Migranten braucht“ geht dieser Schieflage nach und sucht Antworten auf die Fragen, warum die deutsche Film- und Fernsehlandschaft im Jahr 2020 noch nicht gelernt hat, deutsch-migrantische Darsteller und Macher realistisch abzubilden und adäquat mit ihnen umzugehen.

Schauspieler, Drehbuchautoren und Filmemacher berichten von ihren Erfahrungen in der Filmindustrie und sprechen über mögliche Ursachen. Wie steht es um die Perspektiven in diesem hart umkämpften Markt? Die Debatten um Diversität haben gerade erst begonnen, und der Weg, komplexe Figuren unabhängig ihres biografischen Hintergrunds zu besetzen, scheint noch weit entfernt. Doch eine neue Generation an Machern und Entscheidern steht in den Startlöchern, die tatsächlich ein Umdenken befördern könnte.

Samstag, 25.07. / 19:20 Uhr / Die Erben von Woodstock ~
Eine neue Musikergeneration auf den Spuren des Mythos
Film von Ralf Rättig
(Erstsendung: 17.08.2019)
3sat

Woodstock: Der Film erzählt die Geschichte des legendären Festivals und blickt mit einer neuen Musiker-Generation auf ihre musikalischen Vorväter: Was ist geblieben von der Hippie-Ära?

Drei Bands aus Deutschland, Österreich und der Schweiz spielen für 3sat ihre eigene Version eines Festival-Klassikers – Stücke von Janis Joplin, Crosby, Stills & Nash und Arlo Guthrie. Was bedeuten die Musik und die Woodstock-Ära für sie und unsere Zeit?

Die 3sat-Dokumentation „50 Jahre Woodstock – eine neue Musiker-Generation blickt auf das Festival aller Festivals“ taucht tief ein in Atmosphäre des Original-Festivals von 1969, zeigt die chaotischen Bedingungen und die musikalischen Highlights des Events. Der offizielle Woodstock-Fotograf Elliott Landy erzählt, wie er die Tage erlebte, Woodstock-Macher Joel Rosenman, wie ein tödlicher Massenstromschlag nur knapp verhindert werden konnte.

Eingebettet in die Geschichte des Festivals sind die Perspektiven und Performances der jungen Bands: der Berliner Soulsängerin Leslie Clio, des Liedermachers „Der Nino aus Wien“ und der Schweizer Folk-Band „Black Sea Dahu“. Leslie Clio hatte selbst eine Woodstock-Phase mit 16 – sie sagt: „Ich glaube, das unterscheidet die Generationen, dass man heute backstage eher Tofukäse isst, als Jack Daniels zu trinken. Ich glaube, meine Generation ist ein bisschen klarer und nüchterner, Klarheit ist damals auf jeden Fall kein großer Wert gewesen.“ Sie hat für die Dokumentation „50 Jahre Woodstock“ den Song „Piece of My Heart“ von Janis Joplin eingespielt. „Für Frauen wie mich“, sagt sie, „ist Janis Joplin als Frau in einem Business, das auch heute noch fast nur aus Männern besteht, wegweisend. Ohne Janis Joplin gäbe es mich und all die anderen nicht.“

Samstag, 25.07. / 20:15 Uhr / 3satFestspielsommer: Das Rheingold (Bayreuther festspiele 1991)
Vorabend zu dem Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ in 4 Szenen
ARD

Wotan: John Tomlinson
Fricka: Linda Finnie
Fasolt: Matthias Hoelle
Fafner: Philip Kang
Alberich: Günter von Kannen
Loge: Graham Clark
Floßhilde: Jane Turner
Wellgunde: Annette Kuettenbaum
Woglinde: Hilde Leidland
Donner: Bodo Brinkmann
Froh: Kurt Schreibmayer
Mime: Helmut Pampuch
Erda: Birgitta Svendén
Freia: Eva Johansson

Aufzeichnung von den Bayreuther Festspielen, 1991
Musikalische Leitung: Daniel Barenboim
Inszenierung: Harry Kupfer

3sat zeigt eine Aufzeichnung von den Bayreuther Festspielen aus dem Jahr 1991 von Harry Kupfers Inszenierung der Wagner-Oper „Das Rheingold“ unter der Leitung von Daniel Barenboim.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen „3satFestspielsommer“ am Sonntag, 26. Juli, um 11.05 Uhr mit der „Eröffnung der Salzburger Festspiele 2020“ fort.

Samstag, 25.07. / 22:55 Uhr / Wotan muss warten … Der Sänger Günther Groissböck
Film von Astrid Bscher
Erstausstrahlung
ARD/BR/3sat

Im Leben geht nicht alles nach Plan: Diese Erfahrung macht auch der gefeierte Bassist Günther Groissböck immer wieder. Der Film begleitet den Sänger auf seinem anstrengenden Reiseleben.

Er zeigt die Kraftpole des Modellathleten, den Sport und die Bergwelt seiner österreichischen Heimat, und führt vor Augen, wie sich ein Künstler von Weltrang – Schritt für Schritt – eine der schwierigsten Rollen überhaupt, den Wotan im „Ring des Nibelungen“, aneignet.

Günther Groissböck hat in den letzten Jahren die bedeutenden Bühnen der Welt erobert, wie die Metropolitan Opera in New York, die Bayerische Staatsoper in München oder das Teatro della Scala in Mailand. Zentrum seines Schaffens sind jeden Sommer die Bayreuther Festspiele. 2020 sollte er den Wotan in Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ singen – in der von Publikum und Presse mit Spannung erwartete Neuproduktion, einer der wichtigsten Premieren des Jahres.

Über ein Jahr intensive Vorbereitung, Rollenstudium und Proben hat Groissböck in diese Megapartie gesteckt, einer der längsten und anspruchsvollsten Rollen des Opernrepertoires – bis ihm das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung machte.

Sonntag, 26.07. / 09:05 Uhr / Wie Bestsellerautor Jonathan Safran Foer die Erde retten will
(aus der SRF-Gesprächsreihe „Sternstunde Philosophie“)
(Erstsendung: 09.02.2020)
SRF

Nach seinem Megaseller „Tiere essen“ präsentiert der US-Autor Jonathan Safran Foer nun Auswege aus der Klimakrise, und die betreffen vor allem den Speiseplan.

Foers Lösungsansatz lautet: Wir können den Planeten retten, wenn wir bis zum Abend vegan leben und tierische Produkte meiden. Barbara Bleisch fragt, ob es statt Diät nicht Politik bräuchte, und wie man es schafft, trotz der Bedrohung die Hoffnung nicht zu verlieren.

Mit seinem Romandebüt „Alles ist erleuchtet“ wurde Jonathan Safran Foer 2002 zum Shootingstar der amerikanischen Literatur. 2009 bewog er mit seinem Sachbuch „Tiere essen“ Millionen Leser dazu, ihren Fleischkonsum von Grund auf zu überdenken. Nun konstatiert er in „Wir sind das Klima!“, es fehle nur die gute Story, die die Gesellschaft dazu bewegt, die abstrakte Gewissheit der Klimaerwärmung in eine Herzenssache zu verwandeln, die zum Handeln motiviert.

Kann es funktionieren, nur an das Individuum zu appellieren? Bräuchte es nicht auch politische Maßnahmen? Und wie ließe sich aus der Klimakrise ein süffiger Stoff zaubern, der die heutige Lethargie durchbricht? In „Sternstunde Philosophie“ spricht die Moderatorin Barbara Bleisch mit dem Schriftsteller über Hoffnung und Hoffnungslosigkeit in Zeiten der drohenden Klimakatastrophe.

Sonntag, 26.07. / 10:10 Uhr / Salzburg – Gesamtkunstwerk im Herzen Europas
Film von Hannes M. Schalle
(Erstsendung: 24.04.2016)
ORF

Eine Reise vom Großglockner über das Salzachtal in die Stadt Salzburg und dessen Umland zeigt, was Salzburg heute ausmacht und wie es sich über die letzten 200 Jahre entwickelt hat.

Vom internationalen Publikum wird Salzburg mit den Klischees „Sound of Music“, „Stille Nacht“ und der „Marke Mozart“ verbunden. CNN kürte den Salzburger Christkindlmarkt wiederholt zu einem der schönsten der Welt.

Die Salzburger Festspiele gelten als führendes Kulturfestival, und die landschaftliche Kulisse ist eine besonders nachgefragte Tourismus-Destination.

Am 1. Mai 2016 feierte das Bundesland Salzburg seine 200-jährige Zugehörigkeit zu Österreich. Über die Jahrhunderte sind seine unterschiedlichen Regionen wirtschaftspolitisch und soziologisch zusammengewachsen. Max Reinhardt hat dieses besondere Fleckchen Erde als Gesamtkunstwerk bezeichnet. Ob Berge oder Täler, eines hat die gesamte Landschaft gemeinsam: Sie ist von der Natur begünstigt, strahlt Ruhe aus und hat sowohl Einwohnern als auch Besuchern im Laufe der vier Jahreszeiten viel zu bieten.

Vom Großglockner-Massiv über die Alpen des Innergebirges, durch das Salzachtal, vorbei an der Burg Werfen hinein in das Flachland führt die Reise zum Schloss Hellbrunn, dann zum Schloss Leopoldskron, weiter in die Seengebiete und schließlich in die barocke Stadt Salzburg.

Sonntag, 26.07. / 11:05 Uhr / 3satFestspielsommer: Eröffnung der Salzburger Festspiele 2020
Live-Übertragung des Festaktes aus der Felsenreitschule
ORF/3sat

Der traditionelle Festakt zur Eröffnung der Salzburger Festspiele in der Felsenreitschule findet 2020 aufgrund der Corona-Pandemie unter besonderen Bedingungen statt.

Eigentlich sollte das 100-jährige Jubiläum mit einem opulenten Programm groß gefeiert werden. Um die Festspiele unter den strengen Sicherheitsauflagen überhaupt abhalten zu können, hat Intendant Markus Hinterhäuser eine abgespeckte Version des Programms erstellt.

Verkürzt und nach hinten verschoben finden die Salzburger Festspiele nun vom 1. bis zum 30. August statt. Die Auswahl der gezeigten Produktionen richtet sich dabei weniger nach inhaltlichen Konzeptionen, sondern nach dem schlicht Machbaren: Denn in Salzburg ist traditionell nicht nur das Publikum international, sondern vor allem auch die Künstler.

Der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen wird Feierlichkeiten offiziell eröffnen.

Redaktionshinweis: 3sat setzt den diesjährigen „3satFestspielsommer“ am Samstag, 15. August, um 20.15 Uhr fort.

Montag, 27.07. / 00:45 Uhr / Kulturpiloten
ZDF

Das digitale Kulturangebot des ZDF präsentiert ein Best-of seiner Formate – von Musik und Theater über Kino, Gaming, Design und Literatur bis hin zu aktuellen Debatten.

Künstler führen durch ihre Städte und lassen neue Kunstwerke entstehen. Musiker bieten einen Einblick hinter die Kulissen, und Schauspieler inszenieren bekannte Stücke in radikaler Kurzform. Was die Gesellschaft bewegt, wird auf Augenhöhe diskutiert.

Die „Kulturpiloten“ bringen Kultur spielerisch in den Alltag – ohne zu belehren.

Freitag, 31.07. / 01:55 Uhr Uhr / Verleihung Deutscher Kleinkunstpreis 2020
Mainzer Forum-Theater unterhaus, März 2020
Moderation: Urban Priol
3sat

Der Deutsche Kleinkunstpreis ehrt herausragende Künstler des Jahres in verschiedenen Kategorien. 3sat zeigt die Preisverleihung 2020 aus dem Mainzer „unterhaus“, moderiert von Urban Priol.

Die Preisträger des Jahres 2020 sind: Sebastian Pufpaff (Kabarett), Suchtpotenzial (Musik), Alfons (Kleinkunst), Christoph Fritz (Förderpreis) und Gerburg Jahnke (Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz).

Er ist heiß begehrt und gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen, die man auf deutschsprachigen Bühnen erhalten kann: der Deutsche Kleinkunstpreis. Seit 1972 wählt eine vom Mainzer Forum-Theater „unterhaus“ berufene Fachjury die preiswürdigen Künstler in verschiedenen Kategorien.

Die Jury würdigt 2020 den Preisträger Sebastian Pufpaff in der Sparte „Kabarett“ als „Meister der Widersprüche, der sich vom Teleshopping bis auf die große Kabarettbühne gespielt hat. Als gut gelaunter Zyniker beleuchtet er die Welt am liebsten von ihrer dunklen Seite und zwingt sein Publikum aus der moralischen Komfortzone. Er ist der Kabarettist, den diese Zeit verdient.“

Suchtpotenzial erhält den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte „Chanson/Lied/Musik“. Das Berliner Duo singe dem Sexismus den Kampf an, so die Jury. „Julia Gámez-Martin und Ariane Müller rappen gegen den Paygap, jammern übers Gendern und rocken die Emanzipation. Ihre Songs sind Botschaften mit Haltung, provokant getextet, leidenschaftlich dargeboten und brillant komponiert.“

In der Sparte „Kleinkunst“ wird mit Alfons ein Künstler ausgezeichnet, der „der Gesellschaft als medialer Eulenspiegel unterhaltsam wie entlarvend den Spiegel vorhält. Seine Kunstfigur lässt dem Franzosen Emmanuel Peterfalvi entwaffnend die Herzen seines Publikums zufliegen und erforscht mit kindlicher Neugier auch die abgelegensten Gefilde des deutschen Wesens“, so die Fachjury.

