„ttt“ am Sonntag: Identität Ost – Deutschland ist längst nicht vereinigt

Jana Hensel (© hr)

„ttt – Titel, Thesen, Temperamente“ hat mit den Autorinnen Jana Hensel und Henrike Naumann in Berlin und Zwickau gesprochen. Die Sendung kommt am Sonntag, 18. August, vom Hessischen Rundfunk (hr) und ist um 23.35 Uhr im Ersten zu sehen.

Am 1. September wählen Sachsen und Brandenburger neue Landesparlamente. Einige Umfragen sehen die AfD als stärkste Partei. Das müsste doch große Fragen aufwerfen, meint die Autorin und Journalistin Jana Hensel. Die ostdeutsche Gesellschaft und deren Identität ist ihr Lebensthema. Sie selbst wuchs in Leipzig auf. „Wie alles anders bleibt“ ist der Titel ihrer neuen Essaysammlung, er spielt mit der Erwartung nach dem Mauerfall, dass jetzt alles eins werde. Auch die Künstlerin Henrike Naumann, in Zwickau geboren, beschäftigt sich mit der Frage nach der Identität Ost und damit, was diese mit der zunehmenden Radikalisierung ihrer Zeitgenossen zu tun haben könnte. Sie war fünf Jahre alt, als die Mauer fiel. In ihrer Kunst beschäftigt sie sich mit dem Umbruch, mit der Haltlosigkeit in einer veränderten Welt gerade bei den jungen Nachwendekindern. Ein Schlüsselmoment für ihre Kunst, sagt sie, war die Enttarnung des NSU im November 2011; die Rechtsextremen wohnten in der direkten Nachbarschaft von Naumanns Großmutter.

Zwei junge ostdeutsche Frauen stellen fest, dass es auch 30 Jahre nach dem Mauerfall im Osten Deutschlands noch immer keine „gesamtdeutsche Identität“ gibt. Für die Erfolge der AfD oder der Pegida-Bewegung, für Radikalisierung und Rassismus, finden sie Erklärungen fernab von der einfachen Zuschreibung der Ostdeutschen als „Jammer-Ossis“ oder „Wutbürger“. Das Problem sei auch der westdeutsche Blick auf den Osten, der Anpassung verlangt und fordert, die eigene Vergangenheit als schlecht und falsch zu tilgen. Ignoranz, Pauschalisierung, Unterstellung, ja sogar Hass auf die Ostdeutschen macht Jana Hensel aus. Falls die AfD ostdeutsche Regierungen stellt, könnte sich die Spaltung in Ost- und Westdeutschland weiter vertiefen, fürchtet Hensel. Sie analysiert, wie Deutschland nicht eins wurde, sondern „Wie alles anders bleibt“.

„ttt – Titel, Thesen, Temperamente“ hat mit Jana Hensel und Henrike Naumann in Berlin und Zwickau gesprochen. Die Sendung kommt am Sonntag, 18. August, vom Hessischen Rundfunk (hr) und ist um 23.35 Uhr im Ersten zu sehen; es moderiert Max Moor.

Außerdem bei „ttt“:

„Congo Calling“ – Ein Dokumentarfilm über drei Entwicklungshelfer in einem der ärmsten und gefährlichsten Länder der Welt:
„ttt“ hat den Regisseur Stephan Hilpert und einen seiner Protagonisten in Berlin getroffen.

Performance, Porno, Provokation – Die Tänzerin und Choreografin Florentina Holzinger: „ttt“ hat die Performance-Künstlerin in Frankfurt und in Wien bei der Arbeit an ihrem neuen Stück begleitet.

Ebow – Deutschrap, politisch: „ttt“ hat die 29-jährige Ebru Düzgün alias Ebow auf ihrer Tour in Basel getroffen.

daserste.de/ttt