TV-Tipps 3sat:


Samstag, 20. April, 20:15 Uhr auf 3sat: Ariodante
Cecilia Bartoli (Ariodante)
© ZDF/ORF/Salzburger Festspiele/Monika Rittershaus

Montag, 15.04. / 01:45 Uhr / Best of PULS Open Air 2016
Erstsendung: 05.08.2016)
ARD/BR

Mehr als 7000 Menschen haben im Juni 2016 auf Schloss Kaltenberg die Premiere des „PULS Open Air“ gefeiert und ganz besondere Konzertmomente erlebt. 3sat zeigt ein „Best of“.

Zu sehen sind die Auftritte von: Abby, Audio88 & Yassin, Boy, Crystal Fighters, Dan Grassler, Faber, Frittenbude, Gold, Panda, Hadern Im Sternenhagel, Innocent Boys, Kytes, Leyya, OK Kid, Schlachthofbronx, Slow Magic, VELI x VIWO und XTOPH.

Im Sommer 2016 lud „PULS“, das junge Programm des Bayerischen Rundfunks, zum ersten Mal zum „PULS Open Air“ auf Schloss Kaltenberg in Oberbayern ein. Dort spielten Bands aus Bayern, Deutschland und der Welt.

Montag, 15.04. / 03:15 Uhr / PULS Festival 2017 mit IDLES und Gurr
(Erstsendung: 09.03.2018)
ARD/BR

Beim „PULS Festival 2017“ spielten einige der aktuell besten Bands in den Orchesterstudios des Bayerischen Rundfunks in München. Mit dabei: die Idles und Gurr.

London im März 2017: In einem ehemaligen Arbeiterheim im Osten der Stadt stehen die Idles auf der Bühne und feiern die Veröffentlichung ihres ersten Albums mit einer Show, die zum Namen der Platte passt: „Brutalism“. Das Publikum ist außer sich.

Die Texte von Sänger Joe Talbot handeln vom absurden Zustand der britischen Gesellschaft: Gut betuchte Abgeordnete der Konservativen wollen das Land von Europa abkapseln, während die Krankenhäuser von London bis Newcastle händeringend um mehr Gelder für Krankenschwestern und Ärzte betteln. In ihrer britischen Heimat gelten die Idles bereits als eine der besten Livebands überhaupt. Das haben auch die Foo Fighters mitbekommen, die sie als Support für ihre Konzerte in London eingespannt haben.

Gurr goes global! Das Berliner Duo Gurr hat mit seiner Mischung aus Indie, Garagen und PopRock die BBC dazu gebracht, sie für eine Session einzuladen. Obendrein gab es Auftritte beim renommierten „South by Southwest“Festival in Austin sowie bei „The Great Escape“ in Brighton. Doch damit nicht genug sie haben auch schon für Kakkmaddafakka und Jimmy Eat World eröffnet. Der manchmal verträumte RetroSound der beiden wird also international gefeiert. Sie selbst beschreiben ihren Stil leicht ironisch als „First Wave Gurrlcore“.

Songs wie „Moby Dick“ versprühen Charme aus jedem Ton und lösen gleichzeitig den Reflex aus, ewig auf den RepeatButton zu drücken. 2016 ist ihr Debütalbum „In My Head“ erschienen. Gurr haben bewiesen, dass „The next big thing“ nicht immer aus den USA oder dem UK kommen muss. Gurr aus Berlin waren eine der Bands des Jahres 2017, und ihr Konzert im Orchesterstudio 2 war eines der Highlights des „PULS Festival 2017“.

Montag, 15.04. / 04:15 Uhr / Startrampe ~ Unterwegs mit der IndiePopBand Blond aus Chemnitz
(Erstsendung: 18.05.2018)
ARD/BR

Blond, das sind die beiden Schwestern Nina und Lotta Kummer und ihr Kinderfreund Johann Bonitz. Nach eigener Aussage kennen sie sich „schon immer“.

Da ihre Eltern befreundet waren, haben die drei „gezwungenermaßen“ früh gemeinsam Urlaub und irgendwann auch Musik gemacht. Nach ersten CoverVersionen im Kinderzimmer und diversen Gigs bei Familienfeiern haben Blond dann auch eigene Songs geschrieben.

Auf dem Label „Atomino Tonträger“, das an den gleichnamigen Chemnitzer Club angeschlossen ist, veröffentlichen Blond 2016 das selbstbetitelte Debüt und legen 2017 die NachfolgeEP „Trendy“ nach. Die Texte: mal auf Deutsch, mal auf Englisch, aber immer mit einer guten Portion Selbstironie und Humor. Der Sound: meist tanzbar, seltener auch mal melancholisch und nachdenklich. Live legen Blond eine derart selbstbewusste und mitreißende Show hin, dass man sie einer so jungen Band erst mal gar nicht zutraut: exotische Kostüme, merkwürdige Coverversionen, seltsame Rap und TanzEinlagen. Deswegen waren sie auch schon im Vorprogramm von Zugezogen Maskulin und Kraftklub auf Tour. Zu der Band mit K haben Nina und Lotta ohnehin ein spezielles Verhältnis: Frontmann Felix und Bassist Till tragen den gleichen Nachnamen und sind ihre Brüder.

„Startrampe“Host Fridl Achten ist BlondFan und hat die drei in ihrer Heimatstadt Chemnitz besucht. Nachdem sie ihm ihren Proberaum gezeigt haben, geht es in den Kostümfundus des Theaters. Im exotischen Dress gibt es dann eine exklusive Session, bevor die drei am Tresen des „Atomino“ ihre Heimatverbundenheit diskutieren. Außerdem machen sich Band und Fridl gemeinsam auf die Jagd nach dem heiligen SocialMediaGral, dem MemeGold, dem LikeGaranten: Sie wollen ein BandFoto mit einem Alpaka machen.

Montag, 15.04. / 04:45 Uhr / Startrampe ~ Unterwegs mit der IndieBand Rikas aus Stuttgart
(Erstsendung: 14.06.2018)
ARD/BR

Im April 2018 haben die Rikas das sind die vier Jungs Chris, Ferdi, Sascha und Sam ihre erste EP veröffentlicht: „Swabian Samba“, eine Hommage an Stuttgart, die Heimat der Rikas.

Als „Swabian Samba“ bezeichnen die Rikas auch ihre unverwechselbare SoundCollage Beat, Funk, Pop, das alles passt bei der Band wunderbar zusammen. Ebenfalls absolut unverwechselbar ist das Werk des Grafikers, Illustrators und Musikers Klaus Voormann.

Mit dem Cover des BeatlesAlbums „Revolver“ hat er eine der berühmtesten Ikonen der Popmusik gestaltet und später als Bassist zusammen mit George Harrison, Ringo Starr, John Lennon, Manfred Mann und vielen anderen gespielt. Die Rikas feiern ihn als Musiker und Grafiker. Zusammen mit „Startrampe“Moderator Fridl dürfen sie Klaus Voormann in seinem Atelier am Starnberger See besuchen. Und weil sie das Cover ihrer aktuellen EP selbst gestaltet haben, bitten die Rikas ihren Gastgeber, einen Blick darauf zu werfen. Ob das Artwork von „Swabian Samba“ auch das Zeug zum Klassiker hat?

Da die Rikas auf dem Cover in einem Boxring abgebildet sind, schauen sie nach dem Besuch bei Klaus Voormann zusammen mit Fridl im Männerturnverein 1879 München vorbei auf Wunsch der Band bekommen alle fünf von Boxtrainer Kai Melder einen Workout der besonderen Art: zwei Stunden Crashkurs im Boxen. Im Ring liefern die Rikas dann mit „Picasso“ eine LiveSessionPremiere ab. Diese Version von „Picasso“ ist eine Hommage an den JazzGitarristen Django Reinhardt ebenfalls ein begnadeter Stilmixer und der endgültige Beweis, dass der „Swabian Samba“CrossoverSound der Rikas das Zeug zum Sommerhype hat.

Gründonnerstag, 18.04. / 22:25 Uhr / The Artist
Spielfilm, Frankreich 2011
3sat

George Valentin: Jean Dujardin
Al Zimmer: John Goodman
Peppy Miller: Bérénice Bejo
Clifton: James Cromwell
Doris: Penelope Ann Miller
u. a.

Regie: Michel Hazanavicius
Länge: 97 Minuten

George Valentin ist der Superstar des Hollywoodkinos der Stummfilmzeit in den 1920erJahren. Ihm fliegen die Herzen des Publikums zu, doch die Einführung des Tonfilms beendet seinen Höhenflug.

Das in SchwarzWeiß gehaltene Melodrama in StummfilmManier gewann fünf Oscars: als bester Film, für die beste Regie, den besten Hauptdarsteller, die beste Filmmusik sowie das beste Kostümdesign.

Der weltmännische Schauspieler und Tänzer George Valentin genießt seinen Ruhm, den er stilgereicht zu zelebrieren weiß, und entdeckt wie im Vorbeigehen das Talent der jungen Statistin Peppy Miller. Doch der Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm kehrt die Rollen schnell um.

Denn der Tonfilm erfordert von beiden Künstlern einen immensen Tribut und vor allem Flexibilität. Während die neue Technik der anpassungsfähigen Peppy zum absoluten Durchbruch verhilft und aus dem Sternchen einen gefeierten Kinostar macht, verkennt George die Zeichen der Zeit und gerät in eine unaufhaltsame Abwärtsspirale.

Karfreitag, 19.04. / 09:10 Uhr / La Passione MatthäusPassion
Deichtorhallen, Hamburg, April 2016
ARD/NDR

Evangelist: Ian Bostridge
Jesus/Bass: Philippe Sly

Mit Hayoung Lee (Sopran 1), Christina Gansch (Sopran 2), Dorottya Láng (Alt) und Bernard Richter (Tenor)
Bühnenbild: Romeo Castellucci
Kostüme: Romeo Castellucci
Chor: Audi Jugendchorakademie
Chorleitung: Martin Steidler
Orchester: Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
Musikalische Leitung: Kent Nagano
Inszenierung: Romeo Castellucci

Die Deichtorhallen in Hamburg sind der Rahmen für bildgewaltiges Musiktheater mit Starbesetzung: Romeo Castellucci inszeniert Johann Sebastian Bachs MatthäusPassion.

Castelluccis bild und klangmächtige Aufführungen bewegen sich im Grenzgebiet von Theater, Installation und Performance. Bei der MatthäusPassion zielt er ins Herz des christlichen Glaubens: die Erlösung der Menschheit durch den Opfertod Jesu Christi.

Die komplett in Weiß gehaltene Bühne intensiviert den Blick auf das Geschehen. Erläuternde Texte leiten den Zuschauer durch die Inszenierung wie der Katalog einer Museumsausstellung.

Die Solisten des außergewöhnlichen BachProjekts „La Passione“ sind erstklassig besetzt: Zu erleben sind als Evangelist Ian Bostridge, die Sopranistinnen Hayoung Lee und Christina Gansch, Altistin Dorottya Láng, der Tenor Bernard Richter und als Jesus der Bassbariton Philippe Sly. Es singt unter der Leitung von Martin Steidler die Audi Jugendchorakademie. Die musikalische Leitung hat Kent Nagano, der Generalmusikdirektor der Staatsoper Hamburg.


Samstag, 20.04. / 10:00 Uhr / Friedenskonzert der Wiener Philharmoniker aus Versailles
Königliche Hofoper, November 2018

Mit den Solisten Yuja Wang (Piano), Elsa Dreisig (Sopran), Ekaterina Gubanova (Mezzosopran), Daniel Behle (Tenor) und Ryan Speedo Green (Bass)

Programm:
– Wolfgang Amadeus Mozart Ouvertüre zu „Die Zauberflöte“, KV 620
– Claude Debussy „Sirènes“ aus „Trois Nocturnes“
– Gustav Theodore Holst „Mars“ aus „Die Planeten“
– Richard Wagner „Trauermarsch“ aus „Götterdämmerung“
– Maurice Ravel „Klavierkonzert für die linke Hand in D- Dur“
– Ralph Vaughn Williams „Klagelied für zwei Veterane“
– Ludwig van Beethoven „Agnus Dei“ aus der „Missasolemnis in D-Dur, op. 123“
– Charles Ives „The unanswered Question“ (Orchesterfassung)

Chor: Radio France
Orchester: Wiener Philharmoniker
Musikalische Leitung: Franz Welser-Möst
Moderation: Theo Koll
3sat

Am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. 100 Jahre später geben die Wiener Philharmoniker und internationalen Solisten ein Friedenskonzert in der Königlichen Hofoper in Versailles.

Das Programm umfasst unter anderem Werke von Mozart, Beethoven, Ravel, Debussy und Ives. Der Dirigent Franz Welser-Möst hat sehr bedacht mit den Wiener Philharmonikern Werke ausgewählt, die eine friedensbringende Botschaft übermitteln.

Das Konzert setzt auf ein musikalisches Miteinander, auf ein gemeinsames Gedenken, aber auch auf Versöhnung und Zuversicht. Und mehr als das: Es verbindet Künstler, Musiker, Solisten aus der ganzen Welt und wird in nahezu 50 Ländern live oder als Aufzeichnung übertragen. Damit markiert dieses Konzert eine Brücke zum interkulturellen Dialog über Grenzen hinweg.

Hochkarätige Solisten unterstützen dieses Vorhaben: Die Chinesin Yuja Wang zeigt immer wieder eine hohe Virtuosität und frische Interpretation. Dies wird sie auch bei Ravels „Klavier-Konzert für die linke Hand“ beweisen. Bei Beethovens „Missa solemnis“ treten internationale Solisten auf, um den Ruf nach Frieden im „Agnus Dei“ zu verkünden.

Die Sopranistin Elsa Dreisig mit französisch-dänischen Wurzeln, die russische Mezzosopranistin Ekaterina Gubanova, der Tenor Daniel Behle aus Deutschland und der amerikanische Bassist Ryan Speedo Green werden dieses völkerverbindende Anliegen mit den Wiener Philharmonikern und dem Chor Radio France unter der Leitung von Franz Welser-Möst musikalisch umsetzen. Es moderiert Theo Koll.

Samstag, 20.04. / 20:15 Uhr / Ariodante
Oper von Georg Friedrich Händel
Dramma per musica in drei Akten HWV 33 (1734)
ORF/3sat

Der König von Schottland: Nathan Berg
Ariodante: Cecilia Bartoli
Ginevra: Kathryn Lewek
Lurcanio: Rolando Villazón
Polinesso: Christophe Dumaux
Dalinda: Sandrine Piau
Odoardo: Kristofer Lundin
u. a.

Salzburger Pfingstfestspiele, 2017
Bühnenbild: Johannes Leiacker
Kostüme: Ursula Renzenbrink
Choreografie: Andreas Heise
Chor: Salzburger Bachchor
Orchester: Les Musiciens du Prince, Monaco
Musikalische Leitung: Gianluca Capuano
Inszenierung: Christof Loy
Bildregie: Tiziano Mancini
Erstausstrahlung

Seit 2012 leitet Cecilia Bartoli die „Salzburger Pfingstfestspiele“. 2017 brachte der Weltstar Georg Friedrich Händels „Ariodante“ auf die Bühne und schlüpfte selbst in die Titelrolle.

Für Regisseur Christof Loy sind Wahrheitssuche, Geschlechterrollen und Identitäten die zentralen – auch heute aktuellen – Themen des mittelalterlichen Ritterepos. Liebliche Szenen im lichten Garten stehen neben böser Intrige, ausgeheckt in dunkler Nacht.

Heiterkeit und Optimismus kontrastieren mit Düsternis und Verzweiflung, arkadische Lust kippt in albtraumhafte Angst. Als Meister des musikalischen Kontrasts führt Georg Friedrich Händel in „Ariodante“ virtuos sämtliche Varianten der Bezeugung von Liebe und Macht vor und zieht alle Register des Genres.

Dabei kämpfte der deutsche Komponist und Impresario, der in den 1720er-Jahren mit seiner Operngesellschaft in London reüssiert hatte, zur Zeit der Entstehung der Oper ums künstlerische Überleben. Die Begeisterung an italienischen Sujets war abgeflaut, und Händel sah sich massiver Konkurrenz durch einen rivalisierenden Veranstalter ausgesetzt.

In dieser prekären Lage tat sich ihm Anfang 1735 die Möglichkeit auf, eine neue Oper am zwei Jahre zuvor eröffneten Theatre Royal in Covent Garden aufzuführen. Um das englische Publikum einzunehmen, griff Händel ein schottisches Thema auf und erweiterte die Opernhandlung um Ballette.

Die Geschichte beruht auf einer Szene aus Ariosts „Orlando furioso“: Ariodante kommt mit seinem Bruder Lurcanio an den Hof des schottischen Königs und verliebt sich in die Königstochter Ginevra. Doch Polinesso hat auch ein Auge auf sie geworfen.

Das Bühnenbild – ein schneeweißer Guckkasten – ist betont sparsam, die Inszenierung zeitlos zwischen den Epochen angesiedelt: Rüstung und Barockperücke stehen neben Businessanzug und Cocktailkleid.

Cecilia Bartoli ist nicht der einzige Superstar dieser Produktion: Rolando Villazón brilliert als Ariodantes Bruder Lurcanio. Gianluca Capuano dirigiert das 2016 von Cecilia Bartoli gegründete Barock-Ensemble Les Musiciens du Prince.

Ostersonntag, 21.04. / 09:50 Uhr / Frühling in Wien
Wiener Musikverein, 2018
Mit Jean-Yves Thibaudet (Klavier)
Orchester: Wiener Symphoniker, Janoska Ensemble
Musikalische Leitung: Ádám Fischer
Bildregie: Karina Fibich
Moderation: Barbara Rett
ORF

Seit über 40 Jahren stimmt das traditionelle Osterkonzert „Frühling in Wien“ der Wiener Symphoniker auf die neue Jahreszeit ein. 2018 musizierten sie im Wiener Musikverein.

