„ttt – titel thesen temperamente“ am Sonntag

ARD ttt - titel thesen temperamente, Sonntag um 23:05 Uhr im Ersten. Max Moor gibt Informationen über aktuelle Ereignisse und wichtige Trends im deutschen und internationalen Kulturleben. ttt stellt Künstler aller Genres in den Mittelpunkt der Betrachtung, macht Kunst optisch erfahrbar, zeigt Zusammenhänge auf und stellt den Wettstreit der Meinungen in der Kulturszene dar. © ARD/Thorsten Eichhorst

„ttt – titel thesen temperamente“ (MDR) kommt am Sonntag, 25. November 2018, um 23:05 Uhr im Ersten.

Die geplanten Themen:

Science-Fiction und 80er-Nostalgie – das neue Album von Muse
Grand Opera. Das Trio Muse liebt den Pomp und große Gesten. Überwältigungsmusik. Schon früh in ihrer Karriere haben sie Arenen gefüllt und sich von Welttournee zu Welttournee mit immer spektakuläreren Shows selbst überboten – zuletzt mit Hologrammen in 3D. So viel herrlichen, überbordenden, virtuosen Glam gab es seit Queen nicht mehr. Und über allem schwebt Sänger, Gitarrist und Komponist Matthew Bellamy mit einer fast vier Oktaven umfassenden Stimme. Auf seinen Alben hat sich das Trio schon mit den verschiedensten Welterklärungs- und Verschwörungstheorien beschäftigt. Nun erscheint das achte Album „Simulation Theory“, auf dem Muse wieder einmal erklären, dass es die Welt eigentlich gar nicht gibt. Muse jedenfalls simulieren gnadenlos die Achtziger Jahre, in der Breitwand-Version und extrasatten Farben. Statt Gitarren jetzt noch mehr Beats, noch mehr Synthesizer, noch mehr Videospielsounds und Neon-Bäm. „ttt“ traf Sänger Matthew Bellamy und Schlagzeuger Dominic Howard zum exklusiven Fernsehinterview.
Autor: Andreas Krieger

Francos Knochen – Streit um die Exhumierung des ehemaligen Diktators
Was soll mit den Resten von Francisco Franco passieren? Darüber wird in Spanien heftig gestritten. Noch ruht der Diktator im „Tal der Gefallenen“, einem gigantischen Mausoleum im Nordosten von Madrid, das von Zwangsarbeitern errichtet wurde. Ein Denkmal für einen faschistischen Führer, der Hunderttausende von politischen Gegnern ermorden ließ – eine Ungeheuerlichkeit im demokratischen Europa des 21. Jahrhunderts. Schon lange fordern Teile der spanischen Gesellschaft, dass die Verbrechen der Franco-Regimes aufgearbeitet und eine Erinnerungskultur zu Ehren der Opfer eingeführt werden soll. Doch bisher fehlte der politische Wille.
In diesem Sommer, 43 Jahre nach Francos Tod, beschloss die neue Regierung unter Pedro Sanchez per Gesetz, die Reste des Diktators aus dem Mausoleum zu entfernen. Doch die für November angekündigte Exhumierung des Diktators lässt auf sich warten. Dessen Familie will nur dann ihre Einwilligung zur Umbettung geben, wenn die Reste in der Almudena-Kathedrale im Herzen von Madrid bestattet werden. Das wiederum lehnt die Regierung ab, ähnlich wie die meisten Madrilenen, sich keine faschistische Pilgerstätte im Stadtzentrum wünschen. Wer wird sich am Ende durchsetzen? Die Regierung? Die Opferverbände? Oder die Familie des Despoten, unterstützt von konservativen Kräften?
„ttt“ hat die Frage mit dem Aktivisten Emilio Sanchez, mit dem Regierungsbeauftragten Fernando Martinez und dem Vorsitzenden der Stiftung Francisco Franco, dem General Juan Chicharro, erörtert.
Autorin: Hilka Sinning