Den Förderpreis der Stadt Mainz erhält Christoph Fritz für sein Erstlingswerk „Das jüngste Gesicht“. Die Jury stellt fest: „Seine zurückhaltende, jugendliche Erscheinung lässt Naivität vermuten. Zerschmettert werden die äußeren Eindrücke jedoch durch die Wucht, mit der seine tabulosen, mit knallharten Pointen gespickten Texte daherkommen.“

Der Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz schließlich geht an Gerburg Jahnke, die „First Lady des Kabaretts“. Schon in den 1980er-Jahren hat sie mit dem Duo „Missfits“ eine neue Form weiblichen Humors etabliert, „rotzfrech, emanzipiert, klug, witzig und mit Haltung“, so die Jury. Mit ihren TV-Sendungen und Bühnenshows beförderte sie neben der eigenen Karriere stets „charmant und nachhaltig Künstlerinnen dorthin, wo auch sie seit über 30 Jahren zu Recht steht: auf die deutschsprachigen Bühnen und in die Herzen der Zuschauer.“


Samstag, 01.08. / 19:20 Uhr / Festspielstädte und die Krise – Bayreuth und Salzburg
in Corona-Zeiten
Film von Günter Atteln und Carmen Belaschk
Erstausstrahlung

Die Dokumentation berichtet über den Sommer in den Festspielstädten Bayreuth und Salzburg und zeigt deren unterschiedlichen Umgang mit der Corona-Situation.

Frühjahr 2020: Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise werden Festspiele in Europa reihenweise abgesagt. Während die Festspielleitung in Bayreuth schon sehr früh Fakten schafft, hält man sich an der Salzach erstmal alle Möglichkeiten offen.

Und die Strategie hat Erfolg: Die Salzburger Festspiele 2020 finden statt. Bayreuth dagegen, zusätzlich getroffen durch die Erkrankung Katharina Wagners, rutscht in eine tiefe Krise.

Viele Wochen wurde darüber spekuliert, seit 31. März ist es offiziell: Zum ersten Mal seit dem Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es 2020 keine Bayreuther Festspiele. Und nicht nur das Mekka für jeden Wagner-Fan in den Sommermonaten Juli und August ist vom Virus ausgebremst – praktisch alle prestigeträchtigen Festivals in Europa sind abgesagt. Einzig die Salzburger Festspiele, das weltweit vielleicht bedeutendste Festival für klassische Musik, finden statt, wenn auch etwas verkürzt.

Für Bayreuth und Salzburg ist die Frage, ob es Festspiele gibt oder nicht, von geradezu existenzieller Bedeutung. Beide Städte beziehen seit vielen Jahrzehnten einen großen Teil ihres Selbstverständnisses aus der Festspiel-Idee. Vor allem aber sind die Festivals ein unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor. Laut einer aktuellen Studie sichern die Salzburger Festspiele eine Beschäftigung von umgerechnet 2800 Vollzeitarbeitsplätzen. In Bayreuth ist die Situation ähnlich, vor allem Gastronomie und Hotels erwirtschaften einen großen Teil ihres Jahresumsatzes in den Festspielmonaten.

Der Umgang mit der Krise zeigt aber auch einen grundsätzlichen Unterschied: Die einen sagen ab, die anderen machen das Beste daraus. Während in Salzburg Festspielleitung, Stadt und Land mit tatkräftiger Hilfe der Bundesregierung gemeinsam einen Weg finden, um die Festspiele zu retten und den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, agiert die Festspielleitung in Bayreuth isoliert und scheinbar ohne Rücksicht auf die Folgen für die Region. Und nach der Erkrankung der Festspielleiterin Katharina Wagner stellt sich unvermittelt die Frage, wie es mit den Richard-Wagner-Festspielen weitergehen soll.

Die Dokumentation beleuchtet die aktuelle Situation in den beiden berühmtesten Festspielstädten der Welt: Wie funktioniert das „Modell“ Salzburg, in dem alle Akteure zum Besten der Stadt und der Festspiele zusammenarbeiten? Was wird alles getan, um sie möglichst sicher unter Corona-Bedingungen zu organisieren? Und was bedeutet die Absage der Wagner-Festspiele für Bayreuth und die Menschen in der Region? Wie gehen Sänger wie Günther Groissböck, Camilla Nylund oder der Dirigent und Bayreuther Musikdirektor Christian Thielemann damit um? Gibt es mittelfristig Alternativen, wie sich Bayreuth als Kulturstadt aufstellen kann? Und kann es, auch nach der Rückkehr Katharina Wagners, ein „weiter so“ geben?

Samstag, 01.08. / 20:15 Uhr / The Rolling Stones: Bridges to Bremen
Weserstadion, Bremen, Deutschland, 1998
Regie: Jim Gable, Dick Carruthers
Im September 1997 brechen die Rolling Stones zu ihrer „Bridges to Babylon“-Welttournee auf. Sie spielen 97 Konzerte und machen dabei am 2. September 1998 Station im Bremer Weserstadion.

40 000 Fans im Stadion und Millionen Fernsehzuschauer feiern die Stones in der europaweiten TV-Liveübertragung. 21 Jahre verschwindet das Konzert im Stones-Archiv und kursiert als Bootleg. Im Juni 2019 erscheint das langersehnte Konzert, bild- und tonoptimiert.

Im Mittelpunkt des Konzerts stehen die großen Stones-Klassiker und die Songs des Albums „Bridges to Babylon“, das schon kurz nach der Veröffentlichung im September 1997 Platin-Status in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA erreicht.

Außerdem überraschen die Stones ihre Fans mit einer Premiere: Die Stones auf zwei Bühnen innerhalb eines Konzerts – das gab es noch nie. Keith Richards geht es nach seinem angeblichen Sturz von einer Leiter in seiner Bibliothek auch wieder gut, was er eindrucksvoll beim Auftakt-Song „Satisfaction“ beweist: Mit Eidechsen-Sonnenbrille und Leopardenmantel fegt die Gitarrenlegende über die Bühne.

Andere Probleme haben die Stones mit ihrer neuen Single „Anybody Seen My Baby“. Die Ähnlichkeit zu K.d. langs „Constant Craving“ ist nicht zu überhören. Die Stones nehmen K.d. lang und ihren Co-Komponisten Ben Mink in die Komponisten-Credits zum Song auf und lösen das Problem. Auch das Video zum Song macht den Stones Sorgen: Angelina Jolie spielt darin eine Stripperin, die vor der Band auftritt, verschwindet und verzweifelt von Mick Jagger gesucht wird. Es halten sich Gerüchte, dass Jagger mit Jolie eine Affäre hat, und manchem ist die Bildsprache zu explizit: Zu viel nackte Haut und zu viel Leid auf der Straße. Viele Journalisten haben aber noch eine ganz andere Frage: Ist das die letzte Tour? Keith Richards sagt dazu: „This and the next five“.

Das Klima in der Band und auf der Bühne ist prima. Vergessen sind die Streitigkeiten der 1980er-Jahre zwischen Mick Jagger und Keith Richards, als Jagger 1985 und 1987 Soloalben veröffentlicht und Richards als Reaktion 1988 seine Soloplatte vorstellt. Vorbei sind auch die Zeiten der Gigantonomie: Für die 1990er-Europatournee „Urban Jungle“ braucht es noch zwei „Boeing 747“, um das Equipment zu transportieren. 1993 verlässt Bill Wyman die Band, und 1994 folgt der letzte Akt des Gigantismus: die „Vodoo-Lounge“-Tour. Mit „Bridges to Bremen“ konzentrieren sich die Rolling Stones wieder auf Musik ohne Brimborium.

Samstag, 01.08. / 21:30 Uhr / U2: eXPERIENCE Live – Berlin
Mercedes-Benz Arena, Berlin, Deutschland, 2018
Regie: Matt Askem
Am 13. November 2018 hebt sich der Vorhang zum Finale: U2 beenden in Berlin ihre „eXPERIENCE + iNNOCENCE“-Tour nach 60 Konzerten in Amerika, Kanada und Europa mit knapp einer Million Besuchern.

Ein spektakuläres Bühnenbild: Eine Hauptbühne, verbunden mit einer runden Nebenbühne und riesiger Projektionsfläche lassen Platz für die aufwendige Inszenierung. Spezialeffekte erlauben Sänger Bono, seinen Charakter „MacPhisto“ live auf der Bühne anzunehmen.

Die Crew besteht aus 90 Mitarbeitern, die jeweils vor Ort von 120 Bühnenhelfern unterstützt werden, die in zehn Stunden die Bühne aufbauen, welche danach wieder in 27 Lastwagen verpackt wird. Eigentlich sollte die Tour schon früher beginnen, doch das Brexit-Referendum, die 2016er-US-Wahl und die weltweite Tendenz zu nationalkonservativen Regierungen veranlassen U2, den Inhalt der Konzerte neu zu überdenken.

Als die Tour Europa erreicht, schreibt Bono in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, „dass er die Europäische Union unterstützen wird und in jedem Konzert die Europäische Flagge schwenken wird.“ Am 31. August und 1. September 2018 spielen U2 in Berlin, doch am zweiten Abend muss Sänger Bono das Konzert nach fünf Songs abbrechen: Er hat seine Stimme verloren und verspricht, das Konzert zu wiederholen. Es wird der 13. November.

Die Kritiker bewerten die Tour positiv. Jennifer O’Brien von der „Times“ gefällt, dass die Band für Toleranz eintritt und das politische Klima anklagt. Dave Egan schreibt im „Irish Independent“ von der „mutigsten, kraftvollsten und überhaupt zornigsten Performance, die U2 je geliefert haben.“ Und Roy Trasskin schreibt in „Variety“, dass sich U2 nicht auf die Nostalgie verlassen haben und viele Songs der letzten beiden Alben spielen.

Die „Nashville Scene“ vergleicht die U2-Konzerte mit Filmen von Steven Spielberg als „Star-Wars-Sized Events of Rock“, und Dave Simpson vom „The Guardian“ schreibt: „Es ist nicht unbedingt ihre beste Show, aber mit Sicherheit ihre Menschlichste.“

Samstag, 01.08. / 22:45 Uhr / Guns N‘ Roses: Appetite for Democracy –
Live at the Hard Rock Casino
The Joint, Hard Rock Casino, Las Vegas, USA, 2012
Regie: Kerry Asmussen
Im November 2012 treten Guns N‘ Roses im Rahmen ihrer „Appetite for Democracy“-Tour im legendären „Hard Rock Casino“ in Las Vegas auf. Sänger Axl Rose präsentiert alle Hits der Band.

Der Konzertmitschnitt ist der erste der „Gunners“ seit 1992. Urmitglieder Axl Rose und Dizzy Reed (Keyboard) haben sich eine exzellente Band zusammengestellt und spielen Hits wie „Welcome to the Jungle“, „November Rain“, „Paradise City“ und „Sweet Child O‘ Mine“.

Axl Rose singt fast wie in alten Zeiten, wurde er doch lange als „World’s Greatest Singer“ bezeichnet. Er selbst sagt dazu 2014: „Wenn ich gefragt werden würde, wer der beste Sänger oder Sängerin sei, würde ich sagen, dass ich Freddie Mercury, Elvis Presley, Paul McCartney, Janis Joplin, Michael Jackson, Elton John, Frank Sinatra, Johnny Cash und ganz viele andere sehr gerne höre, jedenfalls viel lieber, als mir selbst zuzuhören.“

Das Konzert in Las Vegas wird begeistert aufgenommen. So schreibt das Online-Musikportal „antiMusic“: „Die Kombination aus exzellenten Musikern, hypnotisierender Rock-’n‘-Roll-Bühnenpräsenz und überragender Filmproduktion springen den Zuschauer geradezu an.“ Tänzerinnen und jede Menge Feuerwerk erhöhen die Schauwerte.

Sonntag, 02.08. / 11:45 Uhr / Vecchi pazzi – Alte Narren
Spielfilm, Schweiz 2014
Regie: Sabine Boss
Länge: 86 Minuten
Nach einem Zusammenbruch landet die bekannte Sängerin Vivi Ferrari in einem Seniorenheim. Dort will sie aber nicht nur herumsitzen. Und dann kommt auch noch Liebe ins Spiel.

Sie bändelt mit dem brummigen Aldo an, der ein leer stehendes Tanzlokal besitzt. In Sabine Boss‘ vergnüglicher Komödie „Vecchi pazzi – Alte Narren“ spielen Andrea Jonasson, Luigi Diberti, Lucia Mascino und Leonardo Nigro.

In einem Mailänder Theater gibt die Sängerin Vivi Ferrari einen ihrer großen Soloauftritte. Sie ahnt nicht, dass es ihr vorläufig letzter sein wird. Ihr alter Freund und Manager Ciccio hat mit seinem Theater neue Pläne – ohne sie. Doch nicht nur er macht Vivi einen Strich durch die Rechnung: Auch ihre Gesundheit macht ihr zu schaffen, denn Vivi hat schon seit Jahren Multiple Sklerose. Auf Drängen ihrer Tochter Alexa zieht sie in eine Seniorenresidenz in Locarno. Dort schlägt man ihr vor, dem Chor beizutreten. „Ich bin Solistin“, empört sich Vivi.

Da lernt sie den kauzigen Rentner Aldo Petacchi kennen. Aldos Neffe Silvio drängt darauf, dessen in die Jahre gekommenes Tanzlokal an die Stadt zu verkaufen, die den Bau eines Stadions plant. Da hat Vivi eine gewagte Idee: Wenn Aldo und sie heiraten würden, würde sie seine Haupterbin und könnte den Saal vor dem Abriss bewahren. Sie hätte im Gegenzug einen Ort, um aufzutreten. Doch ganz so einfach ist ihr Vorhaben nicht, denn was als reine Geschäftsbeziehung gedacht war, entwickelt sich auf einmal zum emotionalen Chaos.

Montag, 03.08. / 06:05 Uhr / Can Can und Champagner – Das Moulin Rouge
Film von Susanne Freitag
(Erstsendung: 18.05.2015)
Das „Moulin Rouge“ ist das wohl bekannteste Revuetheater der Welt. 1889 gegründet, galt es zunächst als frivole und unschickliche Lasterhöhle, in der sich die Pariser Bohème traf.

