Tim Kramer mit Schnitzlers »Der einsame Weg« am Theater Magdeburg

Tim Kramer (© Kartal Karagedik)

Für seine letzte Inszenierung als Schauspieldirektor am Theater Magdeburg hat Tim Kramer mit »Der einsame Weg« ein für ihn persönlich wichtiges Stück gewählt: Auf deutschen Bühnen selten gespielt, begleitet es ihn schon seit seiner Zeit als Schauspieler in Wien.

Schnitzler stellt in dem vielschichtigen Drama (1904) verschiedene Generationen am Ende des Fin de Siècles gegenüber, die orientierungs- und rücksichtslos durchs Leben taumeln.

Nach Jahren begegnen sich der Maler Julian Fichtner, Professor Wegrat und dessen Frau Gabriele, die Schauspielerin Irene Herms und der Theaterautor Stephan von Sala wieder. Der nahende Tod Gabrieles bringt sie zusammen. Einst teilten sie gemeinsame Träume und erfreuten sich prächtiger Zukunftsaussichten. Dazwischen kam das Leben und die voranschreitende Zeit, die sich in den Kindern Felix und Johanna manifestiert. Im Rahmen des Zusammentreffens erfährt Felix, dass Julian sein leiblicher Vater ist, der damals mit der bereits verlobten Gabriele eine kurze Liason einging. Irene Herms hadert mit ihrer Kinderlosigkeit, einer früheren Abtreibung und der ewig unerwiderten Liebe zu Julian. Und Stephan von Sala hält sich jegliche emotionale Bindung vom Leib, selbst als er mit Johanna eine heimliche Beziehung eingeht und erfährt, dass auch er unheilbar krank ist. Dazwischen steht der bodenständige Professor Wegrat, der den Schicksalsschlägen stets mit Fassung standzuhalten versucht.

Arthur Schnitzler stellt in »Der einsame Weg« gekonnt die Generation der Väter und Mütter als Vertreter*innen der etablierten Gesellschaft einer Jugend gegenüber, die angesichts ihrer vermeintlichen Möglichkeiten aber auch der Lebenslügen ihrer Eltern orientierungslos zurückbleibt.

Regisseur Tim Kramer fasziniert an dem Stück die Bandbreite an Themen, die Arthur Schnitzler behandelt: Dysfunktionale Liebe, ungewollte Kinderlosigkeit, Generationenkonflikte sowie die gesellschaftlichen Umbrüche um die Jahrhundertwende, werden geschickt miteinander verwoben.

In der Sprache Schnitzlers brechen in der oberflächlichen Konversation plötzlich existentielle Fragen auf. Kramers langjähriger Bühnenbildner Gernot Sommerfeld hat dafür einen Raum erschaffen, der minimalistisch und vielseitig das Verhältnis von außen und innen sowie von Enge und Ferne gegenüberstellt. Sein Zentrum ist ein Birkenbaum, dessen Blätter im Verlaufe des Stückes welken, und so die Unaufhaltsamkeit der Zeit ansichtig werden lässt. Durch die zeitgenössischen Kostüme von Natascha Maraval und schließlich die Musik von Karolin Killig, die aus Versatzstücken der Musik der Jahrhundertwende einen atmosphärischen, elektronisch erzeugten Raumklang herstellt, erhält das Stück, das in vielen Nuancen seiner Entstehungszeit verpflichtet ist, eine überzeitliche Dimension.


Der einsame Weg

Schauspiel in fünf Akten

Von: Arthur Schnitzler

Premiere am Theater Magdeburg: 14. Januar 22 (Schauspielhaus Bühne)

Regie: Tim Kramer
Bühne: Gernot Sommerfeld
Kostüme: Natascha Maraval
Musik: Karolin Killig
Dramaturgie: Caroline Rohmer

Mit: Antonia Labs, Undine Schmiedl, Katharina Walther, Christoph Bangerter, Christoph Förster, Frederik F. Günther, Heiner Junghans, Andreas C. Meyer

Premierenfieber: So. 9. Januar 22 (11:00 Uhr; Schauspielhaus Foyer)

Karten zur Premiere zu 26,- €/erm. 16,- €,
Weitere Vorstellungen zu 22,- €/erm. 12,- €, an der Theaterkasse,
Tel: (0391) 40 490 490, kasse@theater-magdeburg.de und theater-magdeburg.de