„ttt – titel, thesen, temperamente“ (MDR) am Sonntag (08.12.)

ttt - titel thesen temperamente, am Sonntag im Ersten. Max Moor gibt Informationen über aktuelle Ereignisse und wichtige Trends im deutschen und internationalen Kulturleben. ttt stellt Künstler aller Genres in den Mittelpunkt der Betrachtung, macht Kunst optisch erfahrbar, zeigt Zusammenhänge auf und stellt den Wettstreit der Meinungen in der Kulturszene dar. © ARD/Thorsten Eichhorst

„ttt – titel, thesen, temperamente“ (MDR) kommt am Sonntag, 8. Dezember 2019, um 23:05 Uhr im Ersten.

Die geplanten Themen:

Neues Album von ‘The Who’

Wenn man früher gefragt wurde: Wer ist besser, die Beatles oder die Stones? Dann war die coole Antwort: The Who! Über 2000 zerstörte Gitarren. Die lautesten Konzerte der Musikgeschichte. Die wildesten Akkorde und die süßesten Melodien. Dreckige Revolutionssongs wie „My Generation“. Und opulente Rockopern wie „Tommy“ und „Quadrophenia“. The Who waren in den 60er und 70ern sehr groß und wichtig. Und sind es nun wieder. Nach 13 Jahren gibt es jetzt endlich ein neues Studioalbum: „Who“. Musikalisch eine beachtliche Rückkehr zu alter Stärke. Die Platte enthält elf Songs und dreht sich um Themen wie das Feuer im Grenfell-Turm, Musikdiebstahl, Spiritualität, Wiedergeburt und die Kraft der Erinnerung. „ttt“ traf exklusiv die beiden Gründungsmitglieder Pete Townshend und Roger Daltrey in London und sprach mit ihnen über die befreiende Wirkung zerberstender Instrumente, die hypnotische Wirkung der Windmühlen-Gitarre und ihre wiedererwachte Lust am Lärm. „We are a rock band. We are not a rock’n’roll band. Rock’n’Roll is music to fuck to. We are music to fight to.“ Autor: Andreas Krieger

Portrait Araquém Alcantara

Sein bekanntestes und erschütterndstes Foto zeigt einen vom Rauch und der Hitze des brennenden Amazonaswaldes erblindeten und erschöpften Ameisenbären. Der brasilianische Fotograf Araquém Alcântara hat dieses Bild bereits 2005 gemacht. Er hat es diesen Sommer noch einmal veröffentlicht, während die Welt mehr oder weniger teilnahmsloser Zeuge neuer, extremer Waldbrände in Amazonien war. Seitdem Amtsantritt des den Klimawandel leugnenden Präsidenten Jaír Bolsonaro hat sich die Zahl der Feuer verdoppelt. Unter Bolsonaro nähert sich Brasilien dem „tipping point“ von 20 Prozent durch Brandrodung vernichteten Waldes, jenseits dessen Ökosystem irreparabel zusammenbricht. Mit verheerenden Folgen für das Weltklima. Beim UN-Klimagipfel in Madrid war die dramatisch eskalierende Situation in Amazonien Thema – während ein freidrehender Bolsonaro Umwelt-Aktivisten wie Fabiana Alves von Greenpeace Brasil der Mitschuld an den Bränden bezichtigt. Sie hätten die Brände selbst gelegt, finanziert von Hollywoodstar Leonardo DiCaprio. Seit 40 Jahren fotografiert Araquém Alcântara den brasilianischen Regenwald und dokumentiert seine einzigartige Artenvielfalt und Schönheit und auch seine Zerstörung. Sich selbst bezeichnet er als „Augenzeuge eines Verbrechens“. Autoren: Matthias Ebert, Andreas Lueg

Wem gehört die Kunst?