Heute ist es ein knallhart durchstrukturiertes Unternehmen: 400 Mitarbeiter bereiten täglich das Amüsierprogramm vor, 1700 Gäste kommen jeden Abend, das Theater gilt als größter Champagner-Konsument ganz Frankreichs.

In eigenen Werkstätten werden Schuhe gefertigt, die Federräder und Kostüme genäht. Größe und Gewicht der Tänzerinnen sind vorgeschrieben – nur so lässt sich der perfekte Can Can tanzen, der das „Moulin Rouge“ weltberühmt machte

Montag, 03.08. / 01:10 Uhr / Stars im Luitpoldhain ~ The Night of Jazz & Friends
Mit Clueso, De-Phazz, Bill Evans, Max Mutzke und Nightmares on Wax
(Erstsendung: 14.08.2019)

Um die 40 000 Menschen machen es sich auf der großen Wiese im Nürnberger Luitpoldhain bequem, wenn Wolfgang Haffner zu seinem großen Open-Air-Konzert „Stars im Luitpoldhain“ lädt.

Seit 2015 versammelt der international gefragte Jazz-Schlagzeuger musikalische Freunde um sich, um einen stimmungsvollen Abend jenseits aller Genre-Grenzen zu zelebrieren. 2019 sind Stars wie Clueso, De-Phazz, Bill Evans, Max Mutzke und Nightmares on Wax mit dabei.

Außerdem spielt die speziell zusammengestellte German All Star Big Band unter der Leitung von Jörg Achim Keller. In der lauen Augustnacht trifft Jazz auf Pop, Soul auf Elektro-Sounds, Swing auf Rhythm and Blues.

Eine Konstellation voller überraschender Momente mit Vollblutmusikern aus verschiedensten Richtungen, die so nur alle zwei Jahre zusammen zu hören sind – in Nürnberg.


Samstag, 08.08. / 3satThementag: Festspielereien

Samstag, 08.08. / 06:40 Uhr / Schleswig-Holstein Musik Festival 2017 – Eröffnungskonzert
Orchester: NDR Elbphilharmonie, Sinfonieorchester
Musikalische Leitung: Thomas Hengelbrock
(Erstsendung: 02.07.2017)
ARD/NDR

Schon einmal, im Jahr 2013, eröffneten Hélène Grimaud und Thomas Hengelbrock gemeinsam mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester das Schleswig-Holstein Musik Festival.

Nun treffen die Protagonisten von damals erneut zusammen – dieses Mal mit einem rein französischen Programm, mit Werken von Ravel und Franck.

Maurice Ravels Klavierkonzert in G-Dur ist von einer berückenden, fast überirdischen Schönheit. Zu Herzen geht auch die spätantike Geschichte von den Findelkindern Daphnis und Chloé, die sich im Jugendalter ineinander verlieben, verlieren und letztlich doch das große Glück finden. Die ganze Farbpalette der hier beschriebenen Natur, die Lichtspiele der südlichen Sonne, aber auch die verschieden gefärbten Stimmungen der beiden Liebenden hat Ravel in seiner choreografischen Sinfonie „Daphnis et Chloé“ betörend schön in Töne gefasst. César Francks Sinfonie in d-Moll gehört zu dessen bekanntesten Werken und wurde 1889 – nur ein Jahr vor seinem Tod in Paris – uraufgeführt.

Samstag, 08.08. / 08:40 Uhr / Musikalische Grüße von den Barocktagen Stift Melk
Michael Schade & Freunde: Alles vermag die Liebe,
Schloss Pielach 2020

Mit Stefan Gottfried (Cembalo/Orgel), David Bergmüller (Laute), Rahel Stoellger (Blockflöte), Pierre Pitzl (Viola da Gamba), Agnes Palmisano (Gesang/Texte), Daniel Fuchsberger (Kontragitarre/Arrangement), Andreas Teufel (Schrammelharmonika/Arrangement), Aliosha Biz (Violine), Lena Kuchling (Gesang) und Georg Buxhofer (Bassgitarre)
Musikalische Leitung: Stefan Gottfried
(Erstsendung: 31.05.2020)
ORF

Im ungewöhnlich menschenleeren Benediktinerstift Melk interpretiert Kammersänger Michael Schade Renaissance- und Barock-Lieder, unter anderem von John Dowland und Henry Purcell.

Ein kleines Ensemble unter der Leitung von Stefan Gottfried spielt Instrumentalwerke und begleitet Schade an verschiedene Orte im Stift, selbstverständlich ohne Publikum. Außerdem gibt es aus dem Schloss Pielach moderne Pendants der englischen Lautenlieder.

Agnes Palmisano fantasiert mit ihrem Trio, wie wohl ein „Wiener John Dowland“ geklungen hätte, und Lena Kuchling und Georg Buxhofer führen das Repertoire sanft in einen zeitlosen Jazz über.

Samstag, 08.08. / 10:00 Uhr / Vivaldis Vier Jahreszeiten
Aus dem Wolkenturm, Grafenegg 2019
Mit Camilla Nylund, Sarah Chang und dem Wiener Singverein
Orchester: Tonkünstler-Orchester
Musikalische Leitung: Yutaka Sado
ORF

„Vier Jahreszeiten“ an einem Sommerabend: Mit Antonio Vivaldis Meisterwerk eröffnen Sarah Chang und das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich 2019 das 13. „Grafenegg Festival“.

Außerdem wird ein lang vergessenes Werk neu entdeckt: In viktorianischer Zeit gehörte Mendelssohn Bartholdys Hymne „Hör mein Bitten, Herr“ zu den meistgespielten Werken – die finnische Sopranistin Camilla Nylund wird diese Hymne interpretieren.

Passend dazu erklingt Igor Strawinskys „Psalmensymphonie“. Textlich an Mendelssohn angelehnt, ist sie ein moderner Rückgriff auf Vivaldis Epoche des Barock. Composer in Residence Peter Ruzicka steuert die traditionelle Eröffnungsfanfare bei.

Samstag, 08.08. / 11:20 Uhr / Wir spielen für Österreich ~ Mozart@home
Durch den Abend führen Barbara Rett und Rolando Villazón Konzertsaal im Mozarteum, Salzburg

Mit Daniel Ottensamer (Klarinette), Radovan Vlatkovic (Hornist), Andrea Carrolln (Gesang), Marianne Crebassa (Gesang), Rafael Fingerlos (Gesang), Emmanuel Tjeknavorian (Geige), Julius Zeman (Klavier) und Cornelius Obonya (Schauspieler)
Chor: Bachchor Salzburg
(Erstsendung: 24.05.2020)
ORF

„Wir spielen für Österreich“ führt diesmal nach Salzburg. Dort hat Rolando Villazón, Intendant der „Mozartwoche“, musikalische Weggefährten eingeladen, mit ihm gemeinsam Mozart zu feiern.

Aus dem großen Konzertsaal im Mozarteum werden der Klarinettist Daniel Ottensamer und der Hornist Radovan Vlatković musizieren, die jungen Staatsopern-Sängerinnen und -Sänger Andrea Carroll, Marianne Crebassa und Rafael Fingerlos aus Mozarts Opern singen.

Zahlreiche Musikerinnen und Musiker der Mozartstadt und der Bachchor Salzburg sind mit dabei. Mozart-Kenner Daniel Barenboim sendet musikalische Grüße per Videobotschaft. Der junge Geiger Emmanuel Tjeknavorian ist der „Mozartwoche“ Salzburg ebenfalls eng verbunden.

Begleitet von Pianist Julius Zeman musiziert er im Mozart-Wohnhaus auf Mozarts Geige und mit Mozarts Hammerklavier.

Der große Schauspieler Cornelius Obonya wird in Mozarts Geburtshaus aus berührenden Originalbriefen lesen, die Mozart 1777 und 1778 an seinen Vater Leopold in Salzburg schrieb. Durch den Abend führen Barbara Rett und Rolando Villazón.

Auch – und vielleicht sogar besonders – in Zeiten des Coronavirus gilt für Rolando Villazón: „In dieser Zeit der großen Herausforderungen für uns alle ist es eine unbeschreibliche Freude für mich, die Musik Mozarts mit ihrer heilenden Kraft und Stärke zu den Menschen nach Hause zu bringen.“

Samstag, 08.08. / 12:40 Uhr / Klassik Open Air Nürnberg 2014 ~ La Primadonna
Aufzeichnung aus dem Luitpoldhain in Nürnberg
Chor: Hans-Sachs-Chor Nürnberg
Orchester: Nürnberger Symphoniker
Musikalische Leitung: Alexander Shelley
Moderation: Karin Schubert
(Erstsendung: 14.08.2014)
ARD/BR

Das „Klassik Open Air Nürnberg“ zählt zu den größten Veranstaltungen weltweit. Seit dem 950. Geburtstag der Stadt im Jahr 2000 kommen jährlich über 100 000 Musikfans an den Dutzendteich.

Die Nürnberger Symphoniker unter der Leitung ihres Chefdirigenten Alexander Shelley stellten ihr Open-Air-Konzert am 9. August 2014 unter das Motto „La Primadonna“. Stargast war die Sopranistin Simone Kermes.

Zusammen mit ihr und dem Hans-Sachs-Chor Nürnberg ging es auf einen bunten Streifzug durch die aufregende Geschichte des Musiktheaters – vom Barock über die Klassik und Romantik bis hin zur Operette und zum Musical: atemberaubende Koloraturen, schmelzender Belcanto, süffige Melodien, unsterbliche Ohrwürmer.

Die großen Orchester der Stadt – die Staatsphilharmonie Nürnberg und die Nürnberger Symphoniker – laden beim „Klassik Open Air Nürnberg“ an zwei Abenden im Jahr Klassikfans und Freunde spektakulärer Events ein, sich mit Familie und Freunden sowie Speis und Trank auf dem Rasen vor der Konzertbühne niederzulassen und beim Picknick unter freiem Himmel einem weitgespannten Bogen klassischer Musik zu lauschen. Von Oper zu Operette, von Ballettmusik bis Musical. Und das bei freiem Eintritt.

Samstag, 08.08. / 14:25 Uhr / Wir spielen für Österreich ~ Festivalsommer Neusiedler See
Haydnsaal, Schloss Esterházy 2020
Mit Martina Serafin (Sopran), Ana Maria Labin (Sopran), Julia Koci (Sopran), Yusif Eyvazof (Tenor), Paul Schweinester (Tenor), Brüder Eduard und Johannes Kutrowatz (Klavier), Wolfgang Böck und Wolf Bachofner (Schauspieler)
Künstlerischer Leiter: Julian Rachlin
Orchester: Janoska Ensemble
(Erstsendung: 28.06.2020)
ORF

„Wir spielen für Österreich“ geht in die nächste Runde und präsentiert aus dem Schloss Esterházy ein weiteres Kulturereignis der Extraklasse, in dem Musik und Theater aufeinandertreffen.

Das für seine unvergleichliche Bühnenenergie bekannte Janoska Ensemble mixt Melodien von Cole Porter und Beethoven. Mit ihnen tritt außerdem Martina Serafin auf, die 2021 die Titelpartie in Puccinis „Turandot“ in St. Margarethen singen wird.

Der neue künstlerische Leiter des Herbstgold Festivals, Julian Rachlin, spielt Beethoven, und Tenorstar Yusif Eyvazov singt Puccinis „Nessun dorma“. Außerdem singt Ana Maria Labin, die im Sommer 2019 als Pamina in der St. Margarethner „Zauberflöte“ begeisterte.

Zuspielungen von den „Seefestspielen Mörbisch“, den „Schloss-Spielen Kobersdorf“ und dem „Liszt Festival Raiding“ komplettieren das Programm: Die junge Sopranistin Julia Koci singt mit dem österreichischen Tenor Paul Schweinester unter anderem aus Bernsteins „West Side Story“, die Brüder Eduard und Johannes Kutrowatz spielen Jazz-Melodien auf zwei Klavieren, und die Schauspieler Wolfgang Böck und Wolf Bachofner interpretieren eine Szene aus Nestroys „Der Zerrissene“ samt Freundschaftsduett.

Samstag, 08.08. / 15:45 Uhr / Klassik am Odeonsplatz 2018
Mit den Solisten: Diana Damrau (Sopran) und Radoslaw Szulc (Violine)

Werke:
– Leonard Bernstein: Candide-Ouvertüre
– Jules Massenet: „Suis je gentille ainsi? Je marche sur tous les chemins …“ aus der Oper „Manon“
– Jules Massenet: Thaïs: Méditation
– Erik Satie: Gymnopédies Nr. 1 und 3 (Orchester-Fassung von Debussy)
– Charles Gounod: „Un bouquet … Ah, je ris de …“ Juwelenarie aus der Oper „Faust“
– Antonín Dvoøák: Symphonie Nr. 9 e-Moll, op. 95, „Aus der Neuen Welt“

Orchester: Symphonieorchester des, Bayerischen Rundfunks
Musikalische Leitung: Cristian Mãcelaru
(Erstsendung: 13.07.2018)
ARD/BR

Der jährliche Höhepunkt der Münchner Open-Air-Saison für Klassikfreunde ist „Klassik am Odeonsplatz“. 2018 empfing das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks die Sopranistin Diana Damrau.

Sie sang eine Arie aus Jules Massenets Oper „Manon“ sowie die berühmte „Juwelenarie“ von Charles Gounod. Französisch ging es in der ersten Konzerthälfte weiter: mit der beliebten „Méditation“ aus Massenets Oper „Thaïs“ sowie zwei der „Gymnopédies“ von Satie.

Den Auftakt des sommerlichen Konzertabends machte eine Referenz an Leonard Bernstein, dessen 100. Geburtstag die Musikwelt 2018 feierte: Als der Dirigent des Abends, Cristian Mãcelaru, den Taktstock zum ersten Mal hob, erklang schwungvoll Bernsteins „Candide“-Ouvertüre.