Zum zweiten Mal übernahm der ungarische Stardirigent Ádám Fischer die musikalische Leitung. Zur Seite stand ihm das slowakische Janoska Ensemble. Gemeinsam luden sie zu einer klangvollen Reise entlang der Donau, von Budapest über Bratislava nach Wien.

Werke von Johannes Brahms, Antonín Dvorák, Johann Strauss (Sohn) und anderen Komponisten läuteten den Frühling gebührend ein. Zu hören waren Auszüge aus Brahms „Ungarischen Tänzen“, Dvoráks „Slawischen Tänzen“, Strauss‘ Ouvertüre zur Operette „Die Fledermaus“ sowie der „Donauwalzer“.

Ostersonntag, 21.04. / 11:40 Uhr / Schatzkammer Florenz ~ Herr Schmidt und die Uffizien
Film von Peter Moers
(Erstsendung: 09.12.2018)
ARD/SWR

Mit Botticellis Venus auf Facebook? Eine App für Leonardo und Michelangelo? Von der Renaissance ins digitale Zeitalter: Eike Schmidt, Museumsdirektor der Uffizien, will dies schaffen.

2015 wurde der Freiburger Kunsthistoriker als erster Nicht-Italiener zum Direktor der Uffizien in Florenz gewählt. Mit opulenten Bildern und Luftaufnahmen führt die Dokumentation durch das Florenz der Renaissance – immer an der Seite von Eike Schmidt.

Dem Deutschen eilte der Ruf des Machers und Modernisierers voraus. Ein Renommee, das er sich in Museen in Los Angeles und Washington D.C. sowie bei Sotheby’s in London erarbeitet hat. Und kaum zeitigten Schmidts Maßnahmen in Florenz die ersten Erfolge, kam schon das nächste Angebot: Im zweiten Halbjahr 2019 wird der Kunstexperte die Leitung des Kunsthistorischen Museums Wien übernehmen.

Die größte Herausforderung für Eike Schmidt ist die Anziehungskraft des ehrwürdigen Hauses in Florenz. Auch wer dort nur ein langes Wochenende verbringt, will Michelangelo, Leonardo da Vinci, Botticelli und Caravaggio sehen. 7000 Besucher drängen sich pro Tag vor ihren Werken. Pro Jahr sind das 2,2 Millionen Menschen, die durch die Räume der Uffizien fluten. Diese Menschen schwitzen, atmen und husten. Den kostbaren Gemälden der Renaissance tut das gar nicht gut. Maßnahmen zum Schutz der Florentiner Kunstschätze sind dringlicher denn je; zu lange wurde an entsprechenden Vorkehrungen gespart.

Mit seinem eloquenten Charme, seinem Fachwissen und seinem nachhaltigen Denken hat Eike Schmidt in seiner Amtszeit viel bewegt. Besucherströme behindern sich nicht mehr gegenseitig, sie werden klug und geschickt gelenkt. Selfie-Macher werden nicht mehr als Kunstbanausen geduldet, sondern als moderne Besucher respektiert. Die dem Museum angeschlossenen Bereiche wie der Palazzo Pitti und der Boboli-Garten sind im Tagesticket enthalten. In nur wenigen Jahren haben die Uffizien mit Eike Schmidt eine Menge Staub abgeschüttelt und sind im 21. Jahrhundert angekommen.

Ostermontag, 22.04. / 09:20 Uhr / Johann Sebastian Bach: Messe in h-Moll
Konzert in der Nürnberger St. Lorenzkirche, Juni 2016
Mit den Solisten Christina Landshamer, Anke Vondung, Maximilian Schmitt und Andreas Wolf
Chor: Chor des Bayerischen Rundfunks
Orchester: Originalklangensemble Concerto, Köln
Musikalische Leitung: Peter Dijkstra
(Erstsendung: 02.04.2017)
ARD/BR

3sat zeigt Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe in einer besonderen, farbenreichen, virtuosen und spannend ins Bild gesetzten Interpretation.

Peter Dijkstra leitet die Aufführung in der Nürnberger St. Lorenzkirche mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks, dem Originalklangensemble Concerto Köln und den Solisten Christina Landshamer, Anke Vondung, Maximilian Schmitt und Andreas Wolf.

Obwohl Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe für den lutherischen Gottesdienst nicht vorgesehen war und vom Komponisten aus Werken verschiedener Schaffensperioden zusammengestellt wurde, ist sie doch eines der größten Meisterwerke der Musikgeschichte. Auf besonders berührende Weise drückt sie den ewig-menschlichen Zukunftswunsch aus, der in jeder Messe formuliert wird: dass Himmel und Erde, Gott und die Menschen in Einklang kommen.

Der Chor des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Peter Dijkstra hat die h-Moll-Messe zusammen mit dem Originalklangensemble Concerto Köln in der gotischen St. Lorenzkirche Nürnberg aufgeführt. Die Solisten sind Christina Landshamer, Sopran, Anke Vondung, Alt, Maximilian Schmitt, Tenor, und Andreas Wolf, Bass. Mit einer differenzierten Lichtregie, der Einbeziehung von Detailaufnahmen markanter Kunstwerke aus der Lorenzkirche sowie einer wechselnden räumlichen Anordnung der Mitwirkenden – für die szenische Gestaltung zeichnet Folkert Uhde, für die Fernsehregie Elisabeth Malzer verantwortlich – geht diese Produktion über hergebrachte Konzertdarbietungen weit hinaus.

So erstrahlt der Kirchenraum im „Credo“ erstmals in voller Höhe und in vollem Glanz, während das Licht im folgenden Teil nach und nach schwindet: Das „Cruzifixus“ wirkt irdisch und schwer. Mit jedem Paukeneinsatz des Schlusschores „Dona nobis Pacem“ kehrt das Licht zurück, bis die Kirche am Ende wieder in aller Schönheit und Feierlichkeit erstrahlt.

Dienstag, 23.04. / 09:10 Uhr / Can Can und Champagner – Das Moulin Rouge
Film von Susanne Freitag
(Erstsendung: 18.05.2015)
3sat

Das Moulin Rouge ist das wohl bekannteste Revuetheater der Welt. 1889 gegründet, galt es zunächst als frivole und unschickliche Lasterhöhle, in der sich die Pariser Bohème traf.

Heute ist es ein knallhart durchstrukturiertes Unternehmen: 400 Mitarbeiter bereiten täglich das Amüsierprogramm vor, 1700 Gäste kommen jeden Abend, das Theater gilt als größter Champagner-Konsument ganz Frankreichs.

In eigenen Werkstätten werden Schuhe gefertigt, die Federräder und Kostüme genäht. Größe und Gewicht der Tänzerinnen sind vorgeschrieben – nur so lässt sich der perfekte Can Can tanzen, der das Moulin Rouge weltberühmt machte.


Samstag, 27.04.: Faszination Japan  Ein 3sat Thementag

Samstag, 27.04. / 09:40 Uhr / Kirschblütenfest in Japan
Film von Romain Guélat
(Erstsendung: 15.03.2015)
SRF

Sakura, die Kirschblüte, markiert im japanischen Kalender den Anfang des Frühlings. Sie ist Symbol der vergänglichen Schönheit und besagt, dass das Leben schön, aber kurz ist.

Für die Japaner ist Sakura gleichbedeutend mit Wiedergeburt, Leben und Hoffnung. Das sonst so einförmig wirkende Japan wird durch ein Meer von Kirschblüten in Rosa und Weiß getaucht und ist plötzlich unwirklich schön.

In den etwa zehn Tagen, in denen in Japan die Kirschen in Blüte stehen, feiern fast alle Bewohner zwischen Tokio, Kyoto und Fukushima das Kirschblütenfest mit Freunden, Kollegen oder Familie. Die japanische Kirschblüte inspiriert oft auch die Künstler: Literatur, Malerei, Comics, Fotografie, Musik und die meisten traditionellen japanischen Künste sind beeinflusst durch die farbenfrohe Zeit.

Sonntag, 28.04. / 10:05 Uhr / Lev Vinocour ~ Schweizer Klavierabend in Sankt Petersburg
Petersburger Scheremetjew Palast, 2018

Programm:
 Paul Juon (18721940)
Farfalla Walzer, op. 58
Kleine Suite, op. 20
Chant russe et variations, op. 56 Nr. 10

Jacques Handschin (18861955)
Largo cisMoll
Zwei Preludes: gMoll und AsDur

 Emil Frey (18891946)
Premier morceau de Fantasie
Kleine slawische Suite, op. 38

Erstausstrahlung
SRF/3sat

Lev Vinocour spielt in seiner Heimatstadt St. Petersburg selten aufgeführte Stücke von Schweizer Komponisten. Es sind Werke, die in Russland entstanden sind oder sich auf Russland beziehen.

Der renommierte Pianist Lev Vinocour stammt aus St. Petersburg. Seine musikalische Ausbildung führte ihn für mehrere Jahre in die Schweiz. Dort entdeckte er seine Liebe zu den Schweizer Komponisten Paul Juon, Jacques Handschin und Emil Frey.

Allen dreien ist gemein, dass sie lange Zeit in Russland lebten und stark von der russischen Musik beeinflusst waren.

Sonntag, 28.04. / 10:50 Uhr / Verbier Festival 2016: Eröffnungskonzert
Charles Dutoit und Kyung Wha Chung spielen
Brahms und Berlioz

Mit Kyung Wha Chung (Violine)

Programm:
Johannes Brahms: Konzert für Violine und Orchester in DDur, op. 77
Hector Berlioz: Symphonie Fantastique op. 14

Orchester: Verbier Festival Orchester
Musikalische Leitung: Charles Dutoit
SRF

Charles Dutoit, der damalige Leiter des Verbier Festival Orchesters, und die Violinistin Kyung Wha Chung eröffnen das „Verbier Festival 2016“ im Zeichen der Romantik mit Brahms und Berlioz.

Zum Auftakt des Eröffnungskonzerts interpretiert die südkoreanische Geigerin, begleitet vom Verbier Festival Orchestra, Brahms‘ Konzert für Violine und Orchester in DDur op. 77. Es folgt die berühmte „Symphonie Fantastique“ von Hector Berlioz.

Brahms Konzert für Violine und Orchester in DDur op. 77 gilt als virtuoses Meisterwerk mit äußerst melodischem Reichtum. Ein Geschenk und eine Herausforderung für die Violinistin, ihre technische Meisterschaft und ihre klangliche Reife zu zeigen.

Die „Symphonie Fantastique“, eines der Lieblingsstücke von Charles Dutoit, gilt als Begründung der Programmmusik und als eines der bedeutendsten Werke der Romantik. Es hat die Musikgeschichte geprägt und vor allem Richard Wagner nachhaltig beeinflusst.

Sonntag, 28.04. / 12:30 Uhr / lesenswert ~ Denis Scheck im Gespräch mit Herta Müller und Peter Wohlleben
(Erstsendung: 11.04.2019)
ARD/SWR

Zu Gast bei Denis Scheck sind diesmal Herta Müller und Peter Wohlleben. Herta Müllers TextBildCollagen entstanden auf vielen Reisen, die sie unternahm, nachdem sie Rumänien verlassen hatte.

Anstatt mit hässlichen Postkarten meldete sie sich zunächst bei Freunden mit weißen Karteikarten, auf die sie einzelne Wörter aus Zeitungstexten oder Anzeigen zu lyrischen WortBildMosaiken klebte. Mit der Zeit wurden die Texte länger.

„Eine andere Art zu schreiben“ nannte sie es. Der neue CollagenBand „Im Heimweh ist ein blauer Saal“ ist Kunstwerk und Gedicht, Spiel und poetischer Ernst.

Herta Müller gilt als eine der wichtigsten Autorinnen der deutschen Gegenwartsliteratur. Sie wurde im deutschsprachigen Banat im Westen des heutigen Rumänien geboren. 1987 konnte sie nach Jahren der Drangsalierung durch die Securitate, den rumänischen Geheimdienst, und mit Reise und Schreibverboten belegt, nach Deutschland übersiedeln. 2009 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur. Ihr Roman „Atemschaukel“, der im gleichen Jahr erschien, wurde ein Bestseller. 2010 erhielt sie das „Große Bundesverdienstkreuz mit Stern“ für ihre Unbeugsamkeit und für ihr öffentliches Engagement gegen Diktaturen und Geschichtslügen.

Der Förster und Naturschützer Peter Wohlleben begann 2007 mit dem Schreiben. Er wurde mit Titeln wie „Bäume verstehen“, „Der Wald  ein Nachruf“ bekannt und hatte 2015 mit dem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ einen sensationellen Verkaufserfolg, mit dem er wochenlang ganz oben auf den Bestsellerlisten stand.

Im Oktober 2018 strahlte das SWR Fernsehen eine wöchentliche Serie mit Peter Wohlleben aus: „Der mit dem Wald spricht“. Prominente Gäste waren mit ihm im Wald unterwegs, auch Denis Scheck war schon bei ihm. Jetzt dreht Denis Scheck den Spieß um und spricht mit Peter Wohlleben über drei Bücher, die dessen Leben beeinflusst haben: Karl Mays „Winnetou“Bände befinden sich darunter, „Der Herr der Ringe“ von J. R. R. Tolkien und die historischen Romane von Bernard Cornwell. Seine UhtredSaga rankt sich um die Abenteuer des Fürstensohns Uhtred, der im Jahr 866 in Nordengland den Einfall der Wikinger erlebt.

Sonntag, 28.04. / 20:15 Uhr / Lars Reichow: „Lust“
Mainzer unterhaus, März 2019
Regie: Peter Schönhofer
Erstausstrahlung
3sat

Im März 2019 ist Lars Reichow mit seinem Programm „Lust“ im Mainzer ForumTheater „unterhaus“ zu Gast. Es scheint, als sei ihm der Kragen geplatzt.

Es wurde Zeit für ein politisches Programm  für ein klares Bekenntnis zu Europa und zur Demokratie. Nach „Freiheit“ folgen Anstand, Haltung und Wahrheit. Auf jeden Fall geht es lustvoll zu auf der Bühne  und wie gewohnt leidenschaftlich musikalisch.

Denn der 54Jährige, der auch als „Klaviator“ bekannt wurde, beherrscht sowohl die Kunst der Sprache als auch das Klavierspielen auf einzigartige Weise.

In „Lust“ gibt Lars Reichow den Comedian und den Kabarettisten, der nur kurz, dann aber gepfeffert, politisch wird und seine Abscheu gegen Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in deutliche Worte fasst.

Lars Reichow spielt geschickt mit den Gefühlen seiner Zuschauer. Gerade noch konnten sie nicht aufhören zu lachen, im nächsten Moment versetzt er sie in eine melancholische oder nachdenkliche Stimmung. Der Mainzer Kabarettist, Entertainer, Moderator, Sänger und Pianist ist bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem renommierten „Deutschen Kleinkunstpreis“.

Montag, 29.04. / 01:50 Uhr / Crossroads: J.P. Bimeni & The Black Belts
Mit J.P. Bimeni (Gesang), Rodrigo Diaz (Schlagzeug und Percussion), Pablo Cano (Bass, musikalischer Direktor), Fernando Vasco (Gitarre), Ricardo Martínez (Trompete) und Rafael Díaz (Saxofon)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das „Crossroads Festival“. Vom 20. bis 23. März 2019 traten vier Tage lang internationale Acts auf.

Mit dabei: J.P. Bimeni & The Black Belts. Der in Burundi geborene J.P. Bimeni begeistert mit einer Stimme, die Otis Redding mit der Seele Afrikas verbindet. Er ist Geflüchteter und lebt seit den frühen 2000er-Jahren in London.

Bimeni singt Songs über Liebe, Verlust, Hoffnung und Angst, aus denen auch immer sein eigenes Leben und sein außergewöhnliches Schicksal klingen. Er stammt aus der Königsfamilie von Burundi und musste während des Bürgerkriegs 1993 mit 15 Jahren sein Land verlassen. Nach drei Anschlägen auf sein Leben wurde ihm in Großbritannien Asyl gewährt. Dort lebt er bis heute.

Zusammen mit den Black Belts erinnert er an den klassischen 60s-Sound von Motown und an die Grooves, wie man sie von Stax Records kennt. Das ist echter Deep Soul, es wechseln sich harte Funk-Jams mit tiefen Balladen voller Gefühl ab, verbunden mit einem ganz eigenen Vibe, Bimenis afrikanischer Spielart von Soul. Der sozialkritische Funk von „Honesty“, das trotzige, erhebende „Fade Away“ oder das herzzerreißende „I Miss You“: Mit jeder neuen überraschenden Wendung zeigt Bimeni, wie viel seine Stimme kann. Und die Black Belts, so etwas wie die Hausband des spanischen Tuxcone-Labels, tragen ihn mit delikatem Groove und Stilbewusstsein.

Montag, 29.04. / 02:35 Uhr / Crossroads: Mo Lowda & The Humble
Mit Jordan Caiola (Gesang, Gitarre), Shane Woods (Schlagzeug) und Jeff Lucci (Bass)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Mo Lowda & The Humble entstammen „den biergetränkten Probe-Kellern Philadelphias“, wie sie es selbst ausdrücken. Seit 2013 hat das Rock-Trio einen steilen Aufstieg hinter sich gebracht.

2019 kommt die Band erstmals auf ausgedehnte Europatour. Man darf gespannt sein: Der Ruf intensiver Live-Shows eilt ihnen voraus. Der kommt nicht von ungefähr. Ihr manchen Musikkritiker an Kings Of Leon erinnernder Sound wurde durch jährlich 150 Konzerte gestählt.

Mo Lowda & The Humble gelten als eine der am härtesten tourenden Bands der USA.

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das „Crossroads Festival“. Vom 20. bis 23. März 2019 treten vier Tage lang internationale Acts auf.

Montag, 29.04. / 03:20 Uhr / Crossroads: Jetbone
Mit Alin Riabouchkin (Gesang, Gitarre), Gustav Sjödin (Gesang)
ARD/WDR/3sat

Bass), Albin Linder (Schlagzeug), Sebastian Bisse Engberg (Gitarre) und Tobias Bengtsson (Keyboards, Klavier)
Erstausstrahlung

Jetbone ist eine schwedische Rockband aus Sundsvall in der Provinz Västernorrlands. Ihr – wie sie es nennen – „Funky Rock ’n‘ Roll“ wird von mehrstimmigem Gesang markant getragen.