Fotograf Henry Fair – Kunst zwischen Wissenschaft und Umweltschutz
Die großflächigen Fotoarbeiten von Henry Fair vereinen Schönheit und Aussagekraft und eröffnen uns einen neuen, andersartigen Blick auf die Eingriffe des Menschen in die Natur. Henry Fair geht dorthin, wo der Mensch seine Spuren hinterlassen hat. Aus der Vogelperspektive fotografiert er Giftmüllablagerungen, Kohleabbaugebiete oder hochtoxische Schlammbecken mit Poesie und Ästhetik. Die anfängliche Begeisterung über Komposition und Stil der Aufnahmen wird schnell abgelöst durch Bestürzung über das, was sich hinter dem Abgebildeten verbirgt. In der Ausstellung „ARTEfakte“ werden großformatige Luftaufnahmen des Fotografen gezeigt – die auf den ersten Blick wie Gemälde wirken. Landschaftsaufnahmen von Deepwater Horizon, vom größten Kohlerevier Deutschlands im Hambacher Forst oder von den Kotbecken riesiger Schweinefarmen. Die Bilder sind weder farblich noch optisch bearbeitet. Sie zeigen die Wirklichkeit. Es sind Menschen-gemachte Katastrophen, deren Folgen noch immer nicht absehbar sind. Henry Fairs großformatigen grausam schönen Katastrophenbildern stehen Installationen mit wissenschaftlichen Untersuchungen gegenüber, die aufweisen, welche Kosten der so einfach zu habende Fleischkonsum, Kleiderlust und Reisefreudigkeit auf die Umwelt – auf Wasser und CO2 Verbrauch haben – und weist Alternativen auf. Henry Fair bezeichnet sich selbst nicht nur als Künstler, er sei auch Wissenschaftler und Umweltaktivist.
„ttt“ geht mit dem Fotografen gemeinsam in die Lüfte, überfliegt das Lausitzer Kohlerevier, das noch immer den Spreewald mit Eisenoxidschlamm vergiftet.
Autor: Dennis Wagner

Der älteste Konzertpianist der Welt: Menahem Pressler wird 95 Jahre
Menahem Pressler, der im Dezember seinen 95. Geburtstag feiert, ist inzwischen der älteste Konzertpianist der Welt. Sein Leben ist voller Überraschungen, erst vor zehn Jahren begann er seine Solokarriere, nachdem er 53 Jahre lang mit dem legendären, von ihm gegründeten Beaux-Art-Trios um die Welt gereist war. Vor einigen Monaten erschien bei der Deutschen Grammophon sein von der Kritik gefeiertes Album „Clair de Lune“, eine Sammlung französischer Miniaturen. Natürlich geht es ihm heute nicht mehr um Schnelligkeit und Virtuosentum, seine neue Aufnahme ist allerdings ein Musikdokument voller Weisheit und Raffinessen. Geboren wurde Menahem Pressler 1923 in Magdeburg als Sohn eines jüdischen Herrenausstatters. Damals hieß er noch Max und er erinnert sich daran, wie das Bekleidungsgeschäft seiner Eltern zerstört wurde. Im letzten Moment gelang der Familie 1939 die Flucht vor den Nazis nach Palästina, Presslers Großeltern, Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen kamen in Auschwitz um. Als er sich 1946 den ersten Preis beim Debussy-Wettbewerb in San Francisco erspielte, öffneten sich ihm die Tore zu einer internationalen Karriere, die bis heute andauert. Mit dem Beaux-Arts-Trio unternahm er bereits 1956 Konzerte nach Deutschland und spendete die Gagen dieser Auftritte für wohltätige Zwecke in Israel, dem Land, das ihm das Leben rettete. Mehr als 6000 Konzerte hat er in seinem Musikerleben gegeben, mehr als 60 Platten veröffentlicht.
„ttt“ hat den Künstler in Paris getroffen.
Autor: Reinhold Jaretzky

Moderation: Max Moor
Redaktion: Jens-Uwe Korsowsky / Matthias Morgenthaler (MDR)

www.DasErste.de/ttt