Zwischendurch ging es über den Atlantik: Antonín Dvorák schrieb seine Symphonie „Aus der Neuen Welt“ während seines Amerika-Aufenthalts. Das Werk des tschechischen Komponisten, das auf so einzigartige Weise böhmische Musiktradition mit dem typischen Charakter von „Negro spirituals“ und indianischer Volksmusik verbindet, sucht bis heute an Popularität seinesgleichen und tauchte den Odeonsplatz im letzten Licht des Sommerabends in symphonische Klangpracht.

Bei „Klassik am Odeonsplatz“ wird der Platz zwischen Residenz und Theatinerkirche, an dessen Kopf die imposante Feldherrenhalle die Bühne für die Musiker bietet, alljährlich zu Münchens größtem – und schönstem – Konzertsaal. 2018 ein Heimspiel für Diana Damraus: Aus dem schwäbischen Günzburg stammend, ist sie nicht nur gebürtige Bayerin, sondern trägt seit 2007 auch den Titel „Bayerische Kammersängerin“. An der Bayerischen Staatsoper, nur wenige Meter vom Odeonsplatz entfernt, ist sie regelmäßig in großen Opernrollen zu Gast.

Samstag, 08.08. / 17:35 Uhr / Anne-Sophie Mutter spielt Filmmusik
Vom Münchner Königsplatz, September 2019
Orchester: Royal Philharmonic Orchestra
Musikalische Leitung: David Newman
Regie: Ladislaus Kiraly
3sat

Star-Geigerin meets „Star Wars“: Anne-Sophie Mutter spielt Musik des großen Filmkomponisten John Williams. Das Konzert auf dem Münchner Königsplatz ist ihr erster Open-Air-Auftritt.

Auf dem Programm stehen Soundtracks aus internationalen Blockbustern wie „Harry Potter“, „Dracula“, „Superman“, „Jurassic Park“ – und natürlich „Star Wars“. Das Besondere daran: John Williams hat viele seiner Kompositionen extra für Anne-Sophie Mutter neu arrangiert.

Die Ausnahme-Geigerin ist immer wieder für Überraschungen gut. Waren es zuletzt ihre Klubkonzerte in Berliner Szenevierteln, zu denen auch viele junge Menschen kamen, begibt sie sich bei ihrer Open-Air-Premiere auf neues musikalisches Terrain. Und das aus gutem Grund, denn mit dem mehrfachen Oscar- und Grammy-Gewinner John Williams ist sie seit vielen Jahren befreundet.

„Es gibt nur einen John Williams“, erklärt Anne-Sophie Mutter. „Was er schreibt, ist unvergleichlich. Wenn ich einen seiner Filme sehe und darin eine Geige oder ein Cello erklingt, denke ich jedes Mal, das würde ich gern selbst spielen! Und jetzt stehen mir seine wunderbaren Arrangements für all diese Kult-Filmmusiken zur Verfügung.“ Für Williams wiederum ist Anne-Sophie Mutter „die größte Geigerin, die Deutschland in den letzten 100 Jahren hervorgebracht hat“.

Beim Konzert auf dem Münchner Königsplatz wird Anne-Sophie Mutter vom Royal Philharmonic Orchestra unter der Leitung von David Newman begleitet.

Samstag, 08.08. / 19:05 Uhr / Jonas Kaufmann in der Waldbühne
Regie: Henning Kasten
(Erstsendung: 15.07.2018)
ZDF

Jonas Kaufmann ist zu Gast in der Berliner Waldbühne. Wenn der beliebte Tenor im Flair einer Open-Air-Sommernacht italienische Arien und Canzonen singt, sind große Gefühle garantiert.

An der Seite von Italien-Fan Jonas Kaufmann tritt als Gast die Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili auf. Es spielt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, geleitet von Jochen Rieder.

Italien ist das Mutterland der Oper und die Heimat stimmungsvoller Canzonen, von Klassikern wie „Torna a Surriento“ bis hin zu dem Welthit „Volare“. Mit dem breiten Repertoire dieser italienischen Nacht befindet sich Jonas Kaufmann auf den Spuren von Caruso und Pavarotti, setzt aber mit dem Timbre seiner brillanten Stimme ganz eigene Akzente.

Als Gast unterstützt ihn dabei Anita Rachvelishvili. Die in Tiflis geborene Mezzosopranistin feierte 2009 ihren internationalen Durchbruch, als sie an der Seite von Jonas Kaufmann die Carmen an der Mailänder Scala sang. Die Presse schwärmt von ihrer Bühnenpräsenz und schreibt: „Eine Stimme wie ein Vulkan!“

Seine große Liebe zu Italien umschreibt Jonas Kaufmann mit folgenden Worten: „Italien ist für mich gelebte Leidenschaft auf höchstem Niveau! Ob das Liebesbeziehungen oder Dramen sind, ob Kunst, Essen oder das süße Nichtstun am Strand: Man hat plötzlich das Gefühl, man muss ständig lächeln …“

Samstag, 08.08. / 20:15 Uhr / Rigoletto ~ Bregenzer Festspiele 2019
Oper in drei Akten
ORF

Herzog von Mantua: Stephen Costello
Rigoletto: Vladimir Stoyanov
Gilda: Mélissa Petit
Maddalena: Giovanna Katrin Wundsam
Sparafucile: Miklós Sebestyén
Der Graf von Monterone: Kostas Smoriginas
Marullo: Wolfgang Stefan Schwaiger
Borsa: Paul Schweinester
Der Graf von Ceprano: Jorge Eleazar
Die Gräfin: Leonie Renaud
Page: Hyunduk Kim

Libretto von Francesco Maria Piave nach Victor Hugo „Le roi s’amuse“
Dramaturgie: Olaf A. Schmitt
Bühnenbild: Philipp Stölzl, Heike Vollmer
Kostüme: Kathi Maurer
Chor: Bregenzer Festspielchor, Prager Philharmonischer Chor
Orchester: Wiener Symphoniker
Musikalische Leitung: Enrique Mazzola
Inszenierung: Philipp Stölzl
Bildregie: Felix Breisach

2019 feiert Giuseppe Verdis Opernklassiker „Rigoletto“ Premiere auf der Seebühne am Bodensee. 3sat zeigt von den Bregenzer Festspielen die Aufzeichnung der Neuinszenierung von Philipp Stölzl.

Stölzl betont Verdis einzigartige Kontraste zwischen Spektakel und intimem Kammerspiel. Dem zirkushaften Treiben auf dem Fest, der Entführung und dem nächtlichen Sturm stehen innige Szenen zwischen Vater und Tochter sowie Gilda und dem Herzog gegenüber.

Mit der Möglichkeit, auf der Seebühne zu inszenieren, geht für Stölzl ein lang gehegter Traum in Erfüllung. Seine Musikvideos für die Gruppe Rammstein machten ihn bekannt, in Filmen wie „Nordwand“, „Der Medicus“ und zuletzt „Winnetou“ entwarf er atemraubende Szenen. Als Opernregisseur feierte er Erfolge unter anderem bei den Salzburger Festspielen, am Theater an der Wien sowie an den Staatsopern in Berlin und Dresden.

Traditionell wird die Neuinszenierung des „Rigoletto“ wieder zwei Jahre als Spiel auf dem See in Bregenz zu sehen sein.

Als Hofnarr amüsiert sich Rigoletto über das freizügige Leben seines Herzogs, den er tatkräftig bei dessen Eroberungen unterstützt. Sein Lachen über den erzürnten Monterone, der seine Tochter durch den Herzog entehrt sieht, bleibt ihm jedoch im Hals stecken, als dieser ihn verflucht. Ohne sein Wissen wird Rigoletto zum Mittäter bei der Entführung seiner eigenen Tochter Gilda, die er schützend zu Hause eingesperrt hält. In der Zuwendung des Herzogs sieht sie einen Ausweg aus der Obhut ihres Vaters. Dieser aber hat einen Mörder beauftragt, um den egoistischen Liebschaften des Herzogs ein endgültiges Ende zu bereiten. Doch als Rigoletto die verhüllte Leiche ins Wasser werfen möchte, hört er erneut dessen zynisches Credo „La donna è mobile“ und fürchtet um das Leben seiner Tochter.

Samstag, 08.08. / 22:20 Uhr / Sommernächte mit Elina Garanca
Präsentiert von Barbara Rett, Stift Göttweig
(Erstsendung: 12.07.2020)
ORF

Barbara Rett zeigt Glanzmomente aus der Weltkarriere der lettischen Mezzosopranistin Elina Garanca und besondere Höhepunkte der Galas „Klassik unter Sternen“ und „Klassik in den Alpen“.

Elina Garanca ist regelmäßig an den größten Opernhäusern und Festivals der Welt zu Gast. Einen besonderen Platz in ihrem Herzen hat die Wiener Staatsoper, an der sie 2003 debütierte und an der sie 2021 als Kundry ihr „Parsifal“ ihr Wagner-Debüt feiern wird.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem britischen Dirigenten Karel Mark Chichon, hat die Kammersängerin vor über zehn Jahren außerdem mit „Klassik unter Sternen“ und „Klassik in den Alpen“ ihre eigenen Open-Air-Galas ins Leben gerufen. Dazu lädt sie bekannte Sängerkollegen und Nachwuchskünstlerinnen und -künstler ins Stift Göttweig.

Samstag, 08.08. / 23:40 Uhr / Simon Rattle dirigiert die Berliner Philharmoniker in Luzern 2017
Lucerne Festival 2017 – Aus dem KKL Luzern
(Erstsendung: 28.04.2018)
SRF

Ein letztes Mal kam Sir Simon Rattle 2017 als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker nach Luzern. Zu seinem Abschied erzählte er mit Haydns epochaler „Schöpfung“, wie die Welt entstand.

Haydns Oratorium beschreibt, wie aus dem ungestalteten, formlosen Chaos Himmel und Erde hervorgingen, wie das Licht über die Finsternis triumphierte, wie Pflanzen und Tiere den Erdball zu bevölkern begannen und wie schließlich der Mensch ins Leben trat.

Haydn war schon im fortgeschrittenen Alter, als er dieses Oratorium zwischen 1796 und 1798 komponierte. Es enthält einige seiner kühnsten musikalischen Ideen, weit seiner Zeit voraus, mit atemberaubenden Effekten. Etwa wenn aus den verschleierten Pianissimo-Klängen der Dunkelheit das Licht mit einem gleißenden C-Dur-Akkord im Forte hervorbricht.

Samstag, 08.08. / 01:25 Uhr / Autokino meets Klassik – Alexander Krichel spielt Beethoven und Liszt
Aufzeichnung vom 11. Mai 2020
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Was in Corona-Zeiten bisher unmöglich schien, hat der Pianist Alexander Krichel nun seinem Publikum geschenkt: ein konzertantes Gemeinschaftserlebnis in einem Autokino in Iserlohn.

Wo sich sonst Leinwandhelden tummeln, drehte sich einen Abend lang alles um Beethoven und Liszt. Rund 200 Klassikfans verfolgten Krichels Klavierabend über ihre Autoradios und sahen dem Pianisten per Großbildleinwand auf die Finger.

Technisch erwies sich das Ganze als aufwendig, aber durchaus machbar. Für Krichel war das Projekt ein „eiskalter Sprung ins Nordpolarmeer“, allerdings wurde sein Mut belohnt.

Aus knapp 90 Fahrzeugen von der Limousine bis zum Kleinwagen hupte es reichlich Beifall. Gemeinsam zuhören, aber sicher voneinander getrennt – Krichel und den Veranstaltern des Iserlohner Hofmusik-Festivals ist es gelungen. Die Konzertidee vom Seilersee ist in der Klassikwelt bislang einzigartig.

Samstag, 08.08. / 02:55 Uhr / Rigoletto ~ Bregenzer Festspiele 2019
Oper in drei Akten
ORF

-> siehe 20:15 Uhr

Samstag, 08.08. / 05:00 Uhr / Johannes Brahms: Sinfonie Nr. 3 F-Dur, op. 90
Das Orchestra della Svizzera Italiana spielt Brahms
(Erstsendung: 17.11.2019)
SRF/3sat

Die beliebteste der Brahms-Sinfonien ist auch die kürzeste. In nur vier Monaten hat er sie komponiert. Ein Werk, das die Leichtigkeit einatmet, die diese Periode seines Lebens kennzeichnete.

Johannes Brahms hat sie 1883 in seinen Sommerferien in Wiesbaden fertiggestellt. Kritiker und Musikerkollegen lobten sie als das Beste, was Brahms bisher geschaffen hatte. Antonín Dvořák sagte über Brahms‘ 3. Sinfonie: „Das Herz geht einem dabei auf.“

Der Dirigent Markus Poschner brachte dieses innovative Werk zusammen mit dem Orchestra della Svizzera italiana in der Konzerthalle in Lugano (LAC) zur Aufführung.

Sonntag, 09.09. / 3satThementag: Eisige Welten

Montag, 10.08. / 19:20 Uhr / Kaminer Inside: Friedrichstadt-Palast
Erstausstrahlung
3sat

Berlins „Broadway“ liegt an der Friedrichstraße: Der legendäre Friedrichstadt-Palast, das größte Revuetheater Europas, feierte 2019 seine 100-jährige Bühnengeschichte.

Der Schriftsteller Wladimir Kaminer besuchte den Palast das erste Mal 1984 als junger Student. Jetzt ist er wieder hier, „Inside: Friedrichstadt-Palast“, auf gründlicher Entdeckungstour. Sechs Monate lang schaut er sich hinter den Kulissen des Theaters um.

Am 29. November 1919 eröffnete der Theaterimpresario Max Reinhardt das „Große Schauspielhaus“. Damit begann die wechselvolle Geschichte des 1947 in „Friedrichstadt-Palast“ umbenannten Hauses als eines der meistbesuchten Theater der Republik. Und das durch alle zeitgeschichtlichen Phasen Deutschlands: durch die 1920er-Jahre im Swinging Berlin, als Theater des Volkes im Zweiten Weltkrieg, als Gute-Laune-Fabrik der DDR und nach dem Mauerfall durch die schwierige Postwende-Zeit bis heute.