Ihre Songs weisen Ähnlichkeiten zum Kanon altbekannter Rock-Bands wie den Rolling Stones, Aerosmith oder Led Zeppelin auf, bedienen sich aber auch am breitbeinigen Garage-Rock-’n‘-Roll, wie ihn ihre Landsleute von The Hellacopters erschufen.

Jetbone spielten 2018 fast 200 Konzerte, was ein Anzeichen für die Intensität ist, mit der sie ihrer Leidenschaft nachgehen.

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das „Crossroads Festival“. Vom 20. bis 23. März 2019 treten vier Tage lang internationale Acts auf.

Montag, 29.04. / 04:05 Uhr / Crossroads: Krissy Matthews & Band
Mit Krissy Matthews (Gitarre, Gesang), Keith Matthews (Bass) und Chris Sharley (Schlagzeug)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Krissy Matthews ist ein junger, britisch-norwegischer Bluesrock-Gitarrist und Singer-Songwriter. Er ist erst 26 Jahre alt, klingt aber wie einer, der schon lange im Geschäft ist.

Matthews hat Miller Anderson bei der Hamburg City Blues Band als Leadgitarrist abgelöst, bleibt aber seiner eigenen Blues-Rock-Band treu. Mehr als ein klassisch besetztes Trio braucht es nicht, um die Besucher seiner Konzerte zu elektrisieren.

Gemeinsam mit Vater Keith am Bass und Schlagzeuger Chris Sharley stellt das Ausnahmetalent den Blues in allen seinen Facetten dar.

Ob „Voodoo Child“ von Jimi Hendrix oder „Killing Floor“ – Krissy Matthews hat sie alle in seinem Repertoire. Dazu noch ein Bündel Eigenkompositionen: Der junge Gitarrist, der bereits im Alter von drei Jahren auf der Bühne stand, der mit acht die erste „Elektrische“ in die Hand nahm und mit zehn begann, eigene Lieder zu schreiben, tut bei seinen Auftritten nicht so, als sei er ein „alter Künstler“. Das Spektrum reicht vom erdigen Mississippi-Blues bis zum heiß-funkigen Boogie, klingt aber in jedem Moment frisch und jung.

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das „Crossroads Festival“. Vom 20. bis 23. März 2019 treten vier Tage lang internationale Acts auf.

Redaktionshinweis: Die weiteren vier Folgen der achtteiligen „Crossroads“-Reihe zeigt 3sat am Montag, 13. Mai, ab 1.35 Uhr.

Mittwoch, 01.05.: „Pop around the clock“ – Ein 3sat Thementag

05:50 Uhr: Yello: Live in Berlin
Kraftwerk Berlin, Deutschland, 2017
Regie: Gerd F. Schultze
3sat

Im Oktober 2016, nach über 35 Jahren, geben die Elektropop-Pioniere Yello im ausverkauften Kraftwerk Berlin ein für die Band seltenes Livekonzert in einer multimedialen Inszenierung.

Das Schweizer Duo ist mit fünf Bläsern, Schlagzeug, Percussion, E-Gitarre und drei Backgroundsängerinnen verstärkt. Der 71-jährige Frontmann Dieter Meier steht konzentriert im Rampenlicht, während sein kongenialer Partner Boris Blank die Sampler bedient.

Als Überraschung begrüßt Dieter Meier auch die beiden Sängerinnen Malia und Fifi Rong, die der Show eine weitere Facette verleihen und eine willkommene Abwechslung zu Meiers tiefem Sprechgesang liefern.

Boris Blank komponiert und entwickelt Geräusche und Klänge, bearbeitet die Tracks mit elektronischen und akustischen Instrumenten und krönt das Ganze mit Dieter Meiers markantem Sprechgesang. 1978/1979 in Zürich gegründet, werden Yello 1985 für ihr Album „Stella“ mit einer Goldenen Schallplatte in der Schweiz ausgezeichnet und schaffen 1988 in Deutschland mit „The Race“ den endgültigen Durchbruch.

„The Race“ wird die Titelmusik der Musikvideosendung „Formel Eins“, das Lied „Oh Yeah“ untermalt unter anderem bei den „Simpsons“ den Auftritt des Duffman, und „Jungle Bill“ liefert den Sound zum finalen Rennen im Film „Manta, Manta“. 2014 erhalten die beiden Musiker den ECHO Pop für ihr Lebenswerk.

06:50 Uhr: Culture Club: Live at Wembley
SSE Arena Wembley, London, Großbritannien, 2016
Regie: Mark Ritchie
3sat

In Originalbesetzung präsentieren Culture Club im Dezember 2016 in London die Hits ihrer Karriere wie „Karma Chameleon“, „Do You Really Want to Hurt Me“ und „I’ll Tumble 4 Ya“.

Erst 2015 kommen Culture Club nach einer langen Pause zurück. „Das letzte Mal, als ich hier spielte, war ich angezogen wie eine Eisprinzessin. Das Korsett war die Hölle“, erinnert sich Boy George, der gut gelaunt das Publikum in seinen Bann zieht.

„Ihr seht prächtig aus“, ruft Boy George seinen Fans zu, die in Partystimmung sind und ihr Pop-Idol feiern, als sei es 1984. Dabei überrascht die Band mit neuen Arrangements, die Elemente aus Funk, Soul, Reggae, Blues und Rock verknüpfen. Und Boy George, der seit 2008 den Drogen und dem Alkohol abschwört, ist bestens bei Stimme, die inzwischen einen warmen und souligen Charakter hat.

1981 gründen Sänger Boy George, Bassist Mikey Craig, Schlagzeuger Jon Moss und Gitarrist Roy Hay die Band Culture Club. Mit der Single „Do You Really Want to Hurt Me“ aus dem 1982er-Debütalbum „Kissing to Be Clever“ kommt der schnelle Erfolg: Das Lied wird Nummer eins in England, und der androgyne Boy George zur Kultfigur mit farbenfrohem Make-up und extravaganter Kleidung. Im Dezember 1982 spielen Culture Club in den USA und werden als „Second British Invasion“ gehandelt, eine Anspielung auf die „Beatlemania“ in den 1960er-Jahren.

„Ohne mich und Prinzessin Diana wäre die Regenbogenpresse aufgeschmissen“, erklärt Boy George 1985 in einem Interview mit dem Magazin „Playboy“, das ihn zum „König oder Königin der Popmusik“ kürt. Ähnlich wie die Beatles lösen Culture Club hysterische Fan-Reaktionen aus. Mit dem Song „Karma Chameleon“ erreicht der Erfolg Ende 1983 und 1984 seinen Höhepunkt: ausgezeichnet mit einem Brit Award für den Song und einem Grammy Award in der Kategorie „Beste neue Popgruppe“.

Mit dem Album „Waking Up with the House on Fire“ beginnt Ende 1984 der Abstieg: Die Platte enttäuscht, Boy George füllt die Schlagzeilen mit Eskapaden, kämpft mit Gewichtsschwankungen und hat Drogenprobleme. Die Bandmitglieder trennen sich Ende 1986, versuchen 1989 und 1998 ohne großen Erfolg erneut zurückzukommen und überraschen am 2. Juli 2015 mit einem Auftritt in der Originalbesetzung in der amerikanischen „Today Show“. Culture Club gehen auf Tournee und veröffentlichen im Juli 2018 die Vorab-Single zum neuen Album „Let Somebody Love You“. Sie sind wieder da.

07:35 Uhr: Pet Shop Boys: Inner Sanctum
Royal Opera House, London, Großbritannien, 2018
Regie: David Barnard
3sat

Im Juli 2018 gehört das Royal Opera House in London für vier Konzerte den Pet Shop Boys. Sie präsentieren ihre neue Show „Inner Sanctum“ mit Welt-Hits wie „West End Girls“ und „Go West“.

„Es tut mir leid, heute Abend gibt es kein Ballett oder eine Oper“, sagt Sänger Neil Tennant auf der Bühne im Royal Opera House, „nur Pop-Kids!“ Bescheiden angesichts einer 30-jährigen Karriere, in der die Pet Shop Boys Popmusik und Kunst miteinander verschmelzen.

Konzipiert und inszeniert von der britischen Künstlerin und Designerin Esmeralda „Es“ Devlin, präsentiert sich „Inner Sanctum“ in vier Akten: Nacht, Sonne, Innen und Euphorie. Sie bilden den Rahmen für einige der inzwischen 42 Chart-Hits und verblüffen das Publikum mit den modernen Mitteln der Bühnen- und Lichttechnik. Dazu gesellen sich Aliens und Tänzer zu einem pulsierenden farbenprächtigen Spektakel.

Auch einige Songs des neuen Albums „Super“ sind Teil der Show und beweisen, dass sich der 62-jährige Neil Tennant und der 56-jährige Chris Lowe allen Pop-Konventionen verweigern. Alterslos steht Keyboarder Lowe wie immer regungslos hinter seinem Keyboard, während Tennant in funkelnden Kostümen alle Blicke auf sich zieht.

08:50 Uhr: Take That: Wonderland
O2 Arena, London, Großbritannien, 2017
Regie: Matt Askem
3sat

Im Juni 2017 spielen Take That sechs ausverkaufte Konzerte in London im Rahmen ihrer „Wonderland Live“-Tour. Über 100 000 Fans sind von dem farbenprächtigen Hit-Spektakel angetan.

Die Tour zum Album „Wonderland“ beginnt im Mai 2017 in Birmingham, führt durch England, Irland, Australien, Neuseeland, Israel und die Vereinigten Arabischen Emirate, wo die ausverkaufte Tour der drei Take-That-„Überlebenden“ im November 2017 endet.

Nach 25 Jahren im Musikgeschäft wissen Take That genau, wie sie eine Show präsentieren. Seit 2014 zu dritt, steht Gary Barlow im Mittelpunkt des Konzerts, während Howard Donald und Mark Owen sichtlich zufrieden in der zweiten Reihe tanzen und singen. Zusammen verwandeln sie die O2 Arena mit allen Mitteln der modernen Licht- und Bühnentechnik in einen mystischen Ort mit wechselnden Szenen voller Fantasie. Besonders beeindruckt ihr Akustik-Set mit Tabla-Spielern und akustischen Instrumenten. Und die drei verbliebenen Musiker von Take That scheinen sich näher denn je zu stehen. Alles wirkt harmonisch und voller Freude. Man vergisst, dass Robbie Williams jemals dabei war.

1990 gründen fünf junge Männer Take That: Gary Barlow, Howard Donald, Jason Orange, Mark Owen und Robbie Williams. Mit ihrem Debütalbum „Take That & Party“ von 1992 beginnt die bahnbrechende Karriere der Popgruppe. Bis heute hat sie über 48 Millionen Tonträger verkauft und stürmt mit ihren Alben und Singles regelmäßig die internationalen Charts. 1996 löst sich die Band auf, sehr zur Bestürzung der vielen jungen, hauptsächlich weiblichen Fans. Umso größer ist die Freude, als sich Take That 2005 wiedervereinigen, allerdings ohne Robbie Williams, der erst 2010 wieder zu seinen früheren Kollegen dazustößt.

Nach einer erneuten Auszeit veröffentlichen Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen 2014 ein neues Album zu dritt, da sich Jason Orange aus der Band zurückzieht und Robbie Williams pausiert. Bis heute besteht Take That in dieser Trio-Besetzung und ist nach wie vor überaus erfolgreich.

09:50 Uhr / Evanescence: Synthesis Live
Grand Theater, Foxwoods Resort Casino, Ledyard, CT, USA, 2017
Regie: Paul R. Brown
3sat

2017 präsentiert die amerikanische Sängerin, Pianistin und zweifache Grammy-Preisträgerin Amy Lee die Hits ihrer Band Evanescence im neuen Sound, begleitet von einem Sinfonieorchester.

Der Auftritt in Ledyard, Connecticut, ist Teil ihrer „Synthesis“-Tour mit Konzerten in Nordamerika, Ozeanien und Europa, die im September 2018 zu Ende geht. Nummer-eins-Hits wie „Bring Me to Life“ und „My Immortal“ begeistern genauso wie die neuen Songs.

„Wir sind keine Gothic-Kids. Unsere Musik ist aus einer Vielzahl von Quellen inspiriert, wir lieben Björk, aber mehr als alles andere stehen wir auf orchestrale Musik“, stellt Amy Lee in einem Interview klar. Auch der Vereinnahmung ihrer Musik durch die christliche Musikszene widersetzt sich die charismatische Sängerin, deren Auftritte immer etwas Geheimnisvolles umgibt. Nicht umsonst wählt sie im Gründungsjahr 1995 den Bandnamen „Evanescence“, was „Dahinschwinden“ bedeutet.

Geleitet wird das Sinfonieorchester von Susie Benchasil Seiter, die sich in den USA als Dirigentin für Film, Fernsehen und Videospiele einen Namen gemacht hat. 2013 arrangiert und dirigiert sie den Soundtrack zu „Star Trek – The Video Game“. Jedenfalls kann Amy Lee mit dieser klanggewaltigen Unterstützung ihr Herzensprojekt verwirklichen: die Betonung der Stimme, die Verstärkung der Emotionen und der Geschichten hinter den Songs.

Evanescence wird 1995 von Amy Lee und Gitarrist Ben Moody gegründet. 2003 hat die Band internationalen Erfolg mit „Fallen“. Das Album gewinnt zwei Grammy Awards in den Kategorien „Best New Artist“ und „Best Hard Rock Performance“, wird mit Platin und Gold in mehreren Ländern ausgezeichnet und ist mit zwei Songs Teil des Soundtracks zum Hollywood-Blockbuster „Daredevil“. Mitbegründer Ben Moody verlässt die Band im Herbst 2003. Einige Besetzungswechsel, zwei Alben und eine kreative Auszeit später erscheint im Jahr 2017 „Synthesis“.

10:50 Uhr: Phil Collins: Live in Paris
Palais de Omnisports de Paris-Bercy, Frankreich, 1997
3sat

Am 8. und 9. Dezember 1997 begeistert Phil Collins seine Fans am Ufer der Seine im Pariser Palais Omnisports im Rahmen seiner „Dance Into the Light“-Tour mit einem legendären Konzert.

Der Abschied von Genesis liegt ein Jahr zurück. Mit neuem Album und einer neuen Bühnenidee erobert Phil Collins die Konzertsäle: Er spielt auf einer runden Bühne, die einem Musikdampfer nachempfunden ist, und spielt die großen Hits wie „Easy Lover“ und „Separate Lives“.

12:05 Uhr / Simply Red: Symphonica in Rosso
Ziggo Dome, Amsterdam, Niederlande, 2017
Regie: Job Robbers
3sat

Im Oktober 2017 ist Simply Red Gast bei „Symphonica in Rosso“ in Amsterdam. Seit 2006 treten dort Superstars wie Sting, Lionel Richie und Diana Ross mit einem Symphonieorchester auf.

Die Farbe Rot ist das Erkennungsmerkmal der aufwendigen Show, die mit Mick Hucknall alias Simply Red den Großmeister des Blue-Eyed-Soul-Pop präsentiert. Das Publikum feiert den Sänger und seine Hits wie „Holding Back the Years“ und „Something Got Me Started“.

1984 gründet Sänger Mick Hucknall die Band Simply Red und macht mit seinem Blue-Eyed-Soul-Pop Weltkarriere. Er wird mit zwei Brit Awards ausgezeichnet und hat bisher 50 Millionen Tonträger verkauft. 2010 soll damit Schluss sein, die Band geht auf große Abschiedstour, und Mike Hucknall erhält die Goldene Kamera für sein Lebenswerk. 2014 kommt überraschend der Rücktritt vom Rücktritt, Simply Red gehen auf Welttournee und veröffentlichen 2015 das Album „Big Love“.

Zum zehnten Jubiläum der „Symphonica in Rosso“-Reihe ist der rothaarige Mick Hucknall natürlich ein äußerst passender Gast. Auf die Frage, was für ihn das Besondere bei der Zusammenarbeit mit einem Orchester sei, sagt Mick Hucknall 2016 in einem Interview im niederländischen Fernsehen: „It’s the Magic of the Sound. So when you’re standing in front, you just hear this huge sound. It’s just so beautiful.“

12:50 Uhr: Dixie Chicks ~ DCX MMXVI World Tour
Los Angeles (USA), Hamilton (Kanada), Calgary (Kanada), Melbourne (Australien), 2016
Regie: Sophie Muller, Max Benjamin
3sat

Im April 2016 gehen die berühmtesten ehemaligen Straßenmusikerinnen aus Texas auf ihre fünfte Konzerttour durch Europa, USA, Australien und Neuseeland: die Dixie Chicks.

Die Dixie Chicks haben sich verändert: Die Country-Girls präsentieren sich nun moderner und viel rockiger als jemals zuvor. Doch sie vergessen nicht ihre Wurzeln und spielen einige Hits auch im vertrauten akustischen Bluegrass-Sound mit perfektem mehrstimmigen Gesang.

Die Schwestern Emily Robison und Martie Maguire gründen 1989 zusammen mit Laura Lynch und Robin Lynn Macy in Dallas, Texas, die Dixie Chicks. Mit ihrem mehrstimmigen Satzgesang, eingebettet im Mainstream-Country-Sound, verkauft die Band bis heute mehr als 30 Millionen Alben in den USA.

Als sich das Quartett vom Bluegrass entfernt, verlässt erst Robin Lynn Macy 1992 die Band und drei Jahre später Laura Lynch. Die neue Leadsängerin wird Natalie Maines. Das neu formierte Trio wird zum Vorreiter des New Country. „Wide Open Spaces“ und „Fly“, die beiden Alben der Jahre 1998 und 1999, erreichen Spitzenplatzierungen in den Charts.

