Theatertreffen der Berliner Festspiele: Die 10er Auswahl

Die Jury des Theatertreffens 2020 v.l.n.r. Wolfgang Höbel, Cornelia Fiedler, Georg Kasch, Shirin Sojitrawalla, Margarete Affenzeller, Andreas Klaeui, Franz Wille Iko Freese / DRAMA Berlin

Die Jury des Theatertreffens präsentierte heute, am 28. Januar 2020, auf einer Pressekonferenz im Haus der Berliner Festspiele ihre Auswahl der zehn bemerkenswerten Inszenierungen der Saison, die für eine Einladung zum 57. Theatertreffen (1. bis 17. Mai 2020) nominiert sind.
Erstmalig setzte die unabhängige Jury bei ihrer Auswahl eine Frauenquote von mindestens 50 % in der Regieposition um. (Regiekollektive, die sich mehrheitlich aus Frauen zusammensetzen, wurden dabei in die 50 % der Frauen einbezogen.)

Die Kritiker*innen Margarete Affenzeller, Cornelia Fiedler, Wolfgang Höbel, Georg Kasch, Andreas Klaeui, Shirin Sojitrawalla und Franz Wille sichteten und diskutierten im Zeitraum vom 21. Januar 2019 bis 26. Januar 2020 insgesamt xx Inszenierungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gestern Abend fand die finale Jurysitzung im Haus der Berliner Festspiele statt.

Nominiert für eine Einladung zum 57. Theatertreffen der Berliner Festspiele sind:

„Anatomie eines Suizids“ von Alice Birch
Regie Katie Mitchell | Deutsches Schauspielhaus Hamburg

„Chinchilla Arschloch, waswas. Nachrichten aus dem Zwischenhirn“ von Rimini Protokoll (Helgard Haug)
Konzept, Text und Regie Helgard Haug | Eine Produktion von Schauspiel Frankfurt, Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt) und Rimini Protokoll in Koproduktion mit Westdeutscher Rundfunk und HAU Hebbel am Ufer (Berlin)

„Der Mensch erscheint im Holozän“ Ein Visual Poem nach Max Frisch
Regie Alexander Giesche | Schauspielhaus Zürich

„Der Menschenfeind“ von Molière
Regie Anne Lenk | Deutsches Theater Berlin

„Die Kränkungen der Menschheit“
Regie Anta Helena Recke | Eine Produktion von Anta Helena Recke mit den Münchner Kammerspielen in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer (Berlin), Kampnagel (Hamburg) und Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt)

„Eine göttliche Komödie. Dante < > Pasolini“ von Federico Bellini
Regie Antonio | Latella Bayerisches Staatsschauspiel / Residenztheater, München
(Intendanz Martin Kušej)

„Hamlet“ von William Shakespeare
mit Auszügen aus „Die Hamletmaschine“ von Heiner Müller
Regie Johan Simons | Schauspielhaus Bochum

„Süßer Vogel Jugend“ von Tennessee Williams
Regie Claudia Bauer | Schauspiel Leipzig

„TANZ Eine sylphidische Träumerei in Stunts“
Konzept, Performance und Choreografie Florentina Holzinger | Eine Produktion von Florentina Holzinger in Koproduktion mit Spirit und Tanzquartier Wien, SPRING Festival (Utrecht), Productiehuis Theater Rotterdam, Künstlerhaus Mousonturm (Frankfurt), Arsenic (Lausanne), Münchner Kammerspiele, Take Me Somewhere Festival (Glasgow), Beursschouwburg (Brüssel), deSingel (Antwerpen), SOPHIENSÆLE (Berlin), Frascati Producties (Amsterdam), Theater im Pumpenhaus (Münster), asphalt Festival (Düsseldorf)

„The Vacuum Cleaner“ von Toshiki Okada
Regie Toshiki Okada | Münchner Kammerspiele


