„ttt – titel thesen temperamente“ berichtet am Sonntag von den 79. Filmfestspielen in Venedig

ttt - titel thesen temperamente, sonntags im Ersten. Max Moor gibt Informationen über aktuelle Ereignisse und wichtige Trends im deutschen und internationalen Kulturleben. ttt stellt Künstler aller Genres in den Mittelpunkt der Betrachtung, macht Kunst optisch erfahrbar, zeigt Zusammenhänge auf und stellt den Wettstreit der Meinungen in der Kulturszene dar. © ARD/Herby Sachs

„ttt – titel thesen temperamente“ berichtet am kommenden Sonntag (11. September, 23:40 Uhr im Ersten) von den 79. Filmfestspielen in Venedig (BR).

Die geplanten Themen:

L’Immensità

Regie: Emanuele Crialese
Rom in den 1970er-Jahren: Clara und Felice Borghetti beziehen mit ihren drei Kindern eine neue Wohnung. Rasch zeigt sich, dass die scheinbare familiäre Idylle eine Farce ist. Clara und Felice lieben sich nicht mehr, können sich aber nicht zu einer Trennung überwinden. Die einsame Clara flüchtet sich in ihre Rolle als Mutter und widmet sich intensiv ihren drei Kindern. Die älteste Tochter Adriana droht die brüchige Familienbande endgültig zu zerreißen. Die 12-Jährige bemerkt nicht nur die wachsenden Spannungen zwischen ihren Eltern, sie stellt sich den unbekannten Nachbarskindern auch bewusst als Junge vor. Ein wunderbarer, poetischer Film über Einsamkeit und Identitätssuche.

The Banshees of Inisherin

Regie: Martin McDonagh
Auf einer abgelegenen Insel an der Westküste Irlands sind Colm und Padraic schon ein Leben lang miteinander befreundet. Doch dann beendet Colm abrupt die Freundschaft. Dies hat alarmierende Folgen für beide Männer. Padraic ist von Colms Verhalten verwirrt und am Boden zerstört. Er versucht die Freundschaft wiederzubeleben. Als Colm schließlich ein schockierendes Ultimatum stellt, um seine Absicht zu konkretisieren, eskaliert die Situation. Regisseur McDonagh erzählt die Geschichte um Nachbarschaft, Freundschaft und plötzliche Feindschaft als Parabel auf den irischen Bürgerkrieg.

White Noise

Regie: Noah Baumbach
Bei White Noise hatte Regisseur Noah Baumbach nach den großen Erfolgen mit Meyerowitz Stories und Marriage Story wohl Carte Blanche von Netflix bekommen, was die Produktionskosten angeht. 170 Millionen Dollar soll der Film gekostet haben. Ein Riesenaufwand, um den als unverfilmbar geltenden Roman von Don DeLillo aus dem Jahr 1984 auf die Leinwand bzw. ins Streaming zu bringen. Don DeLillos Meisterwerk erzählt die amerikanische Populärkultur und die dahinter lauernde Todessehnsucht. An einer Provinzuni werden Autounfälle als Pop klassifiziert und vom Starprofessor über Hitlerstudien doziert. Wir sind der Meinung: der Film dazu fängt stark an und hört schwach auf.

Tops & Flops / Außerdem in Venedig

„Love Life“ von Kôji Fukada zeigt die Auswirkungen auf ein frisch verheiratetes Paar, als der sechsjährige Sohn der Frau stirbt und der untergetauchte, gehörlose Vater des Jungen plötzlich wieder auftaucht. „Tár“ von Todd Field ist das Porträt einer international gefeierten Dirigentin, die tief stürzt – vor allem aber eine Solo-Show der ungebremsten Hauptdarstellerin Cate Blanchett. Romain Gavras inszeniert in „Athena“ den Aufstand im gleichnamigen französischen Hochhausviertel als eineinhalbstündigen HipHop-Clip. Ritterspiele in der Banlieue. In „Monica“ von Andrea Pallaoro macht sich die Titelheldin, eine Transfrau, auf in die amerikanische Provinz um ihre sterbende Mutter zu pflegen. Annäherung und Versöhnung nach 20 Jahren Stille.


Moderation: Max Moor

„ttt – titel thesen temperamente“ ist am Sendetag ab 20:00 Uhr in der ARD-Mediathek verfügbar.

Redaktion:Lars Friedrich / Franz Xaver (BR)
Im Internet unter DasErste.de