In ihren Texten greift das Trio auch gesellschaftlich strittige Themen auf. In dem Song „Goodbye Earl“ etwa geht es um die Rache zweier Freundinnen an einem prügelnden Ehemann. Internationales Aufsehen erregt Sängerin Natalie Maines im Frühjahr 2003, als sie während eines Konzerts in London äußert, „die Band sei beschämt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stamme“.

Konservative Country-Fans boykottieren daraufhin die Band, sodass Maines sich genötigt fühlt, sich bei Präsident Bush öffentlich zu entschuldigen. Damit gehen die Diskussionen um die Band, die Beistand von Bruce Springsteen und Madonna bekommt, erst richtig los. Die Musikerinnen lassen sich den Mund nicht verbieten und gehen weiter offensiv mit ihren persönlichen Auffassungen um. Der 2006 erschienene Dokumentarfilm „Dixie Chicks: Shut Up and Sing“ beschäftigt sich ausführlich mit dem Thema.

Die Dixie Chicks gönnen sich eine Auszeit von der Musik, werden Mütter und verändern ihren musikalischen Stil, nicht zuletzt aufgrund der Blockade durch viele Country-Fans: weg vom Country, hin zu Rock und Pop, so wie es Shania Twain und LeAnn Rimes vorgemacht haben. Produzentenlegende Rick Rubin verpasst dem Trio 2006 einen neuen Sound, und das neue Album wird 2007 mit fünf Grammys ausgezeichnet.

Auf ihrer „DCX MMXVI World Tour“ zeigen sich die Dixie Chicks in Höchstform: Wuchtige Drums und verzerrte E-Gitarren liefern die Basis für Banjo und Fiddle. Damit steht das Trio sinnbildlich für die aktuelle Country-Szene, die zu einem Schmelztiegel der Stile geworden ist.

13:50 Uhr: Bruce Springsteen: Thrill Hill Vault – The River Tour
Arizona State University, Tempe, USA, 1980
3sat

Am 5. November 1980 spielt Bruce Springsteen im Rahmen seiner „River Tour“ in Tempe. Nur vier Kameras filmen das Konzert, das als eines der besten Springsteen-Konzerte überhaupt gilt.

Im Oktober 1980 veröffentlicht Bruce Springsteen mit „The River“ sein fünftes Album, mit dem er in Deutschland den Durchbruch schafft. Die anschließende Tour beginnt in Michigan, macht einen Abstecher nach Europa und endet im September 1981 in Cincinatti.

14:35 Uhr / Tina Turner: Rio ’88
Maracana Stadium, Rio de Janeiro, Brasilien, 1988
3sat

Am 16. Januar 1988 tritt Tina Turner in Rio im Rahmen der „Break Every Rule World Tour“ auf. 180 000 Fans kommen zu dem inzwischen historischen Konzert mit einer Sängerin in Bestform.

Von März 1987 bis Ende März 1988 absolviert Tina Turner die bestbesuchte Tournee aller Zeiten einer weiblichen Künstlerin und tritt vor vier Millionen Fans auf. Angekündigt als „Turners letzte Tour“ spielt sie in 13 Ländern und will danach nur noch Filme drehen.

15:20 Uhr: Queen: Rock Montreal
Montreal Forum, Montreal, Quebec, Kanada, 1981
Regie: Saul Swimmer
3sat

Im November 1981 dreht Regisseur Saul Swimmer während zweier Queen-Konzerte vor über 36 000 Fans in Montreal den legendären Film „Queen – We Will Rock You“, der 1983 Premiere feiert.

Die Konzerte werden nur für die Verfilmung angesetzt. Es sind die letzten Auftritte in der Vierer-Besetzung ohne zusätzlichen Keyboarder. Zum ersten Mal spielen Queen ihre neue Single „Under Pressure“, die 1981 gerade die Spitze der britischen Charts belegt.

16:30 Uhr: Sheryl Crow: Live at the Capitol Theatre
Port Chester, New York, USA, 2017
Regie: Mark Ritchie
3sat

Am 10. November 2017 beendet die amerikanische Sängerin und mehrfache Grammy-Preisträgerin Sheryl Crow ihre ausverkaufte „Be Myself“-Tour im Capitol Theatre in Port Chester, New York.

Die Sängerin, Multiinstrumentalistin und Komponistin präsentiert Songs aus ihrem neuen Studioalbum und viele ihrer großen Hits wie „All I Wanna Do“, „Run Baby Run“, „I Shall Believe“, „Leaving Las Vegas“ und den Cat-Stevens-Song „The First Cut Is the Deepest“.

Die Karriere der 1962 in Kennett, Missouri, geborenen Sheryl Crow beginnt 1987 mit einem Paukenschlag: Michael Jackson engagiert sie als Backgroundsängerin für seine erste Welttournee. Es folgen Chorsänger-Jobs bei den Eagles, bei Rod Stewart und Bob Dylan. 1993 gründet sie ihre eigene Band Tuesday Music Club und veröffentlicht ihr Debütalbum mit dem weltweiten Single-Hit „All I Wanna Do“. 1995 wird sie mit drei Grammy Awards ausgezeichnet, es folgen weitere in den kommenden Jahren, und sie steht als Gastsängerin regelmäßig mit den Rolling Stones auf der Bühne, die sie als „unsere kleine Schwester“ bezeichnen.

1997 mischt sie auch im Filmgeschäft mit: Sie komponiert und interpretiert den Titelsong des James-Bond-Films „Tomorrow Never Dies“. Eine Brustkrebserkrankung zwingt Sheryl Crow Mitte der 2000er-Jahre zu einer Pause. Sie erholt sich, veröffentlicht weitere Alben und festigt ihren Ruf als Sängerinnen-Ikone ihrer Generation. Ihr Vorbild ist Joni Mitchell, aber Sheryl erreicht mit ihrem großen Stimmvolumen und ihrer facettenreichen Stimme eine andere Ebene.

In die Regenbogenpresse gerät sie wegen ihrer prominenten Partner wie dem Gitarrengott Eric Clapton, Radrennfahrer Lance Armstrong und Schauspieler Owen Wilson. 2012 wird bekannt, dass Crow eine Hirntumor hat. Den als gutartig diagnostizierten Tumor macht Crow für aufgetretene Gedächtnislücken verantwortlich.

17:30 Uhr: Udo Lindenberg: Live – Stärker als die Zeit
Red Bull Arena, Leipzig, Deutschland, 2016
Regie: Hannes Rossacher, Sven Haeusler
3sat

Am 26. Juni 2016 spielt Udo Lindenberg in Leipzig sein Abschlusskonzert der „Stärker als die Zeit“-Tour und präsentiert eine bunte Revue mit Schiffen, Aliens, dem Panikorchester und Gästen.

Udo ist in Topform, die Skinny Jeans sitzen, und als maritimer Kapitän begrüßt er auf der Bühne Kids on Stage, Clueso, Josephin Busch, Till Brönner, Stefanie Heinzmann und viele andere mehr. Eine Mischung aus Theater, Comic, Musical, Tanz und Rock ’n‘ Roll.

„Der Dealer bringt das Udopium“, schreibt die „laut“-Kritik treffend, und das Publikum lässt sich vom Oberhaupt der Panikfamilie gerne in einen Rausch versetzen. Für fast zwei Stunden sind hier alle stärker als die Zeit.

Das gleichnamige Studioalbum erscheint am 29. April 2016, rund zwei Wochen vor seinem 70. Geburtstag, und erreicht mühelos Platz eins der Hitparade. „Lindenberg hat an diesem Album so akribisch wie lange nicht mehr an einem neuen Album gearbeitet“, schreibt „Spiegel Online“. Er holt sich Gasttexter wie den Pop-Literaten Benjamin von Stuckrad-Barre, Simon Triebel von der Band Juli und Tobias Kuhn mit ins Boot. Für das Titelstück „Stärker als die Zeit“ nutzt Lindenberg das musikalische Leitthema aus dem „Paten“ und holt sich dafür die Genehmigung von den Erben des Komponisten. Aufgenommen wird der Song in den legendären Abbey-Road-Studios in London, zusammen mit einem 60-köpfigen Orchester.

„‚Stärker als die Zeit‘ ist Udos ‚Casablanca‘, seine ‚Ewige Jugend‘. Er singt gravitätische Balladen und Songs mittleren Tempos, das Piano schmalzt gemütvoll, die Gitarren zerren getragen, alles ist Rückschau, Bilanz und Wehmut, man hat jede Melodie irgendwo schon gehört“, schreibt der „Rolling Stone“, und „Spiegel Online“ konstatiert: „Sehr analog, mit sehr viel Wärme und Tiefe, werden die Songs als im besten Sinne zeitlos inszeniert. Passend zu Lindenbergs Stimme, die fast so warm und mitreißend wirkt, wie ganz am Anfang seiner Karriere. (…) Das Land hat inzwischen verstanden, dass es einen wie Udo Lindenberg kein zweites Mal geben wird – und man ihn besser feiert, solange er noch da ist.“

3sat feiert den berühmtesten Hutträger Deutschlands und präsentieret die Höhepunkte seines Konzerts in Leipzig mit Liedern wie „Mein Ding“, „Cello“, „Straßenfieber“, „Gegen die Strömung“, „Bis ans Ende der Welt“, „Sonderzug nach Pankow“ und vielen anderen mehr.

19:15 Uhr: Bryan Adams: Unplugged – Live at Sydney Opera House
Sydney, Australien, 2011
Regie: Bryan Adams
3sat

Im September 2010 steht Bryan Adams auf der Bühne des Sydney Opera House. Nur er, seine Gitarre und sein Pianist geben ein Hit-gespicktes Unplugged-Konzert im Rahmen der „Bare Bones“-Tour.

Die Tour beginnt im Februar 2010 in den USA, macht Station in Europa, Südafrika, dem Mittleren Osten, Australien, Indien und vielen weiteren Ländern und endet im Oktober 2014 in New York. In Sydney ist Adams besonders gut gelaunt, scherzt mit Fans und erzählt Anekdoten.

Die Zeitschrift „Stereo“ schreibt: „Rockklassiker wie ‚Heaven‘ und ‚Run to You‘ verlieren ihre Wirkung im Unplugged-Format nicht. Klasse Songs funktionieren eben in jedem Rahmen.“ Und das Fachmagazin „Audio“ ergänzt: „25 Songs laden zum Schwelgen in alten Erinnerungen und zum entspannten Genießen ein und ergänzen sich zu einer Retrospektive seines Schaffens als Musiker und Songwriter.“

Bryan Adams lässt für die Auswahl der Songs seine Fans per Twitter zu Wort kommen: „Die Idee lautete, einfach nur mit meiner Akustikgitarre aufzutreten. Als mich die Fans dann immer wieder ansprachen, weil sie genau diese Versionen auch zu Hause hören wollten, fasste ich den Entschluss, ein paar Testaufnahmen zu machen“. Damit wird „Bare Bones“ zum inoffiziellen Nachfolger seines grandiosen Unplugged-Albums, das 1997 erscheint und sich weltweit über fünf Millionen Mal verkauft.

20 Songs der „Bare Bones“-Tour werden mitgeschnitten und kommen aufs Live-Album. Nur sein Pianist Gary Breit, den Adams schelmisch als „This is the Band“ vorstellt, begleitet den stromlosen Rocker, der mit seinen Gitarren-Riffs und seiner kratzigen Stimme für Gänsehaut sorgt.

20:15 Uhr: Coldplay: Live in São Paulo
Allianz Parque, São Paulo, Brasilien, 2017
Regie: Mat Whitecross
3sat

Am 7. und 8. November 2017 spielen Coldplay im ausverkauften Allianz Parque in São Paulo. Ihre „A Head Full of Dreams“-Tour beweist, dass sie weltweit die Nummer-eins-Popband sind.

Die Tour beginnt am 31. März 2016 im argentinischen La Plata und endet dort am 15. November 2017. Es ist die siebte Tournee der Briten mit den Songs des gleichnamigen Studioalbums und allen Hits ihrer Karriere in einer ausgefeilten multimedialen Inszenierung.

Nach fast 122 Shows wirken Coldplay in São Paulo, als ob sie gerade das erste Konzert gäben: Über 96 000 Zuschauer sind im Stadion und feiern die wie entfesselt aufspielende Band um den charismatischen Sänger Chris Martin. „Ich glaube, wir sind nun an einem Punkt in unserer Karriere, wo wir ein Konzert ohne schwache Songs spielen können“, sagt Chris Martin in einem Interview.

Die Band spielt auf drei wechselnden Bühnen und verbindet Teile ihrer Videos durch raffiniert eingesetzte Projektionen zu den live gespielten Songs.

21:45 Uhr: Adele: Live in New York City
Radio City Music Hall, New York, USA, 2015
Regie: Beth McCarthy-Miller
3sat

Am 17. November 2015 tritt Adele in New Yorks Radio City Music Hall vor begeisterten Fans und Ehrengästen auf. Anlass ist ihr Comeback mit ihrem dritten Albums „25“.

Mit ihrer eindrucksvollen Bühnenpräsenz zieht Adele ihr Publikum nach mehrjähriger Pause mühelos in den Bann, präsentiert die aktuelle Single „Hello“, Songs des neuen Albums wie „All I Ask“ und „When We Were Young“ und die Klassiker „Someone Like You“ und „Skyfall“.

22:30 Uhr: Herbert Grönemeyer: Tumult – Live
Radialsystem V, Berlin, Deutschland, 2018
Regie: Hannes Rossacher
3sat

Am 9. November hat das Warten ein Ende: Herbert Grönemeyer ist mit seinem 15. Studioalbum zurück. Vier Jahre hat er sich Zeit genommen und präsentiert mit „Tumult“ ein Werk, das Mut macht.

Hoffnung statt Hass, Verteidigung der Freiheit, miteinander auskommen, noch nie ist es für Grönemeyer so wichtig gewesen, laut zu sein: „Das Land ist nervös, die Zeiten sind nervös, und wir müssen lernen, Haltung zu zeigen, den Mund aufzumachen und laut zu werden.“

„Mein ganzes Album handelt von der Zeit, in der wir uns befinden. Das hat mich inspiriert. Leute wie wir, die nicht morgens bis abends im Internet ihre Meinung abgeben, müssen lernen, anders laut zu werden, entspannt laut zu werden.“ Aber Herbert Grönemeyer singt auch von dem, was unverändert bleibt: von der Liebe und vom Geliebtwerden, vom Glück der kleinen Momente und von der Euphorie des Neuanfangs.

3sat zeigt das Konzert des 62-jährigen Sängers, Musikers, Komponisten, Dichters und Schauspielers mit seinen neuen Songs und großen Hits.

23:30 Uhr: The Bee Gees: One for All
National Tennis Centre, Melbourne, Australien, 1989
Regie: Adrian Woods
3sat

Im Rahmen der „One for All World Tour“, gastieren die Bee Gees am 17. und 18. November 1989 in Melbourne. Barry, Robin und Maurice präsentieren alle Hits vor ihren begeisterten Fans.

Anfang 1988 arbeiten die Bee Gees an ihrem neuen Album „One“. Nach dem tragischen Tod ihres Bruders Andy im März 1988 stoppen die Brüder monatelang alle Aktivitäten, beenden die Aufnahmen im Frühling 1989 und starten am 10. April 1989 ihre Welttournee in Tokio.

Aus ihrem Heimatland England wandert die Familie Gibb 1958 nach Australien aus. Barry, Robin und Maurice treten als Familientrio in Fernsehshows auf und veröffentlichen 1965 ihre erste Langspielplatte, die kein Erfolg wird.

Im September 1966 erscheint die Single „Spicks and Specks“ und wird ein Hit in Australien. Doch Familie Gibb ist da schon zurück auf dem Weg nach England, wo die weltweite Karriere 1967 mit Songs wie „New York Mining Disaster 1941“ und „To Love Somebody“ beginnt. Mit über 220 Millionen verkauften Tonträgern gehören die Brüder Barry, Robin und Maurice Gibb zu den erfolgreichsten Pop-Bands der letzten 50 Jahre. Sie werden mit allen wichtigen musikalischen Ehrungen ausgezeichnet, darunter mehrere Grammy-Awards und die Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame.

Nach dem Tod von Maurice Gibb im Jahr 2003 und Robin Gibb im Mai 2012, ist Barry Gibb der letzte noch lebende Bee Gee.

00.45 Uhr: Rammstein: Paris
Palais Omnisports, Paris-Bercy, Frankreich, 2012
Moderation: Jonas Åkerlund
3sat

Im März 2012 spielen Till Lindemann, Richard Kruspe, Paul Landers, Oliver Riedel, Christoph Schneider und Christian „Flake“ Lorenz zwei ausverkaufte Konzerte im Palais Omnisports in Paris.

Regie führt der Schwede Jonas Åkerlund, der schon mehrere Rammstein-Videos in Szene gesetzt hat und in Paris mit seinen über 70 Kamerapositionen jedes Detail der atemberaubenden Inszenierung zeigt. Zwei Jahre sitzt Åkerlund am Schnitt: ein Fest der Bilder!

Am 16. März 2017 feiert der Film seine Kinopremiere in der Volksbühne Berlin in Anwesenheit der Band und des Regisseurs. Im Oktober 2017 wird das Werk in London mit dem UK Music Video Award 2017 ausgezeichnet, der besonders kreative, innovative oder technisch hochwertige Musikfilm- und Musikvideoproduktionen würdigt.

„Der Film ist eine andere Art des Erlebnisses“, sagt Regisseur Jonas Åkerlund im Rahmen der Kinopremiere. Es war toll, mit den Berlinern zu arbeiten. Guck sie dir doch an: Sie sind so ganz anders als viele Künstler, die ich kenne. Voller Integrität.“ Während der „Spiegel“ den Konzertfilm als „knallende und qualmende Überwältigungsästhetik“ bewertet, sehen das die Fans ganz anders: Rammstein verdrängen Helene Fischer von der Spitze der Album-Charts, und Schauspieler Tom Schilling schwärmt am Abend der Kinopremiere: „Rammstein sind so kompromisslos, Till ist ein fantastischer Texter. Im Grunde ist das sehr romantische Musik!“

02:20 Uhr: Metallica: Français Pour Une Nuit
Amphitheater Nîmes, Frankreich, 2009
Regie: Don Kent
3sat

Am 7. Juli 2009 spielen Metallica im Rahmen ihrer „World Magnetic Tour“ ein legendäres Konzert vor historischer Kulisse: Im Amphitheater im Nîmes sind die Legenden für eine Nacht Franzosen.