Der Friedrichstadt-Palast ist ein Haus der Superlative: Er beherbergt die weltgrößte Theaterbühne, ausgestattet mit unzähligen technischen Finessen. Mehr als 100 Künstler spielen allabendlich die Show – vor fast 2000 Gästen.

„Wie ein Flug zum Mars“, das ist Wladimir Kaminers erster Eindruck von der aktuellen Inszenierung „Vivid“. Die Show ist ein gigantischer Farbenrausch: Modernste Technik sorgt beim Publikum für Wow-Effekte, spektakuläre Kostüme und Hutkreationen, atemberaubende Show-Acts faszinieren Abend für Abend das Publikum. 500 Vorstellungen sind geplant, die Produktion hat zwölf Millionen Euro gekostet und läuft über zwei Jahre. Im Anschluss feiert gleich die nächste Show Premiere.

Wladimir Kaminer begleitet die junge Musical-Darstellerin Jaqueline Reinhold, die sich eine Hauptrolle in „Vivid“ erobert hat, bei ihren ersten Schritten auf der Bühne, bei den Proben und schließlich bei ihrer Bühnenpremiere. Mit dem Engagement ist für sie ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen: „Ich habe mein Leben lang dafür gearbeitet, ich habe immer Unterricht genommen, immer dafür gekämpft – und dann zahlt sich das am Ende auch aus.“

Mit dem Intendanten Dr. Berndt Schmidt spricht Wladimir Kaminer über die bewegte Geschichte des Hauses – und darüber, wie er die Zukunft sieht: „Alles, was wir machen, wird bewusst oder unbewusst im Kontext dieser Geschichte gesehen. Und wir sind ja eigentlich ‚the last man standing‘, der letzte Mohikaner aus den 1920er-Jahren“, so Schmidt.

Wladimir Kaminer besucht die dienstälteste Mitarbeiterin des Friedrichstadt-Palasts zu Hause: Helga Molling war fast 55 Jahre lang am Friedrichstadt-Palast tätig, 20 davon als Tänzerin, bis 1980: „Das war eine wunderschöne Zeit, wir waren sozusagen das Aushängeschild der DDR und auf drei Jahre im Voraus ausverkauft. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen, das war schon etwas ganz Besonderes.“

Beim Tischtennismatch unterhält er sich mit Kreativdirektor Oliver Hoppmann über die Herausforderung, alle zwei Jahre eine neue Show auf die Bühne zu bringen – und sich dabei jedes Mal wieder selbst zu übertreffen. „Wir gehen von einer Art kreativen Anarchie in eine Ordnung und dann in eine Lebendigkeit. Denn am Ende soll der Zuschauer ja denken, es ist fast improvisiert, authentisch, real. Wir wollen ihn mitnehmen auf eine Reise in eine fremde Welt.“

Nachts, nach Ende der Show, proben die Akrobaten von Navas Troupe in ihren achteinhalb Meter hohen, rotierenden Stahlrädern, auf denen sie Seilspringen und Salti darbieten. Wladimir Kaminer darf selbst ins Laufrad. „Das ist Adrenalin pur, das tollste Gefühl der Welt, wenn das Publikum den Atem anhält, begeistert klatscht. Das genieße ich seit 18 Jahren, seitdem ich als Artist arbeite“, erzählt ihm Ray Navas.

So entdeckt Wladimir Kaminer von Besuch zu Besuch, von Gewerk zu Gewerk, das geheime Leben hinter der Bühne des legendären Revuetheaters kennen. „Kaminer Inside: Friedrichstadt-Palast“ ist eine spannende und unterhaltsame Entdeckungsreise, die den Zuschauer in Räume blicken lässt, die ihm sonst verborgen bleiben.

Montag, 10.08. / 00:50 Uhr / Carole King: Tapestry – Live
Hyde Park, London, Großbritannien, 2016
Regie: Marcus Viner
3sat

Am 3. Juli 2016 gibt die amerikanische Singer-Songwriterin Carole King ein Konzert vor 65 000 Fans im Hyde Park. Im Mittelpunkt steht das Album „Tapestry“, 45 Jahre nach dem Erscheinen.

1971 erscheint „Tapestry“, eines der erfolgreichsten Alben der Popgeschichte mit Evergreens wie „You’ve Got a Friend“, „It’s Too Late“ und „Natural Woman“. Mit vier Grammys ausgezeichnet, verkauft sich das Album zwischen Blues, Soul und Jazz über 25 Millionen Mal.

Auf „Tapestry“ erzählt die 1942 in Manhattan, New York, geborene Künstlerin vom Ankommen in einem neuen Jahrzehnt nach den turbulenten Sechzigern. Es geht um den Abschied von der Jugend, um zerbrochene Lieben, um Zweifel und Enttäuschungen. Carole King trifft mit ihrer Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Sicherheit, nach jemandem, auf den man sich verlassen kann, den Nerv der Zeit.

Im Rahmen ihres Konzerts in London feiert Carole King den 45. Jahrestag des Erscheinens ihres wegbereitenden Albums und wird unter anderen von Gitarrist Danny Kortchmar begleitet, der schon auf dem Originalalbum mitgespielt hat.

Montag, 10.08. / 01:35 Uhr / Paul Simon: The Concert in Hyde Park
Hyde Park, London, Großbritannien, 2012
Regie: Matthew Amos
3sat

Im Juli 2012 begeistert Folklegende Paul Simon im Rahmen des „Hard Rock Calling“-Festivals mit großen Hits auf der Open-Air-Bühne im Londoner Hyde Park vor malerischer Kulisse.

Paul Simon präsentiert karriereumspannende Klassiker wie „Graceland“, „The Sound of Silence“ und „The Boxer“, interpretiert mit musikalischen Gästen wie Country-Star Jerry Douglas und der A-capella-Gruppe Ladysmith Black Mambazo vom „Graceland“-Album.

Mit Open-Air-Konzerten kennt sich Paul Simon aus: 1981 feiert er im New Yorker Central Park eine grandiose Wiedervereinigung mit Art Garfunkel, steht 1991 an gleicher Stelle solo auf der Freiluft-Bühne und lässt 2012 im Londoner Hyde Park vor 60 000 Zuschauern seine Karriere Revue passieren.

2017 werden die Aufnahmen veröffentlicht und dokumentieren ein denkwürdiges Konzert mit einem entspannten Paul Simon, der bei „The Sound of Silence“ ganz allein mit seiner Gitarre auf der Bühne steht und das Publikum in seinen Bann zieht. Auf der Liste der 100 besten Songwriter aller Zeiten des „Rolling Stone“ belegt Paul Simon den 8. Platz, direkt hinter Carole King und ihrem Liedtexter Gerry Goffin.

Montag, 10.08. / 02:20 Uhr / Kenny Loggins and Friends: Live on Soundstage
WTTW Grainger Studio, Chicago, USA, 2016
Regie: Joe Thomas
3sat

Im August 2016 begeistert der amerikanische Sänger, Gitarrist und Komponist Kenny Loggins seine Fans im Rahmen eines Konzerts in Chicago. Mit seinen Gästen ist er bei „Soundstage“.

Weltweit bekannt wird Loggins 1984 mit dem Hit „Footloose“. Der Song steht drei Wochen auf Platz 1 der Billboard-Hitparade, erhält eine Oscar-Nominierung und verliert knapp gegen Stevie Wonders „I Just Called to Say I Love You“.

Neben seinen musikalischen Gästen David Foster und Michael McDonald begrüßt Kenny Loggins auf der Bühne auch Jim Messina, seinen früheren Duo-Partner, mit dem er von 1970 bis 1976 als „Loggins and Messina“ erfolgreich zusammenarbeitet.

Ab 1977 startet Kenny Loggins seine Solokarriere und erlaubt sich immer wieder Zeit für Duette mit anderen Stars, wie dem Top-10-Hit „Whenever I Call You Friend“ mit Stevie Nicks von Fleetwood Mac und dem Hit „This Is It“ aus dem Jahr 1979 zusammen mit Michael McDonald von den Doobie Brothers. Für den Ohrwurm „What a Fool Believes“, komponiert von Kenny Loggins und Michael McDonald, erhält er 1980 den Grammy.

Montag, 10.08. / 03:05 Uhr / Eagles: Hell Freezes Over
Warner Studios, Burbank, USA, 1994
Regie: Beth McCarthy
3sat

Im April 1994 stehen die Eagles 14 Jahre nach ihrer Auflösung im Rahmen eines MTV-Specials für ein Live-Album in Burbank wieder zusammen auf der Bühne. Sie sind in Bestform.

„Nur wenn die Hölle zufriert, spielen wir wieder zusammen“, sagt Sänger und Schlagzeuger Don Henley 1980 nach dem Ende der Eagles. Zusammen mit Glenn Frey, Don Felder, Joe Walsh und Timothy B. Schmit springt Henley über seinen Schatten – und das Comeback gelingt.

Nicht zuletzt wegen der atemberaubenden Akustik-Fassung des Welthits „Hotel California“, hält sich das Album zwei Wochen auf Platz 1 der amerikanischen Hitparade und wird allein in den USA neunmillionenfach verkauft.

„Wir haben uns ja nie aufgelöst“, scherzt der 2016 verstorbene Glenn Frey während der Aufzeichnung, „wir haben uns nur einen 14-jährigen Urlaub gegönnt.“

Auch Glenn Frey hatte zuvor nicht an eine Wiedervereinigung geglaubt. Ein „Recycling der alten Hits wie es die Beach Boys machen, um zu einem Museum zu werden“ sei nicht seine Sache, sagt er 1982 dem „People Magazin“, und er fährt fort: „Eine Eagles-Tour unter dem Motto ‚Verlorene Jugend & Gier‘ wird es nicht geben.“ Doch die Zeit heilt alle Wunden, die Eagles spielen zwei Unplugged-Shows vor Publikum und veröffentlichen das Ergebnis auf „Hell Freezes Over“. Die sich anschließende Tournee mit 160 Konzerten dauert drei Jahre und wird eine der erfolgreichsten Unternehmungen der Geschichte des Pop.

Montag, 10.08. / 04:05 Uhr / Jeff Beck and Friends: Live at the Hollywood Bowl
Hollywood Bowl, Los Angeles, USA, 2016
Regie: Jim Yukich
3sat

Am 10. August 2016 feiert der britische Ausnahmegitarrist und mehrfache Grammy-Preisträger Jeff Beck seine 50-jährige Karriere auf der Freilichtbühne Hollywood Bowl in Los Angeles.

Mit seinen Gästen Billy Gibbons von ZZ Top, Steven Tyler von Aerosmith, der Sängerin Beth Hart, der Blues-Legende Buddy Guy und dem Keyboarder und Komponisten Jan Hammer präsentiert der scheue Saitenvirtuose ein Konzert zwischen Blues und Jazz-Rock.

Obwohl Jeff Beck für das Musikmagazin „Rolling Stone“ nur auf Platz 5 der besten Gitarristen aller Zeit steht, ist er vor allem bei Gitarristen wegen seines unvergleichlichen Tons und seiner ganz eigenen Gitarrentechnik legendär.

Er spielt 1965 bei den Yardbirds, danach zusammen mit Rod Stewart und Ron Wood in seiner eigenen „Jeff Beck Group“, ist danach als Gitarrist bei Pink Floyd im Gespräch und verliert den Job an David Gilmour.

Musikalisch entwickelt sich Jeff Beck in den 1970er-Jahren immer mehr in Richtung Fusion-Jazz, ist hier und da Gastmusiker und widmet sich umso mehr seinem Hobby, dem Frisieren von Oldtimern.

Der achtfache Grammy-Preisträger präsentiert – wie immer wortkarg – ein Konzert voller musikalischer Höhepunkte inklusive einer fulminanten Version von „Purple Rain“ in Gedenken an den wenige Wochen zuvor gestorbenen Sänger Prince.

Montag, 10.08. / 05:05 Uhr / John Mellencamp: Plain Spoken – Live in Chicago
Chicago Theatre, Chicago, Illinois, USA, 2015
Regie: Paul Dugdale
3sat

2014 veröffentlicht John Mellencamp sein 22. Studioalbum, „Plain Spoken“, das er ab Januar 2015 auf einer Tour durch die USA und Kanada vorstellt. Im Februar 2015 spielt er in Chicago.

Geboren 1951 in den USA, hat Mellencamp eine schwierige Kindheit und Jugend. Er kommt mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt, wird mit 19 Jahren zum ersten Mal Vater und geht mit 24 Jahren nach New York, ohne Aussicht auf einen Job. Eines weiß er: Er will Musiker werden.

Der Agent von David Bowie verschafft Mellencamp einen Plattenvertrag, doch das 1976-er Debüt wird ein Flop. Mellencamp ist verärgert, weil sein Agent den Musiker auch noch in „Johnny Cougar“ umbenennt. Er zieht 1977 für einige Monate nach England und landet, zurück in den USA, 1982 mit „Jack & Diane“ den ersehnten Nummer-1-Hit.

Immer noch als John Cougar Mellencamp unterwegs, schafft er 1983 mit „Pink Houses“ seinen größten Hit und entdeckt ab Mitte der 1980er-Jahre den Folk-Rock für sich. Er thematisiert in seinen Liedern nun die Probleme der amerikanischen Land- und Kleinstadtbevölkerung.

Zusammen mit Willie Nelson organisiert er die jährliche Benefizveranstaltung „Farm Aid“, bei der unter anderen auch Neil Young auftritt. Aus dem Unterhaltungsmusik-Rocker wird ein ernsthafter Musiker, der mit 37 Jahren zum ersten Mal Großvater wird und von einem Frauenmagazin zum „Sexiest Grandfather Alive“ gewählt wird. Ab 1987 nutzt er akustische Instrumente wie Geige und Akkordeon und beeinflusst mit diesem neuen Sound Musiker wie Sheryl Crow und Bruce Springsteen.

