„ttt – titel, thesen, temperamente“ am Sonntag

ttt - titel thesen temperamente, Sonntag um 00:00 Uhr im Ersten. Max Moor gibt Informationen über aktuelle Ereignisse und wichtige Trends im deutschen und internationalen Kulturleben. ttt stellt Künstler aller Genres in den Mittelpunkt der Betrachtung, macht Kunst optisch erfahrbar, zeigt Zusammenhänge auf und stellt den Wettstreit der Meinungen in der Kulturszene dar. © ARD/Thorsten Eichhorst

„ttt – titel, thesen, temperamente“ (rbb) kommt am Sonntag, 7. Juli 2019, um 00:00 Uhr im Ersten.

Die geplante Themen:


Folter gegen Julian Assange
Fast sieben Jahre lang saß der australische Enthüllungsjournalist und politische Aktivist Julian Assange im unfreiwilligen Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London. Im April diesen Jahres entzog die Regierung von Ecuador Assange das politische Asyl und er wurde verhaftet. Derzeit verbüßt er eine einjährige Haftstrafe in London, Begründung: Assange habe 2012 gegen Kautionsauflagen verstoßen. Das sind die harten, nüchternen Fakten zum Fall Julian Assange. Jetzt aber hat der UN-Sonderberichterstatter über Folter, Nils Melzer, Julian Assange in der Haft besucht und einen alarmierenden Bericht über Assanges Gesundheitszustand gegeben. Der 48-Jährige sei schwer traumatisiert, weise massive Angststörungen auf und habe dramatisch an Gewicht verloren. Der UN-Diplomat schließt seinen Bericht mit schweren Anschuldigungen gegen mehrere demokratische Länder, die sich in einer Art Verschwörung gegen Assange zusammengeschlossen hätten. In 20 Jahren Arbeit mit Opfern von Krieg, Gewalt und politischer Verfolgung, so Melzer, habe er noch nie erlebt, dass sich eine Gruppe demokratischer Staaten zusammenschließt, um eine einzelne Person so lange und unter so geringer Berücksichtigung der Menschenwürde und der Rechtsstaatlichkeit bewusst zu isolieren, zu verteufeln und zu missbrauchen. Er fordert die sofortige Beendigung der Inhaftierung von Assange.
„ttt“ traf Nils Melzer in Genf, wo Ende Juni der UN-Menschenrechtsrat tagte und sich mit dem Fall Assange befasste. Außerdem interviewt das ARD-Kulturmagazin Jennifer Robinson, britische Anwältin aus dem Anwaltsteam von Assange.
Autor: Andreas Lueg

Der Untergang der „Kursk“
Genau vor 20 Jahren, 1999, besuchte die damals 28-jährige Olga Kolesnikowa bei einem „Tag der Offenen Tür“ das russische U-Boot „Kursk“. Ihr Mann Dmitrij gehörte zur Besatzung der „Kursk“ und hatte seine junge Frau eingeladen, sich das U-Boot mit ihm anzuschauen. Die privaten Videoaufnahmen zeigen ein lächelndes Paar, das durch die Gänge des 150 m langen Atom-U-Bootes läuft und in die Kamera winkt. Ein Jahr später, im August 2000, sank die Kursk, alle 118 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben – darunter auch Dmitrij Kolesnikow. Die „Kursk“ war das Neueste und Modernste, was die russische Marine damals aufzubieten hatte – eine Milliarde Dollar teuer und vor wenigen Jahren erst vom Stapel gelaufen. Bei dem Manöver im August 2000 explodierte in der „Kursk“ ein Torpedo, riss ein riesiges Loch in die Außenwand des Bugs, und die „Kursk“ sank. 118 Männer an Bord kamen ums Leben. Aber 23 von ihnen überlebten die Katastrophe zunächst – sie konnten sich in Sektor 9 des riesigen U-Bootes in Sicherheit bringen. Darunter auch Dmitrij Kolesnikow. Es begann ein Wettlauf mit der Zeit um die Rettung der Männer, aber die russische Regierung und Militärführung wollten sich vor den Augen der Welt keine Blöße geben, nicht allein in der Lage zu sein, ihre Männer zu retten. So verzögerte sich die vom Ausland angebotene Hilfe. Nach fünf Tagen endlich durfte eine britisch/norwegische Bergungsmission zur „Kursk“ hinabtauchen und andocken. Es war zu spät, auch die 23 Männer waren tot. Der renommierte dänische Regisseur Thomas Vinterberg („Das Fest“) hat diese Tragödie jetzt in einer internationalen Koproduktion verfilmt.
„ttt“ hat in St. Petersburg 19 Jahre nach der Tragödie Olga Kolesnikowa besucht, die Frau von Kapitänleutnant Dmitri Kolesnikow. Er hatte damals in der Dunkelheit des gesunkenen U-Bootes an seine Frau eine letzte Nachricht verfasst; sie wurde später gefunden.
Autor: Ulf Kalkreuth