1981 in Los Angeles gegründet, gehören die neunmaligen Grammy-Gewinner mit über 100 Millionen verkaufter Alben zu den erfolgreichsten Metal-Bands der Welt. 1990 macht das Gitarrenriff von „Enter Sandman“ und die Hymne „Nothing Else Matters“ die Band weltberühmt.

Die aktuelle Besetzung um James Hetfield, Gesang und Gitarre, Kirk Hammett, Gitarre, Robert Trujillo, Bass, und Lars Ulrich, Schlagzeug, gehört zu den einflussreichsten Metals-Bands weltweit. Für Korn-Sänger Jonathan Davis ist Metallica seine Lieblingsband, da sie „immer ihren eigenen Weg gegangen und heute noch relevant ist“.

Im Herbst 2017 passieren aber auch andere Dinge als Musik: Metallica stellen ihre erste offizielle Mode-Kollektion vor, Sänger James Hetfield zieht in ein Bergdorf nach Colorado, versucht sich als Imker und geht auf die Jagd. Gitarrist Kirk Hammett hat gerade seine erste eigene Horror- und Sci-Fi-Art-Ausstellung im Peabody Essex Museum in Salem, Massachusetts, kuratiert, und der dänische Schlagzeuger Lars Ulrich wird von Prinz Frederik von Dänemark im Juni 2017 für seine Verdienste um die Musik zum Ritter geschlagen, während der zwölfjährige Sohn Tye von Bassist Robert Trujillo bei Korn als Bassist aushilft.

03:35 Uhr: Jennifer Rostock: Bleibt
Columbia Halle, Berlin, Deutschland, 2018
Regie: Frank Machel
3sat

Nach zehn Jahren und einer Best-of-Tour machen Jennifer Rostock nicht Schluss, sie machen Pause. Die Band um die stimmgewaltige Frontfrau Jennifer Weist haut noch einmal auf die Pauke.

Vor ihrem Goodbye auf Zeit gibt die Band drei ausverkaufte Konzerte in der Berliner Columbiahalle. Die Band um die Powerfrau und ihren kreativen Kopf, Keyboarder Johannes Walter-Müller, spielt ein breites Hit-Programm zwischen krachend laut und bewegend zart.

Von Rock bis Punk, von Pop bis Elektro, Jennifer Rostock präsentieren eine mitreißende musikalische Bandbreite, getragen von griffigen Texten mit Tiefgang, geprägt von Haltung und garantierter Sofortwirkung.

Sängerin Jennifer Weist und Keyboarder Johannes Walter-Müller wachsen auf der Insel Usedom auf, lernen sich im Kindergarten kennen, spielen zusammen in einer Schülerband und ziehen nach dem Abitur nach Berlin mit dem Ziel, Musiker zu werden. In Berlin lernen sie die drei zukünftigen Bandmitglieder Alex, Christoph und Baku kennen und geben 2007 erste Konzerte in Berliner Clubs.

Schnell werden die Plattenfirmen auf die Band aufmerksam, und schon im Februar 2008 erscheint die Debütsingle „Kopf oder Zahl“. Es folgen Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz, 2009 entsteht ein Dokumentarfilm über die Band, und für ihre Liedtexte werden Weist und Walter für den Deutschen Musikautorenpreis der GEMA in der Kategorie „Nachwuchs“ nominiert.

Aufmerksamkeit erregen Jennifer Rostock am 28. Januar 2013 unmittelbar nach dem Auftritt in Hamburg. Die Musiker erklären bei Facebook, dass sie auf den T-Shirts von Besuchern ihrer Konzerte die Namen der Böhsen Onkelz und Frei.Wild nicht lesen wollen. Es folgten Proteste auf Facebook, was zur Folge hat, dass sich die Gruppe in einer zweiten Stellungnahme davon distanziert, dass alle Fans der beiden Gruppen automatisch Nazis seien. Inzwischen hatte sich auch der Bassist der Band Böhse Onkelz, Stephan Weidner, im Fachmagazin „Metal Hammer“ zu Wort gemeldet und die Gruppe scharf kritisiert.

Am 30. August 2016 veröffentlicht die Band auf ihrer Facebook-Seite ein Musikvideo, das sich wenige Tage vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gegen die rechtspopulistische AfD richtet. Das Video wird innerhalb weniger Tage mehrere Millionen Mal angeklickt, und Jennifer Weist erhält daraufhin einen Drohbrief.

Aufsehen erregt 2016 der Song „Hengstin“, der sich stilistisch stark von den meisten Songs der Band abhebt und Feminismus und Gleichberechtigung von Frauen thematisiert. Das Musikvideo zeigt die Sängerin zum Teil unbekleidet. Jennifer Weist sagt dazu in einem Interview: „Ich bin in jedem Video schon halbnackt gewesen und niemanden interessiert’s. Dann machst du ein Ding wie ‚Hengstin‘, wo es um Feminismus und starke Frauen im Showgeschäft geht, und da sieht man nix anderes. Wenn du mich im Prinzip am Strand siehst, sehe ich genauso aus. Dann wird eine riesen Diskussion daraus gemacht, das kann man im Vorhinein gar nicht absehen.“

Am 15. November 2017 verkündet die Band einvernehmlich eine Pause unbestimmter Dauer: „Es braucht etwas Luft zum Durchatmen, damit wir uns künftig wieder mit voller Hingabe dem Projekt Rostock widmen können“ lässt die Band verlauten – und hinterlässt mit ihrer Musik aus Glam-Punk, Elektro-Pop und Hauptstadt-Rock eine große Lücke.

04:35 Uhr: Samy Deluxe x MTV Unplugged
Museumsschiff „MS Bleichen“, Hamburger Hafen,
Deutschland, 2018
Regie: Felix Paul
3sat

Im April 2018 ist es endlich so weit: „MTV Unplugged“ lädt Rapper Samy Deluxe zum Konzert ein. Damit steht er in einer Reihe mit Stars wie Paul McCartney, Nirvana, Jay Z und Eric Clapton.

Samy Deluxe überrascht mit ungewöhnlicher Location: Er tritt im Bauch des Museumsschiffs „MS Bleichen“ im Hamburger Hafen auf. Unter dem Motto „Flagge hissen/Anker lichten“ präsentiert er ein Best-of, begleitet von seiner Band, Streichern, Chor und Gästen.

Mit an Bord sind jede Menge Weggefährten von Samy Deluxe, unter anderen die Rapper Kool Savas, Megaloh, Jan Delay, Eko Fresh, Max Herre und die Pop-Ikone Nena zusammen mit ihrer Tochter Larissa. Bei 3sat heißt es „Leinen los“ für „SaMTV Unplugged“!

Mit über einer Million verkaufter Tonträger ist Samy Deluxe einer der erfolgreichsten deutschen Rapper. Das Schaffen des 1977 in Hamburg geborenen Musikers dokumentieren mehr als ein Dutzend Alben als Solokünstler und mit Bands wie Dynamite Deluxe und ASD. Am Anfang seiner Karriere pflegt Samy Deluxe in seinen Texten vor allem sein Image als Gangster-Rapper, doch mit der Zeit werden die Lyrics tiefgründiger. Politische Themen, die Auseinandersetzung mit dem eigenen Migrationshintergrund, das Dasein als Künstler und die Suche nach dem Sinn des Lebens verarbeitet der Wortakrobat mit der schnellen Zunge zu gesellschaftsrelevanten Texten. Außerdem ist Samy Deluxe Musikproduzent und Restaurantbesitzer und engagiert sich für benachteiligte Jugendliche.

05:35 Uhr: Cro: MTV Unplugged
Scala Kino, Ludwigsburg, Deutschland, 2015
Regie: Sven Offen
3sat

Am 4. Mai 2015 steht der deutsche Rapper Cro als jüngster Künstler aller Zeiten der MTV-Unplugged-Konzertreihe auf der Bühne des Scala in Ludwigsburg und präsentiert mit Maske ein Best-of.

Entspannt wie immer, begrüßt Cro seine Fans mit einem lang gezogenen „Stuttgaaaart“ und spielt sich durch ein Hit-Programm mit seinen musikalischen Gästen wie den Prinzen, Tristan Brusch und den Orsons. Das Album belegt nach dem Erscheinen Platz eins in Deutschland.

Begleitet von einer 22-köpfigen Band hat Cro in das plüschige Originalambiente des 1950er-Jahre-Kinos „Scala“ eingeladen. 300 – meist weibliche – Fans kommen und genießen den direkten Kontakt zu ihrem Star.

Die musikalische Leitung hat Lillo Scrimali, der bereits bei den MTV-Unplugged-Konzerten von Max Herre und den Fantastischen Vier die musikalischen Zügel in der Hand hielt. Seine Mischung aus Rap und Pop, kurz „Raop“, im neuen ungewohnten akustischen Sound machen Spaß, nur Cro alias Carlo Waibel bleibt cool, fast schüchtern. Dafür lieben ihn die Fans noch mehr.

3sat präsentiert den Rapper mit den Höhepunkten des Konzerts mit Hits wie „Hi Kids“, „Allein“, „Ein Teil“, „Jeder Tag“, „Easy“, „Bye Bye“, „Du“ und „Jetzt“.


Samstag, 04.05. / 19:20 Uhr / Grand Prix in Israel – Kein bisschen Frieden
Film von Daniel Böhm
Erstausstrahlung
3sat

Die Vorbereitungen laufen, und der Eurovision Song Contest (ESC) gerät immer mehr zur Bewährungsprobe für Israel. Boykott oder Party? Durch die Musikszene geht ein tiefer Riss.

Am 18. Mai findet der ESC in Tel Aviv statt – mit 42 teilnehmenden Ländern und Hunderten Millionen Zuschauern weltweit. Eine gute Gelegenheit für Israel, sich als weltoffenes, demokratisches und tolerantes Land zu präsentieren. Doch leicht ist das derzeit nicht.

Erste Konflikte gab es gleich zu Beginn. Die israelische Regierung bestand darauf, die mediale Großveranstaltung in Jerusalem abzuhalten. Nach dem Umzug der US-Botschaft sollte dies ein weiteres Zeichen für Jerusalem als „unteilbare“ Hauptstadt Israels setzen. Allerdings hatte die Regierung die Rechnung ohne die Veranstalter gemacht. Die verweigerten sich und drohten, den kompletten ESC abzusagen. Man einigte sich schließlich auf Tel Aviv.

Das Minenfeld aus politischen, religiösen und weltanschaulichen Konflikten ist damit aber keinesfalls entschärft. Die palästinensisch organisierte und international vernetzte Boykottbewegung BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) droht mit Störungen. Omar Barghouti, einer der Gründer der Bewegung, sieht im ESC eine Form von „Art Washing“ und sagt, Israel wolle sich damit nur in gutes Licht rücken. Die orthodox-religiöse Bevölkerung des Landes fühlt sich dagegen vor allem durch den Zeitpunkt der Veranstaltung, einen Samstagabend, provoziert. In Tel Aviv haben die Religiösen inzwischen ein Fahrverbot am Schabbat durchgesetzt. Wie organsiert man die Sicherheit und den Transport von Teilnehmern und Gästen, wenn keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren? Mehr als 18 000 zusätzliche Besucher werden in Tel Aviv erwartet. Dort herrscht im Mai auch ohne ESC Touristenhochsaison.

Ahnte die Popmusik-Ikone Netta Barzilai was da auf ihr Land zukommt, als sie 2018 in Lissabon den ESC gewann? 3sat begibt sich mitten hinein in die Vorbereitung und begleitet Veranstalter, Künstler, Befürworter und Gegner der Veranstaltung. Der linke Bürgermeister Tel Avivs, Ron Huldai, ein Kritiker der Regierung Netanjahu, will zeigen, dass Tel Aviv eine weltoffene und tolerante Stadt ist – passend zum ESC-Slogan „Celebrate Diversity“. Bunte Vielfalt, verschiedene Lebensstile, Toleranz, Offenheit gegenüber anderen, all das will der ESC sein. „Dare to Dream – Wage zu träumen“ ist das diesjährige Motto der Veranstaltung.

Kann es Israel gelingen, ein guter Gastgeber zu sein? Oder wird der ESC wie ein Brennglas die inneren Konflikte und Widersprüche des Landes geradezu verstärken? Lässt sich in einem Land, das sich im Dauerkonflikt mit seinen arabischen Nachbarn und mit der palästinensischen sowie arabischen Bevölkerung befindet, tatsächlich unbeschwert die „Vielfalt“ feiern? Wer wagt es, nach mehr als 70 Jahren Krieg, Hass und Misstrauen noch, zu träumen und wovon eigentlich?

Samstag, 04.05. / 20:15 Uhr / Tartuffe oder Das Schwein der Weisen
Komödie von PeterLicht nach Molière, Deutschland 2019
3sat

Herr Frau Pernelle: Katja Jung
Orgon: Florian von Manteuffel
Elmire: Myriam Schröder
Damis: Mario Fuchs
Mariane: Leonie Maerlin Young
Cléante: Max Rothbart
Corine: Pia Händler
Tartuffe: Nicola Mastroberardino
u. a.

Bühnenbild: Andreas Auerbach
Kostüme: Vanella Rust
Musikalische Leitung: Henning Nierstenhöfer
Inszenierung: Claudia Bauer
Bildregie: Anne-Kathrine Münnich
Fernsehregie: Andreas Morell
Erstausstrahlung

PeterLichts Bearbeitung des Molière-Klassikers „Tartuffe“ für das Theater Basel schildert den absurden Kampf um Selbstfindung und -darstellung im sprachlichen Hamsterrad.

Performance ist alles, die Leere muss gefüllt werden. In bunten, barock anmutenden Kostümen irren die Figuren durch ihr Kulissenhaus und durch die Sprache und haben am Ende keine Chance gegen den manipulativen und innerlich wie äußerlich widerlichen Tartuffe.

Die Anspannung ist groß im Hause Pernelle. Vom Personal bis zur Hausherrin sind alle ziemlich aufgekratzt, die Hysterie ist immer nur einen Satz entfernt, wobei die Kommunikation insgesamt eher problematisch ist. Niemand spricht direkt aus, was er oder sie denkt. Alle versuchen, sich aus einer endlosen Sprachschleife zu befreien, verheddern sich aber nur immer mehr, ein Stolpern und Fallen scheint unausweichlich.

Und für diese ganze Verwirrung gibt es einen Grund: Tartuffe oder auch „Tüffi“, wie ihn die Bewohner des Hauses liebevoll nennen. Dieser Scharlatan, der sich als guruhafter Live-Coach ausgibt, hat die Balance des Hauses gewaltig durcheinandergebracht, auch wenn man ahnt, dass hier schon vorher nicht alles im Reinen war. Tartuffe sollte Hilfe bringen, doch jetzt wollen ihn alle nur noch loswerden, bis auf Orgon, der Herr des Hauses. Und das, obwohl sich Tartuffe sogar an Orgons Frau Elmire heranmacht und das ganz dreist als Teil seines Kursprogramms verkauft. Das Familienoberhaupt würde alles tun, um dem schmierigen Seelenfänger zu gefallen – und ist schließlich sogar bereit, seine Tochter gegen ihren Willen an ihn zu verheiraten.

Alle suchen nach Sinn, sind gefangen im Wahn der Selbstoptimierung, und Tartuffe verspricht Erleuchtung. Vielleicht ist diese ja doch nur noch einen, zugegeben kostenintensiven, aber verheißungsvollen Fortgeschrittenenkurs entfernt.

Redaktionshinweis: „Tartuffe oder Das Schwein der Weisen“ ist das erste von drei „Starken Stücken“, die 3sat als Medienpartner vom diesjährigen Theatertreffen in Berlin (3.-19.5.2019) zeigt. Am Samstag, 11. Mai, 20.15 Uhr, folgt „Erniedrigte und Beleidigte“, am Samstag, 18. Mai, ebenfalls um 20.15 Uhr „Persona“. Außerdem berichtet Nina Sonnenberg am Samstag, 18. Mai, um 19.20 Uhr in der Reportage „Entdeckungen auf dem Theatertreffen 2019. Die Suche nach dem großen Wir“ über das bedeutendste deutsche Theaterfestival.

Samstag, 04.05. / 22:50 Uhr / Andris Nelsons dirigiert Felix Mendelssohn Bartholdy
Felix Mendelssohn Bartholdy: Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56
(Schottische Sinfonie)
Gewandhaus Leipzig, Februar 2018
ARD/MDR

Mit Andris Nelsons, der international stark umworben ist, bekommt Leipzig einen Shootingstar der Kapellmeisterzunft. 3sat zeigt sein Einführungskonzert als Gewandhauskapellmeister 2018.

In seinem Antrittskonzert dirigierte der Lette die „Schottische Sinfonie“ seines Amtsvorgängers Felix Mendelssohn Bartholdy. Die ersten Takte der Sinfonie notierte der reislustige Mendelssohn im Juli 1829 während einer Reise, die ihn auch nach Schottland führte.

Inspiriert von sturmumtosten Klippen, pittoresken Kirch- und Burgruinen sowie den nebelverhangenen Gebirgstälern brachte der Komponist die ersten Ideen zu Papier. Doch erst 13 Jahre später vollendete er die der britischen Königin Victoria gewidmete Sinfonie und führte sie 1842 im Leipziger Gewandhaus auf. Seitdem gehört sie zu den beliebtesten und meistgespielten Werken Felix Mendelssohn Bartholdys.

Das Gewandhausorchester präsentiert sich seit seiner Gründung 1743 als das „Uraufführungsorchester aus Tradition“: Werke von Beethoven, Schubert, Schumann, Mendelssohn, Brahms und Bruckner ebenso wie von Schnittke, Henze und Rihm erlebten durch das Orchester ihre Erstaufführungen.

