„Tremor“ – Ein Song-Zyklus von Nuno Côrte-Real und Pedro Mexia

Das große Erdbeben von Lissabon in der Musik

© Ars Produktion

„Tremor“ heißt übersetzt zittern oder beben. Das große Erdbeben von Lissabon ist das zentrale Thema in einem neuen Lieder-Zyklus für Frauenstimme, Chor und Instrumentalbegleitung von Nuno Côrte-Real.

Unter Leitung des Komponisten musiziert die Lissabonner Sopranistin Bárbara Barradas mit Nuno Côrte-Reals eigenem Ensemble Darcos. Dabei geht es um eine ästhetische Reflexion aus verschiedenen Perspektiven. Das Nachdenken über eine der größten Naturkatastrophen der europäischen Geschichte wird dadurch zum Projekt für die Gegenwart.

Drei Erdstöße, gefolgt von einem Großbrand und schließlich mehreren Tsunami-Wellen legten am 1. November 1755 weitaus mehr als nur die portu-giesische Hauptstadt in Schutt und Asche. Neben den bis zu 100.000 Todesopfern allein in Lissabon forderten die extremen Erdstöße im Atlantik zahllose Opfer mehr – vor allem auch in Nordafrika.

Der Wiederaufbau Lissabons vollzog sich danach rasant. Vor allem aber hat das große Erdbeben das bisherige Weltbild nachhaltig erschüttert und verändert. Können solch monströse Menschheitskatastrophen noch im Sinne eines Gottes sein? Auf die heutige Gegenwart bezogen stellen sich neue Fragen: Wie allmächtig ist der Mensch wirklich in Bezug auf die Beherrschung der Naturgewalten auf dem Planeten? “Tremor beabsichtigt nicht, eine Geschichte zu erzählen oder einen Charakter zu beschreiben. Es ist eine fast abstrakte Übung von Stimmungen aus Worten und Bildern aufgrund historischer Dokumente und überlieferter Erlebnisse der Menschen von damals” – so lautet die selbst formulierte Intention hinter diesem neuen Projekt. Es geht um die lyrische Überhöhung von Existenzfragen, menschliche Ängste, aber auch Hoffnungen in einer extremen Situation. Um diesem Anliegen gerecht zu werden, bedient sich Nuno Côrte-Real seiner eigenen künstlerischen Sprache: In dieser geraten Elemente aus alter Musik und traditionellen Stilen in einen lebendigen Bezug zu musikalischen Ideen aus der heutigen Gegenwart. Die hohe Kunst Nuno Côrte-Reals liegt darin, aus solch konträrem Ausgangsmaterial eine aktuelle Sicht auf das umwälzendste historische Ereignis in der Geschichte von Nuno Côrte-Reals Heimatstadt zu ermöglichen.

Nuno Côrte-Real

Nuno Côrte-Real wurde 1971 in Lissabon geboren und ist einer der bedeutendsten portugiesischen Komponisten der Gegenwart. Regelmäßig werden seine neuen Kompositionen auf internationalen Konzertbühnen uraufgeführt, etwa die „Sieben Tänze zum Tod des Harfenspielers“ im Kleinen Zaal des

Concertgebouw in Amsterdam, die „Little Sea Songs“ im Purcel Room in London, das „Concerto Vedras“ in der St. Peter’s Episcopal Church in New York, die “Nova Cancioneiro“ auf dem Siglufirdi Festival in Reykjavík oder die „Andarilhos“ – Tanzmusik in der Casa da Música in Oporto. Seine umfangreiche Diskographie umfasst nationale und international herausgegebene Alben in verschiedenen musikalischen Genres, von Kammermusik über Chormusik bis hin zu Sinfonie und Oper. In der szenischen Welt hat Nuno Côrte-Real mit führenden Namen in Oper, Theater, Literatur und Film zusammengearbeitet. Die Gründung des Ensemble Darcos resultierte aus dem Wunsch nach einem maßgeschneiderten Klangkörper für die eigenen musikalischen Ideen.

Ensemble Darcos

Seit dem Jahr 2002 ist das Ensemble Darcos eines der renommiertesten portugiesischen Kammermusik Gruppen und tritt in wechselnden Besetzungen auf – bis zur typischen Formation des neunzehnten Jahrhunderts mit fünfzehn Musikern. Ebenso lädt das Ensemble regelmäßig international prominente Gäste ein, etwa den Cellisten Mats Lidström, die Geiger Massimo Spadano, Giulio Plotino und Junko Naito, den Pianisten António Rosado, die Bratschistin Ana Bela Chaves oder den Schlagzeuger Miquel Bernat. Große Beachtung erfahren die regelmäßigen lyrischen Programm mit einigen der wichtigsten portugiesischen Sängerinnen und Sänger wie Eduarda Melo, Luís Rodrigues, Dora Rodrigues, Lara Martins oder Job Tomé.

Pedro Mexia

Pedro Mexia ist der Autor der Liedertexte für diesen Zyklus. Er ist Literaturkritiker und Kolumnist, ebenso Berater für den Kulturbereich des Präsidenten der Portugiesischen Republik und Autor von Fernsehsendungen. Er veröffentlichte Gedicht- und Essaybände, Tagebücher, Kolumnensammlungen, die zum Teil auch in Brasilien erscheinen. Er übersetzte Robert Bresson, Tom Stoppard, Hugo Williams, Martin Crimp und David Mamet. 2015 und 2016 war er Mitglied der Jury des Camões-Preises, der wichtigste Literatur-preis portugiesischer Sprache.

Bárbara Barradas

Bárbara Barradas ist eine lyrische Koloratur Sopranistin, die sich über die wichtigsten Opernbühnen in Portugal hinaus auf dem Weg in eine vielversprechende internationale Karriere befindet. Schon im Alter von 9 Jahren trat sie in das Nationale Konservatorium für Musik ein, wo sie 12 Jahre lang studierte, unter anderem bei José Carlos Xavier. Im Alter von 20 Jahren gewann sie ein Stipendium der Gulbenkian Foundation, um an der Guildhall School of Music and Drama bei Susan Waters zu studieren. Sie war Teil des Flandres Opera Studio.

Sie nahm an der Wales International Academy of Voice teil, die von Dennis O’Neill geleitet und von Dame Kiri Te Kanawa gesponsert wird. Sie hat Gesangsunterricht bei Professor Lúcia Lemos und Paula Anglin und absolvierte zahlreiche Meisterkurse – ebenso, wie sie viele internationale Preise gewann, etwa den Donizetti-Preis für ihren Auftritt als Lucia beim Grandi Voci Wettbewerb in Salzburg.

ars-produktion.de