Nach einem Herzinfarkt ernährt er sich vegetarisch, interpretiert 2003 auf seinem Album „Trouble No More“ amerikanische Folklore-Lieder von Woody Guthrie und entwickelt sich zum politischen Liedermacher. Sein 2007-er Album „Freedom’s Road“ ist sein Kommentar zur politischen Lage im Stil der amerikanischen Protestsongs.

Mellencamp selbst nennt seinen Stil nun „American Folk, so wie es ihn immer gegeben hat“, und nimmt sein 2010-er Album „No Better Than This“ mit nur einem einzigen Raummikrofon auf einer alten Tonbandmaschine auf.

3sat präsentiert das Chicago-Konzert des schillernden Singer-Songwriters, der sich inzwischen wieder John Mellencamp nennt und zusammen mit Madonna 2008 in die Rock and Hall of Fame aufgenommen wird, mit seiner kraftvollen Mischung aus Blues, Country, Rockabilly und Folk-Rock und seinen großen Hits

Dienstag, 11.08. / 06:20 Uhr + 09:05 Uhr / Kaminer Inside: Friedrichstadt-Palast
(Erstsendung: 10.08.2020)
3sat

Berlins „Broadway“ liegt an der Friedrichstraße: Der legendäre Friedrichstadt-Palast, das größte Revuetheater Europas, feierte 2019 seine 100-jährige Bühnengeschichte.

Der Schriftsteller Wladimir Kaminer besuchte den Palast das erste Mal 1984 als junger Student. Jetzt ist er wieder hier, „Inside: Friedrichstadt-Palast“, auf gründlicher Entdeckungstour. Sechs Monate lang schaut er sich hinter den Kulissen des Theaters um.

Am 29. November 1919 eröffnete der Theaterimpresario Max Reinhardt das „Große Schauspielhaus“. Damit begann die wechselvolle Geschichte des 1947 in „Friedrichstadt-Palast“ umbenannten Hauses als eines der meistbesuchten Theater der Republik. Und das durch alle zeitgeschichtlichen Phasen Deutschlands: durch die 1920er-Jahre im Swinging Berlin, als Theater des Volkes im Zweiten Weltkrieg, als Gute-Laune-Fabrik der DDR und nach dem Mauerfall durch die schwierige Postwende-Zeit bis heute.

Der Friedrichstadt-Palast ist ein Haus der Superlative: Er beherbergt die weltgrößte Theaterbühne, ausgestattet mit unzähligen technischen Finessen. Mehr als 100 Künstler spielen allabendlich die Show – vor fast 2000 Gästen.

„Wie ein Flug zum Mars“, das ist Wladimir Kaminers erster Eindruck von der aktuellen Inszenierung „Vivid“. Die Show ist ein gigantischer Farbenrausch: Modernste Technik sorgt beim Publikum für Wow-Effekte, spektakuläre Kostüme und Hutkreationen, atemberaubende Show-Acts faszinieren Abend für Abend das Publikum. 500 Vorstellungen sind geplant, die Produktion hat zwölf Millionen Euro gekostet und läuft über zwei Jahre. Im Anschluss feiert gleich die nächste Show Premiere.

Wladimir Kaminer begleitet die junge Musical-Darstellerin Jaqueline Reinhold, die sich eine Hauptrolle in „Vivid“ erobert hat, bei ihren ersten Schritten auf der Bühne, bei den Proben und schließlich bei ihrer Bühnenpremiere. Mit dem Engagement ist für sie ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen: „Ich habe mein Leben lang dafür gearbeitet, ich habe immer Unterricht genommen, immer dafür gekämpft – und dann zahlt sich das am Ende auch aus.“

Mit dem Intendanten Dr. Berndt Schmidt spricht Wladimir Kaminer über die bewegte Geschichte des Hauses – und darüber, wie er die Zukunft sieht: „Alles, was wir machen, wird bewusst oder unbewusst im Kontext dieser Geschichte gesehen. Und wir sind ja eigentlich ‚the last man standing‘, der letzte Mohikaner aus den 1920er-Jahren“, so Schmidt.

Wladimir Kaminer besucht die dienstälteste Mitarbeiterin des Friedrichstadt-Palasts zu Hause: Helga Molling war fast 55 Jahre lang am Friedrichstadt-Palast tätig, 20 davon als Tänzerin, bis 1980: „Das war eine wunderschöne Zeit, wir waren sozusagen das Aushängeschild der DDR und auf drei Jahre im Voraus ausverkauft. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen, das war schon etwas ganz Besonderes.“

Beim Tischtennismatch unterhält er sich mit Kreativdirektor Oliver Hoppmann über die Herausforderung, alle zwei Jahre eine neue Show auf die Bühne zu bringen – und sich dabei jedes Mal wieder selbst zu übertreffen. „Wir gehen von einer Art kreativen Anarchie in eine Ordnung und dann in eine Lebendigkeit. Denn am Ende soll der Zuschauer ja denken, es ist fast improvisiert, authentisch, real. Wir wollen ihn mitnehmen auf eine Reise in eine fremde Welt.“

Nachts, nach Ende der Show, proben die Akrobaten von Navas Troupe in ihren achteinhalb Meter hohen, rotierenden Stahlrädern, auf denen sie Seilspringen und Salti darbieten. Wladimir Kaminer darf selbst ins Laufrad. „Das ist Adrenalin pur, das tollste Gefühl der Welt, wenn das Publikum den Atem anhält, begeistert klatscht. Das genieße ich seit 18 Jahren, seitdem ich als Artist arbeite“, erzählt ihm Ray Navas.

So entdeckt Wladimir Kaminer von Besuch zu Besuch, von Gewerk zu Gewerk, das geheime Leben hinter der Bühne des legendären Revuetheaters kennen. „Kaminer Inside: Friedrichstadt-Palast“ ist eine spannende und unterhaltsame Entdeckungsreise, die den Zuschauer in Räume blicken lässt, die ihm sonst verborgen bleiben.

Dienstag, 11.08. / 19.21 Uhr / Kaminer Inside: Semperoper
(VPS 19.20)
Film mit Wladimir Kaminer
Erstausstrahlung
3sat

Der Schriftsteller Wladimir Kaminer blickt für 3sat hinter die Kulissen der Dresdner Semperoper. Er begleitet die Arbeit an einer Inszenierung von den ersten Ideen bis zur Premiere.

Wie beginnt die Arbeit an einer Inszenierung, und welche großen und kleinen Katastrophen passieren auf dem Weg zur Premiere? Er begleitet die Regisseurin Elisabeth Stöppler, die vor der schwierigen Aufgabe steht, zwei Opern an einem Abend auf die Bühne zu bringen.

„Oedipus Rex“ von Igor Strawinsky und den Einakter „Il prigioniero“ von Luigi Dallapiccola, ein zeitgenössisches Werk, das für Wladimir Kaminer so brachial klingt, als „sei ein Panzer über die Noten gefahren“.

Wladimir Kaminer ist dabei, als am Wohnzimmertisch die Ideen für das Bühnengeschehen entstehen. Er fiebert mit, weil einer der Hauptdarsteller ausfällt und als während der wichtigen ersten Bühnenprobe plötzlich die gesamte Oper evakuiert werden muss.

Auf dem Weg zur Premiere taucht Kaminer tief ein in den Opernkosmos. Er hilft in der Schneiderei bei der Anprobe und fährt mit dem Logistik-Team Bühnenbilder quer durch die Stadt in die Außenlager. An der Semperoper entsteht ständig so viel Neues – dem Schriftsteller kommt es vor, als könnte man bald ganz Dresden mit den Bühnenbildern ausfüllen.

Der südafrikanische Nachwuchstenor Khanyiso Gwenxane arbeitet hart für seinen Auftritt in Stöpplers Inszenierung, aber für ihn geht es in dieser Spielzeit um noch viel mehr: Er kämpft um seine berufliche Zukunft und muss nebenbei verschiedene Vorsingen vorbereiten. Ob er ein Anschluss-Engagement an einer anderen Oper bekommt oder ob er doch zurück muss nach Südafrika, das ist am Anfang der Dreharbeiten völlig unklar. Und Wladimir Kaminer hat seine Zweifel, dass der junge Sänger es tatsächlich schaffen kann, das schwere Kostüm, das er für die neue Produktion der Semperoper verpasst bekommt, zum Leben zu erwecken. Am Anfang der Proben sieht das nach einer unerfüllbaren Mission aus.

Dass am Premierenabend trotz aller Schwierigkeiten tatsächlich „der Lappen hochgeht“, wie die Opernleute sagen, ist für den Schriftsteller aus Berlin am Ende ein genauso großes Wunder wie für die, die tagtäglich daran arbeiten.

Mittwoch, 12.08. / 06:20 Uhr & 09:05 Uhr / Kaminer Inside: Semperoper
→ siehe Dienstag, 11.08., 19.21 Uhr

Mittwoch, 12.08. / 19:20 Uhr / Kaminer Inside: Österreich – Auf der Suche nach dem Heimatgefühl
Film von Constanze Grießler und Franziska Mayr-Keber
(Erstsendung: 21.08.2019)
ORF

Was ist Heimat? Längst wird sie nicht mehr mit Spießigkeit verbunden, sondern mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit. – Eine Suche nach dem Heimatgefühl in den 3sat-Ländern mit Wladimir Kaminer.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz geht er der Frage nach: Wie unterscheiden sich die Vorstellungen von Heimat von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, von Mensch zu Mensch? Die Suche beginnt in Österreich.

Für Wladimir Kaminer ist Österreich ein kleines Land mit großer Geschichte. Die Schnitzel müssen groß sein, statt Kaffee bestellt man einen „Verlängerten“: natürlich lauter Klischees. Wladimir Kaminer begibt sich auf die Suche nach den wahren Heimatgedanken der Österreicher. Für die einen ist und bleibt Heimat das österreichische „Sound of Music“-Berg-Idyll mit Trachten und Tradition. Andere finden sie im säuerlichen Geschmack von Obstsorten wie Mispeln oder in schwarzhumoriger Wiener Popkultur.

Wenn Österreichs selbst ernannter „Volks-Rock-’n‘-Roller“ Andreas Gabalier zum Konzert ruft, schlüpfen bis zu 75 000 Menschen in Dirndl und Lederhosen. Die Sehnsucht nach der „heilen Welt“ wird von ihm perfekt inszeniert und vermarktet.

Anders im oberösterreichischen Hallstatt. Dort erfährt Wladimir Kaminer die bröckelnde Fassade der Postkartenidylle „als unwahr, wie in einem Märchen“. Seit Hallstatt in China nachgebaut wurde, tummeln sich bis zu eine Million Tagesgäste pro Jahr in der kleinen Gemeinde mit 700 Einwohnern. Die Hallstätter Wirtin Verena Lobisser fühlt sich zwar noch heimisch, doch auch ihr ist der Trubel zu viel.

Für Köchin Haya Molcho geht die Heimat, ganz klar, durch den Magen. Am Wiener Naschmarkt hat sie nach zahlreichen kulinarischen Reisen ihre ganz persönliche Heimat gefunden: „Es ist bunt hier. Ich habe die ganze Welt hier. Das ist für mich Heimatgefühl!“ Kaminer bereist mit ihr dort die Vielfalt des Geschmacks von Orient und Okzident.

Schattige Idylle und sonnige Skurrilität. Karikaturist Gerhard Haderer illustriert Österreichs Seele mit spitzer Feder: „Man kritisiert halt alles, was man liebt. Alles andere kann man ja ignorieren oder ablehnen. Aber ich persönlich verwende ja den Begriff ‚Heimat‘ für mich nicht. In Österreich ist dieser Begriff schon mehrmals missbraucht worden, das darf man nicht vergessen.“

Um die politische Debatte des Heimatbegriffs kommt Wladimir Kaminer auch mit der Bloggerin Christl Clear nicht herum, die das Internet als ihre „virtuelle Heimat“ betrachtet. Man kann demnach auch mehrere Heimaten haben – so wie die digital-österreichische Christl, die sich nicht nur durch ihren Geburtsort als Wienerin definiert, sondern erst durch die „richtige Mischung aus Charme und Grant“.

Die Dokumentation von Constanze Grießler und Franziska Mayr-Keber zeigt: Heimat kann man sehen, schmecken, riechen, hören und fühlen. Aber für die meisten braucht es für das wahre Heimatgefühl dann doch eher den sechsten Sinn.

Donnerstag, 13.08. / 06:20 Uhr & 09:05 Uhr / Kaminer Inside: Österreich – Auf der Suche nach dem Heimatgefühl
→ siehe Mittwoch, 12.08., 19:20 Uhr

Donnerstag, 13.08. / 19:20 Uhr / Kaminer Inside: Deutschland ~ Auf der Suche nach dem Heimatgefühl
Film von Nadja Kölling
(Erstsendung: 21.08.2019)
3sat

Wie kaum ein Zweiter beobachtet, hinterfragt, persifliert Wladimir Kaminer die Deutschen. Als Einwanderer genießt er Narrenfreiheit und betrachtet Land und Leute aus der Vogelperspektive.

Auf Rügen trifft Kaminer eine der wenigen Bernsteinfischerinnen Deutschlands und spricht mit ihr über die Heimat Meer. In Bamberg lauscht Kaminer den Musikern von Kellerkommando und Boxgalopp, die mit ihren traditionellen Instrumenten moderne Volksmusik machen.
Damit begeistern sie vor allem ein junges Publikum.