Samstag, 04.05. / 23:35 Uhr / Bolshoi Babylon
Dokumentarfilm von Nick Read und Mark Franchetti,
Großbritannien 2015
Länge: 83 Minuten
ARD/BR/MDR/ARTE

Am legendären Moskauer Bolschoi-Theater kommt es 2013 zu einem unfassbaren Anschlag: Sergej Filin, der künstlerische Leiter des Balletts, kommt mit starken Gesichtsverätzungen ins Krankenhaus.

Ein maskierter Mann hat ihn mit Säure angegriffen. Die Tätersuche führt ins eigene Ensemble: Der Auftraggeber des Angriffs war wohl ein Solotänzer des Bolschoi-Theaters. Der Dokumentarfilm taucht ein in die in jeder Hinsicht gnadenlose Welt des Profi-Balletts.

Hinter den Kulissen des prestigeträchtigen Hauses gab es schon länger Intrigen und Konflikte. Der Dokumentarfilmer Nick Read traf ein Jahr nach dem Attentat Mitglieder der Ballettkompanie, der technischen Crew und der Leitung. Der Vorfall hat das Ensemble, in dem es wegen des erbitterten Konkurrenzkampfs ohnehin kaum Freundschaften gibt, gespalten: in die, die den Tänzer anklagen, und in die, die an seine Unschuld glauben.

Auch die Politik hat sich in den Konflikt eingeschaltet: Um die Ordnung am Bolschoi, dem renommiertesten Theater des Landes und dem Inbegriff russischer Kultur, wiederherzustellen, hat der Kreml einen neuen Intendanten installiert, der mit eiserner Hand regieren soll – und dieser neue Intendant ist ein Erzfeind des rekonvaleszenten Ballettchefs Sergej Filin.

Sonntag, 05.05. / 18:3 Uhr / Museums-Check mit Markus Brock: Weltmuseum Wien
(Erstsendung: 08.07.2018)
ARD/SWR

Markus Brock checkt diesmal das Weltmuseum Wien, das überraschen und irritieren will. Bei seinem Streifzug begleitet ihn der österreichische Schriftsteller Franzobel.

2017 eröffnete das Museum nach mehrjährigem Umbau seine Pforten. Der neue Name des ehemaligen Museums für Völkerkunde ist Programm: Ein Ort der Begegnung möchte es sein. „Es geht um Menschen“, so das Motto des Weltmuseums – um Menschen aus aller Welt.

Denn längst hat sich die ursprüngliche Idee ethnografischer Museen, mit Relikten des Kolonialismus Erklärungen für das „Exotische“ zu liefern, überholt.

250 000 ethnografische Gegenstände und rund 300 000 Fotografien und Bücher umfasst die Sammlung. Dazu zählen einzigartige Bronzeskulpturen aus Benin, Schmiedekunst aus Südostasien und die Ikone des Museums: „Penacho“, ein kostbarer mit Goldplättchen besetzter Federkopfschmuck der Azteken, entstanden in Mexiko Anfang des 16. Jahrhunderts – der weltweit einzig erhaltene seiner Art.

Markus Brock erkundet das in der Wiener Hofburg beheimatete Weltmuseum zusammen mit seinem Gast, dem erfolgreichen Schriftsteller Franzobel, der 2017 „Das Floß der Medusa“ veröffentlichte. Seine Karriere begann der Österreicher als bildender Künstler, bis er Anfang der 1990er-Jahre zum Schreiben kam. Literatur ist für ihn zugleich Seelenfutter und Kampf – gegen Verdummung und Ignoranz, „und sie hat die Verantwortung, sich einzulassen auf die Welt“, sagt Franzobel.

Sich auf die Welt einlassen, darum geht es auch im Weltmuseum Wien. In 14 Sälen wird die von Grund auf neu konzipierte Schausammlung präsentiert. Der Raum „Im Schatten des Kolonialismus“ greift ein zentrales Thema auf: Wie geht man mit der Vergangenheit ethnologischer Museen und kolonialer Raubkunst um? Wem gehört sie, und was sagt sie uns heute?

Die Ursprünge des Wiener Weltmuseums reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Zwar besaß Österreich keine eigenen Kolonien, aber seine Machthaber waren dem kolonialen Entdecker- und Sammelfieber nicht minder erlegen. So ersteigerte der österreichische Kaiser Franz I. bei einer Auktion in London 1806 einen Teil der Sammlung des britischen Weltumseglers James Cook.

Jagd- und Studienreisen gehörten im 19. Jahrhundert zur familiären Tradition der Habsburger. Drei junge Erzherzöge bereisten damals die Welt, darunter Franz Ferdinand von Österreich-Este. Er träumte vom größten Privatmuseum Wiens und bestimmte dafür den Corps de Logis in der Hofburg, wo sich noch heute das Weltmuseum Wien befindet.

Freitag, 10.05. / 21:20 Uhr / Live vom Wiener Rathausplatz: Eröffnung der Wiener Festwochen 2019
Regie: Leopold Knötzl
ORF/3sat

Christophe Slagmuylder, neuer Intendant der Wiener Festwochen, präsentiert in seiner ersten Saison in fünf Wochen 45 Produktionen mit 430 Künstlern aus 19 Ländern, darunter zehn Uraufführungen.

Die 27 Spielorte sind über ganz Wien verteilt. Erstmals gibt es auch eine Festwochenproduktion im 22. Wiener Gemeindebezirk Donaustadt: „Diamante“, ein fünfstündiger Theatermarathon des argentinischen Autors und Regisseurs Mariano Pensotti.

Die Eröffnung der Wiener Festwochen auf dem Rathausplatz hat lange Tradition. Das hochkarätig besetzte Klassik-Event lockt bei freiem Eintritt Jahr für Jahr Einheimische und Touristen nach Wien.


Samstag, 11.05. / 10:45 Uhr / Salzburg – Gesamtkunstwerk im Herzen Europas
Film von Hannes M. Schalle
(Erstsendung: 24.04.2016)
ORF

Eine Reise vom Großglockner über das Salzachtal in die Stadt Salzburg und dessen Umland zeigt, was Salzburg heute ausmacht und wie es sich über die letzten 200 Jahre entwickelt hat.

Vom internationalen Publikum wird Salzburg mit den Klischees „Sound of Music“, „Stille Nacht“ und der „Marke Mozart“ verbunden. CNN kürte den Salzburger Christkindlmarkt wiederholt zu einem der schönsten der Welt.

Die Salzburger Festspiele gelten als führendes Kulturfestival, und die landschaftliche Kulisse ist eine besonders nachgefragte Tourismus-Destination.

Am 1. Mai 2016 feierte das Bundesland Salzburg seine 200-jährige Zugehörigkeit zu Österreich. Über die Jahrhunderte sind seine unterschiedlichen Regionen wirtschaftspolitisch und soziologisch zusammengewachsen. Max Reinhardt hat dieses besondere Fleckchen Erde als Gesamtkunstwerk bezeichnet. Ob Berge oder Täler, eines hat die gesamte Landschaft gemeinsam: Sie ist von der Natur begünstigt, strahlt Ruhe aus und hat sowohl Einwohnern als auch Besuchern im Laufe der vier Jahreszeiten viel zu bieten.

Vom Großglockner-Massiv über die Alpen des Innergebirges, durch das Salzachtal, vorbei an der Burg Werfen hinein in das Flachland führt die Reise zum Schloss Hellbrunn, dann zum Schloss Leopoldskron, weiter in die Seengebiete und schließlich in die barocke Stadt Salzburg.

Samstag, 11.05. / 19:20 Uhr / Bonjour Europa – die deutsch-französische GrenzKultur
Film von Susanne Freitag-Carteron
Erstausstrahlung
3sat

Nirgendwo sind Deutschland und Frankreich so eng miteinander verwoben wie im Saarland und in Lothringen. Die Grenze dort hat sich im Verlauf der Geschichte mehrmals verschoben.

Das hat die Kultur in der Region nachdrücklich geprägt. Die Dokumentation will im Vorfeld der Europawahl 2019 zeigen, wie wichtig die Grenze für die Kultur ist, aber auch, dass es nicht selbstverständlich ist, sie mit künstlerischen Aktivitäten zu überwinden.

Kunst und Kultur sind entlang der Grenze Element der Völkerverständigung und damit ein elementar wichtiger Teil der deutsch-französischen Beziehungen – und die sind ja bekanntlich der „Motor Europas“. Eigentlich gibt es die EU in ihrer heutigen Form, weil es das Saarland und Lothringen gibt. Als die Kohle- und Stahlreviere noch blühten, entstand dort die Idee zur Montanunion – dem Vorläufer der heutigen EU. Robert Schumann, der Vordenker Europas, kommt aus Lothringen.

Auf beiden Seiten der Grenze schlug ein Herz aus Kohle und Stahl. Die Völklinger Hütte produzierte tonnenweise Stahl und hüllte die kleine saarländische Stadt in eine dicke gelbbraune Wolke. Heute ist der Staub in der Stadt Geschichte. Eine kleine „historische Staubschicht“ hat man liegen lassen, um den kulturbegeisterten Touristen aus aller Welt Industriegeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts in der Völklinger Hütte zu erklären. UNESCO-Weltkulturerbe ist sie nur deshalb geworden, weil es zu teuer gewesen wäre, sie abzureißen. Sie war die erste Industrieanlage, die diesen Titel bekam. 2019 feiert das Weltkulturerbe seinen 25. Geburtstag. Meinrad Grewenig ist Direktor des Weltkulturerbes und Vorsitzender der europäischen Weltkulturerbe-Gesellschaft.

Ehemalige Hüttenarbeiter führen über das Gelände. Einen Teil der Führungen übernimmt Edgar Bastian, ein ehemaliger französischer Bergmann. „In der Grub“, „Auf der Hütt'“, „dans la mine“, das gehörte zusammen. Unter Tage haben sich deutsche und französische Bergleute getroffen, sie haben die gleiche Kohle abgebaut, weil die Stollen nicht dieselbe Grenze hatten wie das Land darüber. Deshalb gibt es auch eine enge Kooperation mit dem „Musée Mineur Wendel“ auf der anderen Seite der Grenze. Früher war dort der größte Kohlestandort Frankreichs. Auch dort führen ehemalige Kumpel durch das Museum. Beide Museen liegen an der europäischen Route der Industriekultur.

Die Völklinger Hütte hat im Jubiläumsjahr mehrere Highlights vorgesehen. Der französische Künstler Christian Boltanski beispielsweise hat innerhalb der Hütte eine Erinnerungsstätte geschaffen, die sich mit den ehemaligen Zwangsarbeitern beschäftigt.

Am 15. April ist die Saisoneröffnung, dann beginnt auch die UrbanArt Biennale, die fünfte in Folge. Das Hüttengelände wird zur größten Street-Art-Ausstellung der Welt. Der Saarbrücker Künstler Patrick Jungfleisch ist einer der Stars der internationalen Urban-Art-Szene. Sein Künstlername ist RESO, und er ist regelmäßig in New York und Paris unterwegs. Seine Werke sind weltweit ein Verkaufsschlager.

Die Europa-Abteilung des saarländischen Kultusministeriums arbeitet im sogenannten „Pingusson-Gebäude“ in Saarbrücken. Früher war dort die französische Botschaft, denn damals war das Saarland noch unabhängig und stand unter französischem Protektorat. Es gibt alte Pläne, auf denen Pingusson ein Konzept für das Stadtbild von Saarbrücken entworfen hatte. Saarbrücken sollte die Hauptstadt der Montanunion werden. Die alten Pläne sind noch vorhanden. Bildungsminister Ulrich Commercon hat einiges dazu zu erzählen.

Der Sender „Europe 1“ war einer der ersten Privatsender, die in Frankreich zu hören waren. Er strahlte vom saarländischen Berus-Felsberg nach Frankreich, denn in Frankreich selbst waren Privatradios illegal. Inzwischen hat man ein praktisches, kleines Sendegebäude ein paar Hundert Meter weiter gebaut, die Langwellen des Pariser Senders „Europe 1“ kommen immer noch aus dem Saarland. Das imposante Altgebäude soll künftig für deutsch-französische Kulturveranstaltungen genutzt werden. Schon heute ist es ab und zu Spielort von Vorträgen und Veranstaltungen. Die Themen haben meist mit Europa zu tun.

In der Salzmühle im kleinen Ort Sulzbach findet seit fünf Jahren ein deutsch-französischer Song-Contest statt. Deutsche und französische Talente treten gegeneinander an. Vier sind bereits in die Endauswahl gekommen, doch nur einer kann gewinnen.

Das Bergbaumuseum in Stiring Wendel war früher das größte Kohle-Abbaugebiet Frankreichs. Der ehemalige Kumpel Horst Schmadel verfügt über zahlreiche historische Dokumente und Utensilien aus der französischen und deutschen Bergbauzeit. Jede seiner Führungen ist ein Plädoyer für die Zukunft Europas.

Die Dokumentation zeigt die enge Verbindung der Kulturorte dieser Region. Die Protagonisten eröffnen den Blick in ein besonderes Grenzgebiet. Es gilt zwar als finanziell arm, aber es ist reich an einer besonderen kulturellen Vielfalt. Das ist in dieser Form einzigartig in Europa.

Samstag, 11.05. / 20:15 Uhr / Starke Stücke: Erniedrigte und Beleidigte
nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewski
Hamburger Poetikvorlesung von Wolfram Lotz
3sat

Mit Luis Aschenbrenner, Eva Hüster, Moritz Kienemann, Torsten Ranft, Lukas Rüppel, Fanny Staffa, Nadja Stübiger, Yassin Trabelsi und Viktor Tremmel
Kostüme: Adriana Braga Peretzki
Chorleitung: Christine Groß
Inszenierung: Sebastian Hartmann
Regie: Sebastian Hartmann
Fernsehregie: Hannes Rossacher
Erstausstrahlung

„Erniedrigte und Beleidigte“ von Fjodor M. Dostojewski ist ein hoffnungsloser Roman, in dem keine der Figuren bekommt, wonach sie sich sehnt. Außer vielleicht Fürst Walkowski.

Ein Spiel um Geld, Intrigen und Liebeswirrungen, dargeboten in betörender Melancholie und donnerndem Furor. Regisseur Sebastian Hartmann lässt am Staatsschauspiel Dresden seinem Ensemble und auch den anderen Gewerken maximale Freiheit.

Walkowskis Sohn Aljoscha liebt Natalja, soll aber Katja heiraten, um der üppigen Mitgift willen. Aljoscha beugt sich, doch der vermeintliche Triumph des Fürsten hat nur eine geringe Halbwertzeit. Als Tattergreis irrt er über die Bühne, halbnackt und verwirrt. Sein Vermögen schützt ihn nicht vor seiner Endlichkeit, doch hat er vor seinem Ende noch den Gutsverwalter und seine Familie sowie seine uneheliche Tochter Nelly ins Unglück gestürzt und das private Glück gleich mehrere Menschen zunichtegemacht. Der Erzähler, der mittellose Dichter Wanja, ist seit seiner Jugend in Natalja verliebt, doch obwohl diese nun frei ist, finden sie nicht zueinander.

Der Theaterabend besteht aus einzelnen Bausteinen, die bis auf Anfang und Ende jeden Abend von den Spielenden und der Technik neu arrangiert werden. Ein freies Spiel, ein Fluss der Rede und Gedanken.

Samstag, 11.05. / 22:45 Uhr / Mozart mit Leib und Seele
Film von Barbara Pichler-Hausegger
(Erstsendung: 27.01.2019)
ORF

„Mozart lebt“ – so lautete der Titel der Mozartwoche 2019, die vom 24. Januar bis zum 3. Februar in Salzburg stattfand. Es ist auch das Credo von Neo-Intendant Rolando Villazón.

In Mozart erkennt er einen „tiefernsten Musiker und Denker, eine verspielte Seele“. Und vielleicht auch einen Seelenverwandten? In der Dokumentation zeichnet der Startenor ein ganz persönliches Bild von „seinem“ Mozart und spürt dem Genius Loci in Salzburg nach.

Vor allem die Briefe des Komponisten haben ihm den Menschen nähergebracht. „Die ganze Stadt soll Mozart feiern“, wünscht sich Villazón für seine erste Festivalwoche. Alles für einen – einer für alle: Abseits elitärer Pfade und auch an ungewöhnlichen Veranstaltungsorten wie etwa einem Einkaufszentrum soll man Mozart begegnen. Villazón will in seiner Intendanz ausschließlich Musik Mozarts in ganz unterschiedlichen Interpretationen erklingen lassen.

Den effektvollen Auftakt macht „La Fura dels Baus“. Das katalanische Künstlerkollektiv rund um Carlus Padrissa startet in der spektakulären Aufführung „T.H.A.M.O.S.“ mit Mozarts Schauspielmusik zu Tobias Philipp von Geblers Schauspiel „Thamos, König in Ägypten“ mit Tanz, Text, Artistik, neuen Medien und Stücken aus der „Zauberflöte“ eine Zeitreise um die Welt. Ein aufregender Blick hinter die Kulissen des wohl wichtigsten Mozart-Festivals und ein Einblick in den Mozart-Kosmos des Rolando Villazón.

Samstag, 11.05. / 23:10 Uhr / T.H.A.M.O.S.
Mozartwoche, Felsenreitschule Salzburg, 2019
ORF

König Menes: René Pape (Bass)
Tharsis: Fatma Said (Sopran)
Thamos: Nutthaporn Thammathi (Tenor)
Myris: Silke Redhammer (Mezzosopran)
Ein Priester: Bastian Thomas Kohl (Bass)
u. a.

Kostüme: Chu Uroz
Choreografie: Gaby Barberio
Chor: Salzburger Bachchor
Orchester: Kammerorchester Camerata, Salzburg
Musikalische Leitung: Alondra de la Parra
Inszenierung: Carlus Padrissa, La Fura dels Baus

Die katalanische Theatergruppe „La Fura dels Baus“ kreiert für die von Opernsänger Rolando Villazón geführte Mozartwoche 2019 in Salzburg eine spektakuläre Aufführung: „T.H.A.M.O.S.“.

