„ttt – titel thesen temperamente“ am Sonntag

ttt - titel thesen temperamente, Sonntag um 23:35 Uhr im Ersten. Max Moor gibt Informationen über aktuelle Ereignisse und wichtige Trends im deutschen und internationalen Kulturleben. ttt stellt Künstler aller Genres in den Mittelpunkt der Betrachtung, macht Kunst optisch erfahrbar, zeigt Zusammenhänge auf und stellt den Wettstreit der Meinungen in der Kulturszene dar. © ARD/Thorsten Eichhorst

„ttt – titel thesen temperamente“ (BR) kommt am Sonntag, 31. März 2019, um 23:05 Uhr im Ersten.

Die geplanten Themen:

Walter Gropius – Architekt seines Ruhms
Er zählt zu den Großen der modernen Architektur: Was aber hat Walter Gropius wirklich gebaut? Nicht sehr viel. Und das ist nicht erstaunlich, denn nach zwei Jahren Studium war klar, dass ihm jedes Talent zum Architekten fehlte. Doch Gropius ließ sich nicht beirren, gründete ein Architekturbüro, in dem andere jene Bauten entwarfen, die heute als Ikonen der Moderne gelten. In seinem Netzwerk tauchen alle Namen auf, die in der Geschichte der Architektur und des Designs im 20. Jahrhundert eine Rolle spielen. Wer wollte da an der Bedeutung des „Stararchitekten“ zweifeln? Der Autor Bernd Polster hat Gropius‘ Leben akribisch erforscht – man wird es in Zukunft nicht mehr als Heldengeschichte, sondern als Schelmenroman erzählen.

Das NASA Archiv. 60 Jahre im All
Als die NASA, die National Aeronautics and Space Administration, 1958 ihren Betrieb aufnahm, war das auch ein Akt der Psychohygiene für eine geschockte und hysterisierte amerikanische Nation, über die seit einem Jahr russische Sputniks hinwegzogen. Wenige Jahre später hatte sich das Häufchen von Rocketmen, Technikern und Testpiloten, die schon früh von PR-Profis Unterstützung erhielten, zu einem führenden Technologieunternehmen und einer Mythenfabrik gemausert. Astronauten wurden zu neuen Nationalhelden, und Programme wie Mercury, Gemini und schließlich Apollo fesselten Millionen und machten Cape Canaveral zu einer nationalen Pilgerstätte.
Der Wissenschaftsjournalist und Weltraumhistoriker Piers Bizony zeichnet nun in einem Prachtband diese Geschichte nach, die in Zusammenarbeit mit der NASA entstand und ein Dokument ist für Fortschrittsglauben, Pioniergeist und ein wenig – Größenwahn.

Die Wiese – Ein Paradies nebenan
Der auf Naturfilme spezialisierte Regisseur Jan Haft befasst sich in seinem neuesten Dokumentarfilm mit der Vielfalt von Flora und Fauna auf deutschen Wildwiesen. Nirgendwo gibt es mehr Farben zu sehen, als auf einer blühenden Wiese im Sommer. Hier tummeln sich täglich die verschiedensten Arten von Vögeln, Insekten und anderen Tieren zwischen den Gräsern und Kräutern. Diese Vielfalt macht die bunte, saftige Sommerwiese zu einer faszinierenden Welt, in der ein Drittel unserer heimischen Pflanzen- und Tierarten sein zuhause hat. Jan Haft ermöglicht mit hohem technischem Aufwand nie gesehene Aufnahmen. So begleitet er zum Beispiel ein junges Reh, das sich sowohl im Waldrand als auch auf der Wiese wohlfühlt und den Zuschauer an seinen Abenteuern teilhaben lässt. Obwohl jeder meint, die Wiesen Deutschlands zu kennen, zeigt der Filmemacher, wie viele Überraschungen eine scheinbar einfache Weide bereithalten kann. Der Film feiert den Kosmos Wiese in berauschenden Bildern.

Losing Earth
Ein dramatischer Essay über ein beispielloses Menschheitsversagen: Es gab in den achtziger Jahren einen Moment, an dem die Klimakatastrophe, die wir jetzt erleben, hätte verhindert werden können. Der Schriftsteller Nathaniel Rich schildert, wie Ende der siebziger Jahre Wissenschaftler und Politologen erstmals erkennen, dass sich die Erderwärmung desaströs beschleunigt, aber auch, was dagegen zu tun ist. Nach einem Jahrzehnt erbitterter Kämpfe um Öffentlichkeit, Anerkennung und politischer Maßnahmen sind die Regierungen von 67 Staaten bereit, den Klimawandel ernst zu nehmen und ihre Emissionen zu reduzieren – darunter die USA. Doch das weltweite Klimaabkommen zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes scheitert 1989, kurz vor dem Durchbruch. Die historische Reportage liest sich wie ein Krimi. Die Folgen des damaligen Scheiterns sind längst zu spüren. Nathaniel Richs These: Die Erde in ihrer heutigen Gestalt wurde damals verloren.

El Anatsui
Der Ghanaer El Anatsui ist der momentan wohl bedeutendste Künstler Afrikas. Im Münchner Haus der Kunst wird derzeit die bislang größte Ausstellung seiner Werke gezeigt: „El Anatsui: Triumphant Scale“. Im Zentrum stehen seine monumentalen Skulpturen aus Schraubverschlüssen. Diese Werke glänzen durch ihre imposante Präsenz, ihre Faltungen und ihre schillernden Farben. Eine nie gesehene Kunst – überwältigend und gleichzeitig verspielt. Die Ausstellung ist auch ein Vermächtnis des vor wenigen Tagen verstorbenen ehemaligen Leiters am Haus der Kunst, Okwui Enwezor, der die Ausstellung mit kuratierte.

Moderation: Max Moor, Redaktion: Lars Friedrich (BR)

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