Mitten im Ruhrgebiet begleitet er Hochzeitsplanerin Tülay Koca, die türkische Hochzeiten veranstaltet. Und im Geiseltal besucht Kaminer einen Winzer, der auf einer ehemaligen Abraumhalde einen Weinberg gepflanzt und aus der verschwundenen Heimat eine neue geformt hat. Mit Waldläufer Ben unternimmt Kaminer in Baden-Baden eine Survival-Tour durch dessen Heimat, den Schwarzwald. Schließlich fliegt er noch nach London und trifft, kurz vor dem Brexit, eine deutsche Familie, die vor 25 Jahren auswanderte und jetzt, fern der deutschen Heimat, mit typisch deutschen Klischees ihr Geld verdient: mit Bratwurst, Sauerkraut und Weißbier.

Auf der Suche nach der deutschen Heimat stellt Kaminer fest: Mit klassischen Klischees hat Deutschland heute wenig zu tun. Tradition und Bräuche sind wichtig, aber immer im Wandel. Und Heimat am Ende ein Gefühl, das verbindet.

Was ist Heimat? Längst wird sie nicht mehr mit Spießigkeit verbunden, sondern mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit. – Eine Suche nach dem Heimatgefühl in den 3sat-Ländern mit Wladimir Kaminer. In Deutschland, Österreich und der Schweiz geht er der Frage nach: Wie unterscheiden sich die Vorstellungen von Heimat von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, von Mensch zu Mensch?

Freitag, 14.08. / 06:20 Uhr & 09:05 Uhr / Kaminer Inside: Deutschland ~ Auf der Suche nach dem Heimatgefühl
→ siehe Donnerstag, 12.08., 19:20 Uhr

Freitag, 14.08. / 19:20 Uhr / Kaminer Inside: Schweiz ~ Auf der Suche nach dem Heimatgefühl
Film von Roger Brunner
(Erstsendung: 21.08.2019)
SRF/3sat

Die Schweizer – ein jodelndes Alpenvölkchen mit versteckten Bankkonten, denkt sich Wladimir Kaminer. Doch wer fühlt sich abseits dieser Klischees in der Schweiz wirklich heimisch?

Eine etwas schräge Annäherung an das kleinste 3sat-Land. Wladimir Kaminers Reise beginnt nicht in der Schweiz, sondern in seiner Wahlheimat Berlin. Die dort wohnhafte Schweizer Schauspielerin Ursina Lardi gibt ihm einen Crashkurs in den vier Landessprachen.

Wladimir fühlt sich gut gewappnet und besucht als Erstes den berühmtesten und zugleich schweigsamsten aller Schweizer: den Emmentaler-Käse. In dessen Heimatregion, dem Emmental, tüftelt der Hobby-Käser Beat Wampfler an nichts Geringerem als an einer Innovation des Käsemachens. Er beschallt Käse mit Musik und erzielt damit erstaunliche Resultate.

Wladimir schnappt sich ein Stück Hip-Hop-Käse und besucht anschließend den Schweizer Rapper Marash Pulaj. Seit seiner Jugend rappt Marash über seine Identität als Secondo und über seine Eltern, die wegen der Jugoslawienkriege in die Schweiz flüchteten und hier eine neue Heimat suchen mussten.

In der Schweiz eine neue Heimat gefunden, das hat die gebürtige Kenianerin Yvonne Apyio Brändle-Amolo. Ausgerechnet in Appenzell-Innerrhoden, einem der konservativsten Kantone der Schweiz, lernte sie jodeln und fand Freunde. Heute kämpft die Politikerin und Künstlerin gegen Rassismus und Vorurteile. Schweizer Folklore liebt sie noch immer, und so nimmt sie Kaminer mit zu einem Schwingfest.

Schwingen, das ist eine etwas archaische Art des Ringens und Schweizer Nationalsport. Stämmige Männer und Frauen versuchen, sich in Sägemehlkreisen auf den Rücken zu legen. Von Sonia Kälin, der vierfachen Schwingerkönigin, lässt sich Wladimir das Schwingen demonstrieren, bevor er selbst in den Ring steigen muss – Muskelkater garantiert.

Im traditionsreichen und berüchtigten „Café Odeon“ in Zürich, wo einst die intellektuelle Elite Europas verkehrte, trifft Kaminer außerdem den Journalisten und ehemaligen „ZEIT“-Chefredakteur Roger de Weck. Die Schweiz, ein so modernes und zugleich so traditionelles Land, was hält sie eigentlich zusammen?

Zum Schluss kann Wladimir noch seine in Berlin erworbenen Fremdsprachenkenntnisse unter Beweis stellen. Die Olivenbäuerin Claudia Knapp lädt ihn ins hinterste Tal des Engadins auf ein Abendessen ein. Am Tisch sitzen Gäste aus allen Sprachregionen. Es wird wild durcheinandergeredet, getrunken und gelacht, und Wladimir Kaminer kommt zu einer überraschenden Erkenntnis.

Was ist Heimat? Längst wird sie nicht mehr mit Spießigkeit verbunden, sondern mit dem Wunsch nach Zugehörigkeit. – Eine Suche nach dem Heimatgefühl in den 3sat-Ländern mit Wladimir Kaminer. In Deutschland, Österreich und der Schweiz geht er der Frage nach: Wie unterscheiden sich die Vorstellungen von Heimat von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, von Mensch zu Mensch?


Samstag, 15.08. / 19:20 Uhr / Kulturzeit extra: Salzburg trotz(t) Corona
Besondere Festspiele zum 100-sten Jubiläum
Moderation: Peter Schneeberger
Erstausstrahlung
ORF/3sat

Krise als Chance – 100 Jahre Salzburger Festspiele im Zeichen von Corona: Statt eines üppigen Festivalprogramms zum 100. Geburtstag gibt es im Jahr 2020 eine stark verkürzte Version.

Das Programm der Salzburger Festspiele ist dennoch größer als gedacht: Vier Premieren Anfang August – „Così fan tutte“, „Elektra“, „Zdeněk Adamec“ und „Jedermann“. Die Produktionen werden einen Monat lang gezeigt, alles unter strengen Sicherheitsauflagen.

Es solle keine „Covid fan tutte“ werden, scherzte Intendant Markus Hinterhäuser über die überraschend angesetzte Produktion, die der renommierte deutsche Opernregisseur Christof Loy übernommen hat. In der Richard-Strauss-Oper „Elektra“ brilliert die litauische Opernsängerin Asmik Grigorian als Chrysothemis an der Seite ihrer Landsfrau Aušrin? Stundyt? als Elektra. Das Stück „Zdeněk Adamec: Eine Szene“ des Literaturnobelpreisträgers Peter Handke ist eine Uraufführung, und in dem Salzburg-Klassiker „Jedermann“ gibt es diesmal wieder eine neue Buhlschaft, die Schauspielerin Caroline Peters. Für Mitte August inszeniert Milo Rau auch eine „Jederfrau“.

Die Corona-Krise stellt Künstlerinnen und Künstler vor große Herausforderungen. Lange standen die Festspiele auf der Kippe. Wie klappt es mit den besonderen Bedingungen im Zeitalter von Corona, mit Abstandsregeln und speziellen Auflagen für das Geschehen auf der Bühne und Vorstellungen vor reduziertem Publikum? Ist das Festival damit noch annähernd das, was es einmal war? Und das zum 100. Geburtstag?

Dass die Salzburger Festspiele überhaupt stattfinden, ist vor allem einer energischen Frau zu verdanken: der langjährigen Präsidentin Helga Rabl-Stadler. Aber auch sonst sind diesmal besonders viele herausragende Frauen in Salzburg unterwegs.

„Kulturzeit extra“ zur diesjährigen Ausgabe trifft die neue Buhlschaft Caroline Peters vor dem Salzburger Dom, spricht mit der Sängerin Asmik Grigorian und zeigt Eindrücke aus den vier Premieren. Außerdem gibt es einen Ausflug in die Geschichte der Salzburger Festspiele mit Höhen und Tiefen aus 100 Jahren. Salzburg-Fan Peter Schneeberger führt durch die Sendung.

Samstag, 15.08. / 20:15 Uhr / Elektra
Felsenreitschule Salzburg, Salzburger Festspiele 2020
ORF

Tragödie in einem Aufzug op. 58 von Richard Strauss

Klytämnestra: Tanja Ariane Baumgartner
Elektra: Aušrine Stundyte
Chrysothemis: Asmik Grigorian
Aegisth: Michael Laurenz
Orest: Derek Welton

Choreografie: Claude Bardouil
Dramaturgie: Christian Longchamp
Libretto: Hugo von Hofmannsthal nach der, Tragödie von Sophokles
Bühnenbild: Malgorzata Szczesniak
Kostüme: Malgorzata Szczesniak
Chor: Konzertvereinigung, Wiener Staatsopernchor
Chorleitung: Ernst Raffelsberger
Orchester: Wiener Philharmoniker
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Inszenierung: Krzysztof Warlikowski
Regie: Krzysztof Warlikowski
Bildregie: Myriam Hoyer
Moderation: Teresa Vogl

Zwischen Schuld und Rache, Erlösung und Untergang thematisiert der monumentale Operneinakter „Elektra“ von Richard Strauss eine aus der Mythologie stammende Familiengeschichte.

Inspiriert von der Sprachgewalt des Librettisten Hugo von Hofmannsthal, lassen dramatische Stimmen und die große Orchesterbesetzung in die von Schmerz und Rachegelüsten geprägte Wahnwelt Elektras eintauchen.

Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker, die Rolle der Elektra verkörpert der litauische Rising-Star Aušrin? Stundyt?, und die Chrysothemis singt Asmik Grigorian, die für ihre Rolle als Salome in der Kritikerumfrage der Opernwelt als Sängerin des Jahres 2019 ausgezeichnet wurde.

Die Regie übernimmt Krzysztof Warlikowski, der 2018 mit Hans Werner Henzes „Die Bassariden“ sein erfolgreiches Debüt bei den Salzburger Festspielen gab.

Im 100-jährigen Jubiläumsjahr 2020 eröffnen die Salzburger Festspiele mit der Oper „Elektra“, die im Leben aller drei Festspielgründer – Richard Strauss, Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt – eine bedeutende Rolle spielte.

Für die Bildregie zeichnet Myriam Hoyer verantwortlich, durch das Programm führt Teresa Vogl.

Samstag, 15.08. / 22:10 Uhr / Eine Stadt als Bühne – 100 Jahre Salzburger Festspiele
Film von Werner Horvath
(Erstsendung: 02.08.2020)
ORF

Der Dichter Hugo von Hofmannsthal, der Komponist Richard Strauss und der Regisseur Max Reinhardt träumten nach dem Ersten Weltkrieg von Festspielen, die Frieden stiften sollten.

Max Reinhardt erklärte die Stadt Salzburg zur Bühne und inszenierte 1920 am Domplatz den „Jedermann“. Das war die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele. Die Dokumentation gibt einen Rückblick auf die Höhepunkte in der 100-jährigen Geschichte der Festspiele.

Sie zeigt dabei denkwürdige Interpretationen, wegweisende Inszenierungen und außergewöhnliche Künstlerpersönlichkeiten, die das Festival entscheidend geprägt haben, außerdem blickt sie mit Material aus dem ORF-Archiv und in Gesprächen mit Künstlern und Organisatoren in die Vergangenheit der Festspiele.

Samstag, 15.08. / 22:40 Uhr / Eschenbach dirigiert Weber und Dvorák
3satFestspielsommer (VPS 22.05)

Ouvertüre zur Oper „Freischütz“,
Sinfonie Nr. 9 e-Moll „Aus der Neuen Welt“

Stuttgarter Liederhalle, Mai 2019

Programm:

– Carl Maria von Weber: Ouvertüre zur Oper „Der Freischütz“
– Antonín Dvorák: Sinfonie Nr. 9 „Aus der Neuen Welt“

Orchester: SWR Symphonieorchester
Musikalische Leitung: Christoph Eschenbach
Regie: Jörg Thomas Mohr
ARD/SWR

Das SWR Symphonieorchester spielt unter der Leitung von Christoph Eschenbach die Ouvertüre aus „Der Freischütz“ von Carl Maria von Weber und die 9. Sinfonie von Antonín Dvořák.

Von Webers „Der Freischütz“ gilt als die erste deutsche romantische Oper und fand mit ihren patriotischen Motiven großen Anklang in der Nachkriegszeit der Napoleonischen Kriege. In der Ouvertüre lässt von Weber die wichtigsten musikalischen Themen Revue passieren.

Dvořáks bekannte 9. Sinfonie „Aus der neuen Welt“ ist der Versuch, eine musikalische Identität für Amerika zu finden, auch wenn Einflüsse aus seiner tschechischen Heimat unverkennbar sind. Aber auch Elemente aus schottischer Musik und Einflüsse von seinem dreijährigen Amerika-Aufenthalt sind unverkennbar.

Das Konzert in der Liederhalle Stuttgart zeigt mit diesen Werken verschiedene Ausdrücke von Nationalidentität in der Musik.

Redaktionshinweis: Am Sonntag, 16. August, geht es mit dem „3satFestspielsommer“ weiter: Um 10.55 Uhr zeigt 3sat das Musikdrama „Salome“ von Richard Strauss.

Sonntag, 16.08. / 10:55 Uhr / Salome
3satFestspielsommer
Musikdrama in einem Aufzug (1905) von Richard Strauss
Felsenreitschule, Salzburg, Juli 2018
ORF

Herodes: John Daszak
Herodias: Anna Maria Chiuri
Salome: Asmik Grigorian
Jochanaan: Gábor Bretz
Narraboth: Julian Prégardien
Ein Page der Herodias/Sklavin: Avery Amereau

Literarische Vorlage: Oscar Wilde
Libretto: Richard Strauss
Choreografie: Cindy Van Acker
Orchester: Wiener Philharmoniker
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Inszenierung: Romeo Castellucci
Bildregie: Henning Kasten

Richard Strauss‘ „Salome“, ein Lehrstück über Dekadenz und Macht, Lust und Perversion, passt perfekt zum Motto der Salzburger Festspiele 2018: „Passion, Leidenschaft, Ekstase“.