Die szenische Neuproduktion basiert auf Mozarts Heldendrama „Thamos, König in Ägypten“. Regisseur Carlus Padrissa ließ zu Mozarts Zwischenaktmusiken neue Texte schreiben und reicherte sie mit Arien aus der Oper „Die Zauberflöte“ und dem Singspiel-Fragment „Zaide“ an.

Wolfgang Amadeus Mozart liebte das Theater in all seinen Formen. Seine Schauspielmusik zu Tobias Philipp von Geblers Theaterstück „Thamos, König in Ägypten“ ist wenig bekannt, gehört aber zu seinen großartigsten Werken.

Thematisch kreist das Drama um Ägypten, Freimaurertum und Aufklärung und kann als Keimzelle zu Mozarts letzter Oper „Die Zauberflöte“ gesehen werden. Diese Keimzelle macht der katalanische Regisseur Carlus Padrissa für seinen „T.H.A.M.O.S.“ produktiv: Der Stoff wird in seine Einzelteile zerlegt und auf seine Ausstrahlungskraft bis in die Gegenwart hinein untersucht.

Mit seiner weltweit umjubelten Theatertruppe „La Fura dels Baus“ bringt er eine spektakuläre Inszenierung auf die Bühne der Felsenreitschule – eine dramatisch-theatralische Reise, eng verwoben aus Tanz, Luft-Choreografie, neu gedichteten Texten und Mozarts Partitur, zu der drei Solistinnen und Solisten mit Arien aus anderen Werken hinzutreten.

International und hochkarätig ist die Besetzung: Mit dem Salzburger Bachchor und der Camerata Salzburg musizieren eine Dirigentin aus Mexiko, eine Sopranistin aus Ägypten, ein Tenor aus Thailand und ein Star-Bass aus Deutschland: Musik bringt Menschen aus allen Kulturkreisen zueinander – und Mozart macht das besser als alle anderen.

Sonntag, 12.05. / 11:15 Uhr / Franz Lehár: Das Land des Lächelns
Operette, Opernhaus Zürich, 2017
3sat/ARTE

Prinz Sou-Chong: Piotr Beczala
Lisa: Julia Kleiter
Mi: Rebeca Olvera
Graf Gustav von Pottenstein: Spencer Lang
Tschang: Cheyne Davidson
Obereunuch: Martin Zysset
u. a.

Choreografie: Arturo Gama
Chor: Chor der Oper Zürich
Orchester: Philharmonia Zürich
Musikalische Leitung: Favio Luisi, Ernst Raffelsberger
Inszenierung: Andreas Homoki
Regie: Michael Beyer
Bildregie: Franck Evin

Die Neuproduktion von Franz Lehárs Operette „Das Land des Lächelns“ am Opernhaus Zürich bietet eine exzellente Besetzung, angeführt von Piotr Beczala als Sou-Chong.

Regisseur Andreas Homoki hat die Dialoge massiv gekürzt und alles für die Haupthandlung Überflüssige gestrichen. Er inszeniert das Werk als Revue, arbeitet aber auch sehr genau die Traurigkeit der Liebenden heraus, die nicht zusammenkommen können.

Der chinesische Prinz Sou-Chong und die aus einer adligen Familie stammende Lisa lernen sich in Wien kennen und verlieben sich. Als Sou-Chong zum chinesischen Ministerpräsidenten ernannt wird, folgt Lisa ihm nach Peking. Dort wird sie mit uralten Traditionen konfrontiert, die ihre Liebe auf eine harte Probe stellen.

„Immer nur lächeln und immer vergnügt, immer zufrieden, wie’s immer sich fügt, lächeln trotz Weh und tausend Schmerzen“ – gleich zu Beginn setzt Prinz Sou-Chong den melancholischen Grundton, der für die späten Operetten Lehárs so typisch ist. „Das Land des Lächelns“, uraufgeführt 1929 in Berlin, ist denn auch denkbar weit entfernt von der frivolen Wiener Operette der Jahrhundertwende. Das Werk ist eine der populärsten Operetten und zugleich eine der anspruchsvollsten. Ihre besondere Popularität aber verdankt „Das Land des Lächelns“ dem Mega-Hit „Dein ist mein ganzes Herz“, mit dem sich schon Richard Tauber in die Herzen eines Millionenpublikums sang. Bei der Neuproduktion erweist sich Weltstar Piotr Beczala als würdiger Nachfolger des legendären Tenors. Mit Julia Kleiter als Lisa hat er eine ebenbürtige Partnerin.

Montag, 13.05. / 01.55 Uhr / Crossroads: The Lazys
Mit Leon Harrison (Gesang), Matty Morris (Gitarre), Liam Shearer (Gitarre), Glenn Williams (Bass) und Andy Nielsen (Schlagzeug)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das Crossroads Festival. Vom 20. bis 23. März 2019 traten vier Tage lang internationale Acts auf.

Mit dabei: The Lazys. Hardrock aus Australien, die Gibson SG bis auf elf aufgedreht, ein monströser Sound: Mit jeder Menge Energie und dem Willen, ein altgedientes Genre mit neuen Sounds wieder aufleben zu lassen, braucht es kaum mehr für die Auftritte der Band.

Zu Hause spielten sie sich zehn Jahre lang durch all die kleinen Clubs, ohne dabei nennenswert großen Erfolg zu erzielen. Aber als das Quintett in Kanada angekommen war, um bei der „Toronto Music Week“ aufzutreten, gab es kein Halten mehr: Drei Shows reichten für den Star-Status, einen Plattenvertrag und zwei Top-Ten-Singles in den Charts. In kürzester Zeit waren sie die Rock-’n‘-Roller der Stunde. Sie absolvieren jeden ihrer Auftritte stets, als sei es ihr letzter.

Montag, 13.05. / 02.35 Uhr / Crossroads: The Weight
Mit Michael Böbel (Gitarre), Tobias Jussel (Gesang, Orgelö, Klavier), Patrick Moosbrugger (Bass) und Andreas Vetter (Schlagzeug)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

The Weight ist eine österreichische Rockband. Obwohl der Stil der Band laut Pressemeinung im Classic Rock angesiedelt ist, spielen die Musiker laut Eigendefinition „Heavy Rhythm & Roll“.

Von der einschlägigen Fachpresse werden als soundverwandte Bands jedoch vorwiegend Künstler aus den 1960er- und 1970er-Jahren wie The Who, The Rolling Stones, Led Zeppelin, Deep Purple oder The Band genannt, aber auch aktuellere Formationen wie die Rival Sons.

Als Vorgruppe vieler internationaler Größen wie Foreigner, Uriah Heep, Ten Years After, Bastille oder Manfred Mann’s Earth Band hat „die mit Abstand beste Classic-Rock-Band aus Österreich“ („Rock Hard“) sich erste Sporen verdient – was ihren psychedelischen, urgewaltigen Rock geformt und ihre Live-Präsenz geschult hat.

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das Crossroads Festival. Vom 20. bis 23. März 2019 treten vier Tage lang internationale Acts auf.

Montag, 13.05. / 03.20 Uhr / Crossroads: Razz
Mit Niklas Keiser (Gesang), Steffen Pott (Schlagzeug), Christian Knippen (Gitarre) und Lukas Bruns (Bass)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Razz ist eine junge Indie-Rockband aus der emsländischen Provinz, die sich schon gehörige Meriten verdient hat. Sie kombiniert Garage Rock, Rock ’n‘ Roll und Blues Rock mit modernen Beats.

Dazu kommen eine gehörige Portion jugendliche Unbekümmertheit sowie ein untrügliches Gespür für raumgreifende Melodien. Die raue Stimme von Sänger Niklas Keiser sorgt oft für erstaunte Gesichter.

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das Crossroads Festival. Vom 20. bis 23. März 2019 treten vier Tage lang internationale Acts auf.

Montag, 13.05. / 04.05 Uhr / Crossroads: Fortuna Ehrenfeld
Mit Martin Bechler (Gesang, Gitarre), Jenny Thiele (Keyboards) und Paul Leonard Weißert (Schlagzeug)
Erstausstrahlung
ARD/WDR/3sat

Hinter Fortuna Ehrenfeld steckt der Kölner Multiinstrumentalist und Tausendsassa Martin Bechler, der enormes kompositorisches Talent hat und ein eindrucksvoller deutscher Texter ist.

Er singt von Hund und Herz, Glitzer und Schwein, Weihnachtsmann und Feuerwehr. „Ich war der Zahnarzt von Darth Vader/ Hatte immer gut zu tun“ sinniert er, und „wer heute noch en vogue ist, wer heut was auf sich hält, hat ein analoges Mädchen in einer digitalen Welt“.

Er macht leicht verquere Popmusik für Erwachsene, die im schönsten Sinne bekloppt ist – „cool und eigenwillig“, wie der Musiker Gisbert zu Knyphausen konstatiert. „Es gibt sie noch, die gute deutsche Popmusik.“

So viele Instrumente er beherrscht, so viel hat er im Leben schon gemacht: Martin Bechler ist studierter Musikwissenschaftler, Toningenieur, Komponist, Autor, Produzent, Unternehmer. Und das merkt man auch seinem Werk an. Jahrelang hat er in der zweiten Reihe gearbeitet: Er hat Platten des Liedermachers Rainald Grebe produziert, dem Schauspieler Rolf Zacher Lieder geschrieben, für den Komiker Dieter Nuhr ein Album kuratiert.

Der schräge Vogel selbst urteilt über seine Musik eher demütig bis flapsig: „Mir ist musikalische Perfektion ein Gräuel. Es ist wichtig, dass alles immer ein wenig armselig und scheiße ist. Das funktioniert am besten, wenn ich es selber mache.“

Trotzdem ist Fortuna Ehrenfeld ein Trio. Auf der Bühne ist Bechler, unter anderem bekleidet mit einer Federboa und im Schlafanzug, ganz in seinem Element. Ein besonderer, unterhaltsamer Charakter, in sich ruhend und cool, aber doch vermutlich mit der Welt nur halb im Reinen: „Ein Tag zum Vergessen, ein Tag wie ein Schwein – zum Töten zu rosa, zum Fressen zu klein.“

Zwei Mal pro Jahr präsentiert der WDR-„Rockpalast“ in der „Harmonie“ in Bonn-Endenich das Crossroads Festival. Vom 20. bis 23. März 2019 treten vier Tage lang internationale Acts auf.

Mittwoch, 15.05. / 11:45 Uhr / Die Regensburger Domspatzen im Heiligen Land
Vom See Genezareth bis zum Toten Meer
Film von Susanne Glass
(Erstsendung: 26.12.2018)
ARD/BR

Der weltbekannte Knabenchor ist in seiner gut 1000-jährigen Geschichte weit gereist. 2018 waren die Regensburger Domspatzen aber erstmals auf Pilger- und Konzertreise im Heiligen Land.

Eine Woche sind die 87 Sänger im Alter von elf bis 18 Jahren durch Israel und die palästinensischen Gebiete gefahren, begleitet vom Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und 150 Pilgern aus der Diözese. Eine ganz besondere Reise, betont Domkapellmeister Roland Büchner.

Neben den Besuchen biblischer Stätten und Kirchen spielten vor allem auch Begegnungen mit Menschen eine wichtige Rolle. Viele der Gesänge der Domspatzen thematisieren Geschehnisse aus der Bibel. Erstmals konnten sie diese nun an Originalschauplätzen anstimmen. Besonders bewegend auch, als die Domspatzen nach dem Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem Psalm 51 sangen – den Psalm mit der Bitte um Vergebung.

Freitag, 17.05 / 03:45 Uhr /Simon & Jan: Halleluja!
3sat-Zelt Mainz, September 2017
Regie: Volker Weicker
3sat

Simon & Jan kombinieren filigrane Gitarren, Harmoniegesang und bitterbös-komische Texte derart meisterhaft, dass sie in kürzester Zeit zur festen Größe der Kleinkunstszene geworden sind.

Intelligente Texte aus popkulturellen Versatzstücken, schräge Reime, deren hintergründiger Sinn sich manchmal genüsslich langsam im Gehirn entfaltet, und überraschende Wendungen, Ecken und Kanten: Das zeichnet das Liedermacher-Duo aus.

Und musikalisch bieten die zwei Gitarristen eine Ohrenweide. Feiner Harmoniegesang wechselt sich mit a-cappella-artigen Rhythmusfiguren ab, souveräne Stilwechsel jagen durch die Songs, und wunderschöne Gitarrenarrangements hüllen die oft bitterbösen und skurrilen Textzeilen in einen Harmoniemantel, der dann schlagartig fallen gelassen wird und das Publikum lachend aus der Genusswolke reißt.

Auch in ihrem Programm „Halleluja!“ wird der Erwartungshaltung des klassischen Kabarettpublikums von den beiden Mittdreißigern mit diabolischem Spaß ein Bein nach dem anderen gestellt. Hier wird dem Bürger aufs Maul, in den Kopf und in den Facebook-Account geschaut. Man fühlt sich angesprochen und gemeint, genauso wie zuweilen ertappt und entlarvt. Sie singen sich in den Kopf ihres Zuhörers, um ihn sogleich vor selbigen zu stoßen. Und wenn sie ihr Publikum doch einmal bei der Hand nehmen, dann nur, um es sanft in den nächsten Abgrund zu reißen. Dabei sind ihre Texte saukomisch, teils ins Absurde überdreht und die zeitgeistigen Grenzen der politischen Korrektheit gern mal übertretend. Sie stehen mit Riesenmagneten vor Piercing-Shops, begeben sich auf die Suche nach der Eierleckenden Wollmilchsau und das moralische Dilemma der Wohlstandsgesellschaft klingt bei ihnen in etwa so: „Mein Leben ist ein Ponyhof, doch leider find‘ ich Ponys doof.“

Ein Halleluja auf das musikalischste Himmelfahrtskommando, seit es Liedermacher gibt.

Freitag, 17.05 / 05:30 Uhr / Ass-Dur: Scherzo Spirituoso
3sat-Zelt Mainz, September 2017
Regie: Volker Weicker
3sat

Ass-Dur, das ist Musik-Kabarett in Reinkultur. Im 3sat-Zelt präsentierten sie 2017 ihr Programm „Scherzo Spirituoso“, einen Höhepunkt ihres Schaffens. Überraschungen sind garantiert.

Benedikt Zeitner und Dominik Wagner – Jahrgang 1985 und 1983 – stürmen seit ein paar Jahren über die deutschen Bühnen. Klavier spielen sie schon mal auf dem Rücken liegend. Oder sie ziehen sich während eines vierhändigen Satzes am Piano um.

Dominik Wagner und Benedikt Zeitner, beide mehrfach bei „Jugend musiziert“ ausgezeichnet, haben sich an der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin kennengelernt. Die jungen Herren verbinden nicht nur klassische und moderne Musik, sondern auch Comedy und Kabarettinhalte. Ihr Programm „Scherzo Spirituoso“ beinhaltet Klaviermusik, Gesang, klassische Musik und Popmusik, gepaart mit Dialogen, die „hochintellektuelles Kabarett“ (Benedikt) mit „weniger intellektuellem Kabarett“ (Dominik) verbinden. Neben klugscheißend-dozierenden Musikwitzen lieben die beiden auch den schlichten Humor: „Ich hab beim Bäcker angerufen. Und? Nur die Mehl-Box.“

Der Name „Ass-Dur“ ist eine sprachliche Kombination der Tonart As-Dur mit der Spielkarte Ass und spielt darauf an, dass das Kabarettprogramm von „Ass-Dur“ neben der Musik ursprünglich auch viele Zauberkunststücke beinhaltete.


Samstag, 18.05. / 19:20 Uhr / Entdeckungen auf dem Theatertreffen 2019 ~ Die Suche nach dem großen Wir
Reportage mit Nina Sonnenberg
Erstausstrahlung
3sat

Gestandene Schauspieler beim Stagediving in den Zuschauersaal. Selbstbewusstes Erben-Outing im Publikum. Rauchen erlaubt – in der allerersten Reihe!

Beim Theatertreffen 2019 überraschen die eingeladenen Inszenierungen vor allem mit ihrem Mut zum Event. Dabei geht es aber nicht um noch mehr Party – dafür sind die Stücke zu düster. Vielmehr geht es um die Suche nach dem, was Theater in seinem Ursprung ausmacht.

So lobt die Jury, die für die Einladungen verantwortlich ist, das Antiken-Event „Dionysos Stadt“ ausdrücklich als eine „Wiederentdeckung der Geselligkeit in der Kunst“. An den Münchner Kammerspielen ist der Abend ein großer Publikumserfolg.

Sehnt sich der moderne Mensch in seiner Vereinzelung nach einem echten „Wir“, nach einem kollektiven Erlebnis? Gibt es in unserer in Filterblasen aufgeteilten Gesellschaft überhaupt noch ein gemeinsames „Wir“? Und wenn ja – wo könnte man dieses besser heraufbeschwören als im Theater?

Moderatorin Nina Sonnenberg ist bereit für das große Gemeinschaftserlebnis: Sie geht in „Dionysos Stadt“, das zehnstündige Marathonstück von Regisseur Christopher Rüping, und testet den versprochenen „Theaterrausch“. Wird sie dem Zauber des Dionysischen verfallen, den schon Nietzsche beschrieben hat als „wonnevolle Verzückung, die beim Zerbrechen des principii individuationis aus dem innersten Menschen emporsteigt“? Oder wird es doch eher ziemlich qualvoll – zehn Stunden auf den engen Sitzen der Berliner Festspiele? Die Luft wird auf jeden Fall nicht besser mit der Zeit.

Auch das Performancekollektiv „She She Pop“ stellt mit seinem Stück „Oratorium“ die Frage nach dem „Wir“. In einer „kollektiven Andacht“ muss sich das Publikum einzelnen Gruppen zuordnen, sortiert nach ihrem Besitz. Über Geld spricht man nicht? Jetzt schon. Und übers Erben erst recht. Dazu deklamieren die Zuschauer Texte im Chor, der ja schon im antiken Theater für die breite Masse der Gesellschaft stand. Mal sehen, was noch vom Gemeinschaftsgefühl übrig ist, nachdem erst mal die Vermögensverhältnisse geklärt wurden.