„Liebe kennt kein Alter“
Der New Yorker Fotograf und Blogger Ari Seth Cohen erreicht mit seinem Modeblog „Advanced Style“ über 250.000 Follower – mittlerweile ist er weltweit bekannt, seine Bücher sind Bestseller. Darin portraitiert er ausschließlich Menschen über 60 – meist Frauen, die dem Alter exzentrische Mode entgegensetzen. In einer Gesellschaft von Jugendwahn und in einer Fashion-Welt mit Topmodel-Casting-Shows zeigt er, dass sich die Älteren, von denen es in der westlichen Welt immer mehr gibt, keine Grenzen setzen lassen. Einige der Portraitierten sind mittlerweile tatsächlich zu Models der Modeindustrie geworden. Mit seinem neuen Buch „Liebe kennt kein Alter“ war er jetzt in Berlin. Diesmal portraitiert er Paare, die mit ihrem außergewöhnlichen Stilbewusstsein ihre Liebe zelebrieren, z.T. seit 50 Jahren. Darunter Bill und Eva aus New York und Paul und Tutti aus Sydney, die bei der Buchpremiere anwesend waren. „ttt“ hat Ari Seth Cohen und seine Models getroffen.
Autor: Norbert Kron

50 Jahre Mondlandung
Kurz vor dem 50. Jahrestag der ersten Mondlandung eines Menschen kommt der Dokumentarfilm „Apollo 11“ von Todd Douglas in die Kinos. Die Vorbereitung und das Ereignis der Mondlandung wurde damals mit 70-mm-Kameras gedreht, dieses Material wird jetzt – digital aufbereitet – noch einmal auf großer Leinwand gezeigt.
„ttt“ trifft den Regisseur Todd Douglas, den Sohn des ersten Menschen auf dem Mond, Rick Armstrong, der als 12-Jähriger erlebte, wie sein Vater den Fuß auf den Erdtrabanten setzte, und Harrison Schmitt, der mit „Apollo 17“ als zwölfter und bislang letzter Mensch auf dem Mond war. Das ARD-Kulturmagazin stellt die Frage, warum die Menschheit sich heute, 50 Jahre nach der Mondlandung, wieder auf Mondmissionen vorbereitet.
Autorin: Julia Riedhammer

Eröffnung der James Simon Galerie
Sie ist sozusagen das Eingangsgebäude der Berliner Museumsinsel – die Jamens Simon Galerie. Ihre Errichtung ist Teil des „Masterplans Museumsinsel“, mit dem die deutsche Hauptstadt ihr weltberühmtes Museumsensemble komplettieren wird. Die James Simon Galerie ist ein schlanker, eleganter Säulengang, entworfen von dem Architekten David Chipperfield, benannt nach einem Mäzen, dem Berlin viel, sehr viel zu verdanken hat. James Simon gehörte als erfolgreicher Baumwollgroßhändler zur Zeit von Wilhelm II. zur Wirtschaftselite des Deutschen Kaiserreichs. Seinen großen Reichtum stiftete er der Berliner Museumslandschaft. Nach Empfehlungen des damaligen Museumsdirektors Wilhelm von Bode kaufte er systematisch bedeutende Kunstwerke mit dem Ziel, sie später an die Berliner Museen zu schenken. Er unterstützte auch Grabungsarbeiten in Ägypten finanziell – so ist die weltberühmte Nofretete dank ihm nach Berlin gelangt. In der Nazizeit wurde die Erinnerung an James Simon, der jüdischen Glaubens war, systematisch ausgelöscht – leider mit lang anhaltendem Erfolg. Mit der James-Simon-Galerie wird nun ein Mäzen geehrt, ohne den die Berliner Museen nicht über die beeindruckenden Sammlungen verfügen würden, die sie heute haben.
„ttt“ spricht mit dem Architekten David Chipperfield über das neue Gebäude, mit dem Direktor der Staatlichen Museen Hermann Parzinger darüber, warum diese Ehrung für James Simon ein wichtiges Signal ist und mit drei Nachfahren von James Simon über ihren bedeutenden Vorfahren.
Autor: Steffen Prell

Moderation: Max Moor
Redaktion:
Christine Thalmann, Ulf Kalkreuth

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