„ttt – titel, thesen, temperamente“ am Sonntag (12.01.)

ttt - titel thesen temperamente, am Sonntag im Ersten. Max Moor gibt Informationen über aktuelle Ereignisse und wichtige Trends im deutschen und internationalen Kulturleben. ttt stellt Künstler aller Genres in den Mittelpunkt der Betrachtung, macht Kunst optisch erfahrbar, zeigt Zusammenhänge auf und stellt den Wettstreit der Meinungen in der Kulturszene dar. © ARD/Thorsten Eichhorst

„ttt – titel, thesen, temperamente“ (NDR) kommt am Sonntag, 12. Januar 2020, um 23:35 Uhr im Ersten. Die geplanten Themen:

Von der Mitte an den Rand der Gesellschaft – Wohnungslosigkeit in Deutschland

Noch gibt es in Deutschland keine Zeltstädte wie etwa in Los Angeles, in denen Wohnungslose leben und schlafen – und sich jeden Morgen für ihren Job fertig machen. Denn auch wenn diese Menschen arbeiten, können sie sich keine Wohnung leisten. Doch die Gefahr, dass es in Deutschland auch bald solche Zelte geben wird, wächst: Auch bei uns steigen die Mieten, muss immer mehr vom Einkommen für Wohnungen aufgewendet werden, sind selbst Angehörige der Mittelschicht von Wohnungslosigkeit bedroht. Und wie viele das tatsächlich betrifft, weiß so richtig keiner. Denn es gibt keine bundesweite Statistik. Das soll sich zwar ändern – aber verlässliche Zahlen gibt es erst 2022. Zu spät, sagt die renommierte Soziologin Jutta Allmendinger, denn es sei dringend geboten, über Wohnungslosigkeit zu forschen – auch, um die richtigen politischen Antworten auf das Problem zu finden. „ttt“ spricht mit ihr über Wohnungsnot und Obdachlosigkeit – und trifft zwei Betroffene, die wohnungslos und in einer Sammelunterkunft untergekommen sind.

Das Ende der Menschheit? – Ein Buch über Artensterben und Bevölkerungswachstum

Bei den Bränden in Australien starben nach momentanen Schätzungen eine Milliarde Tiere. Eine ökologische Katastrophe. Denn das generelle Artensterben weltweit ist ohnehin eine der größten Gefahren für die Menschheit – neben dem Klimawandel und dem unkontrollierten Bevölkerungswachstum. Der Wissenschaftler Matthias Glaubrecht schreibt in seinem neuen, umfangreichen Buch über „Das Ende der Evolution“. Das Erfolgsrezept des Homo Sapiens sei es gewesen, die Natur auszubeuten und dann weiterzuziehen. Doch damit droht der Mensch seine eigene Lebensgrundlage zu vernichten. Glaubrecht ist Professor für Biodiversität. In „ttt“ spricht er über Ursachen des Artensterbens – und darüber wie wir den Kollaps vielleicht doch noch verhindern können.

Wie Udo zu Udo wurde – Der Kinofilm „Lindenberg! Mach Dein Ding“

Er ist der Typ, der sein Ding macht, für den alles klar war auf der Andrea Doria, der ein Mädchen aus Ost-Berlin liebte. Udo Lindenberg, der Mann mit Sonnenbrille und Hut, den quasi jeder kennt. Doch wie wurde aus Udo Udo? Das erzählt jetzt der Kinofilm „Lindenberg! Mach Dein Ding“ (Kinostart 16. Januar). Er zeigt den kleinen Udo in seiner Heimatstadt Gronau. Udo trommelnd, Udo mit seinem trinkenden Vater, der der Meinung ist, dass alle Lindenbergs nur eins werden können: Klempner. Er zeigt, wie lang der Weg war, vom unbekannten Udo Lindenberg zu dem zu werden, der im Hotel Atlantic residiert.“ ttt“ hat Udo Lindenberg und die Regisseurin Hermine Huntgeburth getroffen und mit ihnen über den Film und das Werden des Udo Lindenberg gesprochen.

Mehr staatliche Einflussnahme – Ungarns neues Kulturgesetz

Das neue Kulturgesetz ging Ende letzten Jahres im Eiltempo durch das ungarische Parlament, eine Aussprache gab es nicht. Das Gesetz sieht mehr politischen Einfluss auf die Kulturszene vor. Die Verunsicherung ist groß, erst recht in den Theatern. Denn künftig braucht es bei der Bestellung eines neuen Intendanten der Zustimmung des zuständigen Ministers – zumindest, wenn das Theater Geld vom Staat bekommt. Dabei gibt es kaum ein Theater in Ungarn, das sich selbst trägt, und wohl keine Stadt oder Kommune, die ein Theater ohne staatlichen Zuschuss finanzieren kann. So geht die Gleichung: Geld gegen politische Einflussnahme. „ttt“ hört sich in der Theaterszene in Budapest um und spricht mit dem neuen, oppositionellen Bürgermeister über die Zwickmühle, in die er selbst und die Theater der Hauptstadt durch das Kulturgesetz geraten sind.

Immer abgründig und immer eigen – Die Schauspielerin Nina Hoss

Wenn es in Deutschland einen richtigen weiblichen Schauspielerstar gibt, dann ist sie es: Nina Hoss. Dabei lässt sie sich schwer fassen – als Person schon gar nicht, als Künstlerin schon eher. Sie ist eine Meisterin darin, mit ganz wenig Mimik unglaublich große Wirkung zu erzielen. Ihr Spiel ist ganz reduziert – egal ob auf der Leinwand oder der Bühne. Immer abgründig und immer eigen. Wie sie diese Eigenheit für ihre jüngste Rolle entwickelt hat, beschreibt sie im Gespräch mit „ttt“: In „Das Vorspiel“ spielt sie eine Geigenlehrerin, die ihre eigenen Ängste und Hoffnungen auf einen Schüler überträgt – eine Gratwanderung zwischen Kontrolle und Hingabe in der Musik (Kinostart: 23. Januar).

Moderation: Max Moor
Redaktion: Edith Beßling, Christine Gerberding, Niels Grevsen, Melanie Thun (NDR)


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