„Starke Stücke“ ist der Slogan, unter dem 3sat seit 1996 vom Theatertreffen überträgt. Stark sind in diesem Jahr alle zehn ausgewählten Inszenierungen. Nur das Wort „Stücke“ trifft es kaum noch. Unter den zehn eingeladenen bemerkenswertesten Inszenierungen gibt es nicht einen Dramentext, der nicht wiederum selbst noch einmal überschrieben wurde. Stattdessen: starke Bilder und starke Erlebnisse. Furioses Schauspieltheater, wie in Thorsten Lensings Romaninterpretation „Unendlicher Spaß“. Umwerfende chorische Wucht, wie in Ulrich Rasches Maschinentheater „Das große Heft“. Zauberhaft vernebelte Bilder, wie in „The Girl from the Fog Machine Factory“ von Thom Luz.

Kollektive Erlebnisse, die gibt es auch im Club. Poetische Bilder? Kann auch das Kino. Anregung fürs Gehirn findet man am besten in Texten und pure Emotion in der Musik. Aber alles zusammen? Das kann nur das Theater!

Samstag, 18.05. / 20:15 Uhr / Starke Stücke: Persona
von Ingmar Bergman, Deutschland 2019
3sat

Frau Elisabeth Vogler: Karin Lithman
Schwester Alma: Corinna Harfouch
Ärztin: Franziska Machens
Herr Vogler: Andreas Grötzinger
u. a.

Dramaturgie: Sonja Anders, Felicia Ohly
Bühnenbild: Jo Schramm
Kostüme: Lane Schäfer
Inszenierung: Anna Bergmann
Regie: Anna Bergmann
Fernsehregie: Catharina Kleber
Erstausstrahlung

Zwei Frauen, eine schweigt, die andere spricht unentwegt. Elisabeth Vogler ist Schauspielerin, Ehefrau, Mutter. Eines Abends, auf der Bühne, entschließt sie sich, nicht mehr zu sprechen.

In einer Klinik wird ihr die redselige Alma als Krankenschwester zur Seite gestellt. Als man Elisabeth aber nicht mehr helfen kann, zieht sie sich in ein einsames Sommerhaus zurück, und Alma bleibt treu an ihrer Seite. Eine seltsame Freundschaft entwickelt sich.

Die einseitigen Gespräche, geprägt von Liebe, aber auch Konkurrenz, Neid, Vorwürfen und Beleidigungen, werden immer mehr zum Kampf. Wo die Worte fehlen, übernimmt der Körper. Die Wut über die Sprachlosigkeit wächst und wächst. Die Rollen, die jede im Leben wie auf der Bühne spielt, werden zum zentralen Thema: die Geliebte, der Star, die Mutter, die Ehefrau, die Betrügerin, die treue Seele, die Freundin. Wer ist Elisabeth, und wer ist Alma? Zwei Seiten einer Frau?

Regisseurin Anna Bergmann setzt das Drehbuch Ingmar Bergmans ebenso kühl und konzentriert wie leidenschaftlich um. In einem verspiegelten Halbrund, der Bühnenboden mit Wasser bedeckt, finden Kampf und Annäherung der beiden Frauen statt. Die Inszenierung des Deutschen Theaters entstand in Koproduktion mit dem Stadttheater Malmö. Corinna Harfouch und ihre schwedische Kollegin Karin Lithman spielen, je nach Land, die eine oder die andere Rolle, Alma oder Elisabeth. Eine Inszenierung, die zugleich ein Gefecht ist, über Frauenrollen, auf der Bühne wie in der Gesellschaft, ausgetragen von zwei herausragenden Schauspielerinnen.

Samstag, 18.05. / 21:40 Uhr / Barbara Hannigan – ein Opernstar auf neuen Wegen
Von Casting, Coaching und Karriere
Film von Maria Stodtmeier
Erstausstrahlung
3sat

Barbara Hannigan hat es geschafft, sich als Künstlerin neu zu definieren: Sie begeistert das Publikum gleichermaßen als Sängerin und Dirigentin. Auch startet sie ihr eigenes Nachwuchsprojekt.

Für die Rollenbesetzung der ersten Oper, die sie sich als Dirigentin erarbeitet, geht Hannigan einen radikal neuen Weg: Sie castet talentierte Nachwuchssänger, denen sie ein Coaching bietet. Mit dem Rüstzeug sollen sie an den Opernbetrieb herangeführt werden.

Anstatt auf bekannte und erfahrene Sänger zurückzugreifen, gibt Barbara Hannigan jungen Gesangstalenten aus aller Welt die Möglichkeit, Teil eines Nachwuchsprogramms namens „Equilibrium“ zu werden. Bei dieser ungewöhnlichen Herangehensweise an eine Opernbesetzung geht es ihr nicht nur darum, jungen Talenten Karrierepfade zu öffnen oder den Einstieg in die hart umkämpfte Opernwelt zu ermöglichen. Persönliche, zum Teil schmerzliche Erfahrungen in ihrer eigenen beruflichen Laufbahn bringen in ihr den Wunsch auf, einen ganzheitlicheren Ansatz zu verfolgen: Menschliche Begegnung, richtiges Zuhören und ein ehrlicher Austausch sollen die Sänger stark machen für ihre Karriere im Opernbetrieb.

Dabei sind natürlich perfekte Intonation und gute Technik ausschlaggebend, doch Barbara Hannigan legt ihren Fokus auch auf Themen außerhalb der Musik, die einen Karriereverlauf positiv oder negativ beeinflussen können: Der Umgang mit Einsamkeit, der Stress der Reisen zwischen den Auftrittsorten, das Aushalten von Erschöpfungszuständen oder Krankheitssymptomen.

Die Figur der „Anne“ in Strawinskys „The Rake’s Progress – Der Wüstling“ war für die junge Sopranistin Barbara Hannigan die erste Opernrolle ihrer Laufbahn. 2018 ist es die erste Oper, die sie sich als Dirigentin erarbeitet, gemeinsam mit den Göteborger Symphonikern. Für die talentierten Musiker, die von ihr gecastet, gecoacht und durch die Proben begleitet werden, ist es die Chance, intime Einblicke und Erfahrungen eines Opernstars zu teilen. Die Dokumentation begleitet die Ausnahmekünstlerin dabei, wie sie sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere auf ihre eigenen Anfänge besinnt, Talente fördert und ihnen eine große Bühne bereitet.

Samstag, 18.05. / 22:40 Uhr / Precht: Mehr Fortschritt, mehr Wohlstand, mehr Glück?
Richard David Precht im Gespräch mit Juli Zeh, Schriftstellerin
(Erstsendung: 28.04.2019)
ZDF

Über Jahrhunderte hinweg glaubten Gesellschaften an eine permanente Höherentwicklung durch Fortschritt.

Richard David Precht und sein Gast, die Schriftstellerin Juli Zeh, stellen aber fest: Trotz wachsender Wirtschaft und mehr Konsum werden die Menschen nicht glücklicher.

Bei allem Wohlstand und aller Freiheit, die in den westlichen Industriegesellschaften erreicht wurden, scheint inzwischen ein Endpunkt erreicht zu sein: Wachstum und Wohlstand garantieren anscheinend nicht mehr Zufriedenheit, sie kommen auch selbst allmählich an ihre Grenzen. Stattdessen nimmt die Gereiztheit zu, der Stress im Alltag ebenso wie die öffentlich gezeigte Wut über die Politik. Woran liegt das? Gibt es Grenzen des Glücklichseins, genügen wir uns selbst nicht mehr? Diese Fragen stellt Richard David Precht der Bestsellerautorin und Juristin Juli Zeh.

Glück scheint an einem bestimmten Punkt nicht dauerhaft steigerungsfähig zu sein. Woran liegt das? Warum sind viele Menschen nicht dankbarer, trotz des hohen Lebensstandards in unseren liberalen Demokratien, sondern haben permanent schlechte Laune? Warum scheint die Formel „Fortschritt bedeutet Glück“ einfach nicht aufzugehen? Und was berechtigt die Gesellschaft überhaupt zu dieser auch besonders offensiv im Internet postulierten Anspruchshaltung, dass einem immer das Beste und das Günstigste zusteht? Die Gesellschaft erhebt den Anspruch darauf, immer größere Ansprüche haben zu dürfen: Soziologen und Psychologen reden heute von „Entitlement“. Liegt dies im Menschen selbst begründet, oder zeigen wir diese Frustrationsintoleranz, weil wir immer stärker vom Konsum- und Wachstumsdenken beherrscht werden?

Der Siegeszug des Individualismus sei daran schuld, so Precht, dass man lieber seine eigene Einzigartigkeit zelebriere, sich in Selfies inszeniere und den persönlichen Vorteil im Auge habe, als über die Notwendigkeiten einer besseren Gesellschaft nachzudenken. In der Antike war das Glück noch fest an das gesellschaftliche Leben gekoppelt. Nur in der Tugendhaftigkeit gegenüber der Gemeinschaft findet nach Aristoteles der Mensch seine Erfüllung. Das Glück liegt für ihn nicht in der Erfüllung von Bedürfnissen, sondern im „tätigen Sein“. Wir sollten uns wieder mehr für das Gemeinwohl aller mitverantwortlich fühlen, anstatt sich zwischen Selfie-Manie und Wutbürgertum gegenseitig aufzureiben, fordert Precht.

Sonntag, 19.05. / 10:05 Uhr / lesenswert
Denis Scheck im Gespräch mit Gerbrand Bakker und Thomas A. Vilgis
(Erstsendung: 16.05.2019)
ARD/SWR

Mit diesen Büchern liest es sich besser – und diese Moderatoren sagen Ihnen, weshalb: Felicitas von Lovenberg oder Denis Scheck moderieren 14-täglich die Sendung für Bücherfreunde.

Sie stellen aktuelle Autoren und ihre Bücher vor – im ausführlichen Gespräch, in kurzen Steckbriefen, im schnellen Frage-Antwort-Spiel – charmant, spitzzüngig, schlagfertig.

Außerdem kommen interessante Zeitgenossen zu Wort, die erzählen, welche drei Bücher ihr Leben beeinflusst oder geprägt haben.

Sonntag, 19.05. / 10:35 Uhr / Europakonzert der Berliner Philharmoniker 2018
aus dem Markgräflichen Opernhaus Bayreuth
Mit Eva-Maria Westbroek (Sopran)

Programm:
– Ludwig van Beethoven: Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 C-Dur op. 72
– Richard Wagner: Wesendonck-Lieder (Orchestrierung von
Felix Mottl und Richard Wagner)
– Ludwig van Beeethoven: Symphonie Nr. 4 B-Dur op. 60
Musikalische Leitung: Paavo Järvi

ARD/RBB

Europakonzert 2018 der Berliner Philharmoniker aus dem Markgräflichen Opernhaus Bayreuth mit Dirigent Paavo Järvi und Sopranistin Eva-Maria Westbroek.

Im barocken Ambiente des restaurierten und 2018 wieder eröffneten Theaters wird ein Programm mit Bezügen auf die musikalische Geschichte der Stadt geboten. Eva-Maria Westbroek singt Wagners „Wesendonck-Lieder“, die als Vorstudie zu „Tristan und Isolde“ gelten.

Es erklingen Ludwig van Beethovens „Leonoren“-Ouvertüre Nr. 3, die in komprimierter Form die Handlung von Beethovens Oper „Fidelio“ zusammenfasst, und die Vierte Symphonie.

Sonntag, 19.05. / 12:00 Uhr / Von Steilshoop in die Elbphilharmonie
Film von Bettina Pohlmann
(Erstsendung: 06.03.2017)
ARD/NDR

Seit seiner Geburt lebt der 19-jährige André mit seiner Mutter und seinen zwei Brüdern auf kleinstem Raum in Steilshoop, einem Problemstadtteil Hamburgs. Doch er machte trotzdem sein Abitur.

Seine große Leidenschaft ist die Musik. Seit sieben Jahren spielt er bei den Hamburger Young ClassX Bratsche in einem renommierten Orchester. André war einer der Ersten, der von den Profimusikern der Young ClassX kostenfrei Unterricht bekam.

Aber André will noch mehr: Er will später vom Musizieren leben können. Doch erst einmal geht es zum Tellerwaschen in die Innenstadt. Seit einem Jahr arbeitet André an diesem Ort hoch über Hamburg. Hier oben ist Steilshoop sehr weit weg. Von hier kann André fast bis zur Elbphilharmonie schauen, der Ort, an dem bald ein Traum in Erfüllung gehen wird: André wird im Großen Saal beim Konzert der Young ClassX in Hamburgs neuem Wahrzeichen mit dabei sein. „Die Welt zu Hause und das Leben hier, das ist schon krass, ist schon sehr anders. Meine Gäste hier haben bestimmt keine Berührungspunkte zu Steilshoop. Aber in die Elbphilharmonie, da gehen sie vielleicht hin.“

Schämt er sich manchmal für seine Herkunft? „Nee, das nicht. Aber meine Kollegen finden es merkwürdig, dass ich so gerne Bratsche spiele und diesen Job nur übergangsweise machen will. Naja, und meine Freunde natürlich auch. Die sehen erst einmal das Geld, das man hier verdienen kann, aber ich hab ja noch andere Pläne“, sagt er und grinst.

Sonntag, 19.05. / 12:30 Uhr / Druckfrisch ~ Neue Bücher mit Denis Scheck
(Erstsendung: 05.05.2019)
ARD/BR/MDR/WDR/NDR

Orientierung im Bücherdschungel verspricht Denis Scheck. Scheck besucht Schriftsteller, stellt Neuerscheinungen vor und spart dabei weder an Lob, noch an Kritik.

Seine bissigen und humorvollen Kommentare zu den Büchern der Spiegelbestenliste aus der Kölner Bücherhalle sind beliebt und gefürchtet. Im persönlichen Gespräch entlockt er Autoren aktueller Bestseller interessante Hintergründe zu ihren Werken.

Montag, 20.05. / 01:40 Uhr / The Alan Parsons Symphonic Project: Live in Colombia
Parque Pies Descalzos, Medellin, Kolumbien, 2013
Regie: Alfonso Arias Bernal
3sat

Im August 2013 präsentiert Alan Parsons seine großen Hits „Air mit seiner Tour-Band und dem Medellín Philharmonic Orchestra: die perfekte Verschmelzung von Synthie-Sound und Orchesterklang.

Als Tontechniker des Pink-Floyd-Jahrhundertalbums „The Dark Side of the Moon“ beginnt die Karriere von Alan Parsons. Als Produzent und Komponist großer Popsongs wie „Eye in the Sky“ steht er auf einer Stufe mit Sir Paul McCartney, Brian Wilson und Jeff Lynne.

Montag, 20.05. / 02:40 Uhr / Eric Clapton: Live in San Diego
San Diego, USA, 2007
Regie: Martyn Atkins
3sat

Am 15. März 2007 tritt Eric Clapton mit JJ Cale, Robert Cray und vielen anderen musikalischen Gästen in San Diego auf. Es ist Claptons 13. Livealbum, das 2016 als CD veröffentlicht wird.

3sat zeigt die Höhepunkte des Konzerts, über das Clapton in Bezug auf die Mitwirkung von JJ Cale sagt: „Das ist die Verwirklichung dessen, was ich mir immer gewünscht habe: Mit dem Mann auf der Bühne zu stehen, dessen Musik mich inspiriert, so lange ich denken kann.“

Montag, 20.05. / 03:40 Uhr / Ed Sheeran: Live at Wembley Stadium
Wembley Stadium, London, Großbritannien, 2015
Regie: Paul Dugdale
3sat

Im Juli 2015 spielt Ed Sheeran im Rahmen seiner „x Tour“ vor über 240 000 Fans im Londoner Wembley Stadium. Er ist der erste Solo-Künstler, der Wembley an drei Abenden in Folge füllt.

„Ich bin stolz auf ihn“, sagt Sir Elton John, der als Überraschungsgast mit Ed den Hit „Don’t Go Breaking my Heart“ interpretiert und mit Respekt über Eds Show sagt: „Große Hallen habe ich solo mit dem Klavier gespielt, aber für Wembley brauchte ich eine Band.“

Montag, 20.05. / 04:40 Uhr / Mumford & Sons: Dust and Thunder
Monument Amphitheatre, Pretoria, Südafrika, Februar 2016
Regie: Dick Carruthers
3sat

Am 6. und 7. Februar 2016 spielen Mumford & Sons im Monument Amphitheatre in Pretoria im Rahmen ihrer „Wilder Mind Tour“ und präsentieren vor monumentaler Kulisse ihre Hits und ihre Gäste.

Als die britischen Folk-Rocker eine Südafrika-Tour planen, erwarten sie wenig Nachfrage. Einige Konzerte sollen es werden, ohne Druck und Erwartungen. Doch die ersten 5000 Tickets sind sofort verkauft, und in Pretoria stehen die Musiker dann vor 50 000 Fans.

Montag, 20.05. / 05:40 Uhr / Eagles of Death Metal: Live in Paris
Olympia, Paris, Frankreich, 2016
Regie: Michael Grassi, Naélle Samri
3sat

Am 16. Februar 2016, drei Monate nach dem Anschlag auf den Konzertsaal Bataclan und die Band in Paris, kehren die Eagles of Death Metal zurück und spielen ein emotionales Konzert.

„Ich hoffe, ich kann auf die Bühne gehen und stärker sein als jetzt. Ich will nicht vor allen zusammenbrechen“, sagt Sänger Jesse Hughes vor dem streng bewachten Auftritt. Hughes hält durch und setzt ein Zeichen gegen den Terror.



Diese Übersicht wird stets mehrere Wochen vor den jeweiligen Sendeterminen erstellt. Aktuelle Programmänderungen sind u. U. nicht berücksichtigt. Diese finden sich auf www.3sat.de.