Yvonne Büdenhölzer (Leiterin des Theatertreffens) zur diesjährigen Auswahl:
„Die Quote ist mit 6:4 mehr als erfüllt! Der diesjährige Jahrgang, zu dem gleich fünf erstmals zum Theatertreffen eingeladene Regisseur*innen gehören, überzeugt durch starke Kreationen, neue Stücke und Klassikerinterpretationen, bei denen Geschlechterrollen bewusst aufgelöst oder umgedeutet werden. Im Zentrum stehen dabei Gesellschaftspanoramen, die aus ungewöhnlichen Perspektiven betrachtet werden. Die Körperlichkeit als aktionistisches Element tritt in den Stückentwicklungen besonders hervor. Die Kraft des Ensembles schafft ein gemeinschaftliches Moment, das sich sowohl auf der Bühne als auch in den Arbeitsweisen der Künstler*innen zeigt.“

Das Theatertreffen der Berliner Festspiele wird seit 2004 von der Kulturstiftung des Bundes gefördert. Im Zentrum des Festivals stehen die zehn bemerkenswerten Inszenierungen, die vom 1. bis 17. Mai 2020 im Haus der Berliner Festspiele und an anderen Orten der Stadt aufgeführt werden.

Weitere etablierte Formate komplettieren das Festivalprogramm. Der Stückemarkt (Leitung Maria Nübling) sucht in einem international offenen Wettbewerb neue Formen der Autor*innenschaft und innovative Theatersprachen. Eine jährlich neu besetzte Künstler*innen-Jury wählt fünf Arbeiten aus, die im Festival ihrer Form entsprechend als Gastspiel oder szenische Lesung präsentiert werden. Die diesjährige Auswahl wird im Februar 2020 bekannt gegeben. Seit 2016 vergibt der Stückemarkt gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb im Festival einen Werkauftrag.

Das Internationale Forum (Leitung Necati Öziri) bringt im Rahmen eines zweiwöchigen Stipendienprogramms in Kooperation mit dem Goethe-Institut und der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia 35 junge Theatermacher*innen aus der ganzen Welt in exklusiven Workshops zum Austausch von künstlerischer Praxis und Erfahrungen zusammen. Das Theatertreffen-Blog (Projektleitung Janis El-Bira) fördert den journalistischen Nachwuchs und begleitet das Festivalgeschehen kritisch. Noch bis zum 2. Februar 2020 richtet sich ein Open Call an junge Kulturjournalist*innen und Autor*innen.

Traditionell werden beim Theatertreffen drei Preise verliehen: der 3sat-Preis, der Alfred-Kerr-Darstellerpreis und der Theaterpreis Berlin der Stiftung Preußische Seehandlung, der in diesem Jahr an die Schauspielerin Sandra Hüller vergeben wird.

Seit 1996 ist 3sat fester Medienpartner des Theatertreffens. Neben der Verleihung des 3sat-Preises für eine künstlerisch innovative Leistung an eine*n oder mehrere Künstler*innen des Theatertreffens präsentiert der Fernsehsender unter dem Titel „Starke Stücke“ eigens produzierte Aufzeichnungen von drei zum Theatertreffen eingeladenen Inszenierungen in seinem Programm. Diese sind während des Festivals im Mai als Public Viewing auf dem großen Screen im Sony Center am Potsdamer Platz Open Air und bei freiem Eintritt zu erleben.

Theatertreffen-Jury

Mit der diesjährigen Festivalausgabe beenden Margarete Affenzeller (Wien) und Shirin Sojitrawalla (Wiesbaden) ihre Jurytätigkeit. An ihre Stelle wurden Sabine Leucht (München) und Petra Paterno (Wien) berufen. Gemeinsam mit Cornelia Fiedler, Wolfgang Höbel, Georg Kasch, Andreas Klaeui und Franz Wille nehmen sie ab Februar 2020 ihre Arbeit für das Theatertreffen 2021 auf. Die Berliner Festspiele danken allen Jurymitgliedern für die geleistete Arbeit.

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