Regisseur Romeo Castellucci verspricht eine auf das Wesentliche reduzierte Neuinszenierung. Franz Welser-Möst dirigiert die Wiener Philharmoniker. Die Titelpartie verkörpert die litauische Sopranistin Asmik Grigorian, John Daszak gibt den Herodes.

Die Uraufführung 1905 in Dresden war ein Skandalerfolg: Wohl noch nie zuvor war weibliches Begehren so ungehemmt deutlich auf eine Opernbühne gebracht worden wie in Richard Strauss‘ Einakter nach dem gleichnamigen Drama von Oscar Wilde. Und der ursprünglich biblische Stoff von Salome, die mit ihrem Schleiertanz König Herodes, ihren Stiefvater, gefügig macht und sich von ihm den Kopf des Täufers Johannes bringen lässt, reizt Regisseure bis heute.

Eine literarische Hochkonjunktur erlebte „Salome“ im Frankreich des späten 19. Jahrhunderts: als Femme fatale und Inbild pervertierter Lust. Den Höhepunkt bildet Oscar Wildes in französischer Sprache verfasste, den Geist des Fin de Siècle atmende Tragödie „Salomé“. Die ursprüngliche Blickkonstellation erweiternd, spinnt Wilde ein ganzes Netz von obsessiven und unerwiderten Blicken zwischen den Figuren, als Ausdruck oder Quelle von Begehren. Kann man sich dem Blick entziehen, wie Jochanaan glaubt, der Salome verbieten will, ihn anzusehen „mit ihren Goldaugen unter den gleißenden Lidern“? Lässt sich der Blick verleugnen, um einzig dem Wort zu vertrauen? Wildes Tragödie entfaltet sich zwischen den Polen von Auge und Ohr, Körperlichkeit und Geistigkeit, Klang und Wort, Schauen und Erkennen.

Als Richard Strauss 1903 begann, eine gekürzte deutsche Übersetzung des skandalumwitterten Stücks zu vertonen, sah er sich vor die Herausforderung gestellt, diese Gegensätze im Medium der Musik zu vermitteln – oder auch zu relativieren. Als Komponist fand Strauss nach den symphonischen Dichtungen mit „Salome“ nun auch im Bereich der Oper zu einer eigenständigen Sprache: Der bis dahin ungeahnte Reichtum an Klangfarben ist nur eines ihrer unverwechselbaren Merkmale.

Die für Salzburg konzipierte Inszenierung macht die Figur der Salome zum Angelpunkt, verwandelt sie in die Flamme, die alles Anwesende belebt und die im Tanz der sieben Schleier emporlodert und sich verbraucht. Der Tanz bildet den Höhepunkt, eine Manifestation von Stärke und ein letztes Aufzucken, das den Zuschauer berührt.

In einem szenischen Bild, in dem erhabene neben gewöhnlichen Elementen existieren, stellt Castelluccis Regie weniger die Sehnsucht nach der Kopf-Trophäe des Jochanaan in den Vordergrund als das Abschneiden, das Wegschneiden; nicht das Objekt der Begierde, das immer schon verloren ist, sondern die berührende Einsamkeit einer Frauenfigur, an der man Anteil nimmt. Und hier stürzt der Akt des Ansehens durch seine endgültige Unterbindung in den Abgrund des Begehrens.

Redaktionshinweis: Am Samstag, 22. August, geht es mit dem „3satFestspielsommer“ weiter: Um 20.15 Uhr zeigt 3sat ein „Das Beste vom Besten – Opernhighlights der Salzburger Festspiele“, um 21.45 Uhr folgt „Jedermann“.

Sonntag, 16.08. / 12:45 Uhr / Vinocour plays 2012
Gershwin/Chopin/Liszt
SRF

Sonntag, 16.08. / 13:05 Uhr / Ewald Tatar – Vom Bühnenarbeiter zum Festivalguru
Film von Sonja Varga-Herbst
(aus der ORF-Reihe „Österreich-Bild“)
(Erstsendung: 09.08.2020)
ORF

Ewald Tatar begann als Plakatierer, Bühnenarbeit und DJ, unter anderem im Jazz-Pub in Wiesen. 1990 startete auf dem legendären Festivalgelände Wiesen seine Karriere als Veranstalter.

Die Erfahrungen bringt er auch als Mitbegründer des „Frequency“-Festivals in St. Pölten ein. Seit 2005 veranstaltet er mit seiner Agentur „Barracuda-Music“ auch das „Nova Rock“, das größte österreichische Musikfestival in Nickelsdorf mit bis zu 200 000 Besuchern im Jahr.

Kein Wunder also, dass der 53-jährige Burgenländer alle Größen der Musikbranche kennengelernt hat, von den Rolling Stones über den legendären Prince bis hin zu Robbie Williams, Queen und vielen mehr.

In seiner Agentur beschäftigt er mittlerweile 50 Mitarbeiter, und neben den großen Konzerten bringt er jedes Jahr auch kleine, feine Veranstaltungen auf Bühnen in ganz Österreich.

Sein jüngster Coup: Er verkauft einen großen Anteil seiner Agentur „Barracuda-Music“ – bleibt aber weiterhin als Geschäftsführer im Konzertgeschäft tätig.

Montag, 17.08. / 12:45 Uhr / Frankfurt, da will ich hin!
Mit Michael Friemel
Film von Maria C. Schmitt
(Erstsendung: 10.11.2018)
ARD/SR

Frankfurt darf sich als einzige Stadt in Deutschland „Alpha-City“ nennen: Frankfurt ist Trendsetter in Sachen Kultur, Geschichte und Lifestyle – ähnlich wie Moskau, Peking und Shanghai.

Frankfurt ist Weltstadt, Finanzzentrum und Wirtschaftsmetropole – und eine Stadt der Gegensätze: ein Hauch von Manhattan, gepaart mit provinzieller Gelassenheit. Davon erzählen auch die Spitznamen „Bankfurt“ oder „Mainhattan“.

Frankfurt hat sich etwas Kleinstädtisches, Heimeliges bewahrt. So schreibt die „New York Times“: Vergesst alle anderen Städte in Deutschland, Frankfurt hat alles. Vor allem aber war und ist Frankfurt eine Stadt der Bürgerinnen und Bürger. Schon früh kamen sie zu Macht und Reichtum, und sie ließen andere daran teilhaben. So gründeten sie eine Vielzahl von Stiftungen, darunter zahlreiche Museen. Frankfurt ist auch eine Museumsstadt.
Michael Friemel ist fasziniert von den verschiedenen Gesichtern Frankfurts. Er erkundet das Banken- und Bahnhofsviertel, entdeckt das neue Dom-Römer-Quartier, trinkt in einer Kultkneipe in Sachsenhausen einen der über 200 Apfelweine, probiert auf dem Markt eine der besten Grünen Soßen der Stadt, ist sportlich unterwegs im Hafenpark zu Füßen der Europäischen Zentralbank und besucht Goethe im Städel Museum.

Montag, 17.08. / 01:05 Uhr / PULS Open Air 2019 mit AnnenMayKantereit
(Erstsendung: 01.08.2019)
ARD/BR

Von der Straßenmusik zur YouTube-Sensation – und ab in den Pop-Olymp: Keine deutsche Band hat in den letzten Jahren einen solch explosionsartigen Aufstieg hingelegt wie AnnenMayKantereit.

Das Kölner Quartett hat sich in den Charts und Arenen einen Platz gesichert. Beim „PULS Open Air 2019“ auf Schloss Kaltenberg sorgten AnnenMayKantereit für eine volle Arena und abwechselnd für Gänsehaut- oder Tanzattacken.

Das Debutalbum „Alles nix Konkretes“ schaffte es auf die Eins, der Nachfolger „Schlagschatten“ wurde auch sofort zum Verkaufsschlager. Auch dank der unfassbar berührenden Stimme von Sänger Henning May und Hits wie „Pocahontas“, „Barfuß am Klavier“ oder „Ich geh heut nicht mehr tanzen“.

Montag, 17.08. / 02:05 Uhr / PULS Open Air 2019 mit den Leoniden
(Erstsendung: 31.10.2019)
ARD/BR

Die Leoniden bringen bei ihren Liveshows so viel Energie auf die Bühne, dass man sich fragt, wo die fünf Jungs die Sauerstoffzelte verstecken, in denen sie nach Konzertende regenerieren.

Die Gewinner des New Music Award 2017 haben auf ihrem zweiten Album „Again“ gezeigt, dass der Erfolg und das ständige Unterwegssein nichts an ihrem Gespür für grandiose Melodien und zappelige Rhythmen geändert haben.

Der Höhepunkt ihres Konzerts beim „PULS Open Air 2019“ auf Schloss Kaltenberg war der gemeinsame Auftritt mit den klassischen Musikern vom Verworner-Krause-Kammerorchester, die die Leoniden bei zwei ihrer eingängigen Indie-Hymnen begleitet haben.

Montag, 17.08. / 03:05 Uhr / Startrampe
Mit Amilli und BLVTH beim PULS Open Air 2019
(Erstsendung: 25.07.2019)
ARD/BR

Wer bei Amilli von austauschbarer wie inhaltsloser Popmusik ausgeht, muss sich ganz schnell umorientieren: Für 08/15-Sachen ist die Bochumerin nicht zu haben.

Ihre Stimme zwingt zum Zuhören, weil sie eine grandiose Mischung aus softem, aber eben auch rohem und starkem Vibe transportiert. Auch inhaltlich ist Amilli stark aufgestellt, so kritisiert sie beispielsweise in „Rarri“ den Materialismus ihrer Altersgenossen.

Ihren Sound beschreibt Amilli selbst als „Future R’n’B/Soul mit Spuren von Jazz und Pop“.

Das kann man eine steile Karriere nennen: BLVTH – gesprochen: Blut – machte sich zuerst einen Namen, indem er Songs von Künstlern wie Rihanna und Sia remixte. Auf ihn aufmerksam wurde dadurch auch der deutsche Rapper und Sänger Casper. Er nahm BLVTH gleich bei sechs Songs des Albums „Lang lebe der Tod“ als Co-Produzent mit an Bord. Jetzt zeigt der Berliner als Solokünstler, dass er auch ein grandioser Sänger ist. Sein Sound, der Trap und Elektro, Grunge und Hip-Hop sowie Melancholie und Wucht miteinander verbindet, lässt nicht wenige Leute ausflippen.

Montag, 17.08. / 03:35 Uhr / Startrampe ~ Unterwegs mit den Bands Bruckner und Die Sauna
(Erstsendung: 19.09.2019)
ARD/BR

In der Idylle des bayerischen Voralpenlandes lässt es sich gut musizieren. Die Musiker von Bruckner sind am Chiemsee aufgewachsen, die Jungs von Die Sauna am Schliersee.

Obwohl beide Bands im weitesten Sinn Indie-Pop-Rock machen, könnten ihr Sound und ihre Attitude nicht unterschiedlicher sein. „Startrampe“-Host Fridl Achten macht sich auf den Weg, um sich mit beiden Gruppen in ihrer jeweiligen Heimat zu treffen.

Bei Bruckner bedeutet das: irgendwo im Nirgendwo in der Nähe von Regensburg. Bei der Aufnahme einer Live-Session des Songs „Ich und deine Freunde“ ist Fridl mit dabei. Die Sauna begleitet er bei ihrem Auftritt beim „PULS Open Air 2019“ auf Schloss Kaltenberg.

Bruckner, das sind Jakob und Matti Bruckner, beide mitten in ihren Zwanzigern. Irgendwo zwischen dem Afrobeat von Paul Simon und Sportfreunde Stiller finden die beiden Brüder ihre eigene Pop-Sprache. Mit Texten über die Liebe zum Tischtennis oder die Freunde der Freundin, mit denen man nicht klarkommt. Ein umgebauter Feuerwehrwagen dient ihnen als Tourbus – und neuerdings auch als Kulisse für ihre charmanten Live-Sessions.

Die Texte von Die Sauna sind absichtlich kryptisch. Statt Antworten bekommt man Fragen um die Ohren gehauen: „Kann man überhaupt noch rebellieren?“ Auch wenn die sechs Jungs aus dem Landkreis Miesbach ihr Debütalbum „So schön wie jetzt war es noch nie“ getauft haben, ist hier nichts offensichtlich lieblich. Der treibende Indie-Rock von Die Sauna lässt einen rast- und ratlos zurück.


Regelmäßige Kultursendungen auf 3sat:

Montags – freitags, 19:20 Uhr: Kulturzeit
Das 3sat Kulturmagazin von ZDF, ORF, SRF und ARD
3sat
„Kulturzeit“ ist das werktägliche Kulturmagazin von 3sat.
„Kulturzeit“ mischt sich in kulturelle und gesellschaftspolitische Fragen ein. Das Magazin bietet Hintergrundinformationen, Porträts und Gespräche zu aktuellen und brisanten Fragen.

Samstags, 09:05 Uhr: Kulturplatz

Das Kulturmagazin von Schweizer Radio und Fernsehen, SRF
Hinein ins pralle Leben: „Kulturplatz“ greift auf, was die Menschen beschäftigt, welche Fragen sie sich stellen. Und zeigt, dass die Kultur Antworten gibt.
„Kulturplatz“ findet mitten im Leben statt: im Supermarkt, am Musikfestival, im Wald. Denn Kultur ist viel mehr als Musik, Literatur und Kunst. Kultur durchdringt unser Leben. Wo jemand nachzudenken beginnt, da entsteht Kultur.
Diesem Credo ist „Kulturplatz“ verpflichtet. Die Sendung will für Kultur begeistern und behält dabei die wichtigsten Akteure und Ereignisse des Kulturbetriebes im Blick. „Kulturplatz“ spürt Trends auf und präsentiert Neuentdeckungen.


Diese Übersicht wird stets mehrere Wochen vor den jeweiligen Sendeterminen erstellt. Aktuelle Programmänderungen sind u. U. nicht berücksichtigt. Diese finden sich auf 3sat.de.