„ttt – titel thesen temperamente“ am Sonntag (10.11.)

ttt - titel thesen temperamente, am Sonntag im Ersten. Max Moor gibt Informationen über aktuelle Ereignisse und wichtige Trends im deutschen und internationalen Kulturleben. ttt stellt Künstler aller Genres in den Mittelpunkt der Betrachtung, macht Kunst optisch erfahrbar, zeigt Zusammenhänge auf und stellt den Wettstreit der Meinungen in der Kulturszene dar. © ARD/Thorsten Eichhorst

„ttt – titel thesen temperamente“ (MDR) kommt am Sonntag, 10. November 2019, um 23:05 Uhr im Ersten.
Die geplanten Themen:

Jeff Goldblum

Ein Hollywood-Star kehrt der großen Leinwand für einen Moment den Rücken, um sich einer Karriere als Musiker zu widmen. Soweit nichts Besonderes und das Ergebnis, seien wir mal ehrlich, in den meisten Fällen selten mehr als mittelmäßig.
Schon allein deshalb ist das neue und mittlerweile zweite Album des Hollywood-Stars Jeff Goldblum eine echte Meldung wert. Denn „I Shouldn’t Be Telling You This“ – so der Titel der Platte, die nun erschienen ist – ist die überaus angenehme Ausnahme. Jazzklassiker, neu interpretiert. Goldblum am Piano. Ein unheimlich charismatischer Bandleader mit einer unheimlich gut eingespielten Band. Kein Wunder: Seit 20 Jahren tritt der Schauspieler mit seinem Mildred Snitzer Orchestra einmal wöchentlich im Rockwell Table & Stage, einem Nachtclub in Los Angeles, auf – wenn er nicht gerade für einen neuen Hollywood Film vor der Kamera steht. Mit seiner außergewöhnlich Art zu spielen, seinen denkwürdigen Performances in Filmen wie David Cronenbergs „Die Fliege“ oder Steven Spielbergs „Jurassic Park“ hat sich um Goldblum, der dem Jazzpiano bereits in der Jugend verfallen ist, eine beachtliche Fangemeinde geschart, die den Schauspieler beinahe kultisch verehrt. So ist es kaum verwunderlich, dass der Nachtclub im Londoner Vorort Kingston, in dem Goldblum am vergangenen Wochenende sein frisch veröffentlichtes Album präsentierte, kurz davor war, aus allen Nähten zu platzen.“ttt“ war mit dabei und hat den Hollywood-Star begleitet. Autor: Marcus Fitsch

Comeback der Moderne in Halle

Halle an der Saale ist nicht sehr bekannt als Hort der Klassischen Moderne. Nazizeit, der Zweite Weltkrieg und das anschließende Image der Chemiearbeiterstadt für Buna und Leuna hatten die Erinnerung daran weitgehend überdeckt. Doch war Halle in den 1910er und 1920er Jahren eine moderne Metropole mit prosperierendem Kulturleben. Das Museum Moritzburg orientierte sich strikt an der Moderne und sammelte als eines der ersten Museen in Deutschland expressionistische und abstrakte Kunst: von Nolde bis Kirchner, von Kandinsky bis Lissitzky. Die Aktion „Entartete Kunst“ 1937 traf die Hallenser Sammlung schwer. Nach 1945 wurde die Moderne in der DDR missachtet. Als sich das verändert hatte, verhinderte Devisenknappheit mögliche Korrekturen. Trotz der hohen Preise für die Werke sind nach 1990 einige Werke zurückgekommen. Doch was die Hallenser Sammlung einmal war, kann man erst jetzt wieder erkennen. Die Ausstellung „Bauhaus Meister Moderne – Das Comeback“ schafft es, mit etlichen Leihgaben aus aller Welt, die Umrisse und die Substanz der früheren Sammlung wieder darzustellen. Autor: Meinhard Michael

Offical Secrets

Die Britin Katharine Gun gehört zu den wichtigsten Whistleblowern unserer Zeit: Vor 16 Jahren riskierte sie alles, um die Invasion des Irak 2003 abzuwenden. Kurz vor Beginn des Irak-Kriegs gelangt Katharine Gun an ein schockierendes Memo der NSA, in dem es heißt, die Mitglieder des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen sollten erpresst werden, um für eine Invasion im Irak zu stimmen. Da sich Gun nicht an einem unter falschem Vorwand angezettelten Krieg beteiligen will, leitet sie die Informationen an die Presse weiter. Von ihrer Regierung als Verräterin angeklagt, wird Gun inhaftiert. Der Film „OFFICIAL SECRETS“ erzählt die Geschichte der Übersetzerin, die Unrecht nicht einfach hinnehmen wollte und unter größtmöglichen Konsequenzen für sich und ihr engstes Umfeld die Wahrheit ans Licht brachte. Ein Spionage-Thriller von Gavin Hood mit Keira Knightley in der Hauptrolle. Kinostart, 21. November. Autorin: Barbara Block

Dresden im Notstand?

Es sollte eigentlich um eine ernste und dringende Sache gehen. Der Lokalpolitiker Max Aschenbach sitzt für „Die Partei“ im Dresdner Stadtrat und hatte die gute Idee. Er wollte das Stadtparlament zu einem Beschluss bewegen, der die Stadtgesellschaft in die Pflicht nimmt, mehr gegen antidemokratische, antipluralistische, menschenfeindliche Einstellungen zu tun. So weit, so gut. Das Problem nur, er betitelte den Beschluss mit „Nazinotstand?“. War das provokant gedacht? War das fahrlässig, gar infantil politisch? In der öffentlichen Wahrnehmung fiel das nicht ganz unwesentliche Fragezeichen meist weg. Mit hämischer Freude sah man das bestens gepflegte Stereotyp von Dresden als rechte Stadt wieder einmal bestätigt. So verkehrte sich ein ernstes Anliegen, in eine aberwitzige Angelegenheit. Autor:Dennis Wagner


Moderation: Max Moor
Redaktion: Jens-Uwe Korsowsky/ Matthias Morgenthaler (MDR)

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