90 bis 95 Prozent des afrikanischen Kulturerbes befinden sich heute bei uns in Europa, kaum etwas davon ist bis heute in Afrika zu sehen. Immerhin laufen seit einigen Jahren an vielen Museen in Deutschland Debatten, wie mit dem kolonialen Erbe umzugehen sei. In den Depots der ethnologischen Museen liegen etwa zwei Millionen Objekte. Wieviele davon aus der Kolonialzeit stammen, kann niemand sagen. Wie lange wird es dauern, bis all diese Herkunftsgeschichten erforscht und im Zweifelsfall an Afrika zurückgegeben werden: Jahrzehnte, Jahrhunderte?
Für die Provenienzforschung sind die Museen selbst verantwortlich, doch ihnen fehlt Geld und Personal. Die Bundesregierung hatte im Januar eine Million Euro zusätzlich für die Erforschung von Objekten aus kolonialen Kontexten bereitgestellt. Doch dieses Budget, das das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg verwaltet, wurde von den Museen nicht einmal ausgeschöpft. Im vergangenen Monat beschloss die Bundesregierung zusätzlich eine zentrale Kontaktstelle für Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten in Deutschland zu errichten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters will so „den Dialog mit Expertinnen und Experten sowie Betroffenen (…) suchen und möglichst kurzfristig umsetzbare Lösungen vorschlagen“. Aber kurzfristige Lösungen sind bisher Fehlanzeige.
Eines der größten Völkerkundemuseen Deutschlands, das Grassi-Museum, hat jetzt anlässlich seines 150-jährigen Bestehens eine kleine Sonderschau eröffnet, um den Ursprüngen seiner Existenz nachzuspüren. In der Kolonialzeit wurde seitens der Museen mitunter eine aggressive Sammelpolitik gefördert, die bis heute den Grundstock der Bestände prägt. Zur Eröffnung wurde die Büste des einstigen Generaldirektors Karl Weule aus dem Foyer abgeräumt und durch einen Bücherstapel ersetzt. Nur ein weiterer symbolischer Akt? Oder bewegt sich die deutsche Museumlandschaft jetzt doch? „ttt“ sprach mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters, erkundigte sich nach Sammlungsgeschichte im Grassi-Museum in Leipzig bei Léontine Meijer-van Mensch, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen, und interviewte Moritz Holfelder, Autor der soeben erschienenen Streitschrift „Unser Raubgut“. Autorin: Simone Unger

Der größte Crash aller Zeiten

„Der größte Crash aller Zeiten steht uns bevor“, schreiben die Wirtschaftswissenschaftler Marc Friedrich und Matthias Weik in ihrem jüngsten Werk mit dem gleichnamigen Titel, „und wir können ihn nicht mehr verhindern!“ – „Es ist nicht die Frage, ob der Crash kommt, sondern wann?“, heißt es weiter. Der Nullzins der EZB, Schulden-, Anleihen- und Immobilienblasen, das sinkende Vertrauen der Bürger in Politik, Banken und Medien werden insgesamt den Euro zusammenbrechen lassen, bis spätestens 2023. „Der größte Crash aller Zeiten“ ist das fünfte Buch der beiden und krönender Abschluss ihrer dystopischen Wirtschaftsprognosen. Eine Steigerung ist nicht mehr möglich. Mit ihren leidenschaftlichen Vorträgen füllen sie inzwischen riesige Hallen. Ihre aktuelle Show in der Pforzheimer Zeitung ist seit langem restlos ausverkauft, ihr Buch sofort auf Nr. 1 der Spiegel-Bestsellerliste geschossen.
Was fasziniert die Menschen so sehr an der Untergangsprophezeiung? Ist es die Sehnsucht, eine immer komplizierter und unübersichtlicher werdende Welt als das sehen zu dürfen, als was man sie erhofft: als Auslaufmodell. „ttt“ hat Veranstaltungen von Marc Friedrich und Mathias Weik in einer Reportage begleitet und zeigt die Autoren und ihr Publikum bei der Arbeit an der Apokalypse. Autor: Dennis Wagner


Moderation: Max Moor
Redaktion: Rayk Wieland / Matthias Morgenthaler (MDR)

DasErste.de/ttt